Interview mit dem Regisseur Kai E. Bogatzki

14203678_1382614105086734_2064200911_o© Sascha S. Goldbach (itWaits Art)

Kai E. Bogatzki wurde am 22.07.1986 in Augsburg geboren. Schon als Kind hat er erste „Filme“ im Kinderzimmer mit Jurassic Park Spielzeug gedreht.
2007 – 2009 studierte er Digital Film & 3D Animation am SAE Institute in Köln, wo auch ein paar Musikvideos und sein Kurzfilm „Unter der Oberfläche“ entstand.
Danach arbeitete er als Cutter für „Infomercials“ und „Werbe und Imagefilme“ in Essen. In dieser Zeit entstand sein Kurzfilm „Liebe“.
Seit Juni 2015 ist Bogatzki als Cutter und Filmemacher selbstständig. Er übernahm den Schnitt in vielen Filmen von u.a Marcel Walz und Timo Rose.

1. Bevor wir auf Deinen neuen Film „Scars Of Xavier“ zu sprechen kommen, muss ich eines wissen 😉 :
Wie kam es dazu, dass Du Cutter und Regisseur wurdest? Wen würdest Du als „Initialzünder“ bezeichnen?

Wie kam es dazu?… Hmm … Gute Frage … irgendwie war „Film“ schon immer ein wesentlicher Bestandteil von mir. Ich hatte, anders als viele damalige Klassenkameraden in der Grundschule, schon sehr früh meinen ersten eigenen Videorekorder, mit dem ich Filme (Batman, Der weiße Hai, Halloween etc.) vom TV Programm aufgenommen und mir immer und immer wieder angesehen habe. Mein Vater hat mich damals sehr oft geweckt, wenn abends Horrorfilme im TV liefen (Omen, The Fog). Er war es auch, der mir „Zombie – Dawn of the Dead“ gezeigt hat (für mich immer noch der beste Zombiefilm, den es gibt). Zudem habe ich auch schon immer VHS (später dann DVDs, BluRays) gesammelt, eigene Geschichten geschrieben, was sich dann irgendwann in das Schreiben von „Drehbüchern“ gewandelt hat. Irgendwann flatterte dann die erste Videokamera ins Haus und der Rest ist Geschichte, haha.

2. Dein erster Langfilm „Scars Of Xavier“ ist das Porträt eines brutalen Serienkillers. Wo und wie fand diese Idee ihren Ursprung?

Wie das so ist, hatte ich natürlich schon ewig mehrere Ideen für meinen ersten Langfilm. Oft ist es an der Finanzierung gescheitert.

Ich war und bin schon immer sehr interessiert an Serienkillern, bzw. Serienkillerthemen, egal ob fiktiv (Dexter, Hannibal, Sieben etc.) oder real (Jeffrey Dahmer, Ed Gein etc.). Deshalb war es schon irgendwie immer klar, dass ich früher oder später etwas mit einem Serienkiller drehen will.

Lange vor „Scars Of Xavier“ hatte ich die Idee für eine Webserie, die ich auch beinahe gemacht hätte (Casting etc. lief schon). Dabei sollte es auch um einen Serienkiller gehen, der, ähnlich wie in „Dexter“, sehr schwarzhumorig gewesen wäre. Die Idee habe ich dann aber irgendwann verworfen, weil ich keinen „lustigen“ Killer wollte. Irgendwann ist dann der Gedanke für einen düsteren, dreckigen und ernsten Killer geboren worden und so nach und nach kamen die Ideen wie der Film aussehen soll, wo er spielt und und und …


3. Was stand bei der Entwicklung der Geschichte für dich im Vordergrund – die brutale Vorgehensweise eines Killers oder die Auseinandersetzung mit einem unserer psychopathischen Kranken, der eventuell Opfer unserer heutigen Gesellschaft ist?


Wichtig war mir vor allem die Figur Xavier. Der Film dreht sich zu 90% um Xavier und somit war für mich klar, dass diese Figur sehr gut ausgearbeitet werden muss. Zudem war mir auch eine düstere und bedrückende Atmosphäre wichtig und die Wahl der Locations. Zuerst war ja angedacht, dass der Film in Deutschland spielt und auch auf deutsch hätte gedreht werden sollen. Allerdings habe ich mich dann irgendwann dazu entschieden, dass wir den Film auf englisch drehen MÜSSEN, einfach aus dem Grund, dass man damit definitiv mehr Leute erreicht (Festivals, Verkauf etc.) Dann stellte sich direkt die Frage, wenn wir auf englisch drehen, wo spielt der Film? Amerika könnte man hier nie im Leben faken, also mussten wir in Europa bleiben. Irgendwie fiel dann die Wahl auf Prag. Die Stadt bringt für uns Westeuropäer, finde ich, direkt eine „schmuddelige“ Atmosphäre rüber (dabei ist Prag so wunderschön). Aber ein Unwohlsein bringt das ganze Östliche für uns ja schon mit irgendwie (und nicht erst seit „Hostel“).

Somit sind wir dann für paar Tage nach Prag gefahren und haben dort viele Außenaufnahmen an original Schauplätzen, welche u.a. bereits für den ersten „Mission: Impossible“ hergehalten haben, was mir allerdings erst jetzt vor ein paar Tagen bewusst aufgefallen ist, nach dem ich mir den Film mal wieder angeguckt habe. Da ging mir doch ein breites Grinsen übers Gesicht, als ich gesehen habe, dass Tom Cruise und Jon Voight an denselben Locations zu sehen sind, wie unsere SchauspielerInnen dann auch bei „Scars Of Xavier“.

Trotzdem war es natürlich auch wichtig, dass, wenn man einen Film über einen Serienkiller dreht, man natürlich auch sein blutiges Handwerk zeigen muss, denn das wollen die Leute ja auch sehen. Somit haben wir eine Reihe von coolen, mehr oder weniger blutigen/brutalen Kills im Film, welche oftmals noch mal eine Schippe zu den vorherhigen drauflegen werden. Für die Effekte konnten wir Philipp Rathgeber gewinnen, der einen wirklich großartigen Job gemacht hat. Seine Effekte sind der absolute Knaller. Ganz besonders von einem war ich hellauf begeistert, weil er das so krass hinbekommen hat. Was verrate ich an der Stelle natürlich nicht  🙂


4. Welche Bedeutung hat dieser Film für dich persönlich?

Für mich (und ich denke, da spreche ich für alle Beteiligten) ist der Film ein absolutes Herzensprojekt geworden. Das Team war immer mit 200% jeden Tag, egal wie lang der Drehtag vorher war, dabei und hat wirklich ALLES gegeben, um den Film umzusetzen. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an mein großartiges Team, ohne das ich den Film niemals hätte umsetzen können. Ganz davon abgesehen ist „Scars of Xavier“ mein erster eigener Spielfilm, was, denke ich für jeden, der einen Film dreht, automatisch was ganz besonderes ist. Der Film begleitet mich jetzt schon, mal mehr, mal weniger, seit über 1 ½ Jahren und es werden noch locker ein bis zwei Jahre dazukommen. Deshalb hat das ganze Projekt einen verdammt hohen Stellenwert für mich und ich werde mein bestes geben, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Zudem auch noch ein ganz großer Dank an Sascha S. Goldbach, der als Hauptproduzent tätig ist und mir vollstes Vertrauen in meine kreative Arbeit schenkt, und an die Co-Produzenten Walther Olligschläger und Jörg Lindner, die ebenfalls dazu beigetragen haben, dass ich den Film machen kann. Und ein Dank auch noch an meinen guten Freund Daniele Rizzo (mit dem ich bereits mehrfach zusammengearbeitet habe und der auch einen kleinen Cameo-Auftritt in „Scars of Xavier“ haben wird), der ebenfalls einen ganz großen Beitrag für mich und meinen Film geleistet hat!! Zudem habe ich auch noch selber einiges an Geld in den Film gesteckt (somit also auch noch Mitproduzent), deshalb hoffe ich umso mehr, dass sich die ganze Mühe, Liebe und natürlich der Geldeinsatz lohnen und auszahlen werden.


5. Wie konntest Du Marc Engel für die Hauptrolle gewinnen und wie empfandest du die Zusammenarbeit mit ihm?


Das war ganz einfach. Ich hab ihn während oder nach dem Schnitt für REEPERBAHN irgendwann mal angeschrieben, weil mir seine „Fresse“ zugesagt hat und ich ihn direkt als Serienkiller in meinem Film sah, ohne dass es bisher ein Gerüst für die Story etc. gab.

Die Zusammenarbeit mit Marc, und damit breche ich ENDLICH auch einmal öffentlich eine Lanze für ihn, war der absolute Hammer! Ich habe noch nie jemandem erlebt, der sich so extrem für eine Rolle vorbereitet hat und bereit war, alles für diese Rolle zu opfern. Dieser verrückte Kerl hat für „Scars Of Xavier“, nachdem klar war, dass Xavier ein eher dürrer Typ ist, 10kg innerhalb kürzester Zeit abgenommen.

