Die Farbe aus dem All (2019)

farbe

Originaltitel: Color Out Of Space
Regie: Richard Stanley
nach einer Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft
Drehbuch: Richard Stanley, Scarlett Amarise
Kamera:  Steve Annis
Musik: Colin Stetson
Laufzeit: 111 Minuten
Darsteller: Nicholas Cage, Q’orianka Kilcher, Joely Richardson, Tommy Chong, Madeleine Arthur, Brendan Meyer, Julian Hilliard, Elliot Knight
Genre: Science Fiction, Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

*

Die Familie Gardner lebt in einem abgelegenen Farmhaus in New England, um der Hektik des Alltagslebens zu entfliehen. Es dauert nicht lange und ein Meteorit schlägt in ihrem Vorgarten auf. Der mysteriöse Stein aus dem All infiziert die Umgebung mit einer seltsamen Farbe, die Veränderungen in der Natur hervorruft. Aber auch bei Tieren und Menschen zeigen sich Auswirkungen.

*

Es ist immer schwierig, einen Film nach einer literarischen Vorlage zu drehen, zumal solch eine Vorlage auch noch Kultstatus besitzt. H.P. Lovecrafts Erzählung über eine mysteriöse Bedrohung aus dem All in Form einer mysteriösen Farbe, besitzt eine außergewöhnliche Atmosphäre, die bei den Anhängern des Autors und vielen Lesern einen ganz besonderen Status einnimmt. Es gibt bereits einige Verfilmungen dieser Geschichte, die nicht immer die Stimmung perfekt eingefangen haben, so dass auch bei Richard Stanleys Neuinterpretation sofort argwöhnische Stimmen laut wurden. Okay, es ist wirklich nicht einfach, eine Lovecraft-Story zu verfilmen, so dass man Stanley auf alle Fälle schon einmal zugute halten muss, dass er sich richtig Mühe gegeben hat. Und das erfolgreich, zumindest aus meiner Sicht.

„Die Farbe aus dem All“ besitzt in der Tat eine sehr schöne Atmosphäre, die sich gerade in der ersten Hälfte (zumindest stimmungsvoll) sehr schön an die literarische Vorlage hält. Immer mehr entwickelt sich diese Stimmung, die mich übrigens an manchen Stellen sehr an die Science-Fiction-Verfilmung „Auslöschung“ erinnert hat) zu einem Klon von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“. Die außerirdische Farbe ist ja auch ein Ding aus einer anderen Welt, so dass mir die Entwicklung eigentlich auch noch sehr gut gefallen hat. Leider vertieft Richard Stanley diese Seite der Story so sehr, dass der Film zu einem massentauglichen Horrorfilm mutiert (was für ein Wortspiel 😉 ) und die Atmosphäre der ersten Hälfte so ein klitzeklein wenig zerstört. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich äußerst angenehm und spannend unterhalten, zumal die Schauspieler auch noch das ihrige dazu beitrugen. Das Gesamtbild, das „Die Farbe aus dem All“ bei mir zurückließ, ist für mich auch ausschlaggebend, so dass ich auf jeden Fall behaupten kann, dass ich diesen Film nicht so schnell vergessen werde.

Visuell ist Stanleys Comeback absolut gelungen und auch die Schauspieler können allesamt überzeugen. Nicholas Cage zeigt, was er kann und spielt seine Figur sehr glaubwürdig, wie aber letztendlich alle beteiligten Darsteller. Der Score von Colin Stetson untermalt die Bilder auf sehr beeindruckende Weise.
Man sollte „De Farbe aus dem All“ eine Chance geben und ihn als von der literarischen Vorlage unabhängiges Werk betrachten, der lediglich seine Inspirationen in Lovecrafts Erzählung sucht und diese dann auf eigenständige Weise (neu) interpretiert. Ich persönlich sah in Richard Stanleys Film eine Verneigung vor dem großen Meister der fantastischen Literatur, bei der er einen Weg gehen wollte, der auch ein Massenpublikum anspricht (in der heutigen Zeit nicht unbedingt der falscheste Weg, wenngleich ich mir persönlich ein etwas unabhängigeres und vor allem intellektuelleres Ergebnis gewünscht hätte). „Die Farbe aus dem All“ stellt für mich trotz dieser Kritikpunkte eine der gelungeneren Verfilmung nach einem Stoff von H.P. Lovecraft dar, vor allem auch, weil er einen Spagat zwischen cineastischer Kunst und Mainstream schafft.

