Die Abenteuer von Wolfsblut (2018)

Wolfsblut

Originaltitel: Croc-Blanc
Regie:  Alexander Espigares
Drehbuch: Philippe Lioret, Serge Frydman, Dominique Monféry
nach dem Roman von Jack London
Kamera: –
Musik: Bruno Coulais
Laufzeit: 87 Minuten
Darsteller: –
Genre: Abenteuer, Animationsfilm, Literatur
Produktionsland: Frankreich, Luxemburg, USA
FSK: ab 6 Jahre

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Alaska zur Zeit des großen Goldrausches.
Ein Welpe, halb Hund und halb Wolf, gerät nach dem Tod der Mutter in Gefangenschaft und wird von einem alten Indianer zum Schlittenhund ausgebildet. Er bekommt aufgrund seiner Abstammung den Namen Wolfsblut. Schon bald erkämpft er sich die Position des Leittiers unter den Schlittenhunden. Doch dann gerät er in die Hände von skrupellosen Geschäftemachern, die Wolfsblut für Hundekämpfe missbrauchen.
Ein Marshall rettet ihn vor dem Tod und legt damit den Grundstein für den Beginn einer unzertrennlichen Freundschaft zwischen Mensch und Tier …

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„Die Abenteuer von Wolfsblut“ ist nicht die erste Adaption des Kinderbuchklassikers aus der Feder von Jack London. Neben Zeichentrickversionen gibt es auch zahlreiche Realverfilmungen. Unter anderem auch zwei des italienischen Regisseurs Lucio Fulci, der eigentlich für seine harten Zombiefilme bekannt ist. Das ist aber für den vorliegenden Film bedeutungslos und wollte von mir nur am Rande erwähnt werden. Der hier vorliegende Animationsfilm versprüht einen ganz eigenen Charme, der sich deutlich von den anderen Interpretationen abhebt. Man muss sich zwar, ehrlich gesagt, anfangs ein bisschen an die Art der Animation gewöhnen, denn sie wirkt anders als die von Disney/ Pixar, aber es dauert nicht lange und man gewinnt sowohl die Menschen wie auch die Tiere in diesem Film lieb. Vielleicht ist es sogar gerade diese gewisse Art und Weise der Unperfektheit dieser Animation, die diesen Film zu etwas besonderem macht. Denn genau dadurch gewinnt dieses Abenteuer absolut an Charme.

Was hier geboten wird, ist auch noch eine wirklich fantastische Gratwanderung zwischen Kinder- und Erwachsenenfilm. Obwohl der Film ab 6 Jahre freigegeben ist , wirkt er an manchen Stellen schon etwas düster, brutal und auch deprimierend. Aber so ist nun einmal das Schicksal von Wolfsblut auch im Buch von Jack London beschrieben, insoweit hält sich „Die Abenteuer von Wolfsblut“ einfach auch an die Buchvorlage. Die Geschichte wird in oftmals wunderschönen Bildern erzählt und ist, zumindest gegen Ende hin, auch sehr emotional. Ich habe diesen Film mit meinem 5-jährigen Sohn angesehen, der ebenso begeistert wie ich war und sehr wohl auch die dramatischen Teile des Films verstanden hat. Ich will damit nur sagen, dass „Die Abenteuer von Wolfsblut“ in der Tat auch für Kinder geeignet ist, obwohl er, wie bereits erwähnt, im ersten Moment manchmal zu düster erscheint. Aber Kinder können der Handlung gut folgen und lernen, dass nach einer schlimmeren Begebenheit auch wieder Schönes passiert.

„Die Abenteuer von Wolfsblut“ hat mir persönlich sehr gut gefallen und ich bin sicher, dass ich mir diesen Film noch ein weiteres Mal anschauen werde. Neben der außergewöhnlichen Animation kann auch der Score von  Bruno Coulais absolut punkten. Denn er unterstreicht und ergänzt die gezeigten Bilder perfekt. Mit Sicherheit hat auch diese wunderschöne Musik aus meiner Sicht ihren Anteil daran, dass diesen Film zu einem wirklich tollen Erlebnis für jung und alt ist. Vor allem wenn man die Buchvorlage kennt wird man seine wahre Freude daran haben. Ich habe diesen Animationsfilm auf jeden Fall sehr genossen.

