Transformers 4: Ära des Untergangs (2014)

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Originaltitel: Transformers: Age Of Extinction
Regie: Michael Bay
Drehbuch: Ehren Kruger
Kamera: Amir Mokri
Musik: Steve Jablonsky
Laufzeit: 165 Minuten
Darsteller: Mark Wahlberg, Nicola Peltz, Jack Reynor, Kelsey Grammer, Stanley Tucci, Sophia Myles, T.J. Miller, Titus Welliver, Li Bingbing
Genre: Action, Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

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Die gesamte Menschheit ist in Gefahr, denn, wie einst bei den Dinosauriern, soll die Welt cyberformiert werden. Nur Optimus Prime und seine Autobots könnten die Katastrophe verhindern. Zusammen mit dem Erfinder Cade Yeager, dessen Tochter, deren Freund und feuerspeienden Dinobots aus der Vergangenheit ziehen sie in den Kampf …

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Michael Bay wollte wohl mit dem vierten Teil der Serie alle vorhergehenden Teile übertrumpfen. Spektakulärer ist „Ära des Untergangs“ auf jeden Fall nicht geworden, denn mit der Szene im einstürzenden Hochhaus in Teil 3 hat er wohl eine der atemberaubendsten Szene der Transformers-Reihe geschaffen. Aber dass Teil 4 nun eher (zumindest in der ersten Hälfte) zurückhaltender ist, was Effekte betrifft, war für mich dennoch sehr, sehr angenehm.
Da hat mir so Einiges sogar echt Spaß gemacht und ich dachte anfangs, dass „Ära des Untergangs“ womöglich sogar der beste Teil der Serie werden könnte. Auch der Humor war anfangs erträglich und nicht weiter störend.
Doch in der zweiten Hälfte ging es dann, wie gewohnt, (leider) wieder so richtig zur Sache. Da werden einem die Kämpfe und Effekte nur so um die Ohren geknallt, dass es manchmal nicht mehr schön ist und teilweise sogar langweilt. Übertrieben auf ganzer Linie wird, wie am Ende des dritten Teils, die Auseinandersetzungen der Gegner unnötig in die Länge gezogen, so dass man sich ruhigere Szenen förmlich herbeiwünscht.

Es ist aber nicht so, dass die Effekte schlecht gemacht wären. Ganz im  Gegenteil: Die Verfolgungsjagd auf den Dächern und der Wand einer Häuserfront entlang, ist ohne Zweifel spannend und beeindruckend inszeniert. Aber die Kämpfe der Roboter dehnen sich leider irgendwann ins Endlose, wie es Bay eben schon im dritten Teil der Reihe zelebriert hat. Und das ist wirklich ermüdend!
Was mir aber positiv aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die Verwandlungen der Autobots nicht mehr so schnell wie in Teil 2 und 3 vonstatten gehen, sondern eher wieder in Richtung des ersten Teils tendieren: Man sieht, wie sich die Autos in die Autobots verwandeln, kann die Bewegungen der einzelnen Teile wieder verfolgen. Das ist cool!

Insgesamt ist der vierte Teil eine leichte Verbesserung gegenüber den vorhergehenden beiden Teilen. Aber leider vermasselt es Michael Bay wieder, in dem er uns die Kämpfe bis zum Erbrechen aufdrückt, bis man sie nicht mehr sehen möchte. Weniger wäre mehr und besser gewesen.

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Fazit: Fügt sich nahtlos in das Transformers-Universum ein. Mit viel unnötigem Geballer und Kampfgetümmel verschwindet die Handlung am Ende irgendwie im Wust aus Effekten und der Film hinterlässt am Ende, wie Teil 2 und 3, nur noch den Eindruck, eine Effekte-Orgie sondergleichen gesehen zu haben, die aber durch die permanente Aufdrängung an Eindruck einbüßt und letztendlich dann doch nicht mehr sonderlich zu begeistern vermag.

© 2015 Wolfgang Brunner

Amer – Die dunkle Seite Deiner Träume (2009)

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Originaltitel: Amer
Regie: Hélène Cattet, Bruno Forzani
Drehbuch: Hélène Cattet, Bruno Forzani
Kamera: Manuel Dacosse
Musik: n/a
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Marie Bos, Delphine Brual, Harry Cleven, Bernard Marbaix, Cassandra Forêt, Charlotte Eugène-Guibbaud
Genre: Thriller, Experimentalfilm
Produktionsland: Frankreich, Belgien
FSK: ab 16 Jahren

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Als kleines Mädchen sieht Ana im Haus ihrer Eltern den aufgebahrten Leichnam ihres Großvaters. Und immer wieder begegnet Ana auch eine verschleierte Frau im Haus, die sie durchs Schlüsseloch in ihrem Zimmer beobachtet.
Jahre später kehrt Ana als junge Frau ins elterliche Anwesen zurück und kämpft immer noch gegen die Dämonen aus ihrer Kindheit und Jugend an.

