Deepwater Horizon (2016)

Originaltitel: Deepwater Horizon
Regie: Peter Berg
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand
Kamera: Enrique Chediak
Musik: Steve Jablonsky
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Dylan O’Brien, Kate Hudson, Ethan Suplee, J.D. Evermore, Brad Leland
Genre: Katastrophenfilm, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

 

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Die Ölbohranlage Deepwater Horizon steht 2010 kurz vor ihrer Inbetriebnahme.  Mehr als 100 Millionen Barrel Öl sollen nur in 70 Kilometer Entfernung vom amerikanischen Festland entfernt gefördert werden. Doch die beiden Chef-Techniker Mike Williams (Mark Wahlberg) und Jimmy Harrell (Kurt Russell)  entdecken, dass der Druck, der auf dem Bohrloch lastet, viel zu hoch ist. Doch ihre Warnungen werden ignoriert und so kommt es unweigerlich zu einem katastrophalen, sogenannten, „Blowout“, bei dem das Öl unter enormen Druck an die Oberfläche schießt. Die Bohrinsel explodiert. Die Männer auf der Plattform müssen sich einem tödlichen Flammeninferno stellen und um ihr Überleben kämpfen.

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Regisseur Peter Berg ist definitiv kein unbeschriebenes Blatt. Ob als Schauspieler (Hauptrolle zum Beispiel in Wes Cravens „Shocker“oder Nebenrollen in u.a. „Copland“ und „Collateral“) oder Regisseur („Very Bad Things“, „Battleship“ oder „Lone Survivor“) kann er überzeugen. Und genauso verhält es sich auch mit seinem neuen Film „Deepwater Horizon“, bei dem er wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen hat.
Der Film schildert wahre Ereignisse, die am 20. April des Jahres 2010 geschahen. Durch das auslaufende Öl kam es zur schwersten Umweltkatastrophe, die durch einen Bohrturm ausgelöst wurde. Sehr authentisch schildert Berg die Geschehnisse, die der Tragödie vorangingen. Das liegt nicht nur an seinem sicheren Inszenierungsstil, sondern auch an den hervorragenden Schauspielern, die aus meiner Sicht bis in die kleinste Nebenrolle optimal besetzt sind. Kurt Russell und Mark Wahlberg sind Spitzenklasse, wenn sie um das eigene Überleben und das der Arbeiter kämpfen.

Emotional wird vor allem das Schicksal der Arbeiter während der Katastrophe beleuchtet. Sicherlich widmet sich Berg auch den geldgierigen Ölmagnaten, die nichts anderes als Profit im Kopf haben und sich genau genommen einen Dreck um die Sicherheit der Arbeiter und drohenden Umweltschäden kümmern. Aber in erster Linie richtet sich das Augenmerk auf die Opfer dieses Dramas auf dem Ozean. Es dauert eine Weile, bis das Unglück passiert, doch in keiner Sekunde kommt auf irgendeine Art und Weise Langeweile auf. Im Gegenteil, der Spannungsbogen bis zum unweigerlichen Katastrophenfall baut sich unglaublich dicht und atmosphärisch auf. Und mit dem Wissen, dass das alles tatsächlich (zumindest so ähnlich) passiert ist, erhält „Deepwater Horizon“ einen bitteren Beigeschmack, der einen während des gesamten Films nicht loslässt.

