Maggie (2015)

Maggie

Originaltitel: Maggie
Regie: Henry Hobson
Drehbuch: John Scott III
Kamera: Lukas Ettlin
Musik: David Wingo
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, Joely Richardson, Douglas M. Griffin, J.D. Evermore, Rachel Whitman, Jodie Moore, Bryce Romero
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Schweiz
FSK: ab 18 Jahre

*

In den Vereinigten Staaten bricht eine Epidemie aus, die die Infizierten in fleischfressende Zombies mutieren lässt und innerhalb kürzester Zeit Millionen Menschenleben fordert. Wades Tochter Maggie ist ebenfalls von dem Virus infoziert und soll in eine Quarantänestation gebracht werden. Aber Wade kämpft mit allen Mitteln darum, seine Tochter bei sich zu Hause behalten zu können. Gemeinsam mit seiner neuen Frau wartet er nun darauf, dass seine Tochter zu einem Zombie wird, ohne zu wissen, was er im Falle einer Mutation unternehmen wird.

*

„Maggie“ ist tatsächlich der etwas andere Zombiefilm. Bis auf wenige Ausnahmen läuft der Film wie ein ruhiger Bach an einem vorbei und baut dabei eine unglaublich intensive Atmosphäre auf. So ein bisschen erinnerte das Szenario an „The Returned“, wo die Zombies ebenfalls sehr menschlich dargestellt wurden. Zumindest bis sie vollständig verwandelt waren. Henry Hibson hat ein Händchen für wunderschöne Aufnahmen, die so manches Mal wie ein Gemälde wirken. „Maggie“ ist ein extrem ruhiger Film, der sich irgendwo zwischen „The Walking Dead“ und „The Road“ ansiedelt. Diese Mischung funktioniert absolut gut. David Wingos leiser Soundtrack untermalt die wunderschönen, melancholischen Bilder traumhaft und zeichnet sich zum Großteil für die elegische Stimmung mit verantwortlich.

Schauspielerisch ist dieser effektearme Film eine wahre Freude. Hier wird das Augenmerk auf schauspielerische Leistungen gelegt und die bekommt man auch zu sehen. Allen voran sei hier Arnold Schwarzenegger genannt, der in seiner Rolle als besorgter Vater wirklich berührt.  Man möchte es dem Actionhelden gar nicht so richtig zutrauen, wie emotional er Sorge und Verbissenheit ausdrücken kann. Schwarzeneggers Schauspiel ist wirklich sehr gefühlvoll und absolut überzeugend. Daneben kann aber auch Abigail Breslin in der Titelrolle bestehen, die ebenfalls sehr authentisch agiert. Joely Richardson als anfangs leicht verstörte und dann immer toughere Mutter konnte mich ebenfalls fesseln. Wie gesagt, aufgrund der fehlenden Special Effects ist „Maggie“ einfach ein Film für Schauspieler und das hat mir außerordentlich gut gefallen.

Sicherlich geht es um ein Virus, um Zombies und die Apokalypse. Aber genaugenommen könnte man das Zombievirus-Thema ausklammern und einfach einem Vater zusehen, wie er seine kranke Tochter nicht aufgibt und um ihr Leben kämpft. Das Zombievirus wäre in „Maggie“ austauschbar mit Krebs oder einer anderen tödlichen Krankheit, die das Ende unausweichlich macht. Lediglich die apokalyptische Atmosphäre rechtfertigt den Zombie-Hintergrund. „Maggie“ ist ein Drama, und zwar ein sehr gutes, das betroffen macht.

Warnung an alle, die Horror, Splatter, Action, Blut und Grusel erwarten. Von all dem findet man in „Maggie“ (Gott sei Dank) nichts. Wie in „The Road“ wird man in eine deprimierende Weltuntergangsstimmung geworfen, die einen betroffen und nachdenklich macht. Und traurig …

Warum allerdings auf dem Cover eine FSK 18-Freigabe klebt, ist ein Rätsel, denn es gibt keine einzige Szene, die solch eine Entscheidung rechtfertigt. Fast möchte man meinen, es sei ein kluger Schachzug des Verleihs, um die Splatterfans zu einem Kauf zu verleiten, damit der Verkauf angekurbelt wird. Denn wo „FSK 18“ und „Uncut“ draufsteht, ist schließlich auch beides drin. Allerdings frage ich mich, was genau man denn hätte cutten können/müssen bei „Maggie“. Dann könnte man auch ohne schlechtes Gewissen bei den „Minions“ einen „Uncut“-Kleber draufmachen, denn uncut ist der bestimmt auch. 😉

*

Fazit: Ruhig, elegisch, melancholisch und traurig wird hier eine Familiengeschichte erzählt, die auf ein unausweichliches Ende zusteuert. Meiner Meinung nach einer der besten Filme von Arnold Schwarzenegger.