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Lucas Dämmig hat den Film ja auch bereits besprochen, also will ich mich gar nicht länger mit der Erklärung des Giallo-Films aufhalten, sondern einfach hier meine Meinung über „Amer“ mitteilen.

„Amer“ ist ein visuelles Erlebnis sondergleichen. In vielen Szenen wurde ich natürlich an Dario Argentos alte Meisterwerke erinnert, aber oft, sogar sehr oft, musste ich an Filme von Nicholas Roeg denken. Die ruhige Art, die oft verwirrenden Szenen, die scheinbar nicht zusammenhängen und am Ende des Films trotzdem auf gewisse Art und Weise einen Sinn ergeben, der sich einem aber trotzdem auch nach längerem Grübeln irgendwie nicht erschließt.
„Amer“ ist einer jener Filme, die in die Kategorie „Ich hab’s verstanden , aber irgendwie doch wieder nicht. Oder eigentlich ja schon …“ fallen. So ging es den Zusehern oft bei Filmen von bereits erwähntem Nicholas  Roeg oder auch David Lynch. Aber die Franzosen  Hélène Cattet und Bruno Forzani kopieren nicht einfach – sie haben definitiv ihren eigenen Stil, der manchmal lediglich an andere Filme erinnert, aber dennoch eben seinen eigenen Weg geht.

„Amer“ ist verträumt, gruselig, melancholisch, sexy, anregend, betörend, brutal, wunderschön, verstörend, erschreckend, philosophisch und verwirrend in einem. All das dringt auf den Zuschauer ein, der nur eine einzige Chance hat, den Film auch nur annähernd zu begreifen: Er muss sich einfach fallen lassen, alle gängigen Konventionen, was Filme betrifft, vergessen und sich auf diesen visuellen Trip einlassen. „Amer“ erinnerte  mich auch oft an den fantastischen „Under The Skin“.

Völlig abseits des gängigen Mainstreams werden wir in eine wirre Welt geworfen, die Kindheit, Teenageralter und Erwachsenwerden und -sein ausdrückt. Die drei Teile, aus denen der künstlerische Film besteht, gehen nahtlos ineinander über, vermischen sich, erzählen eigene Geschichten und verbinden sich doch letztendlich wieder zu einem Ganzen. „Amer“ ist Kunst, Film, Lebenserfahrung und Traumabewältigung in einem. Ein sehenswerter Ausnahmefilm für Menschen, die sich auf etwas Außergewöhnliches einlassen und sich in einen Bilderrausch fallen lassen können.

Einziger kleiner Kritikpunkt: Gegen Ende hin zeigt der Film so manches Mal Längen, die man hätte unterbinden sollen, um den interessierten und geduldigen Zuschauer doch nicht am Schluss noch überzustrapazieren.

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Fazit: Zu Recht als Meisterwerk gefeiert, bietet „Amer“ einen unkonventionellen Bilder- und Sinnesrausch, dem man sich schwer entziehen kann, sofern man sich auf dieses filmische Experiment einlässt.

© 2015 Wolfgang Brunner

Die Klasse von 1984 (1982)

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Originaltitel: Class Of 1984
Regie: Mark L. Lester
Drehbuch: Mark L. Lester, John C. W. Saxton, Tom Holland
Kamera: Albert J. Dunk
Musik:Lalo Schifrin
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Perry King, Merrie Lynn Ross, Timothy Van Patten, Roddy McDowall, Stefan Arngrim, Michael J. Fox, Lisa Langlois, Al Waxman, Keith Knight
Genre: Thriller
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 18 Jahren (Indiziert)

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Andrew Norris ist der neue Musiklehrer an einer amerikanischen Highschool. Schon bald muss er feststellen, dass dort raue Sitten herrschen und die Schüler mit Messern und Waffen zum Unterricht kommen. Norris will sich den Jugendlichen, allen voran dem 16-jährigen Stegman und seiner Gang, nicht beugen und versucht, sie in ihre Schranken zu verweisen. Was auf dem Schulgelände beginnt, weitet sich zu einem brutalen Machtkampf zwischen den Jugendlichen und dem Lehrer aus, der bis in die Privatsphäre des Musiklehrers eindringt.