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Fazit: Wunderbarer Animationsfilm nach einem Kinderbuchklassiker. Absolut sehenswert.

© 2019 Wolfgang Brunner

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Fenster Blau (2016)

fensterblau

Originaltitel: Fenster Blau
Regie: Sheri Hagen
Drehbuch: Zoe und Sheri Hagen
Kamera: Michael Tötter
Musik: Alexander Precht
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Emilio Sakraya, Kristin Alia Hunold, Dietrich Hollinderbäumer, Marko Dyrlich, Anne Zander, Hund Collie, Eyk Kauly
Genre: Drama, Literatur
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Mitten im eisigen Winter kommt Ljöscha auf der Insel Norderney an. Er ist auf der Suche nach der Wahrheit in seiner Vergangenheit. Ljöscha trifft seinen Großvater, der ihn aber abweist. Doch schließlich siegt die Neugier und er möchte wissen, was mit seiner Tochter ist. An einem anderen Ort verschanzen sich ein älterer Mann und ein junges Mädchen in einer Wohnung. Er ist der Vater des Mädchens, aber er liebt sie verbotenerweise. Beide Schicksale hängen zusammen und Ljöscha kämpft zusammen mit seinem Großvater gegen die Vergangenheit, die beide immer wieder einholt …

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Da sieht man sich einen Film an, geht mit keiner besonderen Erwartungshaltung heran und wird mit einer Wucht gepackt, die einen umhaut. Sheri Hagens zweiter Langfilm orientiert sich an dem prämierten Theaterstück „Muttermale Fenster Blau“ der Dramatikerin Sasha Marianna Salzmann. Sheri Hagen steht eigentlich vor der Kamera, beweist aber mit „Fenster Blau“ ein dermaßen  eindrucksvolles Gespür für Dramaturgie und künstlerische Inszenierung, dass es einem die Sprache verschlägt. Ich möchte den Film als Meisterwerk und Rückkehr des deutschen Autorenfilms bezeichnen, so sehr haben mich Geschichte, Bilder und Schauspielleistungen in den Bann gezogen. Der Film wirkt wie ein wahr gewordener Albtraum aus Ängsten und Depressionen, aber auch voller Sehnsüchte, Hoffnungen und Liebe. Es ist schlichtweg genial, wie Hagen diese Gratwanderung zusammen mit ihrer Crew meistert und einen hoffnungsvollen und zugleich verstörenden Film auf Zelluloid bannt.

„Fenster Blau“ ist ein Kammerspiel, das auf eine Weise inszeniert wurde, als hätte ein „deutscher Peter Greenaway“ die Hände im Spiel gehabt. Voller Botschaften (ob sinnvoll oder sinnfrei sei einfach mal dahingestellt), die sich durch den gesamten Film ziehen und permanent zum Nachdenken anregen, aber auch zu Wut, Hilflosigkeit und Trauer. Es ist grandios, wie die Schauspieler allesamt diese Woge an Emotionen durch die knapp eineinhalb Stunden transportieren und greifbar machen. Man möchte an einigen Stellen laut losschreien wie der Protagonist Ljöscha, an anderen würde man den hilflosen, zerrissenen Großvater am liebsten in den Arm nehmen oder sich von ihm in den Arm nehmen lassen. Das Gespann Emilio Sakraya (aktuell: „Heilstaetten“ und „4 Blocks“) und Dietrich Hollinderbäumer (zuletzt in „Angst – Der Feind in meinem Haus“ zu sehen) funktioniert hervorragend, ebenso wie das Agieren zwischen Kristin Alia Hunold („Dem Horizont so nah“) und Marko Dyrlich (unter anderem mit dabei in „Babylon Berlin“). Es ist alles so intensiv, so natürlich, so lebensecht. Trotz des überaus ernsten Themas spürt man die Begeisterung der Beteiligten in jeder Filmminute. Ich ziehe meinen Hut vor den Darstellern. Emilio Sakraya fährt so authentisch aus der Haut, dass man eine Gänsehaut bekommt. Dietrich Hollinderbäumer zeigt sich äußerlich roh und innerlich einfühlsam, das ist eine grandiose Leistung, die die beiden Schauspieler da abliefern. Kristin Alia Hunold spielt die kindlich wirkende und innerlich zerstörte Lena, im positiven Sinne, glänzend theatralisch, während Marko Dyrlich sichtlich unwohl seinen Charakter darstellt. Auch hier kann man nur sagen: imposant! Da können sich so manche „Stars“ eine Scheibe abschneiden.

