ABCs Of Superheroes (2015)

Originaltitel: ABCs Of Superheroes
Buch und Regie: Jens Holzheuer, Oliver Tietgen
Kamera: Oliver Tietgen
Musik: —
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Bai Ling, Uwe Boll, Jörg Buttgereit, Jerry Kwarteng, Lloyd Kaufman, Fred Olen Ray, Aramis Merlin, René Wiesner, Simon Lammers, Biggi Bardot, Manni Laudenbach, Uwe Schueder, Meggan Anderson
Genre: Fantasy, Komödie
Herstellungsland: Deutschland
FSK: k.A.

*

Während eines Einkaufs nörgelt ein junges Mädchen so lange, bis sie von ihrer Mutter ein Comicheft gekauft bekommt: ABCs Of Superheroes. In diesem Heft werden Superhelden, deren Namen mit allen 26 Buchstaben des Alphabets beginnen, vorgestellt. Eine abgedrehte Reise durch eine Comicwelt voller ungewöhnlicher Superhelden beginnt.

*

Am besten sollte man unvoreingenommen an diesen herrlich verrückten und schrägen Independent-Film herangehen. „ABCs Of Superheroes“ kann man im Grunde genommen sehr schwer beschreiben, denn was da auf einem zukommt, ist schlichtweg einfach nur genial und dermaßen abwechslungs- und ideenreich, dass einem so manches Mal die Worte fehlen. Unzählige Einfälle, verbunden mit liebevollen Anspielungen auf kleinere, größere, bekannte und unbekannte Filme machen diesen Streifen zu einem außergewöhnlichen Erlebnis, von dem man gar nicht genug bekommen kann (zumindest geht es mir da so). Die Regisseure Jens Holzheuer und Oliver Tietgen, die auch beide das Drehbuch verfassten, nahmen sich augenscheinlich vor, einfach das zu machen, worauf sie Lust hatten. „ABCs Of Superheroes“ ist eine wilde Mischung aus Fantasy, Science Fiction, Komödie, Softporno und und und …, eine Verbeugung vor echten und trashigen Kultfilmen, eine Hymne an das freie Filmemachen, wo es einfach nur um Spaß und das Umsetzen eigener Ideen geht und nicht um eine perfekte, geldlastige Perfektion. Und gerade diese Nichtperfektion macht den unglaublichen Charme dieses Films aus, der einen von der ersten bis zur letzten Minute nicht mehr loslässt.

Noch heute, ein paar Tage später, zaubert mir die ein oder andere absurde Szene noch ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht. Die Rahmenhandlung (das Mädchen, das den Comic liest) lockert die zwanzig Episoden immer wieder auf und bringt den Zuschauer auch einige Male zum Lachen. Aber getragen wird der Film von der unendlichen Fülle an skurrilen und verrückten Ideen, die man in ihrer Vielseitigkeit fast nicht erfassen kann. Gespannt wartet man darauf, mit welchen Einfällen der nächste Superheld im Alphabet präsentiert wird und vergisst darüber tatsächlich die Zeit. Ich habe selten einen so kurzweiligen Episodenfilm gesehen, der mit einem wahren Feuerwerk an Inspirationen und Gags aufwarten kann. Die Gastauftritte von Uwe Boll, Jörg Buttgereit, Lloyd Kaufmann und Bai Ling tun ihr übriges dazu, um „ABCs Of Superheroes“ unterhaltsam zu machen. Die Darsteller sind allesamt witzig und souverän (und oftmals in ihrer naiven Amateurhaftigkeit liebenswert doof), wobei mir Jerry Kwarteng in der Rolle als Jesus dann doch ziemlich positiv aufgefallen ist.

