Interview mit dem Regisseur Slavko Spionjak und seinem Team

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v.l.n.r.: Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak
© Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak

 

Slavko Spionjak, Jahrgang 1961, ist Regisseur, Drehbuchautor, Musiker, Ehemann und Vater. In den letzten zwanzig Jahren hat er zusammen mit seiner Frau Rita Fichtl-Spionjak und seiner Schwester Slavica Spionjak 10 Kurzfilme und 3 Spielfilme produziert und inszeniert. Sein Kurzfilm „Zwischen den Linien“ und der letzte Spielfilm „Caedes – Die Lichtung des Todes“ heimsten zahlreiche, weltweite Nominierungen und Awards auf Filmfestivals ein.

Film-Besprechungen freut sich, dem freundlichen Kroaten, der in Bayern
ansässig ist, ein paar Fragen zu stellen.

 

1. Eine Frage, die mich bei jedem Regisseur brennend interessiert: Wer sind Eure Vorbilder?

Slavko: Da gibt es viele die ich klasse finde. Besonders mag ich: Stanley Kubrik, Robert Zemeckis, Steven Spielberg.

Rita: Ich hätt da noch einen. J.J.Abrams.

Slavica: Spielberg, J.J Abrams und dann zwei „durchgeknallte“ wie Lars von Trier und Rodrigez (z.B. From Dusk Till Dawn).

 

2. Welches Projekt wäre bei finanzieller Unabhängigkeit Euer größter Traum?

Slavko: Ein Sci-Fi 3-Teiler.

Slavica: Ich bin auch ein „Serienjunkie“. Es wäre eine große Herausforderung, eine Mysterie Serie wie „Lost“ oder „The Walking Dead“ (beides meine Lieblingsserien) zu realisieren … oder Caedes Teil 2. Ideen wären da.

3. Euer Filme wirken sehr professionell. Rita (Deine Frau) und Slavica (Deine Schwester) sind immer daran beteiligt. Habt ihr diese Begeisterung für Filme schon immer geteilt oder wie kommt dieses „Familienteam“ zustande?


Slavko: Wir sind schon immer Erzähler gewesen. Menschen zu unterhalten ist unser Ding. Filmfreaks waren wir schon immer.

Rita: Früher hatten wir zusammen die Band UE, jetzt drehen wir Filme. Zusammen etwas auf die Beine gestellt haben wir also schon immer.

Slavica: Das ist ein göttlicher Zufall, denke ich, dass mein Bruder und ich gleiche Leidenschaften haben und dann kam Rita dazu, die genau so tickt. Und das unsere Filme professionell wirken, wollten wir immer haben.

 

4. Euer Kurzfilm „Zwischen den Linien“ und „Caedes – Die Lichtung des Todes“ kommen sowohl beim deutschen wie auch internationalen Publikum gut an und wird auf vielen Festivals aufgeführt. Habt Ihr beim Dreh mit so einem Erfolg gerechnet?


Slavko: Wenn an dem Projekt gearbeitet wird, dann ist immer die Hoffnung da, dass die Leute das anspricht, an das man so lange und hart gearbeitet hat. Über den Erfolg freuen wir uns unglaublich.


Slavica: Ich beschreibe es mal so: Das Drehen ist wie ein Rausch. Die Ernüchterung kommt während der Postproduktion, aber auch Zweifel. Wird die Geschichte den Menschen so gut gefallen, wie einem selbst? Wird die Botschaft gut rüberkommen? Werden sich die Zuschauer gut unterhalten? Während jeder Premiere verlasse ich den Vorführraum und warte aufgeregt ab, wie die Reaktionen sein werden. Über die Filmfestival Preise, die ja schon einige sind, ist meine Freude unglaublich und unbeschreiblich.

 

5. Was dürfen wir von Euch als nächstes erwarten? Ist es noch geheim oder könnt Ihr uns ein paar Worte zu Euren neuen Projekt verraten?

Slavko: Wir haben sehr viele Geschichten, die wir gern umsetzten wollen …Ich glaube, da genügt das ganze Leben nicht, um das alles fertig zu stellen :o)

Rita: Wir arbeiten oft an mehreren Projekten gleichzeitig.