*

Fazit: Gelungene, stimmungsvolle und visuell ansprechende Literaturverfilmung mit einem tollen Cast.

©2020 Wolfgang Brunner

Crypto (2019)

crypto

Originaltitel: Crypto
Regie: John Stalberg jr.
Drehbuch: Jeffrey Ingber
Kamera:  Pieter Vermeer
Musik: Nima Fakhrara
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Beau Knapp, Alexis Bledel, Luke Hemsworth, Kurt Russell, Jeremie Harris, Vincent Kartheiser, Jill Hennessy
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

*

Der junge Banker Marty, der „Unstimmigkeiten“ innerhalb des Unternehmens aufspüren soll,  wird „strafversetzt“ – und zwar in seine alte Heimatstadt.
Dort soll er die Zweigstelle seines Unternehmens unter die Lupe nehmen und kommt einem gigantischen Schwindel auf die Spur …

*

Wenn ich ehrlich bin, war ich auf den vorliegenden „Crypto“ in erster Linie erst einmal neugierig, weil Kurt Russell mitspielte. Als ich dann sah, dass Luke Hemsworth, der Bruder von Chris Hemsworth mitwirkte, war die Erwartungshaltung dann sogar noch größer. Doch schon innerhalb der ersten halben Stunde hat mich dann Beau Knapp mit seiner Schauspielerei vollkommen in den Bann gezogen. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass mich der Schauspieler in dieser Rolle so sehr fasziniert. Knapp spielt seine Rolle sehr souverän und vor allem glaubwürdig. Und das macht den ganzen Film durchgängig Spaß. Und auch wenn mich die Handlung ein wenig abgeschreckt hat (es geht um Internetwährungen wie beispielsweise Bitcoins), weil ich Befürchtungen hatte, sie nicht wirklich zu verstehen, so muss ich letzten Endes dann doch zugeben, dass ich zumindest das meiste davon kapiert habe. 😉

„Crypto“ hat durchgängig, aber vor allem in der zweiten Hälfte, eine sehr tolle Atmosphäre, was vielleicht daran liegt, dass man es hier nicht nur mit einem Thriller zu tun hat, sondern auch mit einer Familiengeschichte. Gerade letztere hat mich sehr überzeugt und mir auch außerordentlich gut gefallen. Das Zusammenspiel zwischen Knapp und Hemsworth ist sehr gut und auch Kurt Russell als Vater macht eine gute Figur. Es ist immer wieder schön, Kurt Russell in einer neuen Rolle zu sehen.
Der Plot des Films ist nachvollziehbar und der Spannungsbogen wird konsequent aufrechterhalten bis zum spannenden Finale. Es ist vor allem das Gesamtbild, das letztendlich „Crypto“ zu einem wirklich spannenden und sehenswerten Film macht, der zudem das hochaktuelle Thema der Internetwährung(en) behandelt. An einigen Stellen wird einem da schon bewusst, welche Auswirkungen solch ein Zahlungssystem auf die Gesellschaft hat.

„Crypto“ ist der zweite Langfilm von Regisseur John Stahlberg jr. und er beweist, dass er ein gutes Händchen für eine saubere Inszenierung hat. Inszenatorisch lässt sich nämlich an „Crypto“ nichts bemängeln. Der Aufbau des Plots ist gut gelungen, die Charakterisierungen der Protagonisten ebenfalls und, wie oben schon erwähnt, wird der Spannungsaufbau stetig nach oben gehalten. Vielen dürfte der Film eventuell dennoch nicht so zusagen, da er nicht wirklich ins Mainstream-Schema passt, sondern einen eigenen Weg geht. Für mich war „Crypto“ jedenfalls eine absolute Überraschung, vor allem durch den wirklich tollen Hauptdarsteller Beau Knapp. Außerdem konnte der Film mit ein paar wirklich unerwarteten Wendungen auftrumpfen, mit denen man so nicht gerechnet hätte.

*

Fazit: Spannender Plot mit tollen Darstellern, allen voran Beau Knapp.

