Mandy (2018)

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Originaltitel: Mandy
Regie: Panos Cosmatos
Drehbuch: Panos Cosmatos, Aaron Stewart-Ahn
Kamera: Benjamin Loeb
Musik: Jóhann Jóhannsson
Laufzeit: 121 Minuten
Darsteller: Nicholas Cage, Andrea Riseborough, Linus Roache, Ned Dennehy, Olwen Fouéré, Line Pillet, Clément Baronnet, Alexis Julemont
Genre: Horror, Fantasy
Produktionsland: USA, Belgien
FSK: ab 18 Jahre

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Einzelgänger Red Miller, eigentlich sehr liebevoll und friedlich,  musste hilflos mit ansehen, wie seine große Liebe Mandy von den Mitgliedern einer religiösen Sekte verbrannt wurde. Jeremiah Sand, der Führer der religiösen Fanatiker hatte sie entführt und kaltblütig umgebracht, weil sich Mandy ihm verweigert hat. Red hat alles verloren, was ihm im Leben wichtig war und  nichts mehr zu verlieren. Mit einer gewaltigen Axt und einer Droge, die ihm schier übermenschliche Kräfte verleiht, macht er sich auf einen grausamen Rachefeldzug.

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Der Film „Mandy“ hat schon im Vorfeld die Geister geschieden, bevor der Hype um ihn überhaupt losging. Als hätten Peter Greenaway, David Lynch, Lars von Trier, Dario Argento und Peter Jackson gemeinsam einen Film gedreht und jeder dufte seinen Launen freien Lauf lassen, so könnte man „Mandy“ durchaus bezeichnen, wenn man ihn angesehen und ein wenig sacken lassen hat. Panos Cosmatos‘ neuester Film erinnert ein wenig an seinen Debütfilm „Beyond The Black Rainbow“, in dem er ebenfalls mit psychedelischen Farbkompositionen gespielt hat und sich mehr auf den künstlerischen Aspekt des Films als auch die eigentliche Handlung konzentriert hat. „Mandy“ wirkt in der Tat wie ein Drogenrausch im ArtHaus-Format: ruhig, abgedreht, pseudo-philosophisch und unerbittlich brutal. Man muss sich natürlich darauf einlassen (können), um das Racheepos in vollen Zügen zu genießen. Wer die Inszenierung nicht an sich heranlässt, wird schnell gelangweilt sein und permanent in Versuchung geraten, den Ausschaltknopf zu betätigen. 😉

Ich gehöre eindeutig zu den Zuschauern, die ihre wahre Freude bei „Mandy“ hatten. Vor allem der sehr ruhig gehaltene Einstieg hat mich nachhaltig in seiner atmosphärischen Wirkung beeindruckt, was wiederum aber nicht bedeutet, dass mich die Steigerung in einen brutalen Rachefeldzug nicht überzeugt hat. „Mandy“ besteht für mich aus zwei Teilen, die jeweils ihren eigenen und besonderen Reiz bilden. Während die erste Hälfte fast schon sinnlich und poetisch daherkommt, entwickelt sich die zweite Hälfte zu einem Blutbad, wie es Peter Jackson in seinen Anfangszeiten zubereitete. Oftmals zeigten sich sogar Parallelen zu „Braindead“, obwohl die Themen der beiden Filme vollkommen unterschiedlich waren. „Mandy“ arbeitet vor allen Dingen mit seiner bildgewaltigen und künstlerischen  Inszenierung, wenngleich gerade dieser künstlerische Aspekt von vielen Zuschauern aus „Pseudokunst“ bezeichnet wird. Cosmatos hat Dario Argentos Visionen aus meiner Sicht sozusagen perfektioniert und in einem künstlerischen Kontext dargestellt. Genau diese Kombination trägt zu der unglaublich intensiven Stimmung bei.