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Mark L. Lesters radikaler Highschool-Thriller war, ist und bleibt für mich Kult!
Ich bin auch der Meinung, dass dieser Film seinerzeit verkannt wurde, denn Regisseur Mark Lester hat hier nicht einfach nur einen plumpen, brutalen Thriller auf Zelluloid gebannt, sondern auch einen sozialkritischen Hintergrund berücksichtigt. Da gehen die Meinungen mit Sicherheit auseinander, aber ich empfand „Die Klasse von 1984“ zum einen gar nicht einmal so unglaubwürdig und abwegig und zum anderen sind in dem Film auch sehr viele kleine „Menschlichkeiten“ verborgen.
Perry King für die Rolle als Lehrer zu verpflichten, empfinde ich als Glücksgriff, denn seine Art macht die Handlung richtig glaubhaft und man kann sich durchaus in die Gedanken des bedrohten Erwachsenen hineinversetzen. Aber auch Timothy Van Patten in der Rolle des punkigen, bösen und hinterlistigen Teenagers Peter Stegman hätte besser fast nicht gewählt werden können. Van Patten hat sich in den letzten Jahrzehnten übrigens zu einem ziemlich erfolgreichen Regisseur gemausert (er inszenierte einige Folgen der Serien „Die Sopranos“, „Sex And The City“, „Rom“, „Boardwalk Empire“ und nicht zuletzt „Game Of Thrones“).
Michael J. Fox ist in Lesters Rache-Drama in seiner zweiten Rolle zu sehen und kann ebenfalls durchaus überzeugen.

Der Spannungsbogen, in dem sich der Hass zwischen Teenager und Lehrer immer mehr aufbaut, ist grandios von Mark L. Lester gemeistert und begeistert mich nach mehrmaligen Ansehen auch nach über 30 Jahren noch immer. Warum der Film in der ungekürzten Fassung noch immer auf dem Index steht, ist für mich ein Rätsel (und wird es wohl auch bleiben). Die gezeigte Brutalität hält sich meines Erachtens sehr in Grenzen und zeigt lediglich, was handlungstechnisch auch nötig ist. Hier wird einfach nur stimmig dargestellt, wie es zu einer Situation kommen kann, in der Gewalt mit Gewalt bekämpft wird.

Der Titelsong von Alice Cooper („We Are The Future“) ist ein Ohrwurm, den ich noch heute immer wieder mal in meinen Gedanken höre. „Die Klasse von 1984“ ist ein Film aus meiner Jugend, der in meinen Augen ein zeitloser Klassiker im Thriller-Genre darstellt.

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Fazit: Kultfilm aus den 80er Jahren mit beeindruckenden Darstellern, einem tollen Soundtrack und auf gewisse Art und Weise auch einer „Message“. Immer wieder sehenswert!

© 2015 Wolfgang Brunner

Lichtmond – Moonlight (2010)

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Originaltitel: Lichtmond – Moonlight
Regie: Diego M. Bonati
Drehbuch: –
Kamera: –
Musik: Giorgio Koppehele, Martin Koppehele
Laufzeit: 50 Minuten
Darsteller: –
Genre: Musikfilm, Animation
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 0 Jahren

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Eine dreidimensionale Reise in eine fantastische Welt über und unter Wasser.

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Ich stieß auf diesen Film durch die Empfehlung eines Freundes, der mir total begeistert erzählte, dass es sich hierbei um eine Referenz-BluRay in Sachen 3D handeln würde.
Und tatsächlich bekommt man hier eine dreidimensionale Reise geboten, die ihresgleichen sucht. Untermalt von einer chilligen Pop-Synthie-Musik, die nicht unbedingt immer ganz mein Fall ist (da höre ich dann schon lieber „echte“ elektronische Musik), wird man in eine zauberhafte Welt entführt, die einen für 50 Minuten (fast) alles um sich herum vergessen lässt. Auch wenn die Musik manchmal zu seicht und poppig daher kommt, so erreicht sie beim Zuhörer auf jeden Fall ihren Zweck: sich nämlich zu entspannen und sich ganz den Bildern und Klängen hinzugeben.

Handlung gibt es keine, außer dem wunderschönen, wenngleich an manchen Stellen arg kitschigen Text über die Liebe. Das hätte man mit weniger Schmalz machen können, aber schön ist es dennoch. 😉

„Lichtmond“ kann mit tollen 3D-Effekten überzeugen, die teilweise greifbar nahe aus dem Bildschirm kommen und immer in brillanter Schärfe zu sehen sind. Hier kann man ohne Einschränkungen tatsächlich von einer Referenz-BluRay in Sachen 3D sprechen.

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Fazit: Hypnotisch und mit gestochen scharfen Bildern wird hier eine dreidimensionale Reise in eine fantastische Welt präsentiert, die unvergesslich bleibt. Chillige Musik rundet das Ganze ab.