Begleitet von einem absolut passenden Score von Steve Jablonsky zeigt Regisseur Berg in spektakulären, bombastischen Aufnahmen, wie die Bohrinsel explodiert. Man fühlt sich an Filme wie „Flammendes Inferno“ oder „Backdraft“ erinnert, wenn die Flammen in die Höhe schießen und Menschen töten. Gerade die Spezialeffekte bestechen in ihrer bedrohlichen, realitätsnahen Machart und gehen eine faszinierende Symbiose mit den Schauspielern ein, so dass sie niemals in den Vordergrund treten. Und das macht „Deepwater Horizon“ zu einem realistischen Actionfeuerwerk, bei dem aber die Emotionen und die schrecklichen Ereignisse, die in Wirklichkeit passiert sind, nie zurückstecken müssen. Trotz der Action stehen die realen Begebenheiten immer im Vordergrund. Herausgekommen ist ein Film, der zwar auf fantastische Weise unterhält, sich aber den wahren Schicksalen dieser Männer widmet. Die aus dem Unglück resultierende Umweltkatastrophe wird daher nur angedeutet.
„Deepwater Horizon“ ist durchweg spannend und fesselnd. Bei manchen Szenen spürt man den förmlich den Druck und die Todesangst der Männer, als sie versuchen, ihr Leben zu retten. Auch wenn einige Szenen patriotisch und übertrieben wirken mögen, so kann ich mir ohne weiteres vorstellen, dass es diese Art von Heldentum auf der Bohrinsel tatsächlich gegeben hat.
Peter Berg ist ein Blockbuster gelungen, der eigentlich kein Blockbuster ist, sondern den Opfern der Ölkatastrophe aus dem Jahr 2010 ein filmisches Denkmal setzt. Vor allem während des Abspanns gewinnt der Film beim Zuschauer eine Bedeutung, die jedem gefühlvollen Mensch einen Schauer über den Rücken jagen und Tränen in die Augen treten lässt.

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Fazit: Realitätsnah, emotional und unglaublich spannend, gewürzt mit bombastischen Spezialeffekten. Absolut zu empfehlen!

© 2017 Wolfgang Brunner

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Jurassic World (2015)

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Originaltitel: Jurassic World
Regie: Colin Trevorrow
Drehbuch: Colin Trevorrow, Derek Connolly, Rick Jaffa, Amanda Silver
Kamera: John Schwartzman
Musik: Michael Giacchino
Laufzeit: 124 Minuten
Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D’Onofrio, Ty Simpkins, Nick Robinson, Omar Sy, B. D. Wong, Irrfan Khan, Jake Johnson, Brian Tee, Judy Greer
Genre: Abenteuer, Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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22 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen im „Jurassic Park“ ist nun der neue Freizeit- und Eventpark „Jurassic World“ eröffnet worden. Man möchte den Ansprüchen des jüngeren Publikums gerecht werden und „designt“ immer größere und spektakulärere Dinosaurier. Die beiden Jungs Gray und Zach besuchen ihre Tante, die Leiterin des Parks. Die hat aber keine Zeit für sie und so machen sich die Jungs auf eigene Faust auf, um die Welt der Dinosaurier zu erkunden. Doch dann geschieht das Unglaubliche: einer der neu gezüchteten Riesensaurier bricht aus.
Der Park wird evakuiert, aber einige Besucher, unter ihnen Gray und Zach, befinden sich noch in freier Wildbahn.
Die Leiterin des Parks wendet sich an Grady, einen Wissenschaftler, der es fast schon geschafft hat, Raptoren zu dressieren. Er soll nicht nur ihre Neffen finden, sondern auch den geflohenen Riesensaurier wieder einfangen.

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Als ich hörte, dass Colin Trevorrow die Regie bei der neuen Jurassic-Reihe übernehmen sollte, war ich im ersten Moment entsetzt. Sein „Journey Of Love“ hat mich nämlich inszenatorisch alles andere als begeistert. Doch überraschender- und erfreulicherweise hat Trevorrow mit „Jurassic World“ meine Bedenken bereits in den ersten Minuten aus dem Weg geräumt.
Es ist schon erstaunlich, wie er es schafft, innerhalb weniger Momente das „Feeling“ der „alten“ Filme wieder rüberzubringen. Der Zuschauer wird wieder zum Kind, lässt sich auf das Abenteuer ohne Kompromisse ein und genießt es, zu staunen und sich auch zu erschrecken. Die Saurier sind logischerweise der heutigen Möglichkeiten entsprechend perfekt gemacht und lassen einen, wie einst Spielbergs Meilenstein, an manchen Stellen den Atem anhalten. „Jurassic World“ spielt geschickt mit neuen Momenten und alten Anspielungen, die über die altbackene Handlung hinwegsehen lassen (wenngleich sich die Macher ja schon irgendwie Mühe gemacht haben, dem Thema neuen Schwung zu verleihen). Trevorrows Plot lässt durchaus Potential erkennen, das (nicht immer, aber oft) nicht ganz ausgelotet wurde, wie es hätte sein können. Da spielte wohl der Mainstream eine Rolle, was aber gerade bei solch einem Film vielleicht wirklich so richtig frischen Wind in die Serie einbringen hätte können, wenn man die massentauglichen Aspekte unbeachtet gelassen hätte. Aber nun, Film ist in den meisten Fällen eine rein wirtschaftliche Sache und so halt auch hier.