Slavica: Ich bin Kroatin und wie man weiß, sind wir seeeehr abergläubisch. Also, wenn alles zu 100% unter Dach und Fach steht, werden wir es verraten.

 

6. Großproduktionen oder Independent-Film? Was sagt Euch persönlich mehr zu?

Slavko: Alles, was geil ist. Geld ist keine Garantie, um gute Unterhaltung zu produzieren. Da freut es mich natürlich jedes mal, wenn ich einen Low-Budget Film sehe, der gut funktioniert.

Slavica: Ein guter Film ist gut, egal wie viel er gekostet hat. Genau so ist es bei nicht so guten Filmen. Unsere Filme sind für mich Großproduktionen. Wir haben ein Team das GROßartig ist. Wir arbeiten mit Menschen die GROßartig sind.

 

7. Was sind Eure absoluten Lieblingsfilme? Verratet Ihr uns auch, warum das so ist?

Slavko: Contact von Robert Zemeckis. Weil mich Religion und Wissenschaft sehr interessiert und da prallen die beiden Dinge sehr gut aufeinander. Es ist auch sehr interessant zuzuschauen, wie die Gläubigen mit aller Macht Gott beweisen wollen … anders herum versuchen die Wissenschaftler zu zeigen, dass es ihn doch nicht gibt. Was letztendlich absolut egal ist, da es für unsere Beziehungen (eigentlich) nicht relevant ist, ob es einen Gott gibt oder nicht.

Rita: „Der letzte Mohikaner“. Regie, Schauspieler, Kamera, Musik – einfach der Wahnsinn.

Slavica: Man merkt, wir sind Geschwister: Religion, oder besser gesagt Glaube und Wissenschaft, sind für mich sehr wichtig und meiner Meinung nach die größten Rätsel der Menschheit. Ich lache auch gern bei einer Komödie (für mich das schwierigste überhaupt, Menschen zum Lachen zu bringen) oder ich lass mich gern in eine Fantasywelt entführen, ob Märchen oder Horror … Mein Spruch: Es ist wichtig, dass ich den Film aus dem Kino mitnehme und ihn nicht dort lasse und sofort vergesse. Meine Lieblingsfilme sind: From Dusk Till Dawn, Alle 3 Teile „Herr der Ringe“, Minority Report, Star Trek Filme, bei denen J.J. Abrams Regisseur war, Star Wars (Episoden 4, 5 und 6), Unheimliche Begegnung der dritten Art, Don Camillo und Peppone (die alte Filme), Constantin … Ich glaube das reicht, ha ha ha …

 

8. Gab es ein bestimmtes Erlebnis, durch das Ihr Filmemacher wurdet? Möchtet Ihr ein wenig über Euren Werdegang erzählen?

Slavko: Wir haben ein Ventil gesucht, um unsere Erlebnisse und Fantasien an die Leute zu bringen. Da wir alle auch Musiker sind, ist Film und Musik genau das Richtige.

Rita: Wir haben mal ein Musikvideo zu dem UE Lied „Soul Power“gedreht und einen Preis gewonnen. Das war wohl das erste mal vor und hinter der Kamera für uns.

Slavica: Als ich Kind war (damals, in Ex-Jugoslawien) da gab es fantastische Geschichtenerzähler (meinen Großvater und einige Onkels). Wir saßen stundenlang (verschiedene Generationen) beisammen und hörten zu. Und das „Kopfkino“ arbeitete auf vollen Touren. Die haben es unglaublich bunt und lebendig erzählt. Die Möglichkeit zu haben, selbst erdachte Geschichten im Film zu erzählen, ist natürlich der Wahnsinn.

 

9. Welche Meinung habt Ihr zur FSK (Freiwillige Selbstkontrolle)?

Slavko: Sehr gespalten. Da teilweise Filme ab 12 im Kino laufen, die ich ab 18 gemacht hätte, und Filme ab 18, die ich ab 12 gemacht hätte. Anscheinend hängt das immer von der Tagesform der FSK- Leute ab :o) Schade ist nur, dass das manche Produktionen zerstören kann.

Slavica: FSK find ich als einen guten Gedanke. Nur, es läuft nicht immer fair und korrekt ab, finde ich.

 

10. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Eurem Leben?

Slavko: Familie, Gesundheit, Film, Musik, Sport …. Ohne Frieden und Liebe zu erwähnen, denn das ist sowieso klar.

