Unruhe (2020)

Originaltitel: Unruhe
Regie: Marcello Filippelli
Drehbuch: Marcello Filippelli
Kamera: Simon Menrath
Musik: Arkadius Sojka
Laufzeit: 10 Minuten
Darsteller: Peter Skoda, Xenia Kitzmann, Mia Filippelli
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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In einer Gesellschaft voller Druck und vermeintlich wichtigen Zielen wird das Wichtige im Leben immer mehr zurückgedrängt. Zeit und ständige Verfügbarkeit über Mobiltelefone werden zum wichtigsten Gut für viele Menschen! Doch was bleibt, wenn sich der Sturm dieses Leistungsdrucks gelegt hat und man erkennt, was wirklich zählt im Leben?

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Es gibt Filme, die einen sprachlos machen, die einem wahrscheinlich nie wieder aus dem Kopf gehen, weil sie unserer Gesellschaft einen Spiegel vors Gesicht halten und zeigen, wie wichtig bestimmte Dinge im Leben sind. „Unruhe“ von Marcello Filippelli ist so ein Film, und das auch noch, obwohl es sich hier sogar „nur“ um einen Kurzfilm handelt. Filippelli packt in seine Bilder so viele Emotionen hinein, das man fast platzt. Unterstrichen wird das Ganze von einem unglaublich intensiven, schönen, traurigen, melancholischen Score von Arkadius Skoja, der einem das Herz zerreißt. Diese Musikuntermalung ruft eine Atmosphäre hervor, die zwischen unerträglicher Sehnsucht und eindringlicher Melancholie schwankt und den Zuschauer unweigerlich in de Gefühlswelt des Protagonisten mitnimmt. Es ist so intensiv, was in diesen zehn Minuten passiert.

Schauspielerisch ist es eine wahre Wonne, diesen drei Personen zuzusehen. Peter Skoda, der bereits in Filippellis Kurzfilm „Das Unternehmen“ absolut überzeugen konnte, macht auch hier eine unglaublich gute und überzeugende Arbeit. Jede seiner Handlungen und auch seine Emotionen sind glaubwürdig. Ebenso Xenia Kitzmann als Ehefrau. Auch wenn sie nicht so oft im Bild erscheint, so spielt sie ihre Rolle optimal. In ihrer Zurückhaltung spiegelt sich ein Schmerz wider, der wehtut. Überhaupt ist das ganze Szenario angelegt wie ein (Alb)Traum, aus dem keiner der Protagonisten entkommt. Und die Tochter des Regisseurs, Mia Filippelli, verdient ein großes Lob für ihre erste Rolle, die sie souverän meistert. Auch wenn sie nicht oft zu sehen ist, so erinnert man sich dennoch an ihre Auftritte.
Doch was jetzt vielleicht wie eine deprimierende Fahrt in die Emotionen eines Vaters klingt, entwickelt sich auch zu einem hoffnungsvollen Aspekt, der mir noch im Nachhinein einen Schauer über den Rücken jagt. Ohne erhobenen Zeigefinger zeigt uns Regisseur Filippelli, auf was wir im Leben die Prioritäten legen sollten.

Zu guter Letzt muss ich nochmals auf den grandiosen Score von Arkadius Skoja kommen, der zusammen mit der einfühlsamen Regiearbeit und genialen Kameraführung, ein Gesamtbild erschafft, das ich in seiner Intensität wahrscheinlich wirklich nie wieder vergessen werde. Die Mischung aus Orchester und elektronischer Musik hat mich vollkommen mitgerissen und zusammen mit den Bildern und der Aussage des Films tief im Inneren bewegt. Der Kurzfilm hat mich sehr mitgenommen und am Ende habe ich Tränen vergossen. Man kann sich bei Marcello Filippelli nur bedanken für diesen Film, der einem die Augen öffnet und zum Nachdenken anregt. Für mich ist „Unruhe“ einer der besten Kurzfilme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Es sind perfekte zehn Minuten. Er fügt sich nahtlos in das bisherige beeindruckende Gesamtwerk des Regisseurs ein und zeigt wieder einmal, dass manchmal die besten Filme nicht von großen Studios kommen müssen.

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Fazit: Mitreißend, emotional, melancholisch und hoffnungsvoll. Einer der besten Kurzfilme des Jahres 2020.

©2020 Wolfgang Brunner

Der Tod ist nicht umsonst (2020)

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Originaltitel: Der Tod ist nicht umsonst
Regie: Dorian Valentino
Drehbuch: Thomas Goersch
Kamera:  Dorian Valentino
Musik: Martin Gerke
Laufzeit: 23 Minuten
Darsteller: Thomas Goersch, Timur Güler, Maximilian Winter
Genre: Kurzfilm, Komödie, Krimi, Gay
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Ben und Nick sind ein Paar. Und sie haben ein Problem. Denn Ben ist fremdgegangen und dabei … nun ja, verlor sein Liebhaber das Leben. Jetzt soll Marc den beiden aus der Patsche helfen. Aber Marc will dafür eine ganz spezielle Belohnung haben und möchte gerne Ben und Nick in seinem Bett sehen. Und zwar nackt …

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„… und dann vergraben wir den Veganer“, sagt Marc, der sich bereits auf seine Belohnung freut. „Der Tod ist nicht umsonst“ ist ein witziger Kurzfilm, den man nicht allzu ernst nehmen sollte und der ungemein Spaß macht, wenn man sich sowohl auf die Handlung als auch auf die drei Akteure einlassen kann. Vor allem Timur Güler hat es mit mit seinem natürlichen Schauspiel angetan. Aber auch Thomas Goersch und Maximilian Winter passen absolut gut. Goersch, der auch das Drehbuch verfasst hat, kenne ich bereits aus anderen Filmen und auch hier konnte er mich überzeugen. Winter geht anfangs ein wenig unter und erhält erst in der zweiten Hälfte mehr Aufmerksamkeit, so dass letztendlich die Rollenverteilung unter den drei Protagonisten ziemlich gleich ausfällt.