Die Rückkehr in den bekannten Dino-Park macht dennoch ungemein Spaß und es sind, wie schon erwähnt, einige Ideen dabei, die sich sehen lassen können. Schauspielerisch kann man auch nicht wirklich meckern. Es sind keine Glanzleistungen, aber annehmbare Schauspielkunst, die für diese Art von Film durchaus reicht. Action ist durchwegs angesagt und lässt in keiner Sekunde Langeweile aufkommen. Obwohl manches wirkt wie ein Neuaufguß der alten Filme, hat mich nichts davon wirklich gestört. Ich fühlte mich uneingeschränkt bestens unterhalten und freue mich schon jetzt auf eine Fortsetzung.

Was mir „negativ“ aufgefallen ist, aber im Grunde genommen schon wieder witzig ist, war die Szene, in der sich die Leiterin des Parks wagemutig auf den Weg macht, den gefährlichen T-Rex aus seinem Gefängnis zu befreien. Das war durchaus ansprechend und cool inszeniert, aber … nein, keine Frau würde sich dieser Situation in hochhackigen Schuhen stellen. 😉 Wie gesagt, es sieht durchaus stylisch aus, wenn Bryce Dallas Howard mit Stöckelschuhen vor dem gigantischen Saurier davonläuft, aber … Leute, das ist absolut unrealistisch. 🙂
Egal, „Jurassic World“ hat meine Erwartungen erfüllt und mir zwei Stunden (meine) Jugend in neuem Gewand beschert.

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Fazit: Alte Story in neuem Gewand. Gelungene Effekte und eine durchgehende Spannung machen „Jurassic World“ zu einem unterhaltsamen Stück zeitgenössischen Effekte-Kinos. Nicht anspruchsvoll, aber durchweg unterhaltend. Mir hat’s gefallen.

© 2016 Wolfgang Brunner

Narben (Tatort) – (2016)

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Originaltitel: Narben
Regie: Torsten C. Fischer
Drehbuch: Rainer Butt
Kamera: Theo Bierkens
Musik: Fabian Römer, Steffen Kaltschmid
Laufzeit: 88 Minuten
Darsteller: Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Patrick Abozen, Joe Bausch, Juliane Köhler, Julia Jäger, Anne Ratte-Polle, Laura Tonke, Jerry Kwarteng, Thelma Buabeng
Genre: Krimi, Thriller
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Dr. Patrick Wangila, ein Arzt, der aus dem Kongo stammt, wird erstochen. Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine Beziehungstat handelt. Daher befragen die Ermittler Ballauf und Schenk zunächst die Witwe des Arztes. Bei den weiteren Ermittlungen stellt sich der Fall immer verzwickter dar, als er ursprünglich schien. Und plötzlich wird der Tod einer kongolesischen Asylbewerberin einige Tage zuvor, dem man zuerst nur wenig Beachtung schenkte, für den Fall immer bedeutungsvoller.

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Irgendwie wirkt alles wie gehabt und dennoch zeigt „Narben“ auch gewisse Innovationen, wenngleich nicht über alle Maßen. Alleine die Titelsequenz lässt einen die Luft anhalten und man beginnt unweigerlich, Großes zu erwarten. Man fühlt sich durch die brillanten Nahaufnahmen von Narben, Gegenständen und Personen tatsächlich sogar an Kinofilme erinnert. Die Einstiegssequenz ist also schon mal durchaus gelungen und verspricht fast schon einen künstlerischen „Ausnahme“-Tatort. Doch leider war der Vorspann auch schon inszenatorisch das Interessanteste an diesem Tatort, was nicht heißt, dass wir es danach mit einem schlechten Film zu tun hätten.
„Narben“ kann durchaus mit seiner Idee überzeugen, wenngleich an vielen Stellen mit Klischees um sich geworfen wird, die mir nicht immer zugesagt haben. Aber nun gut, es geht schließlich um das aktuelle Thema „Flüchtlinge“ und da ist es fast schon unvermeidbar, wenn man das ein oder andere Thema in einer Art und Weise behandelt, die den Großteil der Bevölkerung anspricht.

