Open Range – Weites Land (2003)

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Originaltitel: Open Range
Regie: Kevin Costner
Drehbuch: Craig Storper
Kamera: James Muro
Musik: Michael Kamen
Laufzeit: 133 Minuten
Darsteller: Robert Duvall, Kevin Costner, Annette Benning, Michael Gambon, Michael Jeter, Diego Luna, James Russo, Abraham Benrubi, Dean McDermott
Genre: Western
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Die Cowboys Charley Waite und Boss Spearman treiben zusammen mit Mose und dem Mexikaner Button ihre Rinder über freies Weideland. Sie genießen das Leben und die Schönheit der Natur, bis sie ein Örtchen namens Harmonville streifen. Der örtliche Sheriff und der tyrannische Rancher Baxter sehen es gar nicht gern, wenn fremdes Vieh ihre Weiden abgrast. Ohne Verschulden geraten Charley und Boss mit ihren beiden Freunden in einen gnadenlosen Kampf, bei dem es schon bald ums nackte Überleben geht …

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Fast schon auf nostalgische Art und Weise entführt uns Kevin Costner mit seinem Western in eine Zeit, in der gute Western noch an der Tagesordnung waren. Handwerklich sicher und mit einem absolut gutgelaunten Robert Duvall lässt einen „Open Range“ die Realität vergessen und in eine irgendwie heile, aber auch hartherzige, brutale Welt eintauchen.
Wunderschöne Landschaftsaufnahmen ziehen sich durch den ganzen Film, der aus meiner Sicht nie Längen aufweist. Herrlich entspannt plätschert die Handlung dahin und entwickelt sich zu einem spannenden, dramatischen Finale. Trotz vieler Spannungsmomente bleibt „Open Range“ als sehr ruhiger Film in Erinnerung. Michael Kamens Soundtrack drängt sich nur an den Stellen in den Vordergrund, an denen es berechtigt ist. Fast möchte man meinen, einen Film zu sehen, der bedeutend älter ist.
Kevin Costner macht auf dem Regiestuhl ein ebenso gutes Bild wie als Darsteller. Ganz unspektakulär und ohne großen Aufhebens gibt Costner die Hauptrolle irgendwie an Robert Duvall abgibt, der unglaublich gut und sympathisch agiert.

Costners Western ist für viele bestimmt zu langweilig, denn hier wird sehr sparsam mit Actionszenen umgegangen. Wie ein klassischer Western bleibt der Plot aufgrund seiner Bilder und der überaus guten Darstellung beider Hauptpersonen im Gedächtnis. Erstaunlich, dass man sich während einer Laufdauer von über zwei Stunden absolut nicht langweilt, obwohl im Grunde genommen sehr wenig passiert. Das liegt mit Sicherheit einfach daran, dass es eine wahre Freude ist, dem wortkargen, kauzigen Robert Duvall zuzusehen, wie er zusammen mit dem charmanten Kevin Costner einen Rachefeldzug ausübt, der es in sich hat. Der Showdown von „Open Range“ kann sich ohne weiteres an Kultklassikern messen. Daher ist es ein wenig verwunderlich, dass Costners Western relativ wenig Beachtung fand. Wie gesagt: Für viele dürfte dieser Film kein Meisterwerk darstellen, weil zu ruhig und actionarm. Für mich ist „Open Range“ ein Ausflug in eine wunderbare Welt der Freiheit und schöner Landschaften, in der man sich „lediglich“ gegen hinterhältige Bösewichte zur Wehr setzen muss.

Spärlich eingesetzte Schnitte heben den Film wohltuend von anderen „modernen“ Filmen ab, in denen sich schnitttechnisch meist wie in einem Musikvideo ausgetobt wird. Dadurch wirkt „Open Range“ sehr glaubwürdig, weil er nicht künstlich in Szene gesetzt scheint, sondern eher so, als würde man die beiden Cowboys mit einer versteckten Kamera auf ihrem Weg begleiten. Costner hat auch mit diesem Film dem Westerngenre im klassischen Sinne eindeutig wieder Leben eingehaucht.

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Fazit: Im Stil klassischer Western inszeniertes Drama, das durch einen hervorragenden Robert Duvall und einen nicht minder guten Kevin Costner überzeugen kann.

© 2015 Wolfgang Brunner

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Devil’s Pass (2013)

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Originaltitel: The Dyatlov Pass Incident
Alternativtitel: Devil’s Pass
Regie: Renny Harlin
Drehbuch: Vikram Weet
Kamera: Denis Alarcon Ramirez
Musik: Yuri Poteyenko
Laufzeit: 96 Minuten
Darsteller: Holly Goos, Matt Stokoe, Luke Albright, Ryan Hawley, Gemma Atkinson
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigtes Königreich, Russland
FSK: ab 16 Jahre

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Im Jahr 1959 sterben neun erfahrene Bergsteiger am „Berg der Toten“, dem sogenannten „Devil’s Pass“. Seltsame Umstände führten zum Tod der Menschen. Man spricht hinter vorgehaltener Hand von militärischen Experimenten, Yetis oder gar Aliens. Fünf amerikanische Studenten machen sich auf den Weg, um das Geheimnis zu enträtseln und finden sich schon bald in einem irrealen Alptraum …

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Schon mit „Cliffhanger“ hat mich Regisseur Harlin begeistert. Später kam dann noch sein (zumindest damals) atemberaubender „Deep Blue Sea“ hinzu, der mich nachhaltig beeindruckte. Sein eher mittelmäßiger „The Legend Of Hercules“ hatte einen Vorgänger: „Devil’s Pass“ – ein Found Footage Horror.
Ich war wirklich gespannt, zumal ich Found Footage nur bedingt mag. Als ich einen Trailer von „Devil’s Pass“ sah, wurde ich dann doch neugierig, weil die darin gezeigten Wesen äußerst unheimlich wirkten.
Erstaunlicherweise gefiel mir der Teil des Films (fast die ersten beiden Drittel) besser als das Ende, in dem dann die Kreaturen erschienen und die Handlung wirklich eine unheimliche Wendung nahm. Doch ich war, wie gesagt, eher von der ruhigen und völlig unspektakulären Vorbereitung der  Expedition angetan und wie die Studenten in Russland ankamen. In diesen Szenen wirkte die Amateur-Kamera so richtig gut, weil sehr authentisch. Mir hat es gefallen, wie die Protagonisten in einem vollkommen verschneiten russischen Städtchen ankommen und sich auf die Suche nach Wahrheiten machen.

Geschickt wird hier eine wahre Geschichte („Das Unglück am Djatlow-Pass“) mit einer fiktiven Gegenwarts-Story verknüpft und gibt dem Ganzen durch die Wackelkameraführung, die übrigens gar nicht so schlimm ist wie bei vielen anderen Genrebeiträgen, eine glaubwürdige Atmosphäre. Wie sich langsam das Grauen aufbaut, als die Studenten den Pass erreichen, an dem das Unglück einst geschah, ist sehr gekonnt und unterhaltsam. Sicherlich dauert es lange, bis der Film so richtig Fahrt aufnimmt. Aber leider verfällt der Plot genau ab diesem Zeitpunkt auch in eine Richtung, wie man sie aus unzähligen Found Footage-Horrorfilmen kennt. Der erfrischende, fast schon innovative Start wird durch ein klischeehaftes Ende fast zerstört. Ganz so schlimm ist es dann zwar doch nicht, denn den Zuschauer erwarten ein paar wirklich gruselige und spannende Szenen, obgleich die Kreaturen sehr ersichtlich am Computer entstanden sind. Aber egal … die Spannung ist da, und das ist das Wichtigste.
Das Ende wiederum fand ich so unheimlich, dass ich einen Gänsehaut-Schauer bekam. 😉

Schauspielerisch bekommt man keine Glanzleistungen zu sehen, aber gerade weil es ja eigentlich private Aufzeichnungen sein sollen, sind die Personen in ihrer Darstellung stimmig. Inszenatorisch gibt es nicht viel zu meckern, denn, wie oben schon erwähnt, sind die Kamerabilder nicht extremst verwackelt und zeigen hin und wieder auch wunderschön in Szene gesetzte Landschaftsaufnahmen. Insgesamt haben mich die ersten beiden Drittel mehr überzeugt als das Ende. Dennoch muss ich eingestehen, dass mich die Handlung von „Devil’s Pass“ noch ein paar Tage beschäftigt hat. Und so etwas spricht eindeutig für den Film. Harlins Found Footage-Ausflug ist jedenfalls gut genug, dass ich ihn mir noch einmal anschauen werde.

