Top Of The Lake (2013)

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Originaltitel: Top Of The Lake
Regie: Jane Campion, Garth Davis
Drehbuch: Jane Campion, Gerard Lee
Kamera: Adam Arkapaw
Musik: Mark Bradsahaw
Laufzeit: 6 Folgen á 60 Minuten
Darsteller: Elisabeth Moss, Peter Mullan, David Wenham, Thomas M. Wright, Holly Hunter, Sarah Valentine, Jay Ryan, Jacqueline Joe
Genre: Thriller, Krimi, Serie
Produktionsland: Australien, Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich
FSK: ab 16 Jahre

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Tui Mitcham ist 12 Jahre alt und wollte anscheinend im eiskalten Bergsee eines neuseeländischen Provinzstädtchens Selbstmord begehen. Robin Griffin, eine junge Kommissarin, soll den Fall aufklären. Sie ist auf den Umgang mit misshandelten Kindern spezialisiert und dringt immer tiefer in ein Netz aus Intrigen und Lügen ein, die sich um Tui verbreiten. Es stellt sich heraus, dass Tui im fünften Monat schwanger ist. Als das Mädchen plötzlich verschwindet, begibt sich Robin auf eine gefährliche Suche, bei der sie sich auf einmal auch noch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert sieht.

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Eine Serie, die von Jane Campion konzipiert wurde, musste ich natürlich sehen. Nicht nur ihr wunderbarer Film „Das Piano“ hat mich von ihren Qualitäten, gute Geschichten mit wunderschönen Bildern zu erzählen, überzeugt. Unter anderem hat mich auch der zuvor gedrehte „Ein Engel an meiner Tafel“ wie auch der Folgefilm „Portrait Of A Lady“ mehr als fasziniert. Und nun also eine Serie …
Ich mache es kurz: Ich wurde nicht enttäuscht und bekam genau das, was ich erwartet hatte. Und sogar noch ein wenig mehr. Wie nicht anders zu erwarten, lebt der Film schon einmal von den wunderbaren Naturaufnahmen, die sich durch sämtliche Folgen ziehen. Aber nicht nur! Campion hat ein Schauspiel-Ensemble um sich und Co-Regisseur Garth Davis versammelt, das es in sich hat. Elisabeth Moss ist in ihrer Rolle als kühle, manchmal eigenartige Ermittlerin bestimmt nicht jedermanns Sache, aber eines muss man ihr lassen: Sie geht in ihrer Rolle auf und verkörpert den ihr zugeschriebenen Charakter unumstößlich perfekt. Man spürt den gebrochenen Menschen, der hinter der harten, nach außen hin gezeigten Hülle steckt. Moss stellt diese Zweideutigkeit einer starken, selbstbewussten und gleichzeitig verletzlichen, ängstlichen Frau unglaublich überzeugend und emotional glaubwürdig dar. Dazu gesellt sich ein Mann, dessen Schauspielerei ich bereits seit Jahren verehre: Peter Mullan. Er verkörpert in dieser Serie einen derart hassenswerten (aber in manchen Szenen auch liebenswürdigen und bemitleidenswerten) Macho, dem man im wahren Leben nicht begegnen möchte. Mullans Agieren trifft einen oftmals wie ein Schlag in die Magengrube und man möchte aufspringen, in den Bildschirm greifen und ihm mitten ins Gesicht schlagen. Und trotzdem schafft Mullan die Gratwanderung, auch positive Emotionen im Zuschauer aufzuwecken. Das ist grandios.
David Wenham als Polizist vermag ebenfalls zu überzeugen und den Zuschauer um den Finger zu wickeln, genauso wie Jacqueline Joe in der Rolle als 12jährige Tui.
Da geht Holly Hunter und die anderen Darsteller fast schon unter, obwohl auch sie auf höchstem Niveau agieren. Schauspielerisch macht die Mini-Serie unheimlich Spaß.

Mark Bardsahaws Musik ist einfach himmlisch und passt so hervorragend zu den teils melancholischen, deprimierenden Bildern, das es fast schon unheimlich ist. Dadurch kommt eine unglaublich dichte Atmosphäre auf, der man sich schwer entziehen kann und die sich erstaunlicherweise durch die komplette Serie zieht. Man fühlt sich manchmal tatsächlich an die Kultserie „Twin Peaks“ erinnert. In der dritten Episode kommt während einer Drogenszene, in der die Protagonisten im Rausch halluzinieren, eine Überraschung für alle Fans der deutschen Elektronikband Tangerine Dream. Die Bilder werden perfekt untermalt von ihrem Song „“Mysterious Semblance At the Strand of Nightmares“ aus dem Album „Phaedra“. Dieses Stück passt so hervorragend zu der Szene, dass ich auch hier eine Gänsehaut bekam.