© 2015 Wolfgang Brunner

Advertisements

Rec 4 – Apocalypse (2014)

rec4bd

Originaltitel: Rec 4 – Apocalypse
Regie: Jaume Balagueró
Drehbuch: Jaume Balagueró, Manu Diez
Kamera: Pablo Rosso
Musik: Arnau Bataller
Laufzeit: ca. 95 Minuten
Darsteller: Manuela Velasco, Paco Manzanedo, Hector Colome, Mariano Venancio, Ismael Fritschi, Críspulo Cabezas, Paco Obregón
Genre: Horror
Produktionsland: Spanien
FSK: ab 16 Jahren

*

Die TV-Reporterin Angela Vidal wird aus dem abgeschotteten Gebäude der ersten beiden Teile befreit. Sie wird auf einen Öltanker gebracht, der völlig isoliert ist, um einen erneuten Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Dort soll Angela untersucht werden. Doch mit ihr ist leider der Schrecken an Bord gekommen …

*

Nachdem ich vom dritten Teil der REC-Reihe wirklich sehr enttäuscht war (nachzulesen hier), stimmte mich der vierte Nachschlag dann doch wieder ein wenig milder. „Rec 4“ ist auch nicht das Gelbe vom Ei, wenn man ihn mit den ersten beiden Teilen vergleicht, aber dennoch ist es eine Entwicklung, die mir wieder bedeutend besser gefällt, als Paco Plazas Alleingang. Bei „Rec 4“ übernahm Jaume Balagueró wieder die Regie (dieses Mal alleine), was dem Film sichtlich gut tat.

Der Einstieg versetzt einen sofort wieder zurück in die ersten beiden Teile, denn man befindet sich wieder in jenem Haus, in dem der ganze Horror begann. Das lässt den Zuseher sofort wieder in die gute und spannende Stimmung fallen. Was mir außerdem besonders gut gefallen hat, war, wie die ersten beiden Teile und der dritte Teil stimmig in die Handlung des vierten Teils integriert wurden. Das war äußerst gelungen und glaubwürdig gemacht. Erfrischend ist, dass die Handlung auf ein abgeschottetes Schiff verlegt wurde und somit nicht langweilig oder abgekupfert von den ersten beiden Teilen wirkte.

Die erste Hälfte des Films wirkt etwas langweilig und es dauert eine Weile, bis das Ganze dann so richtig Fahrt aufnimmt. Aber gerade die ruhigen Stellen am Anfang haben mir gefallen. Was nicht heißen soll, dass mir die Attacken der Infizierten nicht gefallen hätten, aber aus meiner Sicht wurde dann gegen Ende hin einfach zu viel aufgedreht. Das hätte ruhiger und atmosphärischer wahrscheinlich eine weitaus größere Wirkung gehabt. Balagueró inszenierte teilweise Szenen, die mich an Peter Jacksons „Braindead“ oder „Armee der Finsternis“ erinnerten. Da war zu viel Blut und Splattergemetzel, wie ich finde.

Schauspielerisch und auch inszenatorisch kann man aber bei „Rec 4“ nicht meckern. Und auch die teilweise Rückbesinnung auf die Wurzeln der Serie verleiten mich zu einen weiteren Pluspunkt. „Rec 4“ ist sehenswert, übertrumpft Teil 3 bei Weitem, kann aber die Qualität der ersten beiden Filme leider nicht erreichen, obgleich eine stimmige Weiterführung der Handlung gelungen ist.

*

Fazit: Besser als Teil 3 erreicht „Rec 4“ aber nicht die gruselige und beklemmende Atmosphäre der ersten beiden Teile. Dennoch sehenswert und überzeugend, wenngleich das Ende zu übertrieben blutig und splatterig auf mich wirkte.

