Couchsurfers (2015)

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Originaltitel: Couchsurfers
Regie: Julian Schöneich
Drehbuch: Julian Schöneich
Kamera: Henri Schierk, Julian Harenberg
Musik: Alexander Paprotny
Laufzeit: 16 Minuten
Darsteller: Alexander Bornhütter, Natasha Manzungu, Samira Calder, Iskander Madjitov, Sandra Malek, Philip Görres, Anni Sultany, Claus-Peter Rathjen, Johannes Neinens
Genre: Thriller, Horror, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahren

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Brenda (Natasha Manzungu) und Sam (Samira Calder) wollen sich für ein Wochenende Hamburg ansehen. Sie wollen Sightseeing und Party. Als Unterkunft wollen sie das kostenlose „Couchsurfing“ nutzen. Sie lenern Max (Alexander Bornhütter) kennen, der sehr zuvorkommend und freundlich ist, und ihnen ein Zimmer zur Verfügung stellt. Doch ist max wirklich der, der er vorgibt, zu sein?

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Schon „Roulette – A Game Of Chance“ von Julian Schöneich hat mich total begeistert. Nach „St. Pauli Zoo“ (einem Dokumentarfilm, den ich leider noch nicht gesehen habe, der aber auch noch auf der To-Do-Liste steht) folgt nun der erste von drei Kurzfilmen, der eine „Death On Demand“ betitelte Trilogie einleitet.
„Couchsurfers“ kommt schon von Beginn an richtig gut und authentisch. Die beiden Hauptdarstellerinnen spielen sehr natürlich, aber dennoch auf absolut hohem Niveau. Dadurch erreichen sie eine tolle Gratwanderung zwischen realistischem Amateurfilm (hier absolut nicht negativ gemeint) und professionellem Agieren. Das gibt gleich zu Beginn schon eine sehr tolle Atmosphäre, die so richtig glaubwürdig wirkt. Wenn dann auch noch Alexander Bornhütter als Max ins Spiel kommt, ist die sympathische Dreierkombi perfekt.
Gerade die erste Hälfte des leider viel zu kurz geratenen Films bringt eine wunderbare, harmonische Stimmung zustande, die den Zuschauer in Sicherheit wiegt und ihn glauben lässt, dass es gar nicht so schlimm kommen kann, wie man ursprünglich dachte, denn man wusste ja irgendwie, dass man sich auf eine Mischung aus Thriller und Splatter-Horror einlassen würde. Aber, wie gesagt, durch den harmonisch wirkenden Einstieg in die Geschichte täuscht Regisseur Schöneich den Zuschauer.

Und dann plötzlich geschieht aus heiterem Himmel das, was man insgeheim doch irgendwie die ganze Zeit wusste. Das mag auf den ersten Blick vorhersehbar wirken und ist es auch im Grunde genommen. Dennoch kann Schöneich mit seiner Inszenierung überraschen, weil er einen die drohende Gefahr, wie oben beschrieben, erst einmal vergessen lässt. Aber das aus dem schönen Hamburg-Aufenthalt für die beiden weiblichen Couchsurferinnen ein Alptraum wird, ist noch längst nicht das Ende der (Kurz-)Geschichte. Tatsächlich schafft es das Team von „Couchsurfers“ sowohl auf inszenatorische wie auch schauspielerische Weise, dem Plot eine derart unerwartete Wendung zu geben, dass man erst denkt, man hat irgendwas verpasst oder wird auf den Arm genommen.
Das Blatt wendet sich so abrupt, dass man erst einmal realisieren muss, was man da vorgesetzt bekommt. Das hat mich schon sehr beeindruckt. Vor allem Bornhütters Agieren in diesen Szenen verursacht einem im Nachhinein eine astreine Gänsehaut.

Julian Schöneich hat einen Kurzfilm auf hohem Niveau gedreht, der unterhält, packt und gleichzeitig zum Nachdenken über das Handeln im Internet anregt. „Couchsurfers“ schockiert nicht nur durch perfekt eingesetzte Bluteinlagen, sondern auch durch seine Geschichte. Genau diese Kombination ist es auch, die den ersten Teil der geplanten Kurzfilmtrilogie, im Gedächtnis haften lässt. Alexander Bornhütter war in seiner Rolle genial, weil er Sympatieträger und Verbrecher perfekt in einer Person darstellen konnte, ohne in einer davon unglaubwürdig zu sein. Natasha Manzungu und Samira Calder passten ebenfalls in ihre (Opfer-)Rollen, ohne jemals übertrieben zu wirken. Julian Schöneich hat, wie schon in „Roulette – A Game Of Chance“ Regie und Drehbuch übernommen und wieder ein sicheres Gespür für eine solide, professionelle Inszenierung gezeigt. Ich freue mich schon sehr auf die beiden fehlenden Teile der „Death On Demand“-Trilogie.

