One Percent – Streets of Anarchy (2017)

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Originaltitel: 1 %
Alternativtitel: Outlaws
Regie: Stephen McCallum
Drehbuch: Matt Nable
Kamera: Shelley Farthing-Dawe
Musik: Chris Cobilis
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Ryan Corr, Abbey Lee, Simone Kessell, Josh McConville, Aaron Pedersen, Sam Parsonson, Eddie Baroo, Jacqui William, Matt Nable
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahre

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Knuck ist Anführer des kriminellen Motorradclubs mit dem klangvollen Namen „Copperheads“. Während er im Knast saß hatte sein Stellvertreter Paddo die Leitung über den Club und veränderte in dieser Zeit ein paar der eingefahrenen Strukturen. Als Knuck wieder auf freiem Fuß ist, kommt es unausweichlich zu einem Streit zwischen den beiden, aus dem nur einer von ihnen als Sieger hervorgehen kann.

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„One Percent“ wirbt mit dem deutschen ( 🙂 ) Untertitel „Streets of Anarchy“, was wohl einen dezenten Hinweis auf die Erfolgsserie „Sons of Anarchy“ darstellen und ein entsprechendes Publikum anlocken soll. Wie nicht anders zu erwarten, hinkt dieser Vergleich natürlich, denn der Film wirkt nur auf den ersten Anschein wie ein uninspirierter Abklatsch. „One Percent“ ist auch nicht in erster Linie ein Biker-Film, wie es das Cover suggeriert, sondern vielmehr ein Drama, das im Bikermilieu spielt. Während der ersten 20 Minuten war ich mir des öfteren nicht ganz sicher, ob mir der Film gefallen und zusagen würde, denn es wurde massivst mit vulgären Ausdrücken um sich geworfen. Das wirkte anfangs definitiv etwas störend auf mich und könnte den ein oder anderen Zuseher dazu veranlassen, den Film tatsächlich abzuschalten. Aber man sollte sich einfach darauf einlassen, denn ab einem gewissen Zeitpunkt wird einem klar, dass genau diese Ausdrucksweise das Milieu, in dem der Film angesiedelt ist, wiedergibt. Vor allem kommt dadurch auch eine besondere Dramatik auf, wenn man sich der Geschichte des behinderten Bruders des Protagonisten widmet.

Schauspielerisch gibt es an „One Percent“ absolut nichts auszusetzen. Auch die Frauen haben tragende Rollen inne, aber vor allem Josh McConville, der den Part des besagten behinderten Bruders übernommen hat, kann durch seine hervorragende Performance absolut überzeugen und auch begeistern. In meinen Augen ist er letztendlich auch die tragende Figur und daher heimliche Hauptrolle dieses Dramas. Im Nachhinein betrachtet, gewinnt der Film eine ganz außergewöhnliche Bedeutung für mich, da er mich in seiner konsequenten Tragik manchmal an den grandiosen „Gilbert Grape“ mit Leonardo diCaprio erinnert. „One Percent“ wird diejenigen enttäuschen, die einen reinen Motorradfilm erwarten, denn dafür sind viel zu wenig Bikeraufnahmen vorhanden. Wer allerdings ein handfestes Drama fürs Massenpublikum erwartet, wird ebenso enttäuscht sein, da sich der Film überwiegend abseits des Mainstream bewegt. So stellt „One Percent“ für mich irgendwie einen Art Filmhybrid aus Drama und Action dar, der nicht jedermanns Sache ist. Aber, wie bereits erwähnt, durchhalten lohnt sich auf alle Fälle und „One Percent“ ist auch ein Film, der definitiv hängenbleibt. Stephen McCallums Film mag auf den ersten Blick etwas oberflächlich und ohne Konzept wirken, brennt sich aber dennoch – so war es zumindest bei mir – ins Gedächtnis, weil er sehr realitätsnah inszeniert ist. Die Beziehung der beiden Brüder stellt für mich auf jeden Fall den Mittelpunkt der ganzen Geschichte dar und endet in einem äußerst dramatischen Finale.