© 2015  Wolfgang Brunner

Hatchet 3 (2013)

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Originaltitel: Hatchet 3
Regie: BJ McDonnell
Drehbuch: Adam Green
Kamera: Will Barratt
Musik: Scott Glasgow
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Danielle Harris, Kane Hodder, Caroline Williams, Zach Galligan, Robert Diago DoQui, Derek Mears, Cody Blue Snider
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: Ungeprüft (Uncut)

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Der totgeglaubte Victor Crowley ist immer noch am Leben. Marybeth wird zurück in den blutigen Alptraum geschleudert und versucht nun, die Asche von Crowleys Vater zu finden, um dem Spuk endgültig ein Ende zu machen.

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 Auch der dritte Teil der Hatchet-Reihe knüpft natlos an den zweiten an, wie es bereits bei den ersten beiden geschehen ist. Das ist ein Punkt, der mir an der Trilogie absolut gefällt, denn genau genommen handelt es sich somit bei Hatchet 1-3 um einen einzigen Film, der wirklich die Szene des vorherigen Teils in der Fortsetzung sekundengenau wieder aufnimmt. Das macht schon richtig Spaß, weil die Handlung einfach direkt weitergeht.

Leider muss ich aber feststellen, dass der Spannungsbogen von Teil zu Teil immer schwächer wird. Auch wenn der Anfang des dritten Teils zuerst den Anschein macht, als wäre er stylischer geworden, so schwindet dieser Eindruck schon nach einer Viertelstunde wieder. Sicherlich macht der letzte Teil der Trilogie optisch irgendwie am meisten her, sieht er doch streckenweise wirklich wie eine etwas teurere Kinoproduktion aus. Aber an vielen Stellen hapert es dann einfach an der Dramaturgie. „Hatchet 3“ gleitet von Minute zu Minute näher an einen trashigen Film a la Troma-Produktion heran und das hat mir dann letztendlich doch nicht so gefallen.

Die Handlung an sich ist gar nicht mal so schlecht, versinkt allerdings schon bald im sinnlosen Morden. Klar macht auch „Hatchet 3“ wie seine Vorgänger Spaß und die Splatterszenen erinnern manches Mal an die Erstlingswerke von Peter Jackson (übertrieben und enorm blutig), erreichen aber den in Jacksons Splatterorgien versteckten Humor nicht. Überhaupt gefällt mir der Humor der Hatchet-Reihe von Teil zu Teil immer weniger. Waren die Witze im ersten Teil noch ganz gut, verkümmern sie in Teil 2 und jetzt hier in Teil 3 immer mehr zu dummen Sprüchen, die eher störend wirken als amüsieren. Aber das mag Geschmackssache sein, meinen Geschmack treffen die Witze auf jeden Fall nicht.

Wer sich der Vollständigkeit halber den dritten Teil der Serie anschauen möchte, sollte aber unbedingt versuchen, die Uncut-Version zu ergattern, denn die Splatter-Effekte (wenngleich auch an manchen Stellen nicht besonders überzeugend gemacht), retten auf jeden Fall den Film. Eine gekürzte Version hätte ich mit Sicherheit abgeschaltet.

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Fazit: Schlechtester Teil der Trilogie und leider kein würdiges Finale der Hommage an die Old School Horrorfilme der 80er Jahre. Dennoch sehenswert und für Komplettisten der Serie sowieso ein Muss!

© 2015 Wolfgang Brunner

Gefallene Engel – SOKO Wien (2009)

SOKO Wien

Originaltitel: Gefallene Engel
Regie: Robert Sigl
Drehbuch: Amaryllis Sommerer
Kamera: David Sanderson
Musik: Lothar Scherpe
Laufzeit: 45 Minuten
Darsteller: Stefan Jürgens, Gregor Seberg, Lilian Klebow, Dietrich Siegl, Sandra Cervic, Helmut Bohatsch, Karl Fischer, Susanne Kubelka, Uwe Bohm
Genre: Krimi
Produktionsland: Österreich
FSK: k.A.

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Der langjährige Türsteher des Jugendlokals VOOM wird tot aufgefunden. Im Lokal wurden und werden Drogen gedealt und auch konsumiert. Der Besitzer des Lokals ist ein Jugendfreund von SOKO-Ermittler Carl. Und was haben die Jugendlichen Lilly und Lukas mit dem Fall zu tun?