Es ist Ultra-Trash, den man hier serviert bekommt, und man muss das eindeutig mögen und dafür auch offen sein. Es ist Blödsinn, der einem hier präsentiert wird, und als Filmfan erkennt man unendlich viele Anspielungen. Mit einfachen Mitteln (ob gewollt oder nicht, sei hier dahingestellt) wurden Visionen in Szene gesetzt, denen man einfach den riesengroßen Spaß an der Produktion ansieht. Nichts wird ernst genommen, alles wird veralbert und obgleich es in teilweise wirklich dummen Klamauk abdriftet, hat es für mich bedeutend mehr Spaßfaktor als sogenannte erfolgreiche, deutsche Komödien wie „Fuck Ju Göhte“. „ABCs Of Superheros“ ist ein kranker, aber gutgelaunter Trip, von Menschen gemacht, die Splatter, Porno, Horror, Fantasy und SF mögen und Spaß am Filmedrehen haben. Da wird ausgelassen gealbert, aber sich auch vor Genregrößen verbeugt, dass es eine wahre Freude ist. Vielleicht sollte ich nochmal explizit erwähnen, dass es den Machern mit Sicherheit nicht darum ging, eine perfekte Superhelden-Parodie auf die Beine zu stellen, sondern eher absichtlich eine dilettantische Trashperle a la „Flash Gordon“ zu zaubern, bei der sämtliche Effekte stümperhaft, aber nichtsdestoweniger liebenswert unterhaltsam wirken(zumindest kam das bei mir so an). Ich für meinen Teil habe mich auf jeden Fall schon lange nicht mehr so prächtig amüsiert, wenngleich viele Witze einen sexistischen und plumpen Anschein erwecken. Aber sie sind dann schon wiederum eben so doof, dass sie Spaß machen und in ihrer dumpfbackigen Albernheit funktionieren. Ich mag diesen Film auf jeden Fall. 😉
May the Fist Fuck Force be with you. 🙂

*

Fazit: Abgedreht und ausgelassen albern. Unperfekter Ultra-Trash, der amüsiert und kurzweilig unterhält.

© 2017 Wolfgang Brunner

Advertisements

BFG – Big Friendly Giant (2016)

Originaltitel: The BFG
Alternativtitel deutscher Titel: BFG – Sophie und der Riese
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Melissa Mathison
nach dem Roman von Roald Dahl
Kamera: Janusz Kamiński
Musik: John Williams
Laufzeit: 117 Minuten
Darsteller: Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall, Bill Hader, Michael Adamthwaite, Adam Godley
Genre: Fantasy
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Kanada
FSK: ab 6 Jahre

*

Das Waisenmädchen Sophie lernt eines Tages einen freundlichen Riesen kennen, der sie mit in die Welt der Riesen nimmt. Doch dort leben nicht nur freundliche Riesen, sondern auch böse, die liebend gerne Menschen, insbesondere Kinder, fressen. Sie haben auch vor, in die Welt der Menschen einzudringen und sie anzugreifen. Sophie heckt mit ihrem neuen Freund und der Königin von England einen Plan aus, um dies zu verhindern.

*

Spielbergs neuer Film wird die Kinogängern und Filmfans in zwei Lager spalten: Die einen werden die Adaption von Roald Dahls Kinderklassiker als nervtötend langweilig bezeichnen und die anderen als wunderschön fotografierten Fantasyfilm für die ganze Familie.  Und ich? Ich liege irgendwie genau in der Mitte beider Seiten, denn zum einen sieht man dem Film an, dass er mit großer Hingabe gedreht wurde und zum anderen fehlt letztendlich doch irgendwie das gewisse Etwas, das den Charme anderer Spielberg-Filme ausmacht. Aber der Reihe nach:  Spielberg geht erfreulicherweise einen Weg, der das Kino nicht in die Dimensionen bombastischer CGI-Effektorgien mit keinerlei Gefühlen schleudert, sondern er erzählt eine Geschichte in ruhigen, prinzipiell unspektakulären Tönen. Sicherlich lebt der Film von den Tricks, die ich im Übrigen äußerst gelungen empfand. Aber es werden, wie in so vielen Filmen Steven Spielbergs, auch Freundschaft, Mut und Lebensweisheiten behandelt. Es macht ungemein Spaß, dem ungleichen Freundespaar zu folgen, und gerade durch die oft leisen Zwischentöne wirkt der Film wie ein Traum. Roald Dahls Vorlage wird kongenial umgesetzt, da sie die Gefühlswelt eines Kindes, und wie dieses seine Umgebung wahrnimmt, sehr schön darstellt: ein bisschen Traurigkeit, ein bisschen Abenteuer und eine Prise Spaß durch die Augen eines Kindes.