Für mich ist „One Percent“ nach anfänglichen Schwierigkeiten ein Film, den man sich ohne weiteres öfters ansehen kann. Um noch einmal auf den Vergleich mit „Sons of Anarchy“ zurückzukommen: Der vorliegende „One Percent“ kann natürlich aufgrund seiner geringen Laufdauer nicht mit einer entsprechenden Tiefe aufwarten. Dennoch sind die Charaktere absolut toll ausgearbeitet und auch entsprechend gespielt. In keiner einzigen Minute hatte ich das Gefühl, einer Direct to DVD-Veröffentlichung zuzusehen. Die Inszenierung, die Schnitte und das Agieren der Schauspieler wirkten auf mich niemals wie ein B-Movie. Man sollte sich vielleicht auf diesen Film einlassen, ohne Vergleiche mit „Sons of Anarchy“ anzustellen, wenngleich diese vielleicht sogar vom Regisseur beabsichtigt waren. Als eigenständiger Film funktioniert „One Percent“ auf alle Fälle und kann optimal und professionell unterhalten. Ich habe ihn auf alle Fälle genossen.

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Fazit: An die Erfolgsserie „Sons of Anarchy“ angelehntes, aber sehenswertes Drama.

© 2019 Wolfgang Brunner

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Dust Devil (1992)

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Originaltitel: Dust Devil
Regie: Richard Stanley
Drehbuch: Richard Stanley
Kamera: Steven Chivers
Musik: Simon Boswell
Laufzeit: 87 Minuten / Final Cut: 108 Minuten
Darsteller: Robert John Burke, Chelsea Field, Zakes Mokae, John Matshikiza, Rufus Swart, William Hotkins, Terry Norton, Russell Copley, Marianne Sägebrecht
Genre: Horror, Mystery
Produktionsland: Südafrika, Großbritannien
FSK: ab 16 Jahre

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Ein Dämon aus alten Legenden durchstreift in Form eines Gestaltwandlers  die Wüste Namibias. Er sucht Opfer, denn mit jedem Mord wachsen seine Kräfte.
Die junge Wendy flieht vor ihrem tyrannischen Ehemann und begegnet dem geheimnisvollen Wanderer und verliebt sich in ihn.
Währenddessen begibt sich ein ortsansässiger Cop auf die Suche nach dem „Dust Devil“, um ihn ein für alle Mal auszulöschen.

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„Dust Devil“ ist ein zwar in die Jahre gekommener Kultklassiker, der aber bis heute nichts von seinem außergewöhnlichen Reiz verloren hat. Mit einer wilden Mischung aus Horror-Thriller, Mystik und Western schafft es dieser kurzweilige Film auch heute noch absolut zu faszinieren. In hypnotischen Bildern erzählt Regisseur Richard Stanley die Reise eines Wesens aus alten Legenden aus einer anderen Dimension in unserer Realität. Wenn man sich die ersten 10 Minuten von „Dust Devil“ ansieht, fühlt man sich unwillkürlich an eine Umsetzung von Stephen Kings Roman „Schwarz“, dem ersten Teil seiner „Dunklen Turm“- Reihe erinnert. Genauso habe ich mir nämlich zum Beispiel die Hauptperson Roland vorgestellt und nicht wie in der Verfilmung „Der dunkle Turm“. Aber zurück zu „Dust Devil“. Stanley schafft es von der ersten Minute an, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Das liegt vor allem am wunderbaren Agieren des Hauptdarstellers Robert (John) Burke, aber auch an den visuell einwandfreien Aufnahmen, mit denen der Regisseur seine Geschichte erzählt. Hinzu kommt der stimmige und unglaublich atmosphärische Score von Simon Boswell, der das Geschehen auf optimalste Weise untermalt. Seine Mischung aus mystischen, sphärischen Klängen und musikalischen Westernmotiven ist auch ohne Film absolut hörenswert.

