The House At The End Of Time (2013)

TheHouseAtTheEndOfTime

Originaltitel: La casa del fin de los tiempos
Buch und Regie: Alejandro Hidalgo
Kamera: Cezary Jaworski
Musik: Yoncarlos Medina
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Ruddy Rodríguez, Rosmel Bustamante, Gonzalo Cubero,
Guillermo García, Héctor Mercado
Genre: Horror
Herstellungsland: Venezuela
FSK: ab 16 Jahren

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Eines Nachts verschwindet Dulces Sohn spurlos und ihr Mann wird brutal ermordet aufgefunden. Weil auf der Tatwaffe ihre Fingerabdrücke gefunden werden, wird Dulce zu lebenslanger Haft verurteilt. 30 Jahre später wird sie aus dem Gefängnis entlassen und in ihr altes Haus zurückgebracht, wo sie, unter Beobachtung gestellt, über die Vorfälle von damals nachdenkt. Doch Dulce ist nicht allein, denn die Geister ihrer Vergangenheit sind ebenfalls noch in dem Haus. Zusammen mit einem Priester will Dulce das Rätsel ergründen, durch das sie ihren Sohn und Mann vor 30 Jahren verloren hat.

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„Das Haus am Ende der Zeit“ ist das Debüt eines jungen, venezuelanischen Filmemachers namens Alejandro Hidalgo. Diesen Namen sollte man sich unbedingt merken, denn was er mit seinem Erstling abgeliefert hat, ist eine filmische Wucht sondergleichen. Man könnte fast meinen, dass der visionäre Christopher Nolan (u.a. „The Dark Knight“-Trilogie, „Inception“ und „Interstellar“) einen Horrorfilm gedreht hat. Es ist unglaublich, mit welcher Raffinesse hier ein Plot kreiert wurde, der zum Ende hin mit einem wahren Feuerwerk an A-ha-Effekten und emotionalen Achterbahnfahrten aufgelöst wird. Klar werden jetzt wieder die ewigen Nörgler daher kommen und über die vermeintlichen Logiklöcher der wirren Handlung diskutieren, aber keiner von ihnen kann mir die Genialität dieses emotionalen Meisterwerks absprechen. „The House At The End Of Time“ ist bestes Kino: gefühlvoll, spannend, unheimlich, visionär und atemberaubend beeindruckend. Selten habe ich so eine atmosphärisch stimmige Mixtur aus Old School-Grusel, intelligenter Handlung und tollen Schauspielern gesehen.

Hidalgo hat ein inszenatorisches Gespür wie ein Profi. Wie er die Handlungen im Verlaufe des Films verwebt ist ein wahrer Geniestreich, der den Zuschauer schlichtweg verblüfft und ihm den Atem raubt. An einer Stelle habe ich mich sogar selbst dabei erwischt, wie ich vollkommen sprachlos den Kopf schüttelte, als ich die Zusammenhänge erkannte. Ich kann meine Begeisterung schwer unterdrücken, denn noch immer geistern die Überschneidungen der Szenen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durch meine Gedanken. Man muss sich auf den Film einlassen, das ist keine Frage, um die komplexe Struktur zu durchschauen. Mainstream-Publikum wird dabei Schwierigkeiten haben, denn eine geradlinige Erzählweise, der man ohne viel nachzudenken folgen kann, fehlt. Der Zuseher, der sich in den Zeitwirbel fallen lässt, wird mit einem wahren Wunder belohnt, das sich ins Gedächtnis frisst, wie es schon lange kein Horrorfilm mehr geschafft hat.