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Fazit: Ein Kurzfilm auf hohem schauspielerischen und inszenatorischen Niveau, der nicht nur durch seine Splattereinlagen zu schocken vermag. „Couchsurfers“ hinterlässt ein ungutes Gefühl in der Magengegend.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Blood Feast (2016)

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Originaltitel: Blood Feast
Regie: Marcel Walz
Drehbuch: Philip Lilienschwarz
Kamera: Roland Freitag
Musik: Klaus Pfreundner
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Robert Rusler, Caroline Williams, Sophie Monk, Sadie Katz, Roland Freitag, Wilfried Capet, Max Evans, Annika Strauss, Liliana Nova, Methisa Schaefer, Gioele Viola, Herschell Gordon Lewis
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Fuad Ramses betreibt in Paris ein amerikanisches Restaurant, hat aber in einem Museum für ägyptische Kultur einen zweiten Job. Während einer seiner Nachtschichten fühlt er sich zu der Statue der Göttin Ishtar hingezogen, die in Visionen mit ihm zu sprechen beginnt. Fuad verfällt der Gottheit und möchte ihr seine Verehrung durch ein Festmahl beweisen, bei dem er ihr  Menschen als Opfergabe bereiten will. Fuad verfällt immer mehr dem Wahnsinn und einem Blutrausch. Er mordet, um das blutige Festmahl für Ishtar so schnell wie möglich abhalten zu können …

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Herschell Gordon Lewis Originalfilm „Blood Feast“ aus dem Jahr 1963 gilt als erster Splatterfilm überhaupt und ist mittlerweile, trotz vieler (teils ungewollter) Schwächen ein Kultfilm. Nun hat sich der deutsche Regisseur Marcel Walz (unter anderem Raw“, „La Petit Morte 1 & 2“, „Seed 2“ und „#funnyFACE“, um nur ein paar seiner Filme zu nennen) und Drehbuchautor Philip Lilienschwarz („Absolutio – Erlösung im Blut“) einer Neuinterpretation angenommen.
Und, ich muss schon sagen, das Projekt ist vollends gelungen. Walz entwickelt sich mit jedem Film sichtlich weiter und hat mit dem Remake von „Blood Feast“ seinen bis dato eindeutig besten und handwerklich perfektesten Film abgeliefert. Da stimmt so ziemlich alles.

Was mir persönlich außerordentlich gut gefällt, ist die Tatsache, dass hier nicht nur eine blutige Gewalt- und Torture-Orgie im Vordergrund steht, sondern eine Geschichte erzählt wird, die im Gegensatz zum Original, bedeutend mehr Tiefe besitzt. Vor allem die immer wieder eingesetzten ruhigen Szenen, die übrigens absolut genial musikalisch von Klaus Pfreundner untermalt wurden, lassen eine sehr schöne Stimmung aufkommen, die mich so richtig in den Bann gezogen hat. Pfreundners Soundtrack trägt einen großen Teil zu dieser Atmosphäre bei.
„Blood Feast“ ist teilweise richtig atmosphärischer Horror geworden, der sämtliche Fehler des Originals mühelos kompensiert und eine faszinierende Neuinterpretation des Stoffes abgibt. Drehbuchautor Lilienschwarz hat die Grundstory des Originals zwar übernommen, ist aber zusätzlich einen konsequent eigenen Weg gegangen, der den Plot um Längen verbessert.
Nicht übertrieben, sondern nur immer dann, wenn es passt, werden blutige Goreszenen in die ansonsten relativ ruhige Inszenierung eingefügt, so dass im Endeffekt ein wirklich ansprechender Film dabei herausgekommen ist. Splatterfans werden dennoch ihre Freude an den Effekten von Megan und Ryan Nicholson (u.a. „Riddick – Chroniken eines Kriegers“, „Extraterrestrial“ , oder „Warcraft: The Beginning“) haben.
Kai E. Bogatzki, der bereits schon für den Schnitt vieler Filme von Marcel Walz und auch Timo Rose verantwortlich war und momentan an seinem ersten Langfilm „Scars Of Xavier“ arbeitet, hat wieder wunderbare Arbeit geleistet und einen hypnotischen Vorspann abgeliefert.