Koch Media liegt mit diesem Mediabook sowohl die knapp eineinhalbstündige Kinofassung als auch den eine Stunde und 48 Minuten dauernden Final Cut vor. Gerade letzteren sollten sich Fans dieses Films unbedingt ansehen, denn die ohnehin schon komplexe Handlung wird in diesen zwanzig Minuten weitaus mehr vertieft. Man hätte diesen Plot auch gut und gerne auf drei Stunden ausdehnen können und es wäre nicht langweilig geworden. Die neuen Szenen wurden übrigens, nicht wie man es bei solchen Projekten gewohnt ist, lediglich mit deutschen Untertiteln versehen, sondern sogar neu synchronisiert. Allerdings standen wohl die Originalsprecher und -sprecherinnen nicht mehr zur Verfügung, so dass man in diesen wenigen Szenen auffällig hörbar andere Stimmen vernimmt. Ich persönlich fand das allerdings gar nicht wirklich schlimm.
Was mir bei dieser erneuten Sichtung (ich habe „Dust Devil“ das letzte Mal vor etwa fünfundzwanzig Jahren gesehen) aufgefallen ist, sind die teilweise wirklich krassen Splatter- und Goreeinlagen, bei denen ich mich fragte, warum der Film eine FSK 16- Freigabe erhalten hat. Aber das leidige Thema  FSK hat hier nichts verloren. Freunde von Goreszenen werden bei „Dust Devil“ definitiv ihren Spaß haben, zumal die Effekte allesamt handgemacht und ohne Hilfe von Computer(programmen) angefertigt wurden.

„Dust Devil“ ist für mich heute mehr denn je ein zeitlose Kultklassiker, den man sich immer wieder mal ansehen kann (und auch sollte), denn solche Filme sind in der heutigen Zeit eher selten geworden. Obwohl „Dust Devil“ Anfang der 90er Jahre entstand, wirkt er an manchen Stellen wie ein Werk aus den „goldenen 80er Jahren“. Wer diese kleine Perle noch nicht kennt, sollte dies unbedingt nachholen, zumal es nun eine mehr als würdige Veröffentlichung auf Blu-Ray durch Koch Media gibt.

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Fazit: Tolle Mediabook-Veröffentlichung eines heimlichen Kultfilms. Absolut sehenswert.

©2019 Wolfgang Brunner

Knightriders – Ritter auf heißen Öfen (1981)

Knightriders

Originaltitel: Knightriders
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Kamera: Michael Gornick
Musik: Oscar Brown, Jr., Donald Rubinstein
Laufzeit: 145 Minuten
Darsteller:Ed Harris, Tom Savini, Gary Lahti, Amy Ingersoll, Patricia Tallman, Brother Blue, Ken Foree, Scott Reiniger, Martin Ferrero, Warner Shook
Genre: Drama, Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Billy führt eine Schaustellertruppe an, die Ritterspiele und -turniere auf Motorrädern zum Besten gibt. Für die meisten der Truppe ist es lediglich eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, für Billy ist es allerdings eine Lebenseinstellung. Als die Medien auf die Gruppe aufmerksam werden und man mit den verrückten Bikern Geschäfte machen will, kommt es zu Diskrepanzen innerhalb der Gruppe. Billys bis dahin bester Freund Morgan, der durch die Aussicht auf Geld und Ruhm geblendet wird, macht Billy den Rang als König streitig. Ein Duell zwischen ihm und Billy bleibt unausweichlich.

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George A. Romeros „Knightriders – Ritter auf heißen Öfen“  erfuhr leider, wie viele seiner Filme, nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient hätte. Schon bei Romeros anderen Filmen, seine Kultklassiker „Night of the Living Dead“ und „Dawn of the Dead“ einmal ausgenommen, passierte dasselbe: Das Mainstream-Publikum war für derart intellektuelle Filme einfach nicht bereit genug, um diesen einen entsprechenden (natürlich auch finanziellen) Erfolg zu verschaffen. Denn Kultcharakter hat so ziemlich jeder Film von Romero, selbstredend auch der vorliegende „Knightriders“. Ähnlich wie Romeros „Bruiser“ verschwand der Film nahezu sang- und klanglos in der Versenkung, um Jahre später zu einem Kultklassiker zu avancieren. Und diesen Titel kann man „Knightriders“ ohne weiteres zusprechen.