Hidalgo spielt mit einer Leichtigkeit mit Raum und Zeit, als wäre absolut nichts daran kompliziert. Und genau das ist es, was mich immer wieder an Nolan denken lässt: komplizierte Dinge auf völlig unkomplizierte Art darzustellen beziehungsweise darstellen zu können. Schauspielerisch bewegt sich der Film auf absolut hohem Niveau und kann sich getrost mit weitaus bekannteren Streifen messen. Ich möchte mich sogar insoweit ein wenig nach vorne beugen, in dem ich „The House At The End Of Time“ sogar einen bedeutend höheren Status zuspreche, als es thematisch ähnliche Großproduktionen wie zum Beispiel „The Others“ oder „The Sixth Sense“. Hidalgos Debüt ist ein Juwel unter der Masse an Horrorfilmen, und wenn man zu der überaus gekonnten Inszenierung, dem mehr als genialen Plot und den durchwegs fähigen Schauspielern noch das relativ geringe Budget berücksichtigt, so kann man diesen Film ohne Einschränkungen als „absolutes Meisterwerk“ bezeichnen.
Wer blutige Effekte und / oder Mainstreamkino erwartet, sollte die Finger davon lassen. Leider suggeriert das Plakat einen Film im Stil von „Insidious“ oder anderen Haunted House-Filmen, was in diesem Falle aber nicht zutrifft und in die Irre führt. Wer einem künstlerisch ambitionierten Film mit einem feinfühligen, gefühlvollen Plot offen ist, wird mit einem unglaublich beeindruckenden Ergebnis belohnt. So, dann mache ich mal Schluss und sehe mir „The House At The End Of Time“ gleich nochmal an. 😉
Und, wie nicht anders zu erwarten, plant Hollywood schon ein Remake dieses Ausnahmefilms und versucht, wie so oft, die Lorbeeren, die eigentlich dem ursprünglichen Macher zustünden, in Form einer (wahrscheinlich wieder einmal)  seelenlosen Neuverfilmung für sich einzuheimsen.

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Fazit: Visionär, spannend, gruselig, emotional … Mir fehlen einfach die Worte für diese geniale Achterbahnfahrt.

© 2017  Wolfgang Brunner

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The Visit (2015)

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Originaltitel: The Visit
Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Kamera: Maryse Alberti
Musik: Paul Cantelon
Laufzeit: 94 Minuten
Darsteller: Olivia DeJonge, Ed Oxenbould, Kathryn Hahn, Deanna Dunagan, Peter McRobbie, Benjamin Kanes
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Die Geschwister Rebecca und Tyler wollen ihrer alleinerziehenden Mutter eine Kreuzreise mit ihrem neuen Freund ermöglich und erklären sich bereit, die gesamte Zet bei ihren Großeltern zu verbringen. Wegen eines Streits mit ihrem Exmann hat die Mutter den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen und die beiden Kinder kennen daher Oma und Opa überhaupt nicht. Schon kurz nachdem sie bei den älteren Herrschaften angekommen sind, bemerken die Kinder, dass sich ihre Großeltern etwas seltsam benehmen. Die Kinder nehmen alle Vorgänge mit einer Videokamera auf und analysieren die seltsamen Vorgänge, bis sie auf ein unheimliches Geheimnis stoßen …

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Ein neuer Film von M. Night Shyamalan? Gespannter wie ich konnte man kaum sein, wenn man Shyamalans Filme von Anfang an mochte und dann zusehen musste, wie er leider eine Stufe nach der anderen auf der Erfolgsleiter nach unten stieg.  War „The Happening“ noch grob erträglich, so endete „Die Legende von Aang“ für mich in einem ziemlichen Desaster. Genauso wie der nachfolgende „After Earth“, der zwar inszenatorisch schon wieder um Längen besser war, aber einfach nicht Shyamalans „Style“ entsprach. Zu kommerziell und uninspiriert waren seine letzten beiden Filme. Nun war ich natürlich neugierig, was der indisch abstammende Regisseur mit seinem neuesten Film, der scheinbar erfreulicherweise wieder weit abseits des Blockbuster-Mainstream angesiedelt war, gezaubert hat.

