Top Of The Lake (2013)

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Originaltitel: Top Of The Lake
Regie: Jane Campion, Garth Davis
Drehbuch: Jane Campion, Gerard Lee
Kamera: Adam Arkapaw
Musik: Mark Bradsahaw
Laufzeit: 6 Folgen á 60 Minuten
Darsteller: Elisabeth Moss, Peter Mullan, David Wenham, Thomas M. Wright, Holly Hunter, Sarah Valentine, Jay Ryan, Jacqueline Joe
Genre: Thriller, Krimi, Serie
Produktionsland: Australien, Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich
FSK: ab 16 Jahre

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Tui Mitcham ist 12 Jahre alt und wollte anscheinend im eiskalten Bergsee eines neuseeländischen Provinzstädtchens Selbstmord begehen. Robin Griffin, eine junge Kommissarin, soll den Fall aufklären. Sie ist auf den Umgang mit misshandelten Kindern spezialisiert und dringt immer tiefer in ein Netz aus Intrigen und Lügen ein, die sich um Tui verbreiten. Es stellt sich heraus, dass Tui im fünften Monat schwanger ist. Als das Mädchen plötzlich verschwindet, begibt sich Robin auf eine gefährliche Suche, bei der sie sich auf einmal auch noch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert sieht.

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Eine Serie, die von Jane Campion konzipiert wurde, musste ich natürlich sehen. Nicht nur ihr wunderbarer Film „Das Piano“ hat mich von ihren Qualitäten, gute Geschichten mit wunderschönen Bildern zu erzählen, überzeugt. Unter anderem hat mich auch der zuvor gedrehte „Ein Engel an meiner Tafel“ wie auch der Folgefilm „Portrait Of A Lady“ mehr als fasziniert. Und nun also eine Serie …
Ich mache es kurz: Ich wurde nicht enttäuscht und bekam genau das, was ich erwartet hatte. Und sogar noch ein wenig mehr. Wie nicht anders zu erwarten, lebt der Film schon einmal von den wunderbaren Naturaufnahmen, die sich durch sämtliche Folgen ziehen. Aber nicht nur! Campion hat ein Schauspiel-Ensemble um sich und Co-Regisseur Garth Davis versammelt, das es in sich hat. Elisabeth Moss ist in ihrer Rolle als kühle, manchmal eigenartige Ermittlerin bestimmt nicht jedermanns Sache, aber eines muss man ihr lassen: Sie geht in ihrer Rolle auf und verkörpert den ihr zugeschriebenen Charakter unumstößlich perfekt. Man spürt den gebrochenen Menschen, der hinter der harten, nach außen hin gezeigten Hülle steckt. Moss stellt diese Zweideutigkeit einer starken, selbstbewussten und gleichzeitig verletzlichen, ängstlichen Frau unglaublich überzeugend und emotional glaubwürdig dar. Dazu gesellt sich ein Mann, dessen Schauspielerei ich bereits seit Jahren verehre: Peter Mullan. Er verkörpert in dieser Serie einen derart hassenswerten (aber in manchen Szenen auch liebenswürdigen und bemitleidenswerten) Macho, dem man im wahren Leben nicht begegnen möchte. Mullans Agieren trifft einen oftmals wie ein Schlag in die Magengrube und man möchte aufspringen, in den Bildschirm greifen und ihm mitten ins Gesicht schlagen. Und trotzdem schafft Mullan die Gratwanderung, auch positive Emotionen im Zuschauer aufzuwecken. Das ist grandios.
David Wenham als Polizist vermag ebenfalls zu überzeugen und den Zuschauer um den Finger zu wickeln, genauso wie Jacqueline Joe in der Rolle als 12jährige Tui.
Da geht Holly Hunter und die anderen Darsteller fast schon unter, obwohl auch sie auf höchstem Niveau agieren. Schauspielerisch macht die Mini-Serie unheimlich Spaß.

Mark Bardsahaws Musik ist einfach himmlisch und passt so hervorragend zu den teils melancholischen, deprimierenden Bildern, das es fast schon unheimlich ist. Dadurch kommt eine unglaublich dichte Atmosphäre auf, der man sich schwer entziehen kann und die sich erstaunlicherweise durch die komplette Serie zieht. Man fühlt sich manchmal tatsächlich an die Kultserie „Twin Peaks“ erinnert. In der dritten Episode kommt während einer Drogenszene, in der die Protagonisten im Rausch halluzinieren, eine Überraschung für alle Fans der deutschen Elektronikband Tangerine Dream. Die Bilder werden perfekt untermalt von ihrem Song „“Mysterious Semblance At the Strand of Nightmares“ aus dem Album „Phaedra“. Dieses Stück passt so hervorragend zu der Szene, dass ich auch hier eine Gänsehaut bekam.

