Giganten am Himmel – Airport ’75 (1975)

Airport 2

Originaltitel: Airport ’75
Regie: Jack Smight
Drehbuch: Don Ingalls
Kamera:  Philip H. Lathrop
Musik: John Cacavas
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Charlton Heston, Karen Black, George Kennedy, Gloria Swanson, Efrem Zimbalist jr., Susan Clark, Linda Blair, Myrna Loy
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Eine Boeing 747 kollidiert mit einem Kleinflugzeug. Der Pilot wird schwer verletzt, so dass eine Stewardess mit Unterstützung eines Fluglehrers per Funk versucht, die Maschine zu steuern und einen Absturz zu verhindern. Doch das Flugzeug rast direkt auf eine Gebirgskette zu und verliert zusätzlich auch noch Benzin.

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Fünf Jahre vergingen, bevor sich jemand getraut hat, eine Fortsetzung der erfolgreichen Literaturverfilmung von Arthur Haileys „Airport“ zu drehen. Die Erwartungshaltung war natürlich groß, als der Film in die Kinos kam. Aber Regisseur Jack Smight hat es tatsächlich geschafft, den Spannungsbogen auf jeden Fall zu halten beziehungsweise für einige Zuschauer sogar noch zu toppen. Eines ist aber unbedingt positiv hervorzuheben: Drehbuchautor Don Ingalls hat sich nicht dazu hinreißen lassen, sich auf dem Erfolg des Originalfilms auszuruhen und einen ähnlichen Plot geschrieben, sondern er ging einen neuen Weg und brachte frischen Wind in den Katastrophenfilm.
Wieder sind, wie schon beim ersten Teil, jede Menge Stars der damaligen Zeit auf der Besetzungsliste zu finden, allen voran natürlich Charlton Heston. Er spielt auf gewohnt hohem Niveau, muss sich aber dennoch gegen die hervorragend agierende Karen Black behaupten, die eine beeindruckend toughe Frau darstellt.

„Giganten am Himmel“ ist pure Unterhaltung, die über die gesamte Spieldauer fasziniert. Bedenkt man das Alter des Films, so muss man seinen virtuellen Hut vor der Crew ziehen, die die Spezialeffekte gemacht hat. An manchen Stellen mutet das Ganze wie ein perfekt inszenierter Teil aus der James-Bond-Reihe an, so atemberaubend sind die Trickaufnahmen. Besonders Spaß macht auch der Auftritt der einstigen Diva aus der Stummfilmära Gloria Swanson. Die Dame spielt sich selbst, was noch einen zusätzlichen Bonus darstellt. Wer sich ein wenig mit der Stummfilmzeit und ihren Leinwandgöttinen auseinandergesetzt hat, wird Swanson in dieser Rolle lieben.  Zwei Jahre nach ihrem Erfolg als dämonenbesessene Regan in William Friedkins „Der Exorzist“ ist die junge Linda Blair an Bord des Flugzeugs und kann auch hier wieder mit ihrer natürlichen Art absolut überzeugen.

Gegenüber seinem Vorgänger „Airport“ lässt sich „Airport ’75“ weitaus weniger Zeit, um richtig Fahrt aufzunehmen. Während man sich im Original mehr um die Charaktere kümmerte, legt man in der Fortsetzung gleich los, um dem Publikum genau das zu bieten, was es erwartet: Nämlich einen handfesten, spannenden Thriller über den Wolken. „Airport ’75“ ist in dieser Hinsicht besser wie sein Original.
Dank Koch Media ist dieser weitere Meilenstein des Spannungskinos endlich in einer Komplett-Edition mit allen vier Teilen erhältlich. Die Bildbearbeitung ist durchwegs gelungen (soweit dies anhand des Ursprungsmaterials möglich war) und lässt die Filme in einem neuen Licht erstrahlen.
Erwähnenswert ist auch die auf den Discs verewigten Super 8-Fassungen, die man von jedem Film bewundern kann.

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Fazit: Spannender und spektakulärer als der Vorgänger „Airport“.