© 2015 Wolfgang Brunner

28 Weeks Later (2007)

28WeeksLater_Poster02

Originaltitel: 28 Weeks Later
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Rowan Joffe, Juan Carlos Fresnadillo, Jesús Olmo, Enrique López Lavigne
Kamera: Enrique Chediak
Musik: John Murphy
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Imogen Poots, Mackintosh Muggleton, Jeremy Renner, Robert Carlyle, Rose Byrne, Idris Elba, Catherine McCormack, Harold Perrineau jr.
Genre: Horror
Produktionsland: Großbritannien, Spanien
FSK: ab 18 Jahren

*

Nachdem das Virus anscheinend besiegt wurde, wird in den Städten mit dem Wiederaufbau begonnen.
Jede verdächtige Person wird allerdings sofort eliminiert. Don, seine Frau Alice und deren Kinder finden in einer sogenannten Sicherheitszone wieder zusammen. Doch einer von ihnen trägt, ohne es zu wissen, das tödliche Virus in sich …

*

„28 Weeks Later“ schlägt seinen Vorgänger „28 Days Later“ aus meiner Sicht um Längen. Das geht schon mit der ungemein spannenden und nervenaufreibenden Anfangssequenz los, in der das (brutale) Grauen wie aus heiterem Himmel über die Protagonisten (und den Zuschauer) hereinbricht. Aber auch die weitere Entwicklung der Geschichte hat es in sich und mich förmlich mitgerissen.

Juan Carlos Fresnadillo, der bis dahin nur Werbeclips, Kurzfilme und den Langfilm „Intacto“ inszenierte, legt ein unglaubliches Tempo vor, das sich durch den ganzen Film zieht. Fast perfekt wirken da die locker eingestreuten ruhigen und stimmungsvollen Szenen, die dem Zuschauer Atem holen lassen. Fresndaillo hat dem Originalfilm auch inszenatorisch einiges voraus. Man mag es kaum glauben, aber aus meiner Sicht ist einfach tatsächlich so. Aber auch die Schauspieler haben mir hier eindeutig mehr zugesagt.
Finster, düster und brutal zeigt der Regisseur eine apokalyptische Welt, vor der man Angst bekommt. Das Überleben steht an erster Stelle und jeder ist sich selbst der Nächste – besser kann man solch ein Szenario fast gar nicht darstellen, wie es Fresnadillo getan hat. Durch die oft mit Handkamera gedrehten Szenen wirkt „28 Weeks Later“ unheimlich beklemmend und realistisch. Hinzu kommen die schnellen Schnitte, die einem so manches Mal die Zeit vergessen lassen, so sehr fiebert man mit den Protagonisten mit.

Die Fortsetzung zu Danny Boyles Weltuntergangsszenario ist innovativ und reißerisch, aber dennoch mit einer manchmal ruhigen Atmosphäre. Genau diese Mischung ist es, die mich in den Bann gezogen und begeistert hat.

*

Fazit: Besser als der Vorgänger. Brutaler, düsterer und vor allem noch beklemmender. Da wird beim Zuschauer eineinhalb Stunden Adrenalin produziert. 😉

© 2015  Wolfgang Brunner

28 Days Later (2002)

28-Days-Later-DVD-Cover-FSK-18

Originaltitel: 28 Days Later
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Alex Garland
Kamera: Anthony Dod Mantle
Musik: John Murphy
Laufzeit: 113 Minuten
Darsteller: Cillian Murphy. Naomie Harris, Megan Burns, Brendan Gleeson, Christopher Eccleston, Noah Huntley, Christopher Dunne, Emma Hitching
Genre: Horror
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 18 Jahren

*

Jim wacht in einem Krankenhaus auf und hat keine Ahunng, was mit ihm geschehen ist. Als er das menschenleere Hospital verlässt, muss er feststellen, dass er sich in einer völlig ausgestorbenen Stadt befindet. Niemand ist zu sehen, bis Jim in einer Kirche dann doch auf Menschen stößt. Doch die sind bösartig und greifen Jim an. Als Jim vor den Bestien flieht, wird er von einer kleinen Gruppe Menschen unterstützt, die ihn retten und bei sich aufnehmen. Jim erfährt, dass die Menschheit von einem grauenhaften Virus heimgesucht wurde und nur noch wenige Nichtinfizierte existieren.

