Lautlos im Weltraum (1972)

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Originaltitel: Silent Running
Regie: Douglas Trumbull
Drehbuch: Deric Washburn, Michael Cimino, Steven Bochco
Kamera: Charles F. Wheeler
Musik: Peter Schickele (Songs: Joan Baez)
Laufzeit: 85 Minuten
Darsteller: Bruce Dern, Cliff Potts, Ron Rifkin, Jesse Vint
Genre: Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

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Seit vielen Jahren treiben Raumschiffe im All, die in großen Kuppeln die letzten Pflanzen und Tiere der Erde beherbergen, um sie eines Tages wieder auf der Erde zu kultivieren. Lowell, ein Astronaut des Raumschiffs „Valley Forge“, kümmert sich um die Tiere und Pflanzen mit einer unglaublichen Hingabe.
Eines Tages erhält die Crew den Befehl, sämtliche Kuppeln abzusprengen und zur Erde zurückzukehren. Während sich die anderen Astronauten auf eine Heimkehr freuen, bricht für Lowell eine Welt zusammen. Mit allen Mitteln versucht er, die Sprengung und Vernichtung der Kuppeln zu verhindern, um die letzten Tiere und Pflanzen im Universum zu retten …

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„Silent Running“ ist Kult und ein Film, der mich schon in meiner Jugend nachhaltig beeindruckt (und auch streckenweise zum Weinen gebracht) hat.
Schon alleine die visuellen Effekte sind (auch noch heute) eindrucksvoll in Szene gesetzt. Niemand geringerer als Douglas Trumbull, der durch seine Mitarbeit bei Stanley Kubricks „2001-Odyssee im Weltraum“ bekannt wurde, ist für die gelungenen Weltraumaufnahmen in seinem Regiedebüt selbst verantwortlich. Wer beim Abspann aufpasst, sieht, dass auch John Dykstra mitgearbeitet hat, dem später durch die Spezialeffekte von „Star Wars – Krieg der Sterne“ der Durchbruch gelang. Trumbull hatte übrigens  „Star Wars“ abgelehnt und dafür seinen Kollegen Dykstra vorgeschlagen. 🙂
Jahre später sollten aber beide dann doch noch einmal zusammenarbeiten, und zwar bei Industrial Light & Magic für „Star Trek“ und „Blade Runner“. Das aber nur nebenbei.

Trumbulls Regiedebüt floppte an den Kinokassen, was ich noch heute nicht begreifen kann. Die Botschaft in diesem Film war dem damaligen Publikum wohl zu ernst und Science-Fiction-untypisch. Ökologische Kritik an der Menschheit, verbunden mit einem dystopischen Szenario, machen „Lautlos im Weltraum“ für mich zu einem der außergewöhnlichsten Science Fiction-Filme überhaupt. Ich traue mich sogar zu sagen, dass er visionär für dieses Genre war.

Bruce Dern geht in seiner Rolle auf und agiert (fast immer) außerordentlich gut und überzeugend. Zusätzlich zu der wunderschönen Kulisse, die „Lautlos im Weltraum“ bietet, wird das eindringliche Drama  noch von einer wunderbaren Musik begleitet, die letztendlich ihren Höhepunkt in den beiden Songs von Joan Baez findet, die den Film unvergesslich machen. Die wunderschönen Melodien untermalen tolle Bilder und verschaffen eine unglaublich intensive Atmosphäre. Obwohl es lediglich zwei Lieder sind, hinterlassen sie vom ganzen Film am meisten Eindruck.

Wer fernab von Weltraumschlachten einen intelligenten und nachdenklich machenden Film aus den 70er-Jahren sucht und „Lautlos im Weltraum“ noch nicht kennt, sollte sich unverzüglich daran machen, sich diesen Klassiker anzusehen.

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Fazit: Kultfilm aus den 70er-Jahren, der noch heute nichts an seiner Intensität eingebüsst hat. Beeindurckend durch zwei Songs von Joan Baez untermalt, wird dieser ökologische Dystopie-Trip zu einem unvergesslichen Erlebnis.