© 2020 Wolfgang Brunner

Airport (1970)

Airport

Originaltitel: Airport
Regie: George Seaton
Drehbuch: George Seaton
nach dem Roman von Arthur Hailey
Kamera:  Ernest Laszlo
Musik: Alfred Newman
Laufzeit: 137 Minuten
Darsteller: Burt Lancaster, Dean Martin, Jean Seberg, Jaqueline Bisset, George Kennedy, Helen Hayes, Maureen Stapleton, Barry Nelson
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Durch vehemente Schneestürme blockiert ein liegengebliebenes Flugzeug die Landebahn eines Flughafens, während sich bereits eine weitere Maschine im Anflug befindet. Doch nicht nur die blockierte Landebahn stellt ein Problem dar, denn an Bord der im Landeanflug befindlichen Maschine ist auch noch ein Psychopath mit einer Bombe. Sowohl für den Flughafendirektor als auch den Kapitän des Passagierflugzeugs beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

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„Airport“ stellt neben „Flammendes Inferno“, „Erdbeben“ und „Höllenfahrt der Poseidon“ – um nur einige zu nennen – einen der wichtigsten Vertreter des in den 1970er Jahren aufgekommenen Katastrophenfilm-Booms dar. Zu Recht, wie man nach einer Sichtung nach fast fünfzig Jahren feststellen muss. Dieser Klassiker ist angenehm gealtert und zeigt beeindruckend, wie Kino damals funktioniert hat und eigentlich noch heute funktionieren müsste. In aus heutiger Sicht fast schon unspektakulärer Weise wird eine äußert spannende Geschichte erzählt, bei der aber auch noch Beachtung auf die Charaktere gelegt wird. „Airport“ wurde nach dem erfolgreichen Roman von Arthur Hailey unter der Regie von George Seaton umgesetzt und konnte mit einer Reihe bekannter Schauspielerinnen und Schauspieler aufwarten. Da der Film technisch perfekt umgesetzt war, konnte er sowohl die Kritiker als auch das Publikum überzeugen und war für den Oscar in neun Kategorien nominiert.

Interessant ist auch, dass der Zuschauer hier das erste Mal einen fast schon detailgetreuen Ablauf eines Arbeitstages am Flughafen zu sehen bekommt. Gewürzt mit persönlichen Schicksalen wird diese Normalität vermischt mit dem Katastrophenszenario eines Unwetters und eines Attentäters. Dieser Mix ist hervorragend gelungen und lässt in keiner Minute Langeweile aufkommen, obwohl der Film über zwei Stunden dauert. Trotz seiner eher langatmigen und ruhigen Inszenierung kann der Film auch in der heutigen Zeit einen absolut in den Bann ziehen, vorausgesetzt man kann sich auf diese (leider) „veraltete“ Inszenierungsweise einlassen. „Airport“ ist und bleibt ein Klassiker des Katastrophenfilms und wird immer seine Anhänger haben. Dank Koch Media ist dieser Meilenstein des Spannungskinos endlich in einer Komplett-Edition mit allen vier Teilen erhältlich. Die Bildbearbeitung ist durchwegs gelungen (soweit dies anhand des Ursprungsmaterials möglich war) und lässt die Filme in einem neuen Licht erstrahlen.
Erwähnenswert ist auch die auf den Discs verewigten Super 8-Fassungen, die man von jedem Film bewundern kann.

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Fazit: Unumstößlich noch immer ein Klassiker des Katastrophenfilms.

© 2020 Wolfgang Brunner

Ugly Dolls (2019)

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Originaltitel: UglyDolls
Regie: Kelly Asbury
Drehbuch: Alison Peck
nach einer Story von Robert Rodriguez
Kamera:  –
Musik: Christopher Lennertz
Laufzeit: 87 Minuten
Darsteller: –
Genre: Animation, Kinderfilm
Produktionsland: USA, Kanada, China
FSK: ab 0 Jahre

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Die nicht perfekten und von der Produktion aussortierten Spielzeugpuppen Moxy und ihre Freunde leben glücklich an einem Ort namens Uglyville. Dort zählt nicht das Aussehen, sondern die inneren Werte. Eines Tages wollen sie erkunden, was außerhalb ihrer Stadt liegt. Dabei stoßen sie auf den Ort Perfection, wo Lou, eine ganz und gar perfekte Puppe, alle zu derartigen perfekten Puppen machen will.