*

Wenn man sich den Anfang von „28 Days Later“ ansieht, fühlt man sich sofort an den Beginn von „The Walking Dead“ erinnert. Die Aufwachszene im Krankenhaus gleicht schon sehr der ersten Folge der Erfolgs-Zombie-Serie. 😉
Danny Boyles Endzeitfilm nimmt einen durch die teils unscharfen und körnigen  Bilder sofort gefangen, verleihen sie dem Ganzen doch fast optimale Authenzität. Das verlassene London ist hypnotisch eingefangen und wirkt beängstigend und bedrohlich. Die ganze erste Hälfte des Films verströmte auf mich eine sehr dichte Atmosphäre, in der der Schrecken der Seuche hautnah zu spüren ist. Kurzzeitig entwickelt sich das Ganze sogar zu einer Art Roadmovie. Diese Stellen sind es auch, die mich am meisten begeistert haben. Das lag mit Sicherheit zum einen daran, dass sich die Protagonisten vorwärts bewegten, zum anderen aber auch am Auftritt des grandiosen Brendan Gleeson, der mir ausnehmend gut in seiner Rolle als Vater gefallen hat.

Boyles Infizierte sind schnell und furchteinflössend. Die blutigen Angriffe wurden effektiv in Szene gesetzt und erschrecken. Die Handlung nimmt in der zweiten Hälfte des Films eine Wendung ein und hat mir im ersten Moment bei weitem nicht so gut gefallen, wie die erste Hälfte. Doch Alex Garlands Drehbuch (bzw. Idee) ist es zu verdanken, dass die Geschichte im angeblich sicheren Soldatenlager nicht im Einheitsbrei versinkt, sondern Hand und Fuß hat. Auch wenn ich Szenarien dieser Art eigentlich gar nicht mag (Evakuierungscamps, die von Soldaten geleitet werden – wie z.B. in Romeros „Day Of The Dead“ oder „Doomsday“) wirkt es in „28 Days Later“ stimmig.

Danny Boyles Inszenierung ist rasant, obwohl der Film auch einige gelungene ruhige Stellen besitzt. Die Auswirkungen einer Epidemie dieser Art wird sehr glaubhaft dargestellt und könnte ohne weiteres möglich sein. Düster entwirft Boyle eine Endzeitwelt, in der es ums nackte Überleben geht.

*

Fazit: Düster und schonungslos zeigt der Film einen Kampf ums Überleben, bei dem der Mensch gegen seine eigene Spezies kämpft. Schauspielerisch und inszenatorisch absolut gelungen.

© 2015 Wolfgang Brunner

The Returned (2013)

returned

Originaltitel: The Returned
Regie: Manuel Carballo
Drehbuch: Hatem Khraiche
Kamera: Javier Salmones
Musik: Jonathan Goldsmith
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Kris Holden-Ried, Emily Hampshire, Shawn Doyle, Claudia Bassols
Genre: Drama, Horror, Science Fiction, Thriller
Produktionsland: Spanien
FSK: ab 16 Jahren

*

Ein Virus befällt die Welt und verwandelt innerhalb kürzester Zeit die Infizierten in Zombies. Doch es gibt Rettung: Wenn die vom Virus Befallenen aber noch rechtzeitig mit einem Medikament behandelt werden, bricht die Krankheit nicht aus und die Menschen verwandeln sich nicht in aggressive Zombies. Diese „Zurückgeholten“ werden von der Bevölkerung bald „Returned“ genannt und müssen sich den Rest ihres Lebens täglich eine Dosis von dem Serum spritzen. Obwohl von ihren Mitmenschen akzeptiert, schwelt immer ein hintergründiges Außenseitertum über den „Returned“, doch solange die hilfreichen Medikamente genommen werden, haben sie alles unter Kontrolle.
Doch plötzlich dringt die Nachricht an die Öffentlichkeit, dass die Medikamentenvorräte zur Neige gehen und die Forschungen an einem künstlich hergestellten Mittel noch nicht erfolgreich sind. Und auf einmal nimmt die Feindesligkeit und Gewaltbereitschaft der „Normalen“ gegenüber den „Returned“ immer mehr zu. Alex, einer der „Returned“, kämpft verzweifelt mit Hilfe seiner Freundin um sein Leben …