Romero setzt auch hier in erster Linie sein Hauptaugenmerk auf  sozialkritische Aspekte, wie er das übrigens auch hervorragend im genannten „Bruiser“ und natürlich auch bei „Dawn of the Dead“ und nicht zu vergessen dem meiner Meinung nach absolut unterschätzten „Diary of the Dead“ umgesetzt hat. Es wäre kein Romero-Film ohne diese Botschaft, die in die Handlung verpackt ist. So auch bei „Knightriders“, wo der sympathische und leider viel zu früh verstorbene Regisseur als wichtigste Aussage fokussiert, dass man sein Leben gestalten soll, wie man es mag. Ed Harris verkörpert die Rolle des Anführers Billy auf geniale, einfühlsame und glaubwürdige Weise. Man nimmt ihm jede seiner Handlungen ab und fühlt mit ihm. Die Ritterturniere auf dem Motorrad sind für Billy ein Lebensmotto, nahezu der einzige Sinn des Lebens. Und genau dieses Gefühl bringt Harris während des ganzen Films rüber. Es macht absolut Spaß, ihm dabei zuzusehen, wie er seine Lebenseinstellung verteidigt und dabei auf materielle Dinge keinen Wert legt.

Sein Widersacher Morgan, erstklassig dargestellt von „Spezialeffekte-Gott“ Tom Savini, stellt das Gegenteil dieser Lebensphilosophie dar und verkörpert dadurch den Anteil unserer Bevölkerung, der den größeren Teil ausmacht. „Knightriders“ spricht aber zudem auch noch Tabuthemen (damals noch weitaus tabuisierter als heute) wie Homosexualität an. Und das auch noch mit einer sympathischen Leichtigkeit, die beim Zuschauer unwillkürlich die Frage aufkommen lässt, warum dieses „Problem“ in der Gesellschaft eigentlich eines ist. Man muss Romeros Film unter einem bestimmten Aspekt sehen, um richtig Gefallen daran zu finden. Diejenigen, denen das zu anstrengende ist, bekommen aber dennoch ein gut durchdachtes, emotionales Drama mit hervorragenden Mottorrad-Stunts zu sehen.
Unbedingt erwähnenswert, und für Fans ein Muss, sind die beiden Kurzauftritte von Stephen King und seiner Gattin Tabitha, die sich zwischen den Zuschauern tummeln und eine grandiose Darstellung abgeben. Dieser Cameo-Auftritt kam auf Wunsch Romeros zustande, der mit Stephen King gut befreundet war. Nach „Knightriders“ arbeiteten die beiden bei „Creepshow“ zusammen.
Die vorliegende Veröffentlichung von Koch Media lässt für den Romero-Fan keinerlei Wünsche mehr offen: Auf zwei Blu-Rays und einer DVD im Mediabook sind sowohl die Kinofassung als auch die ungekürzte Fassung sowie jede Menge Extras enthalten. Ein Fest für Liebhaber dieses (aus meiner heutigen Sicht zumindest) zeitlosen Klassikers, den man immer wieder mal ansehen kann (und sollte).

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Fazit: Zeitloser, gesellschaftskritischer  Kultklassiker von Regielegende George A. Romero.

© 2019 Wolfgang Brunner

One Cut of the Dead (2017)

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Originaltitel: Kamera o Tomeru na!
Regie: Shinichiro Ueda
Drehbuch: Shinichiro Ueda
Kamera: Tsuyoshi Sone
Musik: Nobuhiro Suzuki, Kailu Nagai
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Takayuki Hamatsu,  Mao, Harumi Shuhama, Yuzuki Akiyama,Kazuaki Nagaya,  Manabu Hosoi
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Japan
FSK: ab 16 Jahre

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Die Macher eines Low-Budget-Zombie-Films, der den Titel „One Cut of the Dead“ trägt, drehen in einem verlassenen Fabrikgelände. Es soll ein Film ohne jegliche Schnitte werden und Regisseur Higurashi gibt letzte Anweisungen, bevor er das Set verlässt.Die Dreharbeiten beginnen, doch es ist gar nicht so einfach, einen Zombiefilm zu inszenieren.

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„One Cut of the Dead“ macht es einem wahrlich nicht leicht. Man geht erst einmal natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung an diesen Film heran, wenn man zum Beispiel Vergleiche wie „Train to Busan“ oder „Shaun of the Dead“ zu hören bekommt. Das suggeriert im Vorfeld bereits eine vollkommen andere Art von Film als  „One Cut of the Dead“ letztendlich ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass man nach den ersten zehn Minuten mehr als verwundert und irritiert ist und tatsächlich überlegt, ob man den Film vielleicht doch einfach abschalten sollte. Weitere zehn Minuten später ist man dann sehr nahe dran, das Handtuch zu schmeißen. Und dann wird es plötzlich, nach einer knappen halben Stunde interessant: Der Abspann von „One Cut of the Dead“ flimmert über den Bildschirm. Das macht in erster Linie stutzig und vor allem eines noch: nämlich neugierig.