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Ich muss gestehen, dass ich noch nie etwas von den „Ugly Dolls“ gehört habe, die es tatsächlich auf dem Spielzeugmarkt gibt. Die vorliegende Verfilmung ihrer „Entstehungsgeschichte“ macht die unperfekten, teils hässlichen Spielzeuge sehr sympathisch. Der Film transferiert aber gleichzeitig eine wichtige Botschaft, nämlich, dass Aussehen alleine nicht zählt, sondern man unbedingt auch auf die inneren Werte eines Menschen / Lebewesens achten soll. Gerade für das Zielpublikum von „Ugly Dolls“ empfinde ich diese Aussage unheimlich wichtig und sie wird, wie gesagt, in dem Film hervorragend umgesetzt. Die hässlichen Puppen sind definitiv die Sympathieträger in diesem kurzweiligen und witzigen Animationsabenteuer.

„Ugly Dolls“ hat unglaublich viele, tolle Songs, die den Film dermaßen kurz wirken lassen, dass man gar nicht richtig mitbekommt, dass eineinhalb Stunden vergangen sind. Dieser liebevoll animierte Film ist allerdings nicht nur eine hervorragende Unterhaltung für Kinder (dabei ist es auch vollkommen egal, ob Mädchen oder Jungs), sondern auch perfekt für die ganze Familie, da sich, wie bereits erwähnt, eine Menge toller Botschaften darin verstecken, die auch Erwachsene zum Nachdenken bringen. Aber in erster Linie sind es die Charaktere, die einen verzaubern und die man sehr schnell liebgewinnt.
Einfühlsam und absolut unaufdringlich wird immer wieder darauf hingewiesen, dass man sich nicht nach dem Schönheitsideal richten soll, dass einem von der Mehrheit der Menschen (und vor allem durch die Medien) eingetrichtert und permanent aufgezwungen wird, so dass der Film aus meiner Sicht sogar das Prädikat „Besonders wertvoll“ erhalten müsste.

Hinter der Produktion dieses Films steckt mit Sicherheit zum Großteil das Ziel einer größeren Vermarktung der Original-Spielzeugpuppen, die bereits seit dem Jahr 2001 auf dem Markt sind. Daher wird dem Film des Öfteren eine oberflächliche Gestaltung zugeschrieben, die nur ein marketingtechnisches Bestreben erfüllen soll. Das kann man nun sehen, wie man will, ich für meinen Teil habe „Ugly Dolls“ zusammen mit meinem fast sechsjährigen Sohn genossen und wir hatten Riesenspass dabei. Mehr erwarte ich von solcherlei Filmen eigentlich gar nicht. Doch zusätzlich zu dieser kurzweiligen, netten Unterhaltung kam dann auch noch die bereits erwähnte Botschaft hinzu, so dass ich „Ugly Dolls“ uneingeschränkt empfehlen kann.

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Fazit: Absolut unterhaltsamer, kurzweiliger Animationsfilm mit einer tollen Botschaft.

© 2019  Wolfgang Brunner

The No Budget Passion Of The Christ (2019)

Passionchrist

Originaltitel: The No Budget Passion Of The Christ
Regie: Klaus Thiel-Klenner
Drehbuch: Klaus Thiel-Klenner
Kamera:  José Hidalgo
Musik: –
Laufzeit: 7 Minuten
Darsteller: Klaus Thiel-Klenner
Genre: Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.a.