Die Aussichtslosigkeit, die diese Serie oftmals vermittelt, ist manchmal schwer zu ertragen, obwohl sie immer wieder mit Hoffnung durchtränkt ist. Der daraus entstehende Mix ist hypnotisch und einmalig. Eine Serie, die mit dem hohen Niveau eines Kinofilmes auf jeden Fall mithalten kann. Und, wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, ist sogar eine zweite Staffel geplant. Mir wär’s recht! 🙂

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Fazit: Niveauvoll, mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen, einem genialen Plot und unglaublich guten Schauspielern ist „Top Of The Lake“ ein Muss für mystisch angehauchte Krimi- und Serienfans.

© 2016 Wolfgang Brunner

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Little Dead Rotting Hood (2016)

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Originaltitel: Little Dead Rotting Hood
Regie: Jared Cohn
Drehbuch: Gabriel Campisil
Kamera: Laura Beth Love
Musik: Christopher Cano, Chris Ridenhour
Laufzeit: 88 Minuten
Darsteller: Eric Balfour, Bianca A. Santos, Romeo Miller, Patrick Muldoon, Heather Tom, Brendan Wayne, Marina Sirtis, Amy Argyle, Tony Ketcham, Jake T. Getman
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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In einer amerikanischen Kleinstadt kommt es zu einer Serie mysteriöser Todesfälle, die anscheinend von Wölfen verursacht wurden. Sheriff Adam ermittelt, während er gleichzeitig das Verschwinden von Samantha aufzuklären versucht. Schon bald macht er eine schreckliche Entdeckung: In den Wäldern scheinen nämlich Werwölfe zu lauern und Samantha scheint die Einzige zu sein, die  ein Blutbad verhindern kann, weil sie Macht über die Kreaturen hat …

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Die Produktionsfirma „The Asylum“ zeichnet sich für mancherlei Low Budget-Filme verantwortlich, die oft in den Trashbereich abdriften.  In letzter Zeit machte die Firma von sich reden, in dem sie Hollywood-Blockbuster wie „Pacific Rim“, „Edge Of Tomorrow“, „Prometheus“, „World War Z“ und zuletzt „The Avengers: Age Of Ultron“ in eine Billigproduktion verwandelten und vertrashten. Allerdings findet sich in der Filmografie von „The Asylum“ auch die gar nicht mal so üble Serie „Z Nation“.
„Little Red Rotting Hood“ widmet sich dem Märchen „Rotkäppchen“ der Gebrüder Grimm und richtet das Augenmerk auf den bösen Wolf. Regisseur Jared Cohn gelingt ein wirklich passabler Einstieg, der eine durchaus annehmbare und stimmungsvolle Atmosphäre bietet. Im Verlaufe des Films driftet er aber dann doch immer mehr in Richtung Trash ab und verschenkt dadurch ein gewisses Potential.

Nichtsdestotrotz vermag dieser Werwolf-Streifen durchaus zu unterhalten. Das liegt zum einen an den manchmal wirklich sehr stimmungsvollen Bildern, zum anderen aber auch an den beiden Schauspielern Eric Balfour (den viele vielleicht noch aus der Hammerserie „Six Feet Under“ oder dem genialen Streifen „11:14“ kennen) und der charismatischen Bianca A. Santos (unter anderem in „Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel“).
Die Masken wirken leider oft eher lächerlich als erschreckend. Hätte man weniger gezeigt, wäre das Ergebnis wahrscheinlich besser geworden. „Little Red Rotting Hood“ ist ein Film,  bei dem man nicht nachdenken muss. Man kann sich getrost zurücklehnen und die Story auf sich einrieseln lassen. Schade ist, dass die schöne Stimmung, die immer wieder einmal zu verspüren ist, oft durch fast schon amateurhafte Szenen gestört wird. Manches Mal dachte ich tatsächlich, es wären zwei unterschiedliche Regisseure am Werk gewesen.

Das Endergebnis ist bei weitem nicht so brutal, wie manch einen Zuseher das FSK 18-Siegel denken lässt. Die handgemachten Effekte schwanken zwischen gut, passabel und schlecht. Einziger Pluspunkt ist eben, dass sich da jemand die Mühe gemacht hat und sämtliche Effekte von Hand und nicht mit dem Computer erzeugt hat. Das gibt bei mir immer einen Pluspunkt. 😉
Das Script wirkt nicht immer geradlinig, sondern weist ein paar holperige Stellen auf, die aber durch die trashig inszenierten Szenen in Vergessenheit geraten. Jared Cohn hat kein Meisterwerk abgeliefert und leider auch keine Trashperle, aber einen soliden Werwolf-Film mit guten Schauspielern und einer zum Großteil tollen Atmosphäre. Der Film verdient auf jeden Fall eine Chance, angesehen zu werden.

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Fazit: Passabler Werwolf-Film mit guten Schauspielern und einer prinzipiell tollen Atmosphäre. Leider driftet der Plot im Verlaufe des Films immer mehr in Trash ab.

