Dämonisch (2014)

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Originaltitel: Dämonisch
Regie: Benjamin Bechtold
Drehbuch: Benjamin Bechtold
Kamera: Hartmut Schotte
Musik: Christoph Heyd
Laufzeit: 20 Minuten
Darsteller: Josephine Ehlert, Nikolai Will, Mario Krichbaum, Vlasto Peyitch, Ben Lukas Schmidt
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Deutschland
FSK: ?

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Stella ist Babysitterin. Nach einem Unfall, bei dem das Baby, auf das sie aufpassen sollte, stirbt, gerät sie in die Fänge eines Soziopathen. Der entführt Stella und kettet sie in einem Verlies neben eine Hundehütte an, wo er sie wie ein Tier behandelt. Doch dann ertönt eine Stimme aus der Hundehütte und konfrontiert Stella noch einmal mit ihrem traumatischen Erlebnis.

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Nach „Lovely Wolf“ ist „Dämonisch“ der zweite Kurzfilm, den ich von Benjamin Bechtold gesehen habe. Bechtold entfernt sich hier von der Komödie und zeigt einen schockierenden Thriller, der im Gedächtnis haften bleibt. Zwanzig Minuten lang unterhält der Kurzfilm in einer Mischung aus Psychothriller und Gruselhorror. Die Zeit vergeht wie im Flug. Das liegt zum einen an den beiden hervorragenden Hauptdarstellern Josephine Ehlert und Nikolai Will, die gleichermaßen eine Glanzleistung abgeben und zum  anderen an den wunderbar stylischen und atmosphärischen Bildern, die Benjamin Bechtold als Regisseur und Hartmut Schotte als Kameramann einfangen. Düster und erschreckend sind die Szenen, in denen Will als sozio- und psychopathischer Hundetrainer auftritt und Ehlert demütig seinen Befehlen Folge leistet. Das verursacht Schauer und verursacht schon beim  Zusehen ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Dieses Gefühl bleibt auch noch eine Weile, nachdem der Film zu Ende ist.-

Zum Thriller kommt noch ein zweites Genre zum Tragen, nämlich ein psychologisch angehauchter Gruselhorror. Es ist nicht das typische Böse in Form eines axtschwingenden Massenmörders, das Bechtold auf den Zuschauer loslässt, sondern ein tiefgründiges Grauen, das im Menschen selbst steckt. In nur zwanzig Minuten wird eine tiefsinnigere Handlung verpackt, als so mancher Film aus Hollywood vorweisen kann. Erneut wird bestätigt, dass Benjamin Bechtold sein Handwerk beherrscht und grandiose Handlungen in kurze Filme verarbeiten kann. Kameraführung, Schnitt und Musik sind optimal und geben an keiner Stelle einen Anlass, zu meckern.

Am Schluss muss ich aber noch einmal auf die Schauspieler zurückkommen. Wenn Josephine Ehlert „Hund“ spielt und dabei dennoch nicht aufgibt, eine Fluchtmöglichkeit zu finden, dann kann man diese Schauspielerei einfach nur bewundern. Ihr Gesichtsausdruck und die Bewegungen, wenn sie angekettet vor ihrem „Herrchen“ kuscht ist einfach nur der Hammer. Und genauso verhält es sich mit Nikolai Will. Wenn er mit einem wilden. psychopathischen Gesichtsausdruck seinem Opfer Befehle zuschreit, ist man nicht weit davon entfernt, als Zuschauer ebenfalls vor Angst zusammenzuzucken. Der wilde Ausdruck in Wills Augen ist grandios und zeigt wieder einmal, wie wandlungsfähig der Schauspieler ist und wie routiniert er seine verschiedenartigen Rollen im Griff hat. Josephine Ehlert und Nikolai Will haben meine volle Hochachtung.

Filme wie „Dämonisch“ schreien geradezu nach einer langen Kinofassung. Und selbstredend sollte dabei kein anderer als Benjamin Bechtold die Regie übernehmen und seine professionelle Crew weiter mit an Bord haben. „Dämonisch“ ist ein Independent-Kurzfilm der Spitzenklasse, der sich sowohl inszenatorisch wie auch schauspielerisch hinter bekannteren Produktionen nicht verstecken braucht. Im Gegenteil …

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Fazit: Wunderbar inszenierter Psychothriller-Horror-Grusler mit zwei unglaublich guten Hauptdarstellern.

© 2015 Wolfgang Brunner

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