Besonders gefallen haben mir die humorvollen Dialoge und die daraus resultierende, schauspielerische Situationskomik der drei Protagonisten. Immer wieder fallen Sätze, die szenetypisch sind und einem ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern. „Der Tod ist nicht umsonst“ ist ein Projekt, dem man ansieht, wie viel Spaß die Macher dabei hatten. Ohne viel Aufwand wurde eine unterhaltsame Geschichte inszeniert, die in erster Linie von den Schauspielern lebt. Im Gegensatz zu seinem Kurzfilm „Sommerkälte“, der auf düstere Art und Weise die Einsamkeit eines Mannes beschreibt, begibt sich Regisseur Dorian Valentino hier auf eine vollkommen andere Reise, was aber nicht heißt, dass diese genauso unterhaltsam ausfällt. Nur eben anders. Es ist aber gerade die Einfachheit der Inszenierung, die einem dann doch irgendwie im Gedächtnis haften bleibt.

Insgesamt betrachtet wird der Independentfilm wahrscheinlich – wie so viele solcher Produktionen – die Lager spalten. Die einen werden ihn mögen, dazu zähle ich, andere werden in ihm nichts wirklich Besonderes sehen. Das ist natürlich alles immer Geschmackssache, nur sollte man dabei immer eines im Auge behalten. Hinter jedem Projekt dieser Art steckt eine Menge Herzblut und die Beteiligten geben ihr Bestes, um daraus ein für sie zufriedenstellendes Ergebnis abzuliefern. „Der Tod ist nicht umsonst“ ist genau so ein Herzensprojekt, dem man genau dieses auch noch ansieht. Ich fühlte mich über zwanzig Minuten lang absolut unterhalten und schloss die Darsteller in mein Herz. Genau dies schafft so manche größere Produktion in einer fünf Mal so langen Spieldauer nicht – was will man also mehr? 😉
Ich war jedenfalls von Dorian Valentinos Gay-Krimi-Komödie positiv und angenehm überrascht und werde Regisseur und Schauspieler in Zukunft im Auge behalten.

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Fazit: Sympathische und amüsante Gay-Krimi-Komödie.

© 2020 Wolfgang Brunner

The No Budget Passion Of The Christ (2019)

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Originaltitel: The No Budget Passion Of The Christ
Regie: Klaus Thiel-Klenner
Drehbuch: Klaus Thiel-Klenner
Kamera:  José Hidalgo
Musik: –
Laufzeit: 7 Minuten
Darsteller: Klaus Thiel-Klenner
Genre: Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.a.

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Die Geschichte der Kreuzigung einmal anders: aktuell, kritisch und dem Zeitgeist der Filmbranche angepasst …

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„The No Budget Passion Of The Christ“ ist eine gnadenlose, aber auch äußerst stimmige Abrechnung mit dem religiösen Glauben und den dazugehörigen Lehren. Thiel-Klenner, der mir bereits in gelungenen Independent-Filmen wie etwa „Z-Office“ oder „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ aufgefallen ist, hat mit diesem Kurzfilm einen äußerst intelligenten (und natürlich auch witzigen) Kurzfilm gedreht, der trotz alles Humors zum Nachdenken anregt. In erster Linie geht es um die von der Kirche und deren meisten Gläubigen praktizierende Homophobie, die Thiel-Klenner mit Witz, aber auch Eindringlichkeit kritisiert („Logisch ist das nicht. Und fair ist das auch nicht. Erst erschaffen und dann verbieten“). Er weist auf die schon lange nicht mehr zeitgemäßen Auslegungen der Heiligen Schrift hin und geht mit direkten Worten gegenüber den „Verantwortlichen“ zu Gericht. Es bleibt einem tatsächlich auch schon mal das Lachen in der Kehle stecken, wenn Thiel-Klenner gegen die Kirche „wettert“. Aber genau dieser harte Weg ist gut so, denn anders wird die Problematik und Sinnlosigkeit dieses Verhaltens nicht verstanden.

Aber es geht nicht nur um religiöse Aspekte, die Thiel-Klenner in seinem Kurzfilm behandelt. Er widmet sich auch den in den letzten Jahren aufgekommenen Hype um bombastische Spezialeffekte in Blockbustern, die so ziemlich jeden Film eines engagierten Filmemachers aus dem Rennen werfen. Der immer wiederkehrende Satz „das könne man nachher noch digital bearbeiten“ zeigt auf, wie wenig der Großteil der heutigen Filme noch mit wirklicher Schauspielkunst zu tun haben. Auch das macht nachdenklich und fordert geradezu heraus, sich nicht länger nur mit Millionen teuren Blockbustern zu beschäftigen, sondern sich auch einmal unabhängigen Low-Budget-Filmen (wie auch zum Beispiel „The No Budget Passion Of The Christ“ einer ist) zuzuwenden. Genau genommen ist dieser Kurzfilm eine Art Hilferuf, aber gleichzeitig auch eine Ode an echtes Schauspiel und Filmemachen. Je öfter ich mir diesen Kurzfilm ansehe, desto begeisterter bin ich zum einen von seiner Inszenierung und zum anderen von seiner Aussage. Und diese Statements in Form eines amüsanten Kurzfilms darzustellen ist genial.

