ABCs Of Superheroes (2015)

Originaltitel: ABCs Of Superheroes
Buch und Regie: Jens Holzheuer, Oliver Tietgen
Kamera: Oliver Tietgen
Musik: —
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Bai Ling, Uwe Boll, Jörg Buttgereit, Jerry Kwarteng, Lloyd Kaufman, Fred Olen Ray, Aramis Merlin, René Wiesner, Simon Lammers, Biggi Bardot, Manni Laudenbach, Uwe Schueder, Meggan Anderson
Genre: Fantasy, Komödie
Herstellungsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Während eines Einkaufs nörgelt ein junges Mädchen so lange, bis sie von ihrer Mutter ein Comicheft gekauft bekommt: ABCs Of Superheroes. In diesem Heft werden Superhelden, deren Namen mit allen 26 Buchstaben des Alphabets beginnen, vorgestellt. Eine abgedrehte Reise durch eine Comicwelt voller ungewöhnlicher Superhelden beginnt.

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Am besten sollte man unvoreingenommen an diesen herrlich verrückten und schrägen Independent-Film herangehen. „ABCs Of Superheroes“ kann man im Grunde genommen sehr schwer beschreiben, denn was da auf einem zukommt, ist schlichtweg einfach nur genial und dermaßen abwechslungs- und ideenreich, dass einem so manches Mal die Worte fehlen. Unzählige Einfälle, verbunden mit liebevollen Anspielungen auf kleinere, größere, bekannte und unbekannte Filme machen diesen Streifen zu einem außergewöhnlichen Erlebnis, von dem man gar nicht genug bekommen kann (zumindest geht es mir da so). Die Regisseure Jens Holzheuer und Oliver Tietgen, die auch beide das Drehbuch verfassten, nahmen sich augenscheinlich vor, einfach das zu machen, worauf sie Lust hatten. „ABCs Of Superheroes“ ist eine wilde Mischung aus Fantasy, Science Fiction, Komödie, Softporno und und und …, eine Verbeugung vor echten und trashigen Kultfilmen, eine Hymne an das freie Filmemachen, wo es einfach nur um Spaß und das Umsetzen eigener Ideen geht und nicht um eine perfekte, geldlastige Perfektion. Und gerade diese Nichtperfektion macht den unglaublichen Charme dieses Films aus, der einen von der ersten bis zur letzten Minute nicht mehr loslässt.

Noch heute, ein paar Tage später, zaubert mir die ein oder andere absurde Szene noch ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht. Die Rahmenhandlung (das Mädchen, das den Comic liest) lockert die zwanzig Episoden immer wieder auf und bringt den Zuschauer auch einige Male zum Lachen. Aber getragen wird der Film von der unendlichen Fülle an skurrilen und verrückten Ideen, die man in ihrer Vielseitigkeit fast nicht erfassen kann. Gespannt wartet man darauf, mit welchen Einfällen der nächste Superheld im Alphabet präsentiert wird und vergisst darüber tatsächlich die Zeit. Ich habe selten einen so kurzweiligen Episodenfilm gesehen, der mit einem wahren Feuerwerk an Inspirationen und Gags aufwarten kann. Die Gastauftritte von Uwe Boll, Jörg Buttgereit, Lloyd Kaufmann und Bai Ling tun ihr übriges dazu, um „ABCs Of Superheroes“ unterhaltsam zu machen. Die Darsteller sind allesamt witzig und souverän (und oftmals in ihrer naiven Amateurhaftigkeit liebenswert doof), wobei mir Jerry Kwarteng in der Rolle als Jesus dann doch ziemlich positiv aufgefallen ist.