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Was wie „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ beginnt, wird zu einem undurchschaubaren Krimi-Thriller, der (wieder einmal) bis zum Ende die Spannung hält. Die jugendlichen Darsteller gehen in ihren Rollen auf und agieren sehr überzeugend. Das hat mir so richtig gut gefallen.
Was diese Folge aber auch sehr sympathisch macht, ist, dass Carl einen Jugendfreund trifft und dadurch der Folge etwas Persönliches verliehen wird.
Auch der Umgang des SOKO Teams mit den Jugendlichen, wenn zum Beispiel Penny mit dem Mädchen Lilly spricht, vermittelt Menschlichkeit, die mir gefallen hat.
Wie bei vielen seiner Filme arbeitet Regisseur Sigl bei den Rückblenden in die Vergangenheit mit kräftigen Farben, was bei mir immer einen leicht surrealen Eindruck vermittelt, der mich sogar manchmal ein wenig an David Lynch erinnert.

Auch diese Folge zeichnet SOKO Wien als niveauvolle, hochwertige Serie aus, was sicherlich nicht nur am Handwerk Robert Sigls, sondern auch an den überaus guten Darstellern und dem Rest der Filmcrew, liegt. Regie, Kamera, Musik … das alles passt einfach und gibt dem Zuschauer keinen Grund zum Meckern. Spannung, Humor, ein wenig Melancholie … genau diese Mischung macht es einfach, um SOKO Wien zu einer der sympathischsten Krimiserien zu machen.

Insgesamt fünf Folgen drehte Robert Sigl für die fünfte Staffel der erfolgreichen Serie. „Gefallene Engel“ ist eine davon. Die anderen sind „Preis der Schönheit“, „Sein & Schein“, „Böser Zauber“ und „Blindspuren“.

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Fazit: Serien-Krimis sollten genau so sein: Handwerklich und schauspielerisch einfach gut und unterhaltsam.

© 2015 Wolfgang Brunner

Hatchet 2 (2010)

Hatchet 2

Originaltitel: Hatchet 2
Regie: Adam Green
Drehbuch: Adam Green
Kamera: Will Barratt
Musik: Andy Garfield
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Danielle Harris, Tony Todd, Tom Holland, Kane Hodder, Parry Sheen
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: Ungeprüft (Uncut)

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Victor Crowley ist nicht tot, obwohl Marybeth zuerst davon überzeugt war. Sie kann aus dem Sumpf entkommen und wendet sich an Referend Zombie, den sie um Hilfe bittet. Marybeth will das Killermonster unter allen Umständen töten. Zombie willigt ein und versammelt eine Schar Jäger um sich, unter anderem ist auch Marybeths Onkel dabei, um dem Killer Victor Corwley endgültig den Garaus zu machen. Doch so einfach ist das alles nicht, denn ein dunkles Geheimnis lastet über Marybeths Familie und verstrickt sie sogar mit dem Schicksal des Serienmörders.

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„Hatchet“ geht in die zweite Runde! Allerdings, um es gleich vorweg zu sagen, hat mich der Nachfolger weitaus weniger begeistert als das Original. Der Film setzt nahtlos (und mit nahtlos meine ich wirklich nahtlos) am ersten Teil an. Fast scheint es, als hätte man einen fast Dreistunden-Film einfach in der Mitte auseinandergeschnitten. ;), so exakt beginnt Teil 2 an der Stelle, an der Teil 1 endete.

Nun aber zum eigentlichen Film: Sicherlich ist er, wie der erste Teil, im Stil der 80er Jahre inszeniert. Allerdings braucht „Hatchet 2“ schon einmal bedeutend länger, bis er Fahrt aufnimmt. Fast 50 Minuten muss man über sich „ergehen“ lassen, bevor man zu sehen bekommt, was man erwartet hat: nämlich derbe Splatterszenen. Und die bekommt man dann auch zu sehen, keine Frage. Ob sie allerdings härter als die des ersten Teils sind, stelle ich mal in Frage. Der erste Teil war der einzige, der in Deutschland ungekürzt auf den Markt kam, Teil 2 und 3 wurden geschnitten. Da stelle ich mir die Frage: Warum? In der deutschen Fassung des zweiten Teils wurden so ziemlich alle Mordszenen beschnitten, was im ersten Teil nicht geschah. Hmmm, da mag einer die FSK verstehen …

Die Splattereffekte wirken teils lächerlich, teils wird dem Zuschauer aber auch genau das geboten, was er von der Fortsetzung von „Hatchet“ auch erwartet hat: auseinandergerissene Kiefer, Axthiebe in den Kopf, Häutungen und und und …
Der Old School-Horror macht trotzdem Spaß, auch wenn er einfach dem Original das Wasser nicht reichen kann. Hier fehlen einfach zu viele Stimmungen, die den Horrofan in die „alte Zeit“ von Jason, Michael und Freddy zurückwerfen. Aber gut, man kann nicht alles haben …
Die Szene, in der Referend Zombie alias Tony „Candyman“ Todd den Tod findet, erinnert an eine Szene aus Peter Jacksons „Bad Taste“. Das war dann schon wieder ziemlich cool …