Zu den schauspielerischen Glanzleistungen gesellen sich  aussagekräftige Bildkompositionen und ein grandioser Score, die den Film zu einem echten Erlebnis machen. Man möchte trotz der oftmals unangenehmen Situationen, die geschildert werden, den Schauplatz und die Charaktere nicht mehr verlassen, denn man fühlt sich wohl oder unwohl mit ihnen und kann ihre Emotionen in jeder Hinsicht nachvollziehen. Sheri Hagen hat aus meiner Sicht ein Meisterwerk erschaffen, das mich nachhaltig beeindruckt und noch lange beschäftigen wird. Sie hat Sasha Marianna Salzmanns Theaterstück eine Tiefe verliehen, die seinesgleichen sucht. Alles ist in schwarz-weiß gehalten, nur die Farbe Blau wird sichtbar. Wie in „Pleasantville“ spielt die Regisseurin dieses Stilmittel bis zum Ende konsequent aus, beeinflusst den Zuschauer bis hin zum Happy End, das letztendlich kein Happy End ist. Oder doch?
„Fenster Blau“ ist ein Film zum Nachdenken, aber auch zum Träumen, bei dem man sich auf sich selbst besinnen kann. „Fenster Blau“ ist ein Film für die große Leinwand, ein unvergessliches emotionales Erlebnis, schlichtweg ganz, ganz großes Kino. Wo sind all die Preise, die dieser Film, dessen Schauspieler und Crew, verdient hat?
Ich kann meine Begeisterung schwer zurückhalten, aber eigentlich will ich das auch gar nicht. 😉 Man muss diesen Film gesehen haben!

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Fazit: Ganz großes Kino aus Deutschland. Wunderbar inszeniert und mit beeindruckenden Schauspielerleistungen.

© 2018 Wolfgang Brunner

Interview mit der Schauspielerin Anita Olatunji

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© Jeanne Degraa

Anita Olatunji wurde in München geboren, verlebte aber einige Jahre in Lagos, Nigeria, und kehrte dann zurück nach Deutschland ins Ruhrgebiet.
Sie studierte an der Folkwanghochschule in Essen Schauspiel und verbrachte dann ein Jahr durch ein Stipendium an der Webber Douglas Acadamy of Dramatic Arts in London.
Nach verschiedenen Film, TV und Theaterrollen nahm sie an einem Kurs für Creative Writing in London teil und studierte dann Film und Drehbuch an der Hamburg Media School. Jetzt widmet sie sich auch dem Schreiben von Gedichten, Kurzgeschichten und Drehbüchern.

1. Wie bereitest Du Dich auf Deine Rollen vor? Nimmst Du auch schon mal eine Rolle mit nach Hause ins Privatleben?

Das ist ganz unterschiedlich und kommt darauf an, wieviel Zeit mir vor dem Dreh zur Vorbereitung bleibt. Bei meiner allerersten festen Fernsehrolle (eine durchgehende Rolle als Lernschwester bei der RTL Serie „Stadtklinik“) hatte ich kaum Schauspielerfahrung, habe aber zwei Wochen lang in einem Krankenhaus auf der HNO Station ausgeholfen.
Für meine Rolle als blinde Jazzsängerin in dem Film „Auf den Zweiten Blick“ habe ich mit einer ganz fantastischen blinden Frau gearbeitet. Ich trug eine Augenbinde und wir sind zu zweit durch Berlin gelaufen und U-Bahn gefahren. Ich denke, wir haben recht viel Aufmerksamkeit erregt. Nicht sehen zu können, und ganz auf Gehör, Gespür und Blindenstock angewiesen zu sein, war eine Erfahrung, die mich bis in meine Träume verfolgt hat. 

2. Du schreibst Gedichte, Kurzgeschichten und Drehbücher. Ich bin selbst Schriftsteller und interessiere mich deshalb natürlich brennend, welchen Ursprung diese Leidenschaft hat.  Wie kamst Du zum Schreiben und kannst Du uns ein paar Vorbilder nennen?

