BFG – Big Friendly Giant (2016)

Originaltitel: The BFG
Alternativtitel deutscher Titel: BFG – Sophie und der Riese
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Melissa Mathison
nach dem Roman von Roald Dahl
Kamera: Janusz Kamiński
Musik: John Williams
Laufzeit: 117 Minuten
Darsteller: Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall, Bill Hader, Michael Adamthwaite, Adam Godley
Genre: Fantasy
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Kanada
FSK: ab 6 Jahre

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Das Waisenmädchen Sophie lernt eines Tages einen freundlichen Riesen kennen, der sie mit in die Welt der Riesen nimmt. Doch dort leben nicht nur freundliche Riesen, sondern auch böse, die liebend gerne Menschen, insbesondere Kinder, fressen. Sie haben auch vor, in die Welt der Menschen einzudringen und sie anzugreifen. Sophie heckt mit ihrem neuen Freund und der Königin von England einen Plan aus, um dies zu verhindern.

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Spielbergs neuer Film wird die Kinogängern und Filmfans in zwei Lager spalten: Die einen werden die Adaption von Roald Dahls Kinderklassiker als nervtötend langweilig bezeichnen und die anderen als wunderschön fotografierten Fantasyfilm für die ganze Familie.  Und ich? Ich liege irgendwie genau in der Mitte beider Seiten, denn zum einen sieht man dem Film an, dass er mit großer Hingabe gedreht wurde und zum anderen fehlt letztendlich doch irgendwie das gewisse Etwas, das den Charme anderer Spielberg-Filme ausmacht. Aber der Reihe nach:  Spielberg geht erfreulicherweise einen Weg, der das Kino nicht in die Dimensionen bombastischer CGI-Effektorgien mit keinerlei Gefühlen schleudert, sondern er erzählt eine Geschichte in ruhigen, prinzipiell unspektakulären Tönen. Sicherlich lebt der Film von den Tricks, die ich im Übrigen äußerst gelungen empfand. Aber es werden, wie in so vielen Filmen Steven Spielbergs, auch Freundschaft, Mut und Lebensweisheiten behandelt. Es macht ungemein Spaß, dem ungleichen Freundespaar zu folgen, und gerade durch die oft leisen Zwischentöne wirkt der Film wie ein Traum. Roald Dahls Vorlage wird kongenial umgesetzt, da sie die Gefühlswelt eines Kindes, und wie dieses seine Umgebung wahrnimmt, sehr schön darstellt: ein bisschen Traurigkeit, ein bisschen Abenteuer und eine Prise Spaß durch die Augen eines Kindes.

Lässt man sich auf diese Welt, durch die Augen eines Kindes gesehene, Welt ein, wird man mit einem wunderschönen Film belohnt, der zum Träumen einlädt. Erwartet man einen mit Effekten überladenen Blockbuster-Film im Stil der heutigen Comicverfilmungen, wird man wohl bitterlich enttäuscht sein. Alleine die Tatsache, dass sich Spielberg nicht auf dieses Niveau begibt, macht „BFG“ zu etwas Besonderem. Und dennoch fehlt im Gesamtbild das Flair der älteren Spielberg-Filme. Woran es liegt, kann ich nicht einmal genau sagen, denn im Grunde genommen passt alles: Eine Geschichte, wie für Spielberg geschrieben, wunderbare Effekte und eine tolle Filmmusik von Hauskomponisten John Williams. Doch gerade Williams ist mit seinem Score nicht der große Wurf gelungen, obwohl die Musik gewohnt hochwertig und wunderschön ist. Aber sie bleibt leider nicht im Gedächtnis haften, wie so manch andere aus der Feder von John Williams.

Insgesamt gesehen habe ich mich prächtig unterhalten und auch amüsiert. Eine Szene bei der Königin von England hat mich sogar lauthals zum Lachen gebracht, obwohl ich den Film alleine angesehen habe. Spielberg versteht sein Handwerk nach wie vor, allerdings erscheint mir „BFG“ nicht so kultverdächtig wie seine anderen Filme und befindet sich für mich auf gleicher Ebene wie zum Beispiel „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ . Das soll nicht heißen, dass mir diese beiden Filme nicht gefallen, absolut nicht, aber in seinen anderen Werken kann Spielberg eindeutig mehr sein Können als Regisseur zeigen als in den beiden genannten. Für mich also eher ein untypischer Spielberg-Film, der mich dennoch vollauf überzeugen konnte.