Das Szenario ändert sich von einem Moment auf den anderen und man wird mit einem komplett neuen Plot konfrontiert. Auch hier dauert es zwar eine Weile, bis man sich daran gewöhnt und sich auf die neue Situation eingelassen hat. Hat man dann aber diese ersten vierzig Minuten dieses Films überwunden, wird man mit einer der genialsten Horrorkomödien, die ich kenne, belohnt. Es ist einfach unglaublich, mit welcher Detailgenauigkeit und Raffinesse die Macher dieses Films den Plot nach dieser völlig unerwarteten Wendung vorantreiben. „One Cut of the Dead“ ist dennoch keine Zombie- Horror-Komödie à la „Shaun of the Dead“, sondern geht definitiv einen absolut anderen Weg. Noch heute, ein paar Tage nach Sichtung dieses Films, zaubern mir einige Einstellungen ein Schmunzeln ins Gesicht. Ich bin noch immer über diesen Ideenreichtum, den „One Cut of the Dead“ bietet, erstaunt und im Nachhinein wundert mich der phänomenale weltweite Erfolg dieser außergewöhnlichen Komödie absolut nicht.

Dieser Film ist ein absolut gutes Beispiel dafür, dass man mit geringfügigen finanziellen Mitteln und nur durch eine geniale Idee einen unterhaltsamen Film drehen kann. „One Cut of the Dead“ sieht man im ersten Drittel das wenige zur Verfügung stehende Budget an, aber nach besagter Wendung vergisst man diese Tatsache und genießt nur noch den ausgeklügelten Witz und die nahezu perfekte Situationskomik, die dieser Low-Budget Film bietet. Ich bin schlichtweg von diesem Streifen begeistert und zudem auch noch sehr beeindruckt, wie die Macher diese Thematik umgesetzt haben. Man sieht, gerade in der zweiten Hälfte, mit wie viel Herzblut alle Beteiligten an die Umsetzung herangegangen sind. „One Cut of the Dead“ ist mit ganz viel Liebe gedreht, was man dem Film unbedingt anmerkt. Wie gesagt, die erste knappe halbe Stunde muss man schlichtweg überstehen und in Kauf nehmen, um dann das geniale Endergebnis zu sehen. Vor allem gibt diese, im Grunde genommen unerträgliche erste halbe Stunde, am Ende absoluten Sinn. Ich bin mir sicher, dass „One Cut of the Dead“ beim zweiten Mal sogar noch besser funktioniert als beim ersten Mal. Dennoch sollte man bei der Erstsichtung definitiv ohne irgendwelche Informationen an diesen Film herangehen.

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Fazit: Herrlich erfrischende Zombie-Komödie, die ihre gesamte Genialität erst in den letzten zwei Dritteln preisgibt.

©2019 Wolfgang Brunner

Monstrum (2018)

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Originaltitel: Muldoe
Regie: Kim Myung-min, Kim In-kwon, Lee Hye-ri, Choi Woo-shik, Park Hee-soon, Lee Kyeong-yeong, Park Sung-woong
Drehbuch: Heo Jong-ho, Dam Heo
Kamera: Kim Dong-young
Musik: Mowg
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Kim Myung-min, Kim In-kwon, Lee Hye-ri, Choi Woo-shik, Park Hee-soon, Lee Kyeong-yeong, Park Sung-woong
Genre: Horror, Action, Abenteuer
Produktionsland: Südkorea
FSK: ab 16 Jahre

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Die Gegend um den Berg Ingwansan im Korea des 16. Jahrhunderts wird von der Pest heimgesucht. Zusätzlich wütet noch eine gefährliche Bestie im Landstrich, die  Menschen jagt und tötet. Der König schickt drei seiner Soldaten ins Gebirge, um das Monster zur Strecke zu bringen.

