Ant-Man (2015)

Ant-Man

Originaltitel: Ant-Man
Regie: Peyton Reed
Drehbuch: Edgar Wright, Joe Cornish, Adam McKay, Paul Rudd
Kamera: Russell Carpenter
Musik: Christophe Beck
Laufzeit: 117 Minuten
Darsteller: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Corey Stoll, Michael Peña, T.I., David Dastmalchian, Abby Ryder Fortson, Bobby Cannavale
Genre: Science Fiction, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Hank Pym wirbt den Superdieb Scott Lang für einen großen Coup an. Pym hat eine Technologie entworfen, mit der Lebendiges und Nichtlebendiges auf Miniaturgröße geschrumpft werden kann. Eine entsprechende Formel hat er nach Ausscheiden aus der Firma zurückgelassen. Nun will Pyms Konkurrent Cross, der die Firma nun leitet,  diese Technolgie für militärische Zwecke nutzen. Lang soll Cross‘ Arbeiten boykottieren. Dabei hilft ihm ein Prototyp jenes Anzugs, mit dem er sich auch Ameisengröße schrumpfen kann .

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Ein neuer Held aus dem Marvel-Universum findet seinen Weg auf die Kinoleinwand: „Ant-Man“.
Nachdem ich der mittlerweile übertrieben vielen Comicverfilmungen fast schon überdrüssig geworden bin (nein, eigentlich bin ich sie seit einiger Zeit schon lange leid), war ich gespannt, was der Ameisenmann in mir auslösen würde.
Interessant ist, dass mir das Ganze in der ersten Hälfte außerordentlich gut gefallen hat, weil sich die Handlung eher aufbaute wie ein alter Science Fiction-Klassiker (ich dachte da in erster Linie fast ausnahmslos an „Die phantastische Reise“ aus dem Jahr 1966 oder „Die Reise ins Ich“ von 1987). Regisseur Peyton Reed, der bisher eigentlich nur für mich unbedeutende Slapstick-Komödien inszenierte, konnte mich erstaunlicherweise mit seinem neuesten Film richtig überzeugen. Zumindest eben, wie gesagt, am Anfang.
Die Handlung baut sich richtig schön langsam und unübertrieben auf und auch der verwendete Humor hat durchaus seinen Reiz und wirkt nicht peinlich, wie in vielen Komödien sonst üblich. Das liegt wahrscheinlich in erster Linie auch an dem Hauptdarsteller Paul Rudd, der überzeugend witzig daherkommt und mit seinem Charakter nie in Slapstick abrutscht.
Michael Douglas spielt, wie die anderen Akteure,  gut, fällt aber im Grunde genommen nicht weiter auf.

Ausnahmsweise wirken hier auch die Spezialeffekte richtig gut (auch in 3D), weil sie zur Handlung gehören und nicht ausschließlich der Effekte willen eingesetzt wurden. Selten hat man einen Miniaturmenschen in der für uns kleinen Welt der Insekten so gut eingesetzt gesehen wie hier. Es macht unglaublichen Spaß, wenn sich der kleine Ant-Man in einer gigantischen Welt herumschlägt und wir als Zuschauer wirklich hautnah mit dabei sein können. Hier finde ich die Spezialeffekte auf jeden Fall gerechtfertigt.

Leider verfällt der Film dann gegen Ende hin immer mehr in das typische Marvel-Schema-F der bisherigen Verfilmungen. Die Querverweise auf andere Superhelden finde ich persönlich mittlerweile unerträglich und das hat mir am Ende dann „Ant-Man“ leider auch ein wenig „madig“ gemacht. Aber nun gut, die Fans wollen das anscheinend und warten nur darauf, irgendetwas dieser Art in den Filmen zu entdecken, mein Fall ist es nicht. Nichtsdestotrotz empfinde ich „Ant-Man“ als eine der besseren, neueren Comicverfilmungen, was zum einen an den wirklich hervorragenden Spezialeffekten liegt, aber auch an dem geschickt eingestreuten Humor. Oberflächlich betrachtet reiht sich der kleine Superheld allerdings nahtlos in die Marvel-Plot-Maschinerie ein und bringt letztendlich kein bisschen Neues. Angenehm hebt er sich dennoch durch seine teils ruhige, teils witzige Inszenierung und die gut eingesetzten Effekte (die niemals übertrieben auf den Putz hauen und etwaige Vorgänger oder Konkurrenten übertrumpfen wollen) von anderen Filmen der gleichen Art ab.

