Interview mit dem Schauspieler Nikolai Will

favourite
© Simon Taal

 

Nikolai Will wurde 1981 im oberfränkischen Kulmbach geboren und nahm bereits mit 18 Jahren privaten Schauspielunterricht. Das weitere Leben Wills drehte sich weiterhin um Film. Zahlreiche Auszeichnungen, unzählige Nebenrollen in TV-Filmen,  -Serien und Kinoproduktionen, Kurzfilmen und Werbespots ebneten Will immer mehr den Weg. Aber auch Theaterrollen und Comedyparts kann der sympathische Franke übernehmen.
Film-Besprechungen freut sich, dass Nikolai Will Zeit gefunden hat, uns ein paar Fragen zu beantworten.

  1. Du wurdest 2015 vom Internetportal „Horrorfilmdarsteller“ zum Horrorfilmdarsteller des Jahres gekürt. Dazu möchte ich Dir erst einmal herzlich gratulieren. Was für ein Gefühl war der Erhalt dieser Auszeichnung für Dich?
    .
    Es ist vor allem eine tolle Promo für mich und sieht ja auch nicht schlecht in der Vita für mich aus, wobei es natürlich auch zu Wortspielereien und Scherzen reizt, so nach dem Motto: „Horrorfilmdarsteller 2015? Schlechtester Schauspieler des Jahres 2015 :-)?“ Aber ich habe mich natürlich sehr gebauchpinselt gefühlt, zumal tolle Kollegen mit mir im Wettbewerb waren.

  2. Nikolai Will beschränkt sich nicht auf ein Genre. Ob Komödie, Horror oder Drama. Du deckst alles grandios ab. Aber, mal ganz ehrlich, was davon machst Du am liebsten?
    .
    Komödien sind mir eigentlich am liebsten und ich halte das auch für meine grösste Stärke, wobei ich aber selbst bei meinen dramatischen Rollen versuche, immer etwas Komödiantisches einfliessen zu lassen, das Leben ist ja schliesslich auch nicht schwarzweiß, sondern hat ganz viele Schattierungen.
    .
  3. Wer sind Deine Vorbilder?
    .
    Das ändert sich immer wieder.Momentan bin ich total begeistert von Burkhart Klaußner, mit dem ich ja in „Der Staat gegen Fritz Bauer“ zwei Tage vor der Kamera stehen durfte. Ein ungemein wandelbarer Schauspieler und vielleicht der beste, den wir momentan in Deutschland haben. Man denke nur an seine Darstellungen in „Das weiße Band“, „Requiem“ und „Die fetten Jahre sind vorbei“! Ein grandioser Schauspieler. Verschlinge gerade seine Filme, denn ich lerne gerne von guten Kollegen! Und Javier Bardem ist ein grosser Favorit von mir. Einfach generell Schauspieler, die sehr wandelbar sind, haben es mir angetan. Auf jeden neuen Film von Jake Gyllenhall freue ich mich auch. Mein ganz, ganz grosses Vorbild P.S. Hoffmann ist ja leider viel, viel zu früh von uns gegangen :(.
    .
  4. Was macht Nikolai Will in seiner Freizeit. Welchen Hobbys gehst Du nach?
    .
    Mein Beruf ist mein Hobby. Ich verschlinge Filme, Bücher über Schauspieler und ansonsten treffe ich mich mit Freunden und versuche immer wieder, Sport zu einem Freund in meinem Leben zu machen ;).
    .
  5. Welche Rolle in welchem Remake wäre Dein absoluter Traum? Und warum?
    .
    Es gibt einen Film mit Christian Ulmen, „Einer wie Bruno“, in dem er einen geistig behinderten Vater spielt. Die Rolle hätte ich gerne statt Ulmen gespielt und es deutlich besser gemacht. Finde nämlich seine Darstellung darin misslungen und äusserlich.
    .
  6. In einigen Kurzfilmen zeigst Du ein beeindruckendes, dramatisches Talent, wie zum Beispiel in „Kleines Püppchen, Teddybär“ oder „Liebe“, um nur zwei zu nennen. Wie bereitest Du Dich auf solche Rollen vor?
    .
    Wichtig ist mir vor allem, mich viel mit dem Regisseur austauschen zu können über meine Rolle, desto besser spiele ich dann auch. Ich darf einfach keine Unklarheiten haben und muss alles über meine Rolle verstehen. Bei „Kleines Püppchen, Teddybär“, in dem ich einen Pädophilen verkörpert habe, habe mich mir ausserdem den hervorragenden Coach Nick Dong Sik für ein paar Stunden an meine Seite geholt und mit ihm den ganzen Text und meine Handlungen durchgearbeitet, ausserdem alle Filme geschaut, in denen es solche Charaktere gibt. Letztendlich sind es aber nur einzelne Gesten/Blicke, die ich dann daraus mitnehme und auf meine Art „übersetze“. Wichtig ist mir mit einer solchen Thematik verantwortungsvoll umzugehen.
    .
  7. Wie kamst Du zur Schauspielerei? Kannst Du einen Auslöser nennen?
    .
    Gespielt habe ich schon mit 4 oder 5 Jahren in irgendeiner Kirchengruppe. Spass gemacht hat mir sowas einfach immer und ich wollte auch immer in den Schultheatergruppen dabei sein. Der grosse Auslöser war schliesslich ein Zeitungsausschnitt vom „Theater Ensemble“ in Würzburg, das einen Workshop gegeben hat, um neue Talente für sein Theater zu finden. Und ab da habe ich Feuer gefangen und mir ist das erste Mal bewusst geworden, dass man dieses schöne Hobby auch zum Beruf machen kann.
    .
  8. Es gibt bestimmt eine Rolle, die Du ablehnen würdest. Welche wäre das?
    .
    Will das gar nicht so pauschalisieren, denn eigentlich würde ich so gut wie alles spielen. Es kommt einfach auf das Buch, die Umsetzung, die Kollegen und vor allem, in welchen Händen das Projekt liegt, an.
    .
  9. Wo siehst Du Dich in zehn Jahren beziehungsweise was ist Dein Ziel?
    .
    Ich hoffe dann ein etablierter Nebendarsteller im deutschen Film und Fernsehen zu sein, dass wäre mein Traum!
    .
  10. Was gibst Du jungen Menschen, die eine Schauspielerkarriere anstreben, mit auf den Weg?
    .
    Baut Euch noch ein zweites Standbein auf, wenn Ihr die Möglichkeit dazu habt. Denn finanziell ist der Beruf oft ziemlich hart!
    .
  11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?
    .
    Freunde, Familie, Gesundheit, Geld und mein Beruf (in wechselnder Reihenfolge ;)).
    .
    .
    .
    Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Dir alles erdenklich Gute für Deine Zukunft. Dass Du das Zeug dazu hast, hast Du schon mehrfach bewiesen. Wer mehr Informationen über Nikolai Will haben möchte, sollte sich auf seiner Homepage umsehen. Aktuelle Informationen findet man auch auf Nikolai Wills Facebook-Seite.
    .
    Von mir rezensierte Filme, in denen Nikolai Will mitspielt, sind hier zu finden:
    .
    Lovely Wolf (2012)
    Caedes – Die Lichtung des Todes (2015)
    Kleines Püppchen, Teddybär (2011)
    .
    .
    © 2015 Nikolai Will / Wolfgang Brunner