Schauspielerisch bewegt sich „Mandy“ definitiv auf sehr hohem Niveau, allerdings wage ich anzuzweifeln, dass es sich hier um die beste Leistung von Nicholas Cage handelt. Denn er hat zum Beispiel in der leider vollkommen untergegangenen (und unterbewerteten) Literaturverfilmung „Joe“ ein wirklich oscarreifes Schauspiel geboten, das besser nicht hätte sein können und „Mandy“ absolut übertrifft. Dennoch stellt er hier den abgedrehten, von unbändiger Rache besessenen Red Miller unglaublich überzeugend und voller Hingabe dar. Somit zähle ich auch diese Rolle zu denen von Cages besten, die man so schnell nicht vergisst. Aufmerksame Zuseher werden die zahlreichen Anspielungen auf (Kult-)Filme der 80er Jahre bemerken, die wirklich sehr liebevoll und teilweise versteckt von Cosmatos eingebaut worden sind. „Mandy“ ist ein Film, den man nicht nur einmal ansehen darf, denn zu viele Verweise auf diverse Filme verbergen sich darin, die entdeckt werden wollen. Der mehr als passende Score wurde von Johann Johannsson komponiert und stellt leider seine letzte Arbeit dar, da der Komponist noch im Jahr 2018 an einer Überdosis Kokain verstorben ist.  „Mandy“ ist ein Gesamtkunstwerk, das man unter vielen verschiedenen Aspekten betrachten sollte: Da sind zum einen die wirklich guten und mutigen Leistungen der Schauspieler  und zum anderen die phänomenale visuelle Umsetzung. Hinzu kommt dann aber auch noch die bereits erwähnte musikalische Untermalung, die aus den gezeigten Bildern (die ohnehin schon für sich allein stehend ein Kunstwerk darstellen) eine weitere Dimension herausholt. „Mandy“ ist ein Film für Filmliebhaber. Und man mag ihn oder eben nicht – ich mag ihn definitiv, weil er sich so wohltuend vom Mainstream-Brei abhebt und einen eigenen, innovativen Weg geht, der seinesgleichen sucht. Unbedingt mehr davon, Herr Cosmatos!

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Fazit: Stylischer, surrealer Filmtrip, der brutalen Horror und philosophischen ArtHaus-Stil grandios verbindet.

© 2019 Wolfgang Brunner

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Radio Silence -Der Tod hört mit (2012)

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Originaltitel: Radio Silence – Der Tod hört mit
Regie: Marco Riedl, Carsten Vauth
Drehbuch: Marco Riedl
Kamera: Marco Riedl
Musik: Andrew Reich (II)
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Dennis Schmidt-Foß, Detlef Bierstedt, Ian Odle, Dietmar Wunder, Silvia Hauten
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahre

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Doc Rock ist Radiomoderator und behandelt in seiner Sendung immer aktuelle Themen, wie zum Beispiel die schrecklichen Taten eines Serienkillers, der Nachtschlitzer genannt wird. Eines Nachts hat er den Täter persönlich während einer Livesendung an der Leitung. Wenn Doc Rock es schaffen würde, den Mörder davon abzuhalten, einen weiteren Mord zu begehen, würde er sein nächstes Opfer unbehelligt laufen lassen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt …

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Der Thriller von Marco Riedl und Carsten Vauth kommt mit einer wirklich tollen Optik daher. Die Inszenierung ist handwerklich absolut top und erinnert an manchen Stellen sogar an die Filme der Meister Alfred Hitchcock oder John Carpenter. Die wunderbare Musik von Andrew Reich (II) untermalt hervorragend die stylischen Bilder des Regieduos.
„Radio Silence“ ist ein Hochglanz-Thriller, der an alte Filme erinnert und wunderbare, stimmungsvolle Bilder hat. Gerade die Außenaufnahmen sind eine optische Augenweide. Die meiste Zeit spielt der Film aber im Radiostudio, doch durch die wirklich spannende und kurzweilige Handlung fällt dies aber gar nicht weiter auf.