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Fazit: Im Großen und Ganzen erfrischende Comic-Verfilmung, die zwar handlungstechnisch nichts wirklich Neues bietet, dafür aber mit einer sehr guten Inszenierung auftrumpfen kann.

© 2016 Wolfgang Brunner

UFO – Es ist hier (2016)

UFO_Poster

Originaltitel: UFO
Regie: Daniele Grieco
Drehbuch: Daniele Grieco
Kamera: Daniele Grieco
Musik: —
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Laura Berlin, Olga von Luckwald, Dennis Mojen, Leonard Hohm, Jan Walter
Genre: Horror, Science Fiction
Produktionsland: Deutschland, Belgien, Luxemburg
FSK: ab 16 Jahre

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Fünf Filmstudenten beobachten eine Feuerkugel am Himmel, die wie ein Meteoriten aussieht und in einiger Entfernung einschlägt. Sie machen sich auf den Weg zum Einschlagpunkt, um das Ereignis mit ihren Kameras zu dokumentieren. In einem abgelegenen Waldgebiet finden sie schließlich die Einschlagschneise,doch da es bereits zu dunkel zum Filmen ist, richten sie sich für die Nacht ein. Am nächsten Morgen stellen sie fest, dass einer von ihnen verschwunden ist. Auf der Suche nach ihm machen sie einen grauenhaften Fund: Sie finden die zerfetzten Überreste ihres Freundes. Voller Panik  verirren sie sich im Wald und bemerken schon bald, dass sie nicht allein sind …

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Nach „Die Präsenz“ war ich natürlich sehr gespannt, wie Griecos zweiter Ausflug ins Found Footage-Genre ausfallen würde. Gerade in diesem Genre ist es bei mir immer so eine Sache, denn ich kann vielen Filmen dieser Art leider wenig bis gar nichts abgewinnen. Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder. So zählt nun auch „UFO – Es ist hier“, wie schon „Die Präsenz“, wieder dazu. Und wieder ist es die relativ ruhige, unspektakuläre Machart Griecos, die mir absolut gut gefällt und mich von der ersten Minute an fasziniert hat. Es ist einfach toll, wie hier eine wunderbar authentische Stimmung aufgebaut wird. Schon nach wenigen Minuten vergisst man, dass es sich um einen fürs Kino produzierten Film handelt, sondern glaubt tatsächlich, es wäre echtes Filmmaterial. das man zu sehen bekommt. Das hat Grieco auch schon in „Die Präsenz“ super hinbekommen.

„UFO“ lebt von dieser spannenden Inszenierung, wenngleich sich ein paar Fehler hinsichtlich der Logik, warum in genau jenem Augenblick eine Kamera läuft, eingeschlichen haben. Aber das ist in diesem Genre einfach nun mal so und muss hingenommen werden. Die Darsteller agieren ausnahmslos gut und überzeugend, was dem Film den nötigen Real-Touch gibt. Man bekommt sicherlich auch den ein oder anderen Spezialeffekt zu sehen, wird aber niemals davon erschlagen. Es spielt sich, trotz unglaublich guter Spannung, eigentlich alles relativ ruhig ab und wird niemals übertrieben hysterisch oder aufgesetzt inszeniert. Die Spezialeffekte sind auf alle Fälle super gut gelungen. An manchen Szenen kam es mir fast so vor, als hätten die Darsteller ein wenig improvisiert, um die Handlung realistischer wirken zu lassen. Sollte dies der Fall gewesen sein, ist ihnen dadurch tatsächlich gelungen, das ganze Szenario glaubwürdig aussehen zu lassen.
Wie schon bei „Die Präsenz“ webt Grieco während des Films Filmzitate und liebevolle Anspielungen auf Horror- und Science Fiction-Klassiker ein, die so richtig Spaß machen, sofern man sie entdeckt. 😉