Lässt man sich auf diese Welt, durch die Augen eines Kindes gesehene, Welt ein, wird man mit einem wunderschönen Film belohnt, der zum Träumen einlädt. Erwartet man einen mit Effekten überladenen Blockbuster-Film im Stil der heutigen Comicverfilmungen, wird man wohl bitterlich enttäuscht sein. Alleine die Tatsache, dass sich Spielberg nicht auf dieses Niveau begibt, macht „BFG“ zu etwas Besonderem. Und dennoch fehlt im Gesamtbild das Flair der älteren Spielberg-Filme. Woran es liegt, kann ich nicht einmal genau sagen, denn im Grunde genommen passt alles: Eine Geschichte, wie für Spielberg geschrieben, wunderbare Effekte und eine tolle Filmmusik von Hauskomponisten John Williams. Doch gerade Williams ist mit seinem Score nicht der große Wurf gelungen, obwohl die Musik gewohnt hochwertig und wunderschön ist. Aber sie bleibt leider nicht im Gedächtnis haften, wie so manch andere aus der Feder von John Williams.

Insgesamt gesehen habe ich mich prächtig unterhalten und auch amüsiert. Eine Szene bei der Königin von England hat mich sogar lauthals zum Lachen gebracht, obwohl ich den Film alleine angesehen habe. Spielberg versteht sein Handwerk nach wie vor, allerdings erscheint mir „BFG“ nicht so kultverdächtig wie seine anderen Filme und befindet sich für mich auf gleicher Ebene wie zum Beispiel „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ . Das soll nicht heißen, dass mir diese beiden Filme nicht gefallen, absolut nicht, aber in seinen anderen Werken kann Spielberg eindeutig mehr sein Können als Regisseur zeigen als in den beiden genannten. Für mich also eher ein untypischer Spielberg-Film, der mich dennoch vollauf überzeugen konnte.

*

Fazit: Wunderschön fotografierter Märchenfilm, der sich durch seine ruhige, besinnliche Inszenierung wohltuend von effekteüberladenen Blockbustern der heutigen Zeit abhebt.

© 2017 Wolfgang Brunner

Gods Of Egypt (2016)

gods_of_egypt_ver21

Originaltitel: Gods Of Egypt
Regie: Alex Proyas
Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Kamera: Peter Menzies Jr.
Musik: Marco Beltrami
Laufzeit: 128 Minuten
Darsteller: Nikolaj Coster-Waldau, Gerard Butler, Brenton Thwaites, Courtney Eaton, Geoffrey Rush, Élodie Yung, Rufus Sewell, Chadwick Boseman, Goran D. Kleut, Bryan Brown
Genre: Abenteuer, Fantasy
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Australien
FSK: ab 12 Jahre

*

Als Horus zum König von Ägypten gekrönt werden soll, unterbricht sein Onkel Set die Zeremonie und reißt die Krone an sich. Außerdem beraubt er Horus seines Augenlichts. Unter der Herrschaft von Set werden die Menschen geradezu versklavt und deshalb macht sich Bek, ein wackerer junger Draufgänger daran, die Augen des Horus, die sich in der Schatzkammer von Set befinden zu stehlen, damit der Gott seine ihm zustehende Krone doch noch erobern kann.

*

„Gods Of Egypt“ ist eindeutig besser, als ich eigentlich erwartet hätte. Und das trotz einer massiven CGI-Eqffekte-Attacke, wie ich sie schon seit längerer Zeit nicht mehr mag. Aber dazu später.
Der Einstieg wirkt bombastisch und wenngleich die Menschenmassen aus dem Computer stammen, werden wir mit beeindruckenden Bildern ohne Umschweife in das Abenteuer geworfen. Regisseur Alex Proyas erklärt die Ausgangssituation kurz und knapp: Im Alten Ägypten sind die Götter an der Macht und weilen unter den Menschen. Sie sind doppelt so groß und verfügen über die Macht, sich in starke Kämpferwesen zu verwandeln. Man sollte diese Erklärungen einfach hinnehmen und den Film dann auf sich wirken lassen.