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Fazit: Wunderschön fotografierter Märchenfilm, der sich durch seine ruhige, besinnliche Inszenierung wohltuend von effekteüberladenen Blockbustern der heutigen Zeit abhebt.

© 2017 Wolfgang Brunner

Jurassic World (2015)

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Originaltitel: Jurassic World
Regie: Colin Trevorrow
Drehbuch: Colin Trevorrow, Derek Connolly, Rick Jaffa, Amanda Silver
Kamera: John Schwartzman
Musik: Michael Giacchino
Laufzeit: 124 Minuten
Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D’Onofrio, Ty Simpkins, Nick Robinson, Omar Sy, B. D. Wong, Irrfan Khan, Jake Johnson, Brian Tee, Judy Greer
Genre: Abenteuer, Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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22 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen im „Jurassic Park“ ist nun der neue Freizeit- und Eventpark „Jurassic World“ eröffnet worden. Man möchte den Ansprüchen des jüngeren Publikums gerecht werden und „designt“ immer größere und spektakulärere Dinosaurier. Die beiden Jungs Gray und Zach besuchen ihre Tante, die Leiterin des Parks. Die hat aber keine Zeit für sie und so machen sich die Jungs auf eigene Faust auf, um die Welt der Dinosaurier zu erkunden. Doch dann geschieht das Unglaubliche: einer der neu gezüchteten Riesensaurier bricht aus.
Der Park wird evakuiert, aber einige Besucher, unter ihnen Gray und Zach, befinden sich noch in freier Wildbahn.
Die Leiterin des Parks wendet sich an Grady, einen Wissenschaftler, der es fast schon geschafft hat, Raptoren zu dressieren. Er soll nicht nur ihre Neffen finden, sondern auch den geflohenen Riesensaurier wieder einfangen.

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Als ich hörte, dass Colin Trevorrow die Regie bei der neuen Jurassic-Reihe übernehmen sollte, war ich im ersten Moment entsetzt. Sein „Journey Of Love“ hat mich nämlich inszenatorisch alles andere als begeistert. Doch überraschender- und erfreulicherweise hat Trevorrow mit „Jurassic World“ meine Bedenken bereits in den ersten Minuten aus dem Weg geräumt.
Es ist schon erstaunlich, wie er es schafft, innerhalb weniger Momente das „Feeling“ der „alten“ Filme wieder rüberzubringen. Der Zuschauer wird wieder zum Kind, lässt sich auf das Abenteuer ohne Kompromisse ein und genießt es, zu staunen und sich auch zu erschrecken. Die Saurier sind logischerweise der heutigen Möglichkeiten entsprechend perfekt gemacht und lassen einen, wie einst Spielbergs Meilenstein, an manchen Stellen den Atem anhalten. „Jurassic World“ spielt geschickt mit neuen Momenten und alten Anspielungen, die über die altbackene Handlung hinwegsehen lassen (wenngleich sich die Macher ja schon irgendwie Mühe gemacht haben, dem Thema neuen Schwung zu verleihen). Trevorrows Plot lässt durchaus Potential erkennen, das (nicht immer, aber oft) nicht ganz ausgelotet wurde, wie es hätte sein können. Da spielte wohl der Mainstream eine Rolle, was aber gerade bei solch einem Film vielleicht wirklich so richtig frischen Wind in die Serie einbringen hätte können, wenn man die massentauglichen Aspekte unbeachtet gelassen hätte. Aber nun, Film ist in den meisten Fällen eine rein wirtschaftliche Sache und so halt auch hier.

Die Rückkehr in den bekannten Dino-Park macht dennoch ungemein Spaß und es sind, wie schon erwähnt, einige Ideen dabei, die sich sehen lassen können. Schauspielerisch kann man auch nicht wirklich meckern. Es sind keine Glanzleistungen, aber annehmbare Schauspielkunst, die für diese Art von Film durchaus reicht. Action ist durchwegs angesagt und lässt in keiner Sekunde Langeweile aufkommen. Obwohl manches wirkt wie ein Neuaufguß der alten Filme, hat mich nichts davon wirklich gestört. Ich fühlte mich uneingeschränkt bestens unterhalten und freue mich schon jetzt auf eine Fortsetzung.