Die Aussichtslosigkeit, die diese Serie oftmals vermittelt, ist manchmal schwer zu ertragen, obwohl sie immer wieder mit Hoffnung durchtränkt ist. Der daraus entstehende Mix ist hypnotisch und einmalig. Eine Serie, die mit dem hohen Niveau eines Kinofilmes auf jeden Fall mithalten kann. Und, wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, ist sogar eine zweite Staffel geplant. Mir wär’s recht! 🙂

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Fazit: Niveauvoll, mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen, einem genialen Plot und unglaublich guten Schauspielern ist „Top Of The Lake“ ein Muss für mystisch angehauchte Krimi- und Serienfans.

© 2016 Wolfgang Brunner

Scream At The Devil (2015)

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Originaltitel: Scream At The Devil
Regie: Joseph P. Stachura
Drehbuch: Joseph P. Stachura
Kamera: David Doko
Musik: Tim Borquez
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Shari Shattuck, Eric Etebari, Jane Park Smith, Tony Todd, Kiko Ellsworth, Bill Oberst Jr., Jennifer Lyons, Amy Argyle, Corina Boettger
Genre: Mystery, Thriller, Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Mirium leidet unter Schizophrenie und zieht sich aufgrund einer Affäre ihres Mannes mit einer jüngeren Frau in ihre eigene Traumwelt zurück. Sie reist alleine nach Venedig, wo sie in einer alten Basilika dem Teufel begegnet. Mirium will nach ihrer Rückkehr einen Neuanfang mit ihrem Ehemann wagen. Doch schon bald wird sie von schrecklichen Visionen geplagt und als dann plötzlich ihr Mann spurlos verschwindet, beginnt sie an ihrem Verstand zu zweifeln. Steckt der Teufel hinter dem Ganzen?

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Ich hatte mir aufgrund des Covers etwas völlig anderes vorgestellt. Wer einen Horror-Grusel-Schocker erwartet, wird von diesem Psychodrama mit Horrortouch eher enttäuscht und vor allem gelangweilt sein. Schon der Beginn lässt erahnen, dass man kein Mainstream-Produkt sondern eher einen „Kunstfilm“ serviert bekommt. Man fühlt sich irgendwie sofort an Nicholas Roegs „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ erinnert, wenn man die Protagonistin durch das Venedig und seine Kirchen begleitet. Aber „Scream At The Devil“ ist kein Abklatsch, sondern astreiner Psychohorror auf relativ hohem Niveau.  Aufgrund der ziemlich schlechten Synchronisation (was sehr schade ist, weil sie der wirklich guten Atmosphäre des Filmes schadet) sollte man sich der englischsprachigen Originalversion widmen. Da kommt dann eindeutig die vom Regisseur beabsichtigte, deprimierende Stimmung auf.
Genauso wie das irreführende Cover wird auch die FSK 18-Freigabe das falsche Publikum auf den Plan rufen.

Regisseur Joseph P. Stachura beherrscht sein Handwerk und nimmt den Zuschauer auf eine Reise von der Wirklichkeit in eine schizophrene Halluzinationswelt mit, die sich ab der Mitte des Films immer mehr steigert. Es ist schon beachtlich, wie Hauptdarstellerin Shari Shattuck (am ehesten noch bekannt durch ihre Rolle als Liles  in „Auf brennendem Eis“) diese Entwicklung schauspielerisch meistert. Auch wenn sie an manchen Stellen leicht amateurhaft wirkt, so zeigt sie durchaus glaubhaft, wie sich ihre Psyche immer mehr ändert und sie Realität und Einbildung nicht mehr unterscheiden kann. Das macht durchaus Spaß und lässt einen die Zeit vergessen.
Ich würde „Scream At The Devil“ wirklich eher als experimentierfreudiges Kammerspiel a la Nicholas Roeg betrachten, wobei Joseph P. Stachuras dritter Langfilm dem Vorbild nicht das Wasser reichen kann. Aber nichtsdestotrotz ist ihm eine überzeugende Charakterstudie gelungen, die aus meiner Sicht hervorragend unterhält.