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Fazit: Gekonnt inszenierter Found Footage-Horror in Russlands verschneiter Bergwelt. Anfangs ruhig und authentisch, gegen Ende hin spannend, allerdings auch genretypisch.

© 2015 Wolfgang Brunner

Interview mit dem Schauspieler Marc Engel

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Marc Engel, Jahrgang 1971, wuchs in Norderney und Herne auf. Schon als Kind war er von der Magie des Films angetan. Er wurde regelrecht hineingeboren, da einige seiner Verwandten unter anderem als Kleindarsteller arbeiteten und sein Onkel Lichtspielhäuser und eine kleine Produktionsfirma im Ausland besaß. So kam es, dass er bereits seine 1. Rolle in einem Kinofilm als Zweijähriger bekam. Nach einigen „Pflegefamilien“-Wechsel und Umzügen hatte er so gesehen seinen 1. Job als 6-Jähriger im Kino nebenan auf Norderney. Dort fegte er für den Besitzer den Gehweg zum Lichtspielhaus mit seinem Bruder zusammen, als Lohn durften die Beiden die Filme immer umsonst schauen. Über einige Jahre hinweg wurde so die tiefe Liebe zum Film, durch den Besitzer des Kinos und durch Filme wie „Superman“, „Godzilla“, „Star Wars“, die Shaw Brothers, Bud Spencer, Winnetou und Co. entfacht. Es kam nicht selten vor, dass er einige dieser und andere Werke über 20 mal im Kino sah. Jedoch ruhte der Wunsch, etwas in dem Bereich selbst zu bewegen, sehr lange, etwa bis Mitte, Ende seiner 20er Jahre. Erst dann fing er an, mehr aus Hobby, Amateur-Kurzfilme für kleinere Wettbewerbe zu machen, die er selbst inszenierte und in denen er meistens mitwirkte. Nach kleineren Preisgewinnen widmete sich Engel allerdings anfangs mehr dem Schreiben von Gedichten, Kurzgeschichten, Kinder- und Drehbüchern.
Eher durch Zufall rutschte er die letzten Jahre wieder ins Filmgeschäft, wo er durch seine Darstellungen beeindrucken konnte. Engel will sich in Zukunft aber auch wieder mehr dem Schreiben zuwenden und seinen 1. Feature Film in Eigenregie „Blue Sparrow“, nach seinem eigenen Roman/Drehbuch, inszenieren.

Film-Besprechungen wollte mehr über den Schauspieler, der zuletzt in Timo Roses „Reeperbahn“ brillierte, wissen.

1. Welcher Schauspieler war schuld daran, dass Du selbst einer werden wolltest?

Oh, das ist schwierig, Wolfgang. Zuerst aber sehe ich mich selber gar nicht wirklich als Schauspieler. Schauspieler sind für mich jene, die es gelernt haben, diese hart arbeitenden Menschen, die täglich da rausgehen, Castings wahrnehmen, Workshops besuchen, Meetings und in 47 Rollen pro Jahr schlüpfen und ihren Job machen. Ich tänzle hin und wieder hier und da rein, gebe mein bestes und versuche mitzuhalten. Jedoch, hmmm, es dürfte langsam bekannt sein, dass Sylvester Stallone für eine Menge verantwortlich zu machen ist, was ich so verzapfe. Man kann schon sagen, dass Sly und wie er auf mich als Kind und Teenager gewirkt hat, durch seine Lebensgeschichte, seine Art zu schreiben, sein Talent, seinen Outsider-Figuren Leben einzuhauchen, einen starken Einfluss auf mich hatte. Wenn ich es an einer Person festmachen müsste, hat mich Stallone am meisten inspiriert, aber nicht nur als Mime. Besonders als Schreiber und auch Regisseur. Es gibt Stimmen, die ihn mimisch nicht so stark sehen und ihn nur als Action-Helden wahrgenommen haben und ihn darauf reduzieren. Das finde ich aber nicht angemessen, Stallone war kurz davor, schauspielerisch ein De Niro werden zu können und auf dem Weg dahin, wurde er doch auch zum Beispiel mit „Rocky 1“ als neuer De Niro und Brando gefeiert.
Deswegen differenziere ich Sly stark als Mime mit Talent und den Action-Helden, der er wurde, dem Regisseur und dem Schreiber Stallone. Ich war wirklich ein Riesenfan als Kind und bin es immer noch, besonders, was er in den 70er und 80ern gemacht hat. Ich denke, ohne ihn, seine Filme und meine Ex-Freundin wäre ich sicherlich nicht mehr hier oder im Gefängnis, haha? Zum Glück konnte ich ihm dafür mal danken, stand ewig auf meiner „To do Liste“!

Dasselbe gilt aber auch für Bruce Lee, der leider viel zu wenig geschätzt wird für sein gesamtes Wirken und Können. Der Mann war nicht nur DER „Martial Arts Typ“, er war auch ein Lehrer, Philosoph, ein fantastischer Schauspieler mit enormer Präsenz und einem Charisma, das seinesgleichen sucht. Etwas später, als ich dem „Stallone Universum“ langsam entsagen konnte, ist natürlich Robert De Niro, der besonders in den 70er, 80er und bis 90er Jahre, seinen Stempel bei mir hinterließ, ebenfalls zu erwähnen. Sprich, er war mein absolutes mimisches Vorbild neben Brando, Pacino, Chaplin, James Dean und auch der 80er Mickey Rourke sind ganz weit oben. Später kamen Ausnahme-Mimen wie Gary Oldman, Daniel Day Lewis, Javier Bardem und Christan Bale dazu. Im Grunde sind alle Genannten Schuld daran, dass ich irgendwie nie wirklich vollkommen aufgegeben habe, haha!

2. Wie gehst Du mit negativer Kritik um?

Hier unterscheide ich sogar noch stärker, da ich selber eine zeitlang Filmkritiken/Reviews und News für ein Film-Portal geschrieben habe und es mühsam erlernen musste, größtenteils das Subjektive aus der Rezension zu lassen und so gut es ging, objektiv das Werk zu begutachten. Obwohl einige Mimen oder Filmemacher dabei waren, die bei mir persönlich nicht hoch im Kurs standen. Am Ende, sind die Kritiken, was mich angeht, konstruktiv, objektiv und zum Thema passend, dann nehme ich mir das an. Was mich aber eher motiviert, daran zu arbeiten, es besser zu machen, als in die Ecke zu gehen und zu heulen. Verlieren sich die Kritiken in der subjektiven, selbstgefälligen Wahrnehmung und dienen nur dem Schreiber/Kritiker und seinem Ego, was man schnell erkennen kann, dann ist sie mir völlig egal. Dann geht es an mir vorbei, weil ich das gut filtern kann.
Ich bin immer offen für Ansichten, Meinungen und Anregungen, alles zu seinem Wert. Kunst, Kreativität in jeglicher Form, ist halt immer Geschmackssache, es gibt zig Personen und Werke, die von anderen gefeiert werden, die mir nicht gefallen und umgekehrt. Du kannst 5 Filmfans in einen Raum stecken, die sich über „The Dark Knight“ austauschen, unterhalten und bewerten sollen. Dann wird es den einen Marvel-Fan geben, der ihn prinzipiell doof findet und immer den einen, der über Christian Bales Stimme schimpft, dazu den einen, der grundsätzlich anders sein will und Anti-Hype eingestellt ist und gar nichts gut findet. Die anderen 2 lehnen sich zurück und sagen „Wow, das war ein verdammt geiler Film.“
Im Grunde bin ich wirklich, auch wenn man das öfter mal gehört hat, mein schlimmster Kritiker. Nicht mal mir Nahestehende sind so kritisch wie ich, was „mein Kreatives“ anbelangt. Es fällt mir schwer, mich selbst zufrieden zu stellen, egal ob als Darsteller, Schreiber oder Macher. Ich feiere eher meine Kollegen, als dass ich es sofort sehe, ob ich etwas „gut“ gemacht habe. Ich suche stets die Verbesserung und Weiterentwicklung.