Ich fühlte mich irgendwie an „alte“ Abenteuerfilme erinnert, oft dachte ich an „Indiana Jones“, „Kampf der Titanen“ oder „Die Mumie“.  Es geht äußerst rasant zu und die Zeit vergeht wirklich wie im Fluge. Die meisten Witze sind gut platziert und wirken in der entsprechenden Situation. Einige Action- und Kampfszenen sind sehr gut choreographiert, allerdings immer nur dann, wenn echte Schauspieler miteinander agieren. Und nun komme ich zu einem leider negativen Punkt, der mir an einigen Stellen im Film aufgestossen ist. Es sind einfach zu viele, computeranimierte Effekte eingebaut, die zum einen oft unrealistisch und künstlich wirken und zum anderen den actiongeladenen Handlungsverlauf der realen Schauspieler schlichtweg stören. Ein bisschen weniger wäre definitiv mehr gewesen. Sobald sich die Götter von ihrer Menschengestalt in eines der erwähnten Wesen verwandeln, fühlte ich mich in einem Avenger- oder Transformers-Film versetzt. An ganz schlimmen Stellen sogar an den unerträglichen „I, Frankenstein“. Man ist mittlerweile von dieser Art Effektorigien übersättigt. Das ist einfach zu viel und die nimmt dem Film oft die Spannung und den abenteuerlichen Charme, der wenige Minuten zuvor noch aufgebaut wurde. Das ist so schade, denn „Gods Of Egypt“ hätte ein richtig gutes Fantasy-Abenteuer werden können. Ist es letztendlich auch, wenn man von den oft unpassenden und zu vielen Effekten absieht. Ich hatte auf jeden Fall riesigen Spaß dabei.

Schauspielerisch konnte mich am meisten Gerard Butler überzeugen, der auch sichtlich Spaß an seiner Rolle hatte. Aber auch die anderen Akteure waren sehr gut und konnten mich ausnahmslos überzeugen. Proyas hat an ein paar Stellen visionär erscheinende Bilder erschaffen (da haben die Effekte zum Beispiel nicht gestört), die mich nachhaltig beeindruckt und sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Das hat mich über die Negativpunkte auch hinwegsehen lassen, so dass „Gods Of Egypt“ für mich trotzdem ein richtig guter Fantasyfilm geworden ist. Besonders hervorzuheben ist der phantastische Score von Marco Beltrami, der genau diese Abenteuerstimmung in Verbindung mit dem oft tollen Bildern hervorragend untermalte.

Insgesamt ein wunderbarer, actiongeladener Fantasyfilm, der einen mit wirklich tollen Bildern in den Bann zieht. Einziges Manko sind die erwähnten, übertrieben eingesetzten CGI-Effekte, wenn sich die Götter in Wesen verwandeln.

*

Fazit: Atemberaubendes Fantasyabenteuer, bei dem leider einige CGI-Effekte den Charme leicht zerstören.

© 2017 Wolfgang Brunner

Seventh Son (2014)

seventh_son_ver11-seventh-son-poster-11

Originaltitel: Seventh Son
Regie: Sergei Bodrow
Drehbuch: Charles Leavitt, Steven Knight, Matt Greenberg
nach dem Roman „Spook-Der Schüler des Geisterjägers“ von Joseph Delaney
Kamera: Newton Thomas Sigel
Musik: Marco Beltrami
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Jeff Bridges, Ben Barnes, Julianne Moore, Alicia Vikander, Kit Harington, Djimon Hounsou, Jason Scott Lee, Antje Traue, Olivia Williams
Genre: Fantasy, Literatur
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Russland
FSK: ab 12 Jahre

*

Die Hexe Malkin will die Welt mit einer Armee aus fürchterlichen Kriegern unterjochen. Der Geisterjäger John Gregory Geisterjäger macht sich auf die Suche nach dem siebten Sohn des siebten Sohnes, der der Legende nach an seiner Seite gegen das Böse antreten soll. Tom, der Auserwählte, findet sich schon bald im größten Abenteuer seines Lebens.