„UFO“ bewegt sich zwar auf altbewährtem Boden (man kann das Found Footage Genre ja auch schlecht neu erfinden), aber vermischt dennoch geschickt Anleihen aus den Klassikern „Blair Witch Project“, „Cloverfield“, „Alien“ und „Akte X“. Genau diese interessante Mischung kommt auch bereits im Trailer sehr gut rüber und wird beim gesamten Film durchgehend beibehalten. Es gibt zwar nur wenige Augenblicke, in denen ich wirklich erschrocken bin, aber das hat der Spannung absolut keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Viel mehr hat mich der unterschwellige Horror und das beklemmende Gefühl, das gegen Ende des Films heraufbeschwört wird, in Bann gezogen. Am Schluss meint man, Zeuge eines globalen Ereignisses aus der Sicht von nur wenigen Menschen geworden zu sein. Das gibt dem Film am Ende noch einmal einen richtig guten Schwung, der die vergangenen Ereignisse der Stunde davor in ein vollkommen anderes Licht rückt. Gerade davon war ich wirklich sehr beeindruckt und begeistert. Man merkt diesem Film auf jeden Fall an, dass er von einem Filmfan mit Herzblut inszeniert wurde. Und, wie gesagt, Daniele Grieco schafft es, mich für Found Footage zu begeistern, obwohl ich diese Art von Film eigentlich nicht (mehr) mag.

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Fazit: Spannend, unheimlich und sehr glaubwürdig. „UFO“ hinterlässt am Ende ein wirklich komisches Gefühl im Magen. Für Freunde des Found Footage-Genres absolut empfehlenswert. Wer Kameragewackel nicht so sehr mag, sollte dennoch einmal einen Blick auf diese deutsche Produktion werfen, denn interessante Ideen sind durchaus zu verzeichnen.

© 2016 Wolfgang Brunner

The Zero Theorem (2013)

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Originaltitel: The Zero Theore
Regie: Terry Gilliam
Drehbuch: Pat Rushin
Kamera: Nicola Pecorini
Musik: George Fenton
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Christoph Waltz, David Thewlis, Mélanie Thierry, Lucas Hedges, Matt Damon, Ben Whishaw,  Tilda Swinton, Peter Stormare, Rupert Friend
Genre: Drama, Science Fiction
Produktionsland: Großbritannien, Rumänien
FSK: ab 12 Jahre

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Das exzentrische Computergenie Qohen Leth arbeitet und lebt vollkommen zurückgezogen in einer ausgebrannten Kapelle. Einzig mit der sinnlichen Bainsley genießt er virtuellen Sex und hin und wieder besucht ihn Bob, der Sohn des  Vorsitzenden der Firma, für die Qohen arbeitet.
Momentan arbeitet Qohen daran, das „Zero Theorem“ zu lösen, eine Formel, durch die sich eventuell der Sinn des Lebens bestimmen lassen könnte. Seine Arbeit daran wird zur Besessenheit, bis er erkennt, dass die Wahrheit nicht im Computer, sondern im Leben zu finden ist.

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Terry Gilliam setzt seinen Grundgedanken von „Brasil“ in diesem Film fort. Fast könnte man sagen, es ist eine Art Neuinterpretation seiner Dystopie. Man muss sich auf Gilliams Inszenierungsstil und seine Gedankenkonstruktionen einlassen, um solcherart Filme zu mögen (und vielleicht auch zu begreifen). Gilliam geht auf die heutige, hochaktuelle Problematik von Computer- und Internetabhängigkeit ein und führt uns vor Augen, wie dicht wir vor einem Abgrund stehen, der die Menschlichkeit in uns auslöscht. Jeder lebt und arbeitet für sich allein, ist menschenscheu und argwöhnisch gegenüber allem Neuen und Ungewohnten. Das Szenario, das Gilliam uns da zeigt, ist absolut düster und auf erschreckende Weise ganz dicht an der Wahrheit dran. Zumindest in einigen Belangen.
Nicht selten dachte ich für mich, dass einige der gezeigten Szenen schon heute der Wirklichkeit verdammt nahe kommen.
Die Botschaft, die uns der Regisseur aufzeigt, ist klar und eindeutig: Wendet euch wieder der Realität und dem wahren Leben zu. Aber es steckt noch so viel mehr in diesem Film, den man sich ohne weiteres öfters ansehen kann (und vielleicht auch sollte).

Christoph Waltz ist hier in einer mehr als außergewöhnlichen Rolle zu sehen. Und, um es gleich vorweg zu sagen, er meistert sie hervorragend. Seine Angst vor Menschen und seine Unsicherheit bezüglich seines eigenen Lebens nimmt man ihm in jeder Einstellung ab. Waltz zeigt, wie wandlungsfähig er ist und wie problemlos er in verschiedene, auch skurrile, Rollen schlüpfen kann. Ihm zuzusehen macht auf jeden Fall Spaß. Matt Damon tritt dagegen irgendwie in den Hintergrund, sein Charakter hinterlässt bei weitem nicht die Spuren wie der von Waltz.