Was mir „negativ“ aufgefallen ist, aber im Grunde genommen schon wieder witzig ist, war die Szene, in der sich die Leiterin des Parks wagemutig auf den Weg macht, den gefährlichen T-Rex aus seinem Gefängnis zu befreien. Das war durchaus ansprechend und cool inszeniert, aber … nein, keine Frau würde sich dieser Situation in hochhackigen Schuhen stellen. 😉 Wie gesagt, es sieht durchaus stylisch aus, wenn Bryce Dallas Howard mit Stöckelschuhen vor dem gigantischen Saurier davonläuft, aber … Leute, das ist absolut unrealistisch. 🙂
Egal, „Jurassic World“ hat meine Erwartungen erfüllt und mir zwei Stunden (meine) Jugend in neuem Gewand beschert.

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Fazit: Alte Story in neuem Gewand. Gelungene Effekte und eine durchgehende Spannung machen „Jurassic World“ zu einem unterhaltsamen Stück zeitgenössischen Effekte-Kinos. Nicht anspruchsvoll, aber durchweg unterhaltend. Mir hat’s gefallen.

© 2016 Wolfgang Brunner

Poltergeist (1982)

Poltergeist

Originaltitel: Poltergeist
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch:  Steven Spielberg, Michael Grais, Mark Victor
Kamera: Matthew F. Leonetti
Musik: Jerry Goldsmith
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Craig T. Nelson, JoBeth Williams, Beatrice Straight, Dominique Dunne, Oliver Robins, Heather O’Rourke, Michael McManus, Virginia Kiser, Zelda Rubinstein
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Eines Nachts taucht er auf: Ein Poltergeist, der die Familie Freeling heimsucht und Besitz von ihrer fünfjährigen Tochter Carol Anne nimmt. Ein unheimlicher Kampf gegen die böse Macht beginnt, der die Familie an den Rand der Verzweiflung treibt. Schließlich suchen sie Hilfe bei einem Medium, das ihnen zur Seite stehen soll, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.

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Mittlerweile ein Klassiker unter den Horrorfilmen und Wegbereiter unzähliger Filme über paranormale Phänomen. „Poltergeist“ ist fast schon Kult und hat in seiner Wirkung nichts eingebüßt, wenn man einmal von ein paar Spezialeffekten absieht, die heutzutage nicht mehr ganz rund wirken. Der Großteil der Tricks ist aber immer noch grandios und perfekt.

Wer die Filme von Tobe Hooper kennt, kann sich denken, dass ein Großteil von „Poltergeist“ nicht von ihm, sondern von Steven Spielberg stammt, der Hooper nicht in die Nachproduktion und Bearbeitung des Films involvierte und dadurch dem Streifen seine Handschrift aufdrückte. Der größte Teil wirkt, als habe ihn Spielberg sogar selbst inszeniert. Nur die Szenen mit den (aus meiner Sicht extrem störenden) Geisterbahneffekten (aufklappende Särge und endlos aus dem Wasser auftauchende Skelette) könnte von Hooper stammen. Die ruhigen und manchmal sogar mystischen Szenen tragen eindeutig Spielbergs Handschrift.

Die eher untypische Handlung für Horrorfilme jener Zeit („Freitag, der 13 – Teil 2“, „Halloween 2“, „Der New York Ripper“ oder „Tenebrae“) und die nur dezent eingesetzte“Brutalität“, auf die bei den obengenannten Filmen eindeutig mehr Augenmerk gerichtet wurde, heben „Poltergeist“ von der Masse ab. Spielberg ging einen neuen Weg, der den Horrorfilm in ruhigere Gewässer führte und mehr auf Mystery Wert legte. Das Ergebnis ist ein stimmiger und faszinierender Film, der, hätte man auf die Schockmomente verzichtet, ein bahnbrechender, richtungsweisender Teil der Filmgeschichte werden können. So aber wird die unheimliche, ruhige Inszenierung von effekthascherischen Gruselmomenten leider zerstört.