Ich persönlich hätte es allerdings besser gefunden, wenn der Film ernster und nicht so trashig geworden wäre. Man merkt oft, dass die Regisseure manch eine Szene mit einem Augenzwinkern gedreht haben und viele Anspielungen auf andere Filme darin verpackt haben. Und das überdrehte Ende nahm dem Film dann letztendlich seine Authentizität. Prinzipiell habe ich nichts gegen eine solche Art von Film, aber ich bin sicher, dass in diesem Fall weniger Humor besser für den Film gewesen wäre.
Besonders hervorzuheben sind die oftmals unerwarteten Wendungen, die sich durch den ganzen Plot ziehen. Das unterhält absolut und hat mich wirklich in den Bann gezogen. An „Radio Silence“ sieht nichts deutsch aus, obwohl es ein Film aus Deutschland ist. Einzig die Außenaufnahmen erinnerten mich an die stimmungsvollen Edgar Wallace-Verfilmungen. Gerade das war es, was mir an „Radio Silence“ so gefallen hat, gemixt mit ein paar mehr oder weniger offensichtlichen Prisen aus modernen Thrillern wie „Saw“.

„Radio Silence“ funktioniert und das ist das Wichtigste. Sicherlich gibt es an einigen Stellen ein wenig zu nörgeln, so sind zum Beispiel an einigen Stellen die Dialoge sehr einfach gestrickt.  Wer jedoch Logikfehler vermutet und entdeckt, sollte nicht sofort beim Erscheinen des Abspanns das Kino verlassen oder auf die Stop-Taste drücken. Das Warten bis zum „echten“ Ende lohnt sich und gibt ein paar Antworten. Insgesamt halte ich „Radio Silence“ handlungstechnisch zwar nicht besonders einfallsreich, dafür aber handwerklich sehr geschickt und professionell. Die stimmungsvollen Bilder sind unbedingt sehenswert.

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Fazit: Deutscher Thriller, der nicht deutsch aussieht. Stylisch und optisch sehenswert, hakt es ein wenig an der zwar wendungsreichen, aber nicht besonders außergewöhnlichen Handlung. Sehenswert ist „Radio Silence“ auf jeden Fall.

© 2015 Wolfgang Brunner

The Broken (2008)

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Originaltitel: The Broken
Regie: Sean Ellis
Drehbuch: Sean Ellis
Kamera: Angus Hudson
Musik: Guy Farley
Laufzeit: 93 Minuten
Darsteller: Lena Headey, Ulrich Thomsen, Melvil Poupaud, Michelle Duncan, Asier Newman, Richard Jenkins, Darren Elliot Holmes, Howard Ward
Genre: Thriller, Horror
Produktionsland: Großbritannien, Frankreich
FSK: ab 16 Jahren

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Gina traut ihren Augen nicht, als sie eines Tages sich selbst in einem Wagen vorbeifahren sieht. Sie verfolgt die Doppelgängerin und findet in deren Wohnung Bilder von sich und ihrem Vater. Von der Entdeckung völlig verstört, verursacht Gina auf der Heimfahrt einen Unfall, den sie nur knapp überlebt. Als sie im Krankenhaus aufwacht, erinnert sie sich nur noch bruchstückhaft an die Ereignisse. Doch immer mehr Fragmente setzen sich wie ein Puzzle zusammen und Gina sieht sich in einem schrecklichen Alptraum wieder, der anscheinend zur Realität geworden ist.

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Sean Ellis setzt mit „The Broken“ den Weg konsequent fort, den er 2006 mit „Cashback“ begann. Surreal, lynchesk und verstörend erzählt er die Geschichte einer Frau, die nicht mehr weiß, was Realität und Halluzination ist. Geschickt verwebt Ellis die Ebenen und lässt auch den Zuseher ratlos und irritiert zurück. Das ist mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack, aber wer sich auf derartige Filme einlassen kann, wird mit einem mitreißenden Thriller belohnt, der durch eine künstlerische Optik besticht.