*

Das spanische Zombie-Drama „The Returned“ erinnert in der Tat manchmal an „District 9„, wie auf den Fantasy Filmfest Nights behauptet wurde. Dennoch ist die Ausgangssituation eine andere, denn hier spielen Menschen die Hauptrolle und keine Außerirdischen.
Im Vordergrund steht der Mensch bzw. das Menschsein und nicht die fleischgierigen Zombiewesen, die man nicht besonders oft sieht. Es handelt sich hier fast schon um ein Liebesdrama, den verzweifelten Kampf einer Frau, die sich in einen jener „Returned“ verliebt hat und plötzlich vor der unausweichlichen Tatsache steht, dass sich ihr Liebster in ein menschenfressendes Ungeheuer verwandeln wird.

Regisseur Carballo hat mit seinem Film einen bewegenden, im Zombiegenre innovativen Film geschaffen, der noch lange im Gedächtnis haften bleibt. Die dargestellte Situation bzw. Problematik ist absolut glaubhaft in Szene gesetzt und man fiebert und hofft mit den Protagonisten mit. Das Thema „Zombie“ gerät dabei immer mehr in den Hintergrund. Man sieht die Bedrohung zwar permanent wie ein Damoklesschwert über den einzelnen Szenen schweben, denkt aber nie an die menschenfressenden, blutgierigen Kreaturen, wie man sie aus anderen Filmen kennt.

Die Hauptdarsteller Kris Holden-Ried und Emily Hampshier machen ihre Sache sehr gut und überzeugend. In ruhigen Bildern agieren sie in der ersten Hälfte des Films als Liebespaar vor der Kamera, als wäre die Welt in bester Ordnung und zeigen ihre Verzweiflung und Wut in der zweiten Hälfte, als wäre es Realität und keine Fiktion.  Gerade die Liebesbeweise gegen Ende des Films sind sehr emotional. Da ist Carballo schon ein großer Wurf gelungen, der im Zombie-Genre seinesgleichen suchen wird, denn sein Zombiefilm entwickelt sich nicht zu einem Horrorfilm, sondern zu einem Drama, das sich in einem völlig glaubhaften Szenario abspielt.

„The Returned“ ist für mich sehr schwer in ein Genre einzuordnen, was ich allerdings sehr positiv finde. Da ist sicherlich eine Prise Horror, die alleine schon durch die Thematik „Zombie“ angesprochen wird. Das Szenario würde ich eher in den ernsten, realitätsnahen Science Fiction-Bereich stecken. Doch am meisten würde der Film für mich in die Sparten Thriller oder, wie oben schon erwähnt, Drama passen. Wer schon immer mal einen etwas anderen, ruhigeren Zombie-Film gesucht hat, hat ihn mit „The Returned“ sicherlich gefunden. Für mich eine der beeindruckendsten und bewegendsten Darstellungen dieser Thematik.

Ach ja, den deutschen Untertitel „Weder Zombies noch Menschen“ finde ich ziemlich bescheuert und unnütz, obwohl er ausnahmsweise mal sogar die Handlung widerspiegelt, was bei vielen deutschen Filmtiteln und/oder -untertiteln nicht der Fall ist.

*

Fazit: Ruhig und bewegend, spannend und überzeugend. Diese Schlagwörter fallen mir spontan zu „The Returned“ ein, dem etwas anderen Zombiefilm. Wenig Blut, dafür mehr Emotionen und Menschlichkeit zeigen eine völlig andere Seite der menschenfressenden Kreaturen, die in diesem Film durch ein Medikament vor dem Ausbruch der Viruserkrankung bewahrt werden. Wer eine Splatterorgie erwartet, wird enttäuscht werden. Wer allerdings einen intelligenten, spannenden Thriller sucht, findet mit „The Returned“ auch als Nicht-Zombie-Fan eine kleine Perle.