Ich habe einen Drang zum Geschichten erzählen, ob dies nun als Schauspielerin vor der Kamera, auf der Bühne oder beim Schreiben ist. Bei Gedichten folge ich eher einem starken Gefühl, während ich bei Prosa oft von einer Figur motiviert bin, einem Charakter, der mich besonders fasziniert und meine Fantasie anregt. Vorbilder zum Schreiben sind für mich Elena Ferrante, Damon Lindelof und das Autorenteam von der dänischen Krimi-Serie „The Killing“.

3. Was macht Anita Olatunji in ihrer Freizeit? Filme schauen oder auch mal lesen? Was ist Dein bevorzugtes Genre im Film und welche Art von Büchern liest Du?

Ich lese viel und schaue auch gerne Serien Box Sets – vor allem Krimis. Besonders begeistert war ich zuletzt von Elena Ferrante. „Meine geniale Freundin“  und die drei Folgebände habe ich mir in London gekauft und in kürzester Zeit verschlungen. Spannend finde ich gerade auch Yuval Noah Hararis Buch „Sapiens“.
Ansonsten habe ich mir neuerdings angewöhnt, so viel wie möglich zu Fuss zu Terminen zu gehen, selbst wenn es mich eine ganze Stunde „kostet“: Man sieht und lernt dabei so viel Neues und Überraschendes von der Stadt, in der man lebt!

4. Auf welche Leistung als Schauspielerin bist Du besonders stolz?

Das schönste Kompliment wurde mir nach einer Kinovorführung von „Auf den Zweiten Blick“ gemacht. Es war eine Vorstellung, in der viele Sehbehinderte und Blinde mit Begleitung da waren, und dort sagten mir einige Betroffene aus dem Publikum, dass sie meine Darstellung der Jazzsängerin, die ihren Verlobten durch ihr plötzliches Erblinden verliert, echt und deshalb berührend fanden. Ich schreibe dies der grossartigen Frau zu, mit der ich üben durfte. Meine damalige Agentin sagte mir nach der Vorstellung, sie hätte an meiner Stelle einiges anders gemacht, aber das war mir nach dem Lob dieses besonderen Kinopublikums egal.

5. Welche Schauspielerin und welchen Schauspieler bewunderst Du und warum?

Ich liebe Barbara Auer, vor allem in „Polizeiruf 110 Wölfe“: Zum Niederknien. Ich habe mir kürzlich auch einmal wieder „Der Prinz von Zamunda“ angesehen und halte Eddie Murphy und Arsenio Hall für absolute Genies.  

6. Ein Künstler entwickelt sich während seiner Karriere ständig. Welche Rolle wäre Dein größter Wunsch?

Ich würde sehr gerne eine deutsche Polizistin spielen. Das ist mein absolut grösster konkreter Rollenwunsch!

8. An welchen Projekten arbeitest Du derzeit?

Ich arbeite zur Zeit an einem TV Krimi über eine afro-deutsche Polizistin mit einem sehr schwierigen Verhältnis zum Vater, die durch einen Fall mit ihrer Herkunft konfrontiert wird – ein sehr persönliches Thema für mich.

9. Was fühlt sich für Dich besser an? Für das Fernsehen oder das Kino zu drehen?

Ich liebe Fernsehen. Ich wollte schon als Kind immer zum Fernsehen, vielleicht weil ich nicht mit einer starken Kinokultur aufgewachsen bin. Das habe ich dann auf der Filmhochschule ausgiebig nachgeholt. Seitdem sind Kinodrehs für mich eine grosse Ehre, weil ich jetzt viel mehr begreife, welches Risiko bei jedem Dreh, mit jeder Entscheidung, mit jeder Besetzung eingegangen wird. Das gilt natürlich auch fürs Fernsehen.

10. Welchen Menschen aus der Gegenwart oder der Vergangenheit würdest Du gerne treffen oder hättest Du gerne getroffen?

Wenn ich für einen sehr kurzen Zeitraum in die Vergangenheit reisen dürfte, dann wäre ich gerne Augenzeuge für den Moment, als Rosa Parks sich weigerte, ihren Sitz im Bus aufzugeben und sich damit 1955 in den USA der Rassentrennung widersetzte.

11. Legst Du auch etwas Persönliches von Dir in die Rollen, die Du spielst, oder hältst Du Dich strikt an das Drehbuch bzw. die Vorgaben des Regisseurs?

