Das schwäbische Sägewerkmassaker 1 & 2 (2015/ 2019)

 

Originaltitel: Das schwäbische Sägewerkmassaker
Regie: Madman Marv
Drehbuch: Madman Marv
Kamera: Ronny Zito, El Excremento
Musik: Musica Non Grata (Stephan Ortlepp)
Laufzeit: Teil 1: 23 Minuten / Teil 2: 35 Minuten
Darsteller: Teil 1 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Thomas K., Nosegrinder, Flo Grinder, Kelly Carlito
Teil 2 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Schenzellot, Iggi Braineater, Zwenner, Christoph Choleriko, Alex Armageddon, Hugo, Joe, Nasus Grindus, Hiller
Genre: Horror, Splatter, Kurzfilm, Amateur, Independent
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Ein Serienkiller ist in Schwaben unterwegs. Er macht Jagd auf die Mitarbeiter eines Sägewerks und schreckt vor nichts zurück …

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Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich für die beiden Teile jeweils eine separate Rezension verfasse. Letztendlich habe mich aber dazu entschieden, eine Gesamtbesprechung zu schreiben, denn die Filme gehören meiner Meinung nach unbedingt zusammen, obwohl zwischen den beiden Werken ein qualitativer Unterschied besteht.
Teil 1 dieses abgefahrenen Amateursplatters wirkt tatsächlich so richtig amateurhaft, was aber wiederum absolut unterhaltsam (und äußerst sympathisch) wirkt. Man spürt den Spaß in jeder Filmminute, den die ‚Schauspieler‘, aber auch das ganze Team während der  Dreharbeiten hatten. Ich fühlte mich sofort wieder an die eigene Zeit erinnert, als ich ebenfalls solche ‚Projekte‘ mit Freunden auf die Beine gestellt habe (welcher Filmfreak hat das nicht bereits als Kind und/oder Jugendlicher gemacht? 🙂 )
Interessant sind auf jeden Fall die zahlreichen Anspielungen auf Kultfilme und Klassiker aus dem Horrorgenre. Wenn zum Beispiel Lucio Fulci als ehemaliger Chef des Sägewerks betitelt wird, finde ich das schon ziemlich geil.

Nun aber zum Inszenierungsstil beziehungsweise den Schauspielleistungen und Spezialeffekten. Man merkt eindeutig, dass Regisseur Madman Marv ein Liebhaber der 80er Jahre-Horrorfilme ist, denn in vielen Einstellungen sieht man, wie er seinen Vorbildern nacheifert und dies auch oft überzeugend erreicht. Beide Teile von „Das schwäbische Sägewerkmassaker“ darf man nicht sonderlich ernst nehmen, viel zu viel Klamauk (und Spaß an der Freude) stecken darin, aber dennoch gibt es die ein oder andere Einstellung, die ein Gespür für cineastische Dramaturgie verrät. Das Endergebnis ist schlichtweg ein absolut toller Spaß, dem man gerne zusieht. Die derben Spezialeffekte schwanken zwischen übertrieben simpel und ganz gut gelungen. Aber auch hier ist einfach ausschlaggebend, welche Intentionen dahinterstecken und man muss schon sagen, dass selbst die (für viele mit Sicherheit lächerlich wirkenden) Splattereinlagen dennoch auf gewisse Art und Weise eine Wirkung zeigen. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese mit sozusagen keinem Budget auf die Beine gestellt wurden. Ich mochte es auf jeden Fall. 😉

Schauspielerisch kann man nicht viel sagen, denn alle Akteure sind durch die Bank Amateure. Doch zumindest aus dieser Sicht haben sie ihre Sache ausnahmslos gut gemacht und, wie schon erwähnt, der Spaß ist es, der bei diesen beiden Kurzfilmen zählt. Während man den ersten Teil mit seinen übertriebenen Verkleidungen überhaupt nicht ernst nehmen kann (und auch nicht soll), sieht es beim zweiten Teil schon ein wenig anders aus. Die Schauspieler agieren bedeutend besser und auch die Inszenierung gibt sich um ein Vielfaches Mühe, etwas ernster zu wirken. Das funktioniert genauso gut wie die Effekte, die bedeutend brutaler und auch glaubwürdiger ausfallen, obwohl man sich auch hier wieder mit den einfachsten Mitteln hilft.
Erwähnenswert ist unbedingt noch der Score von Musica Non Grata, hinter dem sich Stephan Ortlepp verbirgt. Die Sounds und die Musik haben wir supergut gefallen und den Filmen zu einer Atmosphäre verholfen, die ohne die Klänge nicht vorhanden gewesen wäre.