Bei der Auswahl der Schauspieler hat Walz ein gutes Händchen bewiesen. An erster Stelle steht eindeutig Robert Rusler, den vielleicht einige noch aus „L.I.S.A. – Der helle Wahnisnn, „Nightmare 2“, „Vamp“ und Stephen Kings „Manchmal kommen sie wieder“ kennen. Mittlerweile ist er älter geworden und in manchen Einstellungen sieht er sogar aus wie George Clooney ;), das aber nur am Rande.
Rusler hat sichtlich Spaß an seiner Darstellung des Psychopathen Ramses. Von Anfang an geht er in seiner Rolle auf und kann durch sein Charisma beeindrucken. Durch ihn wird „Blood Feast“ zu einem echten Erlebnis und ich habe ihm seine Schauspielerei in jeder Sekunde abgenommen. Top!
Aber auch Caroline Williams als seine Frau konnte mich absolut überzeugen, genauso wie Sophie Monk als Tochter. Kameramann Roland Freitag gibt einen überzeugenden Polizisten ab und Sadie Katz, wenngleich nicht oft zu sehen, spielt die Rolle der Göttin Ishtar mysteriös und sexy.
Das Wiedersehen mit Max Evans in der Rolle des Mathis hat mich total gefreut, denn auch hier kann er zeigen, was er kann, auch wenn es leider keine echte Hauptrolle war. Annika Strauss, die bereits in vielen Filmen von Marcel Walz, mitgespielt hat, verkörperte die Lilou souverän und überzeugend.
Auch die Nebendarsteller gefielen mir durchweg. Als besonderes „Schmankerl“ bekommt der Zuschauer sogar Herschell Gordon Lewis, den Regisseur des Originals, in einer kurzen Szene zu sehen.

Mit „Blood Feast“ hat Marcel Walz nicht nur eine enorm positive Entwicklung seines Handwerks bewiesen, sondern dem kultigen Originalfilm eine würdige Hommage bereitet. Walz‘ Film geht einen realistischeren und härteren Weg als das Original, macht die Handlungsweisen des Protagonisten auf gewisse Art und Weise nachvollziehbar und dadurch erschreckend authentisch.
Bleibt abzuwarten, ob und vor allem in welcher Schnittfassung „Blood Feast“ auch Deutschland erreicht. Wünschenswert wäre es.

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Fazit: Marcel Walz‘ bisher bester Film. So lasse ich mir eine Neuinterpretation eines eher mäßig inszenierten Originals gefallen. Robert Rusler glänzt in der Hauptrolle und Klaus Pfreundner liefert dazu einen würdigen Klangteppich.

© 2016 Wolfgang Brunner

Baskin (2015)

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Originaltitel: Baskin
Regie: Can Evrenol
Drehbuch: Can Evrenol, Cem Özüduru, Erçin Sadıkoğlu, Eren Akay
Kamera: Alp Korfali
Musik: JF (Ulas Pakkan & Volkan Akaalp)
Laufzeit: 97 Minuten (uncut)
Darsteller: Mehmet Cerrahoğlu, Ergun Kuyucu, Görkem Kasal, Muharrem Bayrak
Genre: Thriller, Horror
Produktionsland: Türkei
FSK: JK geprüft

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Eine Sondereinheit der Polizei gerät im Keller eines Gebäudes durch eine Falltür in eine düstere, schockierende Unterwelt. Durch dunkle Tunnel betreten sie eine Welt, die eine wahr gewordene Hölle aus einem Alptraum zu sein scheint. Furchterregende Gestalten machen Jagd auf sie und eine blutige Auseinandersetzung entsteht.

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Ein Horror-Thriller aus der Türkei? Ich ging mit gemischten Gefühlen an diesen Film heran und wurde absolut positiv überrascht. Klar, die Handlung ist wirklich nicht das Nonplusultra und wirkt, wenn man genauer darüber nachdenkt, erst einmal wie an den Haaren herbeigezogen. Aber das tut der extrem düsteren Atmosphäre und den teils wirklich schockierenden Szenen keinen Abbruch.
Es dauert ein wenig, bis der Film Fahrt aufnimmt, aber genau das hat mir gefallen. Man lernt erst die Männer und ihre Freundschaft zueinander, bevor es ans Eingemachte geht. Und das tut es!