Es geht um Täter und um Opfer. Die beiden Kommissare müssen sich durch ein undurchsichtiges Puzzle kämpfen, um auf die richtige Spur zu kommen. Nicht immer wirken sie dabei in ihren Überlegungen überzeugend. Frischen Wind bekommt die Story, als es dann um Kriegsflüchtlinge, Asylanten und Menschen mit Migrationshintergrund geht. Da sind durchaus Ansätze, die zum Nachdenken anregen und auch „schockieren“. Der Plot ist im Grunde genommen zwar solide und nachvollziehbar konstruiert, wirkt aber nicht so nachhaltig nach wie er eigentlich sollte. Dafür ist er einfach zu unspektakulär und simpel in Szene gesetzt. Die Geschichte mag auf den durchschnittlichen Fernsehzuschauer ohne Weiteres beeindruckend wirken, aber eine „straffere“ Regieführung hätte bestimmt ein bedeutend nachhaltigeres Ergebnis gegeben. Musiktechnisch wurde alles sehr passend untermalt, aber auch hier fehlen die „Ohrwürmer“, die bei manch einer Filmmusik hängen bleiben oder zumindest auffallen.

Nun zu den Schauspielern: Von Klaus J. Behrend und Dietmar Bär braucht man gar nicht viel reden, denn sie machen ihre Sache gewohnt gut und überzeugend. Neben Julia Jäger und der wirklich guten Juliane Köhler komme ich aber auf zwei Rollen, die es verdient haben, lobend erwähnt zu werden. Da ist zum einen Thelma Buabeng in ihrer Rolle als traumatisiertes Opfer, die mich sehr berührt hat. Ihr Spiel war sehr intensiv und glaubwürdig. Hinzu kommt Jerry Kwarteng als Bruder des Mordopfers, der, logischerweise durch sein dunkles Aussehen, in die Rolle eines Kongolesen geschlüpft ist. Seinem und Buabengs Schauspiel kann man anfangs nur immer in kurzen Abschnitten verfolgen, aber es gibt ja glücklicherweise noch das Finale. Als die beiden aufeinandertreffen, bekam ich szenenweise Gänsehaut, so emotional und echt wurde gespielt. Sowohl Buabeng als auch Kwarteng liefen in dieser finalen Szene auf Höchstform auf und haben mich vollkommen in ihren Bann gezogen. Alleine diese Schlussszene ist es wert, sich diesen zwar nicht schlechten, aber eher doch durchschnittlichen Tatort anzusehen. Diese beiden „schwarzen Deutschen“ stellten für mich neben der beeindruckenden Anfangssequenz und einigen gelungenen Einstellungen des Höhepunkt von „Narben“ dar.

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Fazit: „Narben“ bewegt sich trotz manch innovativer Regieführung, guten Schauspieler bis hin zu den Nebendarstellern und einem interessanten, aber manchmal unlogischen, Plot nur im durchschnittlichen Bereich.

© 2016 Wolfgang Brunner

Buried (2010)

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Originaltitel: Buried
Regie: Rodrigo Cortés
Drehbuch: Chris Sparling
Kamera: Eduard Grau
Musik: Víctor Reyes
Laufzeit: 91 Minuten
Darsteller: Ryan Reynolds
Genre: Thriller
Produktionsland: Spanien
FSK: ab 16 Jahre

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Der Lastwagenfahrer Paul Conroy ist im Irak eingesetzt. Eines Tages erwacht er gefesselt in einem Holzsarg. Ein Feuerzeug und ein Handy sind die einzigen Dinge, die ihm zur Verfügung stehen. Ein Wettkampf mit der Zeit beginnt. denn schon bald  wird die Luft knapp.