© 2016 Wolfgang Brunner

Project M – Das Ende der Menschheit (2014)

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Originaltitel: Projet-M
Regie: Eric Piccoli
Drehbuch: Julien Deschamps Jolin ,Eric Piccoli, Mario J. Ramos
Kamera: Cedric Martinez
Musik: Guillaume Fortin
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Jean-Nicolas Verreault, Julie PerreaultJulien Deschamps Jolin, Nadia Essadiqi, Pierre Verville, Marie-Ginette Guay, Roberto Mei, Ted Pluviose, Raphaël Lacaille
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 12 Jahre

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Ein Team bestehend aus vier Astronauten wird in eine erdnahe Umlaufbahn geschossen, um dort zu testen, wie sich ein derartiger Aufenthalt auf Körper und Psyche auswirkt.  1.000 Tage sollen die vier Menschen auf der Raumstation verbringen. Kurz vor der geplanten Rückkehr beobachtet die Crew unzählige Atomexplosionen auf der Erde. Überall auf dem Planeten. Der Funkverkehr mit der Bodenstation ist abgebrochen und die vier Astronauten sind auf sich allein gestellt. Der Lebensmittelvorrat schwindet und die vier haben keine Informationen, was überhaupt passiert ist. Die Stimmung wird immer gereizter und das Team zerbröckelt. Da machen sie plötzlich eine Entdeckung, die ihnen das Leben retten könnte …

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Immer wieder passiert es, dass man von einem Film überrascht wird. Die kanadische Produktion „Projekt M“ unter der Regie des Franzosen Eric Piccoli gehört eindeutig in diese Kategorie. Weit abseits von mit Effekten überfrachteten Mainstream-Produktionen wird hier ein melancholisch anmutendes und ruhiges, aber nichtsdestoweniger spannendes und unheimlich intensives Drama serviert. Keine Spur von „Star Wars“ oder reißerischen Inszenierungen a la Michael Bay, sondern ein atmosphärisch dichtes Kammerspiel im Weltraum. Die Darsteller sind durch die Bank begabt und gehen in ihren Rollen auf. Jeder versetzt dem Charakter, den er darstellt, Glaubwürdigkeit.

Gerade die unglaublich ruhige Machart dieses Films war es, die mich so faszinierte und in ihren Bann gezogen hat. Es fehlt im Prinzip jegliche Action und dennoch verfolgt man die Entwicklung der Geschichte mit einer durchgehend anhaltenden Spannung. Viele empfanden dies wohl anders und viele werden es auch anders empfinden, ich für meinen Teil fand mich an manchen Stellen sogar an Klassiker wie „Lautlos im Weltraum“ erinnert, der eine ähnliche Stimmung verbreitete und ebenfalls von seiner ruhigen Inszenierung lebte.
Die auftretenden Konflikte zwischen den Besatzungsmitglieder sind nachvollziehbar ausgearbeitet und daher aus meiner Sicht auch sehr authentisch. An keiner Stelle wirken die Handlungen der Protagonisten überzogen oder künstlich.
Damit man mich nicht falsch versteht: Auch ich mag Science Fiction Filme wie „Star Wars“, „Star Trek“, „Ender’s Game“, „Alien“ und und und … Aber manchmal lasse ich mich auch liebend gerne in stimmungsvolle Geschichten wie „2001“, „2010“ oder eben „Lautlos im Weltraum“ fallen, wo Effekte zwar eine Rolle spielen, aber einfach mehr Augenmerk auf die Handlung und die Personenzeichnungen gelegt werden. „Projekt M – Das Ende der Menschheit“ ist solch ein Ausnahmefilm, der einen eigenwilligen, aber sehr konsequenten Weg geht. Letzteres gilt vor allem für die durchgehend ruhige, melancholische Stimmung. Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass das Budget für diese Produktion gerade einmal 260.000 Dollar betrug. Das Ergebnis kann sich aber sowas von sehen lassen, denn die Raumstation sieht mit ihrem Interieur einfach nur perfekt und echt aus. Auch die wenigen Effekte sind gut eingesetzt und wirken keinesfalls billig und schrottig, wie in manchen Rezensionen zu lesen ist.

Wer außergewöhnliche Science Fiction mit einem Touch Realität mag, dem wird dieser Film gefallen. Als Vergleich mit neueren Filmen fällt mir da noch „Europa Report“ ein, der entfernt ähnlich funktioniert.
„Projekt M – Das Ende der Menschheit“ ist ein Film,  der sich sehen lassen kann. Schauspieler, Regie, Kulissen, Musik, Handlung – alles passt.

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Fazit: Äußerst stimmungsvolles, ruhiges und kammerspielartiges Science Fiction-Abenteuer, das durchwegs überzeugen kann. Weitab vom Mainstream und daher für Liebhaber andersartiger, künstlerischer Filme absolut sehenswert.