3. Du spielst Haupt- und Nebenrollen, bist in Kino- und in Fernsehproduktionen wie zum Beispiel „Tatort“. Wo fühlst Du Dich mehr daheim: Kino oder Fernsehen? Haupt- oder Nebenrolle?

Das ist einfach. Ich betrachte alles erst mal in meiner eigenen „Reihenfolge“. Ich bin in erster Linie, vor allem anderen, Filmfan. Dann gehe ich als Schreiber/Autor da ran, dann betrachte ich, was es auch ist, das Projekt mit dem Auge eines Filmemachers, versuche die Szenen so gut ich kann in meinem Kopf zu sehen. Zum Schluss gucke ich, was sagt das bisschen Darsteller in mir dazu. Sprich, erst muss es mich als Fan ansprechen, egal was es auch ist. Dann kommt die Story, die Figur, dann: wie könnte etwas in Szene gesetzt werden, wie wird das aussehen usw.? Danach denke ich darüber nach, wie die Figur aussieht, denkt, redet, tickt etc … Darum herum muss mittlerweile alles passen, dann ist es mir fast egal ob Serie, TV oder Kino, wobei meine Liebe zum Film/Kino größer ist. Im Grunde komme ich da her und da will ich das bisschen auch noch bleiben. Halt die paar Jahre, die ich in dem Zirkus noch dabei sein will. Jedoch bin ich, was Haupt- oder Nebenrollen angeht, völlig uneitel. Selbst Komparserie würde ich noch machen, weil man auch da noch viel lernen kann. Aber das Kapitel ist erst mal abgeschlossen, da gehe ich nur noch evtl. als Fan hin, falls ein Stallone-Film oder eine coole Comicverfilmung etc. Typen sucht, zu denen ich passe. 😀
Sonst bleibt es dabei, die Rolle/Figur muss etwas haben, sonst mache ich es erst gar nicht. Jedenfalls ab jetzt nicht mehr, das bin ich mir als Filmfan immer zuerst schuldig. Ich mache ja nicht in Blockbustern mit. Aber mein Filmfan-Herz muss höher schlagen, wenn das Buch gut ist, die Figur oder die Monologe, das Projekt an sich. Dann ist es mir auch schnuppe, wenn man keine 100, 500000, 5, oder 10 Millionen Budget hat, dafür aber Filmliebhaber und Talente um sich hat, die brennen und was cooles schaffen wollen, mit geringen Möglichkeiten. Dann bin ich dabei und blute.

4. Du hast das Drehbuch zu einem romantischen Fantasy-Drama namens „Blue Sparrow“ geschrieben. Möchtest Du Näheres darüber erzählen?

Ok, dann hole ich mal etwas weiter aus. Witzigerweise ist „Blue Sparrow“ ja schuld daran, dass ich überhaupt wieder ein Tick mehr in die „Darsteller/Film Szene“ gerutscht bin und ihr mich ertragen müsst, haha. Nur so viel für die, die es nicht wissen. Ich wollte zwar mal mit Mitte 20 Schauspieler werden, aber ich wollte auch mit 18 Rockmusiker werden, mit 13 Boxer, mit 10 Supermann und mit 8 Bruce Lee. Na jedenfalls hat sich das im Laufe der Zeit zum Glück verändert, mit Cape durch die Gegend laufen würde schon arg albern aussehen. 😀 Ich sehe mich eher als Schreiber und Filmemacher in spe, dieser Kurs ist klar. Ich habe knapp 10 Jahre Amateur-Kurzfilme, unnötige Videos und Clips etc. gemacht, ganz viele schlechte und richtig üble. Damit viel zu viel Zeit verplempert. Das war mir dann zu wenig, weil es nicht vorwärts ging. Also habe ich 2007/2008 damit vollkommen aufgehört und mich auf das Schreiben konzentriert.
Es war immer klar, dass ich irgendwann meinen 1. Feature im Indi Low Budget Bereich machen werde und “Blue Sparrow” basiert auf meinem 1. Roman, den ich 2006 bis 2010 geschrieben habe und der bisher (beabsichtigt) nicht veröffentlicht ist, da ich 2013 die ersten Schritte mit einem Vorab-Trailer in die Wege leiten wollte, der für Crowdfunding Seiten dienen sollte und um Sponsoren zu finden. Dann habe ich mitten beim Dreh vom Trailer meinen Hauptjob verloren und aus der Not angefangen, mich bei Filmen/Serien als Komparse etc. zu bewerben, um extra Geld für den Trailer zu verdienen, aber auch etwas nebenher zu lernen, sprich „learning by doing“ wie es in Filmen für TV, Kino bei Pros abläuft.
Während ich meinen Job gemacht habe, habe ich nebenbei alle Positionen beobachtet, fast schon studiert, ohne dass es andere groß mitbekommen haben. Na ja, das wurde im weiteren Verlauf des Jahres immer erfolgreicher, bis ich zu meinem eigenen Erstaunen sogar 2 kleinere Nebenrollen in internationalen Filmen an Land gezogen hatte. Die trotz Zusagen, Meetings, Handshakes von begeisterter Regie etc. dann aber doch nicht passiert sind. Was auch eine hilfreiche Lektion war, wie es in der Filmszene ablaufen kann. Ehrlich gesagt, wollte ich im Herbst meines Lebens gar nicht mehr die Darsteller- Geschichte angehen. In meinen eigenen Filmen, eine kleine Nebenrolle hier und da ja, aber in anderen, das war gar nicht mehr der Plan. Jedoch, weil es bis dahin ganz ok lief, habe ich weiter gemacht, mich hier und da auch etwas mehr beworben und immer, wenn ich wieder ganz aufhören wollte und die Nase voll hatte, um mich auf meine Projekte zu konzentrieren. Dann kommt dieser anstrengende Mann aus Hamburg (Timo Rose) um die Ecke und bietet mir eine coole Rolle nach der anderen an. Ich denke, falls ich irgendwen nerven sollte mit meinem Dasein oder Schauspiel, was auch immer, dann sollen die sich bitte an den lieben Onkel Rose wenden und sich bei ihm beschweren. Er ist auch schuld daran, dass ich noch nicht vollkommen in „Darsteller-Rente“ bin, hiermit erneut Danke auch dafür, Amigo. Haha. Oops, jetzt bin ich aber vom Thema abgekommen. Sorry, das passiert hin und wieder, wenn es um mein Lieblingsthema „Movie Magic“ geht. Nur noch so viel: „Blue Sparrow“ sollte immer mein 1. Indi/Low Feature werden. Aus jetziger Sicht mache ich ihn nicht vor 2018 und werde definitiv einen anderen Film vorher machen, der etwas kleiner angelegt sein wird. Da „Sparrow“ komplexer ist und ich denke ich werde dem Stoff gerechter, wenn ich ihn als 2. Film in Eigenregie angehe. Auf jeden Fall wird es gesamtheitlich etwas, dass es so noch nicht gab. Zumal der Stoff auch schon immer als „Trilogie“ angedacht war. Jedoch einen Schritt nach dem anderen. Zum anderen habe ich noch etwas Wichtiges gelernt in den letzten 2 Jahren: Es kommt eh immer anders, als man denkt und vieles ist auch immer vom lieben Geld abhängig. Schauen wir mal… 😉