Zudem stehe ich seit der ersten Anfrage an Marc täglich mit ihm in Kontakt, wir schicken uns Ideen und Voicemails hin und her (auch jetzt gerade, während ich das Interview beantworte) und er hat auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass der Film so ist, wie er letztendlich geworden ist. Wir haben uns ständig die Bälle hin und her geschoben, Ideen ausgetauscht und und und … Ich habe ihn direkt von Anfang an sehr stark in den kreativen Prozess involviert und als er dann irgendwann die erste Fassung vom Drehbuch bekommen hat, musste er während des Lesens öfters unterbrechen und mir eine Voicemail schicken, wie geil doch das Buch ist und dass er gerada eine Mega-Gänsehaut hat  🙂

Im Gegensatz zu ein/zwei Darstellern meiner früheren Kurzfilme, zählt Marc definitiv zu den Leuten, mit denen ich immer wieder arbeiten möchte 🙂

Zudem hat Marc auf jegliche Gage verzichtet, weil er „Scars Of Xavier“ vom ersten Moment an eingeatmet und gelebt hat. Somit hat den Film sogar noch mitproduziert.


6. Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten zu „Scars Of Xavier“?

Ich glaube, mit die größte Herausforderung war die Ausstattung des Filmes. Es war klar, dass Xavier eine Wohnung braucht. Woher also eine Wohnung nehmen, die man auch noch nach den eigenen Wünschen gestalten kann? Passenderweise stand eine kleine Zweizimmer-Wohnung in meinem Haus, sogar auf derselben Etage, auf der sich meine Wohnung befindet, frei. Ich habe meine Vermieter gefragt, ob ich die Wohnung für ein paar Wochen als Drehkulisse nutzen darf, und habe dann auch direkt eine Zusage bekommen.

Somit ging es dann ans Einrichten. Ich habe Möbel bei eBay-Kleinanzeigen gekauft, vom Sperrmüll mitgenommen und Tapeten gekauft, die ich dann ein paar Tage vor Drehbeginn mit meiner Freundin angebracht habe. Dann habe ich viele weitere kleine Details wie tschechische Kennzeichen, Arbeitskleidung mit tschechischer Aufschrift, Bierlabels etc. eingekauft, um die Illusion in den Szenen, die wir in Deutschland gedreht haben aufrecht zu erhalten, wir wären in Prag.

Die andere große Herausforderung war dann tatsächlich das Bewältigen des Crowdfundings, durch das wir unser fehlendes Restbudget wieder reinholen wollten. Knapp auf der Zielgeraden haben wir es dann auch noch geschafft.

Das war, glaube ich, das nervenaufreibendste des ganzen Filmes! Ich hoffe, ich kann bei zukünftigen Projekten auf Crowdfundings verzichten.

Vielen Dank noch mal an ALLE, die das Crowdfunding unterstützt und dafür gesorgt haben, dass es erfolgreich endete.


7. Was war die lustigste Begebenheit, die passierte?

Wir hatten eigentlich sehr viele lustige Momente am Set, angefangen damit, dass Marc sich fast jeden Tag eine neue Verletzung zugezogen hat und am Ende des ersten Drehblocks ein wahres Wrack war, bis hin, dass es fast jeden Drehtag ein „Lied des Tages“ gab, das das gesamte Team geträllert hat. Von „Radio Ga Ga“ von Queen bis hin zu irgendwas von den Backstreet Boys (übriogens toll gesungen von Marc und José) war, glaube ich, alles mal vertreten.

Eine Sache wird mir aber glaube ich für immer hinterherhängen. Und zwar befanden wir uns gerade mit zwei Autos auf dem Rückweg aus Prag. Nach über zwei Stunden Fahrt (wir waren bereits kurz vor Dresden) klingelte plötzlich mein Handy. Der Vermieter, bei dem wir ein Apartment in Prag angemietet hatten, rief mich an und sagte, wir hätten einen Rucksack bei ihm vergessen. Es stellte sich heraus, dass ich die Filmkamera in Prag vergessen hatte und dummerweise hatten wir am nächsten Tag breits den nächsten Dreh. Ich also auf den nächsten Rastplatz um die anderen (Marc, Sascha und meinen Kameramann Lucas) zu informieren. Die drei sind dann weiter nach Hause gefahren und meine Freundin Vanessa und ich sind nochmal zurück nach Prag, um die Kamera zu holen. Anstelle von geplant 22 Uhr waren wir beide dann erst um 3:30 Uhr endlich zu Hause. Gegen 8 uhr morgens klingelte dann für mich schon wieder der Wecker für den nächsten Drehtag.

8. Ich nenne ein Stichwort und Du gibst mir eine Antwort:

Kultfilm:
Halloween – Die Nacht des Grauens

Bester Filmschnitt aller Zeiten:
Puuuhh … schwer zu beantworten. Wüsste ich jetzt ehrlich gesagt nicht.

Steven Spielberg:
Fand ich mal cool

Mainstream:
Hätte ich nix dagegen, irgendwann da zu landen  🙂

9. Liebäugelst du bereits mit einer Fortsetzung von „Scars Of Xavier“ oder hast du schon andere Pläne, die du uns verraten kannst?

Eine Fortsetzung zu „Scars of Xavier“ wird es nicht geben (zumindest ist nix geplant).

Irgendwann in der Planung von „Scars of Xavier“ habe ich das Projekt zugunsten eines anderen Filmes (der dann mein erster Spielfilm, auch in Zusammenarbeit von Sascha und mir, geworden wäre) nach hinten geschoben. Allerdings hat es dann terminlich bei einem der Hauptdarsteller nicht gepasst, weswegen ich wieder geswitcht habe und den Film hinter „Scars Of Xavier“ gestellt habe. Ich denke also, den werde ich als nächstes realisieren. Oder aber vielleicht doch was ganz anderes, mal sehen. Ideen für zukünftige Filme sind auf jeden Fall mehr als genug vorhanden.


10. Was macht Kai E. Bogatzki privat? Welche Musik hörst Du, welche Filme siehst Du und welche Bücher liest Du?

Ich bin eigentlich ein sehr ruhiger Zeitgenosse. Ich verbringe viel meiner Freizeit mit meiner Freundin, gehe ins Kino oder gucke Filme zu Hause, genieße das Wetter (wenn es denn mal gut ist) und treffe mich mit Freunden.

Ich höre sehr gerne Metal(core), aber auch sehr oft Filmsoundtracks oder Musik anderer Genres. Bin da mittlerweile sehr offen für, wie ich finde, einfach gute Musik.

Ich gucke sehr Filme verschiedener Genres (bis auf Liebesfilme), bevorzuge aber natürlich das Thriller/Horrorgenre („Halloween“, „SAW“, „Sieben“ sind meine Lieblinge, um nur ein paar zu nennen) und bin ein unsterblicher BATMAN Fan.


11. Nenne die fünf für Dich wichtigsten Dinge im Leben?

Meine Freundin

Meine Eltern / Freunde

Kreativität

Essen

Freiheit / Immer irgendwo Kind bleiben


Film-Besprechungen bedankt sich bei Dir für die Antworten und hofft (und wartet) sehnsüchtig auf neue Filme von Dir.

Ich habe zu danken  🙂

© 2016 Wolfgang Brunner / Kai. E. Bogatzki

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Interview mit dem Regisseur Benni Dietz

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© Rat Pack Filmproduktion und XYZ Films
Fotograf: Peter Hacker

Benni Diez, geboren am 19. November 1979 in Starnberg, wuchs in Aschaffenburg auf. Bereits als Kind war er von Filmen und Spezialeffekten fasziniert.
Im Jahr 2002 studierte er an der Filmakademie Baden-Württemberg die Bereiche Visual Effects und Animation. In dieser Zeit arbeitete er für diverse Agenturen und Effekte-Firmen im Bereich Film- und Werbeproduktion.
Von 2008 bis 2011 war er Geschäftsführer der Produktions- und VFX-Firma Kingz Entertainment, die mit für die Effekte von Kinofilmen wie zum Beispiel Lars von Triers „Melancholia“ mitverantwortlich war.
Seit 2011 ist Benni Diez als selbständiger Regisseur und Autor tätig.
Sein erster Spielfilm „Stung“ lief im Jahr 2015 in über 20 Ländern im Kino.

Film-Besprechungen freut sich auf das Interview mit dem Regisseur.

1. „Stung“ ist eine liebevolle Verbeugung vor dem 80er Jahre Horror geworden. Wie kommt ein Mann Deines Jahrgangs gerade auf die 80er?