Es ist Ultra-Trash, den man hier serviert bekommt, und man muss das eindeutig mögen und dafür auch offen sein. Es ist Blödsinn, der einem hier präsentiert wird, und als Filmfan erkennt man unendlich viele Anspielungen. Mit einfachen Mitteln (ob gewollt oder nicht, sei hier dahingestellt) wurden Visionen in Szene gesetzt, denen man einfach den riesengroßen Spaß an der Produktion ansieht. Nichts wird ernst genommen, alles wird veralbert und obgleich es in teilweise wirklich dummen Klamauk abdriftet, hat es für mich bedeutend mehr Spaßfaktor als sogenannte erfolgreiche, deutsche Komödien wie „Fuck Ju Göhte“. „ABCs Of Superheros“ ist ein kranker, aber gutgelaunter Trip, von Menschen gemacht, die Splatter, Porno, Horror, Fantasy und SF mögen und Spaß am Filmedrehen haben. Da wird ausgelassen gealbert, aber sich auch vor Genregrößen verbeugt, dass es eine wahre Freude ist. Vielleicht sollte ich nochmal explizit erwähnen, dass es den Machern mit Sicherheit nicht darum ging, eine perfekte Superhelden-Parodie auf die Beine zu stellen, sondern eher absichtlich eine dilettantische Trashperle a la „Flash Gordon“ zu zaubern, bei der sämtliche Effekte stümperhaft, aber nichtsdestoweniger liebenswert unterhaltsam wirken(zumindest kam das bei mir so an). Ich für meinen Teil habe mich auf jeden Fall schon lange nicht mehr so prächtig amüsiert, wenngleich viele Witze einen sexistischen und plumpen Anschein erwecken. Aber sie sind dann schon wiederum eben so doof, dass sie Spaß machen und in ihrer dumpfbackigen Albernheit funktionieren. Ich mag diesen Film auf jeden Fall. 😉
May the Fist Fuck Force be with you. 🙂

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Fazit: Abgedreht und ausgelassen albern. Unperfekter Ultra-Trash, der amüsiert und kurzweilig unterhält.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Kong: Skull Island (2017)

Originaltitel: Kong: Skull Island
Regie: Jordan Vogt-Roberts
Drehbuch: Dan Gilroy, Max Borenstein,Derek Connolly
Kamera: Larry Fong
Musik: Henry Jackman
Laufzeit: 118 Minuten
Darsteller: Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, John Goodman, Brie Larson, John G. Reilly, Toan Jing, Toby Kebbell, John Ortiz, Corey Hawkins
Genre: Abenteuer, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Im Jahr 1973 macht sich eine Gruppe aus Wissenschaftlern und Soldaten auf den Weg, eine mysteriöse Insel zu erkunden, die inmitten eines gigantischen Sturmgebiets liegt. Mit dabei sind Leutnant Colonel Packard , der Wissenschaftler Bill Randa , der Fährtenleser und Kriegsveteran James Conrad und die Anti-Kriegsfotografin Mason Weaver. Doch schon kurz nachdem sie das Sturmgebiet mit einigen Hubschraubern durchquert haben, werden sie von einem riesigen Affen angegriffen, der die meisten Fluggeräte zerstört und die meisten der Menschen tötet. Die Überlebenden erfahren, dass auf sich auf der „Skull Island“ genannten Insel ein Riesenaffe befindet, der von den Ureinwohnern als Gott angesehen und verehrt wird. Doch es ist nicht nur Kong, der auf der Insel lebt, sondern noch viele andere Monster. Ein Kampf ums Überleben beginnt …

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Was ein wenig wie „Apocalypse Now“ beginnt, nähert sich dann in einer furiosen Mischung aus Peter Jacksons „King Kong“ und Steven Spielbergs „Jurassic Park“ einer liebevollen Verbeugung vor „King Kong und die weiße Frau“ von Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack. Das heißt aber nicht, dass „Kong: Skull Island“ dem Klassiker in irgendeiner Weise nahe kommen könnte, aber dennoch inszenierte Jordan Vogt-Roberts einen überaus sehenswerten und gelungenen Film, der sich aus meiner Sicht nahtlos (und erfolgreich) in die vielzähligen Verfilmungen um den Riesenaffen einreihen dürfte. Es wird ein bombastisches Action-Feuerwerk geboten, das sich zusätzlich noch mit beeindruckenden Spezialeffekten und atemberaubenden Landschaftsaufnahmen brüsten kann. Man kommt kaum zum Atemholen, so dicht gedrängt sind die spannenden Actionszenen, die überaus gelungenen Animationen des Riesenaffen und die brillant in Szene gesetzte Naturkulisse.

