Monstrum (2018)

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Originaltitel: Muldoe
Regie: Kim Myung-min, Kim In-kwon, Lee Hye-ri, Choi Woo-shik, Park Hee-soon, Lee Kyeong-yeong, Park Sung-woong
Drehbuch: Heo Jong-ho, Dam Heo
Kamera: Kim Dong-young
Musik: Mowg
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Kim Myung-min, Kim In-kwon, Lee Hye-ri, Choi Woo-shik, Park Hee-soon, Lee Kyeong-yeong, Park Sung-woong
Genre: Horror, Action, Abenteuer
Produktionsland: Südkorea
FSK: ab 16 Jahre

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Die Gegend um den Berg Ingwansan im Korea des 16. Jahrhunderts wird von der Pest heimgesucht. Zusätzlich wütet noch eine gefährliche Bestie im Landstrich, die  Menschen jagt und tötet. Der König schickt drei seiner Soldaten ins Gebirge, um das Monster zur Strecke zu bringen.

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Man muss koreanische Filme mögen, um an „Monstrum“ so richtig Spaß zu haben. Es dauert auch eine Weile, bis der Film Fahrt aufnimmt, da er sich anfangs – für meinen Geschmack etwas zu lange – mit historischen Begebenheiten aufhält. Das ist an sich nicht weiter schlimm, könnte aber diejenigen Zuschauer enttäuschen, die einen reinen Monsterfilm erwarten. Es wird eine japanische Legende erzählt, die auch mit allerlei politischen Verstrickungen gewürzt ist. „Monstrum“ ist auf jeden Fall unterhaltsam und, sobald die Kreatur erscheint, auch sehr spannend und kurzweilig. Die Animation des Monsters ist sehr gut gelungen und man hat wirklich richtig Spaß daran, dabei zuzusehen, wie die Bestie von den Menschen bekämpft wird.

„Monstrum“ verströmt eine  Atmosphäre, die man auch aus Filmen von Akira Kurosawa kennt. Kurosawa stammt aus Japan, aber die Kultur, die vermittelt wird, ähnelt sich. Was aber jetzt nicht heißt, dass „Monstrum“ anspruchsvoll wie ein Kurosawa-Film ist.
„Monstrum“ ist ein Unterhaltungsfilm, der zusätzlich noch versucht, historische Begebenheiten einzuarbeiten. Für denjenigen, der sich mit diesem Land noch niemals befasst hat, wirken genau diese historischen Teile etwas langweilig und auch langatmig. Man wartet anfangs vergebens, bis das Monster endlich zu sehen ist. Das könnte, wie gesagt. den ein oder anderen Zuseher etwas zermürben. Andererseits trägt gerade diese Mischung dazu bei, dass sich der Film von anderen des gleichen Genres abhebt. Man sollte deswegen keinen reinen Monsterfilm erwarten, um sich eine diesbezügliche Enttäuschung zu ersparen.

„Monstrum“ ist ein südkoreanischer Film, der sich zwar an manchen Stellen an die europäischen und amerikanischen Gepflogenheiten hält, aber dennoch den Geist des Entstehungslandes widerspiegelt. Mit diesem Wissen kann dieser Film auf alle Fälle unterhalten und ist auch für Europäer interessant. Schauspielerisch kann man ebenfalls nicht meckern, das läuft alles auf respektablem Niveau ab. Auf den ein oder anderen Gag hätte man getrost verzichten können. Diese Witze sollten zwar die Handlung etwas auflockern, verursachten aber (zumindest bei mir), dass man den Film nicht mehr wirklich ernst nimmt, was an sich wiederum schade ist, denn das Monster wirkt an vielen Stellen schon bedrohlich. Aber das ist vielleicht auch die Mentalität der Südkoreaner, die sich hier niederschlägt. Mir hätte der Film weitaus besser gefallen, wären die Macher durchgehend ernst an die Handlung und Inszenierung herangegangen.

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Fazit: Ein Monsterfilm der etwas anderen Art mit gelungenen Effekten.