Es ist immer etwas persönliches von mir in jeder Rolle, auch wenn ich mich strikt an das Drehbuch und die Vorgaben des Regisseurs halte. Letztendlich ist jede Rolle eine Kollaboration der drei Bereiche.

Film-Besprechungen bedankt sich ganz herzlich für die ausführliche Beantwortung der Fragen und wünscht Dir alles Gute auf dem privaten und beruflichem Weg.

© 2016 Wolfgang Brunner / Anita Olatunji

Im Herzen der See (2015)

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Originaltitel: In The Heart Of The Sea
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Charles Leavitt
nach dem Roman „Im Herzen der See – Die letzte Fahrt des Walfängers Essex“ von Nathaniel Philbrick
Kamera: Anthony Dod Mantle
Musik: Roque Baños
Laufzeit: 121 Minuten
Darsteller: Chris Hemsworth, Ben Whishaw, Cillian Murphy, Tom Holland, Brendan Gleeson, Frank Dillane, Charlotte Riley, Paul Anderson, Benjamin Walker
Genre: Abenteuer, Literatur
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Kapitän George Pollard ist mit seiner Besatzung, darunter der erste Steuermann Owen Chase, mit der „Essex“ unterwegs auf Walfang im Pazifik. Bei einem der Fangmanöver wird die „Essex“ von einem Pottwal gerammt und sinkt. Die Überlebenden kämpfen verzweifelt auf den Weiten des Meeres ums Überleben. Einer der Überlebenden, Tom Nickerson; war als Schiffsjunge dabei und berichtet viele Jahre später dem Romanautor Herman Melville die Geschichte. Melville wird von den Ereignissen zu seinem Roman „Moby Dick“ inspiriert.

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Ähnlich wie in James Camerons „Titanic“-Verfilmung wird hier eine Geschichte aus der Vergangenheit durch die Erzählung eines gealterten Zeitzeugen geschildert. Dieses Konzept funktioniert auch hier hervorragend und nimmt den Zuschauer vom ersten Augenblick an gefangen. Wie unter Hypnose lauscht man der Geschichte und nimmt an einem ganz großen, spektakulären Abenteuer teil.
Ron Howard hat auch hier wieder ein feines Gespür dafür, nicht alles zu übertreiben, wie es in so manch neuem Film die Regel ist, sondern die Spezialeffekte auch nur dann einzusetzen, wenn sie eben notwendig sind. Herausgekommen ist ein unglaublich atmosphärischer Abenteuerfilm, der den „Geist“ jener Zeit hervorragend und glaubhaft rüberbringt.

Auch schauspielerisch konnte mich der Film überzeugen. Allen voran Chris Hemsworth, der hier wieder einmal beweisen kann, dass er nicht nur „Thor“ darstellen kann. Überaus glaubwürdig und authentisch spielt er seine Rolle und man kann ihm die Freude und den „Spaß“ richtig ansehen. Brendan Gleeson als Erzähler ist unglaublich gut und irgendwie, obwohl er als Erwachsener eine Nebenrolle spielt, Träger des ganzen Films. Man sieht sein Gesicht während der ganzen Geschichte vor seinem inneren Auge, als säße er einem gegenüber, um die Abenteuer auf der „Essex“ zu erzählen.  Genau diese Art der Erzählweise hat mir absolut gefallen.

Die Musikuntermalung mit Roque Banos‘ Klängen könnte nicht besser sein. Sehr wuchtig und emotional begleitet die Musik die Protagonisten und den Zuschauer auf ihrer Reise. Der Soundtrack passt unheimlich gut zu den wunderbaren Landschaftsaufnahmen und spektakulären Bildern, die natürlich auch des öfteren durch Computer erzeugt wurden, aber nie so aufdringlich wirken wie in den heutzutage beliebten Comic-Verfilmungen.
Wer allerdings einen reinen Walfänger-Abenteuer-Film erwartet, wird unter Umständen enttäuscht sein, denn Howard erzählt eine völlig andere Geschichte als nur die eines gigantischen Wals. Es geht um Schiffbruch, ums Überleben und um Freundschaft. Es ist eigentlich die Geschichte eines Schiffsunglücks und nicht die eines Kampfes zwischen einem Wal und einem Seemann.
Ich war auf jeden Fall begeistert von der Inszenierung, den teils tollen Kamerafahrten und den wirklich gut gemachten Spezialeffekten, die aus meiner Sicht immer nur Träger der Handlung waren und nicht der Effekte willen eingesetzt wurden. Bei Filmen wie „Im Herzen der See“ finde ich es nach wie vor gut, dass man nun die Möglichkeit hat, solche Effekte per Computer herstellen zu können. Dadurch können Geschichten dieser Art überzeugend und spannend erzählt werden.