Dennoch ist „Poltergeist“ einer jener Filme, bei denen ich mich wohl fühle und die ich einfach gern ansehe.
Craig T. Nelson als Geschäftsmann und Vater hat mich in dieser Rolle vollends überzeugt und spielte aus meiner Sicht besser als JoBeth Williams und die kleine Heather O’Rourke, die in den beiden Nachfolgeteilen ebenfalls die Rolle der Carol Anne übernahm. Sie verstarb nach Ende der Dreharbeiten zum dritten Poltergeist-Film im Alter von 12 Jahren an den Folgen einer Notoperation infolge eines Darmverschlusses.

Jerry Goldsmiths Score ist fantastisch und geradezu genial. Seine Klänge kann man ohne weiteres auch als eigenständiges Werk hören, wie alle seine Filmmusiken. Von den oben erwähnten „Patzern“ einmal abgesehen, ist „Poltergeist“ ein Genre-Meilenstein, der die Entwicklung des Horrorfilms meiner Meinung nach maßgeblich verändert hat.

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Fazit: Kultiger und wegweisender Horrorfilm, der leider durch den Regisseur Tobe Hooper am Ende hin zu einer leicht verunglückten Geisterbahnfahrt mit effekthascherischen Einlagen wird. Dennoch ein absolutes Muss!

© 2015 Wolfgang Brunner

Lincoln (2012)

Lincoln

Originaltitel: Lincoln
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Tony Kushner
Kamera: Janusz Kaminski
Musik: John Williams
Laufzeit: 150 Minuten
Darsteller: Daniel Day-Lewis, Sally Field, David Stratham, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, Tommy Lee Jones
Genre: Filmbiografie, Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

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Die letzten vier Monate im Leben eines der bekanntesten Präsidenten der Vereinigten Staaten. Abraham Lincoln ist wild entschlossen die Nord- und Südstaaten zu versöhnen und die Sklaverei abzuschaffen. Eine schwierige Aufgabe, denn er muss seine stärksten, politischen Konkurrenten für sich gewinnen.

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Und wieder widmet sich Spielberg einer historischen Begebenheit. Da sieht man wieder einmal, dass der Star-Regisseur so nahezu alle Genres beherrscht.
Für manch einen mag die Geschichte um die letzten Monate in Abraham Lincolns Leben enorm langweilig sein, weil im Grunde genommen irgendwie gar nichts passiert. Und das fast zweieinhalb Stunden lang! Und dennoch passiert wahnsinnig viel …

Daniel Day-Lewis hat zu Recht den Oscar als „Bester Hauptdarsteller“ bei der Verleihung im Jahr 2013 gewonnen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gefühlvoll sich der Schauspieler in seine Rollen denken kann. Seine Darstellung als Lincoln ist wirklich sehenswert.
Aber auch Sally Field als seine Frau und Tommy Lee Jones als alter Politiker sind vollkommen überzeugend und beachtenswert. Fast wie im Flug vergehen die 150 Minuten, wenn wir Zeuge werden, wie Lincoln mit allen Mitteln versucht, die Sklaverei abzuschaffen.
John Williams Musik ist passend (wie immer), kann aber keine Melodie vorzeigen, die wirklich im Ohr bleibt. Williams kann das besser, das haben unzählige „Ohrwürmer“ bewiesen. Bei „Lincoln“ ist sie eher nichtssagend. Aber das ist auch gar nicht weiter dramatisch, denn der Zuseher richtet automatisch sein Augenmerkt auf die schauspielerischen Leistungen und da sind jede Menge zu sehen.

Mich hat der Film sehr beeindruckt, zumal ich einige Dinge über Lincoln erfahren habe, die ich gar nicht wusste. Okay, dass er Präsident und nicht auch noch Vampirjäger war, war mir klar. 😉

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Fazit: Absolut sehenswertes Historien-Drama mit einem unglaublich guten Schauspieler-Ensemble. Wer ruhige und sehr kurzweile Filme über historische Ereignisse mag, ist hier bestens bedient.

© 2014 Wolfgang Brunner