© 2014  Wolfgang Brunner

The Last Days On Mars (2013)

last-days-on-mars-poster-02

Originaltitel: The Last Days On Mars
Regie: Ruairi Robinson
Drehbuch: Clive Dawson nach einer Kurzgeschichte von Sydney J. Bounds
Kamera: Robbie Ryan
Musik: Max Richter
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Liev Schreiber, Elias Koteas, Romola Garai, Olivia Williams, Johnny Harris
Genre: Science Fiction, Horror
Produktionsland: Vereinigtes Königreich, Irland
FSK: ab 12 Jahren (die DVD bzw. Blu Ray ist FSK 16, warum auch immer)

*

Ein Forscherteam ist für 6 Monate auf dem Mars stationiert, um nach Leben auf dem Roten Planeten zu suchen. Zwei der Teammitglieder machen sich kurz vor dem geplanten Rückflug auf eine nicht genehmigte Mission. Der Missionsleiter und der Rest der Crew brechen auf, um nach den beiden zu suchen und machen dabei eine entsetzliche Entdeckung …

*

Gleich am Anfang muss ich (mal wieder) ein paar Worte zur FSK-Freigabe dieses Films verlieren: Die DVD und BluRay ist mit einer FSK 16-Freigabe gekennzeichnet, darüber steht ganz klein „Der Hauptfilm ist ab 12 Jahren freigegeben“. Hmmm! Der erste Gedanke, der mir da durch den Kopf fährt, ist: Will man da FSK 16 interessierte Kunden für einen FSK 12 Film ködern?
Auf der BluRay sind zwei Trailer: Riddick und Party Invaders (beide FSK 16). Ist das womöglich der Grund? Ähm, in den Trailern kommt aber irgendwie nichts vor, was eine FSK 16 Freigagbe rechtfertigen würde. Egal! Aber in The Last Days Of Mars kommen allerdings einige Szenen vor, die meiner Meinung nach für eine FSK 16, anstatt einer FSK 12-Freigabe sprechen würden.  Ich weiß ja nicht, ob das für Zwölfjährige schon geeignet ist, wenn ein Zombie einem Menschen mit einem Bohrer in den Bauch bohrt und die Kamera dabei draufhält. Ebenso fand ich es nicht besonders teenagerfreundlich, wenn einem Mann das Gesicht derart zertrümmert wird, das man seine Nase gar nicht mehr sieht. Das soll FSK 12 sein? Und bei anderen Filmen verteilt man schon das FSK 18 Siegel, obwohl kein Mensch nachvollziehen kann, warum …
Tja, das zum leidigen Thema FSK. Aber ich denke, wir werden noch in zehn Jahren nicht verstehen, nach welchen Regeln die Freigaben erfolgen. Ich kann da immer nur den Kopf schütteln.

Nun aber zum Film: The Last Days On Mars ist ein sehr atmosphärischer Film, der die meiste Zeit ruhig und daher für manch einen wohl oft auch etwas langweilig daher kommt. Ich persönlich fand die gemächliche Erzählweise ganz angenehm, weil sie mich desöfteren an die „alten“ Science Fiction-Filme erinnerte. Nichtsdestotrotz hat der Film einiges an Potential verschenkt, denn aus der Kurzgeschichte von Sydney J. Bounds hätte man definitiv mehr rausholen können.
Die Charactere sind leider alle etwas flach geraten, vielleicht von der Hauptperson Vincent Campbell (von Liev Schreiber dargestellt) einmal abgesehen. Der Spannungsaufbau lässt manchmal leider auch zu wünschen übrig, so dass der Film seine Freunde mit Sicherheit nicht im Mainstreambereich, sondern eher bei Filmliebhabern der ausgefalleneren Richtung finden wird.

Die Marsaufnahmen sind toll, Liev Schreiber und Elias Koteas sind toll und die Ausstattung des Films lässt ebenfalls keine Wünsche offen. Wie gesagt, leider wurde das Potential irgendwie nicht ausgeschöpft, denn ähnlich thematisierte Filme wie „Alien“, „Mission To Mars“ oder „Red Planet“ haben eindeutig mehr in der Verpackung gehabt wie The Last Days On Mars.
Nichtsdestotrotz ein sehenswerter Science Fiction Film, der zumindest unterhält und mit einigen netten Szenen aufwarten kann, auch wenn er nichts Neues bringt.