Gilliam hat einen weitschichtigen Film gedreht, der dem Zuschauer so manches Mal klar macht, dass unser derzeitiges Leben von Werbung, Computern und virtuellen Realitäten dermaßen gesteuert wird, dass es einem Angst machen sollte. Der Regisseur will zeigen, wie es um uns in ein paar Jahren steht, wenn wir uns nur noch auf diese Dinge konzentrieren und das wirkliche Leben außer Acht lassen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass vielen Zusehern der Film nicht besonders gefällt, weil er wenig Action bietet und durch seine skurrile Machart auf manch einen womöglich langweilig wirkt. Wie schon erwähnt, man muss sich darauf einlassen, um die Genialität zu erkennen, die sich zwischen den gezeigten Bildern versteckt.
Zu der wirklich außergewöhnlichen und exzentrischen Stimmung gesellt sich ein wunderbar stimmiger Soundtrack von George Fenton hinzu, der das Ganze passend untermalt.
Manche Bilder erinnern an „Blade Runner“ oder „Das fünfte Element“, wobei man „The Zero Theorem“ auf keinen Fall mit diesen Filmen vergleichen kann. Es ist lediglich die Optik, die mich an die genannten Filme denken ließ.
Wer virtuelles Künstlerkino abseits des Mainstreams mag, wird mit Terry Gilliams Dystopie seine Freude haben, alle anderen werden sich im visuellen und philosophisch angehauchten Wirrwarr unwohl fühlen.

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Fazit: Visuell reizvolles Kino zum Nachdenken mit einem wunderbaren Christoph Waltz.

© 2016 Wolfgang Brunner

Stranger Things – Season 1 (2016)

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Originaltitel: Stranger Things
Regie: The Duffer Brothers, Shawn Levy
Drehbuch: The Duffer Brothers, Jessica Mecklenburg, Justin Doble, Alison Tatlock, Jessie Nickson-Lopez
Kamera: Tim Ives, Tod Campbell
Musik: Kyle Dixon, Michael Stein
Laufzeit: 8 Folgen á 41-54 Minuten
Darsteller: Winona Ryder, David Harbour, Finn Wolfhard, Millie Bobby Brown, Gaten Matarazzo, Caleb McLaughlin, Natalia Dyer, Charlie Heaton, Cara Buono, Matthew Modine
Genre: Horror, Science Fiction, Mystery, Drama, Serie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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In der Kleinstadt Hawkins verschwindet der Junge Will spurlos. Seine verzweifelte, alleinerziehende Mutter wendet sich an die örtliche Polizei, während sich  Wills drei besten Freunde auf die Suche nach ihm machen und im Wald auf ein verstörtes Mädchen mit kahlgeschorenen Haaren stoßen. Wie sich wenig später herausstellt, hat sie paranormale Fähigkeiten und  behauptet, sie hätte Informationen über den Aufenthaltsort des vermissten Jungen. Plötzlich verschwindet ein weiterer Jugendlicher und die Sache nimmt immer mysteriösere Ausmaße an.

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Schon nach der ersten Folge wusste ich, dass sich „Stranger Things“ zu einer meiner Lieblingsserien der Neuzeit entwickeln würde. Die Stimmung, die alleine schon durch die grandiose Musik vermittelt wurde, hat mich vollkommen in ihren Bann gezogen. Aber es ist nicht nur die synthesizerlastige Musik, die den Charme dieser Netflix-Serie ausmacht: da wäre noch der Plot, die unglaublich gut gelaunten und fähigen Schauspieler, die diversen Anspielungen auf Filme der 80er Jahre und und und …
„Stranger Things“ ist fast schon eine Offenbarung für Menschen wie mich, die mit Filmen von Steven Spielberg, John Carpenter, Joe Dante und Ridley Scott aufgewachsen sind. Da purzeln die Hinweise auf besagte Regisseure und deren Filme nur so durch die acht Folgen des Mystery-Horror-Science Fiction-Dramas, dass es eine wahre Freude ist. Da hängen Plakate von „Tanz der Teufel“ und Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ an den Wänden der Jugendlichen, da werden Szenen aus „Alien“ oder „E.T“ liebevoll in eine eigenständige Handlung verpackt, so dass man schon der nächsten Einstellung entgegenfiebert, welcher Kultfilm aus den 80er Jahren sich darin eventuell verstecken könnte. Unter anderem hat es J.J. Abrams mit „Super 8“ vorgemacht, „Stranger Things“ perfektioniert diese Hommage an die 80er.