Die Atmosphäre dieses türkischen Horrorfilms ist durchgehend düster und bedrohlich. Von der Inszenierung her erinnert die Höllenfahrt ein wenig an die alten italienischen Meister wie Mario Bava, Lucio Fulci oder gar Dario Argento. Aber auch ein Hauch David Lynch, was die Surrealität des Plots betrifft, ist mit dabei. So manches Mal fühlt man sich auch in die 80er Jahre zurückversetzt. Hin und wieder kam mir auch die irreale Stimmung von „Hellraiser“ in den Sinn, wobei „Baskin“ einen völlig anderen Weg geht, der dann schon eher in Richtung „The Green Inferno“ von Eli Roth führt. Die Schauspieler sind völlig in Ordnung und machen aus meiner Sicht ihre Sache sehr gut. Leider fehlt es an manchen Stellen ein wenig an Logik, hat aber für mich dennoch nicht die Auswirkung gehabt, dass ich keinen Spaß mehr an dem blutigen Trip hatte.
Es gab, wie schon in dem erwähnten „The Green Inferno“ ein paar Szenen, die mir wie ein Schlag in die Magengrube vorkamen: unausweichliche, unheimliche, brutale Stellen, die wirklich schonungslos schockieren. Das nimmt einen als Zuschauer mit und man kann die Angst und Verzweiflung der Protagonisten hautnah spüren.

Regisseur Can Evrenol lässt den Film wie einen (Alp-)Traum ablaufen, surreal und an manchen Stellen (gewollt?) unlogisch. Denn vielleicht ist es gerade diese fehlende Logik, die „Baskin“ zu diesem außergewöhnlichen und schockierenden Horrortrip macht, denn wer kennt nicht das schreckliche Gefühl, wenn man aus einem wirklich, wirklich schlimmen Alptraum erwacht? Genau so eine bedrohliche Stimmung vermittelt Evrenol und zieht einen damit sofort in seinen Bann. Oft denkt man sich, wann denn dieser Alptraum endlich ein Ende findet, und dennoch kann man nicht genug davon bekommen. Mein Respekt an den Regisseur für diese oft an die Schmerzgrenze gehenden Momente. Aber nicht nur mit provokanten Verstümmelungen und gruseligen Schockmomenten kann der türkische Horrorfilm punkten, denn auch die visuelle Seite ist keineswegs zu verachten. Wie bereits erwähnt, setzt Evrenol sehr düstere Farben ein, die durch den geschickten Einsatz von Licht noch einmal verstärkt werden. Das Szenario vermittelt von Anfang an Unheil und deprimierende Aussichtslosigkeit, die noch lange im Gedächtnis haften bleibt.
Vor allem der Anführer der Kreaturen, auf die die Polizisten treffen, jagte mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Das ist wirklich extremst gruselig inszeniert.

Auch wenn ich durchaus begeistert bin von „Baskin“, bin ich mir ziemlich sicher, dass einige nicht so empfinden werden wie ich. Ich sehe schon die ratlosen Gesichter vor mir, die nichts mit dem mystischen Plot anfangen können und sich einfach einen geradlinigeren Film gewünscht hätten. Aber ich bin der Meinung, dass es bereits genug geradlinige Filme gibt, und man sich durchaus auch einmal auf einen „traumhaften“ und visionären Trip a la Clive Barker begeben kann. Und genau das bekommt man mit „Baskin“ geboten. Für mich ein große, überraschende Entdeckung, die ich mit Sicherheit noch öfter ansehen werde.

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Fazit: Brutal, schockierend und auf gewisse Art und Weise visionär. „Baskin“ wird allerdings die Lager spalten und auf der einen Seite euphorische Begeisterung und auf der anderen enttäuschte Ratlosigkeit verursachen. Ich neige fast zu euphorischer Begeisterung.

© 2016 Wolfgang Brunner

Little Dead Rotting Hood (2016)

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Originaltitel: Little Dead Rotting Hood
Regie: Jared Cohn
Drehbuch: Gabriel Campisil
Kamera: Laura Beth Love
Musik: Christopher Cano, Chris Ridenhour
Laufzeit: 88 Minuten
Darsteller: Eric Balfour, Bianca A. Santos, Romeo Miller, Patrick Muldoon, Heather Tom, Brendan Wayne, Marina Sirtis, Amy Argyle, Tony Ketcham, Jake T. Getman
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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In einer amerikanischen Kleinstadt kommt es zu einer Serie mysteriöser Todesfälle, die anscheinend von Wölfen verursacht wurden. Sheriff Adam ermittelt, während er gleichzeitig das Verschwinden von Samantha aufzuklären versucht. Schon bald macht er eine schreckliche Entdeckung: In den Wäldern scheinen nämlich Werwölfe zu lauern und Samantha scheint die Einzige zu sein, die  ein Blutbad verhindern kann, weil sie Macht über die Kreaturen hat …