Insgesamt haben mich beide Teile auf gewisse Art und Weise begeistert (klingt komisch, ist aber so), weil ich mich wirklich hervorragend (übrigens ohne Alkohol 😉 ) amüsiert habe und den fühlbaren Spaß der Macher beim Zusehen gespürt habe. Handlungstechnisch geben die beiden Kurzfilme nichts her, müssen sie aber auch gar nicht, denn das erwartet niemand von einem derartigen No Budget-Amateurfilm. Hier heißt es wirklich: Hirn aus und die flachen Witze und stümperhaften (aber dennoch geschickt) gemachten Effekte einfach auf sich einprasseln lassen. Es ist ein besonderer Humor, der einen hier erwartet, und man mag ihn entweder und schüttelt verständnislos den Kopf. Ich mag ihn und werde mir beide Filme bei Gelegenheit mit Sicherheit nochmals ansehen. Außerdem freue ich mich jetzt umso mehr auf den ersten Langfilm von Madman Marv mit dem Titel „Die Dämonische Mörderoma“, den René Wiesner bereits gesehen und rezensiert hat.

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Fazit: Man kann diese beiden Kurzfilme genau genommen gar nicht richtig bewerten, sondern müsste eher eine Amüsierskala einführen und verwenden. Auf dieser erreichen sie bei mir allerdings auch auf alle Fälle das obere Viertel.

© 2019 Wolfgang Brunner

Das Wundern des jungen Ulysses (2019)

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Originaltitel: Das Wundern des jungen Ulysses
Regie: René Wiesner
Drehbuch: René Wiesner
Kamera: René Wiesner
Musik: Stephan Ortlepp
Laufzeit: 17 Minuten
Darsteller: –
Genre: Kurzfilm, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Eine verlassene Wohnung, in der ein schlimmes Schicksal ihre Spuren hinterlässt.

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Ein neuer Kurzfilm von René Wiesner, der mich natürlich sehr neugierig macht, da ich seinen letzten Film „Ossarium“ sehr gelungen und gut fand. „Das Wundern des jungen Ulysses“ beginnt auf ähnliche Weise und man weiß lange Zeit nicht, was einen erwartet und um was es in diesem Kurzfilm eigentlich geht. Man betrachtet die verlassene Wohnung, sieht den Bildern zu und lässt plötzlich seine eigenen Gedanken schweifen. Man erinnert sich an Begebenheiten des eigenen Lebens, zieht sozusagen Bilanz, während man darauf wartet, dass etwas in Wiesners neuem Film passiert. Aber es geht ruhig weiter, wie es auch begonnen hat. Und irgendwann ist es dann soweit und die Magie dieser melancholischen Bilder, übrigens genial untermalt von Stephan Ortlepp, packt einen, zieht einen in den Bann und lässt einen nicht mehr los. Und während man weiter über den Film (und auch sich selbst) nachdenkt, erschließen sich von einem Moment auf den anderen immer mehr Perspektiven, die der Film aufzeigt. Man befindet sich irgendwann in einem Strudel, dem man nicht mehr entkommen kann.