Klaus Thiel-Klenner hat einen eigenen und besonderen Humor, mit dem man sich vertraut machen muss, um den Film auch richtig zu begreifen. Deshalb sollte man sich „The No Budget Passion Of The Christ“ auch nicht nur einmal ansehen und darüber urteilen, sondern sich das Vergnügen mehrmals gönnen, um auch alle Details zu bemerken. Der sympathische Schauspieler übernimmt Regie, Hauptrolle, Drehbuch und Produktion selbst, was wiederum zeigt, wie schwierig es heutzutage ist, etwas auf die Beine zu stellen, das sich nicht innerhalb eines großen Budgets bewegt. „Echte“ Filme, in denen Schauspieler, Skripte und Regisseure noch eine große Rolle spielen, gibt es leider nicht mehr sehr oft. Wie bereits oben erwähnt, beginnt man über die Filmbranche nachzudenken, wenn man Thiel-Klenners Kurzfilm ansieht. Interessant ist vor allem, dass vieles gar nicht so direkt ausgesprochen wird, der geneigte Zuseher aber dennoch sofort weiß, was damit gemeint ist.
Man sollte unbedingt den Film auch bis zu Ende sehen, denn Thiel-Klenner serviert nach dem Abspann noch einen wirklich hervorragenden Gag, der wiederum vielen Blockbuster-Regisseuren in den Mund gelegt werden könnte, die nicht des Films sondern des Profits wegen tätig wurden.

Auch hinter der Kamera trifft man einen alten Bekannten, wenn man sich mit dem unabhängigen deutschen Film beschäftigt: José Hidalgo, der auch für den Schnitt verantwortlich ist und zusammen mit Klaus Thiel-Klenner schon mehrmals zusammengearbeitet hat. Auch hier erweist sich das Gespann als äußerst teamfähig. „The No Budget Passion Of The Christ“ wird leider viele mit seinen Botschaften nicht erreichen, weil er nicht Mainstream tauglich genug ist. Schade, denn genau solche Zuseher hätte dieses ehrgeizige Projekt verdient, um ihnen die Augen für eine neue Art von Filmen zu öffnen: dem unabhängigen Autorenkino, bei dem Schauspiel mehr als Budget zählt.
Wer den Film noch nicht kennt und sich selbst ein Bild von „The No Budget Passion Of The Christ“ machen will:

Fazit: Kirche und Filmbranche haben nichts zu lachen, der Zuschauer schon. 🙂 Und dennoch bleibt einem manchmal das Lachen im Hals stecken, weil alles, was Klaus Thiel-Klenner sagt, leider der Wahrheit entspricht. Unbedingt (mehrmals) ansehen.

© 2020 Wolfgang Brunner

Das schwäbische Sägewerkmassaker 1 & 2 (2015/ 2019)

 

Originaltitel: Das schwäbische Sägewerkmassaker
Regie: Madman Marv
Drehbuch: Madman Marv
Kamera: Ronny Zito, El Excremento
Musik: Musica Non Grata (Stephan Ortlepp)
Laufzeit: Teil 1: 23 Minuten / Teil 2: 35 Minuten
Darsteller: Teil 1 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Thomas K., Nosegrinder, Flo Grinder, Kelly Carlito
Teil 2 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Schenzellot, Iggi Braineater, Zwenner, Christoph Choleriko, Alex Armageddon, Hugo, Joe, Nasus Grindus, Hiller
Genre: Horror, Splatter, Kurzfilm, Amateur, Independent
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Ein Serienkiller ist in Schwaben unterwegs. Er macht Jagd auf die Mitarbeiter eines Sägewerks und schreckt vor nichts zurück …

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Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich für die beiden Teile jeweils eine separate Rezension verfasse. Letztendlich habe mich aber dazu entschieden, eine Gesamtbesprechung zu schreiben, denn die Filme gehören meiner Meinung nach unbedingt zusammen, obwohl zwischen den beiden Werken ein qualitativer Unterschied besteht.
Teil 1 dieses abgefahrenen Amateursplatters wirkt tatsächlich so richtig amateurhaft, was aber wiederum absolut unterhaltsam (und äußerst sympathisch) wirkt. Man spürt den Spaß in jeder Filmminute, den die ‚Schauspieler‘, aber auch das ganze Team während der  Dreharbeiten hatten. Ich fühlte mich sofort wieder an die eigene Zeit erinnert, als ich ebenfalls solche ‚Projekte‘ mit Freunden auf die Beine gestellt habe (welcher Filmfreak hat das nicht bereits als Kind und/oder Jugendlicher gemacht? 🙂 )
Interessant sind auf jeden Fall die zahlreichen Anspielungen auf Kultfilme und Klassiker aus dem Horrorgenre. Wenn zum Beispiel Lucio Fulci als ehemaliger Chef des Sägewerks betitelt wird, finde ich das schon ziemlich geil.

Nun aber zum Inszenierungsstil beziehungsweise den Schauspielleistungen und Spezialeffekten. Man merkt eindeutig, dass Regisseur Madman Marv ein Liebhaber der 80er Jahre-Horrorfilme ist, denn in vielen Einstellungen sieht man, wie er seinen Vorbildern nacheifert und dies auch oft überzeugend erreicht. Beide Teile von „Das schwäbische Sägewerkmassaker“ darf man nicht sonderlich ernst nehmen, viel zu viel Klamauk (und Spaß an der Freude) stecken darin, aber dennoch gibt es die ein oder andere Einstellung, die ein Gespür für cineastische Dramaturgie verrät. Das Endergebnis ist schlichtweg ein absolut toller Spaß, dem man gerne zusieht. Die derben Spezialeffekte schwanken zwischen übertrieben simpel und ganz gut gelungen. Aber auch hier ist einfach ausschlaggebend, welche Intentionen dahinterstecken und man muss schon sagen, dass selbst die (für viele mit Sicherheit lächerlich wirkenden) Splattereinlagen dennoch auf gewisse Art und Weise eine Wirkung zeigen. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese mit sozusagen keinem Budget auf die Beine gestellt wurden. Ich mochte es auf jeden Fall. 😉

