Harry & Bo (2008)

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Originaltitel: Harry & Bo
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Slavko Spionjak
Kamera: Reinhard Eggersdorfer
Musik: Alex Komlew, Johannes Rothenaicher
Laufzeit: 39 Minuten
Darsteller: Lorenzo Patane, Janne Drücker, Mark’n’Simon, Raphael Nocholas, Mirja Mahir, Antonio Putignano, Bernd Bozian
Genre: Komödie, Drama, Science Fiction
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab o Jahre

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Der Alkoholiker und Versager Harry rettet zusammen mit seiner Schwester Bo die Menschheit vor einer Alieninvasion.

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Slavko Spionjaks Kurzfilm beginnt wie ein Drama, in dem die Problematik eines Alkoholikers behandelt wird. Man braucht ein wenig, um Lorenzo Patane die Rolle eines Trinkes abzunehmen, aber der Schauspieler italienischer Abstammung schafft es sehr schnell, die Zuschauer zu überzeugen. Auch Janne Drücker als Bo kann in ihrer Rolle voll punkten. Es macht schon riesigen Spaß, den beiden zuzusehen, wie sie sich anfeinden, aber dennoch auf gewisse Art und Weise zueinander stehen.

Was wie ein Drama beginnt, verändert sich schleichend zu einer unheimlich guten und ideenreichen Science Fiction-Story, in der auf viele bekannte Kinofilme in abgeänderter Form angespielt wird. Da merkt man, dass das Team um Slavko Spionjak Filme dieser Art mag.
In der zweiten Hälfte werden dann auch Special Effects geboten, die wirklich grandios sind. Oft fühlte ich mich an die wunderbare SF-Kult-Serie „LEXX“ erinnert. Unglaublich liebevoll wurde an diesen Effekten gebastelt, die sich hinter größeren und bedeutend teureren Produktionen in keiner Weise verstecken brauchen. Slavko Spionjak hat mit seiner Schwester Slavica und Ehefrau Rita Fichtl-Spionjak wieder ganze Arbeit geleistet und einen Kurzfilm auf die Beine gestellt, der sich zum einen sehen lassen kann und zum anderen richtig Spaß macht.

Die CGI-Effekte sowohl des Aliens wie auch der Raumschiff-Aufnahmen verdienen absolutes Lob, zumal sie vom Spionjak-Team mit einem minimalen Budget kreiert wurden. Das macht einen an manchen Stellen wirklich sprachlos. Die Masken der Außerirdischen sind ebenfalls der Hammer und man mag kaum glauben, was man mit wenig Geld zustanden bringen kann, wenn man mit Euphorie bei der Sache ist. Die Bilder des Raumschiffs sind genial und lassen das Herz eines jeden Star Wars- und Star Trek-Fans höher schlagen.

„Harry & Bo“ ist ein Independent-Film, der, wenngleich die Handlung ein wenig konstruiert wirkt, absolut toll unterhält und großes Talent zeigt.

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Fazit: Independent-Kurzfilm aus Deutschland mit hervorragenden Effekten und Masken, die trotz geringem Budget absolut überzeugen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Mein großer linker Zeh (2011)

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Originaltitel: Mein großer linker Zeh
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Rita Fichtl-Spionjak
Kamera: Sanne Kurz, Markus Stotz, Nic Mussel
Musik: Trevor Coleman
Laufzeit: 103 Minuten
Darsteller: Gregory Waldis, Julika Wagner, Bernhard Bozian, Michael Schwarzmaier, Gerd Rigauer, Mark’n’Simon, Eva-Katrin Hermann, Bernhard Fleischmann, Tomi Babic
Genre: Komödie, Science Fiction
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Bruno ist und war schon immer anders. Sobald er eine Entscheidung fällen muss, bricht die Welt für ihn zusammen. Durch einen Unfall bekommt er eine Stahlplatte in den Schädel gesetzt, die sich somit zu einer anderen Eigenart Brunos gesellt: sein linker, überdimensionaler Zehennagel. Eines Tages trifft Bruno die sympathische Emma, die ihm dabei hilft, seine Probleme zu bewältigen. Doch es dauert nicht lange und durch Emma kommt ein neues Problem auf ihn zu, denn seltsame Dinge gehen plötzlich …

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Also, ich muss schon sagen, je mehr Filme ich vom Spionjak-Dreiergespann sehe (bis jetzt „Caedes- Die Lichtung des Todes“ und „Zwischen den Linien“), desto mehr steigen sie in meiner Hochachtung. Mit „Mein großer linker Zeh“ haben sie nun auch noch neben Horror- und Mystery das Genre Science Fiction-Komödie abgedeckt. Und das ist so hervorragend gelungen, dass ich ich meine Begeisterung schwer zügeln kann. Da stimmt so ziemlich alles, was ein guter Film braucht.
Regisseur Slavko Spionjak liefert zusammen mit seiner Frau Rita-Fichtl-Spionjak, die das gefühlvolle und absolut amüsante Drehbuch schrieb, und seiner Schwester Slavica Spionjak, zuständig für Schnitt, Effekte etc., einen bayrischen „Heimatfilm“ der anderen und vor allem besonderen Art ab. Das geht schon mit dem überaus sympathischen und charismatischen Gregory B. Waldis an, der herrlich den abgedrehten Charakter des Bruno darstellt. Aber auch die anderen Schauspieler sind allesamt glaubwürdig und absolut gut gelaunt.