Lena Headey kann vollends überzeugen, ebenso wie der fabelhafte Richard Jenkins, den ich in seiner Rolle als Nathaniel Fisher senior in der umwerfenden Serie „Six Feet Under“ überaus schätze. Immer wieder fühlt man sich an die Werke von David Lynch erinnert, obwohl Ellis bedeutend horrorlastiger zu Werke geht. Manche Stellen sind geradezu innovativ und unvergesslich, andere hingegen fordern nach mehr Ideenreichtum. „The Broken“ zählt für mich auf alle Fälle zu jenen Ausnahmefilmen wie zum Beispiel „Under The Skin“, die einen Weg abseits des Mainstream einschlagen und absolut zu begeistern vermögen.

„The Broken“ basiert sehr freizügig auf der Novelle „William Willson“ von Edgar Allan Poe. Am Anfang werden die letzten Zeilen der Geschichte eingeblendet („Du hast gesiegt, und ich unterliege. Dennoch, von nun an bist auch du tot – tot für die Welt, den Himmel und die Hoffnung! In mir lebtest du – und nun ich sterbe, sieh hier im Bilde, das dein eigenes ist, wie du dich selbst ermordet hast.“), die den Inhalt des Films besser nicht hätten ausdrücken können.
Sean Ellis ist wieder ein bemerkenswerter Film gelungen, der mutig einen eigenen Weg geht und nicht für das breite Publikum geschaffen ist. Kino zum Nachdenken und selbst Interpretieren!

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Fazit: Bedrückend, verstörend und visuell verblüffend, ist „The Broken“ ein außergewöhnlicher Film, der fasziniert und den Zuschauer zu eigenen Interpretationen motiviert. Auf jeden Fall ansehen!

© 2015 Wolfgang Brunner

Interstellar (2014)

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Originaltitel: Interstellar
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan
Kamera: Hoyte van Hoytema
Musik: Hans Zimmer
Laufzeit: 169 Minuten
Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Mackenzie Foy, Jessica Chastain, Matt Damon, Michael Caine, John Lithgow, Casey Affleck
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

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Um die Menschheit zu retten, begibt sich ein Forscherteam auf die größte Mission der Menschheit: Durch ein Schwarzes Loch wollen die Forscher in eine Galaxie vordringen, um bewohnbare Welten zu finden. Doch während dieser Reise laufen die Uhren anders als auf der Erde und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

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„Interstellar“ ist einer jener Filme, die nicht während des unmittelbaren Anschauens, sondern erst Tage später ihre volle Wirkung zeigen. Das erscheint einem wie Zauberei, denn anfangs wirkt der Film sogar streckenweise langatmig, bevor er seine ganze Wucht in den Gedanken des Zusehers offenbart. Was als apokalyptisches Endzeitszenario auf der Erde beginnt, entwickelt sich zum größten Abenteuer der Menschheit, wie es sich Science Fiction-Autoren wie zum Beispiel Stephen Baxter nicht besser hätten ausdenken können. Wir begleiten die Protagonisten an den Rand des uns bekannten Universums und noch darüber hinaus. Ruhig und dennoch spektakulär wird hier eine Odyssee gezeigt, die das Fassungsvermögen des menschlichen Verstandes übersteigt.

Matthew McConaughey spielt unglaublich gut. Aber auch alle anderen Rollen sind absolut gut besetzt und überzeugend. In die visuell bestechende Reise mischt sich neben den Weltuntergang und der dramatischen Rettung der Menschheit eine unglaublich intensive Familiengeschichte, die mich an manchen Stellen stark emotional berührt hat. Nolan schafft es, unterhaltende Mainstream-Komponenten und anspruchsvoll wissenschaftliche Handlungsstränge a la Stephen Hawking in Einklang zu bringen. Zeitreisen und deren Paradoxen, emotionale und historisch bedeutende Beweggründe vermischen sich mit visuell herausragenden Bildkompositionen, die einem buchstäblich den Atem rauben. Und trotzdem entfaltet sich die ganze Bandbreite des Films erst Tage später, wenn man über alles noch einmal nachgedacht hat und zu begreifen beginnt und zu verstehen versucht.