5. Wie bereitest Du Dich auf Deine Rollen vor? Und wie klappt das mit dem Text? 😉

Mit den teilweise genannten Vorbildern, mit denen ich groß geworden bin, ist es klar, dass ich schon mittlerweile „Method“-ähnliche Wege gehe, bzw. für mich persönlich gehen muss. Ich habe damit bereits für meine letzten beiden Amateur-Kurzfilme 2006 und 2007 angefangen. Als es mich nicht mehr reizte, „nur“ noch eine Geschichte durch die Bilder oder das „klassisches Spiel“ zu erzählen. Ich fing an mit den körperlichen Veränderungen für meine Figuren, dann mit dem „mentalen Hineinleben“. Suchte halt zusätzliche Herausforderungen. Dann wurden 10 kg abgenommen, oder 10 kg zugenommen, Muskeln aufgebaut oder abgebaut. Ich will sagen, sobald ich ein Buch selbst geschrieben habe oder von anderen gelesen habe, sehe ich ein klares Bild von dieser Figur, wie sie aussieht. Und danach arbeite ich dann. Bedeutet: Dann wird trainiert, abgenommen, Muskeln aufgebaut oder abgebaut, schmal, breit, normal usw … Um dieses „Erscheinungsbild“ baue ich den Rest auf, wie er spricht, geht, welche Ticks er hat. Gibt es keine „Backstory“, webe ich mir eine zurecht usw …
Bei Uffuk (Reeperbahn) war alles klar und sehr gut beschrieben, er ist einfach nicht nett, gar nicht. Nur nicht, wie er aussieht. Also habe ich Timo immer genervt, er muss so aussehen, nicht „attraktiv“ und so, die Frisur usw. haha. Also habe ich gut 5 Wochen trainiert wie ein Irrer, mit ein paar kleinen Verletzungspausen dazwischen und 8 kg abgenommen. Ich habe ihn nicht als kleinen, breiten Schrank gesehen, wie eher in der Szene üblich. Es sollte immer klar sein, wenn man mir klassische Riesen an die Seite stellt, dass Uffuk trotzdem „streetsmart“ und gefährlich ist, unberechenbar. Eher der schmale, drahtige, trainierte Schläger und wenn es darauf ankommt, sehr gefährlich ist und nicht nur Knochen bricht. Jemand, bei dem man nie weiß, was er als nächstes tut. Ich habe in den 5 Wochen Training, nur einmal am Tag gegessen, für mich als Genussmensch die Hölle. Ich wusste, dass ich dadurch reizbarer werde und zusätzlich zum permanenten Muskelkater durch das Training hatte ich überall leichte Schmerzen. Somit beam ich schnelleren Zugang, um „wütend“ zu werden. Das habe ich auch bei der gesamten Drehzeit so beibehalten. Das war wiederum nicht leicht, weil ich auch ein paar andere Aufgaben übernehmen wollte und Timo mir diese auch gewährte, wie zum Beispiel Regie-Assistent oder Second Unit Leitung. Es gab schon Momente, wenn man für andere da sein sollte, wo ich mich zusammenreißen musste, sie nicht in Grund und Boden zu schreien, weil ich sehr oft mit dieser inneren Ungeduld, dem ewigen Muskelkater und dem Hunger kämpfen musste. Ich denke den Wenigsten ist es aufgefallen, hoffe ich zumindest. 😀 Im Grunde habe ich zu 95% nur gegessen, wenn ich abgedreht war, damit ich von gleich auf jetzt umschalten konnte. Da Uffuk ja im Grunde permanent auf 180 ist mit kleinen Abstufungen. Es gab noch ein paar andere Tricks und hin und wieder hat mich Timo auch gepuscht, wenn ich noch nicht voll drin war.
Ja, Text ist so eine Sache, als Schreiber ist es mit das A und O, aber es gibt immer mal Sätze, die nicht funktionieren wollen, auf Papier ja, aber hin und wieder gibt es zungenunfreundliche Lines, mittlerweile klappt das ganz gut!

6. Welche 5 Filme würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Ey, das geht gar nicht. Das darfst du einen Film Freak nicht fragen … man, haha. Ich versuche es nach Bedeutung zu ordnen und die Filme, die ich in den letzten 30 Jahren am meisten geschaut habe irgendwie da hineinzubekommen und für mich selbst zu rechtfertigen, man. Mir fallen sofort mindesten 22 ein, die auch hier rein gehören…

Rocky 1, The Dark Knight, Die Zeitmaschine (1960), Old Boy, Die Klapperschlange. SORRY, ich muss mehr erwähnen, es geht nicht anders. Die Verurteilten, Braveheart, Fight Club, Heat, Leon der Profi, Magnolia, Cape Fear, Warrior, Drive, The Matrix, The Wrestler, Unforgiven und noch weitere 138 andere, haha.

7. Welche 5 Bücher würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

„Hamlet“. Auch wenn es kein wirkliches Buch ist, aber durch Hamlet habe ich meine Liebe für die Art, wie Shakespeare schreibt, entdeckt und irgendwie habe ich immer einen Zugang zu der Zerrissenheit der Figur gehabt. Aber ohne diese „Mami Note“ halt, haha.

„Der alte Mann und das Meer“. Ich liebe die klar formulierte „Einfachheit“ und „Botschaft“ des Buches.

„Das mechanische Klavier“ von Gaddis hat mich schwer beeindruckt, als ich es „damals“ gelesen habe.

Dasselbe gilt für „Also sprach Zarathustra“, obwohl es ewig her ist, dass ich es gelesen habe. Und damals habe ich natürlich nicht alles verstanden. Denke, es wird Zeit, das Ganze wieder aufzufrischen. Jedoch bin ich ehrlich: Seit dem ich selber mehr schreibe, habe ich noch weniger Zeit zum lesen, als zuvor schon. Da das auch immer im Konflikt steht mit meiner Filmleidenschaft oder meiner kreativen Ader, verliert meistens „Das Buch“ gegenüber den genannten Punkten.

Zum Schluss kommt wieder etwas Untypisches: Obwohl ich es hier auch mit Jim Morrisons „The American Night“, Chaplins „Die Geschichte meines Lebens“ oder „Interview mit einem Vampir“ etc. beenden könnte, muss ich das Drehbuch zu „Rocky 1“ nehmen. Für mich ist das Drehbuch durch und durch Poesie. Die Figuren, die Story, die Monologe, gesamtheitlich einer der besten Drehbücher aller Zeiten. Da steckt so viel Liebe in den Figuren, selten wurde in meinen Augen dieser Grad an Perfektion erreicht.

8. Welche Rolle würde Dich als Schauspieler am meisten reizen?

Im Augenblick schreibe ich nebenher 2 Drehbücher, die sich zu den 3, die ich dieses Jahr bereits schon geschrieben habe, gesellen. Das eine ist ein klassischer „Actioner“, aber das andere Drehbuch ist sehr dunkel, düster und zeigt nach und nach die Abgründe der menschlichen Seele. Die Hauptfigur reizt mich unheimlich, weil sie weder das eine noch das andere ist. Die Figur entwickelt sich und führt den Zuschauer/Leser in die Irre. Abgesehen davon, entspricht die Rolle kein Stück dem, wie ich gerade aussehe. Ich bin regelrecht verliebt in die Geschichte und die Figur, was mir auch aufzeigt, das irgendwas mit mir nicht stimmt, haha. Jedenfalls, das ganze Projekt wächst mir unheimlich ans Herz. Wenn ich damit fertig bin, es beiseite lege und dann nach einiger Zeit wieder aus der Schublade hole, ist es durchaus möglich, dass ich dieses Buch zuerst verfilmen werde. 2017, möglich?