Besonders zu erwähnen sind die Stilmittel, mit denen uns Regisseur Stachura und Schauspielerin Shattuck in ihren verwirrenden Alptraum entführen. Ungewohnte Kameraeinstellungen, gepaart mit schräger Musik und teils schnellen Schnitten dürften nicht jedem Zuschauer gefallen. Hinzu kommt die eher schleppend wirkende Handlung, die sich einem nur erschließt, wenn man sich auf die Bilder und die Entwicklung der Geschichte einlässt beziehungsweise einlassen kann.
Die Story wirkt anfangs sehr undurchsichtig und nicht nachvollziehbar. Hält man durch, wird alles ein wenig greifbarer und die wirren Puzzlestücke setzen sich immer mehr zu einem Gesamtbild zusammen. Wie gesagt, „Scream At The Devil“ ist alles andere als Mainstream und bewegt sich weitab von den gängigen Grusel-Horror-Schockern, mit denen das Cover eine Gemeinsamkeit suggerieren will.
Wer Lust auf Neues im Genre verspürt und Spaß an einer komplizierten Geschichte über die Gedanken einer schizophrenen Frau hat, wird sich wie ich gut unterhalten. Leute, die sich nicht wirklich für das Medium Film als Kunstausdruck interessieren, sei abgeraten.

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Fazit: Experimentiell wirkendes Psychodrama mit Horroreinschlägen, das wohl den gängigen Mainstream-Zuschauer zutiefst verstören und vor allem verärgern wird. Wer Film auch als Kunst sehen mag, wird schon eher begeistert sein.

© 2016 Wolfgang Brunner

Intruders (2014)

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Originaltitel: Intruders
Regie: Eduardo Sánchez, Daniel Stamm
Drehbuch: Glen Morgan (Creator), Michael Marshall Smith, Kristen Cloke, Darin Morgan
nach dem gleichnamigen Roman von Michael Marshall Smith
Kamera: Philip Linzey
Musik: Bear McCreary
Laufzeit: 336 Minuten (8 x 42 Minuten)
Darsteller: John Simm, Mira Sorvino, James Frain, Millie Bobby Brown, Tory Kittles, Sonya Salomaa, Daryl Shuttleworth, Andrew Airlie, Karin Konoval
Genre: Mystery, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Der Geheimbund Qui Reverti existiert seit Jahrhunderten. Seine Mitglieder erlangen durch mysteriöse Handlungen ewiges Leben, in dem sie verstorbene Seelen in die Körper lebender Menschen schlüpfen lassen. Ex-Polizist Jack Whelan macht erste Erfahrungen mit dieser Sekte, als seine Frau anscheinend besessen ist. Und während er dem Fall nachgeht, stößt er auf ein neunjähriges Mädchen, in dem sich der Geist eines Mörders eingenistet hat.

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Eine Mystery-Serie von Akte X-Miterschaffer Glen Morgan? Musste ich natürlich als Akte X-Fan sehen. 😉
Der Einstieg schafft es mühelos, den Zuschauer extrem neugierig zu machen. Vollkommen undurchsichtig ist das Ganze und man ist bemüht, dem Plot zu folgen. Vergebens! Wer hier frustriert aufgibt, weil er keinerlei Sinn erkennen kann, ist selbst schuld, denn die Geschichte entwickelt sich zu einem enorm gut durchdachten Mystery-Spiel um Leben, Tod und Reinkarnation. Geschickt wird der Zuschauer immer mehr in das verworrene Geflecht um einen Geheimbund integriert,  bis er letztendlich versteht, um was es geht. Wiedergeburt und Seelenwanderung sind das zentrale Thema der Mini-Serie, die mit sehr guten Darstellern aufwarten kann. Und der uralte Traum der Menschheit, das ewige Leben, kommt ins Spiel.
„Intruders“ ist eine Serie für Menschen, die genau hinsehen. Man kann dem Plot nicht folgen, wenn man nebenbei andere Dinge macht. Und genau dieses Problem stand wahrscheinlich im Weg, damit eine zweite Staffel das Licht erblicken konnte. Für oberflächliches Anschauen eignet sich der mystische Ausflug auf keinen Fall.