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Fazit: Optischer Bilderrausch mit einer tollen Schauspielerriege und einer exzellent erzählten Geschichte. Abenteuer pur!

© 2016 Wolfgang Brunner

Die Frau des Zeitreisenden (2009)

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Originaltitel: The Time Traveller’s Wife
Regie: Robert Schwentke
Drehbuch: Bruce Joel Rubin, Jeremy Leven
nach dem Roman von Audrey Niffenegger
Kamera: Florian Ballhaus
Musik: Mychael Danna
Laufzeit: 108 Minuten
Darsteller: Eric Bana, Rachel McAdams, Ron Livingston, Jane McLean, Michelle Nolden, Arliss Howard, Stephen Tobolowsky, Alex FerrisBrooklynn Proulx
Genre: Liebe, Literatur, Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Henry ist Zeitreisender und trifft immer wieder auf Clare, die zur Liebe seines Lebens wird. Er kommt aus der Zukunft, er kommt aus der Vergangenheit und bleibt manchmal in der Gegenwart. Für Clare und Henry wird die Liebe zu einer harten Probe …

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Audrey Niffeneggers Debütroman faszinierte mich von der ersten bis zur letzten Seite (Hier kann man meine Rezension zum Buch auf „Buchwelten“ nachlesen —> KLICK MICH). Umso gespannter war ich, wie die Zeitreise-Liebesgeschichte als Film umgesetzt wurde. Ich konnte mir gar nicht so richtig vorstellen, dass man die Sprünge durch die Zeit so inszenieren könnte, um den Zuschauer nicht zu verwirren. Aber, was soll ich sagen: Dem deutschen Regisseur Robert Schwentke (der den meisten wohl mit seiner deutschen Produktion „Tattoo“ und seinen darauf folgenden, in den USA produzierten Filmen „Flightplan“, „R.E.D“, „R.I.P.D“ und „Insurgent – Die Bestimmung“ bekannt sein dürfte) ist es erstaunlicherweise gelungen, das Ganze unkompliziert und veständlich in Szene zu setzen.
Wie schon im Buch gibt es unzählige Logikfehler, die das Filmvergnügen aber in absolut keiner Weise schmälern. Eric Bana ist genauso ein Glücksgriff in der Besetzung wie Rachel McAdams. Die beiden agieren hervorragend und vermitteln dem Liebespaar eine Authenzitität, dass es eine wahre Freude ist.

Unspektakulär werden die Zeitsprünge einfach nur dargestellt, in dem die Person aus dem Bild „ausradiert“ wird, einfach verschwindet. Schwentke legt keinen allzu großen Wert auf Spezialeffekte und serviert dadurch einen erfrischend natürlichen Film, der Wert auf die Schauspieler und die (wenngleich auch unlogische) Geschichte legt. Ich weiß nicht, wie der Film auf jemanden wirkt, der die Romanvorlage nicht kennt. Für mich war die Umsetzung sehr detailverliebt und, bis auf wenige filmdramaturgisch bedingte Ausnahmen, ziemlich eng an die Vorlage gelehnt. Die diversen Zeitsprünge waren überhaupt nicht verwirrend und man konnte der Handlung ohne Probleme folgen. Die Liebesgeschichte mit leichten Science Fiction-Elementen ist nicht nur etwas für Frauen, sondern kann mühelos auch Männer begeistern. Die Konflikte des Liebespaars, die durch die Zeitsprünge immer wieder entstehen, werden sehr glaubhaft dargestellt und an einigen Stellen habe ich dann schon auch ein Tränchen vergossen.