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Die Produktionsfirma „The Asylum“ zeichnet sich für mancherlei Low Budget-Filme verantwortlich, die oft in den Trashbereich abdriften.  In letzter Zeit machte die Firma von sich reden, in dem sie Hollywood-Blockbuster wie „Pacific Rim“, „Edge Of Tomorrow“, „Prometheus“, „World War Z“ und zuletzt „The Avengers: Age Of Ultron“ in eine Billigproduktion verwandelten und vertrashten. Allerdings findet sich in der Filmografie von „The Asylum“ auch die gar nicht mal so üble Serie „Z Nation“.
„Little Red Rotting Hood“ widmet sich dem Märchen „Rotkäppchen“ der Gebrüder Grimm und richtet das Augenmerk auf den bösen Wolf. Regisseur Jared Cohn gelingt ein wirklich passabler Einstieg, der eine durchaus annehmbare und stimmungsvolle Atmosphäre bietet. Im Verlaufe des Films driftet er aber dann doch immer mehr in Richtung Trash ab und verschenkt dadurch ein gewisses Potential.

Nichtsdestotrotz vermag dieser Werwolf-Streifen durchaus zu unterhalten. Das liegt zum einen an den manchmal wirklich sehr stimmungsvollen Bildern, zum anderen aber auch an den beiden Schauspielern Eric Balfour (den viele vielleicht noch aus der Hammerserie „Six Feet Under“ oder dem genialen Streifen „11:14“ kennen) und der charismatischen Bianca A. Santos (unter anderem in „Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel“).
Die Masken wirken leider oft eher lächerlich als erschreckend. Hätte man weniger gezeigt, wäre das Ergebnis wahrscheinlich besser geworden. „Little Red Rotting Hood“ ist ein Film,  bei dem man nicht nachdenken muss. Man kann sich getrost zurücklehnen und die Story auf sich einrieseln lassen. Schade ist, dass die schöne Stimmung, die immer wieder einmal zu verspüren ist, oft durch fast schon amateurhafte Szenen gestört wird. Manches Mal dachte ich tatsächlich, es wären zwei unterschiedliche Regisseure am Werk gewesen.

Das Endergebnis ist bei weitem nicht so brutal, wie manch einen Zuseher das FSK 18-Siegel denken lässt. Die handgemachten Effekte schwanken zwischen gut, passabel und schlecht. Einziger Pluspunkt ist eben, dass sich da jemand die Mühe gemacht hat und sämtliche Effekte von Hand und nicht mit dem Computer erzeugt hat. Das gibt bei mir immer einen Pluspunkt. 😉
Das Script wirkt nicht immer geradlinig, sondern weist ein paar holperige Stellen auf, die aber durch die trashig inszenierten Szenen in Vergessenheit geraten. Jared Cohn hat kein Meisterwerk abgeliefert und leider auch keine Trashperle, aber einen soliden Werwolf-Film mit guten Schauspielern und einer zum Großteil tollen Atmosphäre. Der Film verdient auf jeden Fall eine Chance, angesehen zu werden.

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Fazit: Passabler Werwolf-Film mit guten Schauspielern und einer prinzipiell tollen Atmosphäre. Leider driftet der Plot im Verlaufe des Films immer mehr in Trash ab.

© 2016 Wolfgang Brunner

Urban Explorer (2011)

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Originaltitel: Urban Explorer
Regie: Andy Fetscher
Drehbuch: Martin Thau
Kamera: Andy Fetscher
Musik: Steven Schwalbe, Robert Henkel
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Max Riemelt, Nathalie Kelley, Nick Eversman, Klaus Stiglmeier, Catherine de Léan, Brenda Koo
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Jugendfreigabe

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Urban Explorer sind neugierige Menschen, die sich in verlassenen, unterirdischen Höhlensystemen unter Städten umsehen. Vier Urban Explorer aus dem Ausland lassen sich von dem einheimischen Führer Kris in die „Unterwelt“ Berlins führen. Bei einem Sturz verletzt sich Kris, so dass sich die Touristen auf den  Weg machen müssen, um Hilfe zu holen. In dem unterirdischen Labyrinth treffen sie dabei auf den ehemaligen Grenzsoldaten Armin, der in den verlassenen Gewölben wohnt. Als er ihnen Hilfe anbietet, folgen die Touristen ihm. Doch als sie in seiner Behausung ankommen, spüren sie schon bald, dass mit Armin irgendetwas nicht stimmt …