©2019 Wolfgang Brunner

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Star Force Soldier (1998)

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Originaltitel: Soldier
Regie: Paul W. S. Anderson
Drehbuch: David Webb Peoples
Kamera: David Tattersall
Musik: Joel McNeely
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Kurt Russell, Jason Scott Lee, Connie Nielsen, Gary Busey, Jason Isaacs, Sean Pertwee, Michael Chiklis, Mark Bringelson
Genre: Action, Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 18 Jahre

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Im Jahr 2036 haben Wissenschaft  Krieger entwickelt, die seit ihrer Geburt ausschließlich für den Kampf ausgebildet wurden. Sie sind ihrer sämtlichen Individualitäten beraubt, werden von der Gesellschaft weitestgehend getrennt und leben nur noch nach dem Motto: töten und getötet werden. Einer von ihnen, Todd, wird auf einen Planeten gebracht, auf dem vergessene Krieger ihr Dasein fristen. Als die dortige Zivilisation dann bedroht wird, erwacht in Todd der kaltblütige Krieger …

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Obwohl „Star Force Soldier“ im Jahr 1998 gedreht wurde, erinnert er durchwegs an die Kassenschlager der 80er Jahre. Er verstrahlt ein entsprechendes Flair, das sich durch den ganzen Film zieht. Das mag vielleicht daran liegen, dass Kurt Russel mitspielt und man permanent seine Rolle als Snake Plissken in John Carpenters „Die Klapperschlange“ vor Augen hat, aber es sind auch die Sets, die an dieses Filmjahrzehnt erinnern.
Regisseur Paul W. Anderson hat einen handfesten Science Fiction-Action-Knaller erschaffen, der von Anfang bis Ende unterhält. Kurt Russel spielt seine Rolle sehr minimalistisch und spricht nicht wirklich viele Sätze. Sein Schauspiel besteht nur aus einer verbissenen Mimik, bei der man kein einziges Mal ein Lächeln zu sehen bekommt. „Star Force Soldier“ ist auch nicht unbedingt ein Highlight in Kurt Russels Karriere, aber dennoch bleibt seine Rolle als wortkarger Söldner im Gedächtnis haften.

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass viele Zuschauer diesen Film nicht mögen und als puren Trash bezeichnen. Zum Teil trifft diese Aussage auch sicherlich zu, denn das Set und auch teilweise die schauspielerischen Leistungen sehen danach aus. Aber man sollte den Film vielleicht auch einmal unter einem anderen Aspekt betrachten: Der von Kurt Russel dargestellte Söldner ist sehr wortkarg und zeigt seine Emotionen nur durch Mimik. In dieser Hinsicht kann man über den Schauspieler sagen, was man will, aber diesen Part hat er wirklich sehr gut gespielt. Was mir persönlich am besten gefallen hat, sind die Szenen, in denen der Söldner mit einem kleinen Jungen agiert. Gerade diese Stellen sind sehr emotional, wenn man sich darauf einlassen kann. „Star Force Soldier“ ist mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack und ich denke viele werden nicht verstehen, was einem daran gefallen kann. Bei mir sind es auf alle Fälle die schauspielerische Leistung von Kurt Russel und  das 80er Jahre-Flair, das dieser Film verströmt, obwohl er eigentlich nicht in diese Filmära gehört.

Koch Media hat nun diesen Film erstmalig auf Blu-Ray veröffentlicht. Und das auch noch in der ungekürzten Version. Warum man damals diese Szenen allerdings herausgeschnitten hat, ist mir unverständlich, denn so brutal, wie man jetzt meinen könnte, sind sie definitiv nicht. Nichtsdestotrotz ist es für den Filmfan schön, diese ungekürzte Version endlich ansehen zu können. Die Bildqualität bewegt sich in einem absolut tollen Rahmen. Da hat Koch Media ganze Arbeit geleistet. Es macht großen Spaß, diesen Film einmal in bestmöglicher Qualität zu sehen. Ich bin froh, dass sich Koch Media diesem Film angenommen und mir (und hoffentlich auch vielen anderen) damit einen Ausflug in meine filmische Vergangenheit beschert hat. Wer den Film damals schon mochte, wird mit dieser Version definitiv zufrieden sein.

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Fazit: Erstmalige Uncut-Veröffentlichung auf Blu-Ray in hervorragender Bildqualität.