Ich möchte es fast schon als kleines filmisches Wunder bezeichnen, was René Wiesner da inszeniert hat. Denn so minimalistisch und banal „Die Wunder des jungen Ulysses“ auf den ersten Blick daherkommen mag, umso bombastischer entwickelt er sich zu einem konsequenten, dramatischen Ende, das ab einem gewissen Moment fast schon wie eine Bombe im Kopf des Zuschauers detoniert. Wiesner hat es mit seinem Kurzfilm tatsächlich geschafft, mich über Tage hinweg zu beschäftigen. Immer wieder geistern diese „einfachen“ Bilder durch meinen Kopf und ich meine fast, Ortlepps unheilschwangere, düstere Töne zu hören. „Das Wundern des jungen Ulysses“ verwundert, fasziniert und schockiert eher erst, nachdem man den Film gesehen hat. Sicherlich breitet sich während der Sichtung bereits ein mulmiges Gefühl in der Magengegend aus, wenn man langsam aber sicher bemerkt, um was es geht. Aber weitaus beeindruckender ist dieser Effekt, nachdem der Film zu Ende ist und man darüber nachzudenken beginnt.

Dieser Kurzfilm zeigt wieder einmal, dass man mit wenig finanziellen Mitteln etwas auf die Beine stellen kann, das nachhaltig Wirkung zeigt. Dramaturgisches Geschick, filmisches Inszenierungsvermögen und vor allem die Fähigkeit, eine Geschichte erzählen zu können. Und das, obwohl im Grunde genommen nicht einmal jemand mitspielt.  Ich muss sagen, dass mich dieser Kurzfilm geflasht hat. Es bedarf schon einer gewissen Feinfühligkeit, sich solche einem Thema anzunehmen und dies dann auch noch unspektakulär und ruhig in Szene zu setzen. Gerade diese Zurückhaltung in der Inszenierung verschafft dem Zuschauer ein weitaus beklemmenderes Gefühl, als hätte man das Thema reißerisch (und brutal) aufgearbeitet. Wieder einmal hat mich René Wiesner mit seinem filmischen Können überzeugen können, dieses Mal vielleicht sogar am meisten von all seinen kreativen Arbeiten. Ich bin schon sehr gespannt, was wir in Zukunft noch von ihm zu sehen bekommen. Auf alle Fälle volle Punktzahl für „Das Wundern des jungen Ulysses“.

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Fazit: Minimalistisches, aber gerade deswegen umso eindringlicheres Kurzfilm-Drama.

© 2019 Wolfgang Brunner

Swedish Horse Movie [Hästfilmen] (2018)

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Originaltitel: Swedish Horse Movie
Regie: Yngve Stigberg
Drehbuch: Yngve Stigberg
Kamera: Daniel Falk
Sound: Patrik Brander
Laufzeit: 17 Minuten
Darsteller: Emil Levin, Eliza Sica, Kristoffer
Genre: Drama, Indiefilm
Produktionsland: Schweden
FSK: in Deutschland unveröffentlicht

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Ein Mann kehrt nach zweiwöchiger Arbeit zurück nach Hause, wo seine Frau auf ihn wartet. Beim gemeinsamen Abendessen treten allerhand Beziehungsprobleme zutage. Eines davon ist das Familienpferd, ein Hengst.

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Der Titel ließ mich einen Moment zögern, da ich schon dachte ins falsche Regal gegriffen zu haben, erinnert er doch an so berüchtigte Titel wie Vase de Noces, der auch unter dem Namen The Pig Fucking Movie bekannt ist. Da Swedish Horse Movie (alternativ Hästfilmen) offensichtlich aus Skandinavien kommt, musste ich auch einen Moment an Animal Farm denken, aber da bin ich wahrscheinlich der Einzige. Vergessen wir das…

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Der Schwarz-Weiß-Kurzfilm beginnt mit einem Nachruf auf den schwedischen Regisseur Ingmar Bergman, der 2018 100 Jahre alt geworden wäre. Das verwundert nicht, haben in den letzten Jahren doch mehrere junge schwedische Filmemacher, wie u.a. Gustav Ljungdahl (Root of Darkness, 2016) sich dem filmischem Nationalerbe angenommen und es neu interpretiert. So handelt es sich bei diesem Indiefilm erfrischender Weise auch um keine Blut-und Gewaltorgie, wie es häufig der Fall ist. In erster Linie handelt es sich um ein Drama, welches stilistisch stark an Bergmans Werk angelehnt ist. Besonders der Anfang und das Ende sind sehr ruhig und dialogisch gehalten und legen das Augenmerk auf die Beziehung der Protagonisten. Verlustängste, Ansprüche und Bedürfnisse, denen innerhalb in der Beziehung nicht nachgekommen wird, sind der Auslöser ihrer Probleme. In Ermangelung von Nähe und Wärme, die die Frau in der Beziehung nicht findet, treibt es sie in eine Affäre mit dem Pferd. Das Pferd ist in diesem Fall ein comichaft-maskierter Mann mit übernatürlichem Gemächt, der hier eine metaphorische Aufgabe erfüllt. Für den Protagonisten ergibt sich daraus nur eine Möglichkeit zur Restauration seiner Maskulinität: die Kastration des Hengstes zu sakralen Klängen. Bevor er wieder zur Arbeit aufbricht übergibt er das Genital seiner Frau als Geschenk um klarzumachen, dass er wieder da ist. Freud lässt grüßen!