Aber nicht nur die geniale Musik von  Kyle Dixon und Michael Stein schafft die wunderbare Atmosphäre dieser Serien-Perle, man bekommt auch noch Hits von unter anderem The Clash, Foreigner, Echo & The Bunnymen, Tangerine Dream(!), Peter Gabriel,  Jefferson Airplane, Corey Heart und Vangelis(!) zu hören. Als Vangelis‘ wunderbarer Song „Fields Of Corals“ in der siebten Episode erklang, hatte ich buchstäblich Gänsehaut. Perfekt eingesetzte Musik …
Man fühlt sich in Zeiten von Joe Dantes „Explorers“, Spielbergs „E.T.“ und teilweise sogar an David Lynchs Kultserie „Twin Peaks“ zurückversetzt. Von den Kritikern wurde behauptet, dass „Stranger Things“ zwar als Hommage an die „alten“ Filme hervorragend funktionieren würde, sich aber nicht als eigenständige Serie behaupten könne. Diesen „Vorwurf“ kann ich absolut nicht nachvollziehen, denn die Drehbuchautoren haben sehr wohl eine eigenständige Handlung entworfen, die eben in vielen Dingen an die genannten Vorbilder erinnert. Aber eigenständig und gut durchdacht ist der Plot sehr wohl. Oft könnte man dem Irrglauben verfallen, Stephen King hätte seine Finger mit ihm Spiel gehabt (wahrscheinlich auch von den Autoren beabsichtigt, denn nicht umsonst erinnert der Schriftzug der Serie irgendwie an Stephen King).

Es gibt zudem ein Wiedersehen mit Winona Ryder, das unglaublich Spaß macht. Sie zeigt in ihrer Rolle, was sie (noch immer) drauf hat und kann vollends als sorgende Mutter überzeugen. Die Kinder in den Hauptrollen sind der Knaller. Sie spielen so professionell, dass man einfach nur begeistert sein kann. Wie sie miteinander umgehen, ihre Witze und die Mimik – da passt einfach alles. Ich bin absolut begeistert. Auch David Harbour (zurzeit in „Suicide Squad“ zu sehen) hat mich in seiner Rolle als Sheriff Jim Hopper uneingeschränkt überzeugt.  „Stranger Things“ kann also auch schauspielerisch vollkommen punkten.
Einige Handlungsstränge bleiben offen,  aber das wäre eigentlich nicht weiter tragisch, denn so ein mystisch, verrätseltes und offenes Ende hat schon auch eine gewisse Wirkung. Aber mittlerweile sind die Weichen für eine zweite Staffel wohl gestellt und die Macher können offene Fragen beantworten. 😉

Atmosphärisch, unheimlich, witzig, spannend, mysteriös … Alles ist vorhanden!

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Fazit: Cooler Plot, wahnsinnig gute Schauspieler, spitzenmäßige Musik … Die Hommage an die 80er-Jahre ist vollauf geglückt. Unbedingt ansehen!

© 2016 Wolfgang Brunner

Jurassic World (2015)

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Originaltitel: Jurassic World
Regie: Colin Trevorrow
Drehbuch: Colin Trevorrow, Derek Connolly, Rick Jaffa, Amanda Silver
Kamera: John Schwartzman
Musik: Michael Giacchino
Laufzeit: 124 Minuten
Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D’Onofrio, Ty Simpkins, Nick Robinson, Omar Sy, B. D. Wong, Irrfan Khan, Jake Johnson, Brian Tee, Judy Greer
Genre: Abenteuer, Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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22 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen im „Jurassic Park“ ist nun der neue Freizeit- und Eventpark „Jurassic World“ eröffnet worden. Man möchte den Ansprüchen des jüngeren Publikums gerecht werden und „designt“ immer größere und spektakulärere Dinosaurier. Die beiden Jungs Gray und Zach besuchen ihre Tante, die Leiterin des Parks. Die hat aber keine Zeit für sie und so machen sich die Jungs auf eigene Faust auf, um die Welt der Dinosaurier zu erkunden. Doch dann geschieht das Unglaubliche: einer der neu gezüchteten Riesensaurier bricht aus.
Der Park wird evakuiert, aber einige Besucher, unter ihnen Gray und Zach, befinden sich noch in freier Wildbahn.
Die Leiterin des Parks wendet sich an Grady, einen Wissenschaftler, der es fast schon geschafft hat, Raptoren zu dressieren. Er soll nicht nur ihre Neffen finden, sondern auch den geflohenen Riesensaurier wieder einfangen.