Abgesehen davon gibt es noch eine Figur, auf die ich mich mental schon langsam einstelle. Ein Stoff von einem anderen Filmemacher, den wir nächstes Jahr angehen wollen, falls alles klappt. Auch eine höchst interessante Figur …, schauen wir mal. So oder so, habe ich eine gewisse Vorstellung davon wie die nächsten 3/4 Jahre aussehen sollen, als Darsteller. Ich werde nur noch in diesem Zeitraum Rollen annehmen und dann, wenn alles aufgeht, egal ob ich auf meine geplanten 10 Haupt- oder Nebenrollen komme, aufhören. Angedacht ist, dass „Blue Sparrow“ auch meine vorletzte Rolle überhaupt sein wird, die ich spielen werde. Ich lasse mir nur noch eine Option offen, dass ich evtl., wenn ich irgendeiner Rolle oder einem sehr guten Buch nicht wiederstehen kann, nur noch einmal etwas annehmen könnte/ würde. Dann ist ganz Schluss als Darsteller. Als Fan will ich irgendwann zurückblicken und sagen: Egal welchen Film ich in größeren oder kleineren Parts angenommen habe – das Buch, das Projekt oder die Figur war cool. Egal, ob viel Geld dahinter steckt oder nicht. Ich habe zu dem Zeitpunkt mein bestes gegeben, unter welchen Voraussetzungen auch immer und kann dann stolz sein. Sprich, dass ich nicht jeden Käse angenommen habe, nur um dabei zu sein, mein Gesicht in die Kamera zu halten, das will ich nicht. Ich will für mich auch eine „Projekt-Treue“ schaffen. Auch nach 2, 5 oder 10 Jahren sagen: Ja, zu „Reeperbahn“ stehe ich. Auch wenn nicht immer alles 100 Pro verlief, wir hier und da mit Pannen und Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, war das Buch gut, die Cast und Crew waren Hammer und wir haben unser bestes gegeben. Der Beginn von „Team/Family Rose“. Es soll nicht meine 23. halbarschige Performance gewesen sein wegen der Kohle. Das bin ich nicht und das suche ich nicht. Ich will auch nicht jeden Scheiß mehr annehmen, um auf mich aufmerksam zu machen. Das soll auch keine Wertung für andere sein. Es gibt viele, die wollen auf der Bühne stehen und Theater spielen, das ist nicht meins, das könnte ich nicht und will ich auch nicht. Andere müssen annehmen, was geht, weil es ihr Beruf ist und sie die Miete zahlen müssen. Auch dafür mein Respekt, ich weiß wie schwer es für viele ist, gute Rollen zu bekommen.
Das ganze Schauspieler-Ding ist kein Zuckerschlecken. Viele, die nicht aus der Szene sind, sehen nur den möglichen „Ruhm“ dahinter. Für die ganzen Schauspieler da draußen, die nicht Brad Pitt oder Til Schweiger sind, ist das ein großes Stück Arbeit, Tag für Tag. Und ein jeder, der sich auch nur ein kleines Standing aufgebaut und erarbeitet hat, weiß, dass es mit sehr viel Hingabe und Entbehrungen einherging. Ein Tick schlimmer ist es sogar für Schauspielerinnen. Da wir in einer sehr oberflächlichen Welt leben, ist das „Verfallsdatum“ für Frauen fast schon eingegrenzt in knappe 10 – 15 Jahre, danach wird man schon fast als zu alt eingestuft, weil man die „Hübsche“ nicht mehr geben kann. Deswegen, ein jeder der sich diesen Beruf ausgesucht hat, verdient meinen Respekt. Trotzdem, ich mache das Ganze, weil ich Bock darauf habe und wenn ich das nicht sehe für ein Projekt oder eine Figur, dann gehe ich lieber in einem 0815 Job weiterarbeiten, um meine Miete zu zahlen. Ich will keine 137 Einträge in meiner Vita. Wenn ich am Ende mit 5,7 oder 10 guten Rollen aufhöre, dann weiß ich, die waren es wert, dass ich mir den Hintern aufgerissen habe. Das meine Figuren nie gleich aussahen, gesprochen, gewirkt haben. Dann wird dieses Kapitel geschlossen und ich gehe weiter zur nächsten „Bestimmung“. Das ist mein Vorhaben, mein Weg.

9. Welchen Schauspieler, Musiker oder wen auch immer würdest Du gerne einmal persönlich treffen?

Mit die interessantes Menschen sind leider nicht mehr unter uns. Ob John Lennon, Chaplin, Bruce Lee, Beethoven, Hemingway, Brando, Robin Williams. Als Nerd/Fan/Mensch gibt es locker 100 Kreative, die man mag und in seinem kleinen Tempel verehrt. Ich denke, um nicht zu langweilen, sind, abgesehen von Stallone in einem 4 Augen Gespräch, Robert De Niro, Angelina Jolie, Michael Caine, Jane Goodall, Bruce Springsteen, Tarantino, Eastwood, Spielberg und John Carpenter weit oben, was den Unterhaltungsbereich oder Persönlichkeiten angeht.

10. Du hast gesagt, dass Du Deine eigentliche Bestimmung im Bücher schreiben siehst. Wie sehen da Deine Pläne aus, welche Genre bedienst Du?

Wie erwähnt: Erst noch die paar Jahre, bis ich an den „Blue Sparrow“ Verfilmungs-Punkt komme, falls alles aufgehen sollte in den kommenden Jahren. Danach werde ich sehr wahrscheinlich mein Smartphone an die Wand schmeißen, mich 1 Jahr fettfressen, die Welt erneut ein Stück bereisen und danach nur noch schreiben. Für mich, für andere, je nachdem, was das Leben dann so zu bieten hat. Die Fortsetzung zum „Blue Sparrow“ Roman lauert da ganz ganz hinten in ferner Zukunft, ein Gedichtband auch. Abgesehen davon habe ich immer 38 Ideen in der Schublade, genretechnisch gibt es irgendwie wirklich alles. Ich denke, ich suche auch immer das, was ich vorher nicht konnte. Das zeichnet sich in meinem „normalem Lebenslauf“ ab und in meiner Vita. Wenn man bedenkt, dass ich viel zu oft in meinem engeren Umfeld gehört habe „Das geht nicht“, „Dafür bist du zu alt“, „Das wird nichts“ habe ich schon etwas bewegt und will noch einiges weiter bewegen in Bereichen, in denen ich eigentlich auf dem Papier laut Werdegang nichts zu suchen hatte. Zum Glück bin ich trotzig und es gab auch immer 1 – 2 Stimmen, die gesagt haben „das geht, du kannst das“. Mal schauen, vielleicht werde ich auch noch Fischer. Denn das schlummert tief in mir, wenn alle erwähnten Punkte abgearbeitet sind und mir die Zeit dafür weiterhin gewährt wird. Ich würde sicherlich nicht einen Fisch fangen, aber täglich hinausfahren und mich innerlich vor der Schönheit der Natur verneigen. Verdammt ich will jetzt sofort ein Boot, haha. 😀

Ich bedanke mich bei Dir für das angenehme Gespräch und wünsche Dir film- und buchtechnisch alles Gute für die Zukunft.

Dito Wolfgang. Danke, hat mir echt Spaß gemacht. Sorry, dass es etwas länger gedauert hat, aber bei mir hast du das Pech, einen Film-Freak, Schreiber und Darsteller in einem zu haben, da ist das „Ausschmücken“ vorprogrammiert, haha. Ich wünsche Dir ebenfalls alles Gute, auch für Deine Bücher. Cheers.