Der Film ist Teil der Anthologie Chunks of Horror, die man sich für einen kleinen Obolus auf Vimeo anschauen kann.

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Fazit: Sehenswerte Mischung aus Indiekomödie und Bergman’schem Drama.

© René Wiesner 2018

Ohne dich (2018)

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Originaltitel: Ohne dich
Regie: Benjamin Bechtold
Drehbuch: Benjamin Bechtold
Kamera: Marc Schiemann
Musik: Richard Albert, Aljoscha Reinhardt
Laufzeit: 9 Minuten
Darsteller: Nikolai Will, Lilly Volk, Swantje Riechers
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Ein Mann auf der Suche nach der Liebe seines Lebens. Und nach etwas vollkommen anderem …

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Da ist es wieder: Das Gespann Benjamin Bechtold und Nikolai Will, das mich schon mit der kleinen Nachtgeschichte „Dämonisch“ begeistern konnte. Und mit „Ohne dich“ tun sie es aufs Neue. Es ist immer wieder toll, Nikolai Will dabei zu beobachten, wie er in seinen Rollen aufgeht. Hinzu kommt die sehr feinfühlige, fast schon poetische Inszenierung durch Benjamin Bechtold, die dem knapp neunminütigen Genremix aus melancholischem Liebesschmerz und kaltblütigem Thriller wieder einmal eine ganz besondere Note verleiht. Ich hätte den Bildern und dem Agieren von Nikolai Will gut und gerne eineinhalb Stunden zusehen können, so eindringlich ist das Ergebnis wieder geworden. „Ohne dich“ kann man gar nicht so einfach beschreiben, denn er bewegt sich, wie oben schon erwähnt, tatsächlich zwischen verschiedenen Genre und hinterlässt den Zuseher einerseits mit einer schmerzlichen Sehnsucht nach Liebe und andererseits mit einer schockierenden Konsequenz, mit der man am Ende konfrontiert wird.

Doch über die an sich grauenhafte Handlung legt sich ein nostalgischer Schleier, der wunderschön ist.  Genau diese Gratwanderung, nämlich ein „schlimmes“ Thema zu verzerren und sozusagen aus der geschönten Sicht eines „Täters“ zu zeigen, möchte ich fast schon typisch für die Zusammenarbeit von Bechtold und Will bezeichnen. „Ohne dich“ ist die erste Produktion von Nikolai Wills „Tante Dora Film“ in Zusammenarbeit mit Fearling Entertainment und kann sich absolut sehen lassen. Was den faszinierenden Kurzfilm noch auf optimale Weise abrundet, sind zum einen die von Kameramann Marc Schiemann wunderschön eingefangenen Bilder und zum anderen die tieftraurigen und elegischen Kompositionen von Richard Albert und Aljoscha Reinhardt. Der Score und die gemäldehaften Bilder erschaffen in der kurzen Laufzeit eine unglaublich intensive Atmosphäre, der man bereits nach den ersten Einstellungen verfällt. „Ohne dich“ entwickelt sich von einer Ode an die Liebe in einen deprimierenden Thriller, bei dem der Zuschauer nicht nur die Opfer, sondern auf bestimmte Art und Weise auch den Täter bedauert und bemitleidet. Es ist wirklich erstaunlich, dass Nikolai Will in dieser Rolle auch eine gewisse Sympathie auf den Zuschauer überträgt und Empathie empfinden lässt.