© 2016 Wolfgang Brunner

Narben (Tatort) – (2016)

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Originaltitel: Narben
Regie: Torsten C. Fischer
Drehbuch: Rainer Butt
Kamera: Theo Bierkens
Musik: Fabian Römer, Steffen Kaltschmid
Laufzeit: 88 Minuten
Darsteller: Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Patrick Abozen, Joe Bausch, Juliane Köhler, Julia Jäger, Anne Ratte-Polle, Laura Tonke, Jerry Kwarteng, Thelma Buabeng
Genre: Krimi, Thriller
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Dr. Patrick Wangila, ein Arzt, der aus dem Kongo stammt, wird erstochen. Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine Beziehungstat handelt. Daher befragen die Ermittler Ballauf und Schenk zunächst die Witwe des Arztes. Bei den weiteren Ermittlungen stellt sich der Fall immer verzwickter dar, als er ursprünglich schien. Und plötzlich wird der Tod einer kongolesischen Asylbewerberin einige Tage zuvor, dem man zuerst nur wenig Beachtung schenkte, für den Fall immer bedeutungsvoller.

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Irgendwie wirkt alles wie gehabt und dennoch zeigt „Narben“ auch gewisse Innovationen, wenngleich nicht über alle Maßen. Alleine die Titelsequenz lässt einen die Luft anhalten und man beginnt unweigerlich, Großes zu erwarten. Man fühlt sich durch die brillanten Nahaufnahmen von Narben, Gegenständen und Personen tatsächlich sogar an Kinofilme erinnert. Die Einstiegssequenz ist also schon mal durchaus gelungen und verspricht fast schon einen künstlerischen „Ausnahme“-Tatort. Doch leider war der Vorspann auch schon inszenatorisch das Interessanteste an diesem Tatort, was nicht heißt, dass wir es danach mit einem schlechten Film zu tun hätten.
„Narben“ kann durchaus mit seiner Idee überzeugen, wenngleich an vielen Stellen mit Klischees um sich geworfen wird, die mir nicht immer zugesagt haben. Aber nun gut, es geht schließlich um das aktuelle Thema „Flüchtlinge“ und da ist es fast schon unvermeidbar, wenn man das ein oder andere Thema in einer Art und Weise behandelt, die den Großteil der Bevölkerung anspricht.

Es geht um Täter und um Opfer. Die beiden Kommissare müssen sich durch ein undurchsichtiges Puzzle kämpfen, um auf die richtige Spur zu kommen. Nicht immer wirken sie dabei in ihren Überlegungen überzeugend. Frischen Wind bekommt die Story, als es dann um Kriegsflüchtlinge, Asylanten und Menschen mit Migrationshintergrund geht. Da sind durchaus Ansätze, die zum Nachdenken anregen und auch „schockieren“. Der Plot ist im Grunde genommen zwar solide und nachvollziehbar konstruiert, wirkt aber nicht so nachhaltig nach wie er eigentlich sollte. Dafür ist er einfach zu unspektakulär und simpel in Szene gesetzt. Die Geschichte mag auf den durchschnittlichen Fernsehzuschauer ohne Weiteres beeindruckend wirken, aber eine „straffere“ Regieführung hätte bestimmt ein bedeutend nachhaltigeres Ergebnis gegeben. Musiktechnisch wurde alles sehr passend untermalt, aber auch hier fehlen die „Ohrwürmer“, die bei manch einer Filmmusik hängen bleiben oder zumindest auffallen.

Nun zu den Schauspielern: Von Klaus J. Behrend und Dietmar Bär braucht man gar nicht viel reden, denn sie machen ihre Sache gewohnt gut und überzeugend. Neben Julia Jäger und der wirklich guten Juliane Köhler komme ich aber auf zwei Rollen, die es verdient haben, lobend erwähnt zu werden. Da ist zum einen Thelma Buabeng in ihrer Rolle als traumatisiertes Opfer, die mich sehr berührt hat. Ihr Spiel war sehr intensiv und glaubwürdig. Hinzu kommt Jerry Kwarteng als Bruder des Mordopfers, der, logischerweise durch sein dunkles Aussehen, in die Rolle eines Kongolesen geschlüpft ist. Seinem und Buabengs Schauspiel kann man anfangs nur immer in kurzen Abschnitten verfolgen, aber es gibt ja glücklicherweise noch das Finale. Als die beiden aufeinandertreffen, bekam ich szenenweise Gänsehaut, so emotional und echt wurde gespielt. Sowohl Buabeng als auch Kwarteng liefen in dieser finalen Szene auf Höchstform auf und haben mich vollkommen in ihren Bann gezogen. Alleine diese Schlussszene ist es wert, sich diesen zwar nicht schlechten, aber eher doch durchschnittlichen Tatort anzusehen. Diese beiden „schwarzen Deutschen“ stellten für mich neben der beeindruckenden Anfangssequenz und einigen gelungenen Einstellungen des Höhepunkt von „Narben“ dar.