© 2019 Wolfgang Brunner

Batman v Superman – Dawn Of Justice (2016)

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Originaltitel: Batman v Superman – Dawn Of Justice
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Chris Terio, David S. Goyer
Kamera: Larry Fong
Musik: Hans Zimmer, Junkie XL
Laufzeit: 151 Minuten / 183 Minuten (Ultimate Edition)
Darsteller: Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Jesse Eisenberg, Gal Gadot, Diane Lane, Jeremy Irons, Laurence Fuishburne, Holly Hunter, Scoot McNairy, Kevin Costner
Genre: Science Fiction, Action, Comicverfilmung
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Superman und General Zod brachten im Finale von „Man Of Steel“ Zerstörung auf die Erde. Superman wird fortan von den meisten als eine Art Gott verehrt, während Bruce Wayne alias Batman ihn eher als Bedrohung sieht. Während Batman und Superman miteinander konkurrieren, taucht eine neue Bedrohung auf, die beide unter Umständen sogar zusammenschweißen könnte: Der junge Unternehmer Lex Luthor hat Pläne, um beide Helden ein für alle Mal zu vernichten …

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Da ich im Vorfeld schon einiges von diesem Film gehört habe (vorwiegend negatives), war ich natürlich sehr gespannt, was das erste gemeinsame Abenteuer mit Batman und Superman bietet. Eines vorweg, so ganz nachvollziehen kann ich die teils sehr schlechten Kritiken und Meinungen nicht. Für mich hat „Batman v Superman“ als eigenständiger Film funktioniert. Sicherlich sind einige Handlungsstränge und -entwicklungen nicht ganz nachvollziehbar und weisen auch logische Fehler auf, aber es handelt sich hierbei um eine Comic- und nicht um eine hochwertige Literaturverfilmung. DC-Fans haben wohl das größte Problem mit dieser (und auch der „Man Of Steel“-) Version von Zack Snyder. Ich persönlich mag Synders Inszenierungsstil nach wie vor und kann mich auch immer wieder für seine stylischen Bilder begeistern. Aber anscheinend hat er das besondere DC-Feeling nicht, dass die Fans erwartet haben. „Batman v Superman“ ist an vielen Stellen episch und konnte mich dramaturgisch überzeugen.

Vor allem im Finale bekommt man allerdings wieder einmal (wie bei fast allen derartigen Blockbustern) eine Überdosis an Spezialeffekten geboten, die schlichtweg zuviel ist und den Film und die aufgebaute Atmosphäre nahezu vollkommen kaputt macht. Ein bisschen weniger hätte da gereicht und der Gesamtstimmung auf jeden Fall gut getan. Ich habe die Ultimate Version angesehen und bin auch nach drei Stunden noch immer nicht vollauf zufrieden, was die Gesamtlogik angeht. Dennoch vergingen die drei Stunden wie im Flug, was eindeutig für den Film spricht, der mich absolut gut unterhalten hat. Wie gesagt, es gibt einige sehr stimmungsvolle (ruhige) Momente, die mich begeistert haben und auch die meist düstere Grundstimmung des Films hat mich sehr angesprochen. Schauspielerisch beziehungsweise typentechnisch hatte ich sowohl mit Henry Cavill als Superman (da ging es mir bei „Man Of Steel“ bereits so) und als auch mit Ben Affleck als Batman anfangs Schwierigkeiten. Beide machen ihren Job gut, keine Frage, aber das spezielle Etwas wie es Christopher Reeve (Superman) oder Christian Bale (Batman) hatten, fehlte sowohl Cavill als auch Affleck irgendwie. Doch das legte sich dann im Laufe des Films bei beiden und mittlerweile muss ich sagen, dass beide einfach passen.

Beeindruckend fand ich Jesse Eisenberg in seiner Rolle als Lex Luthor. An manchen Stellen erinnerte er mich an Heath Ledgers Joker-Performance, aber Eisenberg zieht sein eigenes Ding durch. Und das macht er wirklich nahezu perfekt und eben eindrucksvoll. Ich habe sein Schauspiel wirklich genossen.
„Batman v Superman“ ist eine solide Comicverfilmung, die für mich einfach wie ein Comic wirkt: An manchen Stellen übertrieben, an anderen düster-ernst – das Gesamtbild war für mich also stimmig und, wie oben schon erwähnt, konnte ich mich an vielen Stellen richtig begeistern, wenngleich eben die (an sich gar nicht mal so schlechte) Handlung ein wenig zu wünschen übrig lässt, was die nachvollziehbare Logik angeht. Viele Fragen bleiben leider offen und ebenso viele Handlungsweisen der Protagonisten sind nicht verständlich. Dennoch ist der Unterhaltungs- und Schauwert des Films gut und ich bin sicher, dass ich ihn mir noch einmal ansehen werde. Manchmal kam er mir sogar ie ein James Bond-Film vor.
Nicht vergessen werden sollte der erste Auftritt von Wonder Woman, die am Ende noch einmal neuen Schwung in die Handlung bringt und die Vorfreude auf den „eigenen“ Film steigen lässt.
Doch nun komme ich noch zu einem der größten Pluspunkte  von „Batman v Superman“: Hans Zimmers und Junkie XLs Score. Der ist einfach nur der Megahammer und unterstreicht den kompletten Film bombastisch und episch, wie es besser nicht sein könnte. Alleine die Filmmusik ist es wert, sich den Film anzusehen.
Ich fand „Batman v Superman“ absolut sehenswert und fühlte mich wirklich sehr gut unterhalten.