Man wünscht sich unweigerlich ein Langfilmprojekt, wenn man sich „Ohne dich“ ansieht. Gerade die inszenatorische Handschrift von Benjamin Bechtold in Verbindung mit der natürlichen Rollenbewältigung und -darstellung von Nikolai Will würde Großes versprechen. Es wäre mit Sicherheit ein besonderer, ruhiger und „schöner“ Film (selbst, wenn er, wie bei „Ohne dich“, ein unangenehmes Thema behandeln würde). „Ohne dich“ erzählt eine Geschichte die berührt und gleichzeitig schockiert. Man weiß nicht genau, was man über den Plot denken soll, empfindet auf der einen Seite „schöne“ und auf der anderen irgendwie „unschöne“ Gefühle. Und genau deswegen packt „Ohne dich“ den Zuschauer, denn er befindet sich in der Zwickmühle, weil er für einen „bösen“ Protagonisten Sympathie empfindet. Das nenne ich mal Zuschauerbeeinflussung: Chapeau! an die Herren Bechtold und Will. Aber auch an die gesamte Crew um diese kleine Kurzfilmperle, die über Kamera, Musik und perfekten Schnitt bis in die toll gespielten Nebenrollen fantastisch besetzt ist.

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Fazit: Wunderbar gespielter und fantastisch inszenierter Poesie-Thriller, der den Zuschauer auch nach Sichtung noch beschäftigt.

© 2018 Wolfgang Brunner

Ossarium (2018)

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Poster Artwork by Jeff Clark.

Originaltitel: Ossarium
Regie: René Wiesner
Drehbuch: René Wiesner
Kamera: René Wiesner
Musik: Stephan Ortlepp
Laufzeit: 11 Minuten
Darsteller: Ans
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Eine Frau besucht ein Beinhaus (Ossarium) in Tschechien. Schon bald spürt sie, dass sie sich dem Bann der alten Gebeine und Schädel nicht entziehen kann.

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Das Sedletz-Ossarium, oder auch Kostnice Sedlec ist ein Beinhaus in tschechischen Sedletz und ist ein Ortsteil von Kutná Hora, einer Stadt 70 Kilometer östlich von Prag. Im Untergeschoss der Allerheiligenkirche auf dem Sedletzer Friedhof findet man einen überdachten Raum, der zur Aufbewahrung von Gebeinen bestimmt ist. Unter anderem diente dieses „Seelenhaus“ als Kulisse für Filme wie „Dungeons & Dragons“. René Wiesner hat am Originalschauplatz gedreht und eine wunderbare Arbeit abgeliefert.
Eine Frau sieht sich dieses Ossarium in René Wiesners Film an und verfällt den kunstvoll arrangierten Gebeinen und Schädeln. Auf den ersten Blick wirkt „Ossarium“ wie ein Dokumentarfilm, der in wunderschönen Bildern diesen mystischen Ort einfängt und eine faszinierende Stimmung verbreitet. Begleitet von sphärischen Klängen, die hervorragend diese Atmosphäre unterstreichen, führt uns der Filmemacher durch die Anlage, als wären wir selbst Besucher dieser Örtlichkeit. Die Sehenswürdigkeit wird in den knapp elf Minuten Laufzeit ausgiebig vorgestellt und durch die stimmungsvollen Bilder faszinierend in Szene gesetzt.

Wie gesagt, man meint anfangs, man schaut sich einen Dokumentarfilm an. Doch wenn man geduldig wartet, bis der Abspann durchgelaufen ist, wird man eines besseren belehrt. Denn erst dann erschließt sich einem Wiesners Anliegen und verwandelt den dokumentarischen Charakter des Kurzfilms in einen erzählerischen Kontext. Die Frau lauscht den Geschichten dieser Schädel, die sie gerade zuvor noch gesehen hat, und versinkt förmlich in deren Vergangenheit. Die junge Darstellerin mit dem geheimnisvollen, prägnanten Namen Ans verleiht dem Charakter der Protagonistin, die sie darstellt, nur durch ihre Mimik eine ganz eigene Persönlichkeit. Fast möchte man meinen, diese junge Frau persönlich zu kennen, so ausdrucksvoll „erzählt“ sie ihre Gedanken nach dem Erleben des Ossariums. Denkt man eine Weile über diesen Kurzfilm nach, kann man getrost sagen, dass René Wiesner auf eine ganz intime (und intensive) Weise dem tschechischen Beinhaus ein kleines (filmisches) Denkmal gesetzt hat.