Tja, was soll ich sagen. Shyamalan hat zumindest wieder zu einer annehmbaren Form zurückgefunden, die an den Regisseur erinnert, der er einst war. „The Visit“ ist nicht weltbewegend, aber doch weitaus bewegender als viele andere Filme diese Art. Shyamalans Handlung merkt man sich wenigstens, das ist schon ein grundlegender Vorteil im Sumpf der Möchtegern-Grusler, die den Markt seit Jahren überschwemmen. Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben, ergo rollen keine Köpfe und glitschen keine Gedärme über den Bildschirm. Shyamalan konzentriert sich fast schon eher auf die Genre Drama bzw. Thriller und sprenkelt seine Geschichte mit Zutaten leisen Gruselhorrors. Das funktioniert auch wirklich absolut gut und hält den Spannungsbogen stets aufrecht. Erfreulicherweise übertreibt Shyamalan das Kamerawackeln in seinem ersten Film im „Found Footage“-Stil nicht, so dass „The Visit“ niemals nervt. Erfrischend sind auch die augenzwinkernden, nicht ernstzunehmenden Humoreinlagen, die das Ganze unheimlich auflockern.

Aber am Ende bringt Shymalan dann wieder eine Wendung ins Spiel, die man von ihm in seinen alten Filmen gewohnt war. Von einer Sekunde auf die andere entwickelt sich die Handlung zu etwas völlig anderem und schlägt eine Richtung ein, mit der man niemals gerechnet hätte. Das ist Shyamalan, wie ich ihn kenne und mag. Sicherlich ist es keine Rückkehr zur alten Form, dazu ist „The Visit“ zu unspektakulär, aber ein Schritt in die richtige Richtung ist dieser kleine Grusler allemal.
Die Darsteller machen ihre Sache gut, vor allem Deanna Dunagan und Peter McRobbie in ihren herrlich schrägen und skurrilen Rollen als Großeltern sind wirklich sehenswert. Aber auch Olivia DeJonge und Ed Oxenbould bringen die Charaktere ihrem Alter entsprechend überzeugend rüber.
Wie gesagt, es ist kein „echter“ Shyamalan, aber auf alle Fälle schon alleine durch seinen Plot sehenswert. Logikfehler, die während des ganzen Films leider immer wieder mal auftauchen, sollte man einfach übersehen, um sich die Atmosphäre des seichten Familiengrusels nicht zu verderben.

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Fazit: Außergewöhnlicher Familienfilm mit Gruseltouch und einer unerwarteten Wendung, die wieder in Richtung der ersten Filme von M. Night Shyamalan geht. Eindeutig sehenswert.

© 2016 Wolfgang Brunner

Clown (2014)

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Originaltitel: The Clown
Regie: Jon Watts
Drehbuch: Christopher D. Ford, Jon Watts
Kamera: Matthew Santo
Musik: Matt Veligdan
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Laura Allen, Andy Powers, Peter Stormare, Eli Roth, Elizabeth Whitmere, Christian Distefano, Chuck Shamata, Robert Reynolds, Lucas Kelly
Genre: Horror
Produktionsland: Kanada, Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Der Immobilienmakler Kent ersetzt spontan den gebuchten, ausgefallenen Clown für die Geburtstagsfeier seines zehnjährigen Sohnes. Auf dem Dachboden eines Hauses, das er verkaufen soll, findet er in einer Truhe ein altes Clown-Kostüm und rettet damit die Party. Doch nach dem gelungenen Nachmittag und Abend bekommt Kent das Kostüm nicht mehr ausgezogen. Was anfangs wie ein bitterer Scherz anmutet, entwickelt sich zu einem grausigen Alptraum, denn durch das Kostüm hat ein uralter Dämon von Kent Besitz genommen. Und schon bald hat der Dämon Hunger, und zwar nach Kindern …