Schauspielerisch kann man nicht viel sagen, denn alle Akteure sind durch die Bank Amateure. Doch zumindest aus dieser Sicht haben sie ihre Sache ausnahmslos gut gemacht und, wie schon erwähnt, der Spaß ist es, der bei diesen beiden Kurzfilmen zählt. Während man den ersten Teil mit seinen übertriebenen Verkleidungen überhaupt nicht ernst nehmen kann (und auch nicht soll), sieht es beim zweiten Teil schon ein wenig anders aus. Die Schauspieler agieren bedeutend besser und auch die Inszenierung gibt sich um ein Vielfaches Mühe, etwas ernster zu wirken. Das funktioniert genauso gut wie die Effekte, die bedeutend brutaler und auch glaubwürdiger ausfallen, obwohl man sich auch hier wieder mit den einfachsten Mitteln hilft.
Erwähnenswert ist unbedingt noch der Score von Musica Non Grata, hinter dem sich Stephan Ortlepp verbirgt. Die Sounds und die Musik haben wir supergut gefallen und den Filmen zu einer Atmosphäre verholfen, die ohne die Klänge nicht vorhanden gewesen wäre.

Insgesamt haben mich beide Teile auf gewisse Art und Weise begeistert (klingt komisch, ist aber so), weil ich mich wirklich hervorragend (übrigens ohne Alkohol 😉 ) amüsiert habe und den fühlbaren Spaß der Macher beim Zusehen gespürt habe. Handlungstechnisch geben die beiden Kurzfilme nichts her, müssen sie aber auch gar nicht, denn das erwartet niemand von einem derartigen No Budget-Amateurfilm. Hier heißt es wirklich: Hirn aus und die flachen Witze und stümperhaften (aber dennoch geschickt) gemachten Effekte einfach auf sich einprasseln lassen. Es ist ein besonderer Humor, der einen hier erwartet, und man mag ihn entweder und schüttelt verständnislos den Kopf. Ich mag ihn und werde mir beide Filme bei Gelegenheit mit Sicherheit nochmals ansehen. Außerdem freue ich mich jetzt umso mehr auf den ersten Langfilm von Madman Marv mit dem Titel „Die Dämonische Mörderoma“, den René Wiesner bereits gesehen und rezensiert hat.

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Fazit: Man kann diese beiden Kurzfilme genau genommen gar nicht richtig bewerten, sondern müsste eher eine Amüsierskala einführen und verwenden. Auf dieser erreichen sie bei mir allerdings auch auf alle Fälle das obere Viertel.

© 2019 Wolfgang Brunner

Das Wundern des jungen Ulysses (2019)

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Originaltitel: Das Wundern des jungen Ulysses
Regie: René Wiesner
Drehbuch: René Wiesner
Kamera: René Wiesner
Musik: Stephan Ortlepp
Laufzeit: 17 Minuten
Darsteller: –
Genre: Kurzfilm, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Eine verlassene Wohnung, in der ein schlimmes Schicksal ihre Spuren hinterlässt.

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Ein neuer Kurzfilm von René Wiesner, der mich natürlich sehr neugierig macht, da ich seinen letzten Film „Ossarium“ sehr gelungen und gut fand. „Das Wundern des jungen Ulysses“ beginnt auf ähnliche Weise und man weiß lange Zeit nicht, was einen erwartet und um was es in diesem Kurzfilm eigentlich geht. Man betrachtet die verlassene Wohnung, sieht den Bildern zu und lässt plötzlich seine eigenen Gedanken schweifen. Man erinnert sich an Begebenheiten des eigenen Lebens, zieht sozusagen Bilanz, während man darauf wartet, dass etwas in Wiesners neuem Film passiert. Aber es geht ruhig weiter, wie es auch begonnen hat. Und irgendwann ist es dann soweit und die Magie dieser melancholischen Bilder, übrigens genial untermalt von Stephan Ortlepp, packt einen, zieht einen in den Bann und lässt einen nicht mehr los. Und während man weiter über den Film (und auch sich selbst) nachdenkt, erschließen sich von einem Moment auf den anderen immer mehr Perspektiven, die der Film aufzeigt. Man befindet sich irgendwann in einem Strudel, dem man nicht mehr entkommen kann.

Ich möchte es fast schon als kleines filmisches Wunder bezeichnen, was René Wiesner da inszeniert hat. Denn so minimalistisch und banal „Die Wunder des jungen Ulysses“ auf den ersten Blick daherkommen mag, umso bombastischer entwickelt er sich zu einem konsequenten, dramatischen Ende, das ab einem gewissen Moment fast schon wie eine Bombe im Kopf des Zuschauers detoniert. Wiesner hat es mit seinem Kurzfilm tatsächlich geschafft, mich über Tage hinweg zu beschäftigen. Immer wieder geistern diese „einfachen“ Bilder durch meinen Kopf und ich meine fast, Ortlepps unheilschwangere, düstere Töne zu hören. „Das Wundern des jungen Ulysses“ verwundert, fasziniert und schockiert eher erst, nachdem man den Film gesehen hat. Sicherlich breitet sich während der Sichtung bereits ein mulmiges Gefühl in der Magengegend aus, wenn man langsam aber sicher bemerkt, um was es geht. Aber weitaus beeindruckender ist dieser Effekt, nachdem der Film zu Ende ist und man darüber nachzudenken beginnt.

Dieser Kurzfilm zeigt wieder einmal, dass man mit wenig finanziellen Mitteln etwas auf die Beine stellen kann, das nachhaltig Wirkung zeigt. Dramaturgisches Geschick, filmisches Inszenierungsvermögen und vor allem die Fähigkeit, eine Geschichte erzählen zu können. Und das, obwohl im Grunde genommen nicht einmal jemand mitspielt.  Ich muss sagen, dass mich dieser Kurzfilm geflasht hat. Es bedarf schon einer gewissen Feinfühligkeit, sich solche einem Thema anzunehmen und dies dann auch noch unspektakulär und ruhig in Szene zu setzen. Gerade diese Zurückhaltung in der Inszenierung verschafft dem Zuschauer ein weitaus beklemmenderes Gefühl, als hätte man das Thema reißerisch (und brutal) aufgearbeitet. Wieder einmal hat mich René Wiesner mit seinem filmischen Können überzeugen können, dieses Mal vielleicht sogar am meisten von all seinen kreativen Arbeiten. Ich bin schon sehr gespannt, was wir in Zukunft noch von ihm zu sehen bekommen. Auf alle Fälle volle Punktzahl für „Das Wundern des jungen Ulysses“.