René Wiesner übernahm bei diesem Kurzfilm Regie, Kamera und Schnitt. Man spürt die Hingabe an dieses Projekt in vielen Einstellungen und merkt, das dem Regisseur etwas an seinem Film und der Örtlichkeit, die er darstellt, liegt. Im Nachhinein wirkt „Ossarium“ wie eine Liebeserklärung an das geheimnisvolle Gewölbe unter der Kirche und eine nachträgliche „letzte Ehre“ an die Besitzer jener alten Knochen, die man dort zu sehen bekommt.  Abgerundet wird genau jener Eindruck auch noch durch die wirklich passende und sphärische Musik von Stephan Ortlepp, der unter anderem auch den Score zu Olaf Ittenbachs „Five Seasons“ komponierte.
„Ossarium“ ist ein Erlebnis, auf das man sich einlassen muss: Auf seine ruhige Erzählweise, auf seine im Grunde genommen simple Struktur, die aber zwischen den Bildern eine weitaus größere Geschichte zeigt, als man sie auf den ersten Blick zu sehen bekommt. „Ossarium“ könnte man als „Kurzfilm-Kino zum Genießen und Nachdenken“ bezeichnen. Denn eigentlich beginnen die eigentlichen Geschichten erst nach dem Film im Kopf des Zuschauers.

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Fazit: Absolut sehenswerter, stimmungsvoller Kurzfilm, der zum Träumen und Nachdenken einlädt.

© 2018 Wolfgang Brunner

Durch die Nacht (2013 / 2017)

Originaltitel: Durch die Nacht
Regie: Marco Pfeiffer
Drehbuch: Marco Pfeiffer
Kamera: Mirko Prokic
Musik: Lino Jednat
Laufzeit: 7 Minuten (Langfassung: 14 Minuten)
Darsteller: Randi Rettel, Jessica Klauß, Jan-Erik-Hohl, Nicole Schreier,
Livia Schwarz, Ralf T. Hoffmann, Aaron Wassilew, Julia Alsheimer, Nina
Michnik, Sissy Chrysos, Gabriele Kriedemann
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: nicht geprüft

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Marie will ihren Freund Ben mit einem schönen Essen verwöhnen. Doch der Abend verläuft leider nicht so, wie sich Marie das vorgestellt hat. Verzweifelt begibt sie sich auf einen Spaziergang durch die Nacht und erfährt durch einige Begegnungen, was Leben wirklich bedeutet.

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Das Drama „Durch die Nacht“ kann von der ersten Einstellung an begeistern und hinterlässt deutliche Spuren in den Gedanken des Zusehers. Regisseur Marco Pfeiffer, der auch das Drehbuch verfasste, gelingt es in etwas mehr als fünf Minuten, einen derart zu packen, dass es fast schon Angst macht. Eine anfangs ärgerliche, kurze Zeit später aber wieder befriedigende Alltagssituation gerät zu einem Alptraum, in den sich jeder durch die intensiven Bilder des Kurzfilms hineinversetzen kann. Mit einfachen Mitteln wird in wenigen Minuten eine Palette an Gefühlen behandelt, dass es einen beim ersten (und auch noch zweiten Ansehen) schlichtweg überfordert. Liebe, Verlust, Trauer, Angst, Mut, Verzweiflung und am Ende Hoffnung. All dies passiert mit der Protagonistin, die wir auf ihrem verzweifelten Gang durch die Nacht begleiten. Und wir fühlen mit ihr, spüren die Trauer und die Verzweiflung, erleben aber auch in geschickt inszenierten Bildern die Hoffnung, die durch die Begegnung mit Mitmenschen in ihr aufkeimt.