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Die Geschichte der Kreuzigung einmal anders: aktuell, kritisch und dem Zeitgeist der Filmbranche angepasst …

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„The No Budget Passion Of The Christ“ ist eine gnadenlose, aber auch äußerst stimmige Abrechnung mit dem religiösen Glauben und den dazugehörigen Lehren. Thiel-Klenner, der mir bereits in gelungenen Independent-Filmen wie etwa „Z-Office“ oder „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ aufgefallen ist, hat mit diesem Kurzfilm einen äußerst intelligenten (und natürlich auch witzigen) Kurzfilm gedreht, der trotz alles Humors zum Nachdenken anregt. In erster Linie geht es um die von der Kirche und deren meisten Gläubigen praktizierende Homophobie, die Thiel-Klenner mit Witz, aber auch Eindringlichkeit kritisiert („Logisch ist das nicht. Und fair ist das auch nicht. Erst erschaffen und dann verbieten“). Er weist auf die schon lange nicht mehr zeitgemäßen Auslegungen der Heiligen Schrift hin und geht mit direkten Worten gegenüber den „Verantwortlichen“ zu Gericht. Es bleibt einem tatsächlich auch schon mal das Lachen in der Kehle stecken, wenn Thiel-Klenner gegen die Kirche „wettert“. Aber genau dieser harte Weg ist gut so, denn anders wird die Problematik und Sinnlosigkeit dieses Verhaltens nicht verstanden.

Aber es geht nicht nur um religiöse Aspekte, die Thiel-Klenner in seinem Kurzfilm behandelt. Er widmet sich auch den in den letzten Jahren aufgekommenen Hype um bombastische Spezialeffekte in Blockbustern, die so ziemlich jeden Film eines engagierten Filmemachers aus dem Rennen werfen. Der immer wiederkehrende Satz „das könne man nachher noch digital bearbeiten“ zeigt auf, wie wenig der Großteil der heutigen Filme noch mit wirklicher Schauspielkunst zu tun haben. Auch das macht nachdenklich und fordert geradezu heraus, sich nicht länger nur mit Millionen teuren Blockbustern zu beschäftigen, sondern sich auch einmal unabhängigen Low-Budget-Filmen (wie auch zum Beispiel „The No Budget Passion Of The Christ“ einer ist) zuzuwenden. Genau genommen ist dieser Kurzfilm eine Art Hilferuf, aber gleichzeitig auch eine Ode an echtes Schauspiel und Filmemachen. Je öfter ich mir diesen Kurzfilm ansehe, desto begeisterter bin ich zum einen von seiner Inszenierung und zum anderen von seiner Aussage. Und diese Statements in Form eines amüsanten Kurzfilms darzustellen ist genial.

Klaus Thiel-Klenner hat einen eigenen und besonderen Humor, mit dem man sich vertraut machen muss, um den Film auch richtig zu begreifen. Deshalb sollte man sich „The No Budget Passion Of The Christ“ auch nicht nur einmal ansehen und darüber urteilen, sondern sich das Vergnügen mehrmals gönnen, um auch alle Details zu bemerken. Der sympathische Schauspieler übernimmt Regie, Hauptrolle, Drehbuch und Produktion selbst, was wiederum zeigt, wie schwierig es heutzutage ist, etwas auf die Beine zu stellen, das sich nicht innerhalb eines großen Budgets bewegt. „Echte“ Filme, in denen Schauspieler, Skripte und Regisseure noch eine große Rolle spielen, gibt es leider nicht mehr sehr oft. Wie bereits oben erwähnt, beginnt man über die Filmbranche nachzudenken, wenn man Thiel-Klenners Kurzfilm ansieht. Interessant ist vor allem, dass vieles gar nicht so direkt ausgesprochen wird, der geneigte Zuseher aber dennoch sofort weiß, was damit gemeint ist.
Man sollte unbedingt den Film auch bis zu Ende sehen, denn Thiel-Klenner serviert nach dem Abspann noch einen wirklich hervorragenden Gag, der wiederum vielen Blockbuster-Regisseuren in den Mund gelegt werden könnte, die nicht des Films sondern des Profits wegen tätig wurden.