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„Urban Explorer“, Andy Fetchers zweite Regiearbeit, ist irgendwie ein harter Brocken. Es wird nicht einmal viel Gewalt und Blut gezeigt, aber dennoch fühlt man sich während der gesamten Spieldauer unwohl. Das liegt zum einen mit Sicherheit an den spektakulären Drehorten, die Fetcher sich da ausgesucht hat, zum anderen aber auch an der gekonnten Inszenierunsgweise, die gekonnt zwischen Spiel- und Dokumentarfilm balanciert. „Urban Explorer“ wurde an Originalschauplätzen in der unterirdischen Tunnelwelt von Berlin gedreht und man bekommt wirklich einige Gänge, Räume und Orte zu sehen, die in einem trotz unheimlicher Atmosphäre die Abenteuerlust wecken, selbst einmal an einer solchen Expedition teilzunehmen. Dieser Ausflug ins unterirdische Berlin ist es alleine schon wert, sich den Film anzusehen.
Aber es geht nicht nur um die Örtlichkeiten und die wunderbar düstere Stimmung, die dieser mit sich bringt. Fetchers Film hat weitaus mehr zu bieten, als nur eine gute Kulisse.

Ich fange mit den Schauspielern an, die mich allesamt in ihrer Natürlichkeit überzeugt haben. Keiner von ihnen ist ein Weltklasseschauspieler, aber alle agierten selbstsicher und professionell vor der Kamera und zeigten gerade in ihrer Unbedarftheit eine sehr glaubwürdige Darstellung. Was vielen sauer aufstößt, hat mir gefallen: nämlich die Tatsache, dass man die englischsprechenden Touristen nicht ins Deutsche übersetzt hat, sondern mit Untertiteln gearbeitet hat. Das machte den Horrortrip für mich auf jeden Fall noch authentischer, als er es sowieso schon war. Erst nach einem Unfall wechselt der anfangs wie ein Abenteuerfilm anmutende Streifen ins Horrorgenre. Aber auch das wird so gekonnt gemacht, dass dieser Genrewechsel irgendwie gar nicht richtig auffällt. Klaus Stiglmaier als abgedrehter Höhlen-Grenzsoldat kann einem an manchen Stellen schon richtig Angst einjagen, vor allem weil er verrückt-schräg und sympathisch-hilfsbereit gleichzeitig erscheint. Sein Schauspiel konnte sich wirklich sehen lassen.
Insgesamt trugen zu den beeindruckenden Schauplätzen auch sämtliche Schauspieler dazu bei, dass sich dieser deutsche Schocker bei mir ins Gehirn brannte.

Hinzu kommt aus meiner Sicht, dass sich „Urban Explorer“, wenngleich er sich in Richtung „Hostel“ oder anderen Torture-Filmen entwickelt, letztendlich doch seinen eigenen Weg geht und einen relativ untypischen Slasher-Film darstellt. Sicherlich fühlt man sich an den ein oder anderen Film erinnert, aber wo tut man das bei den meisten Filmen dieser Art nicht? Fetcher hätte vielleicht am Ende das Ruder nicht ganz so herumreißen und den Plot in Richtung Klischee steuern sollen. Aber mir hat es gefallen. 😉
„Urban Explorer“ ist ein kurzweiliger, handwerklich solider und visuell beeindruckender Horrorfilm aus Deutschland, der glaubhaft unterhält. Man darf gespannt sein, was Andy Fetcher als nächstes auf die Beine stellt.
Wer durch die FSK 18-Freigabe einen blutspritzenden Splatterfilm erwartet, sei gewarnt: Gegen Ende hin wird zwar nicht mit Goreszenen gegeizt, aber ein Braindead-Peter Jackson-Gemetzel findet definitiv nicht statt. Fetcher geht einen relativ ruhigen und stimmungsvollen Weg, bevor er in die Gewaltschublade greift. Und genau das machte „Urban Explorer“ für mich zu etwas besonderem. Der Film ist kein Meisterwerk, aber einfach gut und mit Herzblut gemacht. Das ist es, was für mich bei solchen Filmen zählt. Horror aus Deutschland funktioniert!

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Fazit: Visuell beeindruckende und gegen Ende brutale Abenteuerreise in die Berliner Unterwelt. Ein Film aus Deutschland, der zeigt, dass Horror auch hier funktioniert.