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Fazit: Leider nicht mehr so stimmungsvolle Fortsetzung um den Sumpfkiller Victor Crowley, die erst nach knapp 50 Minuten Fahrt aufnimmt, dann aber mit (in der Uncut-Version) deftigen Szenen auftrumpfen kann. Gelungene Fortsetzung mit Schwächen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Oculus (2013)

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Originaltitel: Oculus
Regie: Mike Flanagan
Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard
Kamera: Michael Fimognari
Musik: The Newton Brothers
Laufzeit: 103 Minuten
Darsteller: Karen Gillan, Brenton Thwaites, Rory Cochrane, Katee Sackhoff
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Tim wird als Kind der Ermordung seiner Eltern beschuldigt und in eine pyschiatrische Anstalt eingewiesen. Als er zehn Jahre später entlassen wird, empfängt ihn seine Schwester Kaylie, die nach wie vor an seine Unschuld glaubt und denkt, dass der antike, mysteriöse Spiegel, der im Arbeitszimmer des Vaters stand, für den Tod der Eltern verantwortlich war. Gemeinsam wollen Tim und Kaylie das Geheimnis des Spiegels lüften und finden sich schnell wieder im Alptraum ihrer Kindheit wieder …

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„Oculus“ läuft unter dem Genre „Horror“, was im Grunde genommen auch stimmt. Aber für mich ist es ein etwas anderer Horrofilm, den ich eher noch in die Kategorie „Thriller“ oder gar „Drama“ einstufen würde. Da bin ich dann auch schon beim für mich wichtigsten Teil dieser Besprechung: Trotz aller Horrorelemente überwog für mich die dramatische Bewältigung der Kindheit durch die beiden Geschwister. Das war für mich der Handlungsstrang, der mich am meisten interessierte und faszinierte.
Die visionäre bildliche Darstellung, wenn der Tim und die Kaylie aus der Vergangenheit mit ihren älteren Ichs aus der Gegenwart zusammentrafen, hat mir sehr, sehr gut gefallen. Das waren auch die Augenblicke, in denen mich „Oculus“ förmlich begeistert hat.

Dann gab es aber noch die weniger guten Seiten des Films. Leider fehlt es der gesamten Handlung, so gut und psychologisch ausgeklügelt sie auch wirkte, an sämtlichen Ecken an Logik. Zu viele ungeklärte (und auch unglaubwürdige) Dinge verteilen sich über den gesamten Film, dass es am Ende hin doch irgendwie alles unbefriedigend wirkt. Das ist schade, denn Flanagans Regiestil ist durchaus sehenswert und ansprechend. Aber eine logischere Handlung hätte dem Ganzen dann doch bedeutend mehr Flair und Qualität verliehen.

„Oculus“ versinkt somit, bis auf die genannten visionären Begegnungen der Ichs der beiden Kinder aus Vergangenheit und Gegenwart, leider im Nirvana der eher unbedeutenden Horrorfilme und fällt dadurch in die Kategorie: „Sicherlich nett anzusehen, aber schon bald wieder in Vergessenheit geraten.“ Leider, denn hätte der Regisseur und Drehbuchautor seinem Plot ein klein wenig mehr Sinn verliehen, wäre ein beängstigendes Horror-Drama dabei herausgekommen, das sich von anderen Produktionen dieser Art abgehoben hätte. So hebt sich „Oculus“ zwar dennoch ab, hinterlässt aber keinen nachhaltigen Eindruck.

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Fazit: Gutes Horrordrama mit teils visionären Bildern, das sich aber leider durch jede Menge Logikfehler selbst ins Abseits spielt und dadurch am Ende keine nachhaltige Wirkung zeigt.

© 2015 Wolfgang Brunner

Gone Girl – Das perfekte Opfer (2014)