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Eine weitere One-Man-Show. Wie Robert Redford in  „All Is Lost“ oder im von Tom Hardy fantastisch gespielten „No Turning Back“ reiht sich nun Ryan Reynolds in die Riege von Darstellern ein, die einen Film alleine bewältigen. Um eines vorweg zu sagen: Reynolds ist besser als Redford, aber kann Hardy nicht das Wasser reichen.
Aber eins nach dem anderen. Es liegt nicht einmal an der Schauspielerleistung, die „Buried“ bei weitem nicht zu einem solche faszinierenden Ereignis macht wie „No Turning Back“. Es ist schon wirklich bemerkenswert, wie man einen ganzen Film auf engstem Raum in einem Sarg spielen lassen kann, ohne dass es langweilig wird. Denn langweilig ist Rodrigo Cortés‘ Kammerspiel auf keinen Fall. Es hapert eher an der Logik, die einem die ein oder andere Szene ein wenig vermiest. Die Sache mit dem Handyempfang zum Beispiel wirkte auf mich konstruiert und nicht glaubwürdig. Mal ist guter Empfang, mal schlechter oder eben gar keiner. Oft empfand ich die Telefonate auch nicht besonders nachvollziehbar.

Dennoch vermittelt „Buried“ oftmals eine beklemmende Atmosphäre, die Reynolds schauspielerisch auch bravourös meistert. Für den Plot, der zwar Spannung und unerwartete Wechsel enthält, abe dennoch nicht hundertprozentig zu überzeugen vermag, kann der Schauspieler ja nichts. Die Handlung ist für mich auch der Knackpunkt des Films. Auch wenn sie wohl sehr zynisch und gesellschaftskritisch wirken soll, untergräbt sie die beklemmende Spannung von Minute zu Minute und macht dadurch aus einem erschreckenden Ausgangsszenario einen eher mittelmäßigen Thriller. Ryan Reynolds legt durchaus eine fast oscarreife Leistung hin, kann aber das Handlungsdefizit leider dadurch nicht mit ausgleichen. Schon nach einer Stunde merkt man als Zuschauer, dass sich die Drehbuchautoren schwer getan haben, einen konstanten Handlungsbogen aufrechtzuerhalten. Es wird herumgesponnen und zwangsläufig wirkt das Ganze dann plötzlich wie eine künstlich in die Länge gezogene Geschichte.
Die Inszenierung ist solide, aber weitaus weniger innovativ, wie man es sich bei solch einer Story vorgestellt hätte. Da ist ein gewaltiges Potential an möglichen, raffinierten Kameraeinstellungen verschenkt worden, weil man auf eine geradlinige Erzählweise baute.

Wie schon erwähnt: Die Ausgangssituation ist wirklich toll und auch die ersten Ideen, die sich im Inneren des Sargs abspielen, sind durchaus sehenswert. Doch der Spannungsbogen läuft nicht konstant nach oben, sondern genau in die gegenteilige Richtung. Man fiebert das Ende herbei, das, nebenbei gesagt, auch nicht wirklich zufriedenstellend ist. So oft man sich auch nach knapp der Hälfte des Films endlich ein Ende herbeigesehnt hätte, so enttäuscht ist man dann, wenn es soweit ist und man nicht einmal ein akzeptables Finale serviert bekommen hat. Denn, man hält natürlich durch, weil man wissen will, wie es endet. Doch das Durchhaltevermögen lohnt sich dann leider nicht einmal.
Sehenswert ist alleine die schauspielerische Leistung von Ryan Reynolds und die, zumindest anfangs noch, teils interessanten Ideen, die man aus der Ausgangssituation herauskitzelt. Doch je mehr der Film fortschreitet, desto weniger Spannung erwartet einen.

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Fazit: Handlungstechnisch geht der Film genau den umgekehrten Weg, wie er es eigentlich machen sollte. Man wartet vergeblich darauf, dass sich die Spannungsschraube nach oben dreht, denn sie tut im Verlauf des Films genau das Gegenteil. Die schauspielerische Leistung von Ryan Reynolds ist allerdings absolut sehenswert.