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Als ich hörte, dass Colin Trevorrow die Regie bei der neuen Jurassic-Reihe übernehmen sollte, war ich im ersten Moment entsetzt. Sein „Journey Of Love“ hat mich nämlich inszenatorisch alles andere als begeistert. Doch überraschender- und erfreulicherweise hat Trevorrow mit „Jurassic World“ meine Bedenken bereits in den ersten Minuten aus dem Weg geräumt.
Es ist schon erstaunlich, wie er es schafft, innerhalb weniger Momente das „Feeling“ der „alten“ Filme wieder rüberzubringen. Der Zuschauer wird wieder zum Kind, lässt sich auf das Abenteuer ohne Kompromisse ein und genießt es, zu staunen und sich auch zu erschrecken. Die Saurier sind logischerweise der heutigen Möglichkeiten entsprechend perfekt gemacht und lassen einen, wie einst Spielbergs Meilenstein, an manchen Stellen den Atem anhalten. „Jurassic World“ spielt geschickt mit neuen Momenten und alten Anspielungen, die über die altbackene Handlung hinwegsehen lassen (wenngleich sich die Macher ja schon irgendwie Mühe gemacht haben, dem Thema neuen Schwung zu verleihen). Trevorrows Plot lässt durchaus Potential erkennen, das (nicht immer, aber oft) nicht ganz ausgelotet wurde, wie es hätte sein können. Da spielte wohl der Mainstream eine Rolle, was aber gerade bei solch einem Film vielleicht wirklich so richtig frischen Wind in die Serie einbringen hätte können, wenn man die massentauglichen Aspekte unbeachtet gelassen hätte. Aber nun, Film ist in den meisten Fällen eine rein wirtschaftliche Sache und so halt auch hier.

Die Rückkehr in den bekannten Dino-Park macht dennoch ungemein Spaß und es sind, wie schon erwähnt, einige Ideen dabei, die sich sehen lassen können. Schauspielerisch kann man auch nicht wirklich meckern. Es sind keine Glanzleistungen, aber annehmbare Schauspielkunst, die für diese Art von Film durchaus reicht. Action ist durchwegs angesagt und lässt in keiner Sekunde Langeweile aufkommen. Obwohl manches wirkt wie ein Neuaufguß der alten Filme, hat mich nichts davon wirklich gestört. Ich fühlte mich uneingeschränkt bestens unterhalten und freue mich schon jetzt auf eine Fortsetzung.

Was mir „negativ“ aufgefallen ist, aber im Grunde genommen schon wieder witzig ist, war die Szene, in der sich die Leiterin des Parks wagemutig auf den Weg macht, den gefährlichen T-Rex aus seinem Gefängnis zu befreien. Das war durchaus ansprechend und cool inszeniert, aber … nein, keine Frau würde sich dieser Situation in hochhackigen Schuhen stellen. 😉 Wie gesagt, es sieht durchaus stylisch aus, wenn Bryce Dallas Howard mit Stöckelschuhen vor dem gigantischen Saurier davonläuft, aber … Leute, das ist absolut unrealistisch. 🙂
Egal, „Jurassic World“ hat meine Erwartungen erfüllt und mir zwei Stunden (meine) Jugend in neuem Gewand beschert.

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Fazit: Alte Story in neuem Gewand. Gelungene Effekte und eine durchgehende Spannung machen „Jurassic World“ zu einem unterhaltsamen Stück zeitgenössischen Effekte-Kinos. Nicht anspruchsvoll, aber durchweg unterhaltend. Mir hat’s gefallen.

© 2016 Wolfgang Brunner

A World Beyond (2015)

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Originaltitel: Tomorrowland
Regie: Brad Bird
Drehbuch: Damon Lindelof, Brad Bird
Kamera: Claudio Miranda
Musik: Michael Giacchino
Laufzeit: 130 Minuten
Darsteller: George Clooney, Britt Robertson, Hugh Laurie, Raffey Cassidy, Kathryn Hahn, Tim McGraw, Keegan-Michael Key, Chris Bauer, Thomas Robinson
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Es existiert eine hochtechnisierte, bessere Welt in einem Paralleluniversum. Durch Zufall findet das junge Mädchen Casey den Eingang in diese exotische Welt und ist von ihr geradezu besessen. Als sie erfährt, dass diese Welt in Gefahr ist, sucht sie Hilfe bei Frank, einem älteren Mann, der vor fünfzig Jahren bereits in diese Parallelwelt getreten ist und den Herrscher dort kennt.