*

Ich war ja wirklich überrascht, als ich diesen Film sah. Ich hatte mir eher so ein verunglücktes Fantasy-Abenteuer wie „Eragon“ vorgestellt, das zwar ganz anschaulich ist, aber schon bald wieder in Vergessenheit gerät.  In Wahrheit war „Seventh Son“ dann doch ein ganz praktikabler Film, der mich sehr unterhalten hat. Bei diesem Film, die Romanvorlage kenne ich in diesem Fall ausnahmsweise einmal nicht, handelt es sich um einen wirklich klassischen Fantasyfilm, wie zum Beispiel der etwas ältere „Der Drachentöter“ oder auch „Conan“. Die Zuschauer werden in eine mittelalterliche Welt entführt, in der es Zauberer, Hexen und Drachen gibt. Die Handlung ist nicht wirklich weltbewegend und man fühlt sich an allerlei Buch- und Filmvorlagen erinnert, aber dennoch tut es dem Unterhaltungsfaktor keinen Abbruch.

Jeff Bridges, aber auch Ben Barnes, gehen in ihren Rollen auf und vermitteln durch ihre Darstellung den Spaß, den sie mit Sicherheit während der Dreharbeiten hatten. Julianne Moore kam mir des öfteren unterfordert vor und passt auch nicht immer hundertprozentig in die Rolle, aber auch das ist nicht weiter schlimm, denn es handelt sich hierbei ja schließlich um einen Unterhaltungsfilm und nicht um eine hochwertige, anspruchsvolle Literaturverfilmung. Die Effekte und vor allem die Drachen sind sehr gut gemacht. Aber was mich am meisten begeistert hat, waren die teils wunderschönen Landschaftsaufnahmen, die sogar mit dern Herr der Ringe- und Hobbit-Verfilmungen von Peter Jackson konkurrieren konnten. Die Kostüme sind ebenfalls eine Erwähnung wert, genauso wie die wunderbare Musik von Marco Beltrami, die die düstere Atmosphäre perfekt einfängt und untermalt.

Dennoch bleibt trotz aller Begeisterung nicht viel hängen, was wahrscheinlich einfach daran liegt, dass man zu vieles schon einmal anderweitig gesehen und gelesen hat. Dem Plot fehlt die Selbständigkeit und die Innovation, neues zu erschaffen, und dümpelt bis auf ein paar Ausnahmen einfach vor sich hin. Einzig Jeff Bridges und den fantastischen Effekten ist es zu verdanken, dass „Seventh Son“ zumindest teilweise im Gedächtnis haften bleibt. Allerdings hat bei mir die kauzige, humorvolle Art von Bridges nicht immer funktioniert. An manchen Stellen hätte ich mir dann doch einen ernsteren Ton gewünscht.
Ich habe die 3D-Version gesehen, die mir aufgrund der relativ unspektakulären Art und Weise erstaunlich gut gefallen hat. Da wurde weniger Wert auf Effekte gelegt, sondern vielmehr auf eine angenehme Tiefenwirkung geachtet. Das hat mir persönlich sehr gefallen. Interessant ist, dass sich trotz der CGI-Effekte ein gewisser Charme, wie man ihn aus alten Filmen kennt, einschleicht. Liest man sich den Abspann durch, stößt man auf einen Namen, der eventuell für diesen nostalgischen Charme verantwortlich ist: John Dykstra, der mit seinen legendären Spezialeffekte für „Star Wars“, „Kampfstern Galactica“, „Star Trek“ oder „Lautlos im Weltraum“ verantwortlich war, übernahm die Rolle des Visual Effects Designer.

*

Fazit: Unterhaltsam und auf gewisse Art und Weise von einem nostalgischen Flair des 70er und 80er Jahre-Kinos umgeben. Leider verliert sich die Handlung in vielerlei Ideen, die man bereits anderweitig gesehen und gelesen hat. Für Fantasy- und vor allem Drachen-Fans dennoch unbedingt zu empfehlen.

© 2016 Wolfgang Brunner

Der Pagemaster – Richies fantastische Reise (1994)

pagemaster

Originaltitel: The Pagemaster
Regie: Joe Johnston (Real), Pixote Hunt (Animation)
Drehbuch: David Kirschner, Ernie Contreras, David Casci
Kamera: Alexander Gruszynski
Musik: James Horner
Laufzeit: 76 Minuten
Darsteller: Macaulay Culkin, Mel Harris, Christopher Lloyd
Genre: Fantasy, Abenteuer, Animation, Kinderfilm
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 6 Jahre

*

Richie Tyler ist ein ängstlicher Junge. Als er eines Tages auf dem Rad von einem Unwetter überrascht wird, sucht er schnellstmöglich eine sichere Unterkunft und findet sich in der Bibliothek von Mr. Dewey wieder. Als Richie in Ohnmacht fällt, erwacht er in einer Zeichentrickwelt wieder, die ihn durch verschiedene Welten aus Büchern führt. Begleitet wird er dabei von drei sprechenden Büchern, die Abenteuer, Fantasie und Grusel verkörpern.

