Cosmopolis (2012)

Originaltitel: Cosmpolis

Lauflänge: 108 Minuten

Regie: David Cronenberg

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Der erfolgreiche und vor allem stinkreiche Vermögensverwalter Eric Packer macht sich eines Tages auf den Weg zum Friseur. Der exzentrische Mann fährt mit seiner Strechlimousine durch die Stadt (Manhattan) und begegnet dabei verschiedenen Menschen. Bedingt durch einen Stau, verursacht durch einen Besuch des amerikanischen Präsidenten in der Stadt, steckt Packer permanent im Stau. Dadurch kann er seine Limousine zeitweise verlassen, sich mit seiner Frau in einem Restaurant treffen, diverse Liebesafffären in Hotelzimmern, aber auch in seinem Wagen, erleben und durchstreift dabei eine arachaische Stadt voller seltsamer Begebenheiten.

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Der neueste Film von David Cronenberg (Scanners, Die Fliege, Naked Lunch) besticht durch eine eigentliche Mischung aus Literaturverfilmung und Kammerspiel. Wen man sich erst einmal auf den Film eingelassen hat, wird man mit einer Reise in eine verdrehte Welt belohnt, in der gewalttätige Globalisierungsgegner durch die Stadt ziehen, ein Rapper zu Grabe getragen wird und der Präsident die Stadt besucht. Und mitten durch dieses nahezu apokalyptisch wirkende Szenario schleicht Packers Luxuslimousine durch den meist fast stehenden Verkehr. Im Inneren des Fahrzeugs gibt sich der Millionär seinen Sexfantasien hin, lässt sich während der Fahrt von einem Arzt untersuchen, philosophiert über Kursentwicklungen und digitale Welten.

Als er dann schließlich sein Ziel erreicht, den Friseur, gerät sein Leben plötzlich aus den Fugen, als auf ihn aus einem Fenster gegenüber geschossen wird.

Cronenberg kann es besser (das hat er mit „A History Of Violence“ und „Tödliche Versprechen-Eastern Promises“ bewiesen, dennoch hat er, wie in „Naked Lunch“, eine für mich gelungene Verfilmung des Romans von Don DeLillo erschaffen. Wie gesagt, man muss sich auf den Film einlassen, sonst wirkt er eher langweilig. Hilfreich ist es mit Sicherheit, die literarische Vorlage zu kennen, um dem Plot folgen zu können.
Robert Pattinson, dem die Verfilmung der Twilight-Saga zum Ruhm verhalf, leistet hervorragend und vor allem überzeugende Arbeit. Gerade in der letzten halben Stunden, die mich irgendwie auch an „Naked Lunch“ erinnert hat (zumindest was die Machart anging), macht der Film wahnsinnigen Spaß, was die Dialoge zwischen Packer und seinem Attentäter angeht.
Und Howard Shore, Cronenbergs Hof- und Hausmusiker, liefert einen zum Film hervorragend passenden Soundtrack an, der jedoch, hört man ihn ohne Film auf CD an, ohne nennenswerte Höhepunkte an einem vorbeizieht.

So einfach gestrickt der Film auch wirkt, die Bilder verlassen einen nicht mehr (zumindest ging es mir so) und wirken nach. Cronenbergs Filme sind in der Regel extrem blutig (man denke nur an Scanners, Videodrome, Die Unzertrennlichen), aber hier, wie auch in seinen letzten Film „Eine dunkle Begierde“, konzentriert sich der Regisseur mehr auf Handlung als auf Spezialeffekte.

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Fazit: Außergewöhnliche Literaturverfilmung nach einer Vorlage von Don DeLillo, die man kennen sollte, um den Film zu begreifen bzw. genießen zu können. Beeindruckende schauspielerische Leistung von Robert Pattinson und Paul Giamatti, der mich schon als Hauptdarsteller in M. Night Shyamalans „Lady In The Water“ überzeugt hat.

© Wolfgang Brunner

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After Earth (2013)

Originaltitel: After Earth

Lauflänge: 100 Minuten (uncut)

Regie: M. Night Shyamalan

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Vor eintausend Jahren musste die Menschheit die Erde verlassen. Sie zog sich auf den Planeten Nova Prime zurück und baute sich dort eine neue Heimat auf.

General Cypher nimmt seinen dreizehnjährigen Sohn Kitai auf einen Trainsingsflug mit, um die Vater-Sohn-Beziehung wieder gerade zu rücken.

Als sie in einen Asteroidensturm geraten, fliehen sie mittels eines Wurmlochs und stürzen auf einem fremden Planeten ab. Einzige Überlebende der gesamten Crew: Vater und Sohn.
Schon bald entdecken die beiden, dass sie auf der Erde gelandet sind. Da Cypher schwer verletzt ist, muss sich Kitau auf den Weg zum etwa 100 Kilometer entfernten Heck des abgestürzten Raumschiffs machen, um einen Rettungssender zu finden.