Gerade die tolle Abenteuerstimmung, die von der ersten Minute an präsent ist, machen „Kong: Skull Island“ zu einem tollen Filmerlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Regisseur Jordan Vogt-Roberts, den bis zu diesem Film wohl die wenigsten gekannt haben dürften, zeigt eine sichere Hand mit seiner Inszenierung und ein sehr gutes Gefühl für die Aufrechterhaltung eines Spannungsbogens. Genre- und King Kong-Fans dürften durchwegs begeistert sein, wenn die Protagonisten in einer wirklich spektakulären Umgebung um ihr Leben kämpfen. Aber nicht nur die Aufnahmen und Spezialeffekte tun das ihrige, um „Kong: Skull Island“ zu einer rasanten, kurzweiligen Achterbahnfahrt zu machen. Der Score von Henry Jackmann untermalt das Ganze absolut passend und stimmig und die Farbvielfalt des Films ist einfach unglaublich. Vogt-Roberts zeigt auch zum Beispiel im Inneren eines gestrandeten Schiffswracks künstlerische Ambitionen, in dem er (ähnlich wie Tarsem Singh in seinem beeindruckenden „The Fall“) auf Steinquadern gemalte Bilder entstehen lässt, wenn die Kamera an einem bestimmten Ort verweilt. Kenner wissen, was ich damit meine. 😉

Aber auch die Schauspieler zeigen allesamt eine durchaus passable Leistung, die man eigentlich bei solch einer Art Film eigentlich gar nicht erwartet. Es ist aber nicht Samual L. Jackson oder Tom Hiddleston, die mich begeistert haben, sondern vor allem John G. Reilly in der Nebenrolle des Hank Marlow, der mich vollkommen überzeugt hat, dicht gefolgt von John Goodman, dessen Rolle wirklich sehr gut zu ihm passt. Diese beiden haben mich den ganzen Film über bestens unterhalten und begeistert.
Bei der FSK-Freigabe ab 12 Jahren war ich dann doch ein wenig erstaunt, denn die FSK-Leute indizieren ja schon gerne auch einmal verhältnismäßig harmlose Horrorfilme. Hier werden Menschen in der Luft zerfetzt, verschwinden kreischend in riesigen Monstermäulern oder werden von gigantischen Spinnenfüßen aufgespießt (bei dieser Szene dachte ich tatsächlich an die damals, und teilweise auch heute noch indizierten und verpönten Kannibalenfilme). Ich denke mal, da wäre eine FSK 16  Freigabe vielleicht angebrachter gewesen.

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Fazit: Bombastische, beeindruckende Spezialeffekte und atemberaubende Landschaftsaufnahmen.

© 2017 Wolfgang Brunner

Passengers (2016)

Originaltitel: Passengers
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Jon Spaihts
Kamera: Rodrigo Prieto
Musik: Thomas Newman
Laufzeit: 116 Minuten
Darsteller: Jennifer Lawrence, Chris Patt, Michael Sheen, Laurence Fishburne, Kimberly Battista, Aurora Perrineau, Andy García
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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5.000 Menschen machen sich im Tiefschlaf auf die Reise zum Planeten Homestead II, um dort ein neues Leben zu beginnen. Durch eine Fehlfunktion der Schlafkammer wacht einer der Passagiere, Jim, viel zu früh auf, nämlich neunzig Jahre vor der Landung auf Homestead II. Jim versucht den Grund seines vorzeitigen Erwachens herauszufinden und trifft schließlich auf Aurora, die ebenfalls erwacht ist. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen und versuchen, aus ihrer Zukunft das beste zu machen. Doch dann erfahren sie, dass etwas mit dem Raumschiff, auf dem sie durchs All rasen, nicht stimmt.

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Schon nach wenigen Minuten wusste ich, dass „Passengers“ der richtige Film für mich ist. Ruhige Science Fiction ohne Weltraumschlachten und überzogene Bösewichte hat mich schon immer begeistert. Sicherlich mag ich auch actionlastige SF-Streifen a lá „Star Wars“ und Konsorten, aber stimmungsvolle Filme wie „Blade Runner“, „Arrival“ oder „Interstellar“ sind mir im Grunde genommen lieber. Die Eingangssequenz erinnert ein wenig an die Aufwachszene in „Alien“, was durchaus beabsichtigt und als Hommage gedacht sein könnte. Doch dann geht Regisseur Morten Tyldum einen anderen, bedeutend ruhigeren Weg. Melancholisch, philosophisch und enorm beeindruckend wird die Weite, Stille und Einsamkeit des Alls in Szene gesetzt. Man möchte trotz dieser Einsamkeit mit dabei sein. Bei manchen Szenen fühlte ich mich an John Carpenters Debütfilm „Dark Star“, „Gravity“ oder den einzigartigen Klassiker „Lautlos im Weltraum“ von Douglas Trumbull erinnert. Morten Tyldum schafft es einfach hervorragend, diese Leere zu inszenieren.