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Fazit: Bombastische, kurzweilige Comicverfilmung mit vielen Logikschwächen, die im Ultimate Cut zumindest teilweise ausgeglichen werden.

© 2017 Wolfgang Brunner

ABCs Of Superheroes (2015)

Originaltitel: ABCs Of Superheroes
Buch und Regie: Jens Holzheuer, Oliver Tietgen
Kamera: Oliver Tietgen
Musik: —
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Bai Ling, Uwe Boll, Jörg Buttgereit, Jerry Kwarteng, Lloyd Kaufman, Fred Olen Ray, Aramis Merlin, René Wiesner, Simon Lammers, Biggi Bardot, Manni Laudenbach, Uwe Schueder, Meggan Anderson
Genre: Fantasy, Komödie
Herstellungsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Während eines Einkaufs nörgelt ein junges Mädchen so lange, bis sie von ihrer Mutter ein Comicheft gekauft bekommt: ABCs Of Superheroes. In diesem Heft werden Superhelden, deren Namen mit allen 26 Buchstaben des Alphabets beginnen, vorgestellt. Eine abgedrehte Reise durch eine Comicwelt voller ungewöhnlicher Superhelden beginnt.

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Am besten sollte man unvoreingenommen an diesen herrlich verrückten und schrägen Independent-Film herangehen. „ABCs Of Superheroes“ kann man im Grunde genommen sehr schwer beschreiben, denn was da auf einem zukommt, ist schlichtweg einfach nur genial und dermaßen abwechslungs- und ideenreich, dass einem so manches Mal die Worte fehlen. Unzählige Einfälle, verbunden mit liebevollen Anspielungen auf kleinere, größere, bekannte und unbekannte Filme machen diesen Streifen zu einem außergewöhnlichen Erlebnis, von dem man gar nicht genug bekommen kann (zumindest geht es mir da so). Die Regisseure Jens Holzheuer und Oliver Tietgen, die auch beide das Drehbuch verfassten, nahmen sich augenscheinlich vor, einfach das zu machen, worauf sie Lust hatten. „ABCs Of Superheroes“ ist eine wilde Mischung aus Fantasy, Science Fiction, Komödie, Softporno und und und …, eine Verbeugung vor echten und trashigen Kultfilmen, eine Hymne an das freie Filmemachen, wo es einfach nur um Spaß und das Umsetzen eigener Ideen geht und nicht um eine perfekte, geldlastige Perfektion. Und gerade diese Nichtperfektion macht den unglaublichen Charme dieses Films aus, der einen von der ersten bis zur letzten Minute nicht mehr loslässt.

Noch heute, ein paar Tage später, zaubert mir die ein oder andere absurde Szene noch ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht. Die Rahmenhandlung (das Mädchen, das den Comic liest) lockert die zwanzig Episoden immer wieder auf und bringt den Zuschauer auch einige Male zum Lachen. Aber getragen wird der Film von der unendlichen Fülle an skurrilen und verrückten Ideen, die man in ihrer Vielseitigkeit fast nicht erfassen kann. Gespannt wartet man darauf, mit welchen Einfällen der nächste Superheld im Alphabet präsentiert wird und vergisst darüber tatsächlich die Zeit. Ich habe selten einen so kurzweiligen Episodenfilm gesehen, der mit einem wahren Feuerwerk an Inspirationen und Gags aufwarten kann. Die Gastauftritte von Uwe Boll, Jörg Buttgereit, Lloyd Kaufmann und Bai Ling tun ihr übriges dazu, um „ABCs Of Superheroes“ unterhaltsam zu machen. Die Darsteller sind allesamt witzig und souverän (und oftmals in ihrer naiven Amateurhaftigkeit liebenswert doof), wobei mir Jerry Kwarteng in der Rolle als Jesus dann doch ziemlich positiv aufgefallen ist.