Neben Mira Sorvino als Ehefrau  glänzt John Simm in seiner Rolle als besorgter und neugieriger Ehemann. Aber den absoluten Knaller in der Besetzungsliste stellt Millie Bobby Brown dar. Das ist unglaublich, wie perfekt sie ein naives kleines Mädchen spielt und in der nächsten Sekunde einen erwachsenen Mann, der in ihr steckt. Ich konnte es kaum abwarten, bis dieses talentierte Mädchen ihren nächsten Auftritt hatte. Ihre Performance lässt einen unweigerlich denken (und hoffen), dass man von noch einiges von Millie Bobby Brown hören wird.

Routiniert wurden die Folgen von den Regisseuren Eduardo Sánchez und Daniel Stamm in Szene gesetzt. Mal spannend, mal etwas ruhiger, gerät man immer tiefer in die Geheimnisse des Geheimbunds Qui Reverti und beginnt dabei so manche Zusammenhänge zu verstehen. „Intruders“ mutet in einigen Punkten manchmal sogar philosophisch an, was sich (zumindest bei mir) vor allem darin äußert, dass man nach dem Ende der Serie noch weiter über einige Punkte nachdenkt. Trau keinem, denn in jedem Menschen stecken zwei Seelen – eine, die man kennt und eine andere unbekannte. Mit diesem Satz lässt sich das Grundprinzip der Miniserie auf den Punkt bringen. Schade, dass die Einschaltquoten nicht dafür sorgen konnten, dass der überaus interessante Plot weitergeführt werden konnte. Was aber nicht heißt, dass das Ende nicht zufriedenstellend wäre. „Intruders“ kann als Mini-Serie überzeugen, hätte die Möglichkeit für eine Fortführung zwar geboten, schließt aber die Handlung so ab, dass man als Zuschauer damit leben kann.

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Fazit: Für Freunde gepflegter und vor allem intelligenter Mystery-Serien dürfte „Intruders“ genau das Richtige sein.

© 2016 Wolfgang Brunner

Twin Peaks (1990 – 1991)

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Originaltitel: Twin Peaks
Regie: David Lynch, Duwayne Dunham, Tina Rathbourne, Tim Hunter, Lesli Linka Glatter, Caleb Deschanel, Todd Holland, Graeme Clifford, Uli Edel, Diane Keaton, James Foley, Jonathan Sanger, Stephen Gyllenhaal
Drehbuch: Mark Frost, David Lynch, Robert Engels, Harley Peyton, Jerry Stahl, Barry Pullman, Scott Frost, Tricia Brock
Kamera: Frank Byers (Chefkameramann)
Musik: Angelo Badalamenti
Laufzeit: 1448 Minuten
Darsteller: Kyle MacLachlan, Michael Ontkean, Joan Chen, Piper Laurie, Jack Nance, Ray Wise, Dana Ashbrook, Everet McGill, James Marshall, Richard Beymer, Sherilyn Fenn, Lara Flynn Boyle, Sheryl Lee, Madchen Amick, Warren Frost, Peggy Lipton, Kimmy Robertson, David Lynch, Don S. Davis, Miguel Ferrer, Harry Goaz, Wendy Robie, Eric DaRe, Russ Tamblyn, Michael Horse, Margaret Lanterman, David Duchovny
Genre: Mystery, Serie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Laura Palmer wird ermordet und in eine Plastikplane eingehüllt aufgefunden. Agent Dale Cooper übernimmt den Fall und macht sich gemeinsam mit Sheriff Truman und seiner Crew auf die Suche nach dem Mörder. Schon bald stellt sich heraus, dass jeder in Twin Peaks mit Laura in Verbindung stand und ihr Tod mysteriöser ist, als anfangs angenommen.

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Nun habe ich David Lynchs Kultserie „Twin Peaks“ bereits zum vierten Mal gesehen und muss sagen: Sie hat nach wie vor nichts von ihren Reizen verloren. Wenngleich manche Dinge mittlerweile veraltet wirken, so hinterlässt die Serie eine unglaublich intensive und nachhaltige Spur im Gedächtnis des Zusehers. Man weiß gar nicht genau, wo man mit seiner Begeisterung ansetzen soll.