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Fazit: „Narben“ bewegt sich trotz manch innovativer Regieführung, guten Schauspieler bis hin zu den Nebendarstellern und einem interessanten, aber manchmal unlogischen, Plot nur im durchschnittlichen Bereich.

© 2016 Wolfgang Brunner

Die Leichenmühle (1972)

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Originaltitel: The Corpse Grinders
Alternativtitel: Die Totenühle, The Flesh Grinders, Necromaniacs
Regie: Ted V. Mikels
Drehbuch: Arch Hall Sr., Joseph Cranston, Ted V. Mikels
Kamera: unbekannt
Musik: unbekannt
Laufzeit: 70 Minuten
Darsteller: Sean Kennedy, Monika Kelly, Sanford Mitchell, J. Byron Foster, Warren Ball, Ann Noble, Vincent Barbi, Harry Lovejoy, Earl Burnam, Zena Foster, Ray Dannis, Drucilla Hoy
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: Strafrechtlich unbedenklich

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Die beiden Katzenfutterhersteller Landau und Maltby verarbeiten menschliche Leichen zu Katzenfutter. Doch die Katzen werden dadurch aggressiv und greifen Menschen an. Der Arzt Dr. Howard Glass geht der Sache nach und stößt dabei auf die Katzenfutterfabrik. Doch seine Nachforschungen werden bemerkt und Landau und Maltby begegnen dem Spion auf eigene Faust argwöhnisch.

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Man muss sich natürlich immer vor Augen halten, dass man einen Film aus dem Jahr 1972 sieht, denn manche Einstellungen (zum Beispiel die Angriffe der Katzen) lassen den heutigen Kinogänger mitleidig schmunzeln. Aber den Zuschauern Anfang der 70er Jahre war wahrscheinlich nicht so sehr nach Lachen zumute. „Die Leichenmühle“ ging für die damalige Zeit schon richtig zur Sache und sorgte mit Sicherheit eine Zeitlang für Furore.
Doch auch heute versprüht der Film für mich einen gewissen Trash-Charme, dem ich mich noch immer nicht entziehen kann. Das liegt wahrscheinlich an der morbiden Handlung und den zwar manches Mal amateurhaften Schauspielern, die aber dennoch auf eine gewisse (charmante) Art überzeugen können.  Ted. V. Mikels hat wahrlich kein Meisterwerk abgeliefert, stieg aber mit diesem Film dennoch in den Rang eines Kultregisseurs auf.

Wie gesagt, die Katzenattacken sind lachhaft gemacht, aber die ein oder andere Splattereinlage kann sich durchaus auch heute noch sehen lassen. Leider ist nicht herauszubekommen, wer für die sehr gut eingesetzte Musikuntermalung verantwortlich ist. Passend zu den gezeigten Bildern und Szenen sticht der Score auffällig bei dem Ganzen hervor. Der Plot ist natürlich von Logikfehlern durchlöchert, was aber bei solch einer Art von Film meiner Meinung nach nichts ausmacht. Die Fans wollen Blut und Schockmomente sehen, und genau das bekommen sie auch. Viele halten „Die Leichenmühle“ für langweilig und langatmig. Ich finde genau diese oftmals ruhige Inszenierung interessant und ansprechend. Dadurch wird eine gewisse Atmosphäre geschaffen, die auch heute noch funktioniert.
Und alleine schon wegen der Thematik dürfte der Film auch in der heutigen Zeit bei einigen Menschen mittelschwere bis starke Ekelgefühle auslösen.

Schauspielerisch wird hier mit einem leicht über Amateurniveau agierenden Schauspielern gearbeitet, wobei mir Warren Ball als Totengräber Caleb schon fast richtig gut gefallen hat. Der Rest ist annehmbar und, bis auf wenige peinliche Ausnahmen, zu ertragen.
Die künstlichen Nebelschwaden, die durch die Studiokulisse wabern, erinnern an alte Hammer-Filme, aber erreichen bei weitem nicht deren Niveau. Da hapert es einfach am Schnitt, an der richtigen Ausleuchtung und überhaupt am sehr einfach gestrickten Drehbuch. Da wäre durchaus mehr drin gewesen. So wirkt „Die Leichenmühle“ letztendlich nur wie ein nostalgischer Blick für Fans in die Billig-Trash-Welt der 70er Jahre und vermag zwar zu unterhalten (zumindest mich), aber eben nicht wirklich zu überzeugen.

Interessant wird es allerdings in nächster Zeit, da sich Regisseur Timo Rose einem Remake oder einer Neuinterpretation dieses Stoffes widmet. Die Besetzung kann sich schon mal sehen lassen und wie Rose mit seinen letzten beiden Filmen „Reeperbahn“ und „Death Wish Zero“ bewiesen hat, kann nur ein gutes Ergebnis zustande kommen.