Es ist Ultra-Trash, den man hier serviert bekommt, und man muss das eindeutig mögen und dafür auch offen sein. Es ist Blödsinn, der einem hier präsentiert wird, und als Filmfan erkennt man unendlich viele Anspielungen. Mit einfachen Mitteln (ob gewollt oder nicht, sei hier dahingestellt) wurden Visionen in Szene gesetzt, denen man einfach den riesengroßen Spaß an der Produktion ansieht. Nichts wird ernst genommen, alles wird veralbert und obgleich es in teilweise wirklich dummen Klamauk abdriftet, hat es für mich bedeutend mehr Spaßfaktor als sogenannte erfolgreiche, deutsche Komödien wie „Fuck Ju Göhte“. „ABCs Of Superheros“ ist ein kranker, aber gutgelaunter Trip, von Menschen gemacht, die Splatter, Porno, Horror, Fantasy und SF mögen und Spaß am Filmedrehen haben. Da wird ausgelassen gealbert, aber sich auch vor Genregrößen verbeugt, dass es eine wahre Freude ist. Vielleicht sollte ich nochmal explizit erwähnen, dass es den Machern mit Sicherheit nicht darum ging, eine perfekte Superhelden-Parodie auf die Beine zu stellen, sondern eher absichtlich eine dilettantische Trashperle a la „Flash Gordon“ zu zaubern, bei der sämtliche Effekte stümperhaft, aber nichtsdestoweniger liebenswert unterhaltsam wirken(zumindest kam das bei mir so an). Ich für meinen Teil habe mich auf jeden Fall schon lange nicht mehr so prächtig amüsiert, wenngleich viele Witze einen sexistischen und plumpen Anschein erwecken. Aber sie sind dann schon wiederum eben so doof, dass sie Spaß machen und in ihrer dumpfbackigen Albernheit funktionieren. Ich mag diesen Film auf jeden Fall. 😉
May the Fist Fuck Force be with you. 🙂

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Fazit: Abgedreht und ausgelassen albern. Unperfekter Ultra-Trash, der amüsiert und kurzweilig unterhält.

© 2017 Wolfgang Brunner

Kong: Skull Island (2017)

Originaltitel: Kong: Skull Island
Regie: Jordan Vogt-Roberts
Drehbuch: Dan Gilroy, Max Borenstein,Derek Connolly
Kamera: Larry Fong
Musik: Henry Jackman
Laufzeit: 118 Minuten
Darsteller: Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, John Goodman, Brie Larson, John G. Reilly, Toan Jing, Toby Kebbell, John Ortiz, Corey Hawkins
Genre: Abenteuer, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Im Jahr 1973 macht sich eine Gruppe aus Wissenschaftlern und Soldaten auf den Weg, eine mysteriöse Insel zu erkunden, die inmitten eines gigantischen Sturmgebiets liegt. Mit dabei sind Leutnant Colonel Packard , der Wissenschaftler Bill Randa , der Fährtenleser und Kriegsveteran James Conrad und die Anti-Kriegsfotografin Mason Weaver. Doch schon kurz nachdem sie das Sturmgebiet mit einigen Hubschraubern durchquert haben, werden sie von einem riesigen Affen angegriffen, der die meisten Fluggeräte zerstört und die meisten der Menschen tötet. Die Überlebenden erfahren, dass auf sich auf der „Skull Island“ genannten Insel ein Riesenaffe befindet, der von den Ureinwohnern als Gott angesehen und verehrt wird. Doch es ist nicht nur Kong, der auf der Insel lebt, sondern noch viele andere Monster. Ein Kampf ums Überleben beginnt …

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Was ein wenig wie „Apocalypse Now“ beginnt, nähert sich dann in einer furiosen Mischung aus Peter Jacksons „King Kong“ und Steven Spielbergs „Jurassic Park“ einer liebevollen Verbeugung vor „King Kong und die weiße Frau“ von Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack. Das heißt aber nicht, dass „Kong: Skull Island“ dem Klassiker in irgendeiner Weise nahe kommen könnte, aber dennoch inszenierte Jordan Vogt-Roberts einen überaus sehenswerten und gelungenen Film, der sich aus meiner Sicht nahtlos (und erfolgreich) in die vielzähligen Verfilmungen um den Riesenaffen einreihen dürfte. Es wird ein bombastisches Action-Feuerwerk geboten, das sich zusätzlich noch mit beeindruckenden Spezialeffekten und atemberaubenden Landschaftsaufnahmen brüsten kann. Man kommt kaum zum Atemholen, so dicht gedrängt sind die spannenden Actionszenen, die überaus gelungenen Animationen des Riesenaffen und die brillant in Szene gesetzte Naturkulisse.