Erster Punkt, der eindeutig den Kultstatus der Serie unterstützt, ist die wahnsinnig gute, ausgefallene und elegische Musik von Angelo Badalamenti, der ja David Lynch erprobt ist. Ich kann gar nicht sagen, an wie vielen Tagen der letzten Jahre (oder gar Jahrzehnte?) mir zum Beispiel sein „Laura’s Theme“ oder eben die Titelmelodie im Gedächtnis rumspukt. Alleine das ist ist schon ein Phänomen, das bis jetzt keine Serie (und auch fast kein Film) geschafft hat.

Der zweite Punkt ist natürlich der Plot, der Mystery, Krimi und so ziemlich alle anderen Genre wild durcheinandermischt und dadurch schon keine Langeweile aufkommen lässt. David Lynchs Handschrift ist unverkennbar und alleine schon seine verrückten, aber dennoch liebenswerten Charakterzeichnungen sind der Hammer. „Twin Peaks“ hat meiner Meinung nach das Serienimage revolutioniert und übernahm eine Vorbildfunktion für viele nachkommende Serien. Noch immer kriege ich viele Szenen und Einstellungen nicht aus dem Kopf und das wird auch so bleiben.
Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper hätte besser nicht ausgewählt werden können. Seine exzentrische und sehr liebenswerte Art wird von MacLachlan dermaßen überzeugend dargestellt, dass es fast schon unheimlich ist. Man schließt diesen Mann schon sehr schnell in sein Herz. Genauso wie den Sheriff, Andy und Lucy und und und … Die Schauspieler wurden hervorragend ausgewählt und verleihen ihrem Charakter ein Gesicht und eine Ausstrahlung, die man nicht so schnell vergisst.
Sicherlich gibt es die ein oder andere Stelle (oder auch Folge), die nicht so herausragend ist, dass sie für den Gesamteindruck maßgeblich wichtig wäre, aber insgesamt wird der Zuschauer auf höchstem Niveau unterhalten.

Immer wenn die Serie in den Mystery-Bereich abdriftet, kann ich meine Begeisterung auch noch heute nach mehrmaligem Sehen, nicht kontrollieren. 😉
Es ist unglaublich, welche Gedanken in diesem Plot stecken. Unzählige offene Fragen werden anscheinend gelöst, verlaufen im Sande, kommen wieder zu Tage und man meint, alles zu verstehen, bis man sich eingestehen muss, doch nichts zu verstehen. Oder doch …?
David Lynch kann diese Rätsel und Verwirrspiele einfach und mit Hilfe von Drehbuchautor Mark Frost gelang ihm mit „Twin Peaks“ ein unvergleichliches Phänomen. Eine einzigartige Atmosphäre legt sich über die gesamten Staffeln und brennt sich ins Gedächtnis ein. „Twin Peaks“ ist die einzige Serie, die mich noch heute, nach über zwanzig Jahren, beschäftigt. Denn obwohl am Ende eine Lösung angeboten wird, ist das Mystische einfach zu komplex, um verstanden werden zu können. Fernsehen zum Nachdenken, zum sich beschäftigen und nicht nur zum schlichten, gedankenlosen Konsumieren – das ist „Twin Peaks“.
Der Zwerg, der Riese, Bob, Laura, Dr. Jacoby, der Einarmige, die Wälder … Wahnsinn, in welch einen Sog uns David Lynch da entführt und hinter die Kulissen einer Kleinstadtidylle sehen lässt, wo nichts ist wie es scheint. Und dann kommt auch noch ein mystisches, unheimliches Ereignis dazwischen, das alles auf den Kopf stellt.

So etwas wie „Twin Peaks“ wird es, zumindest in dieser Art, nicht mehr geben. Lynch hatte hier die Möglichkeit, eine seiner bizarren Geschichten endlich einmal ausufernd erzählen zu dürfen. Dennoch schafft er es wieder, den Zuschauer ratlos und nachdenkend zurückzulassen. Wie oft bin ich in Gedanken in dem roten Raum und höre die unheimlichen, rückwärts gesprochenen Worte des Zwerges? Wie oft sehe ich Cooper verletzt am Boden seines Hotelzimmers liegen und mit dem alten, gebrechlichen Butler sprechen? Wie oft sehe ich Laura lachen? Wie oft sehe ich die sich im Wind beugenden Wälder in der Morgen- oder Abenddämmerung?
„Twin Peaks“ ist Teil meines Filmlebens geworden und hat somit das Siegel „Kult“ für mich absolut verdient.