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Man muss koreanische Filme mögen, um an „Monstrum“ so richtig Spaß zu haben. Es dauert auch eine Weile, bis der Film Fahrt aufnimmt, da er sich anfangs – für meinen Geschmack etwas zu lange – mit historischen Begebenheiten aufhält. Das ist an sich nicht weiter schlimm, könnte aber diejenigen Zuschauer enttäuschen, die einen reinen Monsterfilm erwarten. Es wird eine japanische Legende erzählt, die auch mit allerlei politischen Verstrickungen gewürzt ist. „Monstrum“ ist auf jeden Fall unterhaltsam und, sobald die Kreatur erscheint, auch sehr spannend und kurzweilig. Die Animation des Monsters ist sehr gut gelungen und man hat wirklich richtig Spaß daran, dabei zuzusehen, wie die Bestie von den Menschen bekämpft wird.

„Monstrum“ verströmt eine  Atmosphäre, die man auch aus Filmen von Akira Kurosawa kennt. Kurosawa stammt aus Japan, aber die Kultur, die vermittelt wird, ähnelt sich. Was aber jetzt nicht heißt, dass „Monstrum“ anspruchsvoll wie ein Kurosawa-Film ist.
„Monstrum“ ist ein Unterhaltungsfilm, der zusätzlich noch versucht, historische Begebenheiten einzuarbeiten. Für denjenigen, der sich mit diesem Land noch niemals befasst hat, wirken genau diese historischen Teile etwas langweilig und auch langatmig. Man wartet anfangs vergebens, bis das Monster endlich zu sehen ist. Das könnte, wie gesagt. den ein oder anderen Zuseher etwas zermürben. Andererseits trägt gerade diese Mischung dazu bei, dass sich der Film von anderen des gleichen Genres abhebt. Man sollte deswegen keinen reinen Monsterfilm erwarten, um sich eine diesbezügliche Enttäuschung zu ersparen.

„Monstrum“ ist ein südkoreanischer Film, der sich zwar an manchen Stellen an die europäischen und amerikanischen Gepflogenheiten hält, aber dennoch den Geist des Entstehungslandes widerspiegelt. Mit diesem Wissen kann dieser Film auf alle Fälle unterhalten und ist auch für Europäer interessant. Schauspielerisch kann man ebenfalls nicht meckern, das läuft alles auf respektablem Niveau ab. Auf den ein oder anderen Gag hätte man getrost verzichten können. Diese Witze sollten zwar die Handlung etwas auflockern, verursachten aber (zumindest bei mir), dass man den Film nicht mehr wirklich ernst nimmt, was an sich wiederum schade ist, denn das Monster wirkt an vielen Stellen schon bedrohlich. Aber das ist vielleicht auch die Mentalität der Südkoreaner, die sich hier niederschlägt. Mir hätte der Film weitaus besser gefallen, wären die Macher durchgehend ernst an die Handlung und Inszenierung herangegangen.

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Fazit: Ein Monsterfilm der etwas anderen Art mit gelungenen Effekten.

©2019 Wolfgang Brunner

Santa Sangre (1989)

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Originaltitel: Santa sangre
Regie: Alejandro Jodorowsky
Drehbuch: Alejandro Jodorowsky, Robert Leoni, Claudio Argento
Kamera: Damiele Nannuzzi
Musik: Simon Boswell
Laufzeit: 123 Minuten
Darsteller: Axel Jodorowsky, Adan Jodorowsky Blanca Guerra, Guy Stockwell, Thelma Tixou, Sabrina Dennison, Faviola Elenka Tapia, Jesús Juárez, Teo Jodorowsky
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Mexiko, Italien
FSK: ab 16 Jahre

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Die Kindheit des kleinen Fenix, der einmal Magier in einem Zirkus werden soll, ist ein wahrer Albtraum. Bei einem Streit trennt sein Vater der fanatisch religiösen Mutter beide Arme ab und bringt sich dann vor den Augen seines Sohnes selbst um.
Fenix landet in einer Nervenheilanstalt. Erst als viele Jahre später seine Mutter wieder in Erscheinung tritt, gelingt Fenix als Erwachsener die Flucht vor seiner Vergangenheit. Doch es ist ein schwerer, blutiger Weg bis zur Erlösung …