© 2020 Wolfgang Brunner

Der Schrecken der Medusa (1977)

medusa

Originaltitel: The Medusa Touch
Regie: Jack Gold
Drehbuch: John Briley
nach einem Roman von Peter Van Greenaway
Kamera:  Arthur Ibbetson
Musik: Michael J. Lewis
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Richard Burton, Lino Ventura, Lee Remick, Harry Andrews, Alan Badel, Jeremy Brett, Derek Jacobi, Gordon Jackson, Narie-Christine Barrault
Genre: Thriller, Mystery
Produktionsland: Großbritannien, Frankreich
FSK: ab 12 Jahre

*

Der Schriftsteller John Morlar bring seit seiner Kindheit Unheil und Tod über Menschen, die ihn physisch und psychisch verletzen.Als der telekinetisch veranlagte Morlar  überfallen wird und nur knapp dem Tod entkommt, ermittelt Kommissar Brunel. Während er den Täter sucht, gerät Brunel immer mehr in einen mysteriösen Sog aus Horror und Katastrophen. Offensichtlich gehen diese Ereignisse vom klinisch toten Morlar aus,der in seinem Krankenbett dahinvegetiert und nur noch starke Gehirnaktivitäten zeigt.

*

Es ist schon eine Zeit her, dass ich diesen Film gesehen habe. Ich hatte „Die Schrecken der Medusa“ als sehr guten Mystery-Thriller in Erinnerung und war daher absolut erstaunt, wie gut er mir heute noch gefiel. Ich muss zugeben, dass er mich sogar noch mehr begeistert hat wie anno dazumal. Die Atmosphäre dieses Films ist unglaublich intensiv. Hinzu kommt eine meisterliche Darstellung von Lino Ventura. Richard Burton, der sich damals bereits auf das Ende seiner erfolgreichen Karriere zubewegte, konnte mich lange nicht so überzeugen wie Ventura. Zu diesem Gespann gesellt sich dann noch Lee Remick, die in ihrer Rolle als Psychiaterin absolut überzeugen kann. „Die Schrecken der Medusa“ ist ein Film für genau diese Schauspieler, der davon lebt, wie diese Akteure in ihren Rollen aufgehen.

Die Mischung aus Kriminal-, Mystery-, Horror- und Katastrophenfilm ist derart gelungen, dass man sie nicht mehr so schnell vergisst. In dieser Art und Kombination dürfte „Der Schrecken der Medusa“ auch einmalig in der Filmbranche sein. Kongenial von der Musik Michael J. Lewis’ untermalt, versinkt der Zuschauer, sofern er sich auf das Szenario einlassen kann, in einem hypnotischen Strudel, der ihn bis zum Ende nicht mehr loslässt. Man fühlt sich bei einigen Szenen immer wieder mal an Richard Donners „Das Omen“ erinnert, aber Jack Golds Mysterythriller geht letztendlich dann doch einen vollkommen anderen Weg. Vor allem das kompromisslose Finale hat es in sich. Typisch für solcherart Filme wird hier ein Anti-Happy-End serviert, das man nicht mehr so schnell vergisst. Gold inszeniert dieses Szenario oscarreif und verbindet Effekte, beklemmende Einstellungen und den bereits erwähnten, mehr als passenden Score zu einem apokalyptischen Weltuntergang, der Gänsehaut beschert.

Mehrere Jahrzehnte sind seit der Veröffentlichung von „Die Schrecken der Medusa“ vergangen, der Film wurde zum wiederholten Mal im Fernsehen gezeigt und dennoch hat sich das Warten auf diese bearbeitete Version gelohnt. Der Film ist nach wie vor ein exzellent gespieltes und inszeniertes Weltuntergangsdrama, das als Kriminalfall beginnt und über telekinetischen Horror und Psychoterror zur Apokalypse führt. Dass der Thriller in die Jahre gekommen ist, sieht man unter anderem an der Kleidung der Darsteller, den Autos und den abgerundeten, altmodischen Fernsehgeräten. Doch genau dies versprüht in der heutigen Zeit einen unwiderstehlichen Charme. „Der Schrecken der Medusa“ ist beeindruckend, düster und mitreißend. Was will man mehr von einem Film?
Für mich ein Beweis, dass man früher auch schon gute, wenn sogar nicht manchmal bessere Filme als heutzutage, drehte.

*

Fazit: Beeindruckender und äußerst atmosphärischer Genremix.