Und wenn man den derzeitigen Gerüchten Glauben schenken kann, erfüllt David Lynch den Wunsch seiner Fans, den diese bereits nach der letzten Folge der Serie geäußert haben: eine Rückkehr nach Twin Peaks.

Ach ja: „Verdammt guter Kaffee!“ und „Die Eulen sind nicht was sie scheinen“. 🙂

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Fazit: Kult, Kult, Kult! Die Mutter aller Kultserien! David Lynch vermischt Genre und spielt mit dem Zuschauer Rätselraten wie in seinen Kinofilmen. Mystery, wie es besser nicht sein kann.

© 2015 Wolfgang Brunner

Nature – Season 1 (2015)

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Originaltitel: Nature – Season 1
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose
Kamera: Max Evans, Andre Koock, Timo Rose, Maximilian Schmidt, Ned Weisman
Musik: Myra
Laufzeit: 8 x 20 Minuten
Darsteller: Max Evans, Andre Koock, Thomas Binder, Kai E. Bogatzki, Franziska Karbstein, Nina Fischer, Tara Cardinal, Marcel Ceniti, Damien Colletti, Rob Ho, Mike Mendez, Jennifer Lim, Ari Lehman, Ryan Nicholson
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahre

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Steve Chandon glaubt fest daran, dass er in den Wäldern eine Kreatur findet, die von vielen als Bigfoot bezeichnet wird. Er ist besessen davon, dieses Wesen zu finden und macht sich mit Kameras und Survival-Ausrüstung auf den Weg, um die Existenz dieser Kreatur zu beweisen. Dabei hält er über seinen Blog Kontakt mit der Außenwelt und berichtet über jede seiner Entdeckungen.

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Wer Tim Roses Filme kennt, denkt jetzt bestimmt, dass er mit seiner Mini-Serie „Nature“ ein Found Footage Splatter-Werk vorlegt. Aber weit gefehlt! Rose schlägt hier einen völlig anderen Weg als bei seinen meisten Filmen ein und das tut „Nature“ außerordentlich gut.
Es ist die ruhige Inszenierung, die einen von der ersten Folge an in seinen Bann zieht. Wunderschöne Naturaufnahmen und fast schon elegische Einstellungen wechseln sich mit Found Footage-Bildern ab, die sich aber vom Wackelfaktor erfreulicherweise in Grenzen halten und wirklich nicht nerven. Bevor ich aber zu Story und Schauspieler Max Evans komme, muss ich etwas über den Vorspann der Serie loswerden:
Kai E. Bogatzki, der sich auch für einige Vorspanne von Regisseur Marcel Walz verantwortlich zeigt, hat hier eine hammermäßige Arbeit geleistet. Das ist einfach phänomenal, wie Schriften, Bilder und Musikuntermalung da schnitttechnisch zu einem Vorspann zusammengeführt wurden, der mich an die geniale Eingangssequenz von „Six Feet Under“ erinnert. Hier kann ich meine Begeisterung echt schwer im Zaum halten, so gut finde ich diese Komposition aus Schnitt, Bild, Schrift und Musik. Bogatzki beherrscht Filmschnitt. Das ist auch in allen Folgen zu sehen und zu bewundern.
Und die Musik von Myra ist ebenfalls genial, allen voran aber das Titelthema, das packt und an das Main Theme der obengenannten Serie „Six Feet Under“ und das „Akte X“-Intro erinnert.  Großartige Arbeit.

„Nature“ lebt zum einen von den wirklich wunderschönen Naturaufnahmen und zum anderen von der überzeugenden und realistischen Darstellung des Steve Chandon, dem Schauspieler Max Evans einen glaubhaften Charakter verleiht. Als geschickten Schachzug empfinde ich, dass die Bigfoot-Thematik in einen Found Footage Film eingebaut wurde. Anfangs dümpelt die Story ruhig dahin, was für einige bestimmt äußerst langweilig wirkt. Ich empfand aber diese „Eingewöhnungs“-Folgen als sehr stimmig und realistisch. Man lernt den Protagonisten und sein Vorhaben kennen, begleitet ihn bei der Suche nach der Kreatur und wartet, ebenfalls wie er, dass etwas passiert. Ich fand das sehr angenehm und auf gewisse Art und Weise spannender als Actionszenen.
Max Evans überzeugt auf ganzer Linie, wenn er sich im Verlauf der Serie immer mehr von einem besessenen, aber netten Mann, in ein unsympathisches „Ar§§§loch“ verwandelt. Niemals wirkt seine Darstellung überspitzt, sondern eher wie eine Einmann-Show, die Evans in jeder Folge fest im Griff hat.