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Originaltitel: Gone Girl
Regie: David Fincher
Drehbuch: Gillian Flynn (Romanvorlage und Drehbuch)
Kamera: Jeff Cronenweth
Musik: Trent Reznor, Atticus Ross
Laufzeit: 149 Minuten
Darsteller: Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Lisa Banes
Genre: Drama, Krimi, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Ein warmer Sommermorgen in Missouri, USA: Nick und Amy Dunn wollten heute eigentlich ihren fünften Hochzeitstag feiern, doch Amy ist plötzlich wie von Erdboden verschluckt. Als sie nicht wieder auftaucht, und nachdem ein Medienaufruf gestartet wurde, gerät Nick selbst in das Visier der ermittelnden Polizisten Rhonda Boney und Jim Gilpin. Nick, der ein ehemaliger Journalist ist, inzwischen aber nur noch ein bisschen unterrichtet und dazu mit seiner Schwester Margo eine Bar betreibt, besteht auf seiner Unschuld, verstrickt sich jedoch immer mehr in ein Netz aus Lügen und Verrat. Nach und nach tauchen Indizien auf, die darauf hindeuten, dass Amy Angst vor ihrem Mann hatte. Doch auch die Weste der Verschwundenen ist nicht so rein wie angenommen. Durch den Fund ihres Tagebuchs kommen dunkle Dinge ans Licht, die niemand jemals von der vermeintlich perfekten Frau erwartet hätte. Darüber hinaus scheint niemand herausfinden zu können, ob Amy überhaupt noch am Leben ist …

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Meine Güte, was für ein Film!

Starregisseur David Fincher – bekannt geworden durch Filme wie Sieben, The Game, Fight Club oder The Social Network – hat in meinen Augen mit diesem Film ein weiteres Meisterwerk geschaffen. Da ich spätestens seit ich das erste Mal Fight Club gesehen habe – und dieser inzwischen zu meinem ultimativen Lieblingsfilm geworden ist – auch ein großer Fan von Finchers Werken bin und seinen neusten Film Gone Girl im Kino leider irgendwie verpasst habe, konnte ich es kaum erwarten dass er auf DVD erscheint. Nun, vor kurzem war es soweit und die DVD war in meinem Briefkasten. Heute bin ich dazugekommen, ihn mir mit großen Erwartungen anzusehen. Und ich bin begeistert!

Der Film selbst basiert auf einer Romanvorlage von der bis dato noch relativ unbekannten Autorin Gillian Flynn, die übrigens auch das Drehbuch selbst schrieb. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, doch nach der Sichtung dieses Filmes werde ich das so schnell wie möglich nachholen müssen. Jener besagte Film braucht anfangs eine Weile – vielleicht 20 Minuten – um seine Geschichte aufzubauen und den Zuschauer mit allen nötigen Hintergrundinformationen zu versorgen. Doch dann geht es richtig los. Nur wenige Regisseure schaffen es meiner Meinung nach, so spannend zu inszenieren. Fincher war ja schon immer ein Meister der unerwarteten Wendungen, was er auch hier wieder bewiesen hat. Für mitdenkende Zuschauer ist zwar manches vorhersehbar, doch im Großen und Ganzen wird man doch von den Eskapaden der beiden Eheleute immer wieder auf’s Neue überrascht. Der Film selbst verwandelt sich mehrmals von einem Kriminalfilm in ein Beziehungsdrama bis hin zu einem Mordthriller. Das Ganze ergibt ein ziemlich fieses „Worst-Case-Szenario“ über die Schwierigkeiten einer Beziehung, wo es am Ende nicht mehr um Schuld geht, sondern darum, wer im Alltag der bessere Soziopath ist. Mit einer gehörigen Portion Zynismus vermittelt der Regisseur das Bild, dass man in einer Beziehung nie die ganze Wahrheit über seinen Lebensgefährten – dem man ja eigentlich alles anvertrauen können sollte – wissen wird und besser auch gar nicht wissen sollte. Er schafft eine Fallstudie über einen Mann, der sozusagen auf dem schmalen Grat zwischen Glück und Elend balanciert. Der schöne Schein muss unter allen Umständen nach außen hin aufrechterhalten werden, während dahinter die Hölle los ist. Beim Anschauen des Filmes fragte ich mich so, bei wievielen Ehen das wohl traurige Realität sein mag.

Natürlich ist der Film bestimmt nicht zu 100% realistisch, doch das muss er auch gar nicht. Die Schauspieler und besonders Ben Affleck, der hier ausnahmsweise mal eine gute Leistung abliefert, wirken sehr überzeugend und spielen ihre Rollen ganz hervorragend. Untermalt wird das ganze noch mit einem für David Fincher typischen, kräftigen Soundtrack. Und was für mich auf jeden Fall realistisch dargestellt worden ist – Fincher erlaubt sich hier einen kleinen Seitenhieb – ist die Darstellung des hysterischen Medienmobs, der Nick auseinandernehmen will, sobald er einmal im Fokus der Ermittlungen steht. Dieser „Sensationsjournalismus“ ist tragischerweise auch in der Realität weit verbreitet und leider gibt es Leute die so etwas noch unterstützen, da sie regelrecht sensationsgeil und möglicherweise auch voyeuristisch veranlangt sind. Der Journalist von heute kann ja praktisch alles schreiben was er will – er kann zwar dafür rechtlich belangt werden, doch gedruckt ist gedruckt und Papier ist geduldig, wie man so schön sagt.