*

Kritiker warfen dem Mix aus Real- und Zeichentrickfilm damals vor, sich nur auf pseudoartige Weise mit dem Thema „Wir bringe ich Kinder zum Lesen?“ auseinanderzusetzen. Das sehe ich anders, denn es werden wirklich viele liebevolle Details in der Handlung versteckt, die einem Kind durchaus den Anreiz verschaffen könnte, einmal zu einem Buch zu greifen.
Die Drehbuchautoren haben wirklich innovative Ideen, die von den beiden Regisseuren genial umgesetzt wurden. Die Realfilmszenen erinnern unweigerlich an Spielberg-Produktionen aus den 80er und 90er-Jahren. Macaulay „Kevin“ Culkin spielt wirklich gut und überzeugend. Man spürt die Begeisterung der in jeder Minute.
Mich hat dieser Film bei seinem Erscheinen völlig in den Bann gezogen und das hat sich auch nach so vielen Jahren nicht geändert.

Hauptaugenmerk wird aber auf den Zeichentrickfilm gelegt, der eine wunderschöne Geschichte erzählt, die nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene zum Träumen einlädt. In wunderbaren Zeichnungen, die nicht zu einfach aber auch nicht perfekt sind, wird eine abenteuerliche Reise durch ein Land voller Geschichten erzählt, die man aus bekannten Büchern kennt. Alleine die Idee, die Weggefährten des Jungen in Form von Büchern darzustellen, ist es wert, sich diesen Film anzusehen. Abenteuer, Grusel und Fantasie heißen die drei Bücher, die Richie auf seiner Reise begleiten und für manch einen Lacher sorgen. Ich finde diese Charaktere einfach nur gut, wie sie miteinander umgehen und ihren Namen alle Ehre machen.
„Der Pagemaster“ ist farbenfroh und absolut kurzweilig. Kinder dürften ihre helle Freude an den Abenteuern haben, in denen der Junge sich all seinen Ängsten stellen muss. Schön animiert und mit einem beeindruckenden Ideenreichtum vermag „Der Pagemaster“ einfach nur gut zu unterhalten. Und das, wie gesagt, trifft nicht nur auf Kinder zu. Schade, dass es solche Filme heutzutage nicht mehr gibt.

Unbedingt erwähnt werden muss auch die hervorragende Musik von James Horner, die grandios passt und die Szenen hervorragend untermalt. Sein mitreissender Abenteuerscore kann definitiv auch ohne Filmbilder bestehen. Die typischen Horner-Passagen wechseln sich mit flotten Einlagen ab, die das Können des Komponisten zeigen.

*

Fazit: Liebevoll gezeichnetes Abenteuer, dessen Rahmenhandlung aus einem Realfilm besteht. Für mich ein Schatz aus den 90er Jahren, den ich mir immer wieder gerne ansehe.

© 2016 Wolfgang Brunner

Legend Of Hell (2012)

Legend

Originaltitel: Legend Of Hell
Regie: Olaf Ittenbach
Drehbuch: Olaf Ittenbach
Kamera: Denis Alarcon Ramirez
Musik: Philipp Chudalla, Reinhard Eggersdorfer, Axel Rubbel, Thomas Wozny
Laufzeit: 85 Minuten
Darsteller: Karen Breece, Wayne Darrin, Martin Ittenbach, Hanno Ley, Carsten Blume, Garloff Langenbeck, Daryl Jackson, James Matthews-Pyecka, Sebastian Gerold, Birte Hanusrichter, Thomas Schimon
Genre: Horror, Fantasy
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahre

*

Die Archäologin Selma entdeckt ein 5.000 Jahre altes Portal, das von innen fest verschlossen ist. Wenig später findet sie eine ebenso alte Karte, die bald darauf ein alter Kunsthändler mit allen Mitteln von ihr erwerben will. Bei der Übergabe kommt es zum Streit und Selma wird erschossen. Und plötzlich befindet sich Selma im Mittelalter, wo sie erneut ermordet wird und erstaunlicherweise auf einer astralen Ebene wieder erwacht. Dort trifft sie David, Elias und Luise, die alle aus verschiedenen Zeitaltern in die astrale Ebene gelangt sind, um einen Auftrag auszuführen. Sie müssen das Tor zur Hölle, das von Selma in einem anderen Leben entdeckte Portal, schließen, das zwischenzeitlich entriegelt wurde.