Der Spannungsbogen wird souverän von Timo Rose Folge für Folge aufgebaut und findet in den letzten beiden Episoden eine wirklich unerwartete Wendung, die enorm Spaß macht.
Timo Rose und sein Team bringen in den Found Footage-Bereich frischen Wind: Zum einen, weil sie die erste Serie in diesem Stil überhaupt auf die Beine gestellt haben und zum anderen, weil sie dieses Stilmittel nicht bis zum Erbrechen ausreizen, sondern auch unwackelige Stativaufnahmen verwenden. Diese Mischung macht „Nature“ zu etwas Besonderem und Erfrischendem in diesem Bereich.
Während der ganzen Season merkt man, dass Regisseur, Cutter, Schauspieler und das weitere Team unglaublichen Spaß an dieser Produktion hatten und perfekt miteinander harmonierten.
Man merkt, dass Season 1 aufhört, als könnte es das Ende sein, aber es könnte durchaus auch weitergehen. Ein Schritt, denn die Macher wahrscheinlich deswegen in dieser Art machten, um erst einmal zu sehen, wie die Serie beim Publikum ankommt. Ich für meinen Teil möchte eine zweite und dritte Staffel (wie von den Machern geplant) jetzt sofort!!! 😉

Wer die erste Staffel haben möchte, findet sie zum Beispiel auf Amazon —> KLICK MICH!

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Fazit: Realistisch und optisch wunderbar inszenierte Jagd auf den legendären Bigfoot. Charakterstudie und Found Footage-Mystery-Horror in einem, kann „Nature“ vor allem durch seine vorwiegend ruhige, aber nicht minder spannende, Inszenierung überzeugen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Party Invaders (2013)

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Originaltitel: +1
Alternativtitel: Plus One
Regie: Dennis Iliadis
Drehbuch: Bill Gullo
Kamera: Mihai Mălaimare, Jr.
Musik: Nathan Larson
Laufzeit: 96 Minuten
Darsteller: Rhys Wakefield, Ashley Hinshaw, Natalie Hall, Rhoda Griffis, Logan Miller, Marla Malcolm, Megan Hayes, Colleen Dangel, Suzanne Dangel
Genre: Science Fiction, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Die größte College-Party der Stadt steigt und David und Teddy wollen natürlich dabei sein. David will aber in erster Linie seine Freundin Jill für sich zurückgewinnen, während Teddy darauf aus ist, endlich eine richtige Frau kennenzulernen. Während die Party von einem Höhepunkt zum nächsten kommt, schlägt in der Nähe des Geländes ein Meteorit ein. Und plötzlich hat jeder Gast im Haus einen Doppelgänger …

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Was als „normaler“ Teenie-College-Party-Film beginnt, entwickelt sich zu einem außergewöhnlichen Zeitschleife-Science Fiction-Horror-Trip. „Party Invaders“, der im Original den weitaus besseren Titel „+ 1“ trägt, ist ganz klar ein Ausnahmefilm in Sachen Zeitschleife. Sehr originell und, wenngleich oftmals unlogisch, wird hier eine Idee entwickelt, die durchgehend Spaß macht.

Die Zeit, bis die Protagonisten ihren Doppelgängern begegnen, ist durchaus unterhaltsam inszeniert und niemals langweilig. Die Liebesgeschichte, die sich eher im Hintergrund hält und nur als Lückenfüller dient, kann nicht so ganz überzeugen. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn die Versuche des Hauptdarstellers, seine große Liebe, die er durch einen Fehltritt verloren hat, wieder zurückzugewinnen, ist dennoch in den meisten Momenten nachvollziehbar und auch glaubwürdig. Hauptdarsteller sind allerdings die Doppelgänger beziehunsgweise ihr regelmäßiges Auftauchen mittels einer Zeitschleife. Diese Umsetzung ist reizvoll und witzig, so dass, obwohl „Party Invaders“ zwar nicht der große Wurf ist, er aber dennoch unglaublich Spaß macht.