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Und wieder fällt der Name Eli Roth, obwohl dieser selbst nur vier Filme abgedreht hat. „Clown“ wurde von Roth produziert und in einigen Szenen findet man sicherlich seine Handschrift, aber ansonsten ist „Clown“ das gut gelungene Langfilm-Debüt von Regisseur Jon Watts, der ohne Frage einen eigenständigen Stil an den Tag legt. Der Film funktioniert meiner Meinung nach deswegen so gut, weil er nicht ohne eine gelungene Portion Humor arbeitet, aber dennoch einen handfesten, teils erschreckenden Horrorthriller darstellt.
Die Ausgangssituation hat mich unweigerlich an die grandiose Serie „Geschichten aus der Gruft“ erinnert, weil sie tatsächlich anmutet, als hätte man sie in seiner Kindheit schon einmal in einem Comic gelesen.
Watts schraubt die Spannungsschraube konstant immer höher und was als manchmal „lächerlich“ wirkender Traum anmutet, entwickelt sich immer mehr zu einem clever konstruierten Alptraum.

Der Plot ähnelt (logischerweise) außer Stephen Kings „Es“, den Außenseiter-Dramen „Darkman“, „Die Fliege“ oder „District 9“, denn man fühlt mit dem Besessenen und empfindet an manchen Stellen sogar Mitleid. Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Grauen dann in vollem Maße entfesselt wird. Die comicartige Zeichnung des Protagonisten verwandelt sich plötzlich in einen gruseligen, spannenden Thriller. Aber „Clown“ ist nicht nur Horror und Thriller, sondern auch eine Art Drama, das mitreißt. Sicherlich liegt das Hauptaugenmerk auf einer spannenden und teils blutigen Story, aber zwischen den Bildern zeichnet sich eher ein Drama als ein Horroschocker ab. Das macht Watts Regiedebüt zu etwas besonderem, das sich von dem Einheitsbrei vieler Horrorfilme abhebt, die man bereits nach ein paar Tagen wieder vergessen hat. Hier wird die Geschichte anders angegangen und mehr Wert auf innovative Ideen gelegt.

Am Ende wird dann aber auch der splatter- und goreverwöhnte Zuschauer mit einigen gelungenen Szenen belohnt, die das Gesamtbild eines außergewöhnlichen Filmes noch zusätzlich abrunden. „Clown“ ist eine solide Mischung, die verschiedene Genre bedient, ohne dass man etwas davon wirklich merkt. Jon Watts hat gegenüber dem Clown-Kultfilm und -roman „Es“ irgendwie noch einen draufgesetzt, denn sein Clown wirkt am Ende noch bösartiger und erschreckender als Kings Schöpfung, der den ganzen Schrecken mit seinem etwas mürben Ende verdorben hat. Hier kriegt man selbst als Zuschauer Angst, wenn der Clown Hunger auf Kinder entwickelt und Jagd auf sie macht. Das ist schon wirklich gruselig.
Neben den überzeugenden Schauspielern punktet auf jeden Fall Maske und Make-Up in diesem Film, den man nicht so schnell vergisst. Neben der skurrilen Ausgangssituation und den verschiedenen emotionalen Stationen, die man mit dem von einem Dämon besessenen Protagonisten durchlebt, gefällt schlichtweg der gekonnte Mix aus Horror und Drama.

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Fazit: Skurrile, innovative, äußerst spannende und unterhaltsame Mischung aus Horrorthriller und Drama. „Clown“ könnte zu einem Klassiker des Clown-Horrors werden.

© 2016 Wolfgang Brunner

Demonic – Haus des Horrors (2015)

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Originaltitel: Demonic
Regie: Will Canon
Drehbuch: Max La Bella, Doug Simon, Will Canon
Kamera: Michael Fimognari
Musik: Dan Marocco
Laufzeit: 83 Minuten
Darsteller: Maria Bella, Frank Grillo, Cody Horn, Dustin Milligan, Megan Park, Scott Mechlowicz, Aaron Yoo, Tyson Sullivan, Alex Goode
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Fünf College-Studenten jagen in einem alten, verlassenen Spukhaus Geister und wollen mit ihnen in Kontakt  treten. Alle außer John werden dabei brutal ermordet. Der Fall wird untersucht und nur John kann erzählen, was sich zugetragen hat, denn außer ein paar Videoaufzeichnungen sind keine Spuren vorhanden. Doch ist es die Wahrheit, die der Überlebende erzählt?