Gerade die tolle Abenteuerstimmung, die von der ersten Minute an präsent ist, machen „Kong: Skull Island“ zu einem tollen Filmerlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Regisseur Jordan Vogt-Roberts, den bis zu diesem Film wohl die wenigsten gekannt haben dürften, zeigt eine sichere Hand mit seiner Inszenierung und ein sehr gutes Gefühl für die Aufrechterhaltung eines Spannungsbogens. Genre- und King Kong-Fans dürften durchwegs begeistert sein, wenn die Protagonisten in einer wirklich spektakulären Umgebung um ihr Leben kämpfen. Aber nicht nur die Aufnahmen und Spezialeffekte tun das ihrige, um „Kong: Skull Island“ zu einer rasanten, kurzweiligen Achterbahnfahrt zu machen. Der Score von Henry Jackmann untermalt das Ganze absolut passend und stimmig und die Farbvielfalt des Films ist einfach unglaublich. Vogt-Roberts zeigt auch zum Beispiel im Inneren eines gestrandeten Schiffswracks künstlerische Ambitionen, in dem er (ähnlich wie Tarsem Singh in seinem beeindruckenden „The Fall“) auf Steinquadern gemalte Bilder entstehen lässt, wenn die Kamera an einem bestimmten Ort verweilt. Kenner wissen, was ich damit meine. 😉

Aber auch die Schauspieler zeigen allesamt eine durchaus passable Leistung, die man eigentlich bei solch einer Art Film eigentlich gar nicht erwartet. Es ist aber nicht Samual L. Jackson oder Tom Hiddleston, die mich begeistert haben, sondern vor allem John G. Reilly in der Nebenrolle des Hank Marlow, der mich vollkommen überzeugt hat, dicht gefolgt von John Goodman, dessen Rolle wirklich sehr gut zu ihm passt. Diese beiden haben mich den ganzen Film über bestens unterhalten und begeistert.
Bei der FSK-Freigabe ab 12 Jahren war ich dann doch ein wenig erstaunt, denn die FSK-Leute indizieren ja schon gerne auch einmal verhältnismäßig harmlose Horrorfilme. Hier werden Menschen in der Luft zerfetzt, verschwinden kreischend in riesigen Monstermäulern oder werden von gigantischen Spinnenfüßen aufgespießt (bei dieser Szene dachte ich tatsächlich an die damals, und teilweise auch heute noch indizierten und verpönten Kannibalenfilme). Ich denke mal, da wäre eine FSK 16  Freigabe vielleicht angebrachter gewesen.

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Fazit: Bombastische, beeindruckende Spezialeffekte und atemberaubende Landschaftsaufnahmen.

© 2017 Wolfgang Brunner

Passengers (2016)

Originaltitel: Passengers
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Jon Spaihts
Kamera: Rodrigo Prieto
Musik: Thomas Newman
Laufzeit: 116 Minuten
Darsteller: Jennifer Lawrence, Chris Patt, Michael Sheen, Laurence Fishburne, Kimberly Battista, Aurora Perrineau, Andy García
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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5.000 Menschen machen sich im Tiefschlaf auf die Reise zum Planeten Homestead II, um dort ein neues Leben zu beginnen. Durch eine Fehlfunktion der Schlafkammer wacht einer der Passagiere, Jim, viel zu früh auf, nämlich neunzig Jahre vor der Landung auf Homestead II. Jim versucht den Grund seines vorzeitigen Erwachens herauszufinden und trifft schließlich auf Aurora, die ebenfalls erwacht ist. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen und versuchen, aus ihrer Zukunft das beste zu machen. Doch dann erfahren sie, dass etwas mit dem Raumschiff, auf dem sie durchs All rasen, nicht stimmt.