©2020 Wolfgang Brunner

Airport ’80 – Die Concorde (1979)

Airport 4

Originaltitel: The Concorde … Airport ’79
Regie: David Richmond-Peck
Drehbuch: Jennings Lang, Eric Roth
Kamera:  Philip H. Lathrop
Musik: Lalo Schifrin
Laufzeit: 106 Minuten
Darsteller: Alain Delon, Susan Blakely, Robert Wagner, Sylvia Kristel, George Kennedy, Eddie Albert, Bibi Andersson, Charo, John Davidson, David Warner
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

*

Eine nagelneue Concorde-Maschine befindet sich auf den Weg von Washington nach Moskau mit Zwischenstop in Paris. Maggie hat sich vor Start noch von ihrem Freund Kevin  getrennt, der Chef eines großen Rüstungskonzerns ist und illegale Waffengeschäfte betreibt. Maggie bekommt vertrauliche Dokumente zugespielt, die diese kriminellen Machenschaften beweisen. Ihr Exfreund möchte natürlich um jeden Preis verhindern, dass diese belastenden Unterlagen in falsche Hände geraten und beschließt, die Concorde mit allen Mitteln zum Absturz zu bringen. Seine Beziehungen reichen sogar bis ins Militär, die das Passagierflugzeug abschießen wollen.

*

Und wieder verstrichen zwei Jahre nach „Verschollen im Bermuda-Dreieck“, um einen weiteren Film der erfolgreichen „Airport“-Reihe auf die Leinwand zu bringen. Dieses Mal finden sich Alain Delon, George Kennedy und David Warner im Cockpit ein, um ein größeres Unglück zu verhindern. „Airport ’80 – Die Concorde“ lässt erneut den Schrecken in der Luft aufleben und bringt dieses Mal das Militär mit ins Spiel. Für mich stellt der abschließende Teil trotz einiger sehenswerter Komponenten den schlechtesten der Reihe dar. Zu viele phantastisch anmutende Szenen kommen darin vor, die mehr als unglaubwürdig sind. Aber eines nach dem anderen: Das erfreulichste, das der Film zu bieten hat, ist nicht Alain Delon sondern George Kennedy, der dieses Mal auf dem Pilotensitz Platz nimmt. Der sympathische, manchmal ein wenig unscheinbar wirkende Schauspieler hat in jedem der vier „Airport“-Filme mitgewirkt, war aber meist nur in Nebenrollen und im Hintergrund zu sehen. Doch dieses Mal übernahm er eine der Hauptrollen und war in meinen Augen bedeutend besser als Delon. Er stellte seinen Charakter überaus natürlich, authentisch und sympatisch dar. Für mich der wichtigste Pfeiler dieses Films.

Alain Delon macht seine Sache gut, steckt aber, wie bereits erwähnt, in meinen Augen hinter Kennedy zurück. Der weibliche Part, dieses Mal von Susan Blakely dargestellt, verkörpert, wie in allen vorhergehenden Teilen, eine toughe Frau, die mit Problemen umzugehen weiß. Dieser in allen Teilen durchgängig gegenwärtige Aspekt macht für mich den Reiz dieser „Airport“-Filme mit aus. Blakely kann hier auch ohne weiteres gegenüber ihren Vorgängerinnen und Kolleginnen bestehen. Überhaupt ist schauspielerisch und regietechnisch an „Airport ’80 – Die Concorde“ nichts auzusetzen. Was aber, zumindest aus meiner Sicht, kolossal zu Buche schlägt, ist der Plot und die Ereignisse, die sich abspielen.
Die Concorde schafft es zum Beispiel, einer Rakete auszuweichen und überschlägt sich dabei ein paar Mal … ähm …
Während Schallgeschwindigkeit wird ein Fenster in der Pilotenkanzel aufgemacht, um eine Leuchtrakete abzufeuern … ähm …
Es gäbe noch einige weitere Vorfälle aufzuzählen, die mich einfach aufgrund ihrer absoluten Unwahrscheinlichkeit nicht gefallen (und auch gestört) haben.