Auch hinter der Kamera trifft man einen alten Bekannten, wenn man sich mit dem unabhängigen deutschen Film beschäftigt: José Hidalgo, der auch für den Schnitt verantwortlich ist und zusammen mit Klaus Thiel-Klenner schon mehrmals zusammengearbeitet hat. Auch hier erweist sich das Gespann als äußerst teamfähig. „The No Budget Passion Of The Christ“ wird leider viele mit seinen Botschaften nicht erreichen, weil er nicht Mainstream tauglich genug ist. Schade, denn genau solche Zuseher hätte dieses ehrgeizige Projekt verdient, um ihnen die Augen für eine neue Art von Filmen zu öffnen: dem unabhängigen Autorenkino, bei dem Schauspiel mehr als Budget zählt.
Wer den Film noch nicht kennt und sich selbst ein Bild von „The No Budget Passion Of The Christ“ machen will:

Fazit: Kirche und Filmbranche haben nichts zu lachen, der Zuschauer schon. 🙂 Und dennoch bleibt einem manchmal das Lachen im Hals stecken, weil alles, was Klaus Thiel-Klenner sagt, leider der Wahrheit entspricht. Unbedingt (mehrmals) ansehen.

© 2020 Wolfgang Brunner

Backdraft 2 (2019)

backdraft

Originaltitel: Backdraft 2
Regie: Gonzalo López-Gallego
Drehbuch: Gregory Widen
Kamera:  José David Montero
Musik: Randy Edelman
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Joe Anderson, William Baldwin, Donald Sutherland, Alisha Bailey, Alastair MacKenzie, Dominic Mafham, Jessamine-Bliss Bell, Aaron McCusker, Cyril Nri
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Feuerwehrmann Sean McCaffrey, Sohn des verstorbenen und berühmten Steven ‚Bull‘ McCaffrey, arbeitet bei der gleichen Feuerwache in Chicago. Als er eines Tages zu einem speziellen Einsatz gerufen wird, merkt er schnell, dass es dabei mehr als nur um ein gewöhnliches Feuer geht. Es geht nicht nur um Brandstiftung, sondern auch um Mord und sogar internationalen Terrorismus.

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Es ist immer so eine Sache, wenn ein erfolgreicher Film, der für manche sogar den Inbegriff des Actionkinos darstellt, fortgeführt oder neu interpretiert wird. Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, kommt einem bei einem Film wie „Backdraft 2“ sofort in den Kopf, dass er dem Original niemals das Wasser reichen kann. Was aber, wenn diese Fortführung der Geschichte gar nicht wirklich im Sinn hat, das Original zu erreichen, sondern einfach nur eine neue Geschichte erzählen will, die locker an die Ereignisse des ersten Films anknüpft? Ich war wirklich angenehm überrascht, als ich die ersten Minuten von „Backdraft 2“ sah und dachte schon wenige Minuten später gar nicht mehr darüber nach, beide Filme auf irgendeine Weise miteinander zu vergleichen. Der Film hätte, würde nicht William Baldwin in seiner Rolle des Originals mitspielen, durchaus einen eigenständigen Titel tragen können. Ich will damit sagen, dass es „Backdraft 2“ gar nicht nötig hat, mit dem Titel seines berühmten Originals „hausieren“ zu gehen. Viel zu eigenständig (und auch gut) ist die Handlung, die sich Drehbuchautor Gregory Widen da ausgedacht hat.

Hinzu kommt eine wirklich gute Performance von Joe Anderson und eine grandiose Darbietung von Donald Sutherland, der im Alter immer wieder beweist, dass er nach wie vor ein toller Schauspieler ist. Aber auch alle anderen beteiligten Akteure machen ihre Sache ausnehmend gut und es macht wirklich Spaß, ihnen dabei zuzusehen.
An manchen Stellen dachte ich zwar, dass das Feuer vielleicht ein wenig mehr Rolle spielen könnte, aber letztendlich fiel es nicht weiter auf, weil die Geschichte einfach viel zu spannend und unterhaltsam war. Sicherlich kommen immer wieder Parallelen zum Originalfilm zur Sprache, aber eigentlich wird eine vollkommen neue Geschichte erzählt. Man muss sich darauf einlassen, dann funktioniert der Film. Wer sich allerdings permanent darüber aufregen mag, dass diese Fortsetzung den Originalfilm nicht erreicht (und ihm daher auch gar keine Chance gibt), wird sicherlich enttäuscht sein.