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Alleine schon die strohdumme deutsche Eigenart, den amerikanischen Originaltitel „Tomorrowland“ mit „A World Beyond“ ins „Deutsche“ zu „übersetzen, macht mich wütend. Wer ist für so einen Schwachmaten-Müll eigentlich verantwortlich?
Aber gut, das nur mal nebenbei bemerkt, denn diese idiotische Tatsache hat mit dem Film ja nichts zu tun.

Nun zum Film: Es ist ein Disney-Familienfilm, und das ist von der ersten Minute an unübersehbar. Der Einstieg, also die ersten fünf Minuten, sind nicht wirklich der Brüller, sondern eher etwas nervig geraten. Aber hat man die erst mal überstanden, geht es sehr interessant und amüsant los. Der Aufbau der Story ist Regisseur Brad Bird wirklich gut gelungen und auch die Komik funktioniert durchaus. Doch leider verstrickt er sich im Laufe des Films immer mehr in unlogische Handlungsstränge, die den guten Ansatz leider konstant zerstören.
Sicherlich muss man sich vor Augen halten, dass es sich um einen Familienfilm handelt, aber dazu ist er eigentlich zu brutal und vor allem auch zu kompliziert. Die Thematik eines Paralleluniversum wird nämlich bei weitem nicht so genau erklärt, wie es eigentlich sein sollte, um der Handlung folgen zu können. Da hat man schon als Erwachsener manchmal Schwierigkeiten, der vermeintlichen Logik des Plots zu folgen.

Man ist bemüht, einen anspruchsvollen Film für die ganze Familie zu zeigen, der auch eine ernste Botschaft vermitteln soll. Aber irgendwie klappt das Ganze nicht. Die Story hakt an allen Ecken und Kanten und leider bekommt man das, was man wirklich sehen will (nämlich das ‚Tomorrowland‘) nicht oft zu sehen. Das ist zum einen sehr schade und zum anderen verliert man gegen Ende hin immer mehr die Lust, dem Ganzen zu folgen. Leider leidet darunter auch die Spannung und die Neugier, die sich während der ersten Hälfte des Films aufgebaut hat.
Das Potential wurde hier definitv nicht genutzt und man hätte sich vielleicht einfach entscheiden sollen, ob man einen echten Kinder- und Familienfilm macht oder eben das Thema ernster und „erwachsener“ angeht.
Die Story beziehungsweise Grundidee ist toll, aber leider wurde sie nicht gut genug umgesetzt, um überzeugend zu wirken. Die Spezialeffekte sind teilweise atemberaubend, können aber den Film -übrigens genauso wenig wie Superstar George Clooney- leider nicht retten.

Es wurde viel zu viel hineingepackt und viel zu wenig logisch erklärt (was man durchaus hätte tun können). Die Botschaft der Weltrettung misslingt und wirkt eher künstlich und nicht richtig überlegt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Film ab der Hälfte etwa kippt und sich immer weiter ins fast schon Lächerliche begibt. Die gezeigte Zukunftswelt erscheint einem wie ein riesiger Vergnügungspark, ohne dass auch weltliche und zwischenmenschliche Probleme und/oder Lösungen eingegangen wird. Solch eine Welt würde es niemals geben … aber das wäre gar nicht mal das Schlimmste, denn es handelt sich ja schließlich um einen Film.
Die Musik von Michael Giacchino ist zwar in Ordnung, bleibt aber auch nicht wirklich im Gedächtnis.
Der größte Fehler, der bei dieser Produktion passiert ist, ist der, dass man sich nicht für eine gerade Linie entscheiden konnte und einen Mischmasch aus Disney-Familienkomödie mit einem Schuss ernster Science Fiction gedreht hat, der wohl nur das popkornkauende Mainstream-Publikum begeistern wird, das sich keinerlei Gedanken über Handlung macht, sondern nur die Effekte bestaunt.
Schade, denn das hätte durchaus mehr werden können … 😦

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Fazit: Unausgegorener Mix aus Familien-Unterhaltungs-Klamauk und ernstzunehmender (aber unlogischer) Science Fiction. Schade, denn Potential wäre dagewesen.