Die Darsteller sind durchwegs talentiert und machen ihre Sache wirklich gut. Aufgefallen sind mir die Zwillinge Colleen und Suzanne Dangel in ihren Rollen als Allison und deren Doppelgängerin. Den beiden zuzusehen hat so richtig Spaß gemacht. Colleen Dangel erinnnerte mich oftmals an die allzeit deprimierte Claire Fisher (von Lauren Ambrose dargestellt) aus der hochgelobten Serie „Six Feet Under“.

Wie gesagt, „Party Invaders“ ist sicherlich kein Genre-Meisterwerk, aber einen Blick ist er allemal wert, denn die Umsetzung des Zeitschleifen-Paradoxons ist auf alle Fälle gelungen und besitzt guten Unterhaltungswert. Hinzu kommt der Genremix aus Liebes-, Science Fiction- und Horrorfilm, der uneingeschränkt funktioniert.

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Fazit: Erfrischender Zeitschleifen-Party-Science Fiction-Horror-Mix mit guten Jungschauspielern, der mit Spannung und Amüsement gekonnt die Waage hält. Kein Genre-Meisterwerk, aber defintiv einen Blick wert.

© 2015 Wolfgang Brunner

Extraterrestrial (2014)

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Originaltitel: Extraterrestrial
Regie: Colin Minihan / The Vicious Brothers
Drehbuch: The Vicious Brothers
Kamera: Samy Inayeh
Musik: Blitz//Berlin
Laufzeit: 106 Minuten
Darsteller: Brittany Allen, Freddie Stroma, Melanie Papalia, Jesse Moss, Anja Savcic, Gil Bellows, Michael Ironside, Sean Rogerson, Emily Perkins
Genre: Science Fiction, Horror, Mystery
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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April möchte mit ihren Freunden ein Wochenende im Ferienhaus ihrer Eltern verbringen. Doch schon in der ersten Nacht beobachten sie, wie ein Flugobjekt im Wald abstürzt. Als sie die Stelle untersuchen, entdecken sie, dass es sich dabei um ein UFO handelt. Die Freunde flüchten in das Haus zurück, wo sie aber bereits wenig später von den überlebenden Aliens angegriffen werden.

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Was wie ein einfacher Backwood-Slasher beginnt, entwickelt sich zu einem spannenden, aber manchmal nicht ganz ernst zu nehmenden Alien-Invasion-Schocker im Stil von „Akte X“. Vom Regisseurduo namens Vicious Brothers (hinter diesem Pseudonym verbergen sich Colin Minihan und Stuart Ortiz) selbst als Hommage an die Verschwörungstheorie-Serie bezeichnet, kann „Extraterrestrial“ diese Erwartungshaltung voll und ganz erfüllen. In der Tat fühlt man sich oft an „Akte X“ erinnert und genießt dieses Stimmung als Fan vollkommen.

Die beiden Regisseure hatten bereits die ersten beiden Teile von „Grave Encounters“ inszeniert, die zwar nicht unbedingt Meilensteine des Genres waren, aber dennoch einen wohltuenden Gruselfaktor besaßen. Mit „Extraterrestrial“ begeben sie sich allerdings in völlig andere Gefilde und sie tun das meiner Meinung nach sehr gut. Gerade weil die Geschichte mit einem leichten Augenzwinkern erzählt wird, macht sie unheimlich Spaß. Hinzu kommen die wirklich guten Jung-Schauspieler, die mir durch die Bank allesamt gefallen haben.

Wenig verstreut werden Found Footage-Wackelkameras eingesetzt, die aber in diesem Fall hervorragend in die Handlung passen und absolut nicht stören. Gegen Ende hin zeigt „Extraterrestrial“ sogar wirklich verstörende Bilder im Inneren des Raumschiffs, die sich eigentlich vom Mainstream entfernen und schon künstlerische Qualitäten zeigen.

„Unheimliche Begegnung der dritten Art“ mit bösen Aliens und eine wirklich liebevolle und atmosphärisch gelungene Hommage an die Kultserie „Akte X“ machen diesen Alienterror für mich zu einem wirklich sehenswerten Science Fiction-Horror-Slasher. Und ein paar wirklich gute Splatter-Effekte sind auch noch dabei … 😉

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Fazit: „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und „Akte X“ lassen grüssen. Gelungene Hommage an „Akte X“, die mit einem leichten Augenzwinkern eine spannende Alien-Entführungs- und Verschwörungstheoriegeschichte erzählt.

© 2015 Wolfgang Brunner