Wie schon im erwähnten „Caedes – Die Lichtung des Todes“ stimmt auch in dieser Produktion wieder der trockene, bayrische Humor absolut. Das macht einfach ganz großen Spaß. An keiner Stelle driftet der Film in lächerlichen und manchmal peinlichen Klamauk ab, wie das so oft bei deutschen Produktionen der Fall ist. „Mein großer linker Zeh“ erinnert an die besten Zeiten der deutschen Komödien-Serien wie „Münchner Geschichten“ oder „Der ganz normale Wahnsinn“.
Die Mischung aus (sympathisch netter bayrischer) Komödie und einem Science Fiction-Plot ist hervorragend gelungen und die wenigen Effekte können sich sehen lassen. In diesem Film steckt Herzblut und das sieht man in jeder Minute.
Die Spezialeffekte sind auf sehr hohem Niveau und werden nur sehr sparsam eingesetzt, was erfreulicherweise zur Folge hat, dass nicht sie, sondern die Schauspieler die Träger des Films sind.

Lustig, nachdenklich, spannend und manchmal auch melancholisch. Kreativer und mit genialen Schnitten und „Effekten“ kann man die Welt eines Autisten fast nicht darstellen. Das ist erfrischend, wenn man sich die heute oft lieblos heruntergekurbelten Komödien ohne tiefen Sinn ansieht. Handwerklich perfekt unterhält „Mein großer linker Zeh“ auf ganzer Linie und ist zusätzlich noch eine Hommage an die wunderschöne Stadt Wasserburg am Inn.

Wer einen sympathischen, lustigen, spannenden Film aus Deutschland sehen will, der sich weitab vom Mainstream befindet und mit innovativen Ideen aufwarten kann, kommt um „Mein großer linker Zeh“ nicht herum. Ich für meine Person bin auf jeden Fall süchtig nach den Spionjaks … 🙂

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Fazit: Handwerklich, schauspielerisch und handlungstechnisch perfekte Science Fiction-Komödie mit Herz und Hirn. Ein Geheimtip, der so ziemlich alle deutschen Komödien, die ich kenne, weit hinter sich lässt. Fack ju Mainstreem …

© 2015 Wolfgang Brunner

Zwischen den Linien (2014)

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Originaltitel: Zwischen den Linien
Internationaler Titel: Between The Lines
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak
Kamera: Nic Mussel
Musik: Trevor Coleman
Laufzeit: 43 Minuten
Darsteller: Tobias Licht, Burak Akkoyun
Genre: Drama, Mystery, Krieg
Produktionsland: Deutschland
FSK: —

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Zwei Soldaten wachen in einem Raum auf. Einer von ihnen ist Christ, der andere Mohammedaner. Beide sind an Händen und Füßen angekettet und gehen gemeinsam der Frage nach, wie sie in diesen Raum gekommen sind …

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Slavko Spionjaks preisgekrönter Kurzfilm fängt an wie „Saw“ und endet wie eine Folge der Mystery-Serie „Twin Peaks“. Und dazwischen liegt ein ambitioniertes Stück voller Kritik an der Menschheit und Kriegsbewältigung a la „Birdy“.
Spionjak ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das durchaus die doppelte Länge haben könnte, so gewaltig ist die Sogkraft, die hinter der Geschichte steckt. Was der Regisseur in eine Dreiviertelstunde verpackt hat, ist enorm. Tobias Licht und Burak Akkoyun liefern eine grandiose Zweimann-Show ab, die sich auf beeindruckende Weise ins Gedächtnis brennt.
„Zwischen den Linien“ lässt sich schwer in Worte fassen. Und, wie oben bereits erwähnt, komme ich nicht umhin, immer wieder Vergleiche mit „Twin Peaks“ zu ziehen. Denn genau diese Art von Mystery-Touch hat Spionjak in seine Parabel über Krieg und unterschiedliche Religionen und Weltanschauungen geschickt eingebaut.

Es ist eine wahre Freude, den beiden Protagonisten zuzusehen, wie sie sich gegenseitig beleidigen, die Lebensart des anderen schlecht machen und dabei ganz aus den Augen verlieren, dass sie letztendlich beide an das Gleiche glauben. Darstellerisch hat mich Burak Akkoyun sogar noch ein klein wenig mehr begeistert als Tobias Licht, aber im Grunde genommen leisten beide hervorragende Arbeit. Nic Mussels Kameraführung und seine oftmals künstlerisch wirkenden Einstellungen machen den Kurzfilm zu einem visuellen Augenschmaus, der durch die hervorragende Musik Trevor Colemans noch zusätzlich unterstrichen wird.

Die Emotionen, die dieser Kurzfilm hervorruft, gehen über Wut, Ungerechtigkeit, Hilflosigkeit, Angst bis hin zu Hoffnung. Wie aus einer fanatischen Rivalität zweier Kriegsgegner fast schon Freundschaft wird, ist unglaublich intensiv und vor allem glaubhaft dargestellt. Ich bin so begeistert von „Zwischen den Linien“, dass ich ihn sofort wieder ansehen könnte. 😉
Das Trio Slavko, Slavica Spionjak und Rita Fichtl-Spionjak hat einen wirklich beeindruckenden Film erschaffen, der handwerklich perfekt ist und zu Recht internationale Preise eingeheimst hat. Wer mit solchen Ambitionen und handwerklichem Können Filme macht, verdient eindeutig mehr Aufmerksamkeit.

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Fazit: Beeindruckendes Kriegs-Antikriegs-Mystery-Drama, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. Großes Kino mit kleinem Geld gemacht. Mehr davon!

© 2015 Wolfgang Brunner