Die Liebesgeschichte zwischen Jim und Aurora wirkt lebendig und glaubwürdig. Zumindest anfangs. Es kommt nämlich ein Punkt, an dem Aurora etwas erfährt, dass sie besser nicht erfahren hätte, und die Liebesgeschichte gerät ins Schwanken und wirkt teilweise nicht mehr nachvollziehbar. Das würde ich, neben dem Finale, als einzige Drehbuchschwäche bezeichnen. Diese Problematik hätte man umgehen können beziehungsweise müssen. Aber sieht man über diesen „Fehler“ hinweg, wird man mit einem unglaublich optischen Abenteuer belohnt, dass einem (zumindest mir) nicht mehr aus dem Kopf geht. Visuell kann man solch ein einsames Weltraumabenteuer nicht besser machen.  Beeindruckende Spezialeffekte, die aber keineswegs die Aufmerksamkeit von den Schauspielern an sich reißen, ziehen sich durch den kompletten Film. Da gibt es wirklich nichts auszusetzen und die ein oder andere Szene versetzt einen derart in Erstaunen, dass einem die Luft wegbleibt.

Jennifer Lawrence und Chris Patt machen ihre Sache ausnahmslos gut. Es macht ungemein Spaß, sie bei ihrer zweisamen Reise durchs All zu begleiten. Michael Sheen, der schon den wirklich schlechten Nicolas Cage-Streifen „Drive Angry“ mit seiner Darstellung einigermaßen retten konnte, brilliert hier wieder einmal in einer absolut tollen Rolle. Er mimt den Serviceroboter hinter der Theke der Bordbar mit Witz und Charme. Sheen stellt neben den guten schauspielerischen Leistungen und  den grandiosen Effekten ein weiteres Highlight von „Passengers“ dar.
Toll fotografiert regt das Science Fiction-Epos oftmals auch zum Nachdenken an. Wie würde man sich selbst in solch einer Situation verhalten? Man mag von der Entwicklung der Handlung halten, was man will, aber die Pattsituation(en), in denen sich der Protagonist Jim befindet, sind nicht von der Hand zu weisen und beschäftigen den Zuseher.

Freunde von Weltraumschlachten werden „Passengers“ als seicht, langweilig und kitschig bezeichnen. Ich finde aber, dass auch solche Zukunftsvisionen eine große Berechtigung im SF-Bereich haben und haben sollten. Die Menschheit wird sich in Zukunft nicht nur Kriege gegen Außerirdische liefern, sondern sie wird auch auf der Suche nach einem neuen Lebensraum sein. Und die Menschen werden sich auch in Zukunft lieben und sich nach Wärme und Geborgenheit sehnen. Für mich war „Passengers“ trotz einiger Makel im Plot eine absolut erfreuliche Überraschung, so dass sich der Film eindeutig in der Liste meiner Lieblings-SF-Filme findet.

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Fazit: Visuell überwältigendes Science Fiction-Liebes-Drama mit leicht philosophischen Touch.

© 2017 Wolfgang Brunner

Hardcore (2015)

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Originaltitel: Hardcore Henry
Regie: Ilya Naishuller
Drehbuch: Ilya Naishuller
Kamera: Pavel „Pasha“ Kapinos, Vsevolod Kaptur,, Fedor Lyass
Musik: Darya „Dasha“ Charusha
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Sharlto Copley, Danila Kozlovsky, Haley Bennett, Tim Roth, Andrei Dementiev, Cyrus Arnold, Ilya Naishuller, Will Stewart, Darya „Dasha“ Charusha, Svetlana Ustinova
Genre: Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Russland
FSK: ab 18 Jahre

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Henry wacht eines Tages in  Moskau auf und muss feststellen, dass seine Frau von einem psychopatischen Kriminellen namens Akan entführt wurde.  Henry hat nur noch ein Ziel: nämlich seine Frau zu finden und den Entführer Akan zu töten.