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Schon nach wenigen Minuten wusste ich, dass „Passengers“ der richtige Film für mich ist. Ruhige Science Fiction ohne Weltraumschlachten und überzogene Bösewichte hat mich schon immer begeistert. Sicherlich mag ich auch actionlastige SF-Streifen a lá „Star Wars“ und Konsorten, aber stimmungsvolle Filme wie „Blade Runner“, „Arrival“ oder „Interstellar“ sind mir im Grunde genommen lieber. Die Eingangssequenz erinnert ein wenig an die Aufwachszene in „Alien“, was durchaus beabsichtigt und als Hommage gedacht sein könnte. Doch dann geht Regisseur Morten Tyldum einen anderen, bedeutend ruhigeren Weg. Melancholisch, philosophisch und enorm beeindruckend wird die Weite, Stille und Einsamkeit des Alls in Szene gesetzt. Man möchte trotz dieser Einsamkeit mit dabei sein. Bei manchen Szenen fühlte ich mich an John Carpenters Debütfilm „Dark Star“, „Gravity“ oder den einzigartigen Klassiker „Lautlos im Weltraum“ von Douglas Trumbull erinnert. Morten Tyldum schafft es einfach hervorragend, diese Leere zu inszenieren.

Die Liebesgeschichte zwischen Jim und Aurora wirkt lebendig und glaubwürdig. Zumindest anfangs. Es kommt nämlich ein Punkt, an dem Aurora etwas erfährt, dass sie besser nicht erfahren hätte, und die Liebesgeschichte gerät ins Schwanken und wirkt teilweise nicht mehr nachvollziehbar. Das würde ich, neben dem Finale, als einzige Drehbuchschwäche bezeichnen. Diese Problematik hätte man umgehen können beziehungsweise müssen. Aber sieht man über diesen „Fehler“ hinweg, wird man mit einem unglaublich optischen Abenteuer belohnt, dass einem (zumindest mir) nicht mehr aus dem Kopf geht. Visuell kann man solch ein einsames Weltraumabenteuer nicht besser machen.  Beeindruckende Spezialeffekte, die aber keineswegs die Aufmerksamkeit von den Schauspielern an sich reißen, ziehen sich durch den kompletten Film. Da gibt es wirklich nichts auszusetzen und die ein oder andere Szene versetzt einen derart in Erstaunen, dass einem die Luft wegbleibt.

Jennifer Lawrence und Chris Patt machen ihre Sache ausnahmslos gut. Es macht ungemein Spaß, sie bei ihrer zweisamen Reise durchs All zu begleiten. Michael Sheen, der schon den wirklich schlechten Nicolas Cage-Streifen „Drive Angry“ mit seiner Darstellung einigermaßen retten konnte, brilliert hier wieder einmal in einer absolut tollen Rolle. Er mimt den Serviceroboter hinter der Theke der Bordbar mit Witz und Charme. Sheen stellt neben den guten schauspielerischen Leistungen und  den grandiosen Effekten ein weiteres Highlight von „Passengers“ dar.
Toll fotografiert regt das Science Fiction-Epos oftmals auch zum Nachdenken an. Wie würde man sich selbst in solch einer Situation verhalten? Man mag von der Entwicklung der Handlung halten, was man will, aber die Pattsituation(en), in denen sich der Protagonist Jim befindet, sind nicht von der Hand zu weisen und beschäftigen den Zuseher.

Freunde von Weltraumschlachten werden „Passengers“ als seicht, langweilig und kitschig bezeichnen. Ich finde aber, dass auch solche Zukunftsvisionen eine große Berechtigung im SF-Bereich haben und haben sollten. Die Menschheit wird sich in Zukunft nicht nur Kriege gegen Außerirdische liefern, sondern sie wird auch auf der Suche nach einem neuen Lebensraum sein. Und die Menschen werden sich auch in Zukunft lieben und sich nach Wärme und Geborgenheit sehnen. Für mich war „Passengers“ trotz einiger Makel im Plot eine absolut erfreuliche Überraschung, so dass sich der Film eindeutig in der Liste meiner Lieblings-SF-Filme findet.

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Fazit: Visuell überwältigendes Science Fiction-Liebes-Drama mit leicht philosophischen Touch.

