You’re Next (2011)

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You’re Next

Originaltitel: You’re Next

Lauflänge: 95 Minuten

Regie: Adam Wingard

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Der Davison-Clan trifft sich auf seinem Landsitz, um den Hochzeitstag der Eltern zu feiern. Doch der Frieden trügt. Mißgunst, Gehässigkeit und Streitereien stören den Familienfrieden. Plötzlich wird das Haus von maskierten Gestalten angegriffen, die die Familienmitglieder eines nach dem anderen abschlachten. Nur eine Person erweist sich als hartnäckiger Gegner.

You’re Next wurde 2011 in nur vier Wochen abgedreht und feierte im gleichen Jahr seine Premiere auf dem Toronto International Film Festival. Dort kaufte Lionsgate die Rechte, allerdings dauerte es noch bis 2013, bis der Film endlich in die Kinos kam. Sowohl bei Publikum als auch bei Kritikern wurde der Film überwiegend gut aufgenommen und als Highlight des Home Invasion-Thrillers gefeiert.

Leider konnte ich am Anfang die Begeisterung nicht so recht teilen. You’re Next startet mit einigen völlig überholten Horrorklischees. Danach wird mit oberflächlichen Dialogen die unheimlich große Anzahl von Charakteren eingeführt. Dieser Film setzt weniger auf Grusel und Spannung, sondern mehr auf Schreckmomente und Gore-Effekte, sodass die meisten Familienmitglieder einfach nur als „Kanonenfutter“ dienen. Charaktertiefe gibt es so leider nicht, tatsächlich dauert es sogar sehr lange, bis man endlich herausgefunden hat, um wen es in der Geschichte nun eigentlich geht.

Außerdem sind die Figuren so unsympathisch geraten, dass es mir völlig egal war, wer stirbt und wer überlebt, und wenn ich in einem Film keine Figuren habe, mit denen ich mitfiebern kann, will es bei mir auch mit der Spannung nicht so recht funktionieren. Da konnten leider auch die kurzen Gastauftritte von Ti West und Larry Fessenden nicht helfen. Ganz abgesehen von der auffällig schlechten Leistung der Schauspieler, die in den meisten Fällen eher an Laientheater erinnert (dies wird allerdings durch die deutschen Synchronschauspieler etwas aufgefangen, weshalb ich ausnahmsweise empfehle, sich den Film in der deutschen Sprachfassung anzusehen).

Die Gore-Effekte sind von Anfang an zahlreich und wirklich gut gemacht. Doch tatsächlich zeigt You’re Next sein wahres Potential erst in der zweiten Hälfte, wenn die meisten nervigen Familienmitglieder ausgemerzt sind und der Film sich wieder auf das Nötigste beschränkt, nämlich den Überlebenskampf. Hier gibt es dann auch endlich einige sehr schöne Ideen und interessante Twists, die die Geschichte etwas in Schwung bringen.

Fazit: You’re Next hat einige Schwächen, allerdings auch viele Stärken. Nach einem sehr drögen Start zieht er das Tempo stark an und kann mit interessanten Wendungen und sehr gut gemachten Gore-Effekten unterhalten. Da es allerdings viele Filme gibt, die es vor ihm schon viel besser gemacht haben, glaube ich nicht, dass You’re Next im Home Invasion-Genre einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Für einen noch jungen und unerfahrenen Regisseur wie Adam Wingard jedoch, der mittlerweile auch an The ABCs of Death und den beiden V/H/S-Filmen mitgearbeitet hat, eine recht ordentliche Übung, die noch viel Potential nach oben bietet.

© Tobias Schumacher

 

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Bounty Killer (2013)

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Originaltitel: Bounty Killer

Lauflänge: 97 Minuten (Uncut)

Regie: Henry Saine

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Die Welt nach der Apokalypse: Kopfgeldjäger, sogenannte „Bounty Killer“, machen Jagd auf Gesetzesbrecher der anderen Art: Sie suchen profitgierige Geschäftsmänner, die durch ihren Machthunger die Apokalypse herbeigeführt haben. Einer der Kopfgeldjäger, Drifter, macht sich zusammen mit seiner Rivalin Mary Death auf den Weg, einen der meistgeuchten „Verbrecher“ zu fassen.

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Mein Lieblingsverkäufer im Saturn Markt in Bocholt hat mir diesen Film empfohlen. Wir unterhalten uns immer wieder über Horror- und Splatterfilme und bei einem dieser Gespräche legte er mir „Bounty Killer“ nahe.

Ich habe nicht viel von dem Film erwartet und war letztendlich wirklich sehr positiv überrascht. Regisseur Saine ist eine perfekte Mischung aus Mad Max (vor allem der zweite Teil lässt grüssen) und Quentin Tarantino-Filmen gelungen, die mit derart viel Hingabe inszeniert wurde, dass alleine das Anschauen, unabhängig von der Handlung, enormen Spaß macht.