*

Wo „Ittenbach“ draufsteht ist auch „Ittenbach“ drin. 🙂
Es gibt Filmemacher, die spalten die Zuschauer: Herr Ittenbach ist eindeutig einer davon. Entweder man mag seine Art, Filme zu machen, oder eben nicht. Ich für meinen Teil mag seine Orgien. Ittenbach ist kein Spielberg, das ist ganz klar. Aber ich esse ja auch nicht jeden Tag ein 5-Sterne Menü, sondern auch mal Fast Food. Und beides mag ich.
Somit wären wir dann auch schon beim Thema: Ittenbachs „Legend Of Hell“ ist eine unterhaltsame Mischung aus „Conan – Der Barbar“, „Hinter dem Horizont“ und Zombie-Splatter. Der Film möchte einfach unterhalten und das tut er, wenn man sich auf die manchmal unlogische Handlung einlässt. Fantasyelemente werden wild mit Horror- und Mysteryeinschüben vermischt. Heraus kommt ein spannender Genremix, der sogar ein klein wenig zum Nachdenken einlödt. Sicherlich ist der Plot nicht logisch durchdacht und konzipiert, aber dennoch hat mir die Idee einer astralen Ebene, in der sich alles abspielt, sehr gut gefallen. Dadurch bekam die Handlung doch einen gewissen Reiz für mich.

Olaf Ittenbach schert sich einen Teufel um gängige Erwartungen: Er macht, was ihm Spaß macht und was er zeigen will – Punkt. Im Falle von „Legend Of Hell“ bewegt er sich nicht durchgängig, wie ihm vorgehalten wird, auf Amateur-Niveau.  Dazu agieren die Schauspieler ab dem ersten Drittel viel zu gut und die Drehorte sind teilweise wirklich sehr gut und atmosphärisch ausgewählt. Sicherlich fallen hin und wieder die Blue (oder Green?)-Screen-Aufnahmen auf, aber was ist daran so schlimm? Der Film ist zum Großteil handmade gemacht und das rechne ich Ittenbach in der heutigen Zeit hoch an. Da werden Puppen abgeschlachtet, dass es eine wahre Freude ist. Und genau das habe ich erwartet. Klar werden auch CGI-Effekte eingesetzt, aber im Grunde sehr verhalten. Die Handarbeit liegt Ittenbach immer noch am Herzen.

Wer einen stylischen Hochglanz-Horror erwartet, wird hier enttäuscht werden. Wer sich allerdings eineinhalb Stunden mit einem Fantasy-Horror-Trash-Splatter-Trip vertreiben möchte, ist genau richtig. Und, wie gesagt, man bekommt auch ein paar wunderbare und stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen zu sehen. Ittenbach-Fans werden ihre Freude haben, B-Movie- und Independent-Gegner sollten einfach die Finger davon lassen.

Anfangs kommt der Plot sehr schwer in die Gänge, genauso wie die deutsche Synchronisation. Aber schon nach einer Viertelstunde wird es besser und auch die Synchro tut’s.
Einziges wirkliches Manko an „Legend Of Hell“ fand ich die animierten Drachen am Ende, die lächerlich und wie aus einem Film der 50er Jahre wirkten. Aber nun gut … ich mochte den Rest und fand die Story wirklich einen unterhaltsamen B-Movie mit blutigen Effekten. Mit geringem Budget hat Ittenbach seinen Fans ein neues Werk geliefert, und das finde ich gut. 😉

*

Fazit: So schlecht, wie alle tun, ist „Legend Of Hell“ nun auch wieder nicht. Coole Effekte wurden in eine ganz nette, wenngleich nicht unbedingt logische, Handlung verpackt. Mir hat’s gefallen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Jumanji (1995)