© 2016 Wolfgang Brunner

San Andreas (2015)

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Originaltitel: San Andreas
Regie: Brad Peyton
Drehbuch: Carlton Cuse
Kamera: Steve Yedlin
Musik: Andrew Lockington
Laufzeit: 114 Minuten
Darsteller: Dwayne Johnson, Carla Gugino, Alexandra Daddario, Paul Giamatti, Ioan Gruffudd, Archie Panjabi, Hugo Johnstone-Burt, Art Parkinson, Kylie Minogue
Genre: Action, Katastrophenfilm
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Die San Andreas Verwerfung verschiebt sich und in Kalifornien kommt es zum stärksten Erdbeben aller Zeiten. Der Helikopterpilot Ray rettet seine Noch-Ehefrau Emma und macht sich dann zusammen mit ihr auf den Weg von Los Angeles nach San Francisco, wo sich ihre gemeinsame Tochter befindet. Auf ihrer Reise in den Norden müssen sie feststellen, dass sich die tektonische Platte verschiebt und das ganze Land in ein Katastrophengebiet schlimmsten Ausmaßes verwüstet hat.

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Brad Peytons Arbeiten haben sich in der Vergangenheit eher auf Jugend- und Familienfilme wie zum Beispiel „Cat’s And Dogs 2“ oder „Journey 2: Die geheimnisvolle Insel“ beschränkt. Letzterer war dann übrigens auch mit Dwayne Johnson. Nicht dass obengenannte Filme schlecht gewesen wären, aber mit „San Andreas“ setzt Peyton seinem bisherigen Schaffen zumindest die Krone auf. Die Handlung beschränkt sich auf die üblichen Zutaten eines Katastrophenfilms: Mann und Frau, die sich zwar irgendwie noch lieben, aber sich dennoch scheiden lassen wollen. Der neue Freund der Frau ist ein arroganter Schnösel und mittendrin die Tochter, die ihre Eltern noch immer liebt und nicht wahrhaben will, dass die Beziehung zu Ende ist. Und dann kommt ein Erdbeben, das diese sowieso schon zerrissene Familie noch mehr auseinanderbringt, um sie am Ende wieder zusammenzuführen. Der Plot ist also nicht wirklich weltbewegend. Was man von den Spezialeffekten allerdings nicht behaupten kann. Da rummst es wie in einem Film von Roland Emmerich und man kommt kaum zum Luftholen.

Obwohl man auch bei „San Andreas“ fast schon einer Reizüberflutung durch die permanente Effektorgie unterliegen könnte, wirkt der Film dennoch anders als die mittlerweile ermüdenden Transformers- oder Marvel-Filme. Brad Peyton haucht seinen Charakteren zwar nicht unbedingt ein überzeugendes Leben ein, aber es gibt durchaus die ein oder andere Szene, in der man mit den Protagonisten mitfiebert und sogar so etwas wie eine Emotion ihnen gegenüber empfindet. Hauptsache bei „San Andreas“ sind aber nun mal die Spezialeffekte. Und die sind wirklich atemberaubend gut gelungen.

Dwayne Johnson kann neben Alexandra Daddario überzeugen, jedoch müssen beide den schauspielerischen Ruhm in diesem Action-Feuerwerk Paul Giamatti überlassen. Denn der spielt alle anderen unübertroffen an die Wand und kann vollends als besorgter und nervöser Wissenschaftler überzeugen. Giamatti ist auch derjenige, der der Spezialeffekt-Orgie eine wirklich menschliche Note verleiht, die manch einem Blockbuster heutzutage leider fehlt.

„San Andreas“ ist astreines Mainstream Popcorn-Kino der heutigen Zeit und garantiert vortreffliche Unterhaltung, die sich zwar größtenteils auf digital generierte Effekte konzentriert, aber trotzdem noch ein wenig Augenmerk auf die Schauspieler legt. Handlungstechnisch keine erwähnenswerte Geschichte, rauben einem die einstürzenden Gebäude und teils extreme Spannung den Atem.