© 2016 Wolfgang Brunner

Project M – Das Ende der Menschheit (2014)

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Originaltitel: Projet-M
Regie: Eric Piccoli
Drehbuch: Julien Deschamps Jolin ,Eric Piccoli, Mario J. Ramos
Kamera: Cedric Martinez
Musik: Guillaume Fortin
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Jean-Nicolas Verreault, Julie PerreaultJulien Deschamps Jolin, Nadia Essadiqi, Pierre Verville, Marie-Ginette Guay, Roberto Mei, Ted Pluviose, Raphaël Lacaille
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 12 Jahre

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Ein Team bestehend aus vier Astronauten wird in eine erdnahe Umlaufbahn geschossen, um dort zu testen, wie sich ein derartiger Aufenthalt auf Körper und Psyche auswirkt.  1.000 Tage sollen die vier Menschen auf der Raumstation verbringen. Kurz vor der geplanten Rückkehr beobachtet die Crew unzählige Atomexplosionen auf der Erde. Überall auf dem Planeten. Der Funkverkehr mit der Bodenstation ist abgebrochen und die vier Astronauten sind auf sich allein gestellt. Der Lebensmittelvorrat schwindet und die vier haben keine Informationen, was überhaupt passiert ist. Die Stimmung wird immer gereizter und das Team zerbröckelt. Da machen sie plötzlich eine Entdeckung, die ihnen das Leben retten könnte …

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Immer wieder passiert es, dass man von einem Film überrascht wird. Die kanadische Produktion „Projekt M“ unter der Regie des Franzosen Eric Piccoli gehört eindeutig in diese Kategorie. Weit abseits von mit Effekten überfrachteten Mainstream-Produktionen wird hier ein melancholisch anmutendes und ruhiges, aber nichtsdestoweniger spannendes und unheimlich intensives Drama serviert. Keine Spur von „Star Wars“ oder reißerischen Inszenierungen a la Michael Bay, sondern ein atmosphärisch dichtes Kammerspiel im Weltraum. Die Darsteller sind durch die Bank begabt und gehen in ihren Rollen auf. Jeder versetzt dem Charakter, den er darstellt, Glaubwürdigkeit.

Gerade die unglaublich ruhige Machart dieses Films war es, die mich so faszinierte und in ihren Bann gezogen hat. Es fehlt im Prinzip jegliche Action und dennoch verfolgt man die Entwicklung der Geschichte mit einer durchgehend anhaltenden Spannung. Viele empfanden dies wohl anders und viele werden es auch anders empfinden, ich für meinen Teil fand mich an manchen Stellen sogar an Klassiker wie „Lautlos im Weltraum“ erinnert, der eine ähnliche Stimmung verbreitete und ebenfalls von seiner ruhigen Inszenierung lebte.
Die auftretenden Konflikte zwischen den Besatzungsmitglieder sind nachvollziehbar ausgearbeitet und daher aus meiner Sicht auch sehr authentisch. An keiner Stelle wirken die Handlungen der Protagonisten überzogen oder künstlich.
Damit man mich nicht falsch versteht: Auch ich mag Science Fiction Filme wie „Star Wars“, „Star Trek“, „Ender’s Game“, „Alien“ und und und … Aber manchmal lasse ich mich auch liebend gerne in stimmungsvolle Geschichten wie „2001“, „2010“ oder eben „Lautlos im Weltraum“ fallen, wo Effekte zwar eine Rolle spielen, aber einfach mehr Augenmerk auf die Handlung und die Personenzeichnungen gelegt werden. „Projekt M – Das Ende der Menschheit“ ist solch ein Ausnahmefilm, der einen eigenwilligen, aber sehr konsequenten Weg geht. Letzteres gilt vor allem für die durchgehend ruhige, melancholische Stimmung. Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass das Budget für diese Produktion gerade einmal 260.000 Dollar betrug. Das Ergebnis kann sich aber sowas von sehen lassen, denn die Raumstation sieht mit ihrem Interieur einfach nur perfekt und echt aus. Auch die wenigen Effekte sind gut eingesetzt und wirken keinesfalls billig und schrottig, wie in manchen Rezensionen zu lesen ist.

Wer außergewöhnliche Science Fiction mit einem Touch Realität mag, dem wird dieser Film gefallen. Als Vergleich mit neueren Filmen fällt mir da noch „Europa Report“ ein, der entfernt ähnlich funktioniert.
„Projekt M – Das Ende der Menschheit“ ist ein Film,  der sich sehen lassen kann. Schauspieler, Regie, Kulissen, Musik, Handlung – alles passt.

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Fazit: Äußerst stimmungsvolles, ruhiges und kammerspielartiges Science Fiction-Abenteuer, das durchwegs überzeugen kann. Weitab vom Mainstream und daher für Liebhaber andersartiger, künstlerischer Filme absolut sehenswert.

© 2016 Wolfgang Brunner