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Fazit: Kultiger Trashfilm mit vielen Minuspunkten, der dennoch unterhält.

© 2016 Wolfgang Brunner

Interview mit dem Schauspieler Michael Klammer

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© Andrè Röhner

 

Michael Klammer wurde im Jahr 1980 im südtirolerischen Bruneck geboren. Sein Vater ist Afrikaner und stammt aus Nigeria. Er wuchs bei seiner Mutter in Südtirol auf dem Bauernhof seiner Großeltern auf, besuchte die Handelsoberschule (Matura zum Buchhalter und Bankkaufmann) und machte daraufhin das Abitur. Von 2001 bis 2004 besuchte er die Schauspielschule am Schauspielhaus Salzburg.

Neben seiner Arbeit am Theater war Klammer in diversen Fernseh- und Kinofilmen zu sehen. Dem deutschen Fernsehpublikum dürfte der charismatische Schauspieler unter anderem als Dr. Jonas Müller in der ZDF-Serie “Dr. Klein“ bekannt sein.

Film-Besprechungen durfte ein Interview mit dem vielseitigen Schauspieler aus Berlin führen.

1. Nachdem ich selbst zehn Jahre lang in Berlin gelebt habe, würde mich persönlich interessieren, wie lange Du schon dort wohnst und was Du an dieser Stadt besonders magst.

Ich wohne nunmehr auch schon zehn Jahre in Berlin. Was ich an der Stadt besonders mag sind die vielen, vielen Möglichkeiten, die sie einem bietet. Sei es in der Freizeitgestaltung, im kulturellen Bereich und natürlich auch im Nachtleben. Außerdem bietet sie, trotz der Größe, eine immense Lebensqualität, die, gerade wenn man selber ein Kind hat, nicht zu unterschätzen ist! Es gibt unzählige Parks, Seen oder Freizeitgestaltungsmöglichkeiten im Freien.
Außerdem ist das eine sehr sehr bunte, offene und lebensfrohe Stadt!

2. Du spielst neben Rollen in TV- und Kinoproduktionen auch sehr viel am Theater. Worin liegt für Dich der gravierende Unterschied dieser beiden Schauspielarten. Was machst Du lieber?

Ich finde, dass es sich im weitesten Sinne eigentlich um zwei verschiedene Berufe handelt.
Irgendwie vergleichbar mit Tischler und Zimmermann. Das hat Beides zwar mit Holz zu tun, aber das eine ist wesentlich diffiziler, feingliedriger und intimer, während das andere größer, abstrakter und grobschlächtiger ist!
Genauso verhält es sich, meiner Meinung nach, mit dem Theater und dem Film.
Am Theater muss man andere, teilweise größere Ausdrucksformen finden, schlicht und ergreifend lauter sprechen und/oder die Sachen deutlicher zeigen, um auch die letzte Reihe zu erreichen!
Aber ich finde Beides sehr reizvoll. Vielleicht ist es im Moment sogar so, dass ich etwas lieber drehe! Ich möchte aber auch die Arbeit am Theater nicht missen!

3. Du bist Deutscher mit dunkler Hautfarbe. Was bedeutet das für Dich? Sind dadurch die Rollenangebote durch ein gewisses Schubladendenken eingeschränkt?

Nun, als aller erstes muss ich sagen, dass ich überhaupt kein deutscher Staatsbürger bin! Ich bin Südtiroler! D.h. ich besitze die italienische Staatsbürgerschaft und bin, einer kleinen Minderheit angehörend, im deutschsprachigen Teil Italiens aufgewachsen!

Es ist tatsächlich nach wie vor so, dass Menschen mit Migrationshintergrund, egal welcher Ethnie oder Hautfarbe sie angehören mögen, in Deutschland nur begrenzte Angebote im Film und Fernsehen kriegen. Ob dies einem „Schubladendenken“, wie Du es nennst, oder auf fehlenden Mut der jeweils zuständigen Menschen, die die Filme besetzen, zurückzuführen ist, kann ich nicht genau beantworten.
Vielleicht ist es aber auch die Sehgewohnheit der Zuschauer, welche sich erst nach und nach dem Gesellschaftsbild anpassen muss.
Fakt ist allerdings, und da pflichte ich Dir bei, dass für Menschen anderer Hautfarben als der der Weißen, nicht alle Möglichkeiten einer Besetzung offen stehen.
Aber ich habe den Eindruck, es tut sich in dieser Hinsicht schon langsam was.

4. Was macht Michael Klammer privat? Welche Bücher liest, welche Musik hörst und welche Filme siehst Du in Deiner Freizeit?