„Durch die Nacht“ ist ein emotionaler, tiefgehender Kurzfilm, der mit Emotionen spielt und sie selbst für diejenigen deutlich macht, die sich noch nie in solch einer (oder ähnlichen) Lage befanden. Marie wird hervorragend von Randi Rettel verkörpert, der man sämtliche Emotionen abnimmt. Ihr natürliches, ungezwungenes Schauspiel ist herrlich erfrischend und echt, so dass man gar nicht genug davon bekommen kann. Sie drückt die Hilflosigkeit, den Kummer und die Niedergeschlagenheit, durch die sie in eine Spirale der Selbstzerstörung gerät, so natürlich aus, dass es einem Angst einjagen kann. Marco Pfeiffers Film drückt im Gegenzug aber auch aus, dass junge Menschen sich nicht nur im negativen Sinne „gehen lassen“, sondern auch sehr wohl an eine glückliche Zukunft und ein erfülltes Familienleben glauben können.
Jan-Erik-Hohl als Ben kann, wenngleich er nicht allzu oft zu sehen ist, durch seine charismatische und sehr sympathische Ausstrahlung punkten und lässt selbst einen männlichen Zuschauer am Ende dahinschmelzen. 😉
Und Jessica Klauß als Mutter mit Kind, die für Marie die rettende Hand darstellt, kann auf sehr positive Weise in ihrer Rolle überzeugen. Die wunderschöne und überaus passende Musikuntermalung stammt von Lino Jednat, von dem man sich in Zukunft auf jeden Fall noch mehr Scores in dieser Art wünscht.

Von „Durch die Nacht“ existiert eine Kurz- und eine Langfassung, die man beide gesehen haben sollte. Ich habe zuerst die Kurzfassung aus dem Jahr 2013 angesehen und mir danach viele Gedanken über die Handlung gemacht. So ging es anscheinend mehreren Zuschauern, denn nach der ursprünglich abgedrehten Kurzfassung entschieden sich die Macher nachträglich im Jahr 2017 noch eine Langfassung herzustellen, die bedeutend mehr auf die Beziehung von Marie und Ben eingeht und auch einige offenstehende Fragen der Kurzfassung beantwortet. Mir persönlich hat es die längere Fassung angetan, weil sie noch bedeutend mehr Emotionen in mir ausgelöst hat als die originale Kurzfassung. Für mich ein sehr beeindruckendes Filmerlebnis, das erstaunlicherweise trotz seiner kurzen Laufzeit enorm viel Gefühle beim Zuschauer wachrüttelt.
Beide Fassungen kann man auf der Film-Homepage begutachten. Eine Facebook-Seite zum Film gibt es ebenfalls, die noch weitere und vor allem aktuelle Informationen bereithält.

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Fazit: Kurzfilm mit tollen Darstellern (Randi Rettel ist einfach ein Glücksgriff) und einer unglaublich emotionalen Wucht, die einen nachhaltig beschäftigt.

© 2017 Wolfgang Brunner

Gott auf der Couch (2017)

Originaltitel: Gott auf der Couch
Regie: Gunnar Abel & Deniz Efe Adar
Drehbuch: Moritz Terwesten
Kamera: Alexander Westphal, Christopher Uhrig
Musik: Jonas Kohl (Khaos)
Laufzeit: 15 Minuten
Darsteller: Moritz Terwesten, Jackie Wulf, Alexandra Krüger
Genre: Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Während Kuffar gemütlich zuhause sitzt und sich gerade an der Fernsehmoderatorin aufgeilt, betritt Gott leibhaftig das Zimmer und setzt sich zu ihm auf die Couch. Die beiden beginnen, miteinander zu saufen und über alles mögliche zu philosophieren. Kuffar entschließt sich spontan, Gott unter den Tisch zu saufen, um eventuell mehr über den Sinn des Lebens herauszufinden.