Hochintelligente, aber bösartige Tiere bevölkern die Erde und Kitai muss sich auf seinem Weg gegen vielerlei Gefahren verteidigen.

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M. Night Shyamalan war seit „The Sixth Sense“ bis hin zu „The Happening“ einer meiner Lieblingsregisseure. Seit „Die Legende von Aang“ dann leider nicht mehr.

Mit „After Earth“ schaffte er es zumindest wieder, ein paar Pluspunkte bei mir zu ergattern, auch wenn sein neuester Film weit weg von seinen anderen Filmen entfernt ist.

Will Smith und Jaden Smith spielen neben ein paar gelungenen Specialeffects die Hauptrolle und das machte den Film für mich interessant. Das „Vater-Sohn-Ding“ funktioniert bisweilen im Film, auch wenn Jaden meiner Meinung nach seinen Vater an die Wand spielt. Das mag vielleicht daran liegen, dass Jaden eine größere Rolle zukommt, aber auch Mimik und Gestik überzeugten mich mehr.

Der Film ist allemal unterhaltsam, auch wenn die Handlung eher einfach und nichtssagend gestrickt ist. Wunderbare Landschaftsaufnahmen wechseln sich mit Spezialeffekten ab und lassen einen die Zeit tatsächlich vergessen.

James Newton Howard komponierte eine wunderbare Musik, die die Bilder oftmals eindrucksvoll untermalt.

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Fazit: Überzeugende Leistung von Will Smiths Sohn Jaden, eindrucksvolle Bilder, aber eine eher nichtssagende Handlung, stellen den neuen Film von M. Night Shyamalan dar. Besser als „Die Legende von Aang“, aber schlechter als alle Vorgänger. Für Freunde von Endzeitfilmen empfehlenswert, da sehr kurzweilig und zumindest optisch sehenswert.

© Wolfgang Brunner

Evil Dead (2013)

Originaltitel: Evil Dead

Lauflänge: 91 Minuten (uncut)

Regie: Fede Alvarez

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„Evil Dead“ bezieht sich auf den Horrorfilm „Tanz der Teufel“ von Sam Raimi aus dem Jahr 1981.

Zwei Männer und drei Frauen treffen sich in einer einsamen Waldhütte, um einer der Frau beim kalten Drogenentzug beiszustehen.

In der Hütte riecht es verwest und die Gruppe entdeckt im Keller inmitten von getöteten Katzen ein mysteriöses Buch. Als einer der Männer unbeabsichtigt ein paar Worte daraus laut vorliest, erweckt der das Böse.

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Mit „Remakes“ bzw. „Neuinterpretationen“ alter Kultfilme ist das immer so eine Sache. So waren bereits vor Kinostart laute Rufe zu hören, dass der Klassiker „Tanz der Teufel“ nicht wiederverfilmabar wäre.

Regisseur Fede Alvarez schafft aber meiner Meinung nach ein kleines Kunststück mit seinem Film. Fast schon mit Fingerspitzengefühl nähert er sich der alten Raimi-Story, der übrigens zusammen mit dem damaligen Hauptdarsteller Bruce Camübell mitproduziert hat, und bringt dennoch frischen Wind in den Handlungsablauf. Mit „frischem Wind“ ist aber erfreulicherweise nicht eine Anhäufung von computeranimierten Spezialeffekten gemeint, sondern eine eigenständige Interpretation der Geschehnisse. Wobei mir immer noch, wie beim ersten Film, die Logik der Handlung verborgen bleibt. Aber es ist ein Horrorfilm, der unterhalten soll, und da spielt in erster Linie die Atmosphäre und die Schock-, bzw. Splattereffekte eine Rolle.

Alvarez schafft eine wunderbare Stimmung, die tatsächlich an die Filme der 80er Jahre erinnert und fernab von Edelproduktionen wie „Daybreakers“ oder „World War Z“ ist.
Das ist es auch, was (für mich) den Film ausmacht und vor allem sehenswert macht. Die Masken und Splattereffekte sind „Handmade“. Oft fühlte ich mich an die alten Peter Jackson Filme („Bad Taste“ und „Braindead“ ) und die guten alten Zombiefilme erinnert.

Mit Blut wurde nicht gespart und im Zeitalter von HD wirken die Aufnahmen wirklich gut und glaubhaft.

Mir hat der Film sehr gut gefallen und ich empfinde ihn als würdige Neuinterpretation von Raimis Klassiker.

Warum der Film allerdings in zwei Fassungen (FSK 18: 90 Minuten und SPIO/JK: 91 Minuten) auf den Markt kommt, bleibt mir ein Rätsel. Eine Uncut Version als FSK 18 zu veröffentlichen, hätte durchaus gereicht.

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Fazit: Aus meiner Sicht gelungene Neuinterpretation des Sam Raimi Klassikers mit glaubhaften Effekten, die nicht aus dem Computer stammen und daher enorm Spaß machen, und jeder Menge Blut.

© Wolfgang Brunner