Die 80er waren der größte Teil meiner Kindheit (geb. ’79), daher, und weil ich das Glück hatte, in jungen Jahren schon meist gucken zu dürfen, was ich wollte, waren die Filme dieser Zeit eine Hauptinspiration für meine kreative Entwicklung.
Dazu kommt auch die ganze bewusste Entscheidung, als Erstlingsfilm einen Horrorstreifen zu machen, weil es mir im Vergleich zu z.B. Sci-fi oder Drama erst mal nicht so schwierig erschien.

2. Irgendwie komme ich einfach an der Frage nach Vorbildern nicht vorbei. Welche hast Du und aus welchen Gründen?

Ganz vorne dabei ist „Aliens“, da das für mich einer der einflussreichsten Filme überhaupt war. Immer noch einer der besten Thriller aller Zeiten, und die Designideen, basierend auf dem genialen Teil 1, waren zu der Zeit bahnbrechend und für mich eine Offenbarung. Natürlich gefolgt von „Der weiße Hai“ und spaßigeren Werken wie „Gremlins“ oder „Tremors“, die einem trotz ihrer Schrecken auch immer ein warmes menschliches Gefühl bei ihren Figuren mitgaben.

3. John Carpenter oder Steven Spielberg? Warum?

Auch wenn ich die viel waghalsigeren Ideen von Carpenter sehr schätze, war ich einfach immer mitgerissen von Spielbergs umfassender Perfektion bei der Verbindung von Emotionalität und visionärer Technik. Auch wenn in den letzten Jahren etwas die Luft raus zu sein scheint, immer noch einer der besten.

4. Welches literarische Werk würdest Du am liebsten verfilmen? Oder sind Literaturverfilmungen gar nicht so Dein Fall?

Oh doch, da gibt’s jede Menge. Besonders große, ernste Science-Fiction hat es mir literarisch schon immer angetan. Allen voran die Werke von Arthur C. Clarke. Von dem würde ich so ziemlich alles gerne verfilmen. Aber gut, eins nach dem anderen.

5. Was wäre Dein größter beruflicher Traum / Wunsch?

Den habe ich mir eigentlich schon ein Stück weit erfüllt, da ich mich jetzt endlich offiziell Regisseur nennen darf. Das war die meiste Zeit meines Lebens ein Traum gewesen. Jetzt heißt es natürlich, besser darin zu werden und vielleicht irgendwann wirklich mal einen großen Sci-Fi-Film hinzubekommen.

6. Was war das Witzigste bei den Dreharbeiten zu „Stung“?

Die Arbeit mit unseren großartigen Darstellern war immer besonders spaßig. Alle hatten schnell einen gemeinsamen, durchaus dreckigen Humor gefunden und ließen keinen Moment aus, die anderen zum Kaputtlachen zu bringen. Lance Henriksen, der alte Haudegen, war definitiv dabei der Vorreiter.

7. Und was das Schwierigste?

Der Wettlauf gegen die Zeit. Man weiß immer, man hat zuwenig Zeit, um alles so hinzubekommen, wie man es sich vorstellt. Das gilt für den Dreh genauso wie für die Vorbereitung oder die Nachbearbeitung. Daher muss man schnell lernen, Prioritäten zu setzen und vernünftige Kompromisse einzugehen, um trotzdem seiner Vision so nahe wie möglich zu kommen.

8. Hättest Du die Möglichkeit, ein Remake zu inszenieren, welchen Film würdest Du wählen und warum?

Ich finde es erschreckend, dass in all den Jahrzehnten noch kein großes Remake von Raumpatrouille gemacht wurde. Space-Sci-Fi ist schließlich beliebter denn je, und die technischen Möglichkeiten sollten doch mittlerweile auch hierzulande für sowas da sein. Wobei man storytechnisch schon einiges leisten muss, um gegen die aktuellen Top-Serien der Welt zu bestehen.
Ansonsten bin ich aber kein allzu großer Freund von Remakes. Die rechtfertigen sich nur selten durch mehr als vermeintlich leicht verdientes Geld.

9. Was fällt Dir spontan ein zu

– Robin Williams
Ein begnadeter Schauspieler und Comedian, der leider viel zu früh von uns ging.

– James Cameron
Ein begnadeter Visionär, der trotz seiner kleinen Ego-Macken einer der größten Filmemacher aller Zeiten ist, der uns hoffentlich noch länger erhalten bleibt.

– American Horror Story
Habe ich nur die erste Staffel komplett gesehen. Fand ich sehr erfrischend und unterhaltsam. Bei Gelegenheit werde ich sicher mal die weiteren Staffeln. Dazu muss ich allerdings erst mal geschätzte 30 andere Serien fertig gucken.

– Nicolas Roeg
Ui, den musste ich jetzt googlen. Der hat u.a. auch mal ne Folge Young Indiana Jones gemacht. Aha. Fand ich ganz gut.

10. Darfst und möchtest Du uns verraten, welche Art Film Du uns als nächstes präsentieren wirst?

Das würde ich sehr gerne, aber im Moment weiß ich noch nicht sicher, welches meiner diversen Projekte als nächstes umgesetzt wird. Ich schreibe jedenfalls gerade u.a. an einem futuristischen Actionfilm, einem deutschen Zombiefilm und einer Art Sci-Fi-Found-Footage-Idee. Darüber hinaus noch an ein paar TV-Projekten. Mal sehen, was das Jahr noch so bringt. Ich werde berichten.

11. Welche fünf Dinge möchtest Du in Deinem Leben nicht missen?

Meinen 60 Zoll Plasmafernseher, meinen Vray-Dongle, meinen Kühlschrank, meine Turnschuhe und Bier.

Ich bedanke mich ganz herzlich für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche Dir viel Erfolg für Deine kommenden Projekte.

© 2016 Benni Diez / Wolfgang Brunner

Interview mit dem Regisseur Daniele Grieco

Daniele Grieco

© 2016 Stella Maris Film

 

Daniele Grieco wurde am 15. September 1967 in Köln geboren und studierte ursprünglich Meeresbiologie in Neapel. Allerdings brach er das Studium ab, um als WDR-Radioreporter zu arbeiten.
1995 studierte Grieco vier Jahre lang an der New School of Social Research und der New York University den Fachbereich Filmproduktion und sammelt erste Erfahrungen als Autor und Regieassistent.
Nach dem Abschluss des Studiums kehrte Grieco nach Köln zurück, wo er als freier Autor und Regisseur (unter anderem für Sat1) tätig war.
Der Dokumentarfilm „The Last Giants – Wenn das Meer stirbt“ aus dem Jahr 2009 war Griecos Langfilmdebüt. 2014 folgte dann der Found Footage Horrorfilm „Die Präsenz“.

Film-Besprechungen freut sich sehr über das Interview mit Daniele Grieco.

1. Dein erster Film war eine Dokumentation über Wale. Vom Dokumentarfilm zum Horrorstreifen. Du scheinst sehr vielfältig zu sein. Was kommt als nächstes von Dir? War da nicht ein blutiger Film über eine Alien-Invasion in Planung?

„The Last Giants“ und „Die Präsenz“ waren die Erfüllungen von Kindheitsträumen, denn seit ich klein war, haben mich vor allem drei Dinge fasziniert: Erstens das Meer, zweitens Dämonen und drittens das Weltall. Es ist richtig, dass es in meinem dritten Film um eine Alien-Invasion geht. Mein dritter Film wird also die Erfüllung meines dritten Kindheitstraums. In diesem Fall geht es um etwas aus dem Weltall, das auf der Erde landet. Ridley Scotts „Alien“ war eine große Inspiration für mich, aber das traue ich mich kaum zu sagen, denn natürlich kann niemand an dieses Meisterwerk herankommen. Für einen solch anmaßenden Versuch hätten wir auch nicht genug Geld gehabt, denn auch mein dritter Film ist wieder eine Low-Budget Produktion im Found Footage Stil. Bei den Testscreenings haben sich die Zuschauer allerdings schon ziemlich gefürchtet. Im Oktober starten wir damit, im nächsten Monat legen wir mit der Facebook-Kampagne los. Dann können wir auch den Titel verraten.

2. Warum hast Du bei „Die Präsenz“ die Form des Found Footage gewählt? War dieses Stilmittel zwingend notwendig aus Deiner Sicht?

Es gab zwei Gründe: Zunächst mal Geldmangel – ich hatte keine Lust, jahrelang zu versuchen, ein großes Budget zusammen zu kratzen – Ausgang ungewiss – und wer weiß, ob einem dann am Ende nicht so viele Leute über die Schulter gucken, dass das Ergebnis nur noch bescheiden sein kann.