Christopher Nolan zeigt, wie schon in „Inception“, dass er einer der wenigen Regisseure ist, die auf visionäre Art und Weise Dinge auf Film bannen können, die eigentlich nicht darstellbar sind. Die Inszenierung der Reise durch das Schwarze Loch und die Vermischung zwischen Zeit und Raum ist revolutionär. Die letzten dreissig Minuten sind schlichtweg bahnbrechend und stellen aus meiner Sicht einen Meilenstein in der Geschichte des Films dar. „Interstellar“ ist genial und für mich ein weiterer wegweisender Schritt in Richtung „intelligente, massentaugliche Filmunterhaltung“ wie einst die Matrix-Trilogie oder eben der erwähnte „Inception“. Nolan ist ein Meister seines Fachs und vermag mit „Interstellar“ die Zuschauer ebenso wie mit seinen Dark Knight-Filmen zu hypnotisieren.

Das ist kein effekthascherisches Popcorn-Kino für Menschen ohne Hirn, sondern Unterhaltung auf höchstem Niveau mit Emotionen und wissenschaftlichen Hintergründen. Man kann eigentlich gar nicht umhin, über diesen Film längere Zeit nachzudenken.

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Fazit: Bewegend, visionär und in höchstem Maße unterhaltsam. Kino zum Nachdenken. Brillant!

© 2015 Wolfgang Brunner

Twixt (2011)

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Originaltitel: Twixt
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Francis Ford Coppola
Kamera: Mihai Malaimare Junior
Musik: Dan Deacon, Osvaldo Golijov
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Val Kilmer, Bruce Dern, Elle Fanning, Joanne Whalley, Ben Chaplin, Don Novello, David Paymer, Alden Ehrenreich
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Hall Baltimore schreibt Hexenromane. Als er in einer kleinen Stadt eine Lesung abhält, lernt er den dortigen Sheriff kennen, der ihm von einem Massenmord in der Vergangenheit erzählt. Neugierig geworden, macht sich Baltimore auf die Spurensuche und recherchiert.
Noch in der gleichen Nacht träumt er von einem der ermordeten Mädchen und trifft auf den Geist von Edgar Allan Poe. In seinen Träumen erfindet Baltimore eine Vampirgeschichte, von  der er bald nicht mehr weiß, ob sie wirklich nur erfunden oder sogar wahr ist.

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Val Kilmer ist etwas dick geworden und seine Gesichtszüge erinnern oftmals an Jeff Bridges in „König der Fischer“. Das aber nur am Rande, denn Kilmer spielt seine Rolle wirklich gut.
Coppolas Spätwerk ist eine Mischung aus atmosphärischen Horrorfilm und intelligentem Thriller. Die Stimmung und die wunderbaren Bilder erinnern an alte Horrorfilme und verbreiten eine gruselige Atmosphäre, wie man sie schon lange nicht mehr in derartigen Filmen gesehen hat.
Die Gothic-Elemente haben mich manchmal an „The Lost Boys“ erinnert, aber „Twixt“ kann man mit diesem Film dennoch nicht vergleichen.
Der in die Jahre gekommene Bruce Dern als Sheriff hat mich, wie Val Kilmer, vollkommen überzeugt. Überhaupt kann man an den Schauspielern absolut nichts bemängeln.

Die Handlung ist nicht unbedingt der große Wurf, aber alleine die Inszenierung ist es wert, sich diesen Gothic-Horror-Thriller anzusehen. Da wird mit dunklen, farblosen Kulissen gespielt, in die sich (wie einst bei „Pleasantville“) farbige Tuper einschleichen. Visuell ist der Film eine wahre Freude und ein kleines Kunstwerk.
Es gibt eine Szene, in der Val Kilmer als Schriftsteller verzweifelt versucht, den Anfang eines Romans zu schreiben. Ich habe mich selten so amüsiert, denn (ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen) manchmal ist es wirklich nicht leicht, den Einstieg in eine Geschichte zu finden. Das wurde hier wirklich sehr treffsicher und lustig dargestellt.