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Fazit: Minimalistisches, aber gerade deswegen umso eindringlicheres Kurzfilm-Drama.

© 2019 Wolfgang Brunner

Swedish Horse Movie [Hästfilmen] (2018)

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Originaltitel: Swedish Horse Movie
Regie: Yngve Stigberg
Drehbuch: Yngve Stigberg
Kamera: Daniel Falk
Sound: Patrik Brander
Laufzeit: 17 Minuten
Darsteller: Emil Levin, Eliza Sica, Kristoffer
Genre: Drama, Indiefilm
Produktionsland: Schweden
FSK: in Deutschland unveröffentlicht

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Ein Mann kehrt nach zweiwöchiger Arbeit zurück nach Hause, wo seine Frau auf ihn wartet. Beim gemeinsamen Abendessen treten allerhand Beziehungsprobleme zutage. Eines davon ist das Familienpferd, ein Hengst.

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Der Titel ließ mich einen Moment zögern, da ich schon dachte ins falsche Regal gegriffen zu haben, erinnert er doch an so berüchtigte Titel wie Vase de Noces, der auch unter dem Namen The Pig Fucking Movie bekannt ist. Da Swedish Horse Movie (alternativ Hästfilmen) offensichtlich aus Skandinavien kommt, musste ich auch einen Moment an Animal Farm denken, aber da bin ich wahrscheinlich der Einzige. Vergessen wir das…

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Der Schwarz-Weiß-Kurzfilm beginnt mit einem Nachruf auf den schwedischen Regisseur Ingmar Bergman, der 2018 100 Jahre alt geworden wäre. Das verwundert nicht, haben in den letzten Jahren doch mehrere junge schwedische Filmemacher, wie u.a. Gustav Ljungdahl (Root of Darkness, 2016) sich dem filmischem Nationalerbe angenommen und es neu interpretiert. So handelt es sich bei diesem Indiefilm erfrischender Weise auch um keine Blut-und Gewaltorgie, wie es häufig der Fall ist. In erster Linie handelt es sich um ein Drama, welches stilistisch stark an Bergmans Werk angelehnt ist. Besonders der Anfang und das Ende sind sehr ruhig und dialogisch gehalten und legen das Augenmerk auf die Beziehung der Protagonisten. Verlustängste, Ansprüche und Bedürfnisse, denen innerhalb in der Beziehung nicht nachgekommen wird, sind der Auslöser ihrer Probleme. In Ermangelung von Nähe und Wärme, die die Frau in der Beziehung nicht findet, treibt es sie in eine Affäre mit dem Pferd. Das Pferd ist in diesem Fall ein comichaft-maskierter Mann mit übernatürlichem Gemächt, der hier eine metaphorische Aufgabe erfüllt. Für den Protagonisten ergibt sich daraus nur eine Möglichkeit zur Restauration seiner Maskulinität: die Kastration des Hengstes zu sakralen Klängen. Bevor er wieder zur Arbeit aufbricht übergibt er das Genital seiner Frau als Geschenk um klarzumachen, dass er wieder da ist. Freud lässt grüßen!

Der Film ist Teil der Anthologie Chunks of Horror, die man sich für einen kleinen Obolus auf Vimeo anschauen kann.

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Fazit: Sehenswerte Mischung aus Indiekomödie und Bergman’schem Drama.

© René Wiesner 2018

Ohne dich (2018)

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Originaltitel: Ohne dich
Regie: Benjamin Bechtold
Drehbuch: Benjamin Bechtold
Kamera: Marc Schiemann
Musik: Richard Albert, Aljoscha Reinhardt
Laufzeit: 9 Minuten
Darsteller: Nikolai Will, Lilly Volk, Swantje Riechers
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Ein Mann auf der Suche nach der Liebe seines Lebens. Und nach etwas vollkommen anderem …

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Da ist es wieder: Das Gespann Benjamin Bechtold und Nikolai Will, das mich schon mit der kleinen Nachtgeschichte „Dämonisch“ begeistern konnte. Und mit „Ohne dich“ tun sie es aufs Neue. Es ist immer wieder toll, Nikolai Will dabei zu beobachten, wie er in seinen Rollen aufgeht. Hinzu kommt die sehr feinfühlige, fast schon poetische Inszenierung durch Benjamin Bechtold, die dem knapp neunminütigen Genremix aus melancholischem Liebesschmerz und kaltblütigem Thriller wieder einmal eine ganz besondere Note verleiht. Ich hätte den Bildern und dem Agieren von Nikolai Will gut und gerne eineinhalb Stunden zusehen können, so eindringlich ist das Ergebnis wieder geworden. „Ohne dich“ kann man gar nicht so einfach beschreiben, denn er bewegt sich, wie oben schon erwähnt, tatsächlich zwischen verschiedenen Genre und hinterlässt den Zuseher einerseits mit einer schmerzlichen Sehnsucht nach Liebe und andererseits mit einer schockierenden Konsequenz, mit der man am Ende konfrontiert wird.