© 2016 Wolfgang Brunner

Nachtschicht (1990)

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Originaltitel: Graveyard Shift
Regie: Ralph S. Singleton
Drehbuch: Joe Esposito
nach einer Kurzgeschichte von Stephen King
Kamera: Beth Cotter
Musik: Brian Banks, Anthony Marinelli
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: David Andrews, Kelly Wolf, Stephen Macht, Andrew Divoff, Vic Polizos, Brad Dourif
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: Unrated

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John nimmt in einem Dorf eine Arbeitsstelle in einer Mühle an. Leiter der Firma ist ein gewisser Warwick, der mit einer unerbittlichen Härte seinen Arbeitnehmern gegenüber auftritt. John übernimmt meistens die  Nachtschicht, wo er schon bald feststellen muss, dass dort Ratten in immer größer werdenden Gruppen auftreten. Als John zufällig einen Zugang zu einem unterirdischen Labyrinth entdeckt, stößt er auf ein riesiges Rattenmonster. Zusammen mit Warwick und seinen Arbeitskollegen versucht John, die Bestie zu stoppen.

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Die Kurzgeschichte vom „Meister des Horrors“ liefert eigentlich nur die Ausgangssituation für diesen Film. Aber das ist man ja von einigen King-Verfilmungen hinreichend gewöhnt („Kinder des Zorns“, „The Mangler“ oder  „Manchmal kommen sie wieder“, um nur einige gravierende Beispiele zu nennen), ansonsten lassen die Drehbuchautoren und Regisseure ihren eigenen Ideen freien Lauf. „Nachtschicht“ hat eine schöne 80er Jahre Atmosphäre, die auch noch durch die nicht hundertprozentige Professionalität einiger Schauspieler unterstrichen wird. Die ersten beiden Drittel sind auch durchaus zu ertragen und vermögen angenehm zu unterhalten, zumal immer wieder wirklich stimmungsvolle Momente zur Geltung kommen.
Aber wirklich reich an Spannung ist „Nachtschicht“ leider nicht, denn zu viel unfreiwillige Komik verstreut sich zwischen den vermeintlichen Spannungsmomenten, die immer wieder ohne Wirkung verpuffen. Der Film wirkt gerade in der zweiten Hälfte plötzlich billig und trashig, was an sich nicht weiter schlimm wäre, wenn sich wenigstens etwas Spannung aufbauen würde und der Zuschauer mit gruseligen Szenen bei Laune gehalten würde.
Aber nichts dergleichen geschieht: Das Monster, das sich im Keller der Spinnerei versteckt, kommt viel zu selten vor, als dass man sich vor ihm gruseln würde.

Schauspielerisch bewegt sich „Nachtschicht“ auf einem eher unteren Niveau. Andrew Divoff kann als einziger wirklich zeigen, dass er schauspielern kann. Alle anderen geraten nach Ende des Films in Vergessenheit, leider auch Brad Dourif, der mit dieser Rolle eher extrem nervt.
Die Sets sind allerdings aus meiner Sicht sehr gut gelungen, die Spinnerei wirkt sehr autenthisch und atmosphärisch. Das kommt dem Film eindeutig zu Gute.
Leider wird aber auch bei der Charakterisierung der Personen kräftig in die Klischeeschublade gegriffen, was an einigen Stellen ziemlich ärgerlich ist. Dadurch schafft es die King-Verfilmung einfach nicht über das Mittelmaß hinauszukommen. Vieles wird richtig und an anderer Stelle sofort wieder zunichte gemacht. Ralph S. Singleton, der den Zuschauern als Regisseur lediglich noch zwei Folgen „Cagney & Lacey“ geliefert hat, gibt sich ohne Zweifel Mühe und fängt auch, wie bereits erwähnt, manchmal sehr stimmungsvolle Bilder ein. Aber im Endergebnis ist seine Arbeit leider unteres Mittelmaß und kann nicht wirklich überzeugen.
Stünde der Name Stephen King nicht auf dem Plakat, wäre „Nachtschicht“ schon längst in Vergessenheit geraten. So aber sieht man als Sammler zu, dass der Film nicht fehlt.

Das Monster kann sich durchaus sehen lassen, wenn man es denn mal sieht, und erweckt an manchen Stellen sicherlich ein Animal-Creature-Feeling. Auch die wenigen Splatterszenen sind gut gemacht, aber leider, wie auch das Monster, zu selten. Man hätte durchaus mehr aus dem Plot machen können. So bleibt nur ein mittelmäßiges Trashvergnügen übrig.