Gerade zum Ende entwickelt sich die Geschichte zu einer philosophischen Auseinandersetzung um den Sinn des Lebens. Beeindruckend und kitschig im positiven Sinne, ohne eigentlich wirklich kitschig zu sein, hinterlässt „Die Frau des Zeitreisenden“ ein gemischtes Gefühl aus Glück und Trauer. Ich bin sicher, dass sich der Film um einiges besser im Kopfkino des Zuschauers entfaltet, wenn man vorher das Buch gelesen hat.
Robert Schwentke ist ein spannendes, gefühlvolles und dramatisches Liebesabenteuer gelungen, das zum Nachdenken über das eigene Leben (und die Liebe) anregt.
Unbedingt erwähnenswert ist auch die hervorragende, melancholische Musik von Mychael Danna, die die wunderschön inszenierten Bilder perfekt untermalt und ergänzt. Niffeneggers Geschichte um eine äußerst außergewöhnliche Liebe wurde würdig umgesetzt.

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Fazit: Spannend, gefühlvoll und dramatisch inszenierte der deutsche Regisseur Robert Schwentke den Erfolgsroman von Audrey Niffenegger mit absolut tollen Hauptdarstellern.

© 2015 Wolfgang Brunner

Ich. darf. nicht. schlafen. (2014)

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Originaltitel: Before I Go To Sleep
Regie: Rowan Joffé
Drehbuch: Rowan Joffé
nach dem Roman von S.J. Watson
Kamera: Ben Davis
Musik: Ed Shearmur
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Nicole Kidman, Colin Firth, Mark Strong, Anne-Marie Duff, Adam Levy, Dean-Charles Chapman
Genre: Thriller, Literaturverfilmung
Produktionsland: Großbritannien, Frankreich, Schweden
FSK: ab 12 Jahre

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Christine Lucas leidet an Amnesie: Sie wacht jeden Morgen auf und kann sich an absolut nichts mehr erinnern. Jeden Tag aufs Neue beginnt sie, ihr Leben wie ein Puzzle mühsam zusammenzusetzen. Hilfreich sind ihr dabei Ehemann Ben und der Neuropsychologe Dr. Nash. Beide Männer wissen allerdings nichts voneinander. Mit Hilfe eines Video-Tagebuchs, das sie jeden Tag durch einen Anruf Dr. Nashs wiederfindet, fügt Christine ihr Leben wieder zusammen. Je mehr sie von sich erfährt, desto weniger schöpft sie Vertrauen zu Ben und auch Dr. Nash. Schon bald weiß Christine nicht mehr, wem sie vertrauen kann, denn ihr Leben scheint nur aus Lügen zu bestehen. Und die Wahrheit droht weitaus schrecklicher zu sein, als Christine die ganze Zeit denkt …

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Die von Starregisseur Ridley Scott produzierte Umsetzung von S.J. Watsons Psychothriller ist vollauf gelungen. Sehr nah hält sich das Drehbuch an die literarische Vorlage und langweilt keine einzige Sekunde. Spannend von Anfang bis zum Ende nimmt Regisseur Rowan Joffé, der übrigens auch das Drehbuch verfasste, den Zuschauer auf eine andere Art von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit.
Auch wenn man die Romanvorlage kennt, läuft der Film niemals Gefahr, langweilig zu werden. Ein paar Änderungen, die einfach filmtauglicher waren, wurden vorgenommen, die aber an der Handlung absolut nichts verändern.

Nikole Kidmann, Colin Firth und Mark Strong liefern ein sehr überzeugendes Verwirrspiel ab, dem man oft mit angehaltenem Atem folgt. Glaubwürdig mimt Kidman die Amnesie-Patienten, die völlig verwirrt hinter das Geheimnis ihrer Vergangenheit kommen möchte. „Ich. darf. nicht. schlafen.“ ist perfekte Thriller-Unterhaltung, die sich jeder Leser des Romans unbedingt ansehen sollte, denn Rowan Joffé hat die Vorlage wirklich sehr gut umgesetzt.

Gerade die ruhige Inszenierung mit nur sparsam eingesetzten „Action“-Szenen macht die Bedrohung deutlich, der sich die Protagonistin gegenübersteht. Diese relativ unspektakuläre Suche nach den Geschehnissen der Vergangenheit wirkte aus diesem Grund sehr glaubwürdig auf mich. Am Ende zeigt Rowan Joffé, dass er Alfred Hitchcock mag. 😉
Mark Strong wirkt so manches Mal ein wenig unterfordert, ihm (und damit dem Film) hätte ein wenig mehr Aufmerksamkeit bestimmt gut getan.