„Airport ’80 – Die Concorde“ ist trotz dieser Logikfehler und Unstimmigkeiten dennoch äußerst rasant und teilweise auch richtig witzig. Das ist auch der Punkt, der mich dann letztendlich doch wieder zufrieden gestimmt hat, denn eines kann der letzte Teil der Reihe definitiv wieder: Unterhalten.
Dank Koch Media ist dieser erneute Meilenstein des Spannungskinos endlich in einer Komplett-Edition mit allen vier Teilen erhältlich. Die Bildbearbeitung ist durchwegs gelungen (soweit dies anhand des Ursprungsmaterials möglich war) und lässt die Filme in einem neuen Licht erstrahlen. Beim vorliegenden „Airport ’80 – Die Concorde“ leiden die Spezialeffekte unter der HD-Bearbeitung und bewegen sich teilweise auf Fernsehniveau. Das man damals aber auch hervorragende Effekte machen konnte, zeigen die vorangegangenen ersten drei Teile.
Erwähnenswert ist auch die auf den Discs verewigten Super 8-Fassungen, die man von jedem Film bewundern kann.

*

Fazit: Für mich noch immer der schlechteste Teil der Reihe, der aber dennoch mit tollen Schauspielern auftrumpfen kann.

©2020 Wolfgang Brunner

Verschollen im Bermuda-Dreieck – Airport ’77 (1977)

Airport 3

Originaltitel: Airport ’77
Regie: Jerry Jameson
Drehbuch: Michael Scheff, David Spector
Kamera:  Philip H. Lathrop
Musik: John Cacavas
Laufzeit: 114 Minuten
Darsteller: Jack Lemmon, Lee Grant, Brenda Vaccaro, George Kennedy, Joseph Cotton, Olivia de Havilland, James Stewart, Christopher Lee, Robert Foxworth
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

*

Eine Boeing 747 wird von Kunstdieben entführt und stürzt im gefürchteten Bermuda-Dreieck ab, wo es im Ozean versinkt. Die Überlebenden kämpfen um ihr Leben, als immer mehr Wasser in das Flugzeugwrack eindringt. Mit einer gewagten Rettungsaktion soll das  beschädigte Flugzeug an die Wasseroberfläche gebracht werden.

*

Es dauerte nicht ganz so lange wie zwischen den Teilen 1 und 2 bis eine dritte Fortsetzung der erfolgreichen „Airport“-Serie seinen Weg in die Kinos fand. Und, man mag es kaum glauben, das dritte Abenteuer toppt in Sachen Spannung, Schauspielerleistungen, Setting und Handlung seine beiden Vorgänger. Alleine die Handlung hebt sich dermaßen von den anderen beiden Filmen, und auch dem letzten Teil, ab, dass sie einem nicht mehr aus dem Kopf geht. Schon als Jugendlicher empfand ich „Verschollen im Bermuda-Dreieck“ als besten Teil der Reihe.  Das lag (und liegt noch immer) in erster Linie an der faszinierenden Verbindung von Luft und Wasser. Die Handlung spielt sich nämlich nicht nur in der Luft ab, sondern größtenteils auch unter der Wasseroberfläche (aber noch immer in einem Flugzeug). Diese Kombination ist atemberaubend und bringt eine unvergleichliche Atmosphäre zustande, der man sich nicht entziehen kann.

Hinzu kommt die hervorragende Leistung von Jack Lemmon. Seine Rolle als Captain Don Gallagher ist für mich immer noch eine seiner besten Darstellungen. Das Szenario eines im Meer versunkenen Flugzeugs war seinerzeit absolut unverbraucht und innovativ. Die Drehbuchautoren vermischten galant die Plots erfolgreicher Katastrophenfilme wie „Airport“ und „Höllenfahrt der Poseidon“ und schufen ein enorm beeindruckendes Setting. Was mir persönlich gefallen hat, den damaligen Kritikern aber eher sauer aufstieß, ist die Tatsache, dass die sich in Gefahr befindlichen Passagiere nicht permanent hysterisch benommen, sondern meist die Ruhe bewahrt haben. Das war für mich ein äußerst realistischer Aspekt, den die meisten Menschen werden in solch einer Situation nicht unentwegt kreischen und die Nerven verlieren. Trotz aller Dramatik strahlt „Verschollen im Bermuda-Dreieck“ auf gewisse Art und Weise Ruhe aus.