Doch über die an sich grauenhafte Handlung legt sich ein nostalgischer Schleier, der wunderschön ist.  Genau diese Gratwanderung, nämlich ein „schlimmes“ Thema zu verzerren und sozusagen aus der geschönten Sicht eines „Täters“ zu zeigen, möchte ich fast schon typisch für die Zusammenarbeit von Bechtold und Will bezeichnen. „Ohne dich“ ist die erste Produktion von Nikolai Wills „Tante Dora Film“ in Zusammenarbeit mit Fearling Entertainment und kann sich absolut sehen lassen. Was den faszinierenden Kurzfilm noch auf optimale Weise abrundet, sind zum einen die von Kameramann Marc Schiemann wunderschön eingefangenen Bilder und zum anderen die tieftraurigen und elegischen Kompositionen von Richard Albert und Aljoscha Reinhardt. Der Score und die gemäldehaften Bilder erschaffen in der kurzen Laufzeit eine unglaublich intensive Atmosphäre, der man bereits nach den ersten Einstellungen verfällt. „Ohne dich“ entwickelt sich von einer Ode an die Liebe in einen deprimierenden Thriller, bei dem der Zuschauer nicht nur die Opfer, sondern auf bestimmte Art und Weise auch den Täter bedauert und bemitleidet. Es ist wirklich erstaunlich, dass Nikolai Will in dieser Rolle auch eine gewisse Sympathie auf den Zuschauer überträgt und Empathie empfinden lässt.

Man wünscht sich unweigerlich ein Langfilmprojekt, wenn man sich „Ohne dich“ ansieht. Gerade die inszenatorische Handschrift von Benjamin Bechtold in Verbindung mit der natürlichen Rollenbewältigung und -darstellung von Nikolai Will würde Großes versprechen. Es wäre mit Sicherheit ein besonderer, ruhiger und „schöner“ Film (selbst, wenn er, wie bei „Ohne dich“, ein unangenehmes Thema behandeln würde). „Ohne dich“ erzählt eine Geschichte die berührt und gleichzeitig schockiert. Man weiß nicht genau, was man über den Plot denken soll, empfindet auf der einen Seite „schöne“ und auf der anderen irgendwie „unschöne“ Gefühle. Und genau deswegen packt „Ohne dich“ den Zuschauer, denn er befindet sich in der Zwickmühle, weil er für einen „bösen“ Protagonisten Sympathie empfindet. Das nenne ich mal Zuschauerbeeinflussung: Chapeau! an die Herren Bechtold und Will. Aber auch an die gesamte Crew um diese kleine Kurzfilmperle, die über Kamera, Musik und perfekten Schnitt bis in die toll gespielten Nebenrollen fantastisch besetzt ist.

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Fazit: Wunderbar gespielter und fantastisch inszenierter Poesie-Thriller, der den Zuschauer auch nach Sichtung noch beschäftigt.

© 2018 Wolfgang Brunner

Ossarium (2018)

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Poster Artwork by Jeff Clark.

Originaltitel: Ossarium
Regie: René Wiesner
Drehbuch: René Wiesner
Kamera: René Wiesner
Musik: Stephan Ortlepp
Laufzeit: 11 Minuten
Darsteller: Ans
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Eine Frau besucht ein Beinhaus (Ossarium) in Tschechien. Schon bald spürt sie, dass sie sich dem Bann der alten Gebeine und Schädel nicht entziehen kann.

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Das Sedletz-Ossarium, oder auch Kostnice Sedlec ist ein Beinhaus in tschechischen Sedletz und ist ein Ortsteil von Kutná Hora, einer Stadt 70 Kilometer östlich von Prag. Im Untergeschoss der Allerheiligenkirche auf dem Sedletzer Friedhof findet man einen überdachten Raum, der zur Aufbewahrung von Gebeinen bestimmt ist. Unter anderem diente dieses „Seelenhaus“ als Kulisse für Filme wie „Dungeons & Dragons“. René Wiesner hat am Originalschauplatz gedreht und eine wunderbare Arbeit abgeliefert.
Eine Frau sieht sich dieses Ossarium in René Wiesners Film an und verfällt den kunstvoll arrangierten Gebeinen und Schädeln. Auf den ersten Blick wirkt „Ossarium“ wie ein Dokumentarfilm, der in wunderschönen Bildern diesen mystischen Ort einfängt und eine faszinierende Stimmung verbreitet. Begleitet von sphärischen Klängen, die hervorragend diese Atmosphäre unterstreichen, führt uns der Filmemacher durch die Anlage, als wären wir selbst Besucher dieser Örtlichkeit. Die Sehenswürdigkeit wird in den knapp elf Minuten Laufzeit ausgiebig vorgestellt und durch die stimmungsvollen Bilder faszinierend in Szene gesetzt.

Wie gesagt, man meint anfangs, man schaut sich einen Dokumentarfilm an. Doch wenn man geduldig wartet, bis der Abspann durchgelaufen ist, wird man eines besseren belehrt. Denn erst dann erschließt sich einem Wiesners Anliegen und verwandelt den dokumentarischen Charakter des Kurzfilms in einen erzählerischen Kontext. Die Frau lauscht den Geschichten dieser Schädel, die sie gerade zuvor noch gesehen hat, und versinkt förmlich in deren Vergangenheit. Die junge Darstellerin mit dem geheimnisvollen, prägnanten Namen Ans verleiht dem Charakter der Protagonistin, die sie darstellt, nur durch ihre Mimik eine ganz eigene Persönlichkeit. Fast möchte man meinen, diese junge Frau persönlich zu kennen, so ausdrucksvoll „erzählt“ sie ihre Gedanken nach dem Erleben des Ossariums. Denkt man eine Weile über diesen Kurzfilm nach, kann man getrost sagen, dass René Wiesner auf eine ganz intime (und intensive) Weise dem tschechischen Beinhaus ein kleines (filmisches) Denkmal gesetzt hat.