Lovely Wolf (2012)

filmplakat_lovely-wolf

Originaltitel: Lovely Wolf
Regie: Benjamin Bechtold
Drehbuch: Benjamin Bechtold
Kamera: Matthias Michel
Musik: Richard Bretschneider
Laufzeit: 26 Minuten
Darsteller: Franziska Lehmann, Christian Stock, Kira Primke, Nikolai Will, Monika Disse, Bernd Michael Straub, Louis Bernhardt, Jörg Germann
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland
FSK: ?

*

Bei einem Jogginglauf durch den Wald lernt Tom die schöne Lauri kennen. Sie verlieben sich ineinander und verbringen eine schöne Zeit, bis Tom feststellen muss, dass Lauri ein Werwolf ist. Aber das wäre an sich gar nicht das Problem für Tom. Er stellt sich vielmehr die Frage, wie er Lauri seiner Familie vorstellen kann, ohne das etwas passiert. Und wie kann er die Postboten retten, die Lauri liebend gern auf dem Speiseplan hat?

*

Mit „Lovely Wolf“ hat Benjamin Bechtold einen wirklich amüsanten Kurzfilm abgeliefert, der mir so manches Mal ein Grinsen auf die Lippen gezaubert hat, was bei deutschen Filmen eher nicht so oft bei mir vorkommt. Das Drehbuch wirkt an manchen Stellen nicht ganz rund, was aber meiner Meinung nach daran liegt, dass eine einigermaßen nachvollziehbare Story in weniger als eine halbe Stunde gepackt werden musste.
Bechtold hat eine wirklich gute Arbeit abgeliefert, die sich sehen lassen kann. Und auch die beiden Hauptdarsteller haben ihre Sache wirklich gut und überzeugend gemacht. Sicherlich ist „Lovely Wolf“ eine Low Budget-Produktion, aber gerade deshalb ist es bemerkenswert, wie professionell das Ganze inszeniert wurde. Matthias Michels Kameraführung ist nahezu perfekt und regie- und schnittechnisch gibt es auch nicht viel auszusetzen. Die Gruselkomödie macht einfach Spaß und unterhält sehr kurzweilig.

Die meisten der Gags zünden so richtig und bewegen sich nicht auf einem albernen, peinlichen Slapstick-Klamauk-Niveau, wie ich es von teuren deutschen Comedy-Produktionen kenne. Da ist mir der Humor von Herrn Bechtold schon bedeutend lieber. Nicht umsonst hat der Kurzfilm einige Preise bei kleineren Festivals eingeheimst. Benjamin Bechtolds Werwolf-Komödien-Romanze ist charmant. Gerade die nicht immer perfekte Darstellung der beiden Hauptfiguren besitzt einen unglaublich liebenswerten Reiz, der mich total angesprochen hat. Kleine Independent-Produktionen wie diese verdienen es, größer herauszukommen.

Die Szenen beim Familientreffen könnten authentischer gar nicht sein. 😉 Ich habe mich köstlich amüsiert.
Das für ein sehr geringes Budget aufgestellte Projekt ist liebevoll in Szene gesetzt und kann auch mit ein paar wunderschönen, künstlerischen Bildern aufwarten. Die Masken sind handmade und liebevoll gemacht, auch wenn sie nicht oft zu sehen sind. Alles in allem wünscht man sich einfach mehr solcher Filme (am liebsten aber mit einer dreifachen Spieldauer). Man sollte sich den Film auf jeden Fall bis zum Ende des Abspanns ansehen, denn dann wird man noch mit einem amüsanten Auftritt von Nikolai Will belohnt, der einen cholerischen Postboten darstellt.

Wer sich näher mit den Filmen von Benjamin Bechtold und seinem Team beschäftigen möchte, sollte die Homepage von Fearling Entertainment besuchen.

*

Fazit: Höchst amüsanter und professionell gedrehter Kurzfilm aus Deutschland, der mit sehr sympathischen Darstellern punktet. Mehr davon …

© 2015 Wolfgang Brunner