Der zweite Grund ist mindestens ebenso gewichtig: Bei „The Blair Witch Project“ und „Paranormal Activity“ habe ich am eigenen Leib erlebt, dass einem ein derart günstig produzierter Film genauso viel Angst machen kann wie ein teurer – vielleicht sogar mehr! Denn erstens darf man bei so wenig Geld jede noch so extreme und freakige Idee ausleben, die einem kommt und zum anderen sind die Zuschauer heutzutage alle möglichen Tricks und Kniffe aus der Geschichte des Horrorfilms gewohnt, so dass sie gegenüber konventionell produzierten Horrorfilmen eine gewisse Distanz zu den Ereignissen einnehmen. Einfacher gesagt: Sie sind nicht so leicht zu erschrecken. Wenn man nun etwas Scheindokumentarisches (eben Found Footage) zeigt, dann wissen die Zuschauer spätestens seit The Blair Witch Project zwar, dass dies nur ein Stilmittel ist, dennoch verfallen sie wider besseren Wissens dem dokumentarischen Stil und halten alles für etwas echter als in einer Hochglanzproduktion – die Distanz zur Leinwand schwindet so.

3. Mir persönlich haben in „Die Präsenz“ die vielen Anspielungen auf andere Horrorklassiker gefallen. Wie kamst Du auf die Idee, solche Kleinigkeiten darin zu verbauen?

Danke! Ich denke, jeder Filmemacher kämpft bei jedem Film erneut um jeden einzelnen Moment. Wenn man einen Horrorfilm macht, will man den Zuschauern etwas für ihr Geld geben. Das heißt: Man will sie so oft wie möglich erschrecken (und niemand ist wütender, als ein Horrorpublikum, dem man keine Angst gemacht hat!). Dafür muss man sich inspirieren lassen und sehen, wie das die Besten der Besten in früheren Jahrzehnten gemacht haben. Natürlich ist das auch jedesmal eine Hommage gegenüber den Genies, deren Filme man liebt und deren Tricks man kopiert. Andererseits braucht man dabei kein schlechtes Gewissen zu haben, denn auch diese Meister haben ihre Filme ganz genauso erschaffen. Niemand produziert im luftleeren Raum – alle bedienen sich bei denen, die vor ihnen waren.

4. Welches Projekt wäre bei finanzieller Unabhängigkeit Dein größter Traum?

Mein nächstes Projekt! Film Nummer 4 soll eine Dystopie werden. Titel und Inhalt kann ich noch nicht verraten, und ich habe auch noch keine Idee, wie ich ihn finanzieren soll. Mir schwebt allerdings nur ein Budget von 1,5 Millionen vor, denn ein Riesenbudget hat für mich mehr Nach- als Vorteile. So gut wie alle Kultfilme hatten ein geringes Budget. Für 150 Millionen kann man nur ein Studio-Monstrum drehen mit den üblichen Verdächtigen in der Hauptrolle und jeder Menge CGI, bis das Ganze nur noch wie ein riesiges Stück Plastik aussieht.

5. Was sind Deine absoluten Lieblingsfilme? Verrätst Du uns auch, warum das so ist?

„Alien“: Weil es der größte Science-Fiction Film aller Zeiten ist, weil dieses Wesen so grausam, so real, so zerstörerisch und so vollkommen ist wie die Physik der Sterne – so dass man eine tiefe, existentielle Wahrheit befürchten darf: Dies ist es, was die Tiefen des Alls für uns bereit halten. Das ist absolut erhabener Horror!

„Halloween“: Weil er es wie kein anderer Film geschafft hat, die größte Angst, die wir haben können, auf die Leinwand zu bringen: Die Angst vor uns selbst – die Angst vor dem schwarzen Mann.

Fellinis „Achteinhalb“: Fellini war kein Regisseur. Fellini war ein Magier. Er war der einzige Mensch, bei dem ich zu hundert Prozent sicher bin, dass er und nur er allein diese Filme hätte schaffen können. Wie? Das wird für immer ein Geheimnis bleiben.

Fellinis „Satyricon“: Der einzige Historienfilm, bei dem ich nicht das Gefühl habe, dass ein paar Schauspieler ein paar Sandalen angezogen haben, sondern bei dem ich mich so fühle, als hätte tatsächlich jemand vor 2000 Jahren eine Kamera aufgestellt.

6. Als Regisseur hat man es in Deutschland nicht leicht, wenn man sich dem Horrorgenre verschreibt. Du machst es trotzdem.:)
Siehst Du in der Zukunft eine Chance für den deutschen Horrorfilm?

Die Deutschen merken: Überall auf der Welt gehören Genre-Filme zum Filmsystem, nur in Deutschland traut man es sich entweder nicht oder die Ergebnisse sind nicht sehr spannend. Horrorfilme sind hierzulande etwas für Freaks, dabei waren sie seit Beginns des Kinos immer unter den größten Blockbustern: Von Murnaus „Nosferatu“ über „Psycho“ und „Halloween“ zu „Paranormal Activity“. Ein weiteres Problem ist, dass deutsche Kinofilme oft in Wahrheit Fernsehfilme sind, weil sie durch einen Sender mitfinanziert werden: Hätte bei Carpenters „Halloween“ damals eine Horde von TV-Redakteuren mitreden dürfen, wäre es wahrscheinlich ein Art weiterer Tatort geworden.

7. Was war das Witzigste bei den Dreharbeiten zu „Die Präsenz“?

Als Lukas Rebecca erschreckt, indem er mit einer Eishockey-Maske hinter den Möbelschonern hervorspringt: Die Szene stand nicht im Skript, und wir haben es mit Henning Nöhren geschafft, Liv Lisa Fries tatsächlich so zu erschrecken, dass ihr Schrei echt war! Was haben wir alle gelacht. Liv nicht. Doch, eigentlich sie auch – aber erst, nachdem ihr Herz wieder anfing zu schlagen.

8. Welche Art von Filmen schaut sich Daniele Grieco in seiner Freizeit an?

Vor allem alte Filme, immer wieder. Ich habe eine sehr große und einigermaßen vielfältige DVD-Sammlung, in der Sci-Fi- und Horror -Klassiker stehen wie „Der Exorzist“, „Alien“ (nur der erste!), „Blade-Runner“, „Halloween“, dann aber auch italienische Filme der 60er u.a. Fellini, mein Lieblingsregisseur, Pasolini, Antonioni, aber auch 70er Giallos von Fernando Di Leo etc. etc. Ich glaube, der einzige deutsche Film in der Sammlung ist der großartige „Es geschah am hellichten Tag“ von 1958, der mich als Kind mit Angst und Schrecken erfüllt hat.

9. Woran denkst Du spontan bei

– James Cameron
– Arnold Schwarzenegger
– Bob Hoskins
– Werner Herzog

James Cameron: „Terminator“! Ein großartiger und am Anfang von den Studios sträflich unterschätzter Film, der von einer Episode der 60er Jahre Serie „The Outer Limits“ inspiriert ist (die Episode hieß „Soldier“).

Arnold Schwarzenegger: Siehe Eintrag zu Cameron.

Bob Hoskins: Ein sympathischer Schauspieler, der aber in Filmen mitspielt, die mich nicht sehr interessieren.

Werner Herzog: Klaus Kinski.

10. Wie offen bist Du als Regisseur gegenüber verschiedenen Genre? Könntest Du Dir denn zum Beispiel vorstellen, einen Liebesfilm oder einen Western zu drehen?

Als vierten Film nach unserem Release im Oktober plane ich gerade einen dystopischen Film, sofern wir ihn finanziert bekommen. Einen Western könnte ich mir gut vorstellen, aber er wäre extrem realistisch und wohl auch ziemlich blutrünstig.

11. Welche fünf Dinge möchtest Du in Deinem Leben nicht missen?

Erstens: Die Menschen, die ich um mich herum habe, klar.

Zweitens: Surfen, so oft im Jahr wie möglich

Drittens: Gute Filme und Bücher.

Viertens: Wein

Fünftens: Vorzügliches Essen!

Vielen Dank für die interessanten Antworten. Ich freue mich schon sehr auf Deine nächsten Projekte und wünsche Dir alles Gute, sowohl im privaten wie auch im beruflichen Bereich.
Wer wisen will, wie mir Griecos „Die Präsenz“ gefallen hat, kann hier meine Rezension nachlesen.

© 2016 Daniele Grieco / Wolfgang Brunner

Interview mit dem Regisseur Slavko Spionjak und seinem Team

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v.l.n.r.: Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak
© Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak

 

Slavko Spionjak, Jahrgang 1961, ist Regisseur, Drehbuchautor, Musiker, Ehemann und Vater. In den letzten zwanzig Jahren hat er zusammen mit seiner Frau Rita Fichtl-Spionjak und seiner Schwester Slavica Spionjak 10 Kurzfilme und 3 Spielfilme produziert und inszeniert. Sein Kurzfilm „Zwischen den Linien“ und der letzte Spielfilm „Caedes – Die Lichtung des Todes“ heimsten zahlreiche, weltweite Nominierungen und Awards auf Filmfestivals ein.