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Gamer werden ihre wahre Freude an diesem Film haben. Aber nicht nur die, ich hatte auch großen Spaß, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Anders als bei dem deutschen „First Person Shooter“, der ja ebenfalls in diesem Stil gedreht wurde (allerdings ein Jahr vorher), ermüdete ich hier irgendwann einmal. Es war einfach zu viel des Guten, so dass ich ehrlich gesagt das Ende herbeisehnte. Insgesamt wirkt „Hardcore“ leider dennoch unbefriedigend auf mich, obwohl ich an einzelnen Szenen durchaus Gefallen gefunden habe.
Man muss Regisseur Ilya Naishuller durchaus innovative Ideen zugestehen. Es ist zweifellos eine enorme technische und inszenatorische Herausforderung gewesen „Hardcore“ zu drehen. Doch ich hätte mir einfach ein wenig mehr Handlung gewünscht. Hin und wieder wird man von der neuartigen Ästhetik überrascht, doch trotz atemloser Spannung setzt ab der Hälfte des Films ein Übersättigungseffekt ein, durch den man dem Film wahrscheinlich nicht mehr genügend Respekt zollen kann.

Sicherlich sind die blutigen, teils splatterartigen Gewalteinschübe sehenswert und lockern das sinnlose Geballere ein wenig auf, aber irgendwann dachte ich tatsächlich, ich schaue einem Freund dabei zu, wie er einen Ego-Shooter spielt. Da wurden die Möglichkeiten, die dieser neuartige und mutige Inszenierungsstil geboten hätte, einfach nicht genügend ausgereizt oder perfektioniert. Es fehlen Ansätze, um dem Ganzen eine echte Handlung und einen Plot zum Mitfiebern zu verschaffen. Naishuller geht aufs Ganze und überschwemmt den Zuschauer zu sehr mit seiner Idee, so dass dieser das meiste gar nicht mehr bewusst wahrnimmt beziehungsweise wahrnehmen kann. „Hardcore“ ist ein Actionfeuerwerk, das mit schnellen Schnitten und einer Aneinderreihung von rasanten Szenen den Zuschauer dennoch überstrapaziert.

Es hätte dem Film gut getan, wäre man auf die Charaktere der Protagonisten eingegangen und hätte sich nicht nur dem Actionanteil gewidmet. An manchen Stellen wirken die Dialoge gekünstelt und teilweise etwas hohl, auch das hätte man um Längen besser machen können. Insgesamt ist „Hardcore“ durchaus sehenswert, vor allem, wenn man den Film als inszenatorisches Experiment betrachtet, sich darauf auch einlassen kann und die lange Laufzeit erträgt. Wer verwackelte Found Footage-Filme nicht mag, wird hier feststellen, dass es noch schlimmer geht, denn die verwackelte Kamera geht einem bereits nach kurzer Zeit auf die Nerven. Man erkennt, dass hier großer Aufwand betrieben wurde, aber herausgekommen ist letztendlich ein „Filmchen“ für Hardcore-Ego Shooter-Fans und eine Youtube-Generation, die sich Videos „reinzieht“, ohne Sinn dahinter entdecken zu wollen.

Mein Fall war „Hardcore“ nicht wirklich, obwohl ich, wie schon erwähnt, einige Stellen genoß. Schauspielerisch sind bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls nur schwache Leistungen zu sehen, denn, wenn Menschen zu sehen sind, agieren sie wie computergenerierte Personen und wirken nicht wirklich menschlich. Potential wäre durchaus da gewesen, wurde aber leider nicht genutzt. Ein Film zum einmal ansehen, um mitreden zu können, mehr aber auch nicht.

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Fazit: Vom Grundsatz her nette Idee, die aber auf die lange Laufzeit schon bald ermüdend wirkt und den Zuschauer überstrapaziert.