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Schon das Cover enthält eine Lüge: Vom Regisseur von „The Conjuring“ und „Insidious“ wird „Demonic“ angepriesen. Aber Regisseur ist Will Canon und nicht James Wan. Der hat den Film lediglich produziert! Das mag ich schon mal gar nicht, wenn auf diese Art und Weise Kunden hinters Licht geführt werden. Aber nun gut, nicht jeder kennt sich aus und legt Wert darauf, wer bei einem Film Regie führt.

Die Story, die hier geboten wird, ist seicht und alles andere als neu. Dennoch beginnt das Ganze atmosphärisch und lässt auf einen zumindest unterhaltsamen Grusler hoffen. Aber leider verliert der Film nach den ersten zwanzig Minuten mit jeder Minute seinen Reiz und wird fast langweilig. Was passiert, hat man alles schon zigmal gesehen. Das ist alles sicherlich Geschmackssache und wer solche Filme mag, wird auch diesen mögen. Sicherlich gibt es einige Schockmomente und auch die Handlung birgt ein paar Wendungen, die einen kurzzeitig über das schale Drehbuch hinwegtrösten. Aber schon bald verfällt die Story wieder in Schema F und kann einen nicht richtig in den Bann ziehen. Die Schauspieler können sich nicht entscheiden, ob sie Lust haben oder eher nicht. An manchen Stellen wirkt ihr Agieren, als wären sie dazu gezwungen worden, ihre Rolle zu spielen. Insgesamt ist das Ganze zwar okay, aber bei Weitem keine Meisterleistung.

Der Plot dümpelt vor sich hin, kann einen hin und wieder packen, macht dies aber wenige Augenblicke später durch ideenlose Geschehnisse zunichte. Wie gesagt, man kennt alles schon aus anderen Filmen und wenngleich „Demonic“ nicht unbedingt schlecht gemacht ist, so hinterlässt er absolut keinen Eindruck. Zu viele Klischees des Horrorfilms werden aneinandergereiht und auch wenn am Ende noch einmal eine unerwartete Wendung kommt, so muss man als aufmerksamer Zuseher bemerken, dass man genau dieses Unerwartete ab einem gewissen Zeitpunkt wusste. Auch da schwächelt das Drehbuch.
Wer einen gruseligen und niveauvollen Horrorfilm erwartet, wird enttäuscht sein, da bin ich sicher. Ein anspruchsloses und  nicht verwöhntes Publikum wird dem Film sicherlich einige Momente abgewinnen können, bei mir hat es nicht funktioniert. Ich wurde schlichtweg enttäuscht. Dennoch kann man „Demonic“ eine Chance geben, denn wer auf eine derartige klischeebehaftete Handlung steht, bekommt diese auch uneingeschränkt geboten. Es gibt weitaus schlechtere Filme, aber auch weitaus bessere. „Demonic“ ist absoluter Durchschnitt, der weder schauspielerisch noch inszenatorisch vollends überzeugen kann, aber trotz aller Kritikpunkte wenigstens unterhalten kann. Ein zweites Mal werde ich mir den Haunted House-Grusler allerdings definitiv nicht mehr ansehen.

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Fazit: Klischeehafter Haunted House-Spuk, der weder inszenatorisch noch schauspielerisch richtig überzeugen kann. Keine Zeitverschwendung, aber belangloser Durchschnitt.