© 2017 Wolfgang Brunner

Hardcore (2015)

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Originaltitel: Hardcore Henry
Regie: Ilya Naishuller
Drehbuch: Ilya Naishuller
Kamera: Pavel „Pasha“ Kapinos, Vsevolod Kaptur,, Fedor Lyass
Musik: Darya „Dasha“ Charusha
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Sharlto Copley, Danila Kozlovsky, Haley Bennett, Tim Roth, Andrei Dementiev, Cyrus Arnold, Ilya Naishuller, Will Stewart, Darya „Dasha“ Charusha, Svetlana Ustinova
Genre: Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Russland
FSK: ab 18 Jahre

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Henry wacht eines Tages in  Moskau auf und muss feststellen, dass seine Frau von einem psychopatischen Kriminellen namens Akan entführt wurde.  Henry hat nur noch ein Ziel: nämlich seine Frau zu finden und den Entführer Akan zu töten.

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Gamer werden ihre wahre Freude an diesem Film haben. Aber nicht nur die, ich hatte auch großen Spaß, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Anders als bei dem deutschen „First Person Shooter“, der ja ebenfalls in diesem Stil gedreht wurde (allerdings ein Jahr vorher), ermüdete ich hier irgendwann einmal. Es war einfach zu viel des Guten, so dass ich ehrlich gesagt das Ende herbeisehnte. Insgesamt wirkt „Hardcore“ leider dennoch unbefriedigend auf mich, obwohl ich an einzelnen Szenen durchaus Gefallen gefunden habe.
Man muss Regisseur Ilya Naishuller durchaus innovative Ideen zugestehen. Es ist zweifellos eine enorme technische und inszenatorische Herausforderung gewesen „Hardcore“ zu drehen. Doch ich hätte mir einfach ein wenig mehr Handlung gewünscht. Hin und wieder wird man von der neuartigen Ästhetik überrascht, doch trotz atemloser Spannung setzt ab der Hälfte des Films ein Übersättigungseffekt ein, durch den man dem Film wahrscheinlich nicht mehr genügend Respekt zollen kann.

Sicherlich sind die blutigen, teils splatterartigen Gewalteinschübe sehenswert und lockern das sinnlose Geballere ein wenig auf, aber irgendwann dachte ich tatsächlich, ich schaue einem Freund dabei zu, wie er einen Ego-Shooter spielt. Da wurden die Möglichkeiten, die dieser neuartige und mutige Inszenierungsstil geboten hätte, einfach nicht genügend ausgereizt oder perfektioniert. Es fehlen Ansätze, um dem Ganzen eine echte Handlung und einen Plot zum Mitfiebern zu verschaffen. Naishuller geht aufs Ganze und überschwemmt den Zuschauer zu sehr mit seiner Idee, so dass dieser das meiste gar nicht mehr bewusst wahrnimmt beziehungsweise wahrnehmen kann. „Hardcore“ ist ein Actionfeuerwerk, das mit schnellen Schnitten und einer Aneinderreihung von rasanten Szenen den Zuschauer dennoch überstrapaziert.

Es hätte dem Film gut getan, wäre man auf die Charaktere der Protagonisten eingegangen und hätte sich nicht nur dem Actionanteil gewidmet. An manchen Stellen wirken die Dialoge gekünstelt und teilweise etwas hohl, auch das hätte man um Längen besser machen können. Insgesamt ist „Hardcore“ durchaus sehenswert, vor allem, wenn man den Film als inszenatorisches Experiment betrachtet, sich darauf auch einlassen kann und die lange Laufzeit erträgt. Wer verwackelte Found Footage-Filme nicht mag, wird hier feststellen, dass es noch schlimmer geht, denn die verwackelte Kamera geht einem bereits nach kurzer Zeit auf die Nerven. Man erkennt, dass hier großer Aufwand betrieben wurde, aber herausgekommen ist letztendlich ein „Filmchen“ für Hardcore-Ego Shooter-Fans und eine Youtube-Generation, die sich Videos „reinzieht“, ohne Sinn dahinter entdecken zu wollen.

Mein Fall war „Hardcore“ nicht wirklich, obwohl ich, wie schon erwähnt, einige Stellen genoß. Schauspielerisch sind bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls nur schwache Leistungen zu sehen, denn, wenn Menschen zu sehen sind, agieren sie wie computergenerierte Personen und wirken nicht wirklich menschlich. Potential wäre durchaus da gewesen, wurde aber leider nicht genutzt. Ein Film zum einmal ansehen, um mitreden zu können, mehr aber auch nicht.

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Fazit: Vom Grundsatz her nette Idee, die aber auf die lange Laufzeit schon bald ermüdend wirkt und den Zuschauer überstrapaziert.

© 2017 Wolfgang Brunner