© 2017 Wolfgang Brunner

Point Break (2015)

point break

Originaltitel: Point Break
Regie: Ericson Core
Drehbuch: Kurt Wimmer
Kamera: Ericson Core
Musik: Junkie XL
Laufzeit: 113 Minuten
Darsteller: Edgar Ramirez, Luke Bracey, Teresa Palmer, Ray Winstone, Tobias Santelmann, Clemens Schick, Matias Varela, Bojesse Christopher, Nikolai Kinski, judah Lewis
Genre: Abenteuer, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Deutschland, China
FSK: ab 12 Jahre

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Weltweit werden von einer Gruppe Krimineller waghalsige Überfälle auf große Unternehmen durchgeführt. FBI-Agent Johnny Utah  ist durch die lebensgefährliche Vorgehensweise der Verbrecher davon überzeugt, dass hinter den Aktionen ein Team von Extremsportlern steckt. Johnny schleust sich undercover in die Extremsportler-Szene ein und macht schon bald Bekanntschaft mit  Bodhi. Er sieht zwar Zusammenhänge zwischen den Sportjunkies, verfällt aber zusehends mit der Zeit den Adrenalinkicks der Gruppe. Es dauert nicht lange und Johnny weiß nicht mehr, auf welche Seite er sich stellen soll …

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Kathryn Bigelows „Gefährliche Brandung“ mit Keanu Reeves und Patrick Swayze hat mich seinerzeit schwer beeindruckt. Umso neugieriger war ich, als ich von einer Neuverfilmung erfuhr.
Ericson Core hat einen bildgewaltigen Actionfilm erschaffen, das ist keine Frage. Spektakuläre Stunts, wunderschöne Landschaftsaufnahmen und eine atemberaubende Optik machen „Point Break“ aus, vor allem in 3D. Luke Bracey und Edgar Ramirez machen ihre Sache sehr gut, die anderen Schauspieler gehen etwas unter. Einzig Nikolai Kinski in einer abgefahrenen Nebenrolle als Pascal Al Fariq konnte mich noch so richtig überzeugen. Aber ums Schauspielern geht es in diesem Film eh nicht so richtig.
Die Handlung wirkt an vielen Stellen aufgesetzt und unglaubwürdig, fast, als hätte man zwanghaft nach einem logischen Hintergrund für all die verrückten Dinge gesucht, die die Extremsportler da tun. Aber hier verhält es sich eher so wie bei manch einem Horrorfilm: Die Handlung ist zweitrangig, die Schauwerte treten dafür umso mehr in den Vordergrund.

Wer sich noch an das Original erinnert, wird vom Plot der Neuinterpretation und von der Botschaft enttäuscht sein. Fast unentwegt wird man von beeindruckenden Stunts in Staunen versetzt und vergisst dadurch manchmal, dass alles etwas unsinnig und unlogisch ist. Und das ist es letztendlich auch, was den Film wirklich ausmacht. Eine unglaubliche Ästhetik macht geradezu süchtig nach mehr und der Zuschauer verfällt der oberflächlich gehaltenen Story dadurch trotzdem. Die Stunts werden immer noch eine Stufe höher geschraubt und lassen einen so manches Mal wirklich den Atem anhalten. Aber etwas mehr Seele und Menschlichkeit hätten dem Film gut getan. Da hätte man auf den ein oder anderen Stunt gerne verzichten können, um  etwas mehr Tiefe zu erreichen. Da helfen auch die verstreuten esoterischen Ansätze nichts mehr, denn ihnen wurde zuwenig Aufmerksamkeit gewidmet, wodurch sie im bildgewaltigen Spektakel der Extremsport-Stunts untergehen.

Extremsportler und Actionfreunde werden diesen Film mögen. Wer Wert auf Schauspielkunst legt, sollte sich einfach auf ein spannendes Popcornkino einlassen, die wunderbaren, spektakulären Aufnahmen genießen und dieses Remake nicht mit dem Original vergleichen. Dann ist alles gut. 😉

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Fazit: Extrem rasant, spektakulär und mit einer atemberaubenden Optik kann „Point Break“ bestens unterhalten. Tiefe findet man aber hier nicht viel.