Das Mitwirken von damaligen Stars wie Olivia De Havilland, Christopher Lee, James Steward und Robert Foxworth äußerte sich ebenfalls als Magnetwirkung, um „Verschollen im Bermuda-Dreieck“ zu einem ansehnlichen Erfolg zu machen. Für heutige Sehgewohnheiten wirkt alles (leider) ein wenig unspektakulär, aber bedenkt man die damaligen Mittel, die zur Verfügung standen, gelangen der Crew eindrucksvolle Effekte und Aufnahmen. Und wie so oft bei Filmen dieser Art, kann das Ganze dann auch noch mit einem nostalgischen Sympathiebonus punkten. „Verschollen im Bermuda-Dreieck“ ist einer jener Katastrophenfilm-Klassiker, die ich mir immer wieder ansehen könnte.
Dank Koch Media ist dieser Meilenstein des Spannungskinos endlich in einer Komplett-Edition mit allen vier Teilen erhältlich. Die Bildbearbeitung ist durchwegs gelungen (soweit dies anhand des Ursprungsmaterials möglich war) und lässt die Filme in einem neuen Licht erstrahlen.
Erwähnenswert ist auch die auf den Discs verewigten Super 8-Fassungen, die man von jedem Film bewundern kann.

*

Fazit: Für mich der beste Teil der „Airport“-Reihe.

©2020 Wolfgang Brunner

Giganten am Himmel – Airport ’75 (1975)

Airport 2

Originaltitel: Airport ’75
Regie: Jack Smight
Drehbuch: Don Ingalls
Kamera:  Philip H. Lathrop
Musik: John Cacavas
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Charlton Heston, Karen Black, George Kennedy, Gloria Swanson, Efrem Zimbalist jr., Susan Clark, Linda Blair, Myrna Loy
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

*

Eine Boeing 747 kollidiert mit einem Kleinflugzeug. Der Pilot wird schwer verletzt, so dass eine Stewardess mit Unterstützung eines Fluglehrers per Funk versucht, die Maschine zu steuern und einen Absturz zu verhindern. Doch das Flugzeug rast direkt auf eine Gebirgskette zu und verliert zusätzlich auch noch Benzin.

*

Fünf Jahre vergingen, bevor sich jemand getraut hat, eine Fortsetzung der erfolgreichen Literaturverfilmung von Arthur Haileys „Airport“ zu drehen. Die Erwartungshaltung war natürlich groß, als der Film in die Kinos kam. Aber Regisseur Jack Smight hat es tatsächlich geschafft, den Spannungsbogen auf jeden Fall zu halten beziehungsweise für einige Zuschauer sogar noch zu toppen. Eines ist aber unbedingt positiv hervorzuheben: Drehbuchautor Don Ingalls hat sich nicht dazu hinreißen lassen, sich auf dem Erfolg des Originalfilms auszuruhen und einen ähnlichen Plot geschrieben, sondern er ging einen neuen Weg und brachte frischen Wind in den Katastrophenfilm.
Wieder sind, wie schon beim ersten Teil, jede Menge Stars der damaligen Zeit auf der Besetzungsliste zu finden, allen voran natürlich Charlton Heston. Er spielt auf gewohnt hohem Niveau, muss sich aber dennoch gegen die hervorragend agierende Karen Black behaupten, die eine beeindruckend toughe Frau darstellt.

„Giganten am Himmel“ ist pure Unterhaltung, die über die gesamte Spieldauer fasziniert. Bedenkt man das Alter des Films, so muss man seinen virtuellen Hut vor der Crew ziehen, die die Spezialeffekte gemacht hat. An manchen Stellen mutet das Ganze wie ein perfekt inszenierter Teil aus der James-Bond-Reihe an, so atemberaubend sind die Trickaufnahmen. Besonders Spaß macht auch der Auftritt der einstigen Diva aus der Stummfilmära Gloria Swanson. Die Dame spielt sich selbst, was noch einen zusätzlichen Bonus darstellt. Wer sich ein wenig mit der Stummfilmzeit und ihren Leinwandgöttinen auseinandergesetzt hat, wird Swanson in dieser Rolle lieben.  Zwei Jahre nach ihrem Erfolg als dämonenbesessene Regan in William Friedkins „Der Exorzist“ ist die junge Linda Blair an Bord des Flugzeugs und kann auch hier wieder mit ihrer natürlichen Art absolut überzeugen.