Auf der Blu Ray gibt es eine Version des Films, in der gegen Ende des Films zwei kurze Szenen in 3D gezeigt werden. Obwohl es etwas seltsam anmutet, mitten im Film für ein paar Minuten eine 3D-Brille aufzusetzen, zeigen die beiden Szenen tatsächlich Wirkung, während der Rest des Films in „schlichtem“ 2D gedreht wurde. Die dreidimensionalen Einschübe hatten durchaus ihren Reiz.

Insgesamt hat Coppola zwar kein Meisterwerk abgeliefert, aber „Twixt“ ist ein absolut sehenswertes visuelles Erebnis, das nicht nur durch seine fantastischen Bilder, sondern auch mit bemerkenswerten Schauspielern überzeugen kann.

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Fazit: Visuell überwältigend und manchmal fast schon visionäres Alterswerk des Kultregisseurs Francis Ford Coppola. Val Kilmer als erfolgloser Schriftsteller überzeugt auf ganzer Linie.

© 2015 Wolfgang Brunner

Vidocq (2001)

Vidocq

Originaltitel: Vidocq
Regie: Pitof
Drehbuch: Pitof, Jean-Christophe Grangé
Kamera: Jean-Pierre Sauvaire, Jean-Claude Thibaut
Musik: Bruno Coulais
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Gerard Depardieu, Guillaume Canet, Inés Sastre, André Dussollier, Édith Scob, Moussa Maaskri
Genre: Mystery, Thriller
Produktionsland: Frankreich
FSK: ab 16 Jahren

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Im Paris des Jahres 1830 treibt ein Phantom mit einer mysteriösen Maske aus Glas sein Unwesen. „Der Alchemist“, wie der Geheimnisvolle genannt wird, entführt junge Mädchen, die nie wieder gesehen werden. Vidocq, einer der größten Detektive seiner Zeit, beginnt zu ermitteln und das Phantom mit der gläsernen Maske zu jagen.

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Die visuelle Handschrift Pitofs ist bei „Vidocq“ unübersehbar. Die Bilder erinnern sehr oft an Filme wie „Die Stadt der verlorenen Kinder“ oder „Delicatessen“ bei denen Pitof seinerzeit für die visuellen Effekte verantwortlich war.  Bei seinem Regiedebüt konnte er dann noch zusätzlich die Leitung übernehmen. Herausgekommen ist tatsächlich ein visuell beeindruckender Film, der bei seinem Erscheinen  bahnbrechend wirkte.
Pitofs Inszenierungsstil ist für den ein oder anderen Zuschauer mit Sicherheit gewöhnungsbedürftig, denn die hektischen Kamerafahrten sind nicht unbedingt jedermanns Sache.

Handlungstechnisch wird eine verschachtelte, nicht immer einfache, Mystery-Geschichte mit einigen unabsehbaren Wendungen erzählt, die Spaß macht. Und hat man sich erst einmal an den Regiestil gewöhnt, findet man durchaus an vielen Einstellungen seinen Gefallen. Die Story ist nicht immer hundertprozentig logisch, was ich vom Mitdrehbuchautor und Schriftsteller Jean-Christophe Grangé („Die purpurnen Flüsse“, „Das Imperium der Wölfe“) eigentlich erwartet hätte. Aber, nun gut … es ist schließlich eine pseudo-historische Handlung, die eher in den Fantasy-Bereich rutscht. Und da gibt es nunmal mysteriöse Dinge, die sich nicht unbedingt immer erklären lassen müssen (und vielleicht auch nicht wollen/sollen).