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„Santa Sangre“ ist ein Film, der mich Sicherheit nicht jedermanns Geschmack trifft. Es ist eigentlich auch gar nicht verwunderlich, das Jodorowskys kontroverser Film für manch einen zu überlastet wirkt. Denn es sind in der Tat eine Unmenge an symbolträchtigen Aphorismen versteckt, die den Film bei der ersten Sichtung förmlich überfluten. Genau das wirkt wahrscheinlich auf viele Zuseher viel zu intellektuell und überladen. Wer sich aber auf Jodorowksys Visionen einlassen kann, der wird mit einem wahnsinnig innovativen und ideenreichen Spektakel belohnt. „Santa Sangre“ ist für mich irgendwie wie eine Mischung aus Filmen von Lars von Trier, Peter Greenaway, Federico Fellini oder an manchen Stellen sogar Werner Herzog. „Santa Sangre“ hat mich tief berührt und oftmals zum Nachdenken gebracht.
Vor allem, ohne jetzt spoilern zu wollen, die Szene, in der Mutter und Vater streiten, stellt für mich eine grandiose Schlüsselszene des gesamten Films dar und hat mich enorm beeindruckt. Da kommt eine Intensität zum Tragen, die mich nicht nur während des Ansehens, sondern auch noch Tage danach schlichtweg umhaut.

Schauspielerisch möchte ich es fast Meisterleistungen nennen, die die Akteure hier abliefern. Denn es ist mit Sicherheit nicht einfach, Jodorowskys skurrile, groteske und teils makabren Visionen zum Leben zu erwecken. Die Schauspielerei wirkt an vielen Stellen theatralisch, was dem Film aber zusätzlich noch einen besonderen Reiz verschafft, dem man sich schlecht entziehen kann, sofern man sich, wie oben bereits erwähnt, darauf einlassen kann. Zumindest auf mich hat der Film einen unglaublichen Sog ausgeübt. „Santa Sangre“ dürfte Jodorowskys zugänglichster Film sein, denn mit seinen bekanntesten Werken „El Topo“ oder „Der heilige Berg“ hat der Regisseur die Geschmäcker der Kinozuschauer weitaus mehr gespalten und strapaziert. „Santa Sangre“ wirkt wie ein irrer Trip ins eigene Ich und konfrontiert den Zuschauer mit Dingen, die einem Albtraum entsprungen erscheinen. Die unglaublich intensive Atmosphäre zieht sich durch den ganzen Film.

„Santa Sangre“ ist kein weiterer „El Topo“ und hat im Grunde genommen wenig mit dem Einfallsreichtum und Mystizismus von „Der heilige Berg“ zu tun, mit dem Jodorowsky keine Geschichte erzählen, sondern eine Erfahrung mit dem Publikum teilen wollte. Jodorowsky wendet sich fast schon an das Mainstream-Publikum, wenn er seine authentische und äußerst wuchtige Geschichte einer gequälten Seele in Szene setzt. Unverändert allerdings sind seine kraftvollen, ausdrucksstarken Bilder, die lange nachwirken. Dennoch ist „Santa Sangre“  absolut kein massentauglicher Film, sondern eher unbequem, visionär und absurd. Ein Gemisch aus wahnwitzigen, poetischen, philosophischen und blutig-brutalen Ideen. „Santa Sangre“ ist einerseits ein Horrortrip, andererseits eine Art Psychothriller, der unter die Haut geht. Das Publikum wird von beeindruckenden, aber auch gewalttätigen Bildern überflutet. Das Begräbnis eines Elefanten hat Kultstatus erreicht und auch die ein oder andere Szene könnte irgendwann einmal Filmgeschichte sein. Wer echtes, emotionales und künstlerisches Kino erleben will, sollte sich „Santa Sangre“ unbedingt ansehen. Für mich ein Meisterwerk.

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Fazit: Wahnwitziges, poetisches, philosophisches, surreales und blutig-brutales Meisterwerk.

© 2019 Wolfgang Brunner

Central Park (2017)

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Originaltitel: Central Park
Regie: Justin Reinsilber
Drehbuch: Justin Reinsilber
Kamera: Eun-ah Lee
Musik: Andre Fratto
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Justin Reinsilber, Grace Van Patten, Justiin A. Davis, Deema Aitken, Ruby Modine, Guillermo Arribas, Michael Lombardi, Sarah Mezzanotte, Pauline Walsh
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: USA
FSK: ab 18 Jahre

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Sechs Freunde planen eine Nacht voller Spaß. Der Schulalltag ist langweilig und das Familienleben schier unerträglich. Daher wollen sich Harold und seine Freunde nachts im Central Park treffen. Doch ein rachsüchtiger Killer lauert ihnen auf, der sie  umzubringen will, um die Sünden seiner Vergangenheit zu bezahlen.