©2015 Marc Engel / Wolfgang Brunner

Der Tag, an dem die Erde stillstand (2008)

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Originaltitel: The Day, The Earth Stood Still
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: David Scarpa
Kamera: David Tattersall
Musik: Tyler Bates
Laufzeit: 103 Minuten
Darsteller: Keanu Reeves, Jennifer Connelly, Jaden Smith, John Cleese, Kathy Bates, Jon Hamm, James Hong, Roger Cross
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Kanada
FSK: ab 12 Jahre

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Der Außerirdische Klaatu kommt in friedlicher Absicht auf die Erde, um die Menschen zu warnen. Sie sollten sich um Frieden bemühen und kriegerische Auseinandersetzungen verhindern, damit der Planet Erde erhalten bleibt. Doch die Menschheit hört nicht auf Klaatus Warnungen …

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Effektetechnisch kommt das Remake des Klassikers von Robert Wise natürlich besser daher als das Original. Aber obwohl sich auch die Besetzungsliste gut liest, fehlt es der Neuinterpretation irgendwie an Gefühl. Ich kann es nicht einmal genau erklären, aber ich habe Scott Derricksons Film eine zweite Chance gegeben und ihn nach knapp fünf Jahren noch einmal angesehen. Das Ergebnis war das gleiche: Der Film hat mir gefallen, mich aber letztendlich nicht befriedigt.

Keanu Reeves macht seine Sache gewohnt gut. Besser agiert Jennifer Connelly, die mir hier ausnehmend gut gefallen hat. Die kleinen Auftritte von John Cleese und Kathy Bates sind eigentlich nicht der Rede wert und hätten von jeder anderen Schauspielerin und jedem anderen Schauspieler genauso gut dargestellt werden können.
Im Gegensatz zum Original kam die Botschaft des Films auch nicht so gut rüber wie es sein sollte. Derrickson legte mehr Wert auf Specialeffects und gab dem Ganzen einen Touch Katastrophenfilm, der allerdings nicht wirklich funktionierte. Erfrischend fand ich, dass in der Neuverfilmung statt Raumschiffen sogenannte Sphären eingesetzt wurden, mystische Kugelwelten, in denen sich die Außerirdischen aufhielten. Das gab dem Film einen wirklich guten Science Fiction-Touch, der eine tolle Wirkung hatte. Das war es dann aber leider auch schon.
Unschlüssig zwischen Öko-Thriller mit „Message“ und Science Fiction-Apocalypse kann sich Derrickson nicht entschließen, was er eigentlich will. Ich bin sicher, hätte man dem Film eine Laufzeit von 3 Stunden gegönnt, wäre ein weitaus besseres Szenario entstanden.

Handwerklich, effektetechnisch, musikmäßig und schauspielerisch ist eigentlich nichts auszusetzen. Aber dennoch fehlt den Protagonisten eine Tiefe, die ich mir gewünscht hätte. Und die Friedensbotschaft bzw. -warnung der Außerirdischen hätte weitaus intensiver und dramatischer gestaltet werden können. So wirkt sie lediglich als Auslöser / Mittel zum Zweck für ein Katastrophenszenario apokalpytischen Ausmaßes. „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ aus dem Jahre 2008 ist kein Meisterwerk, aber durchaus sehenswert.
Doch das Schlimmste kam am Schluß: Kaum ist das letzte Filmbild erloschen, das auf den Zuschauer noch einwirkt oder zumindest einwirken sollte, ertönt ein völlig unpassender Hiphop-Song aus den Lautsprechern. Das geht ja mal gar nicht, liebe Leute. Nachdem wir einer dramatischen, effekteüberladenen Weltrettung beigewohnt haben, singt Thomas D. von der Band „Die Fantastischen Vier“: „Es hatte keiner geglaubt, dass sich das einer hier traut und ganz alleine durchschaut, was ihr auf Steinen gebaut …“ Das Finale des Films verliert dadurch sämtliche Dramatik. Dieses Abspannlied ist nur in der deutschen Version enthalten. Unglaublich. Und man fragt sich, wer sich diesen Mist ausgedacht hat.

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Fazit: Unentschlossener Mix aus Science Fiction und Katastrophenfilm, der die Botschaft der Originalverfilmung leider nicht in der intensiven Art rüberbringt, wie es sein sollte. Der Film ist durchaus sehenswert, aber kein Meisterwerk, und bleibt nicht lange im Gedächtnis haften.

© 2015 Wolfgang Brunner

Barricade (2007)

barricade

Originaltitel: Barricade
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose, Ted Geoghegan
Kamera: Matthias Jakubski, Timo Rose
Musik: Timo Rose
Laufzeit: 96 Minuten
Darsteller: Raine Brown, Joe Zaso, André Reissig, Thomas Kercmar, Manoush, Andreas Pape, Sebastian Gutsche, Stefan Lenger, Tanja Karius, Timo Rose
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ?

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Nina, Michael und dessen Kumpel David beschließen, einen kleinen Ausflug in den Schwarzwald zu unternehmen. Dort werden sie von einem mysteriösen Fremden gewarnt, dass sie umkehren sollen. Doch die drei ignorieren die Warnungen des Fremden und setzen ihren Ausflug fort. Doch bald treffen sie auf eine irre Kannibalenfamilie, die seit Jahren in den Wäldern haust und bereits auf sie wartet …

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Nachdem mich Timo Roses „Nature“, „Death Wish Zero“ und „Reeperbahn“ in letzter Zeit absolut begeistert haben, wage ich mich nochmals an seine älteren Produktionen heran.  Seinen „Lord Of The Undead“ und die „Mutation“-Trilogie habe ich nur noch schwach in Erinnerung. Nun habe ich mir aber „Barricade“ nochmal gegeben. 😉
„Hostel“, „The Hills Have Eyes“
und „Texas Chainsaw Massacre“ waren wohl die Vorbilder, die Timo Rose in seinem Backwood-Gore-Slasher „Barricade“ verwurstelte. Alle drei genannten Kultfilme fand ich persönlich gleichwertig oder sogar schlechter als Timo Roses Schlachtfest. „Hostel“ war eh noch nie mein Fall und die Originalversionen der anderen beiden Filme finde ich mittlerweile einfach vom Inszenierungsstil etwas überholt. Hätte Rose mehr Geld und etwas bessere Schauspieler zur Verfügung gehabt, wäre „Barricade“ eine schockierende Foltertour in deutschen Wäldern geworden. Ich will damit nicht sagen, dass die Schauspieler schlecht gewesen sind, im Gegenteil: Sie haben ihre Sache wirklich gut gemacht, aber in manchen Szenen hätte ich mir einfach mehr Professionalität gewünscht.
Schnittechnisch wurde ebenfalls sehr gute Arbeit geleistet, allerdings hätte man im finalen Kampf vielleicht auf die extrem schnellen Schnitte und leicht gekünstelt wirkenden Wiederholungen verzichten sollen. Da wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Wie es bei derartigen Filmen meist der Fall ist, erfährt man auch hier wenig bis gar nichts über die Hintergründe der metzelnden Kannibalenfamilie. Das finde ich aber gar nicht weiter schlimm, denn bei solchen Gore-Genrebeiträgen erwartet man weniger Tiefgang in der Handlung als vielmehr tiefgreifendes Herumwühlen in verstümmelten Körpern. Und das bekommt man hier eindeutig geliefert, wenngleich sich das blutige Foltergemetzel eher am Ende des Films befindet. Dennoch kam für mich niemals Langeweile auf, weil sich bereits in „Barricade“ ein Inszenierungsstil Roses abzeichnet, den er mit seinen letzten Filmen „Death Wish Zero“ und „Reeperbahn“ perfektionierte. Atmosphärisch stimmige Bilder lösen sich bei „Barricade“ mit leicht amateurhaft wirkenden ab, was der morbiden Stimmung des Gesamtwerks allerdings keinen Abbruch tut. An einigen Stellen, meist im Haus der abartigen Familie, wird die Kamera schockierend nah an exzessive Folterungen und/oder blutspritzenden Wunden gehalten, dass es einem wie ein Schlag in den Magen vorkommt. Rose überschreitet Grenzen und will damit schockieren. Und das gelingt ihm allemal besser als so einigen Backwood-Slasher-Trittbrettfahrern, die bedeutend mehr Budget zur Verfügung hatten.