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Fazit: Eher mittelmäßige Verfilmung einer Kurzgeschichte von Stephen King. Animal-Creature mit teils atmosphärischen Bildern, die aber leider immer wieder durch eine klischeebehaftete Handlung kaputtgemacht werden.

© 2016 Wolfgang Brunner

Ritual – Im Bann des Bösen (2001)

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Originaltitel: Ritual
Alternativtitel: Tales From The Crypt presents: Ritual
Regie: Avi Nesher
Drehbuch: Avi Nesher, Rob Cohen nach einer Story von Inez Wallace
undn dem Drehbuch „I Walked With A Zombie“ von Curt Siodmak, Ardel Wray
Kamera: David A. Armstrong, Douglas Milsome
Musik: Shirley Walker
Laufzeit: 106 Minuten
Darsteller: Jennifer Grey, Tim Curry, Craig Sheffer, Daniel Lapaine, Kristen Wilson, Gabriel Casseus, Ron Taylor, Erick Avari, Dorothy Cunningham
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Die Ärztin Alice geht nach Jamaika, um dort den Bruder eines reichen Plantagenbesitzers zu pflegen. Der Patient hat eine rätselhafte Krankheit und ist der Meinung, sich in einen Zombie zu verwandeln. Bei Nachforschungen kommt Alice Voodoo-Praktiken auf die Spur. Plötzlich geschehen um sie herum unheimliche Morde und Alice spürt, dass der Voodoo-Terror auch ihr gilt.
Remake von Jacques Tourneurs Horrorklassiker “Ich folgte einem Zombie” aus dem Jahr 1943.

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Träger dieses eher unbekannten Kinofilms aus der Reihe „Geschichten aus der Gruft“ sind eindeutig Jennifer Grey, die wir alle aus „Dirty Dancing“ kennen, und Tim Curry, dem berühmten Frank N. Furter aus „The Rocky Horror Picture Show“. Diesen beiden ist es zu verdanken, dass die eher seichte Neuinterpretation von „Ich folgte einem Zombie“ zumindest ansatzweise funktioniert.
Die Kulisse ist ohne Frage sehenswert und verschafft dem Horror eine wunderbare Umgebung, die man sich gerne ansieht. Regisseur Avi Nesher versucht immer wieder, eine der Serie ebenbürtige Atmosphäre zu schaffen, scheitert aber leider immer wieder. An manchen Stellen kommt ein leichtes Abenteuergefühl auf und man wähnt sich schon in Sicherheit, dass es so weitergeht. Aber Nesher kann diese Höhepunkte nicht halten und versumpft immer wieder in seichten, klischeehaften Gewässern, die leider manchmal langweilig wirken.

Sicherlich verfolgt man die Handlung, alleine schon wegen den beiden obengenannten Darstellern. Ansonsten verfolgt man einen leider durchschnittlichen Plot, den man in unzähligen anderen Filmen bereits schon einmal gesehen hat. Besonders ärgerlich fand ich die wirklich klischeehafte Darstellung der Woodoo-Riten, die absolut nichts Neues zeigen, sondern einem ausgetrampelten Pfad folgen, der bitter enttäuscht. Der Cryptkeeper wurde später sogar aus dem Vorspann des Films herausgeschnitten, weil sich die Produzenten wohl selbst nicht wohlfühlten, „Ritual“ in den Reigen von den um Längen besseren „Ritter der Dämonen“ und „Bordello Of Blood“ aufzunehmen. „Ritual“ unterhält, das ist keine Frage. Und auch die ein oder andere Splatterszene ist gelungen und sehenswert. Insgesamt wird der Film aber der Kultreihe um den Cryptkeeper und seine intelligenten Horrorgeschichten einfach nicht gerecht. Von den drei Kinofilmen also der schlechteste.

Die Story hätte ohne weiteres mehr hergegeben, da hat man sich wohl den falschen Regisseur an Bord geholt. Am sehenswertesten für mich war eindeutig,  Jennifer Grey einmal in einer anderen Rolle zu sehen. Diesen „Rollentausch“ hat sie auch sehr gut gemeistert und mich als Schauspielerin überzeugt. „Geschichten aus der Gruft“-Fans werden um den Film nicht herumkommen, alle anderen Horrorfreaks werden enttäuscht sein und sollten von diesem eher uninspirierten Machwerk die Finger lassen.

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Fazit: Mäßig inszenierte und eher „Geschichten aus der Gruft“-untypische Geschichte mit einer guten Schauspielleistung von Jennifer Grey. Nur bedingt empfehlenswert.

©2016 Wolfgang Brunner