Die teilweise verstreuten Splatter-Szenen sind gelungen und passen sich hervorragend in die Handlung ein. Die weibliche Darstellerin weiß durchaus mit ihren Reizen umzugehen und obwohl ich derartige Filme mit „Pseudo-Sexbomben“ (ich denke dabei in erster Linie an den wirklich bescheuerten „Drive Angry“ mit Nicholas Cage) eigentlich nicht mag, hat es mich bei „Bounty Killer“ nicht nur nicht gestört  sondern mir sogar gefallen. 🙂

Der Film macht wirklich Spaß und wenn man bedenkt, dass sich Henry Saine mit wenig Budget, aber dafür umso mehr Enthusiasmus, seinen Wunschtraum erfüllt hat, sieht man den Streifen mit anderen Augen.

Saine hat zuerst den dazugehörigen Comic erschaffen, danach einen Kurzfilm und nach Jahren folgte nun „Bounty Killer“.

Irgendwie ist dieser Film ein Film für Filmemacher, finde ich zumindest.

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Fazit: Ein unterhaltender Action Film im Stil von Mad Max. Wer auf Grindhouse Feeling a la „Planet Terror“, „Death Proof“ und „Machete“ steht, macht mit „Bounty Killer“ nichts falsch. Man sollte aber immer dabei berücksichtigen, dass Henry Saine mit Sicherheit bedeutend weniger Geld zur Verfügung hatte wie Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez. Umso beeindruckender ist das Ergebnis.

© Wolfgang Brunner

No One Lives (2013)

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Originaltitel: No One Lives

Lauflänge: 86 Minuten (Uncut)

Regie: Ryūhei Kitamura

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Driver und seine Freundin sind auf der Durchreise, als sie von einer einheimischen Gangstergang bedroht, aschließend von der Straße abgedrängt und entführt werden. Sie werden gefoltert, wobei Drivers Freundin stirbt,  und einer der Gangster findet im Wagen eine entführte Frau.
Zu spät merken die Gangster, dass sie an den Falschen geraten sind: Driver ist nämlich ein sadistischer Killer, der jetzt den Tod seiner Freundin rächen will und seine Geisel, die sich mittlerweile in der Obhut der Gangster befindet, zurückhaben will.

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Von Ryūhei Kitamura habe ich „Versus“ und „Midnight Meat Train“ gesehen. Ersterer, der zwar einen für mich nachvolziehbaren Kultstatus erreicht hat, hat mir nicht gefallen, von Letzterem war ich trotz CGI-Effekte hellauf begeistert. Umso neugieriger war ich, was Kitamra nun mit „No One Lives“ abliefern würde.
Meine Meinung ist irgendwie gespalten: einerseits unterscheidet sich der Film definitiv von den anderen Streifen der „Torture“-Welle, andererseits hatte ich doch zugegebenermaßen mehr erwartet.

Keine Frage: „No One Lives“ unterhält, zeigt derbe Szenen (wobei ich da oft in den Horrorfilmen der 80er-Jahre mehr Brutalität gesehen habe) und weist ganz passable Schauspieler auf. Luke Evans überzeugt genauso wie Adelaide Clemens. Der Film beginnt wie ein typischer Torture-Film a la „Hostel“, „Motel“ und wie sie alle heißen und entwickelt sich dann zu einem unterhaltsamen Slasher-Film.

Ryūhei Kitamura hat dieses Mal auf CGI-Effekte verzichtet. Das macht den Film schon interessant, obwohl ich ehrlich gesagt die derben (fast schon künstlerischen) Computereffekte bei „Midnight Meat Train“ echt genossen habe. Aber hier sieht man wieder Handarbeit im alten Stil und das kommt gut.

Erst nachdem ich dann eine Nacht darüber geschlafen habe,  wirkte der Film dann heute doch besser, als ich ihn gestern empfunden habe.
„No One Lives“ ist ein solider, unterhaltsamer, mitunter auch brutaler Slasher-Splatter-Film, der Spaß macht und eine annehmbare Atmosphäre aufweist.
Dass in der deutschen FSK 18-Fassung Szenen wie zum Beispiel das Öffnen eines mit blutigem Brei gefüllten Sacks herausgeschnitten wurden, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich würde die Uncut-Fassung eigentlich sogar ab 16 freigeben.

Gesehen habe ich die österreiche Uncut-Version mit einer Lauflänge von 86 Minuten. Die deutsche FSK 18 Fassung wurde um ca. 1,5 Minuten geschnitten. Ich denke, dass da so ziemlich alle blutigen Szenen fehlen, was aber der Handlung des Films keinen Abbruch tut. Verstehen wird man den Film, die Zesnierung für Deutschland allerdings nicht.

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Fazit: Eher enttäuschender Nachfolger von „Midnight Meat Train“ von Ryūhei Kitamura, der mit besagter Clive Barker-Verfilmung meiner Meinung nach einen Klassiker geschaffen hat. Dennoch überzeugt „No One Lives“ durch seine Schauspieler und die eher „außergewöhnliche“ Handlung. Für Genre-Fans empfehlenswert. Wer allerdings die laut Presse „ultrabrutalen Kills“ oder ein „bluttriefendes Terrorkino“ erwartet, wird enttäuscht sein.

© Wolfgang Brunner