Film-Besprechungen freut sich, dem freundlichen Kroaten, der in Bayern
ansässig ist, ein paar Fragen zu stellen.

 

1. Eine Frage, die mich bei jedem Regisseur brennend interessiert: Wer sind Eure Vorbilder?

Slavko: Da gibt es viele die ich klasse finde. Besonders mag ich: Stanley Kubrik, Robert Zemeckis, Steven Spielberg.

Rita: Ich hätt da noch einen. J.J.Abrams.

Slavica: Spielberg, J.J Abrams und dann zwei „durchgeknallte“ wie Lars von Trier und Rodrigez (z.B. From Dusk Till Dawn).

 

2. Welches Projekt wäre bei finanzieller Unabhängigkeit Euer größter Traum?

Slavko: Ein Sci-Fi 3-Teiler.

Slavica: Ich bin auch ein „Serienjunkie“. Es wäre eine große Herausforderung, eine Mysterie Serie wie „Lost“ oder „The Walking Dead“ (beides meine Lieblingsserien) zu realisieren … oder Caedes Teil 2. Ideen wären da.

3. Euer Filme wirken sehr professionell. Rita (Deine Frau) und Slavica (Deine Schwester) sind immer daran beteiligt. Habt ihr diese Begeisterung für Filme schon immer geteilt oder wie kommt dieses „Familienteam“ zustande?


Slavko: Wir sind schon immer Erzähler gewesen. Menschen zu unterhalten ist unser Ding. Filmfreaks waren wir schon immer.

Rita: Früher hatten wir zusammen die Band UE, jetzt drehen wir Filme. Zusammen etwas auf die Beine gestellt haben wir also schon immer.

Slavica: Das ist ein göttlicher Zufall, denke ich, dass mein Bruder und ich gleiche Leidenschaften haben und dann kam Rita dazu, die genau so tickt. Und das unsere Filme professionell wirken, wollten wir immer haben.

 

4. Euer Kurzfilm „Zwischen den Linien“ und „Caedes – Die Lichtung des Todes“ kommen sowohl beim deutschen wie auch internationalen Publikum gut an und wird auf vielen Festivals aufgeführt. Habt Ihr beim Dreh mit so einem Erfolg gerechnet?


Slavko: Wenn an dem Projekt gearbeitet wird, dann ist immer die Hoffnung da, dass die Leute das anspricht, an das man so lange und hart gearbeitet hat. Über den Erfolg freuen wir uns unglaublich.


Slavica: Ich beschreibe es mal so: Das Drehen ist wie ein Rausch. Die Ernüchterung kommt während der Postproduktion, aber auch Zweifel. Wird die Geschichte den Menschen so gut gefallen, wie einem selbst? Wird die Botschaft gut rüberkommen? Werden sich die Zuschauer gut unterhalten? Während jeder Premiere verlasse ich den Vorführraum und warte aufgeregt ab, wie die Reaktionen sein werden. Über die Filmfestival Preise, die ja schon einige sind, ist meine Freude unglaublich und unbeschreiblich.

 

5. Was dürfen wir von Euch als nächstes erwarten? Ist es noch geheim oder könnt Ihr uns ein paar Worte zu Euren neuen Projekt verraten?

Slavko: Wir haben sehr viele Geschichten, die wir gern umsetzten wollen …Ich glaube, da genügt das ganze Leben nicht, um das alles fertig zu stellen :o)

Rita: Wir arbeiten oft an mehreren Projekten gleichzeitig.

Slavica: Ich bin Kroatin und wie man weiß, sind wir seeeehr abergläubisch. Also, wenn alles zu 100% unter Dach und Fach steht, werden wir es verraten.

 

6. Großproduktionen oder Independent-Film? Was sagt Euch persönlich mehr zu?

Slavko: Alles, was geil ist. Geld ist keine Garantie, um gute Unterhaltung zu produzieren. Da freut es mich natürlich jedes mal, wenn ich einen Low-Budget Film sehe, der gut funktioniert.

Slavica: Ein guter Film ist gut, egal wie viel er gekostet hat. Genau so ist es bei nicht so guten Filmen. Unsere Filme sind für mich Großproduktionen. Wir haben ein Team das GROßartig ist. Wir arbeiten mit Menschen die GROßartig sind.

 

7. Was sind Eure absoluten Lieblingsfilme? Verratet Ihr uns auch, warum das so ist?

Slavko: Contact von Robert Zemeckis. Weil mich Religion und Wissenschaft sehr interessiert und da prallen die beiden Dinge sehr gut aufeinander. Es ist auch sehr interessant zuzuschauen, wie die Gläubigen mit aller Macht Gott beweisen wollen … anders herum versuchen die Wissenschaftler zu zeigen, dass es ihn doch nicht gibt. Was letztendlich absolut egal ist, da es für unsere Beziehungen (eigentlich) nicht relevant ist, ob es einen Gott gibt oder nicht.

Rita: „Der letzte Mohikaner“. Regie, Schauspieler, Kamera, Musik – einfach der Wahnsinn.

Slavica: Man merkt, wir sind Geschwister: Religion, oder besser gesagt Glaube und Wissenschaft, sind für mich sehr wichtig und meiner Meinung nach die größten Rätsel der Menschheit. Ich lache auch gern bei einer Komödie (für mich das schwierigste überhaupt, Menschen zum Lachen zu bringen) oder ich lass mich gern in eine Fantasywelt entführen, ob Märchen oder Horror … Mein Spruch: Es ist wichtig, dass ich den Film aus dem Kino mitnehme und ihn nicht dort lasse und sofort vergesse. Meine Lieblingsfilme sind: From Dusk Till Dawn, Alle 3 Teile „Herr der Ringe“, Minority Report, Star Trek Filme, bei denen J.J. Abrams Regisseur war, Star Wars (Episoden 4, 5 und 6), Unheimliche Begegnung der dritten Art, Don Camillo und Peppone (die alte Filme), Constantin … Ich glaube das reicht, ha ha ha …

 

8. Gab es ein bestimmtes Erlebnis, durch das Ihr Filmemacher wurdet? Möchtet Ihr ein wenig über Euren Werdegang erzählen?

Slavko: Wir haben ein Ventil gesucht, um unsere Erlebnisse und Fantasien an die Leute zu bringen. Da wir alle auch Musiker sind, ist Film und Musik genau das Richtige.

Rita: Wir haben mal ein Musikvideo zu dem UE Lied „Soul Power“gedreht und einen Preis gewonnen. Das war wohl das erste mal vor und hinter der Kamera für uns.

Slavica: Als ich Kind war (damals, in Ex-Jugoslawien) da gab es fantastische Geschichtenerzähler (meinen Großvater und einige Onkels). Wir saßen stundenlang (verschiedene Generationen) beisammen und hörten zu. Und das „Kopfkino“ arbeitete auf vollen Touren. Die haben es unglaublich bunt und lebendig erzählt. Die Möglichkeit zu haben, selbst erdachte Geschichten im Film zu erzählen, ist natürlich der Wahnsinn.

 

9. Welche Meinung habt Ihr zur FSK (Freiwillige Selbstkontrolle)?

Slavko: Sehr gespalten. Da teilweise Filme ab 12 im Kino laufen, die ich ab 18 gemacht hätte, und Filme ab 18, die ich ab 12 gemacht hätte. Anscheinend hängt das immer von der Tagesform der FSK- Leute ab :o) Schade ist nur, dass das manche Produktionen zerstören kann.

Slavica: FSK find ich als einen guten Gedanke. Nur, es läuft nicht immer fair und korrekt ab, finde ich.

 

10. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Eurem Leben?

Slavko: Familie, Gesundheit, Film, Musik, Sport …. Ohne Frieden und Liebe zu erwähnen, denn das ist sowieso klar.

Slavica: An erster Stelle ist Familie, Freunde, Gesundheit und Frieden, dann kommen sofort danach Film, Musik und Bücher

 

Ich bedanke mich ganz herzlich für die interessanten Antworten und freue mich schon jetzt auf Euren neuen Film.

Slavica: Vielen Dank auch an Dich für das nette Interview und an die tollen Kritiken für „Zwischen den Linien“ und „Caedes“.

Infos über „Zwischen den Linien“ und „Caedes – Die Lichtung des Todes“ bekommt man, wenn man auf die Filmtitel klickt.

© 2015 Wolfgang Brunner / Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak

 

Interview mit dem Regisseur Benjamin Bechtold

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© Benjamin Bechtold

Benjamin Bechtold, Jahrgang 1982, wurde in Gießen geboren. Schon mit achtzehn Jahren begann er Drehbücher zu schreiben und widmete sich ganz dem Film. Zehn Jahre später, 2010, gründete er das Kreativ-Label „Fearling Entertainment“ für Drehbuch- und Kurzfilmproduktionen.
Über Fearling Entertainment entstanden Kurzfilme wie etwa „Lovely Wolf“ oder „Dämonisch“, die für viele Filmpreise auf internationalen Festivals nominiert wurden.
Film-Besprechungen freut sich auf die Antworten des kreativen Regisseurs.