Slavica: An erster Stelle ist Familie, Freunde, Gesundheit und Frieden, dann kommen sofort danach Film, Musik und Bücher

 

Ich bedanke mich ganz herzlich für die interessanten Antworten und freue mich schon jetzt auf Euren neuen Film.

Slavica: Vielen Dank auch an Dich für das nette Interview und an die tollen Kritiken für „Zwischen den Linien“ und „Caedes“.

Infos über „Zwischen den Linien“ und „Caedes – Die Lichtung des Todes“ bekommt man, wenn man auf die Filmtitel klickt.

© 2015 Wolfgang Brunner / Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak

 

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Harry & Bo (2008)

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Originaltitel: Harry & Bo
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Slavko Spionjak
Kamera: Reinhard Eggersdorfer
Musik: Alex Komlew, Johannes Rothenaicher
Laufzeit: 39 Minuten
Darsteller: Lorenzo Patane, Janne Drücker, Mark’n’Simon, Raphael Nocholas, Mirja Mahir, Antonio Putignano, Bernd Bozian
Genre: Komödie, Drama, Science Fiction
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab o Jahre

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Der Alkoholiker und Versager Harry rettet zusammen mit seiner Schwester Bo die Menschheit vor einer Alieninvasion.

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Slavko Spionjaks Kurzfilm beginnt wie ein Drama, in dem die Problematik eines Alkoholikers behandelt wird. Man braucht ein wenig, um Lorenzo Patane die Rolle eines Trinkes abzunehmen, aber der Schauspieler italienischer Abstammung schafft es sehr schnell, die Zuschauer zu überzeugen. Auch Janne Drücker als Bo kann in ihrer Rolle voll punkten. Es macht schon riesigen Spaß, den beiden zuzusehen, wie sie sich anfeinden, aber dennoch auf gewisse Art und Weise zueinander stehen.

Was wie ein Drama beginnt, verändert sich schleichend zu einer unheimlich guten und ideenreichen Science Fiction-Story, in der auf viele bekannte Kinofilme in abgeänderter Form angespielt wird. Da merkt man, dass das Team um Slavko Spionjak Filme dieser Art mag.
In der zweiten Hälfte werden dann auch Special Effects geboten, die wirklich grandios sind. Oft fühlte ich mich an die wunderbare SF-Kult-Serie „LEXX“ erinnert. Unglaublich liebevoll wurde an diesen Effekten gebastelt, die sich hinter größeren und bedeutend teureren Produktionen in keiner Weise verstecken brauchen. Slavko Spionjak hat mit seiner Schwester Slavica und Ehefrau Rita Fichtl-Spionjak wieder ganze Arbeit geleistet und einen Kurzfilm auf die Beine gestellt, der sich zum einen sehen lassen kann und zum anderen richtig Spaß macht.

Die CGI-Effekte sowohl des Aliens wie auch der Raumschiff-Aufnahmen verdienen absolutes Lob, zumal sie vom Spionjak-Team mit einem minimalen Budget kreiert wurden. Das macht einen an manchen Stellen wirklich sprachlos. Die Masken der Außerirdischen sind ebenfalls der Hammer und man mag kaum glauben, was man mit wenig Geld zustanden bringen kann, wenn man mit Euphorie bei der Sache ist. Die Bilder des Raumschiffs sind genial und lassen das Herz eines jeden Star Wars- und Star Trek-Fans höher schlagen.

„Harry & Bo“ ist ein Independent-Film, der, wenngleich die Handlung ein wenig konstruiert wirkt, absolut toll unterhält und großes Talent zeigt.