Ich persönlich fand es nämlich sogar gut, dass frischer Wind in der Polizeiwache wehte und nicht auf plumpe Art und Weise versucht wurde, den alten Plot irgendwie aufrechtzuerhalten und zwanghaft fortzuführen. So, wie Regisseur  Gonzalo López-Gallego es letztendlich angepackt und gemacht hat, empfand ich als richtigen Weg. Es wurde niemals versucht, dem Kult des ersten Teils nachzueifern, sondern man setzte auf Eigenständigkeit.
„Backdraft 2“ hat aber offensichtlich dennoch keine Chance und muss die in der heutigen Zeit gängigen, ständigen Nörgeleien (oftmals sogar schon im Vorfeld) über sich ergehen lassen, wie etwa auch ein neuer Teil der Star Wars-Saga. Solche Filme haben es heutzutage einfach schwer, Fuß zu fassen, selbst wenn sie etwas zu bieten haben wie auch im vorliegenden Fall von „Backdraft 2“. Das Negativreden hat bei solchen Projekten oftmals Vorrang, wie man in zahlreichen und überwiegend unkonstruktiven Rezensionen nachlesen kann. Für mich stellte „Backdraft 2“ zwar keine bahnbrechende Fortsetzung dar, aber eine sehr solide (und vor allem eigenständige) Fortführung der Geschichte mit guten schauspielerischen Leistungen und einer soliden Inszenierung.

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Fazit: Eigenständige Fortsetzung des Klassikers mit guten Schauspielern.

© 2019 Wolfgang Brunner

Das schwäbische Sägewerkmassaker 1 & 2 (2015/ 2019)

 

Originaltitel: Das schwäbische Sägewerkmassaker
Regie: Madman Marv
Drehbuch: Madman Marv
Kamera: Ronny Zito, El Excremento
Musik: Musica Non Grata (Stephan Ortlepp)
Laufzeit: Teil 1: 23 Minuten / Teil 2: 35 Minuten
Darsteller: Teil 1 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Thomas K., Nosegrinder, Flo Grinder, Kelly Carlito
Teil 2 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Schenzellot, Iggi Braineater, Zwenner, Christoph Choleriko, Alex Armageddon, Hugo, Joe, Nasus Grindus, Hiller
Genre: Horror, Splatter, Kurzfilm, Amateur, Independent
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Ein Serienkiller ist in Schwaben unterwegs. Er macht Jagd auf die Mitarbeiter eines Sägewerks und schreckt vor nichts zurück …

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Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich für die beiden Teile jeweils eine separate Rezension verfasse. Letztendlich habe mich aber dazu entschieden, eine Gesamtbesprechung zu schreiben, denn die Filme gehören meiner Meinung nach unbedingt zusammen, obwohl zwischen den beiden Werken ein qualitativer Unterschied besteht.
Teil 1 dieses abgefahrenen Amateursplatters wirkt tatsächlich so richtig amateurhaft, was aber wiederum absolut unterhaltsam (und äußerst sympathisch) wirkt. Man spürt den Spaß in jeder Filmminute, den die ‚Schauspieler‘, aber auch das ganze Team während der  Dreharbeiten hatten. Ich fühlte mich sofort wieder an die eigene Zeit erinnert, als ich ebenfalls solche ‚Projekte‘ mit Freunden auf die Beine gestellt habe (welcher Filmfreak hat das nicht bereits als Kind und/oder Jugendlicher gemacht? 🙂 )
Interessant sind auf jeden Fall die zahlreichen Anspielungen auf Kultfilme und Klassiker aus dem Horrorgenre. Wenn zum Beispiel Lucio Fulci als ehemaliger Chef des Sägewerks betitelt wird, finde ich das schon ziemlich geil.