1. Deine Filme überzeugen durch ungewöhnliche Plots. Wie, wann und wo kommen diese Ideen zu Dir?

Mir schießen ständig Ideen durch den Kopf. Das sind oft nur einzelne Bilder oder Situationen. Wenn sich genug angesammelt hat, setze ich mich hin und fange an zu basteln. Eine gute Geschichte setzt sich ja immer aus einer Vielzahl von Ideen zusammen. Wenn mich eine Story so richtig packt, ist es ein bisschen so, als öffne man die Büchse der Pandora! Ich lasse mich dann von der Stimmung verschlingen und tauche voll ein. In solchen Phasen ist es nicht immer leicht mit mir. Aber nur auf diese Weise kann man eine bewegende Geschichte erzählen. Sonst kratzt man nur an der Oberfläche.

2. Wie macht man sich auf die Suche nach geeigneten Schauspielern und anderen Leuten für das Team?

Das richtige Team zu finden ist immer eine aufwendige Angelegenheit – gerade in Zeiten, in denen das Geld knapp ist. Bei Schauspielern bieten sich Castings an. Im Laufe der letzten Jahre ist bereits ein sehr umfangreiches Netzwerk talentierter Leute um mich herum entstanden, mit denen ich regelmäßig in Kontakt stehe. Man kann nicht bei jedem Projekt zusammenarbeiten, denn es muss immer für das jeweilige Projekt passen. Fest steht: Ein guter Film hängt sehr von einem zuverlässigen und guten Team vor und hinter der Kamera ab. Denn gerade bei den aufwendigen Kurzfilmprojekten hängt jeder Tag und jede Minute am seidenen Faden.

3. Welches Erlebnis führte dazu, Regisseur und Drehbuchautor zu werden?

Ich hatte schon immer eine kreative Ader.  Als Kind habe ich mit Freunden Hörspiele auf einem tragbaren Kassettenrekorder aufgenommen. Als Teenager schrieb ich dann Kurzgeschichten, Gedichte und einen 120 seitigen Roman. Bei einer Party im Jahr 2001 meinte dann ein Kumpel nach ein paar Bierchen: „Du schreibst doch Geschichten – und wir mögen beide Filme! Schreib doch mal ein Drehbuch! Dann drehen wir einen Film!“ Er rechnete allerdings nicht damit, dass ich mich schon am nächsten Tag hinsetzen würde, um ein Skript zu verfassen. Wir liehen uns ein paar Scheinwerfer und eine S-VHS Kamera beim Offenen Kanal Gießen und filmten wild drauf los. Nach einem Jahr war ein 86-minütiger Film fertig und das Ergebnis war – sehr peinlich! Glücklicherweise existieren nur noch wenige Kopien von diesem Desaster! Von da an hatte ich jedenfalls Blut geleckt und wollte herausfinden, wie es richtig geht.

4. Hast Du schon einmal daran gedacht, einen Roman und kein Drehbuch zu einer Deiner Geschichten zu schreiben?

Vor den Drehbüchern habe ich viel Prosa geschrieben. Meine ersten Drehbücher waren auch noch zu prosa-lastig für ein funktionierendes Skript. Ich musste mir die ausufernde und „blumige“ Sprache erst einmal abgewöhnen, um zu dem bildbezogenen und formaleren Schreibstil eines Drehbuchs zu kommen. Das wäre nun wahrscheinlich umgekehrt die Schwierigkeit, wenn ich mich wieder auf einen Roman einlassen würde. Aber das müsste man mal auf einen Versuch ankommen lassen!

5. Dein Traumprojekt wäre …?

Immer das, an dem ich gerade arbeite. Ich habe mir bislang den Luxus gegönnt, genau die Projekte zu machen, die ich auch unbedingt machen wollte. Ansonsten würde mich reizen einige meiner abendfüllenden Skripte umzusetzen. Da wäre „VAMPIRE’S SHADOW“, für das ich 2008 für den SEHSÜCHTE DREHBUCHPREIS, Berlin und den HESSISCHEN DREHBUCHPREIS, Frankfurt a.M. nominiert war, mein Favorit. Es ist eine sehr intensive und bildgewaltige Story über einen Autor, der zwischen Wahn und Realität schwankt. Eine Mischung aus „Mulholland Drive“ und „Interview mit einem Vampir“.

6. Wie sieht es mit einem Langfilm von Benjamin Bechtold aus?

Zurzeit arbeite ich mit JAKALE Film aus Kassel an einem sehr spannenden Langfilmprojekt mit dem Titel „NO HATE“, zu dem ich das Skript geschrieben habe. Regie führt Jakob Gisik, von dem die Idee für dieses Projekt stammt. Bei den Dreharbeiten werde ich Jakob auch hinter der Kamera unterstützen. Ansonsten steht fest, dass ich für ein eigenes Langfilmprojekt bereit bin. Ich muss nur noch den Sack mit Geld finden. Dann kann’s sofort losgehen!

7. Welche Art von Filmen schaust Du Dir in Deiner Freizeit an?

Fast alles! Ich hatte schon immer ein breites, genreübergreifendes Interesse an Filmen, was sich auch in meinen eigenen Arbeiten widerspiegelt. Es darf gerne das kleine Arthaus-Drama wie „Nach der Hochzeit“ oder „Broken Circle“ sein, genauso aber Horrorschocker wie „Martyrs“ oder „Eden Lake“. Aber auch Blockbusterkino im Stil von „X-Men“ und Co. Ich liebe den schwarzen Humor von dänischen Komödien, wie „Dänische Delikatessen“ oder „Adams Äpfel“. Figuren wie Freddy Krüger, Terminator und Alien haben meine Kindheit und Jugend geprägt. Unzählige Ereignisse meines Lebens verbinde ich mit Filmen.

8. Printbuch oder ebook? CD oder MP3? DVD/BluRay oder Streaming?

Ebooks und Streaming sind nicht mein Fall. Lieber etwas, das man in die Hand nehmen, drehen und wenden und in den Schrank stellen kann. Für mich gehört ein gutes Artwork, ein schönes Booklet etc. immer dazu. Da bin ich irgendwie altmodisch. Ich sammel den Kram unheimlich gerne, hab meine ganze Bude voll mit CDs und DVDs in allen möglichen Editionen. Mach das mal mit Streams! Ich mag diesen schnellen Konsum nicht, bei dem man sich zehn Clips hintereinander reinzieht und beim Dritten schon vergessen hat, worum es im Ersten ging.

9. Michael Ende sagte einmal, eine Geschichte dauert so lange, wie sie eben dauert. Gilt das Deiner Meinung nach auch für Filme?

Diese Aussage passt natürlich zu dem Autor von „Die unendliche Geschichte! 😉 Aber ich stimme ihm zu. Ein guter Film muss in meinen Augen keine feste Norm erfüllen. Das gilt für die Länge genauso, wie für komplexe Erzählstrukturen. Da gibt es unzählige Beispiel, wie „Memento“, „Mulholland Drive“, „Dogville“, „Mr. Nobody“, „The Fountain“… Viele großartige Filme, die ich sehr schätze, machen es dem Zuschauer in vielen Punkten überhaupt nicht recht. Sie verlangen, dass man sich auf sie einlässt und nicht zwischendurch ne Runde döst oder Nüsschen holt. Wenn man dran bleibt, bekommt man ein unglaubliches und beeindruckendes Filmerlebnis geboten, das noch lange in einem nachbebt. Leider ist die Bezeichnung „guter Film“ nicht immer gleichzusetzen mit „erfolgreicher Film“. Je mehr du dem Zuschauer abverlangst, umso mehr schalten irgendwann ab. Sehr schade! Andererseits kann man der Muddi, die beim Bügeln ihr „Großstadtrevier“ schauen möchte, auch nicht vorschreiben „Fight Club“ einzulegen. Da würde ihr wahrscheinlich das Eisen aus der Hand fallen!

10. Wo siehst Du Dich in zehn Jahren? Was ist Dein angestrebtes Ziel?

Da bin ich hoffentlich 43 Jahre alt. Mich treibt das Gefühl an, nie richtig angekommen zu sein! Ich glaube nicht, dass sich das in den nächsten zehn Jahren ändern wird.

11. Das Wichtigste in Deinem Leben? Nenne fünf Dinge?

Mein Leben, meine Lieben, meine Gesundheit, meine Kreativität und mein Hund.