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„Central Park“ wird als Hommage an die guten alten Slasherfilme der 80er Jahre angepriesen. Bei solchen Vergleichen denkt man natürlich unweigerlich an Klassiker wie „Freitag der 13“ oder „Halloween“, um nur die bekanntesten Vertreter zu nennen. Der Vergleich hinkt auch nicht wirklich, denn „Central Park“ reiht sich tatsächlich in diese Art von Horrorfilmen ein. Er ist ein wenig nostalgisch gemacht und bringt daher die Stimmung der damaligen Filme auf jeden Fall rüber. Allerdings wartet man vergebens auf einen waschechten Slasherfilm, der, zumindest in meinen Augen, auch einen gewissen Anteil an Splatterelementen beinhalten sollte. Und da schlägt Regisseur Justin Reinsilber irgendwie einen anderen Weg ein. „Central Park“ geizt nämlich mit solchen Kills. Lediglich an zwei Stellen rechtfertigt sich eine FSK 18-Freigabe, ansonsten sieht man in Filmen, die ab 16 Jahren freigegeben sind, weitaus brutalere Morde.
Das heißt jetzt aber nicht unbedingt, dass dieser Film schlecht ist. Er ist nur etwas anders, als man aufgrund der Vergleiche, die geäußert wurden, erwartet hätte.

Was mir persönlich sehr positiv aufgefallen ist, ist der langsame Aufbau des Plots. Der Regisseur lässt sich bei der Entwicklung der Charaktere Zeit. Es vergeht gut die Hälfte des Films, bevor überhaupt etwas in Richtung Horror passiert. Leider wird alleine diese Tatsache die meisten Horrorfans enttäuschen. „Central Park“ ist eben kein Film, der nur blutiger und brutaler Kills wegen gedreht wurde. Es kam mir des Öfteren vor, dass der Regisseur in erster Linie das Leben von Jugendlichen in einer Großstadt beschreiben wollte. Und dies ist ihm auch sehr gut gelungen. Der Killer in „Central Park“ erschien mir allerdings ziemlich einfallslos und ist meiner Meinung nach weit davon entfernt, zu einer Kultfigur zu werden. Und auch die Auflösung des Ganzen hat mich nicht hundertprozentig überzeugt, obwohl sie von der Idee her gar nicht einmal so schlecht ist.
„Central Park“ ist dennoch ein empfehlenswerter Film, den man sich ansehen sollte. Denn gerade aufgrund seiner relativ ruhigen Inszenierung schafft er eine ganz eigene Stimmung, an die man auch noch denkt, wenn der Film schon längst zu Ende ist. Ich werde mir „Central Park“ auf jeden Fall  noch einmal ansehen, denn trotz meiner Kritikpunkte hat er mir gut gefallen. Vor allem, weil er sich eben von anderen Filmen dieser Art ein wenig abhebt.

„Central Park“ bietet nicht wirklich Neues zum Thema Horror- und/oder Slasherfilm. Aber vielleicht ist es gerade diese Tatsache, die den Film zu einer modernen Variante des nostalgischen und leicht verklärten Rückblicks in eine andere Filmzeit, nämlich die der 80er Jahre, macht. Und vielleicht ist es auch genau dieser Punkt, warum mich dieser Film auf eine besondere Art und Weise nicht mehr loslässt. „Central Park“ versucht nämlich nicht, mit aller Macht irgendwelche Gore-Effekte des Genres zu toppen oder das Publikum auf noch ausgeklügeltere Weise zu schockieren, sondern geht im Grunde genommen einen ganz simplen Weg, nämlich den des guten alten Horrorfilms. Wer es schafft, an diesen Film nicht mit allzu hohen Erwartungen heranzugehen, dürfte durchaus seinen Spaß daran haben. Wer eines Splatterorgie oder extrem blutige Spezialeffekte erwartet, sollte vielleicht lieber die Finger davon lassen. Denn die Enttäuschung könnte letztendlich doch zu groß sein.

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Fazit: Old School Horror, der relativ unblutig daherkommt, aber dennoch sehenswert ist.

©2019 Wolfgang Brunner