René Wiesner übernahm bei diesem Kurzfilm Regie, Kamera und Schnitt. Man spürt die Hingabe an dieses Projekt in vielen Einstellungen und merkt, das dem Regisseur etwas an seinem Film und der Örtlichkeit, die er darstellt, liegt. Im Nachhinein wirkt „Ossarium“ wie eine Liebeserklärung an das geheimnisvolle Gewölbe unter der Kirche und eine nachträgliche „letzte Ehre“ an die Besitzer jener alten Knochen, die man dort zu sehen bekommt.  Abgerundet wird genau jener Eindruck auch noch durch die wirklich passende und sphärische Musik von Stephan Ortlepp, der unter anderem auch den Score zu Olaf Ittenbachs „Five Seasons“ komponierte.
„Ossarium“ ist ein Erlebnis, auf das man sich einlassen muss: Auf seine ruhige Erzählweise, auf seine im Grunde genommen simple Struktur, die aber zwischen den Bildern eine weitaus größere Geschichte zeigt, als man sie auf den ersten Blick zu sehen bekommt. „Ossarium“ könnte man als „Kurzfilm-Kino zum Genießen und Nachdenken“ bezeichnen. Denn eigentlich beginnen die eigentlichen Geschichten erst nach dem Film im Kopf des Zuschauers.

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Fazit: Absolut sehenswerter, stimmungsvoller Kurzfilm, der zum Träumen und Nachdenken einlädt.

© 2018 Wolfgang Brunner

Durch die Nacht (2013 / 2017)

Originaltitel: Durch die Nacht
Regie: Marco Pfeiffer
Drehbuch: Marco Pfeiffer
Kamera: Mirko Prokic
Musik: Lino Jednat
Laufzeit: 7 Minuten (Langfassung: 14 Minuten)
Darsteller: Randi Rettel, Jessica Klauß, Jan-Erik-Hohl, Nicole Schreier,
Livia Schwarz, Ralf T. Hoffmann, Aaron Wassilew, Julia Alsheimer, Nina
Michnik, Sissy Chrysos, Gabriele Kriedemann
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: nicht geprüft

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Marie will ihren Freund Ben mit einem schönen Essen verwöhnen. Doch der Abend verläuft leider nicht so, wie sich Marie das vorgestellt hat. Verzweifelt begibt sie sich auf einen Spaziergang durch die Nacht und erfährt durch einige Begegnungen, was Leben wirklich bedeutet.

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Das Drama „Durch die Nacht“ kann von der ersten Einstellung an begeistern und hinterlässt deutliche Spuren in den Gedanken des Zusehers. Regisseur Marco Pfeiffer, der auch das Drehbuch verfasste, gelingt es in etwas mehr als fünf Minuten, einen derart zu packen, dass es fast schon Angst macht. Eine anfangs ärgerliche, kurze Zeit später aber wieder befriedigende Alltagssituation gerät zu einem Alptraum, in den sich jeder durch die intensiven Bilder des Kurzfilms hineinversetzen kann. Mit einfachen Mitteln wird in wenigen Minuten eine Palette an Gefühlen behandelt, dass es einen beim ersten (und auch noch zweiten Ansehen) schlichtweg überfordert. Liebe, Verlust, Trauer, Angst, Mut, Verzweiflung und am Ende Hoffnung. All dies passiert mit der Protagonistin, die wir auf ihrem verzweifelten Gang durch die Nacht begleiten. Und wir fühlen mit ihr, spüren die Trauer und die Verzweiflung, erleben aber auch in geschickt inszenierten Bildern die Hoffnung, die durch die Begegnung mit Mitmenschen in ihr aufkeimt.

„Durch die Nacht“ ist ein emotionaler, tiefgehender Kurzfilm, der mit Emotionen spielt und sie selbst für diejenigen deutlich macht, die sich noch nie in solch einer (oder ähnlichen) Lage befanden. Marie wird hervorragend von Randi Rettel verkörpert, der man sämtliche Emotionen abnimmt. Ihr natürliches, ungezwungenes Schauspiel ist herrlich erfrischend und echt, so dass man gar nicht genug davon bekommen kann. Sie drückt die Hilflosigkeit, den Kummer und die Niedergeschlagenheit, durch die sie in eine Spirale der Selbstzerstörung gerät, so natürlich aus, dass es einem Angst einjagen kann. Marco Pfeiffers Film drückt im Gegenzug aber auch aus, dass junge Menschen sich nicht nur im negativen Sinne „gehen lassen“, sondern auch sehr wohl an eine glückliche Zukunft und ein erfülltes Familienleben glauben können.
Jan-Erik-Hohl als Ben kann, wenngleich er nicht allzu oft zu sehen ist, durch seine charismatische und sehr sympathische Ausstrahlung punkten und lässt selbst einen männlichen Zuschauer am Ende dahinschmelzen. 😉
Und Jessica Klauß als Mutter mit Kind, die für Marie die rettende Hand darstellt, kann auf sehr positive Weise in ihrer Rolle überzeugen. Die wunderschöne und überaus passende Musikuntermalung stammt von Lino Jednat, von dem man sich in Zukunft auf jeden Fall noch mehr Scores in dieser Art wünscht.

Von „Durch die Nacht“ existiert eine Kurz- und eine Langfassung, die man beide gesehen haben sollte. Ich habe zuerst die Kurzfassung aus dem Jahr 2013 angesehen und mir danach viele Gedanken über die Handlung gemacht. So ging es anscheinend mehreren Zuschauern, denn nach der ursprünglich abgedrehten Kurzfassung entschieden sich die Macher nachträglich im Jahr 2017 noch eine Langfassung herzustellen, die bedeutend mehr auf die Beziehung von Marie und Ben eingeht und auch einige offenstehende Fragen der Kurzfassung beantwortet. Mir persönlich hat es die längere Fassung angetan, weil sie noch bedeutend mehr Emotionen in mir ausgelöst hat als die originale Kurzfassung. Für mich ein sehr beeindruckendes Filmerlebnis, das erstaunlicherweise trotz seiner kurzen Laufzeit enorm viel Gefühle beim Zuschauer wachrüttelt.
Beide Fassungen kann man auf der Film-Homepage begutachten. Eine Facebook-Seite zum Film gibt es ebenfalls, die noch weitere und vor allem aktuelle Informationen bereithält.