© 2016  Wolfgang Brunner

Die Präsenz (2014)

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Originaltitel: Die Präsenz
Regie: Daniele Grieco
Drehbuch: Daniele Grieco
Kamera: Daniele Grieco
Musik: Stefan Moher
Laufzeit: 83 Minuten
Darsteller: Matthias Dietrich, Henning Nöhren, Liv Lisa Fries
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahre

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Markus, seine Freundin Rebecca und der gemeinsame Freund Lukas verbringen ein paar Tage auf einer verlassenen Burg, in der es angeblich spuken soll. Schon bald stellen sie fest, dass sich tatsächlich etwas in den Gemäuern aufhält und sie bedroht …

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Das ist ja immer so eine Sache mit Found Footage-Filmen. Einerseits kann man sich oftmals ihrem Bann nicht entziehen, andererseits scheint das Thema schon hinlänglich verbraucht zu sein. Und doch kommt es immer wieder mal zu einer Überraschung, mit der man nicht gerechnet hat. Daniele Griecos „Die Präsenz“ ist genau solch eine Überraschung für mich gewesen. Sicherlich bringt Grieco nichts Neues. Aber das dürfte in diesem Genre sowieso nicht mehr machbar sein. Aber was er der Kölner Regisseur in mühsamer, ein Jahr lang andauernder Herzblut-Arbeit auf die Beine gestellt hat, kann sich absolut sehen lassen.

Found Footage ist nicht jedermanns Sache. Doch wenn man diese Inszenierungsart in einer soliden Verpackung präsentiert bekommt, kann man sich durchaus damit anfreunden. Griecos Kameraführung ist gegenüber anderen Wackelbildfilmen angenehm ruhig gehalten und verleiht dem Ganzen eine tolle Atmosphäre. Was mir besonders gefallen hat, waren die Grusel- bzw. Schockmomente in „Die Präsenz“. Wenngleich sie wie aus verschiedenen ähnlichen Filmen anmuten, so tun sie auf jeden Fall ihre Wirkung. Mit ist wirklich so manches Mal wirklich ein Schauer über den Rücken gefahren. Und wer sich auf den Film einlässt, wird die Begeisterung des Regisseurs für Horrorfilme (alte und neue) bemerken. Nicht immer offensichtlich, aber für den Kenner durchaus erkennbar, findet man viele Anspielungen auf Klassiker des Genres. Grieco schafft eine unheimliche Stimmung, die den ganzen Film lang anhält. Besonders die nächtlichen Einstellungen, in denen die Protaginisten ihren Schlaf filmen, haben mir gefallen. Logischerweise bringt man diese Szenen sofort mit der „Paranormal Activity“-Reihe in Verbindung, aber was ist daran schlimm?
Ich habe das jedenfalls nicht als plumpes Kopieren, sondern eher als liebevolle Hommage empfunden.

Sicherlich gibt es ein paar logische Fehler, die sich in den Plot eingeschlichen haben. Aber über die kann man getrost hinwegsehen, wenn man sich einfach nur mal gruseln möchte. Und das kann man bei „Die Präsenz“ ganz klar.  Grieco vermischt geschickt spannende Momente und eher nichtssagende Filmaufnahmen, in denen einfach nur das Privatleben der Protagonisten gezeigt wird. Ich empfand genau diese Mischung sehr authentisch. Insgesamt wirkt der Film sehr professionell und engagiert. Und obwohl Greco, wie schon oben erwähnt, das Genre nicht neu definiert, bleibt „Die Präsenz“ aufgrund seiner Inszenierung und der überaus gut gewählten und passenden Location im Gedächtnis haften..

Schauspielerisch gefiel mir Liv Lisa Fries am besten, dicht gefolgt von den beiden männlichen Darstellen. Sie führten durchwegs glaubwürdig durch die Handlung und konnten durch ihr natürliches Verhalten überzeugen. „Die Präsenz“ kann meiner Meinung nach absolut mit nationalen und auch internationalen Genrebeiträgen konkurrieren und bewegt sich auf jeden Fall im oberen Drittel. Ich bin schon sehr auf den nächsten Film von  Daniele Grieco gespannt.
Ach ja, die FSK 18-Einstufung verstehe ich allerdings (wieder mal) nicht wirklich.

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Fazit: Gruseliger Found Footage Horror aus Deutschland.  Sehenswerter Genrebeitrag, der mit Herzblut inszeniert und gespielt wurde und sich hinter anderen Beiträgen dieser Art nicht zu verstecken braucht.