Insgesamt ist „Vidocq“ auf jeden Fall ein sehenswertes Stück französicher Filmgeschichte mit einem gutgelaunten Depardieu. Die Mischung aus Horror, Action, Fantasy, Mystery und Thriller hat gewiss seine Reize, wirkt auf mich aber aufgrund des eigenwilligen Inszenierungsstils letztendlich doch irgendwie „unfertig“ und „unrund“.

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Fazit: Visuell beeindruckend, aber in sehr eigenwilligem Stil inszeniert, bietet „Vidocq“ spannende Unterhaltung mit einem gewohnt guten Gerard Depardieu.

© 2014 Wolfgang Brunner

The Signal (2014)

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Originaltitel: The Signal
Regie: William Eubank
Drehbuch: William Eubank, Cyrlyle Eubank, David Frigerio
Kamera: David Lanzenberg
Musik: Nima Fakhrara
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Laurence Fishburne, Brenton Thwaites, Olivia Cooke, Lin Shaye, Beau Knapp, Robert Longstreet
Genre: Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Nic, Jonah, und Haley fahren zu ihrem neuen Studienort, als sie ein Signal von einem geheimnisvollen Hacker namens Nomad erhalten, der sie damit zu einem einsamen, völlig abgelegenen Haus lockt. Als Nic und Haley das Haus betreten, geraten sie in eine Falle und werden gefangen genommen. Als sie erwachen, finden sie sich in einem unterirdischen Versuchslabor wieder und werden von Männern in Schutzanzügen befragt. Immer mehr kristallisiert sich eine schreckliche Wahrheit aus den mysteriösen Umständen heraus und die drei Studenten müssen feststellen, dass sie Versuchskaninchen für ein geheimes Experiment geworden sind …

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„The Signal“ ist einerseits visueller Augenschmaus (besonders gegen Ende), andererseits aber irgendwie unausgegorene Mischung aus exentrischem Experimentalfilm und abgenudeltem Mainstream.  Der Film lässt sich schwer beschreiben, deswegen sollte man ihn sich auf jeden Fall ansehen, denn sehenswert ist er allemal.
Die Handlung wirkt oftmals aber leider wirr und undurchdacht. Es wurden Handlungsstränge eingeschlagen, die dann plötzlich unbeachtet links liegen gelassen werden. Die Entwicklung der Geschichte ist allerdings immer wieder sehr unvorhersehbar, was mir wiederum sehr gut gefallen hat.

Darstellerisch kann man nicht meckern, da stimmt alles soweit. Und auch inszenatorisch gelang Eubank, der bereits mit seinem Debüt „Love“ für Furore sorgte, ein durchweg gelungener Film, der im Grunde genommen nichts zu wünschen übrig lässt. Außer eben einer vielleicht doch geradlinigeren Handlung, die mehr Sinn ergeben hätte.
Die Entwicklung der Protagonisten in eine Art Superhelden hat mir gar nicht gefallen, da hätte Eubank meiner Meinung nach etwas zurückhaltender herangehen sollen, dann hätte „The Signal“ eine weitaus realistischere Grundlage bekommen und wäre aus meiner Sicht auf jeden Fall spannender, erschreckender und beklemmender geworden.
Die Entwicklung der ganzen Handlung hat mir, wie schon erwähnt,  allerdings wirklich gut gefallen und die visuelle Umsetzung gegen Ende des Films hat ohne Zweifel seine Reize. Dennoch wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Ich bin sicher, dass es sich für Filmfreunde lohnt, den weiteren Weg des Regisseurs zu verfolgen. Das Gespür für gute Inszenierungen hat er auf jeden Fall.

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Fazit: Visuell absolut sehenswerter Science Fiction Film mit vielen unvorhersehbaren Wendungen. Leider verzettelt sich die Story und wirkt dadurch unausgegoren und stellenweise schwach. Hätte Eubanks einen weniger mainstreamlastigen Weg eingeschlagen, hätte er einen weitaus besseren Film zustande gebracht.

© 2014 Wolfgang Brunner