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Fazit: Independent-Kurzfilm aus Deutschland mit hervorragenden Effekten und Masken, die trotz geringem Budget absolut überzeugen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Mein großer linker Zeh (2011)

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Originaltitel: Mein großer linker Zeh
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Rita Fichtl-Spionjak
Kamera: Sanne Kurz, Markus Stotz, Nic Mussel
Musik: Trevor Coleman
Laufzeit: 103 Minuten
Darsteller: Gregory Waldis, Julika Wagner, Bernhard Bozian, Michael Schwarzmaier, Gerd Rigauer, Mark’n’Simon, Eva-Katrin Hermann, Bernhard Fleischmann, Tomi Babic
Genre: Komödie, Science Fiction
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Bruno ist und war schon immer anders. Sobald er eine Entscheidung fällen muss, bricht die Welt für ihn zusammen. Durch einen Unfall bekommt er eine Stahlplatte in den Schädel gesetzt, die sich somit zu einer anderen Eigenart Brunos gesellt: sein linker, überdimensionaler Zehennagel. Eines Tages trifft Bruno die sympathische Emma, die ihm dabei hilft, seine Probleme zu bewältigen. Doch es dauert nicht lange und durch Emma kommt ein neues Problem auf ihn zu, denn seltsame Dinge gehen plötzlich …

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Also, ich muss schon sagen, je mehr Filme ich vom Spionjak-Dreiergespann sehe (bis jetzt „Caedes- Die Lichtung des Todes“ und „Zwischen den Linien“), desto mehr steigen sie in meiner Hochachtung. Mit „Mein großer linker Zeh“ haben sie nun auch noch neben Horror- und Mystery das Genre Science Fiction-Komödie abgedeckt. Und das ist so hervorragend gelungen, dass ich ich meine Begeisterung schwer zügeln kann. Da stimmt so ziemlich alles, was ein guter Film braucht.
Regisseur Slavko Spionjak liefert zusammen mit seiner Frau Rita-Fichtl-Spionjak, die das gefühlvolle und absolut amüsante Drehbuch schrieb, und seiner Schwester Slavica Spionjak, zuständig für Schnitt, Effekte etc., einen bayrischen „Heimatfilm“ der anderen und vor allem besonderen Art ab. Das geht schon mit dem überaus sympathischen und charismatischen Gregory B. Waldis an, der herrlich den abgedrehten Charakter des Bruno darstellt. Aber auch die anderen Schauspieler sind allesamt glaubwürdig und absolut gut gelaunt.

Wie schon im erwähnten „Caedes – Die Lichtung des Todes“ stimmt auch in dieser Produktion wieder der trockene, bayrische Humor absolut. Das macht einfach ganz großen Spaß. An keiner Stelle driftet der Film in lächerlichen und manchmal peinlichen Klamauk ab, wie das so oft bei deutschen Produktionen der Fall ist. „Mein großer linker Zeh“ erinnert an die besten Zeiten der deutschen Komödien-Serien wie „Münchner Geschichten“ oder „Der ganz normale Wahnsinn“.
Die Mischung aus (sympathisch netter bayrischer) Komödie und einem Science Fiction-Plot ist hervorragend gelungen und die wenigen Effekte können sich sehen lassen. In diesem Film steckt Herzblut und das sieht man in jeder Minute.
Die Spezialeffekte sind auf sehr hohem Niveau und werden nur sehr sparsam eingesetzt, was erfreulicherweise zur Folge hat, dass nicht sie, sondern die Schauspieler die Träger des Films sind.

Lustig, nachdenklich, spannend und manchmal auch melancholisch. Kreativer und mit genialen Schnitten und „Effekten“ kann man die Welt eines Autisten fast nicht darstellen. Das ist erfrischend, wenn man sich die heute oft lieblos heruntergekurbelten Komödien ohne tiefen Sinn ansieht. Handwerklich perfekt unterhält „Mein großer linker Zeh“ auf ganzer Linie und ist zusätzlich noch eine Hommage an die wunderschöne Stadt Wasserburg am Inn.

Wer einen sympathischen, lustigen, spannenden Film aus Deutschland sehen will, der sich weitab vom Mainstream befindet und mit innovativen Ideen aufwarten kann, kommt um „Mein großer linker Zeh“ nicht herum. Ich für meine Person bin auf jeden Fall süchtig nach den Spionjaks … 🙂

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Fazit: Handwerklich, schauspielerisch und handlungstechnisch perfekte Science Fiction-Komödie mit Herz und Hirn. Ein Geheimtip, der so ziemlich alle deutschen Komödien, die ich kenne, weit hinter sich lässt. Fack ju Mainstreem …

© 2015 Wolfgang Brunner

Zwischen den Linien (2014)