Nun aber zum Inszenierungsstil beziehungsweise den Schauspielleistungen und Spezialeffekten. Man merkt eindeutig, dass Regisseur Madman Marv ein Liebhaber der 80er Jahre-Horrorfilme ist, denn in vielen Einstellungen sieht man, wie er seinen Vorbildern nacheifert und dies auch oft überzeugend erreicht. Beide Teile von „Das schwäbische Sägewerkmassaker“ darf man nicht sonderlich ernst nehmen, viel zu viel Klamauk (und Spaß an der Freude) stecken darin, aber dennoch gibt es die ein oder andere Einstellung, die ein Gespür für cineastische Dramaturgie verrät. Das Endergebnis ist schlichtweg ein absolut toller Spaß, dem man gerne zusieht. Die derben Spezialeffekte schwanken zwischen übertrieben simpel und ganz gut gelungen. Aber auch hier ist einfach ausschlaggebend, welche Intentionen dahinterstecken und man muss schon sagen, dass selbst die (für viele mit Sicherheit lächerlich wirkenden) Splattereinlagen dennoch auf gewisse Art und Weise eine Wirkung zeigen. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese mit sozusagen keinem Budget auf die Beine gestellt wurden. Ich mochte es auf jeden Fall. 😉

Schauspielerisch kann man nicht viel sagen, denn alle Akteure sind durch die Bank Amateure. Doch zumindest aus dieser Sicht haben sie ihre Sache ausnahmslos gut gemacht und, wie schon erwähnt, der Spaß ist es, der bei diesen beiden Kurzfilmen zählt. Während man den ersten Teil mit seinen übertriebenen Verkleidungen überhaupt nicht ernst nehmen kann (und auch nicht soll), sieht es beim zweiten Teil schon ein wenig anders aus. Die Schauspieler agieren bedeutend besser und auch die Inszenierung gibt sich um ein Vielfaches Mühe, etwas ernster zu wirken. Das funktioniert genauso gut wie die Effekte, die bedeutend brutaler und auch glaubwürdiger ausfallen, obwohl man sich auch hier wieder mit den einfachsten Mitteln hilft.
Erwähnenswert ist unbedingt noch der Score von Musica Non Grata, hinter dem sich Stephan Ortlepp verbirgt. Die Sounds und die Musik haben wir supergut gefallen und den Filmen zu einer Atmosphäre verholfen, die ohne die Klänge nicht vorhanden gewesen wäre.

Insgesamt haben mich beide Teile auf gewisse Art und Weise begeistert (klingt komisch, ist aber so), weil ich mich wirklich hervorragend (übrigens ohne Alkohol 😉 ) amüsiert habe und den fühlbaren Spaß der Macher beim Zusehen gespürt habe. Handlungstechnisch geben die beiden Kurzfilme nichts her, müssen sie aber auch gar nicht, denn das erwartet niemand von einem derartigen No Budget-Amateurfilm. Hier heißt es wirklich: Hirn aus und die flachen Witze und stümperhaften (aber dennoch geschickt) gemachten Effekte einfach auf sich einprasseln lassen. Es ist ein besonderer Humor, der einen hier erwartet, und man mag ihn entweder und schüttelt verständnislos den Kopf. Ich mag ihn und werde mir beide Filme bei Gelegenheit mit Sicherheit nochmals ansehen. Außerdem freue ich mich jetzt umso mehr auf den ersten Langfilm von Madman Marv mit dem Titel „Die Dämonische Mörderoma“, den René Wiesner bereits gesehen und rezensiert hat.

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Fazit: Man kann diese beiden Kurzfilme genau genommen gar nicht richtig bewerten, sondern müsste eher eine Amüsierskala einführen und verwenden. Auf dieser erreichen sie bei mir allerdings auch auf alle Fälle das obere Viertel.