Ehrlich gesagt, mache ich meiner Freizeit gar nicht mehr so wahnsinnig viel. Die meiste Zeit von der wenigen, die mir im Moment noch bleibt (schließlich bin ich fast immer unterwegs), verbringe ich dann auch ganz entspannt mit meinem Sohn oder mit meinen Freunden!
Lesen tue ich zur Zeit, und zwar zum wiederholten Male, alles mögliche von Richard Brautigan! Ich mag diesen Kerl, der ist so schön verrückt. Ich überlege die ganze Zeit, wie man seine skurrilen Geschichten am besten auf die Bühne bringen könnte.
Was Filme betrifft, so sehe ich mir alles mögliche an und könnte mich daher gar nicht auf irgendeine Richtung festlegen. Im Moment gucke ich alle möglichen amerikanischen Serien!

5. An welchen Projekten arbeitest Du gerade?

Im Moment drehe ich die dritte Staffel von „Dr. Klein“ in Stuttgart und bereite mich gleichzeitig auf einen österreichischen Kinofilm vor. Dann mache ich erst mal Urlaub und danach voraussichtlich wieder was am Burgtheater in Wien!

6. An welchen Projekten würdest Du am liebsten arbeiten? Was wäre Dein größter beruflicher Traum?

Ich würde gerne einmal an einem großen, internationalen Film mitarbeiten. Aber wer nicht?! ?
Mein größter beruflicher Traum ist es, meine Begeisterung, meine Freude und meine Liebe für das ,was ich tue, ins Ziel zu bringen; d.h. es zu schaffen, mit voller Hingabe bis ans Ende meiner beruflichen Laufzeit dabei sein zu können. Das wäre traumhaft! Weil, das würde bedeuten, dass man mich immer wieder eingesetzt hätte und sich mir immer neue Chancen eröffnet hätten. Das strebe ich an!

7. Und was Dein größter beruflicher Alptraum?

Mein größter Albtraum wäre, irgendwann nur noch abzuliefern. Seine Aufgaben zu erledigen, ohne mit dem Herzen dabei zu sein. Diese Vorstellung finde ich wirklich grausam! Zum Glück ist es aber nur ein Alptraum und hat mit mir nichts zu tun!

8. Du hast viele unterschiedliche Hobbys wie Snowboarden, Skifahren, Reiten, Tennis, Fußball, Fechten und Tanzen. Und Du spielst auch Gitarre und Mundharmonika. Wie kriegst Du diese Vielfalt an Freizeitaktivitäten neben der Theater- und Filmschauspielerei unter einen Hut?

Nun ja, anscheinend hast du da alles aufgeschrieben was auf der Agenturseite steht.
Es ist schon richtig, dass ich sehr viel Sport mache. Allerdings komme ich (bis auf 3 mal die Woche ins Fitnessstudio) nicht mehr wirklich zu viel mehr anderen Sachen.
Und was die Gitarre und die Mundharmonika anbelangt, glaube mir: man hört es, dass ich mich damit nur am Rande beschäftige!!

9. Was ist Deine spontane Antwort bei folgenden Begriffen:

– James Bond
cooler, einsamer, englischer Gentleman

– Indiana Jones
die Geschichte bleibt mir nie im Kopf aber die Titelmusik dafür tagelang in den Ohren hängen

– Idris Elba
Luther, für mich der beste Ermittler der Welt!
Super Schauspieler, sieht gut aus, ist erfolgreich und wird von allen über den grünen Klee gelobt. Der hat bestimmt ne gute Zeit!

– Comicverfilmungen der letzten fünf Jahre
Scheint sehr posh zu sein

10. Was sagst zu dem Begriff „Racial Empathy Gap“, also wenn Hautfarbe und soziale Klasse eines Zuschauers eine Wirkung auf die Empathie zu einem andersfarbigen Schauspieler hat. Anders gesagt: Spielt ein schwarzer Schauspieler einen Sklaven, Gangster oder Rapper, kommt das beim hellhäutigen Publikum wohl an, im Gegensatz zu dem Fall, wenn er einen reichen Geschäftsmann verkörpert. Wieso ist das Deiner Meinung nach so?

Ist das so? Ich weiß das nicht genau, kenne die soziologischen Studien dazu nicht, falls es die überhaupt gibt!
Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es auch hier wiederum ein bisschen an der Sehgewohnheit der Zuschauer liegt. Sozusagen an der Konditionierung, wie eine bestimmte Gruppe von Menschen (die nicht der Mehrheitsgesellschaft angehören), im Fernsehen, in den Kinos, in den Theatern gezeigt wird!
Und da hätten die Filmemacher und natürlich auch wir als Spieler am besten die Gelegenheit, ein anderes als üblicherweise gezeichnetes Bild von Menschen mit Migrationshintergrund zu zeigen!
Natürlich gibt es sie, die Dealer, die Rapper, die bösen Jungs mit Migrationshintergrund! Keine Frage.
Aber selbstverständlich gibt es auch die überaus erfolgreichen, adretten, vorbildlichen Leute, die man durchaus sehr gerne in seiner Nachbarschaft hätte. Und über die man sich – und da bin ich mir sicher – auch nicht wundern würde, wenn sie einem gut gekleidet, gebildet und eloquent, um 20:15 Uhr im Fernsehen begegnen!
Dagegen würde niemand was haben ! Dagegen kann keiner was haben. Außer natürlich, man ist ein Schwachkopf. Und wer ist das heutzutage schon gerne freiwillig, zumal man ja die Wahl hat?!