© 2016 Wolfgang Brunner

Ant-Man (2015)

Ant-Man

Originaltitel: Ant-Man
Regie: Peyton Reed
Drehbuch: Edgar Wright, Joe Cornish, Adam McKay, Paul Rudd
Kamera: Russell Carpenter
Musik: Christophe Beck
Laufzeit: 117 Minuten
Darsteller: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Corey Stoll, Michael Peña, T.I., David Dastmalchian, Abby Ryder Fortson, Bobby Cannavale
Genre: Science Fiction, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Hank Pym wirbt den Superdieb Scott Lang für einen großen Coup an. Pym hat eine Technologie entworfen, mit der Lebendiges und Nichtlebendiges auf Miniaturgröße geschrumpft werden kann. Eine entsprechende Formel hat er nach Ausscheiden aus der Firma zurückgelassen. Nun will Pyms Konkurrent Cross, der die Firma nun leitet,  diese Technolgie für militärische Zwecke nutzen. Lang soll Cross‘ Arbeiten boykottieren. Dabei hilft ihm ein Prototyp jenes Anzugs, mit dem er sich auch Ameisengröße schrumpfen kann .

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Ein neuer Held aus dem Marvel-Universum findet seinen Weg auf die Kinoleinwand: „Ant-Man“.
Nachdem ich der mittlerweile übertrieben vielen Comicverfilmungen fast schon überdrüssig geworden bin (nein, eigentlich bin ich sie seit einiger Zeit schon lange leid), war ich gespannt, was der Ameisenmann in mir auslösen würde.
Interessant ist, dass mir das Ganze in der ersten Hälfte außerordentlich gut gefallen hat, weil sich die Handlung eher aufbaute wie ein alter Science Fiction-Klassiker (ich dachte da in erster Linie fast ausnahmslos an „Die phantastische Reise“ aus dem Jahr 1966 oder „Die Reise ins Ich“ von 1987). Regisseur Peyton Reed, der bisher eigentlich nur für mich unbedeutende Slapstick-Komödien inszenierte, konnte mich erstaunlicherweise mit seinem neuesten Film richtig überzeugen. Zumindest eben, wie gesagt, am Anfang.
Die Handlung baut sich richtig schön langsam und unübertrieben auf und auch der verwendete Humor hat durchaus seinen Reiz und wirkt nicht peinlich, wie in vielen Komödien sonst üblich. Das liegt wahrscheinlich in erster Linie auch an dem Hauptdarsteller Paul Rudd, der überzeugend witzig daherkommt und mit seinem Charakter nie in Slapstick abrutscht.
Michael Douglas spielt, wie die anderen Akteure,  gut, fällt aber im Grunde genommen nicht weiter auf.

Ausnahmsweise wirken hier auch die Spezialeffekte richtig gut (auch in 3D), weil sie zur Handlung gehören und nicht ausschließlich der Effekte willen eingesetzt wurden. Selten hat man einen Miniaturmenschen in der für uns kleinen Welt der Insekten so gut eingesetzt gesehen wie hier. Es macht unglaublichen Spaß, wenn sich der kleine Ant-Man in einer gigantischen Welt herumschlägt und wir als Zuschauer wirklich hautnah mit dabei sein können. Hier finde ich die Spezialeffekte auf jeden Fall gerechtfertigt.

Leider verfällt der Film dann gegen Ende hin immer mehr in das typische Marvel-Schema-F der bisherigen Verfilmungen. Die Querverweise auf andere Superhelden finde ich persönlich mittlerweile unerträglich und das hat mir am Ende dann „Ant-Man“ leider auch ein wenig „madig“ gemacht. Aber nun gut, die Fans wollen das anscheinend und warten nur darauf, irgendetwas dieser Art in den Filmen zu entdecken, mein Fall ist es nicht. Nichtsdestotrotz empfinde ich „Ant-Man“ als eine der besseren, neueren Comicverfilmungen, was zum einen an den wirklich hervorragenden Spezialeffekten liegt, aber auch an dem geschickt eingestreuten Humor. Oberflächlich betrachtet reiht sich der kleine Superheld allerdings nahtlos in die Marvel-Plot-Maschinerie ein und bringt letztendlich kein bisschen Neues. Angenehm hebt er sich dennoch durch seine teils ruhige, teils witzige Inszenierung und die gut eingesetzten Effekte (die niemals übertrieben auf den Putz hauen und etwaige Vorgänger oder Konkurrenten übertrumpfen wollen) von anderen Filmen der gleichen Art ab.

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Fazit: Im Großen und Ganzen erfrischende Comic-Verfilmung, die zwar handlungstechnisch nichts wirklich Neues bietet, dafür aber mit einer sehr guten Inszenierung auftrumpfen kann.