Timo Rose bewegt sich mit „Barricade“ zwar noch irgendwie im Independent-Amateurfilm-Bereich, zeigt aber zwischendurch unglaublich gekonnte Professionalität, die begeistert. Auch der von Rose selbst komponierte Soundtrack ist absolut passend und stimmig. Fast wie bei den  Filmen von Marian Dora setzte sich bei mir während des Films immer mehr ein unangenehmes Gefühl in der Bauchgegend fest, das mit Sicherheit von den harten und brutalen Goreszenen verursacht wurde. Rose bewegt sich mit seinem Kannibalen-Slasher eindeutig bereits auf seinen heutigen Inszenierungsstil zu. Mit mehr Budget hätte er mit Sicherheit einen beeindruckenden und vor allem schockierenden, im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut gehenden“ Film abgeliefert.
Ach ja: Und den Kurzauftritt von Rose selbst fand ich äußerst gelungen.

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Fazit: Blutig und schockierend verlegt Timo Rose den amerikanischen Backwood-Slasher in deutsche Wälder. Freunde des Gore-, Trash-, Splatter- und deutschen Independent-Films dürften ihre Freude an Timo Roses „Barricade“ haben.

© 2015 Wolfgang Brunner

Jumanji (1995)

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Originaltitel: Jumanji
Regie: Joe Johnston
Drehbuch: Greg Taylor, Jim Strain, Chris Van Allsburg, Jonathan Hensleigh
nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Chris Van Allsburg
Kamera: Thomas E. Ackerman
Musik: James Horner
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Robin Williams, Kirsten Dunst, Bradley Pierce, Bonnie Hunt, Bebe Neuwirth, david Alan Grier, Jonathan Hyde, Patricia Clarkson
Genre: Abenteuer, Fantasy
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Alan Parrish entdeckt als Kind ein geheimnisvolles Brettspiel namens „Jumanji“. Als er es zusammen mit seiner Freundin Sarah spielt, verschwindet er vor ihren Augen im Inneren des Spielbretts. 26 Jahre später finden die beiden Kinder  Judy und Peter auf dem Speicher des Hauses, in das sie gerade eingezogen sind, genau jenes Spiel. Sie beginnen es zu spielen, ahnungslos, welche Folgen der erste Zug bereits für sie hat …

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Jetzt ist das auch schon wieder zwanzig (!!!) Jahre her, dass dieser Abenteuerfilm in die Kinos gelangte. Aber „Jumanji“ hat nichts von seinen damaligen Reizen verloren, ganz im Gegenteil. Die Effekte sind immer noch grandios und der Unterhaltungswert könnte größer nicht sein. „Jumanji“ ist ein waschechter Abenteuerfilm für Kleine und Große. Der mystische Reiz des Spiels hält den Spannungsbogen während des ganzen Films konstant aufrecht, denn man weiß nie, was gleich passieren wird. Die Handlung ist nett ausgedacht und macht auch noch nach Jahren riesigen Spaß.

Robin Williams hat mit der Verkörperung des „altgewordenen Jungen“ eine Paraderolle bekommen, in der er sichtlich aufgeht. Das ist es, was Williams (zumindest in seinen Parts in Kinderfilmen) ausmacht: Er ist der Erwachsene, der noch immer Kind geblieben ist. Das hat er unter anderem auch hervorragend in Spielbergs „Hook“ bewiesen. Als aus dem Spiel zurückgekehrter Alan Parrish vermag Williams absolut zu überzeugen und es ist eine wahre Freude, seinem Agieren zuzusehen. Aber auch die damals noch nicht wirklich bekannte Kirsten Dunst macht ihre Sache mehr als gut. Neben Bradley Pierce vermittelt sie die typische Abenteuerlust, die Kinder in so einem Falle ergreifen würde, und reißt den erwachsenen Zuschauer dadurch mit.

„Jumanji“ kann man ohne weiteres als Klassiker der 90er Jahre bezeichnen. Man wird mit einem Ideenreichtum überschüttet, der einem den Atem raubt. Und auch wenn die Spezialeffekte an manchen Stellen veraltet wirken, so sind sie immer noch besser als die heutigen CGI-Gewitter, bei denen man meist schon gar nichts mehr erkennen kann, weil es so schnell geht. Da mag ein gewisser Nostalgie-Faktor vielleicht auch eine Rolle spielen, aber eines ist sicher: Bei Filmen wie „Jumanji“ drängten sich in manchen Szenen schon damals zwar die Effekte in den Vordergrund, aber die menschlichen Schauspieler blieben trotzdem die eigentlichen Attraktionen. Rasant inszeniert lädt „Jumanji“ noch heute zum Träumen und „für zwei Stunden wieder Kindsein“ ein.

Kinderbuchautor Chris Van Allsburg, der die literarische Vorlage zu „Jumanji“ lieferte, hat übrigens noch ein zweites Kinderbuch in dieser Richtung geschrieben, das zehn Jahre nach „Jumanji“ im Jahr 2005 von Jon Favreau verfilmt wurde: „Zathura“. Auch hier geht es um ein mysteriöses Brettspiel. 🙂

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Fazit: Rasant, spannend, gruselig, gefühlvoll und voller Spezialeffekte. Dennoch bleiben die Schauspieler immer im Vordergrund. „Jumanji“ kann ohne weiteres ein Kinder-Abenteuer-Fantasy-Klassiker genannt werden.

© 2015 Wolfgang Brunner

Interview mit der Komponistin Myra

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Die auf den Philippinen geborene Künstlerin Myra lebt heute in Deutschland. Schon als Kind verliebte sie sich in den Klang der Musik. Mit ihrer Band „Meine Allee“ gewann sie einige Newcomer -Preise und Auszeichnungen. Gleichzeitig veröffentlichte sie im Jahr 2006 ihre erste Solo-LP „Still Here“. 2008 folgte ihr zweites Album „Keep Goin‘ On“. Im Januar 2014 wurde sie als „Bester RnB Künstler“ bei den „Urban Music Awards“ (Philippinen) und drei Mal bei den „VIMA Music Awards Asia“ (South East Asia) nominiert. Sie gewann schließlich den „Overall Female Act of Asia“ und die „Best Dance Song“-Auszeichnung mit ihrem Song „Sing For You (X-Core-Remix)“.

Myra Sängerin, Songwriterin und Musikproduzentin. Und sie komponiert Filmmusiken. Genau zu diesem Thema durften wir der Künstlerin ein paar Fragen stellen.

1. Deine Musiken zu Timo Roses Filmen „Reeperbahn“ und „Death Wish Zero“ sind sehr atmosphärisch und erinnern teilweise an John Carpenter. Ist Carpenter eines Deiner Vorbilder? Welche anderen Komponisten inspirieren Dich bei Deiner Arbeit?

Erstmal vielen Dank für diesen Vergleich. Wenn Leute meine Filmmusik hören und sich dann an John Carpenter erinnern, ist das eigentlich ein sehr großes Kompliment. Obwohl ich versuche, niemanden zu kopieren sondern all meinen Kompositionen meine eigene Note zu verpassen. Ich habe viele Carpenter-Filme gesehen, klar. Ich bewundere ihn, weil er zu vielen Filmen das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und dazu noch die Filmmusik komponiert hat. Nicht alle Regisseure können das und das finde ich schon sehr beeindruckend. Neben Carpenter liebe ich die Arbeit von Hans Zimmer oder Danny Elfman sehr. Als Komponistin liebe ich auch die klassischen Komponisten wie Rachmaninov, Beethoven usw.

2. Filmmusik, Solo-Alben, Songwiriting, Produzentin … Bist Du ein Workaholic oder hast Du einfach nur riesigen Spaß an diesen Dingen?

Haha, die Frage ist ja süß!

Nun ja, angefangen habe ich eigentlich mit dem Singen, was immer meine „Foundation“ bleiben wird, da es direkt von mir selbst kommt; also ich bin selbst das Instrument. Bei Filmmusiken usw. bediene ich mich ja anderen Instrumenten. Bin ich ein Workaholic? -JA!!! Ein absoluter Music-Nerd-Freak von ganzem Herzen. Ich habe natürlich auch riesigen Spaß daran, weil mir die Musik einfach unglaublich viele schöne Momente beschert hat. Sie hat mich mein ganzes Leben bis hierher begleitet und ist einfach ein Teil von meinem Leben.