Ich bedanke mich herzlich für das Interview und wünsche Dir, dass Deine berufliche Karriere stetig weiter nach oben geht.

© 2016 Wolfgang Brunner / Michael Klammer

Das Unternehmen (2015)

Unternehmen

Originaltitel: Das Unternehmen
Regie: Marcello Filippelli
Drehbuch: Marcello Filippelli
Kamera: Marcello Filippelli
Musik: Michael Donner
Laufzeit: 4 Minuten
Darsteller: Peter Skoda, Pasquale Gulotta, Harald Cornelius, Isabell Mielke, Mia Filippelli (nur Stimme)
Genre: Action, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Wenn einer der Besten aussteigen will… Aber das System es nicht zulässt!

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Man muss sich zuallererst einmal vor Augen halten, dass dieser Kurzfilm mit einem Budget von etwa 50,- Euro und an einem einzigen Drehtag entstanden ist. Schon alleine in dieser Hinsicht zeigt „Das Unternehmen“, das Marcello Filippelli auf alle Fälle Qualitäten als Regisseur und Kameramann hat. Das hat er schon mit seinen bedeutend längeren Projekten wie „Unerträglich“ und „Unvergessen“ bewiesen. Diese genannten Zehnminuten-Filme waren aber eher ruhig und leicht melancholisch, während sich nun bei „Das Unternehmen“ das Augenmerk vollkommen auf Action legt (die finale Einstellung vielleicht einmal ausgenommen 😉 ).
Wie gesagt, man muss einfach daran denken, dass dieses Projekt im Grunde genommen aus reiner Freude am Filmemachen entstanden ist. Denn auch wenn die Action und die Kämpfe zum größten Teil sehr gut in Szene gesetzt wurden (was auch an einem wirklich hervorragenden Schnitt liegt), so wirken manche Einstellungen leicht lächerlich und amateurhaft. Dennoch werden diese kleinen Fehlerchen durch die gute Regie, Kameraführung und Schnitttechnik überdeckt, so dass sie für mich keine wirklichen Negativauswirkungen auf das Gesamtbild werfen.
Die „Dialoge“ während der Kämpfe hätte man sich allerdings sparen können. Vielleicht wäre dadurch sogar ein wenig mehr Dynamik in das Geschehen gekommen.

Schauspielerisch kann Peter Skoda in der Hauptrolle am meisten überzeugen. Er macht seine Sache richtig gut und vor allem überzeugend, was man bei Pasquale Gulotta und Harald Cornelius leider nicht immer behaupten kann. Das heißt aber keineswegs, dass die beiden nicht auch schauspielern können, nur können sie Skoda einfach nicht das Wasser reichen. Ich persönlich finde es schon sehr interessant, was man mit einem so geringen Budget und Zeitaufwand auf die Beine stellen kann, das sieht man über manch eine unperfekte Ausleuchtung oder Mimik eines Schauspielers hinweg. Eindeutig sieht man, dass alle Beteiligten Spaß an der Sache hatten und das wirkt sich natürlich auch auf den Zuschauer aus.

Was mir wirklich gut gefallen hat, war, dass man erst in den letzten Einstellungen erfährt, worum es überhaupt geht. Man sieht zwar dadurch den Kämpfen vielleicht mit weniger Spannung zu und fiebert nicht so sehr mit dem Protagonisten mit, dafür wird man aber am Ende mit einem netten „Aha“-Effekt belohnt, der im Nachhinein die Auseinandersetzung nachvollziehbar macht.
Wie schon bei seinen längeren Kurzfilmen zeigt Filippelli auch hier wieder, dass man mit einer Kamera ästhetische Bilder einfangen kann, wenn man den Blick dafür hat. Und den hat Filippelli.
Was auch noch unbedingt erwähnt werden muss, ist die wirklich gelungene Musik von Michael Donner. Sie untermalt die Bilder absolut passend und stimmig, so dass es in dieser Hinsicht nichts auszusetzen gibt. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass dieser Kurzfilm lediglich eine Szene aus einem Langfilm darstellt. Das Potential wäre auf jeden Fall da, um einen längeren  Action-Thriller auf genau jene Art und Weise zu inszenieren.

Wer jetzt neugierig ist, kann sich den Film auf youtube ansehen: Das Unternehmen

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Fazit: Für ein Projekt, das eigentlich nur „just for fun“ und mit minimalem Aufwand gedreht wurde, kann sich „Das Unternehmen“ durchaus sehen lassen. Nicht perfekt, aber stylisch und sehenswert.

© 2016 Wolfgang Brunner