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Fazit: Popcorn-Kino vom Feinsten, das durch atemberaubende Effekte eine wahnsinnige Spannung erzeugt. Schauspielerisch bekommt vor Hauptdarsteller Dwayne Johnson und dessen Filmtochter Alexandra Daddario der grandiose Paul Giamatti die volle Punktzahl.

© 2015 Wolfgang Brunner

Firefox (1982)

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Originaltitel: Firefox
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Alex Lasker, Wendell Wellman
nach einer Romanvorlage von Craig Thomas
Kamera: Bruce Surtees
Musik: Maurice Jarre
Laufzeit: 125 Minuten
Darsteller: Clint Eastwood, Kai Wulff, Freddie Jones, Nigel Hawthorne, David Huffman, Warren Clarke, Ronald Lacey, Klaus Löwitsch, Stefan Schnabel
Genre: Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Russland hat eine verheerende Kampfmaschine namens Firefox entwickelt: Einen Jet auf dem neuesten Stand der Technik, der sogar  mit Gedankenkraft Waffen abfeuern kann. Amerika schickt einen Spitzenpiloten nach Russland, um den Kampfjet zu entführen. Ein gefährliches Unterfangen …

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Das Ganze fängt an wie ein ganz normaler Spionage-Thriller. Manchmal fühlt man sich ein wenig an einen James Bond-Film erinnert, aber alleine schon Eastwoods Inszenierungsstil und seine Schauspielerei lassen „Firefox“ dann irgendwie doch in eine andere Richtung driften. Es ist die eher ruhige Regie, die einen in den Bann zieht und die erfundene Geschichte fast wahr werden lässt. Clint Eastwood hat Craig Thomas‘ Vorlage so richtig filmtauglich gemacht und das liegt in erster Linie an den spektakulären Spezialeffekte (zumindest waren sie das für die damalige Zeit), für die sich „Star Wars“-Effektler John Dykstra verantwortlich zeigt. Der Film kommt in die Jahre, das merkt man, aber er verliert dennoch nichts von seinen Reizen. Klar trudeln die Flugzeuge durch die Luft und man sieht, dass es Modelle sind. Aber das ist für mich ein kleiner nostalgischer Rückblick, der mir gefällt und mich nicht stört.

Die realistische Atmosphäre hält den ganzen Film über an und man fiebert mit dem Protagonisten wirklich mit, wenn er wieder kurz davor steht, erwischt zu werden. „Firefox“ ist für mich ein Klassiker unter den Action-Filmen, der versiert mit dem Thema „Weltmacht“ umgeht und dies auch sehr realitätsnah schildert. Am meisten spricht mich allerdings der perfekte Regiestil an, den Clint Eastwood schon damals vorweisen konnte.
Die Flugzeugverfolgungen am Ende des Films wirken nach einer Weile, so unterhaltsam die Effekte auch sind, unnötig in die Länge gezogen. Wahrscheinlich wollte man dem Publikum einfach eine Menge Spezialeffekte zeigen, um der eher ruhigen Handlung am Ende ein wenig „Drive“ zu verschaffen. Spionage- und Actionfilm werden gemischt und lassen das Ergebnis dann doch irgendwie unschlüssig wirken. Eine genreorientiertere Inszenierung hätte dem Plot ausnahmsweise besser getan, obwohl ich absolut für genreübergreifende Filme bin.

Trotz einiger Mankos ist „Firefox“ noch immer ein unterhaltsamer Film, der zwar, wie bei Eastwood oft üblich, übertriebenen Patriotismus zur Schau stellt, aber dennoch nach wie vor seine Wirkung nicht verfehlt. Sicherlich kann es Eastwood sowohl als Regisseur wie auch als Schauspieler besser, aber „Firefox“ ließ auch nach so vielen Jahren noch den kleinen Jungen in mir erwachen, der sich auf derartige Abenteuer einlassen konnte und noch immer kann. 😉

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Fazit: In die Jahre gekommener Action-Film, der anfangs eine ruhige Spionagegeschichte erzählt und gegen Ende hin ein reiner Actionfilm wird. Netter Genre-Mix, der allerdings bei genauerem Hinsehen nicht richtig funktioniert.