3. Welche Musik hörst Du privat? Kann es zum Beispiel auch mal sein, dass Heavy Metal-Klänge in Deine Gehörgänge wummern?

Also, ich höre alles, was mir auf die Ohren kommt; ist natürlich sehr stimmungsabhängig, aber ich höre wirklich alles. Ich finde gute Musik kennt keine Genres und bleibt einfach gute Musik. Und ja, ich höre auch Metal. Das Album von Arch Enemy finde ich zum Beispiel echt Hammer!

4. Gibt es einen bekannten Film(klassiker), den Du gerne mit Deinen Kompositionen vertont sehen würdest?

Das ist eine geile Frage und dazu könnte ich massig Filme aufzählen. Auf der anderen Seite, finde ich aber auch, dass die Filme eben so funktionieren und erfolgreich sind, weil sie sind, wie sie sind. Ich möchte lieber meine eigenen „Klassiker“ schaffen, wenn ich dazu die Möglichkeit habe oder bekomme. Wenn ich einen bereits vertonten Film nochmals vertonen würde, würde ich immer verglichen werden und das möchte ich ja nicht. Die Leute sollen meine Musik und mich hören.

5. Wie bist Du eigentlich zur Filmmusik gekommen? Denn ursprünglich warst Du ja Sängerin und Songwriterin.

Über meinen langjährigen, guten Kumpel und Regisseur „Stefan Schwenk“ (TBC Filmproduktion). Ich habe ja damals schon Musik gemacht und war mit „Meine Allee“ unterwegs. Da kam Stefan auf mich zu und bat mich die Musik zu seinem Spielfilm „Sick Pigs“ zu machen. Ich verliebte mich in die Herausforderung, die das Projekt mit sich brachte und fand die Arbeit daran sehr schön und habe es gewagt, sozusagen. So kam es, dass mir diese Tür geöffnet wurde. Ich „bin“ noch immer Sängerin und Songwriterin, das hat sich trotz der Filmmusik nicht geändert, wie man in Timo Roses neuem Film „Death Wish Zero“ hören kann.

6. Wie gehst Du an die Musik für einen Film ran? Deine Musik kann auch ohne Filmbilder bestehen, dennoch untermalen sie das Gezeigte absolut perfekt. Komponierst du, während Du Dir die entsprechenden Filmszenen ansiehst?

Vielen Dank, für dieses Kompliment. Dankeschön!

Nun ja, normalerweise ist es besser auf die Szene zu arbeiten, da man die Atmosphäre der Szene aufnehmen kann und sich gefühlstechnisch hineinarbeitet. Ich schaue mir zum Beispiel eine Szene an (noch ohne Musik), achte auf Schauspiel, Bildmotiv, Stimmung, Farben, Dialoge/Monolog und allgemeine Atmosphäre usw. Dann versuche ich in mir selber herauszufinden, was die Szene in mir vor allem emotional auslöst. Wenn ich das herausgefunden habe, setze ich mich hin und versuche diese Gefühle zu „vertonen“. Es kam aber schon mal vor, dass Musik da war, ohne dass ich die Szene vorher gesehen habe. Wenn mir ein Regisseur vorab sehr viel über die Szene/den Film erzählen kann, kann ich mich auch so hineindenken. Aber das kommt nicht so häufig vor, wenn ich an einer Filmmusik arbeite. Aber so zum Beispiel entstand das Main Theme „Nature“ von Timo Roses Serie „Nature“, die jetzt ja schon überall auf DVD veröffentlicht wurde.

7. Warum sind viele Filmmusiken heutzutage so nichtssagend und ausdruckslos? Bei vielen Blockbuster-Soundtracks fehlt das Emotionale. Hast Du eine Erklärung, warum sich das so verhält?

Puh, das ist eine gute Frage und eine Frage, die sehr schwer zu beantworten ist. Ich denke einfach, jedes Medium (Musik, Tanz, Film etc.) entwickelt sich neu und weiter. Die Musikindustrie hat sich sehr verändert in den letzten Jahren. Alles hat seine Vor- und Nachteile, würde ich meinen. Also, ich meine, Veränderung bringt immer beides mit sich. Vielleicht mag auf der einen Seite Filmmusik ausdrucksloser erscheinen, dafür sind die Bilder gewaltiger oder sprechen eben mehr für sich selbst, dass sie eben wenig Musik bis gar keine brauchen. Ich denke, das ist auch abhängig von unglaublich vielen Faktoren, nicht zuletzt auch von den ganzen Departments, die bei einem Film mitwirken und den Film zu dem machen, was er am Ende ist: Regie, Drehbuch, Schauspieler, Produktion, Crew etc usw. Zu guter Letzt ist das „Emotionale“ immer eine sehr subjektive Sache. Was jemand anderes als „emotional“ empfindet, müssen wir nicht gleichermaßen empfinden. Es gibt bestimmt auch Menschen, die meine Musik hören und die nicht nachempfinden können, was ich bei dem Song gefühlt habe, als ich ihn geschrieben habe. Aber diese Menschen kann ich deswegen ja nicht verurteilen. Gefühle bleiben eben immer subjektiv.

8. Was bedeutet für Dich eine gute Filmmusik?

Für mich muss gute Filmmusik drei wichtige Kriterien erfüllen: 1. Gute Filmmusik bedeutet für mich, wenn die Musik die Emotionen und die Atmosphäre eines Films verstärkt, so dass sie etwas bleibendes beim Zuschauer hinterlässt. 2. Wenn der Zuschauer sich die Musik ohne den Film anhört und er sich an den Film erinnert oder auch etwas persönliches damit in Verbindung bringt. 3. Wenn er nur die Musik hört und sich seine eigenen Bilder im Kopf machen kann, basierend auf seinen eigenen Gefühlen und Gedanken.

9. Du bist auch für die Musik zum Film „Montrak“ von Stefan Schwenk beauftragt worden. Gibt es denn schon weitere Projekte, die Du bald in Angriff nimmst?

Ja, das ist richtig. Ich werde einen Teil der Filmmusik zu „Montrak – Meister der Vampire“ komponieren. Über weitere Projekte kann ich leider im Moment noch nicht sprechen.

10. Du leidest an der seltenen Autoimmunkrankheit Lupus. Du hast einen wunderbaren Kurzfilm mit dem Titel „Butterfly Tattoos“ gedreht, gespielt und produziert (und auch die Musik dazu komponiert), um mehr Aufmerksamkeit auf diese unheilbare Krankheit zu lenken. Ist Musik eine Art Heilmittel für Dich?

Ja, das stimmt. Ich bin an der unheilbaren Autoimmunerkrankung „Lupus“ erkrankt. Vielen Dank, dass du dir den Kurzfilm angeschaut hast. Und an dieser Stelle nochmal einen sehr großen Dank an die „Lupus Stiftung Deutschland„, die mich seit Jahren begleitet, sich sorgt und mich unterstützt.

Ich denke schon, dass Musik eine Art Heilmittel ist. Musik war eben immer für mich da, ganz egal ob ich traurig war, fröhlich, viele Schmerzen hatte oder wochenlang im Krankenhaus lag. Es ist irgendwie so, dass ich eben diese ganzen Eindrücke und Gefühle in mir selbst wahrnehme und Musik das Einzige Medium ist, diese auf den Punkt genau wiederzugeben. Manchmal habe ich eben das Gefühl, dass ich nur durch die Musik meine Gefühle das sagen lassen kann, was sie eben sagen möchten.

11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

– Freiheit

– Liebe

– Gesundheit

– Musik

– Freunde

Ich bedanke mich ganz herzlich für das nette Interview, wünsche Dir viel Erfolg mit Deiner Musik und vor allem alles erdenklich Gute hinsichtlich Deiner Lupus-Erkrankung.

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© 2015 Myra / Wolfgang Brunner