Ich bedanke mich bei Dir für Deine interessanten Antworten und hoffe, noch vieles von Dir zu sehen bekommen. Deine Arbeiten überzeugen mich immer wieder. Alles Gute für die Zukunft von Film-Besprechungen.

Danke auch für das nette Interview!

© 2015 Benjamin Bechtold / Wolfgang Brunner

Interview mit dem Regisseur Marcello Filippelli

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© Marcello Filippelli

Marcello Filippelli ist 33 und unabhängiger Filmemacher. Schon in seiner Jugend drehte er mit der Videokamera seiner Eltern kleine Filme. Doch eines Tages wollte er dann mit professionellem Team und Schauspielern arbeiten: Herausgekommen sind spitzenmäßige Kurzfilme wie „Unerträglich“ und „Unvergessen“.
Film-Besprechungen freut sich auf das Interview mit dem dreifachen Familienvater und Independent-Filmer.

1. „Unerträglich“ und „Unvergessen“ behandeln kontroverse Themen. Gibt es dafür Gründe?

Für mich ist es irgendwie schon immer wichtig gewesen, dass meine Geschichten eine Message haben und den Zuschauer zum Nachdenken anregen. Oft sind es eben auch gesellschaftskritische Themen. Ich mag es auch, Fiktion mit realistischen Situationen zu vereinen. Das ist auch schon vom allerersten Film an so gewesen.


2. Deine beiden Kurzfilme sind in unterschiedlichen Genre angesiedelt. Sehe ich das richtig, dass Du Dich nicht auf eine Richtung beschränken willst?


Nur Horror? Nur Action? Nur Drama? Wäre mir in der Tat zu eintönig und langweilig. Ich versuche mich gerne in verschiedenen Bereichen. Entscheidend ist für mich, dass die Geschichte stimmt und einen gewissen Anspruch bietet. Denn genau diese Art Filme sind es, die ich mir auch selber gerne anschaue. Blut, nackte Ärsche und Eingeweide – gerne, aber mit einem gewissen Anspruch bitte. (Lacht)

3. Jeder Künstler hat Vorbilder. Welche sind Deine?

Früher wäre es z.B. Spielberg mit „Der weiße Hai“ gewesen und heute evtl. Besson mit „Léon – Der Profi“ oder auch Scorsese mit „Shutter Island“. Es gibt einige tolle Regisseure, aber aktuell habe ich kein bestimmtes Vorbild.

4. Gibt es denn schon Ambitionen deinerseits, einen Langfilm zu drehen?

Absolut! Den gibt es aber auch schon! „Thank God for Life“. Mein allererster Spielfilm. Produktion 2001-2003 / 78 Min. / 25 Darsteller. Eine harte, aber wunderbare Erfahrung! Ich habe nahezu alles gemacht. Vor und hinter der Kamera. Mit Freunden und Bekannten realisiert. Der Film behandelt diverse Themen: Drogen und ihre Konsequenzen. Kriminalität. Freundschaft. Familie. Träume und Hoffnung. Tolle Geschichte. Ein Remake mit professioneller Unterstützung wäre ziemlich cool. 🙂

5. Was hältst Du von Crowdfunding?

Finde ich eine absolut geniale Sache! Eine klassische Win-Win-Situation! Bisher war es mir immer möglich, die Produktionskosten größtenteils selber zu tragen. „Unerträglich“ hatte z.B. ein Budget von über 3500 Euro. Bei „Unvergessen“ waren es über 2500 Euro. Und wir sprechen hier von einem Hobby! (Lacht) Für eine nächste Kurzfilmproduktion wären etwa 5000 Euro nötig. Da ist eine gemeinnützige Plattform wie Crowdfunding wirklich eine tolle Möglichkeit zur Mitfinanzierung. Mal schauen.

6. Welche Filme sind Deine persönlichen Favoriten? Kannst Du uns vielleicht ein paar Titel nennen?

Ich mag so viele Filme! Da tue ich mich echt schwer, hier einige zu nennen. Weil ich dann bestimmt einige Lieblingsfilme dabei vergesse. Aber ich liebe die Filme von früher! 80er / 90er. Ich mag die guten alten „Handgemachten Filme“. z..B. Rambo – First Blood. Der funktioniert für mich noch bis heute. Ich mochte noch nie zu viel CGI. Wobei CGI bei Filmen wie z.B. „Star Wars“ oder „Avatar“ natürlich Sinn machen.

7. Es gibt mit Sicherheit ein Traumprojekt für Dich. Welches wäre das?

Ein Film a lá Expendables aus der Independent-Szene. Das wäre ziemlich cool! Vielleicht finde ich in naher Zukunft eine passende Kooperation mit anderen kreativen Köpfen. Konzept liegt in der Schublade. (Lacht)

8. Was fällt Dir spontan ein bei

Alan Parker?
Muss ich googlen. (Lacht)

Found Footage?
Wirkt auf mich mittlerweile etwas ausgelutscht.

Alfred Hitchock?
Gehört zu den ganz Großen.

Hans Zimmer?
Gehört zu den ganz Großen.
Wunderbare Kompositionen! Musik ist die Seele des Films.

9. Welche Filme siehst Du privat? Popcorn-Mainstream, Independent oder ArtHaus?

Alle drei Bereiche bieten sich wunderbar an für einen gemütlichen Abend.

10. Welcher fünf Dinge möchtest Du in Deinem Leben nicht missen?

Meine drei Kids. Meine Frau. Gesundheit. Passt! (Lacht)

Film-Besprechungen bedankt sich herzlich für das Interview und wünscht Dir alles Gute für Deine filmische und natürlich auch private Zukunft. Nicht nur wir sind gespannt auf das, was noch von Dir kommt.

© 2015 Marcello Filippelli / Wolfgang Brunner

Interview mit dem Regisseur Ralf Kemper

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Ralf Kemper ist Musiker, Sänger, Gitarrist, Komponist, Regisseur und Cutter. Bis 2007 war er Mitglied der Band „Die Schnitter“, die über 500 Konzerte in Deutschland und der Schweiz aufführten, und wandte sich nach dieser Zeit dem Filmen zu. Kemper arbeitete von Super 8 über MiniDV bis hin zum heutigen 4K Video mit fast allem, was im Videobereich möglich ist. Auf Spielfilme spezialisiert produzierte er bislang 6 Langfilme und einige Kurzfilme als Produzent, Regisseur, Kameramann und Cutter. Seit 2004 veranstaltet Kemper das älteste Trashfilm-Festival Europas „Der phantastische Trashfilm“, das 2016 bereits zum elften Mal stattfindet. Film-Besprechungen freut sich auf ein Interview mit dem vieltalentierten Künstler.

1. Dein Kurzfilm „Alptraumfieber“ ist ein sehr atmosphärischer Film, der auch die Stilmittel des Found Footage Genres nutzt. Magst Du persönlich Found Footage?

Ich mag Found Footage ganz gern. In letzter Zeit ertappe ich mich allerdings immer wieder dabei, wie ich „Ach nein, nicht schon wieder…“ bei Filmen des Genres sage (zuletzt bei „Katakomben“). Dennoch nutze ich dieses Stilmittel immer wieder für eigene Projekte. „Alptraumfieber“ (https://vimeo.com/137847304) konnte für mich nur funktionieren, wenn ich Found Footage einbaue. Eigentlich war es mir bei der Produktion wichtig, auf die Gefahren hinzudeuten, die bei Verabredungen über das Internet entstehen. Wo Du nie weißt, wer hinter einem Usernamen steht. Und genau dafür war Found Footage in diesem Fall herrlich geeignet. Meine Found Footage Lieblingsfilme sind übrigens „REC“ und „Blair Witch Project“.

2. Wie kam es eigentlich genau dazu, dass Du den Weg eingeschlagen hast, Filme zu inszenieren und produzieren?

Den Weg hat mir letztendlich die Technik geebnet. Da ich in den 70` igern aufgewachsen bin, war Film immer gegenwärtig. Immerhin war das die Hochzeit der Super 8 Filmerei und auch bei uns zu Hause wurde viel gefilmt. Meine erste Super 8 Kamera bekam ich mit 14 und bin sofort mit meinen Freunden in den Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe, um einen Vampirfilm zu drehen. Filmschnipsel davon habe ich heute noch. Ich habe damals viele, viele Meter Film mit Super 8 gedreht. Für mein Projekt „Toxic Lullaby“ konnte ich davon profitieren. Da gibt es Szenen, die mit meiner guten alten S8 Kamera gedreht wurden.
Aber zurück zu meinem Weg. Nach der Super 8 Zeit kam die VHS Zeit. Da habe ich dann lieber Musik gemacht und meine Liebe zum Film hatte bis 1999 Pause.
Als die Digitalkameras dann auf den Markt kamen und Schnittsysteme erschwinglich wurden hat das in mir die Leidenschaft zum Film wiedererweckt. In 2000 habe ich mit einem Freund (der bei meinem ersten Vampirfilm ein Opfer spielte) die erste digitale Produktion „Ein Weihnachtslied“ realisiert. Ein Found Footage Film über eine Gruppe Zivilisten, die einen Bunker wegen einer Zombieepidemie herrichten sollen. Die digitalen Möglichkeiten des Filmschneidens haben mich sofort in den Bann gezogen. Musste ich bei Super 8 noch mit Schere und Kleber arbeiten, wo das verfügbare Material immer kürzer wurde, konnte ich digital 100 mal die gleiche Stelle bearbeiten ohne den Verlust eines einzigen Bildes.
Das ist nach wie vor das fantastische am Filmemachen; der Filmschnitt. Beim Schnitt kann ich sogar die Story noch beeinflussen. Immer vorausgesetzt, dass ich genügend Material zur Verfügung habe, kann ich Geschichten aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen. Das macht mir am Filmemachen am meisten Spaß. Die aktuelle Version von „Alptraumfieber“ ist beispielsweise die vierte Schnittversion.