© 2015 Wolfgang Brunner

Radio Silence -Der Tod hört mit (2012)

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Originaltitel: Radio Silence – Der Tod hört mit
Regie: Marco Riedl, Carsten Vauth
Drehbuch: Marco Riedl
Kamera: Marco Riedl
Musik: Andrew Reich (II)
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Dennis Schmidt-Foß, Detlef Bierstedt, Ian Odle, Dietmar Wunder, Silvia Hauten
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahre

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Doc Rock ist Radiomoderator und behandelt in seiner Sendung immer aktuelle Themen, wie zum Beispiel die schrecklichen Taten eines Serienkillers, der Nachtschlitzer genannt wird. Eines Nachts hat er den Täter persönlich während einer Livesendung an der Leitung. Wenn Doc Rock es schaffen würde, den Mörder davon abzuhalten, einen weiteren Mord zu begehen, würde er sein nächstes Opfer unbehelligt laufen lassen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt …

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Der Thriller von Marco Riedl und Carsten Vauth kommt mit einer wirklich tollen Optik daher. Die Inszenierung ist handwerklich absolut top und erinnert an manchen Stellen sogar an die Filme der Meister Alfred Hitchcock oder John Carpenter. Die wunderbare Musik von Andrew Reich (II) untermalt hervorragend die stylischen Bilder des Regieduos.
„Radio Silence“ ist ein Hochglanz-Thriller, der an alte Filme erinnert und wunderbare, stimmungsvolle Bilder hat. Gerade die Außenaufnahmen sind eine optische Augenweide. Die meiste Zeit spielt der Film aber im Radiostudio, doch durch die wirklich spannende und kurzweilige Handlung fällt dies aber gar nicht weiter auf.

Ich persönlich hätte es allerdings besser gefunden, wenn der Film ernster und nicht so trashig geworden wäre. Man merkt oft, dass die Regisseure manch eine Szene mit einem Augenzwinkern gedreht haben und viele Anspielungen auf andere Filme darin verpackt haben. Und das überdrehte Ende nahm dem Film dann letztendlich seine Authentizität. Prinzipiell habe ich nichts gegen eine solche Art von Film, aber ich bin sicher, dass in diesem Fall weniger Humor besser für den Film gewesen wäre.
Besonders hervorzuheben sind die oftmals unerwarteten Wendungen, die sich durch den ganzen Plot ziehen. Das unterhält absolut und hat mich wirklich in den Bann gezogen. An „Radio Silence“ sieht nichts deutsch aus, obwohl es ein Film aus Deutschland ist. Einzig die Außenaufnahmen erinnerten mich an die stimmungsvollen Edgar Wallace-Verfilmungen. Gerade das war es, was mir an „Radio Silence“ so gefallen hat, gemixt mit ein paar mehr oder weniger offensichtlichen Prisen aus modernen Thrillern wie „Saw“.

„Radio Silence“ funktioniert und das ist das Wichtigste. Sicherlich gibt es an einigen Stellen ein wenig zu nörgeln, so sind zum Beispiel an einigen Stellen die Dialoge sehr einfach gestrickt.  Wer jedoch Logikfehler vermutet und entdeckt, sollte nicht sofort beim Erscheinen des Abspanns das Kino verlassen oder auf die Stop-Taste drücken. Das Warten bis zum „echten“ Ende lohnt sich und gibt ein paar Antworten. Insgesamt halte ich „Radio Silence“ handlungstechnisch zwar nicht besonders einfallsreich, dafür aber handwerklich sehr geschickt und professionell. Die stimmungsvollen Bilder sind unbedingt sehenswert.

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Fazit: Deutscher Thriller, der nicht deutsch aussieht. Stylisch und optisch sehenswert, hakt es ein wenig an der zwar wendungsreichen, aber nicht besonders außergewöhnlichen Handlung. Sehenswert ist „Radio Silence“ auf jeden Fall.

© 2015 Wolfgang Brunner