© 2016 Wolfgang Brunner

Everest (2015)

Everest

Originaltitel: Everest
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: William Nicholson, Simon Beaufoy
Kamera: Salvatore Totino
Musik: Dario Marianelli
Laufzeit: 120 Minuten
Darsteller: Jason Clarke, Josh Brolin, John Hawkres, Robin Wright, Sam Worthington, Keira Knightley, Emily Watson, Jake Gylenenhaal, Michael Kelly
Genre: Abenteuer
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Zwei Expeditionen machen sich auf den Weg, den Gipfel des Mount Everest zu bezwingen. Durch einen plötzlichen, starken Wetterwechsel entwickelt sich der Aufstieg zu einem lebensgefährlichen Kampf, bei dem die beiden Teams zur Zusammenarbeit gezwungen sind.

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„Everest“ erzählt die tragischen Ereignisse einer wahren Begebenheit nach, kann aber durch die begrenzte Dauer eines Spielfilms nicht alle Einzelheiten behandeln. Dem ein oder anderen, der sich mit dem wirklichen Drama aus dem Jahr 1996 auseinandergesetzt hat, mag das vielleicht sauer aufstoßen, ich für meinen Teil fand die Umsetzung mehr als gelungen.
Die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen haben mich vom ersten Augenblick an in  ihren Bann gezogen ( vor allem in 3D!). Das ist unglaublich authentisch in Szene gesetzt, so dass man sich sofort mittendrin fühlt und die Schönheit der Natur ebenso spürt wie ihre brutale, unbarmherzige Härte. Regisseur Baltasar Kormákur baut die Handlung geschickt auf und fängt das Ganze eher harmlos an, wie es die Teilnehmer wohl auch empfunden haben. Man nimmt als Zuschauer teil an der Vorfreude, den höchsten Berg des Himalaja zu besteigen, und fühlt förmlich den Nervenkitzel der Teilnehmer. Doch schon bald gerät das Abenteuer außer Kontrolle und die Menschen kämpfen um ihr Leben.

Beeindruckend in seiner Darstellung als Leiter einer der beiden Expeditionen ist Jason Clarke, der seine Rolle dermaßen überzeugend und emotional spielt, dass er aus meiner Sicht eine Oscarnominierung verdient hätte. Mit anhaltender Begeisterung verfolgte ich vor allem sein Schauspiel während des ganzen Films. Clarke hat es dadurch auch geschafft, die ganzen anderen Stars wie zum Beispiel Josh Brolin, Robin Wright, Sam Worthington, Keira Knightley, Emily Watson oder Jake Gylenenhaal an die Seite zu spielen. Sicherlich sind alle anderen beteiligten Schauspieler absolut Spitze in diesem Film, aber keiner kann Clarke das Wasser reichen. 😉

Kormákur inszenierte die tragische Bergbesteigung überzeugend und erschreckend realistisch. Manchmal ist es für den Zuschauer fast schon unerträglich, den Strapazen und Gefahren der Protagonisten beizuwohnen. Hinzu kommt, dass bestimmte Szenen wirklich sehr emotional sind, obwohl durch die Dauer des Films nicht allzuviel persönliche Bindung zu den Akteuren aufgebaut werden kann. Diese Bindung funktionierte, zumindest bei mir, eben nur zu dem von Clarke dargestellten Bergführer Rob Hall. Mit ihm fieberte ich mit, litt und hoffte. Das ging, wie gesagt, bei manchen Szenen an die Substanz. 😉
Erfreulicherweise wurde aus meiner Sicht niemals etwas übertrieben dargestellt, aber dennoch eine unglaubliche Spannung aufgebaut. Selbst Menschen, die nichts mit Bergsteigen anfangen können, werden sich diesem faszinierenden Trip nicht entziehen können. Ich könnte mir den Film schon wieder ansehen, so begeistert hat er mich. Hinzu kommt die fantastische Musik von Dario Marianelli, die sowohl die ruhigen wie auch die dramatischen Momente hervorragend untermalt. Die gezeigten, teils bombastischen Naturaufnahmen wirken dadurch unglaublich intensiv.

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Fazit: Bildgewaltiges und durch die Darstellung von Jason Clarke sehr emotionales Bergsteigerdrama, das man nicht so schnell vergisst.

© 2016 Wolfgang Brunner