*

Fazit: Ruhiger Zombie-Virus-Mars Science Fiction-Film, der mit sehenswerten Landschaftsaufnahmen und einem passablen Hauptdarsteller und einem guten Elias Koteas aufwartet. Leider wurde mächtig viel Potential nicht genutzt, so dass der Film in der Masse der Filme mit gleicher oder ähnlicher Thematik untergeht.

© 2014 Wolfgang Brunner

Cabin Fever (2002)

cabin fever

Originaltitel: Cabin Fever
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth, Randy Pearlstein
Kamera: Scott Kevan
Musik: Nathan Barr, Angelo Badalamenti
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Rider Strong, Jordan Ladd, James DeBello
Genre: Horror
Produktionsland: England
FSK: keine Jugendfreigabe

*

Fünf Studenten wollen ihren erfolgreichen College-Abschluss in einer einsamen Waldhütte feiern. Es dauert nicht lange und sie bekommen Besuch von einem Jäger,  der sie blutspuckend um Hilfe bittet. Aus Angst, sich bei ihm mit einer gefährlichen Krankheit zu infizieren, töten die Jugendlichen den Mann.
Was sie nicht ahnen können: Sie haben sich bereits mit einem tödlichen Virus infiziert und durch den Mord an dem Jäger bekommen sie es auch noch zusätzlich mit Hinterwäldlern zu tun, die den Tod ihres Freundes rächen wollen.

*

Quentin Tarantino hat über diesen Film gesagt, er sei die Zukunft des Horrorfilms. Da kann ich nur sagen: Na Mahlzeit, wenn „Cabin Fever“ die Zukunft eines meiner Lieblingsgenres sein soll, dann muss ich mich in Zukunft mit den „alten“ Streifen abgeben, denn wegweisend ist Eli Roths Waldsplatter definitiv nicht. „Cain Fever“ ist Trash pur, aber im Gegensatz zu Tarantinos Filmen einfach schlechter Trash.
Zugegeben: Es gibt die ein oder andere nette Idee, die aber leider den Film im Gesamten nicht retten kann. Die Dialoge und die Schauspieler sind teilweise nicht zu ertragen. Die Handlungsweisen sind oft nicht nachvollziehbar und die dummen Sprüche erinnern mich an meine Jugendzeit, als Peter Alexander noch der Star im deutschen Fernsehen war.
Eli Roth konnte sich wohl nicht entscheiden, in welchem Genre er „Cabin Fever“ ansiedeln soll. Vermutlich war etwas Ähnliches wie „Shaun Of The Dead“ geplant, herausgekommen ist aber eine misslungene Wanderung zwischen hartem Splatterfilm und peinlichem Teenie-Klamauk, der teilweise „wehtut“.
Roth hat mich auch mit seinen „Hostel“-Filmen nicht überzeugt. Doch hier war wenigstens eine Stimmung vorhanden, die in seinem Low-Budget-Spielfilmdebüt „Cabin Fever“ aus meiner Sicht völlig fehlt.

Eine Szene ist mir aufgefallen, die mich an David Lynchs Filme erinnert hat. Wie ich dann im Nachhinein feststellte, hat Eli Roth in seiner früheren Laufbahn als Regisseur mit ihm zusammengearbeitet. Diese schräge Szene in „Cabin Fever“ hat mir neben einigen gut gemachten Gore-Effekten gefallen,  ansonsten fand ich den Film teilweise sogar so unerträglich, dass ich nahe dran war, abzuschalten. Einzig die Liebesszene mit einem fantastischen „Song“ von Angelo Badalementi hat mich so einigermaßen überzeugt.
Ich bin trotzdem gespannt, was Teil 2 und 3 zu bieten haben.

*

Fazit: Teilweise nerviger Teeniefilm, der sich nicht zwischen Klamauk und blutigem Splatter entscheiden kann und deshalb gehörig daneben geht. Die Dialoge der Protagonisten sind teilweise peinlich, ihre Handlungsweisen völlig unrealistisch, so dass „Cabin Fever“ einfach nicht wirkt und nicht im Gehirn haften bleibt. Eli Roth ist definitiv kein Regisseur für mich.

© Wolfgang Brunner