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Fazit: Kurzfilm mit tollen Darstellern (Randi Rettel ist einfach ein Glücksgriff) und einer unglaublich emotionalen Wucht, die einen nachhaltig beschäftigt.

© 2017 Wolfgang Brunner

Gott auf der Couch (2017)

Originaltitel: Gott auf der Couch
Regie: Gunnar Abel & Deniz Efe Adar
Drehbuch: Moritz Terwesten
Kamera: Alexander Westphal, Christopher Uhrig
Musik: Jonas Kohl (Khaos)
Laufzeit: 15 Minuten
Darsteller: Moritz Terwesten, Jackie Wulf, Alexandra Krüger
Genre: Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Während Kuffar gemütlich zuhause sitzt und sich gerade an der Fernsehmoderatorin aufgeilt, betritt Gott leibhaftig das Zimmer und setzt sich zu ihm auf die Couch. Die beiden beginnen, miteinander zu saufen und über alles mögliche zu philosophieren. Kuffar entschließt sich spontan, Gott unter den Tisch zu saufen, um eventuell mehr über den Sinn des Lebens herauszufinden.

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Da kommen immer wieder (Kurz-)Filme auf einen zu, die man erst mal verdauen und verarbeiten muss. So auch „Gott auf der Couch“, der in einem unglaublich abstoßenden Umfeld stattfindet, nämlich in einer absolut verdreckten Wohnung eines asozialen Mitbürgers, und dennoch hoch philosophisch daherkommt. Ersteres trifft bestimmt nicht jedermanns Geschmack, zumal auch die Wortwahl desöfteren nicht unbedingt die beste ist. Aber so ist das Leben, würde ich sagen, und treffender kann man manche Dinge einfach nicht beschreiben als mit entsprechenden, nicht salonfähigen Worten. 😉
Es handelt sich bei diesem außergewöhnlichen Film um eine Produktion der Purple Aki Pictures, einem Zusammenschluss jünger Künstler und Filmfans, die sich einen Dreck um Mainstream scheren. Sie durchbrechen mit „Gott auf der Couch“ die Einfallslosigkeit und Langeweile der meisten deutschen Filme (zumindest derer, die größere Bekanntheit erlangen) und zeigen, wie man auch Filme ohne große Kosten machen kann und die einen trotzdem mitreißen. Und zum Nachdenken bringen. Denn gerade der philosophische Touch, aber auch die manchmal amateurhaft und gleichzeitig auch wieder hochwertig wirkende Inszenierung kann absolut überzeugen. Wahrscheinlich ist es diese Mischung aus Professionalität und einem Hauch Amateur-Charme, die dieses Kammerspiel, das sich übrigens hervorragend für eine Theaterinszenierung eignen würde, so authentisch und lebensnah macht. Und obwohl die Location dreckig ist, wirken manche Einstellung ästhetisch und stylisch. Man muss den Film mindestens zwei Mal sehen, um das Ganze richtig begreifen zu können, denn es steckt bedeutend mehr hinter dem Plot, als man anfangs vielleicht vermutet.
Das abrupte, unerwartete Ende verstört und lässt einen atemlos zurück. Nach dem letzten Bild setzt der Denkprozess ein und man wird den Plot einfach nicht mehr los. 😉

Schauspielerisch sticht der österreichische Theater- und Filmschauspieler Jackie Wulf in seiner Rolle als Gott hervor. Mit einer enormen Leichtigkeit vermittelt er Großes und Kleines gleichzeitig, lässt Göttliches und Menschliches zu einer Symbiose verschmelzen, die einfach nur Spaß macht. Man kann sich an Wulf gar nicht satt sehen, wenn er vom Philosophieren ins Schimpfen übergeht, als wäre sein Gottsein eine ähnliche Last wie für den Menschen das Leben. Moritz Terwesten, der das Drehbuch verfasst hat, agiert da eher zurückhaltend, was aber zu seinem Filmcharakter passt. Es dauert eine Weile, bis man sich an das Szenario gewöhnt hat. Aber wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, bekommt man einen beeindruckenden, kleinen Film zu sehen, der es wirklich in sich hat. Ähnlich wie in einem Buch, bei dem man auch zwischen den Zeilen etwas herauslesen kann, sieht man in „Gott auf der Couch“ Dinge zwischen den Bildern. Aus einer „kleinen“, unbedeutenden Begegnung mit dem leibhaftigen Gott entsteht beim Zuschauer in Gedanken etwas Bombastisches, zumindest war das bei mir so. 🙂

Denkt man länger darüber nach, was mir bei diesem Film automatisch passiert ist, so kann man in die Handlung so einiges hinein interpretieren. „Gott auf der Couch“ lässt einen nicht mehr los. Man behält die Bilder im Kopf und kann gar nicht richtig verstehen, wie viel in diesem kurzen Film eigentlich steckt. Moritz Terwesten hat ein mutiges, eigenwilliges und modernes Drehbuch verfasst, dass sich über sämtliche Konventionen des heutzutage üblichen deutschen Films, die meisten Independent-Produktionen ausgenommen, hinwegsetzt und schlichtweg zeigt, was er zeigen will. Kurz, knackig und direkt, aber im Nachwirken langanhaltend und verstörend. So muss ein selbstbewusster, ehrgeiziger und ehrlicher Film aussehen. Ich bin schon sehr gespannt, was das Team dieses kleinen Kunstwerks in Zukunft noch auf die Beine stellt.

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Fazit: Mutig, ehrlich, innovativ und verstörend. Ein Film, der nachdenklich macht und sich im Kopf festsetzt.

© 2017 Wolfgang Brunner