© 2015 Wolfgang Brunner

Out Of The Dark (2014)

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Originaltitel: Out Of The Dark
Regie: Lluís Quílez
Drehbuch: Alex Pastor, David Pastor, Javier Gullón
Kamera: Isaac Vila
Musik: Fernando Velázquez
Laufzeit: 93 Minuten
Darsteller: Julia Stiles, Scott Speedman, Stephen Rea, Vanessa Tamayo, Alejandro Furth, Pixie Davies, Guillermo Morales Vitola
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Spanien, Kolumbien, Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Sarah soll die Leitung über die Firma ihres Vaters übernehmen und zieht mit Ehemann Paul und Tochter Hannah nach Kolumbien, wo sie in ein verträumtes Häuschen einzieht. Doch plötzlich wird Hannah krank und als Sarah von einer alten Legende erfährt, die seit Jahren in der Stadt erzählt wird, erkennt sie plötzlich einen Zusammenhang zwischen den Geschichten von verschwundenen Kindern und der Erkrankung ihrer Tochter.

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Lluís Quílez‘ Langfilm-Debüt bietet nicht besonders viel Neues im Horror-Mystery-Grusel-Bereich. Dennoch schafft der Regisseur einen atmosphärischen Film mit schönen Bildern und tollen Sets. Vieles ist vorhersehbar, nimmt aber dem Plot komischerweise trotzdem nicht die Spannung. Auf schöne und ruhige Weise wird eine Geschichte erzählt, die ihren grausigen Ursprung in der Vergangenheit hat.

Für viele mag „Out Of The Dark“ langweilig wirken, aber gerade die fehlende Effekthascherei und die unblutige Inszenierung hatte für mich einen Reiz, dem ich mich nicht entziehen konnte. Quílez legt mehr Wert auf eine Geschichte, als auf Schockeffekte und Blut. Dennoch hätte der Inszenierung ein paar erschreckende Gruselmomente nicht geschadet.
Die schöne Stimmung wird durch die passende und hervorragende Musik von Fernando Velázquez unterstriche, der unter anderem für Filme wie „Mama“, „The Impossible“ (absolut toll) oder „Das Waisenhaus“ die Musikuntermalungen komponierte. Seine Klänge passen wirklich gut zu den Bildern und der Geschichte.

Wie gesagt, Neues und Überraschungen darf man ebenso wenig erwarten, wie Schockmomente oder blutige Gore-Szenen. Schauspielerisch war ich ebenfalls zufrieden, denn die Darsteller agieren überzeugend und machen ihre Arbeit gut, obwohl keine der Rollen eine schauspielerische Herausforderung ist. Die Geschichte ist konstruiert und vorhersehbar, aber trotzdem nicht langweilig. Es wird kräftig in die Klischee-Kiste gegriffen, aber wahrscheinlich vermittelt „Out Of The Dark“ dadurch sogar ein klein wenig nostalgischen Hauch von alten Horrorfilmen. Mir hat die gruselige Stimmung gefallen. Den Drehort in eine kolumbianische Kleinstadt zu legen, ist ein inszenatorischer Schachzug, der die im Grunde genommen seichte und ideenlose Handlung übertüncht. „Out Of The Dark“ ist kein besonderer, aber auch kein schlechter Film. Gesehen haben muss man ihn allerdings nicht.

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Fazit: Ruhiger und ideenloser, aber dennoch handwerklich guter Horror-Thriller, der mehr Wert auf die Geschichte und Bilder als auf Schockmomente und Blut legt.