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Originaltitel: Zwischen den Linien
Internationaler Titel: Between The Lines
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak
Kamera: Nic Mussel
Musik: Trevor Coleman
Laufzeit: 43 Minuten
Darsteller: Tobias Licht, Burak Akkoyun
Genre: Drama, Mystery, Krieg
Produktionsland: Deutschland
FSK: —

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Zwei Soldaten wachen in einem Raum auf. Einer von ihnen ist Christ, der andere Mohammedaner. Beide sind an Händen und Füßen angekettet und gehen gemeinsam der Frage nach, wie sie in diesen Raum gekommen sind …

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Slavko Spionjaks preisgekrönter Kurzfilm fängt an wie „Saw“ und endet wie eine Folge der Mystery-Serie „Twin Peaks“. Und dazwischen liegt ein ambitioniertes Stück voller Kritik an der Menschheit und Kriegsbewältigung a la „Birdy“.
Spionjak ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das durchaus die doppelte Länge haben könnte, so gewaltig ist die Sogkraft, die hinter der Geschichte steckt. Was der Regisseur in eine Dreiviertelstunde verpackt hat, ist enorm. Tobias Licht und Burak Akkoyun liefern eine grandiose Zweimann-Show ab, die sich auf beeindruckende Weise ins Gedächtnis brennt.
„Zwischen den Linien“ lässt sich schwer in Worte fassen. Und, wie oben bereits erwähnt, komme ich nicht umhin, immer wieder Vergleiche mit „Twin Peaks“ zu ziehen. Denn genau diese Art von Mystery-Touch hat Spionjak in seine Parabel über Krieg und unterschiedliche Religionen und Weltanschauungen geschickt eingebaut.

Es ist eine wahre Freude, den beiden Protagonisten zuzusehen, wie sie sich gegenseitig beleidigen, die Lebensart des anderen schlecht machen und dabei ganz aus den Augen verlieren, dass sie letztendlich beide an das Gleiche glauben. Darstellerisch hat mich Burak Akkoyun sogar noch ein klein wenig mehr begeistert als Tobias Licht, aber im Grunde genommen leisten beide hervorragende Arbeit. Nic Mussels Kameraführung und seine oftmals künstlerisch wirkenden Einstellungen machen den Kurzfilm zu einem visuellen Augenschmaus, der durch die hervorragende Musik Trevor Colemans noch zusätzlich unterstrichen wird.

Die Emotionen, die dieser Kurzfilm hervorruft, gehen über Wut, Ungerechtigkeit, Hilflosigkeit, Angst bis hin zu Hoffnung. Wie aus einer fanatischen Rivalität zweier Kriegsgegner fast schon Freundschaft wird, ist unglaublich intensiv und vor allem glaubhaft dargestellt. Ich bin so begeistert von „Zwischen den Linien“, dass ich ihn sofort wieder ansehen könnte. 😉
Das Trio Slavko, Slavica Spionjak und Rita Fichtl-Spionjak hat einen wirklich beeindruckenden Film erschaffen, der handwerklich perfekt ist und zu Recht internationale Preise eingeheimst hat. Wer mit solchen Ambitionen und handwerklichem Können Filme macht, verdient eindeutig mehr Aufmerksamkeit.

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Fazit: Beeindruckendes Kriegs-Antikriegs-Mystery-Drama, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. Großes Kino mit kleinem Geld gemacht. Mehr davon!

© 2015 Wolfgang Brunner

Caedes – Die Lichtung des Todes (2015)

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Originaltitel: Caedes – Die Lichtung des Todes
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Slavko Spionjak
Kamera: Nic Mussell
Musik: Trevor Coleman
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Bernhard Bozian, Leena Bader, Burak Akkoyun, Ewald Der, Jakob Graf, Max Meyr, Tomi Babc, Florian Simbeck, Tobias Licht, Manoush, Nikolai Will, Roland Leonhart
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahre

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Dan macht mit drei Freunden Campingurlaub auf einer Waldlichtung. Nach einer durchzechten Nacht mit den anderen Campern verwandelt sich der Trip von einer Sekunde auf die andere in einen Alptraum: Eine Frau wird von einem unheimlichen Zombie zerfleischt. Verwirrt versuchen die Menschen in den Wald zu fliehen … aber kein Entkommen ist möglich! Und dann entdecken sie eine grausame Wahrheit …

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Slavko Spionjak, der 2011 sein Debüt mit der hintergründigen Science Fiction-Komödie „Mein großer linker Zeh“ gab, liefert mit „Caedes“ einen handwerklich sauberen und enorm unterhaltsamen Nachfolgefilm ab, der mich auf ganzer Linie begeistert. Schon in den ersten Minuten merkt man, dass da ein Könner am Werk ist, der einen Blick für schöne Aufnahmen hat. Professionell inszeniert Spionjak einen erfrischenden Beitrag im weiten Feld des deutschen B-Movie, der allerdings alles andere als billig wirkt.