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Da kommen immer wieder (Kurz-)Filme auf einen zu, die man erst mal verdauen und verarbeiten muss. So auch „Gott auf der Couch“, der in einem unglaublich abstoßenden Umfeld stattfindet, nämlich in einer absolut verdreckten Wohnung eines asozialen Mitbürgers, und dennoch hoch philosophisch daherkommt. Ersteres trifft bestimmt nicht jedermanns Geschmack, zumal auch die Wortwahl desöfteren nicht unbedingt die beste ist. Aber so ist das Leben, würde ich sagen, und treffender kann man manche Dinge einfach nicht beschreiben als mit entsprechenden, nicht salonfähigen Worten. 😉
Es handelt sich bei diesem außergewöhnlichen Film um eine Produktion der Purple Aki Pictures, einem Zusammenschluss jünger Künstler und Filmfans, die sich einen Dreck um Mainstream scheren. Sie durchbrechen mit „Gott auf der Couch“ die Einfallslosigkeit und Langeweile der meisten deutschen Filme (zumindest derer, die größere Bekanntheit erlangen) und zeigen, wie man auch Filme ohne große Kosten machen kann und die einen trotzdem mitreißen. Und zum Nachdenken bringen. Denn gerade der philosophische Touch, aber auch die manchmal amateurhaft und gleichzeitig auch wieder hochwertig wirkende Inszenierung kann absolut überzeugen. Wahrscheinlich ist es diese Mischung aus Professionalität und einem Hauch Amateur-Charme, die dieses Kammerspiel, das sich übrigens hervorragend für eine Theaterinszenierung eignen würde, so authentisch und lebensnah macht. Und obwohl die Location dreckig ist, wirken manche Einstellung ästhetisch und stylisch. Man muss den Film mindestens zwei Mal sehen, um das Ganze richtig begreifen zu können, denn es steckt bedeutend mehr hinter dem Plot, als man anfangs vielleicht vermutet.
Das abrupte, unerwartete Ende verstört und lässt einen atemlos zurück. Nach dem letzten Bild setzt der Denkprozess ein und man wird den Plot einfach nicht mehr los. 😉

Schauspielerisch sticht der österreichische Theater- und Filmschauspieler Jackie Wulf in seiner Rolle als Gott hervor. Mit einer enormen Leichtigkeit vermittelt er Großes und Kleines gleichzeitig, lässt Göttliches und Menschliches zu einer Symbiose verschmelzen, die einfach nur Spaß macht. Man kann sich an Wulf gar nicht satt sehen, wenn er vom Philosophieren ins Schimpfen übergeht, als wäre sein Gottsein eine ähnliche Last wie für den Menschen das Leben. Moritz Terwesten, der das Drehbuch verfasst hat, agiert da eher zurückhaltend, was aber zu seinem Filmcharakter passt. Es dauert eine Weile, bis man sich an das Szenario gewöhnt hat. Aber wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, bekommt man einen beeindruckenden, kleinen Film zu sehen, der es wirklich in sich hat. Ähnlich wie in einem Buch, bei dem man auch zwischen den Zeilen etwas herauslesen kann, sieht man in „Gott auf der Couch“ Dinge zwischen den Bildern. Aus einer „kleinen“, unbedeutenden Begegnung mit dem leibhaftigen Gott entsteht beim Zuschauer in Gedanken etwas Bombastisches, zumindest war das bei mir so. 🙂

Denkt man länger darüber nach, was mir bei diesem Film automatisch passiert ist, so kann man in die Handlung so einiges hinein interpretieren. „Gott auf der Couch“ lässt einen nicht mehr los. Man behält die Bilder im Kopf und kann gar nicht richtig verstehen, wie viel in diesem kurzen Film eigentlich steckt. Moritz Terwesten hat ein mutiges, eigenwilliges und modernes Drehbuch verfasst, dass sich über sämtliche Konventionen des heutzutage üblichen deutschen Films, die meisten Independent-Produktionen ausgenommen, hinwegsetzt und schlichtweg zeigt, was er zeigen will. Kurz, knackig und direkt, aber im Nachwirken langanhaltend und verstörend. So muss ein selbstbewusster, ehrgeiziger und ehrlicher Film aussehen. Ich bin schon sehr gespannt, was das Team dieses kleinen Kunstwerks in Zukunft noch auf die Beine stellt.

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Fazit: Mutig, ehrlich, innovativ und verstörend. Ein Film, der nachdenklich macht und sich im Kopf festsetzt.

© 2017 Wolfgang Brunner