3. Du hast E-Gitarre in der Kasseler Band „Die Schnitter“ gespielt und auch gesungen. Hat Musik immer noch eine wichtige Bedeutung für Dich und welche?

Ich spiele immer zwischen den Produktionsphasen Gitarre oder Schlagzeug. Das entspannt. Die Musik selbst ist sehr wichtig bei dem Entstehungsprozess meiner Projekte. Da gibt es zum Beispiel einen Song der Band „Mad Monks“, mit denen ich 2004 auf der Bühne stand. Er hat mich beim Schreiben von „Überfall der Mörderrucksäcke“ stark inspiriert und wurde dann auch zur musikalischen Untermahlung der Titel Credits. Musik beeinflusst das Bild. Ich bevorzuge handgemachte Gitarrenmusik. Das gefällt mir in Filmen, die ich sehe, und das gefällt mir noch mehr in Filmen, die ich mache. Dabei arbeite ich bei meinen Projekten am liebsten mit befreundeten, regionalen Musikern zusammen.

4. Gab es schon einmal einen Punkt, an dem Du dachtest, Du würdest ein Projekt nicht „stemmen“?

Ich würde sagen mehrmals schon beinahe. „Toxic Lullaby“ (https://vimeo.com/ondemand/toxiclullabyeloise) war eine Gratwanderung von dem, was wir machen wollten und machen konnten. In der Vorproduktion lief alles nach Plan, viele Departments waren besetzt. Als es dann an die Dreharbeiten ging, sind einige Leute leider überfordert gewesen und abgesprungen. Also mussten wenige viel stemmen. Es hat dennoch funktioniert und Mut gemacht für zukünftige Produktionen.
Mit diesem Hintergrund bin ich in die Produktion von „Damned On Earth“ gegangen. Wir wollten alles besser machen, aber es lief ähnlich ab wie bei Toxic und die Produktion gestaltete sich von Monat zu Monat schwieriger. Wir mussten so viele Szenen aus dem Script streichen, beziehungsweise umschreiben, weil die Umsetzung einfach nicht möglich war. Das Ganze zog sich sehr lange hin und die Postproduktion dauerte über ein Jahr. Da gab es viele Momente, an denen ich aufgeben wollte. Der Film ist dann trotzalledem fertig geworden. Nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber so ist das eben.

5. John Carpenter oder Steven Spielberg? Warum?

Ganz klar John Carpenter, weil er seine Ideen mit wesentlich weniger Budget umsetzt als Spielberg.

6. Könntest Du Dir vorstellen, einmal ein anderes Genre als Horror zu bedienen? Wenn ja, für welches Genre würdest Du Dich entscheiden?

Science Fiction fasziniert mich. Und zwar alles, was in den Weiten des Weltraums spielt. Das kommt sicher daher, dass ich mit Kirk, Spock und der USS Enterprise aufgewachsen bin. Ich habe sogar ein SciFi Drehbuch in der Schublade. Allerdings wäre eine Produktion wesentlich teurer als meine bisherigen Produktionen und so warte ich da lieber auf bessere Tage, bevor tolle Ideen mal wieder budgetbedingt aus dem Script gestrichen werden müssen.

7. Welches literarische Werk würdest Du am liebsten verfilmen? Oder sind Literaturverfilmungen gar nicht Dein Fall?

Ich bin nicht so der Fan von Literaturverfilmungen. Ich lese sehr viel und bin meist enttäuscht, wenn ich dann eine Verfilmung sehe. Aber es gibt in der Tat ein Buch, welches ich gern verfilmen würde. „Fast tot“ von Ralph Hasselberger. Das beste Zombiebuch, das ich bisher gelesen habe. Mit tollen Charakteren, realistischen Szenarien und einer Portion schwarzem Humor, der gerade noch passend ist. Das einzige Problem, was einer Verfilmung im Wege steht, ist die Ansiedlung der Handlung in Marburg und Gießen und dass die Story den Ausbruch der Seuche beschreibt. Eine Zombiefilmproduktion in den besagten Städten wird doch eher sehr schwer umzusetzen sein und würde wahrscheinlich nicht zwingend gefördert werden. Da ich mit dem Autor schon oft gearbeitet habe, würde die Zusammenarbeit bei einer Verfilmung seines Buches sicher fruchten, aber wir müssten ein wirklich großes Budget zusammentragen.

8. Auch wenn „Damned On Earth“ noch relativ neu ist, kannst Du schon etwas über Deinen nächsten geplanten Film erzählen?

Ich arbeite derzeit an 4 Ideen, die zum Teil auch schon in Drehbüchern ganz gut vorgeformt sind. Wie oben schon erwähnt, gibt es ein Drehbuch aus dem Science Fiction Comedy Bereich. Und kein Geheimnis ist, dass es ein fertiges Drehbuch zu einer Fortsetzung von „Toxic Lullaby“ gibt. Ich schreibe grade an einer Found Footage Geschichte, die nur über eine Webcam erzählt wird, und an einem Projekt, das fest in der Nordhessischen Region angesiedelt ist, wo es im weitesten Sinne um Hexen geht.
Was, oder ob überhaupt etwas davon ein potentielles Projekt werden wird, ist natürlich ungewiss. Ich hoffe, ich kann dies Jahr noch in eine Vorproduktionsphase gehen … ich bin selbst gespannt welches Projekt es werden wird.

9. Wie siehst Du die Zukunft des deutschen Films?

Ich glaube, dass sich da in Zukunft einiges tun wird. Durch mein Festival „Der phantastische Trashfilm“ (tff.spontitotalfilm.com) sehe ich die Werke vieler Filmemacher. Da bei dem Festival der Focus auf „phantastischer Film“ liegt, laufen da nicht nur „schlechte“ Filme. Ganz im Gegenteil: Die Digitaltechnik erlaubt talentierten Filmemachern ihr Potenzial zu zeigen, ohne das sie große Produzenten im Rücken haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es einige gibt, von denen wir in Zukunft mehr sehen werden. Dazu kommt, dass Filmemacher ihre Filme online On Demand, abseits der großen Anbieter, verkaufen oder verleihen können. Da geht das Geld direkt an die Filmemacher und nicht an Labels und Studios (meine letzte Produktion „Damned On Earth“ kann man zum Beispiel hier finden https://vimeo.com/ondemand/damnedonearth).
Natürlich werden die großen Studios gegensteuern und weiterhin versuchen, den Markt mit ihren Produkten zu steuern. Aber früher oder später werden die Konsumenten Lust auf neue Ideen und Produktionen bekommen. Und dann kommt die Stunde der Indifilmer

10. Verrätst Du uns Deinen größten beruflichen Wunsch / Traum?

Mein Wunsch ist das der Low- und Nobudget Filmbereich mehr Beachtung findet. Allein schon die Tatsache, dass ein Film nicht auf einer Scheibe veröffentlicht wird und nur online angeboten, macht ihn für 90% der Onlineportale, Magazine und Blogs so uninteressant, dass der Film nicht einmal eine Erwähnung erfährt. Deshalb, man möge mir es verzeihen, habe ich die Links zu meinen Filmen on Demand direkt in das Interview eingebaut. Ich musste die bittere Erfahrung machen, dass kaum auf die Veröffentlichungen meiner Filme on Demand reagiert wurde. Bei den VÖ`s über DVD sah das noch ganz anders aus. Und da liegt die bittere Ironie des Ganzen. An den DVD´s verdienen meist andere.

11. Die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben sind …?

Meine Familie
Freiheit
Musik
Film
Trash

Film-Besprechungen bedankt sich bei Dir für die interessanten Antworten und wünscht, dass sich all Deine Träume erfüllen. Viel Erfolg bei den nächsten Projekten.

© 2015 Ralf Kemper / Wolfgang Brunner