Die Darsteller spielen absolut sympathisch und autenthisch, dass es eine wahre Freude ist. Durchzogen von hammermäßigen „Handmade“-Splattereffekten und grandiosen Gags ist „Caedes“ eine perfekte Mischung aus hartem Horror und genialer Komödie, wie man sie leider nur allzu selten findet. Gerade aus deutschen Landen lassen Komödien stark zu wünschen übrig, weil sie immer wieder in platten (und unlustige, fast schon peinlichen) Slapstick abrutschen. „Caedes“ schafft diese Gratwanderung grandios und katapultiert sich damit auf Platz Eins meiner persönlichen Splatter-Horror-Komödien aus Deutschland. Selten habe ich so herzhaft gelacht und geschmunzelt und gleichzeitig über perfekt inszenierte, blutige Gore-Szenen gestaunt.
Unbedingt erwähnt werden muss auch der rasante und punktgenaue Schnitt dieser Produktion, der von Slavica Spionjak übernommen wurde, und dem Film ein irres Tempo verleiht. Daumen hoch!

Wie bei Horrorfilmen nun mal üblich, ist die Handlung nicht unbedingt der Mega-Knaller, aber auch hier hat Spionjak ein wahres Wunder vollbracht und lässt den Zuseher das Handlungsmanko durch seinen Regiestil, die hervorragende Darsteller-Crew und die schwarzhumorige Situationskomik einfach vergessen. Besser geht’s fast nicht.
Und die Crew traut sich beizeiten voll in die Trash-Kiste zu greifen, dass es eine wahre Freude ist. 🙂

Neben den gutgelaunten Schauspielern, allen voran Bernhard Bozian, Lena Baader, Burak Akkoyun und Jakob Graf, möchte ich einen Mann nicht unerwähnt lassen, der zwar (leider) „nur“ eine Nebenrolle spielt, die dafür aber dermaßen überzeugend rüberbringt, das einem die Szene im Gedächtnis bleibt und mich persönlich immer wieder zum Schmunzel bringt, wenn ich daran zurückdenke. Die Rede ist von Nikolai Will, der als „Folteropfer“ zum Plaudern gezwungen wird und dies einfach superb meistert. Zu Recht wurde er vom Portal „Horrorfilmdarsteller“ zum Horrorfilmdarsteller 2015 gekürt.

Slavko Spionjak und sein Kernteam, nämlich seine Frau Rita und seine Schwester Slavica, haben einen bemerkenswerten, erfrischenden und rundum gelungenen Beitrag in Sachen „Crowdfunding“-Horrorfilm gedreht. Die amüsanten Bayern, die auf der Lichtung des Todes um ihr Leben kämpfen, sind der Hammer. Und gerade die bayrische Mundart, die aber auch Nichtbayern verstehen, legen einen einmaligen Flair über das Splatterstück.
Mehr davon, bitte!
„Caedes“ ist für mich die perfekte Horror-Splatter-Komödie. Da fragt man sich, wieso Produktionsfirmen nicht solche Filme produzieren, sondern um 10-fach teurere, nichtssagende Pseudo-Komödien, die oft einfach nur peinlich sind.

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Fazit: Unglaublich witzige Splatter-Komödie, die sich wohltuend von deutschen Slapstick-Produktionen abhebt. Durch die bayrische Mundart der Darsteller ist „Caedes“ ein innovatives filmisches Feuerwerk, das sowohl durch rabenschwarze Situationskomik als auch durch harte, perfekte „Handmade“ Splatterszenen überzeugen kann und unglaublich gut unterhält. Uneingeschränkte Empfehlung für Fans des Independent-Films und Genre-Freunde.

© 2015 Wolfgang Brunner