Doch zurück zum Film: Wenn mehr von solchen Filmen neu erscheinen würde, könnte ich guten Gewissens wieder öfter in’s Kino gehen, ohne mich hinterher zu ärgern und enttäuscht zu sein. Aber ich bin gespannt und bemüht optimistisch, was das Kinojahr 2015 so alles hervorbringen wird 😉

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Fazit: Wer David Fincher kennt und schätzt kommt nicht an diesem Film vorbei. Und für alle, bei denen das nicht der Fall ist: schaut ihn euch an und bildet euch selbst eine Meinung. Solche brillianten Filme sind selten! Unbedingte Guck-Empfehlung!

© 2015 Lucas Dämmig

Hatchet (2006)

Hatchet

Originaltitel: Hatchet
Regie: Adam Green
Drehbuch: Adam Green
Kamera: Will Barratt
Musik: Andy Garfield
Laufzeit: 81 Minuten
Darsteller: Joel Moore, Tamara Feldman, Deon Richmond, Mercedes McNab, Kane Hodder, Parry Shen, Joleigh FioreavantiRobert Englund, Tony Todd
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: keine Jugendfreigabe

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Ben überredet seinen Kumpel Marcus eine “Geistersumpf-Tour” mitzumachen. Noch ahnen beide nicht, dass sie einer Legende, nämlich dem Serienkiller Victor Crowley, begegnen werden. Das Ausflugsboot strandet im Sumpf und Ben, Marcus und die übrigen Passagiere müssen nun einen Weg zurückfinden. Doch der schrecklich entstellte Massenmörder lauert schon mit seiner Axt auf sie und metzelt sich buchstäblich durch die jungen frischen Opfer.
Zusammen mit Mary-Beth versuchen sie, den Killer zu töten …

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Alleine schon der Anfang lässt den Zuseher erahnen, was einen erwartet. Splatter-Horror in bester Old School-Manier. Da werden sofort Assoziationen zur „Freitag, der 13.“-Serie geweckt und all die anderen 80er Jahre mehr oder minder gut oder schlechten „Perlen“ der Horrorszene. Man fühlt sich sofort wohl in Adam Greens Hommage an eben jene Filme, mit denen meine Generation (ich bin 1964 geboren) aufgewachsen sind. Die Kulissen, die Inszenierung und das Agieren der Schauspieler weckt melancholische Wehmut an die „gute alte“ Zeit, in der brutale Horrorfilme plötzlich wieder in Mode kamen.

Hatchet“ ist grausig brutal und manchmal zum Schreien komisch. Green hat ein paar Witze einbauen können, die einen tatsächlich zum Lachen bringen und nicht plump und einfallslos daherkommen. Die Handlung an sich ist 08/15-Gewäsch, wie man es von derartigen Filmen gewöhnt ist. Aber der Film ist durchaus gut in Szene gesetzt und hebt sich damit alleine schon aus regietechnischen Gründen von so manch müdem Abklatsch der Horrorszene ab. Die Splatterszenen sind enorm blutig und gut geraten, das macht richtig Spaß.

Die Atmosphäre erinnert, wie bereits erwähnt, absolut an die Horrorstreifen der 80er Jahre. Der Wald, der Sumpf, das einsame Haus … Ich musste oft an „Freitag, der 13.„, „Tanz der Teufel“ oder auch „Halloween“ denken. Dass uns am Anfang des Films „Freddy Krüger“ Robert Englund begegnet, ist ein kleines Schmankerl für jemanden wie mich. Wenn der Filmvorspann läuft und Marylin Manson sein geniales „This Is The New Shit“ plärrt, kommt man als Zuschauer gleich so richtig in Fahrt und wird sofort von der Handlung mitgerissen.

Die Schauspieler sind allesamt überzeugend für mich gewesen. Auch sie gaben dem Film diesen Flair, den ich als Jugendlicher geliebt habe (und auch heute noch liebe).
Auch wenn die Maske von Sumpfkiller Victor Crowley an manchen Stellen wie der „Toxic Avenger“ aus der Troma-Schmiede auf mich wirkte, so wünschte ich mir, es gäbe mehr solcher stimmungsvoller, „altmodischer“ Splatter-Orgien.

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Fazit: Da erwachen melancholische Gefühle an die 80er, wenn man Sumpfmonster Victor Crowley auf seinem blutigen Weg begleitet. Old School Horror in bester Tradition. Für Fans der alten Klassiker wie zum Beispiel „Freitag, der 13.“ ein Muss!

© 2015 Wolfgang Brunner