© 2019 Wolfgang Brunner

Mörderspinnen (1977)

mörderspinnen

Originaltitel: Kingdom of the Spiders
Regie: John „Bud“ Cardos
Drehbuch: Alan Caillou, Stephen Lodge
Kamera:  John Arthur Morrill
Musik: Dorsey Burnette
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: William Shatner, Tiffany Bolling, Woody Strode, Lieux Dressler
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Rack Hansen ist Tierarzt und untersucht eine Reihe von mysteriösen Todesfällen von Nutztieren. Dabei findet er heraus, dass die Stadt von tödlichen Taranteln heimgesucht wird. Doch bevor er etwas dagegen unternehmen kann, werden die Straßen der Stadt bereits von den Spinnen überrannt …

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„Mörderspinnen“ ist einer jener Filme, die aus heutiger Sicht sogar noch einen größeren Kultfaktor besitzen, als sie ohnehin die letzten Jahrzehnte bereits  hatten. Das liegt vor allem daran, dass die Spinnen nicht computeranimiert, sondern echte Lebewesen sind. Gerade in der heutigen zeit macht so etwas unglaublich viel Spaß, zumal man sich dessen wieder bewusst wird, welche Kreativität und Herzblut in solchen Projekten steckt und welche Hürden die damaligen Filmemacher auf sich nehmen mussten, um ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Das verleiht diesem Edeltrashfilm eine derart wunderbare Atmosphäre, dass man ihn sofort wieder von vorne ansehen könnte, nachdem das Wort „Ende“ auf dem Bildschirm erschienen ist.
Ich habe „Mörderspinnen“ vor einigen Jahrzehnten das letzte Mal gesehen und ich muss  sagen, dass mich der Film in der nun restaurierten Fassung auf Blu-Ray von Anfang an absolut in seinen Bann gezogen hat. Die Minuten flogen nur so an einem vorbei und ich kann gar nicht sagen, an wie vielen Stellen mich ein derart wohlwollendes Nostalgiegefühl im Bauch erfasst hat, dass es eine wahre Freude war.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich gar nicht mehr so in Erinnerung hatte, dass William Shatner seine Hauptrolle nahezu perfekt meistert. Er spielt den Veterinär Rack Hansen mit so viel Charme, dass man Lust bekommt, weitere Filme mit Shatner anzusehen. Doch neben den schauspielerischen Leistungen, die übrigens allesamt sehr gut sind, überzeugen vor allem die Spezialeffekte, die vorwiegend aus über 5000 lebenden Vogelspinnen bestehen und dem Film somit eine unschlagbare Atmosphäre gegenüber den heutigen CGI-Effekteorgien geben. Der Ende der 70er Jahre entstandene Tierhorror erinnerte mich manchmal an die alten Schwarz-Weiß-Filme des Regisseurs Jack Arnold, der mich bis in die heutige Zeit mit seinen Werken begeistert. „Mörderspinnen“ reiht sich in diese Art von Filmen nahtlos mit ein und stellt für mich mehr denn je einen absoluten Klassiker dar.

Zur Bearbeitung des Filmes kann ich nur sagen, dass die Farben und die Schärfe des Bildes absolut gelungen für eine Blu-Ray-Veröffentlichung sind. Gerade unter dem Aspekt, dass keine computergenerierten Effekte Verwendung fanden, macht eine so qualitativ hochwertige Nachbearbeitung ungemein Spaß. Zudem sind auf der Blu-Ray noch einige Extras zu verzeichnen, die absolut interessant sind. Ein informatives Booklet über die Dreharbeiten rundet diese Veröffentlichung von Koch Films ab und dürfte somit jeden Fan dieses Films begeistern. Ich bin auf alle Fälle absolut angetan von dieser Neuauflage von „Mörderspinnen“ und freue mich umso mehr, dass der erste Film der Creature Feature Reihe von Koch-Media nun endlich auch auf Blu-Ray erschienen ist. Meinerseits kann ich nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen.

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Fazit: Ein Must See des klassischen Tierhorrorfilms in einer perfekten Edition.

© 2019  Wolfgang Brunner