1995-jumanji-poster1

Originaltitel: Jumanji
Regie: Joe Johnston
Drehbuch: Greg Taylor, Jim Strain, Chris Van Allsburg, Jonathan Hensleigh
nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Chris Van Allsburg
Kamera: Thomas E. Ackerman
Musik: James Horner
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Robin Williams, Kirsten Dunst, Bradley Pierce, Bonnie Hunt, Bebe Neuwirth, david Alan Grier, Jonathan Hyde, Patricia Clarkson
Genre: Abenteuer, Fantasy
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

*

Alan Parrish entdeckt als Kind ein geheimnisvolles Brettspiel namens „Jumanji“. Als er es zusammen mit seiner Freundin Sarah spielt, verschwindet er vor ihren Augen im Inneren des Spielbretts. 26 Jahre später finden die beiden Kinder  Judy und Peter auf dem Speicher des Hauses, in das sie gerade eingezogen sind, genau jenes Spiel. Sie beginnen es zu spielen, ahnungslos, welche Folgen der erste Zug bereits für sie hat …

*

Jetzt ist das auch schon wieder zwanzig (!!!) Jahre her, dass dieser Abenteuerfilm in die Kinos gelangte. Aber „Jumanji“ hat nichts von seinen damaligen Reizen verloren, ganz im Gegenteil. Die Effekte sind immer noch grandios und der Unterhaltungswert könnte größer nicht sein. „Jumanji“ ist ein waschechter Abenteuerfilm für Kleine und Große. Der mystische Reiz des Spiels hält den Spannungsbogen während des ganzen Films konstant aufrecht, denn man weiß nie, was gleich passieren wird. Die Handlung ist nett ausgedacht und macht auch noch nach Jahren riesigen Spaß.

Robin Williams hat mit der Verkörperung des „altgewordenen Jungen“ eine Paraderolle bekommen, in der er sichtlich aufgeht. Das ist es, was Williams (zumindest in seinen Parts in Kinderfilmen) ausmacht: Er ist der Erwachsene, der noch immer Kind geblieben ist. Das hat er unter anderem auch hervorragend in Spielbergs „Hook“ bewiesen. Als aus dem Spiel zurückgekehrter Alan Parrish vermag Williams absolut zu überzeugen und es ist eine wahre Freude, seinem Agieren zuzusehen. Aber auch die damals noch nicht wirklich bekannte Kirsten Dunst macht ihre Sache mehr als gut. Neben Bradley Pierce vermittelt sie die typische Abenteuerlust, die Kinder in so einem Falle ergreifen würde, und reißt den erwachsenen Zuschauer dadurch mit.

„Jumanji“ kann man ohne weiteres als Klassiker der 90er Jahre bezeichnen. Man wird mit einem Ideenreichtum überschüttet, der einem den Atem raubt. Und auch wenn die Spezialeffekte an manchen Stellen veraltet wirken, so sind sie immer noch besser als die heutigen CGI-Gewitter, bei denen man meist schon gar nichts mehr erkennen kann, weil es so schnell geht. Da mag ein gewisser Nostalgie-Faktor vielleicht auch eine Rolle spielen, aber eines ist sicher: Bei Filmen wie „Jumanji“ drängten sich in manchen Szenen schon damals zwar die Effekte in den Vordergrund, aber die menschlichen Schauspieler blieben trotzdem die eigentlichen Attraktionen. Rasant inszeniert lädt „Jumanji“ noch heute zum Träumen und „für zwei Stunden wieder Kindsein“ ein.

Kinderbuchautor Chris Van Allsburg, der die literarische Vorlage zu „Jumanji“ lieferte, hat übrigens noch ein zweites Kinderbuch in dieser Richtung geschrieben, das zehn Jahre nach „Jumanji“ im Jahr 2005 von Jon Favreau verfilmt wurde: „Zathura“. Auch hier geht es um ein mysteriöses Brettspiel. 🙂

*

Fazit: Rasant, spannend, gruselig, gefühlvoll und voller Spezialeffekte. Dennoch bleiben die Schauspieler immer im Vordergrund. „Jumanji“ kann ohne weiteres ein Kinder-Abenteuer-Fantasy-Klassiker genannt werden.

© 2015 Wolfgang Brunner