„Ich. darf. nicht. schlafen.“ kann zwar mit Genremeisterwerken wie Christopher Nolans „Memento“ nicht mithalten, aber eine sehenswerte Literaturverfilmung ist es dennoch geworden, die man nicht unterschätzen sollte. Schauspielerisch und inszenatorisch lässt sich nicht wirklich viel bemängeln, das Ergebnis hätte bei einem unfähigeren Team weitaus schlechter ausfallen können.

Wer sich für das Buch interessiert, kann hier eine Rezension meiner Frau nachlesen. 😉

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Fazit: Gelungene Verfilmung des Bestsellers von S.J. Watson. Gut agierende Schauspieler und eine durchweg spannende Inszenierung machen „Ich. darf. nicht. schlafen.“ zu einem ansehnlichen Thriller. Wer das Buch nicht kennt, wird die überraschenden Wendungen lieben.

© 2015 Wolfgang Brunner

Cold In July (2014)

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Originaltitel: Cold In July
Regie: Jim Mickle
Drehbuch: Jim Mickle, Nick Damici
nach dem Roman von Joe R. Lansdale
Kamera: Ryan Samul
Musik: Jeff Grace
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Michael C. Hall, Sam Shepard, Don Johnson, Vinessam Shaw, Nick Damici, Wyatt Russell, Lanny Flaherty, Rachel Zeiger-Haag, Brogan Hall
Genre: Thriller, Drama, Literatur
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Richard Dane wacht in der Nacht auf und überrascht einen Einbrecher. In Notwehr erschießt Dane den Mann und wird von den Bewohnern als Held gefeiert. Doch es dauert nicht lange und der Vater des Erschossenen taucht auf und sinnt auf Rache. Dane muss um sein eigenen Leben und das seiner Familie fürchten. Doch schon bald stellt sich heraus, dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Dane findet Hilfe bei Bob Luke, einem sehr eigenwilligen Gesetzeshüter.

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Regisseur Mickle hat mich schon mit „Vampire Nation“ und „We Are What We Are“ total fasziniert. Was er mit „Cold In July“ abgeliefert hat, fügt sich nahtlos in meine Begeisterungsliste ein. Ein abgefahrener Rache-Thriller, der in den Südstaaten spielt, und neben tollen Schauspielern viele unerwartete Wendungen bereithält.

Eines von Mickles Vorbildern muss wohl John Carpenter sein, denn durch die wahnsinnig stimmungsvolle Musik von Jeff Grace fühlt man sich desöfteren an Carpenters Kultfilme wie zum Beispiel „Die Klapperschlange“ oder „Assault – Anschlag bei Nacht (Das Ende)“ erinnert. Da kommt so manches Mal eine unglaublich gute Stimmung auf, die den Film zu einem beeindruckenden Erlebnis macht. Die wirklich überraschenden Wendungen haben mir außerordentlich gut gefallen, genauso wie das Wiedersehen mit „Miami Vice“ Don Johnson und „Six Feet Under“ Michael C. Hall. Die beiden spielen wunderbar. Daneben glänzt Sam Shepard in einer wie auf ihn zugeschnittenen Rolle.
Der Plot funktioniert so richtig gut und läßt niemals Langeweile aufkommen.
Inszenierung, Musik, ein gutes Drehbuch und das Zusammenspiel der drei Hauptprotagonisten macht „Cold in July“ zu einem echten Überraschungshit. Hinzu kommen die gekonnt und alles andere als aufdringlich verstreuten Anspielungen auf Kultfilme wie Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ oder Tarantinos „Kill Bill“. Das macht gute Laune und erweckt desöfteren den Eindruck, man sähe einen Kultfilm. Das Potential dazu hat Mickles satirischer Actionfilm auf alle Fälle.

Was als hochspannender, fast schon gruseliger Thriller beginnt, endet in einem witzigen und dennoch brutalen Actionreißer. Diese Mischung hat es wirklich in sich …

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Fazit: „Cold in July“ erinnert sehr stark an die besten Fime von John Carpenter und wandelt sich von einem dramatischen, beängstigenden Thriller in einen brutalen, mit Witzen gespickten, Actionfilm. Absolut sehenswert!

© 2015 Wolfgang Brunner