© 2015 Wolfgang Brunner

Dark Skies – Sie sind unter uns (2013)

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Originaltitel: Dark Skies
Regie: Scott Stewart
Drehbuch: Scott Stewart
Kamera: David Boyd
Musik: Joseph Bishara
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Keri Russell, Josh Hamilton, Dakota Goyo, Kadan Rockett, J. K. Simmons, L. J. Benet, Rich Hutchman, Myndy Crist
Genre: Science Fiction, Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Zuerst sieht es so aus, als wären die seltsamen Vorfälle, die im Haus der Barretts stattfinden, paranormalen Ursprungs. Womöglich könnten sogar die familiären Schwierigkeiten eine Rolle dabei spielen. Doch was wenig später geschieht, ist eindeutig eine Begegnung der dritten Art mit Außerirdischen. Immer schockierender werden die nächtlichen Aktivitäten, bis die Familie schließlich Rat bei einem Spezialisten sucht.

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„Dark Skies“ kann durch seine fast durchgängige Authenzität überzeugen. Erst gehen Ende hin, spürt man, dass es sich um eine erfundene Story handelt. Bis dahin fühlt man sich an den unheimlichen, angeblich auf Tatsachen beruhenden, Roman „Die Besucher“ von Whitley Strieber erinnert. Ob man nun an die Verschwörungstheorien rund um Alien-Invasionen Glauben schenkt oder nicht, „Dark Skies“ wirkt auf alle Fälle sehr realistisch und unheimlich. Die wenigen Schockeffekte sitzen perfekt und verleihen dem Film eine gruselige Atmosphäre. Aber im Vordergrund steht die Familie, die um ihren Frieden und um ihr Leben kämpft.

Ein bisschen „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock und „Poltergeist“ von Tobe Hooper werden geschickt in die Handlung vermischt, wirken aber nicht kopiert. Scott Stewart, der bereits mit „Legion“ und „Priest“ zwei ganz ansehnliche Filme hervorbrachte, steigert sich mit „Dark Skies“ noch einmal. „Priest“ hat mir persönlich wirklich gut gefallen, aber „Dark Skies“ trifft meinen Geschmack sowohl thematisch als auch inszenatorisch mehr. Leider kann sich Stewart aber nicht richtig zwischen einer Mockumentary und einem Horror-Science Fiction-Film im herkömmlichen Sinne entscheiden. Ein pseudo-dokumentarisches Flair hätte dem ganzen, wie zum Beispiel bei dem fantastischen Grusler „Die vierte Art“ mit Milla Jovovich, eine weitaus bedrückendere Stimmung verliehen. So gleitet „Dark Skies“ gegen Ende hin dann doch noch zu einem Mainstream-Plot ab, der zwar glücklicherweise kein Happy End vorweist, aber dennoch nicht außergewöhnlich aus der Reihe ähnlicher Filme tanzt.

„Dark Skies“ ist für Fans klassischer Alien-Horror-Filme aber ein unbedingtes Muss, denn die weltweit verbreiteten Verschwörungstheorien werden sehr glaubhaft umgesetzt und verleihen einem schon so manches Mal eine Gänsehaut. Schauspielerisch kann man hier auch nicht meckern: Keri Russell und Josh Hamilton spielen die Parts der Eltern unglaublich gut und intensiv, so dass man ihnen so ziemlich alle Handlungen abnimmt. Das gleiche kann man auch von den beiden Jungs behaupten. Vor allem Dakota Goyo, der in Darren Aronofskys „Noah“ übrigens den jungen Noah verkörperte, hat es mir da angetan.

Insgesamt ist „Dark Skies“ ein wirklich unterhaltsamer und  ideenreicher Alien-Horror, den man sich als Fan dieses Genres nicht entgehen lassen sollte. Sicherlich hätte man das ein oder andere aus meiner Sicht besser machen können, aber eigentlich möchte ich gar nicht groß meckern. Schön ist nämlich, dass es solche stimmungsvollen und gruseligenFilme überhaupt gibt.

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Fazit: Teils, vor allem am Anfang, sehr realistisch wirkender Alien-Invasions-Grusler mit gut eingesetzten Gänsehauteffekten. „Die Besucher“, „Die Vögel“ und „Poltergeist“ lassen zwischendurch grüßen.

© 2015 Wolfgang Brunner