Gegenüber seinem Vorgänger „Airport“ lässt sich „Airport ’75“ weitaus weniger Zeit, um richtig Fahrt aufzunehmen. Während man sich im Original mehr um die Charaktere kümmerte, legt man in der Fortsetzung gleich los, um dem Publikum genau das zu bieten, was es erwartet: Nämlich einen handfesten, spannenden Thriller über den Wolken. „Airport ’75“ ist in dieser Hinsicht besser wie sein Original.
Dank Koch Media ist dieser weitere Meilenstein des Spannungskinos endlich in einer Komplett-Edition mit allen vier Teilen erhältlich. Die Bildbearbeitung ist durchwegs gelungen (soweit dies anhand des Ursprungsmaterials möglich war) und lässt die Filme in einem neuen Licht erstrahlen.
Erwähnenswert ist auch die auf den Discs verewigten Super 8-Fassungen, die man von jedem Film bewundern kann.

*

Fazit: Spannender und spektakulärer als der Vorgänger „Airport“.

© 2020 Wolfgang Brunner

Airport (1970)

Airport

Originaltitel: Airport
Regie: George Seaton
Drehbuch: George Seaton
nach dem Roman von Arthur Hailey
Kamera:  Ernest Laszlo
Musik: Alfred Newman
Laufzeit: 137 Minuten
Darsteller: Burt Lancaster, Dean Martin, Jean Seberg, Jaqueline Bisset, George Kennedy, Helen Hayes, Maureen Stapleton, Barry Nelson
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

*

Durch vehemente Schneestürme blockiert ein liegengebliebenes Flugzeug die Landebahn eines Flughafens, während sich bereits eine weitere Maschine im Anflug befindet. Doch nicht nur die blockierte Landebahn stellt ein Problem dar, denn an Bord der im Landeanflug befindlichen Maschine ist auch noch ein Psychopath mit einer Bombe. Sowohl für den Flughafendirektor als auch den Kapitän des Passagierflugzeugs beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

*

„Airport“ stellt neben „Flammendes Inferno“, „Erdbeben“ und „Höllenfahrt der Poseidon“ – um nur einige zu nennen – einen der wichtigsten Vertreter des in den 1970er Jahren aufgekommenen Katastrophenfilm-Booms dar. Zu Recht, wie man nach einer Sichtung nach fast fünfzig Jahren feststellen muss. Dieser Klassiker ist angenehm gealtert und zeigt beeindruckend, wie Kino damals funktioniert hat und eigentlich noch heute funktionieren müsste. In aus heutiger Sicht fast schon unspektakulärer Weise wird eine äußert spannende Geschichte erzählt, bei der aber auch noch Beachtung auf die Charaktere gelegt wird. „Airport“ wurde nach dem erfolgreichen Roman von Arthur Hailey unter der Regie von George Seaton umgesetzt und konnte mit einer Reihe bekannter Schauspielerinnen und Schauspieler aufwarten. Da der Film technisch perfekt umgesetzt war, konnte er sowohl die Kritiker als auch das Publikum überzeugen und war für den Oscar in neun Kategorien nominiert.

Interessant ist auch, dass der Zuschauer hier das erste Mal einen fast schon detailgetreuen Ablauf eines Arbeitstages am Flughafen zu sehen bekommt. Gewürzt mit persönlichen Schicksalen wird diese Normalität vermischt mit dem Katastrophenszenario eines Unwetters und eines Attentäters. Dieser Mix ist hervorragend gelungen und lässt in keiner Minute Langeweile aufkommen, obwohl der Film über zwei Stunden dauert. Trotz seiner eher langatmigen und ruhigen Inszenierung kann der Film auch in der heutigen Zeit einen absolut in den Bann ziehen, vorausgesetzt man kann sich auf diese (leider) „veraltete“ Inszenierungsweise einlassen. „Airport“ ist und bleibt ein Klassiker des Katastrophenfilms und wird immer seine Anhänger haben. Dank Koch Media ist dieser Meilenstein des Spannungskinos endlich in einer Komplett-Edition mit allen vier Teilen erhältlich. Die Bildbearbeitung ist durchwegs gelungen (soweit dies anhand des Ursprungsmaterials möglich war) und lässt die Filme in einem neuen Licht erstrahlen.
Erwähnenswert ist auch die auf den Discs verewigten Super 8-Fassungen, die man von jedem Film bewundern kann.

*

Fazit: Unumstößlich noch immer ein Klassiker des Katastrophenfilms.

© 2020 Wolfgang Brunner