© 2015 Wolfgang Brunner

Die Klasse von 1984 (1982)

1984

Originaltitel: Class Of 1984
Regie: Mark L. Lester
Drehbuch: Mark L. Lester, John C. W. Saxton, Tom Holland
Kamera: Albert J. Dunk
Musik:Lalo Schifrin
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Perry King, Merrie Lynn Ross, Timothy Van Patten, Roddy McDowall, Stefan Arngrim, Michael J. Fox, Lisa Langlois, Al Waxman, Keith Knight
Genre: Thriller
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 18 Jahren (Indiziert)

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Andrew Norris ist der neue Musiklehrer an einer amerikanischen Highschool. Schon bald muss er feststellen, dass dort raue Sitten herrschen und die Schüler mit Messern und Waffen zum Unterricht kommen. Norris will sich den Jugendlichen, allen voran dem 16-jährigen Stegman und seiner Gang, nicht beugen und versucht, sie in ihre Schranken zu verweisen. Was auf dem Schulgelände beginnt, weitet sich zu einem brutalen Machtkampf zwischen den Jugendlichen und dem Lehrer aus, der bis in die Privatsphäre des Musiklehrers eindringt.

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Mark L. Lesters radikaler Highschool-Thriller war, ist und bleibt für mich Kult!
Ich bin auch der Meinung, dass dieser Film seinerzeit verkannt wurde, denn Regisseur Mark Lester hat hier nicht einfach nur einen plumpen, brutalen Thriller auf Zelluloid gebannt, sondern auch einen sozialkritischen Hintergrund berücksichtigt. Da gehen die Meinungen mit Sicherheit auseinander, aber ich empfand „Die Klasse von 1984“ zum einen gar nicht einmal so unglaubwürdig und abwegig und zum anderen sind in dem Film auch sehr viele kleine „Menschlichkeiten“ verborgen.
Perry King für die Rolle als Lehrer zu verpflichten, empfinde ich als Glücksgriff, denn seine Art macht die Handlung richtig glaubhaft und man kann sich durchaus in die Gedanken des bedrohten Erwachsenen hineinversetzen. Aber auch Timothy Van Patten in der Rolle des punkigen, bösen und hinterlistigen Teenagers Peter Stegman hätte besser fast nicht gewählt werden können. Van Patten hat sich in den letzten Jahrzehnten übrigens zu einem ziemlich erfolgreichen Regisseur gemausert (er inszenierte einige Folgen der Serien „Die Sopranos“, „Sex And The City“, „Rom“, „Boardwalk Empire“ und nicht zuletzt „Game Of Thrones“).
Michael J. Fox ist in Lesters Rache-Drama in seiner zweiten Rolle zu sehen und kann ebenfalls durchaus überzeugen.

Der Spannungsbogen, in dem sich der Hass zwischen Teenager und Lehrer immer mehr aufbaut, ist grandios von Mark L. Lester gemeistert und begeistert mich nach mehrmaligen Ansehen auch nach über 30 Jahren noch immer. Warum der Film in der ungekürzten Fassung noch immer auf dem Index steht, ist für mich ein Rätsel (und wird es wohl auch bleiben). Die gezeigte Brutalität hält sich meines Erachtens sehr in Grenzen und zeigt lediglich, was handlungstechnisch auch nötig ist. Hier wird einfach nur stimmig dargestellt, wie es zu einer Situation kommen kann, in der Gewalt mit Gewalt bekämpft wird.

Der Titelsong von Alice Cooper („We Are The Future“) ist ein Ohrwurm, den ich noch heute immer wieder mal in meinen Gedanken höre. „Die Klasse von 1984“ ist ein Film aus meiner Jugend, der in meinen Augen ein zeitloser Klassiker im Thriller-Genre darstellt.

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Fazit: Kultfilm aus den 80er Jahren mit beeindruckenden Darstellern, einem tollen Soundtrack und auf gewisse Art und Weise auch einer „Message“. Immer wieder sehenswert!

© 2015 Wolfgang Brunner

The House Of The Devil (2009)

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Originaltitel: The House Of The Devil
Regie: Ti West
Drehbuch: Ti West
Kamera: Eliot Rockett
Musik: Jeff Grace
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Jocelin Donahue, Tom Noonan, Mary Woronov, Greta Gerwig, Dee Wallace
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Samantha will auf eigenen Füßen stehen und in eine eigene Wohnung ziehen. Dazu braucht sie aber Geld. Sie nimmt einen Job als Babysitterin an, doch als sie zu dem Anwesen kommt, stellt sich heraus, dass es um eine ganz andere Aufgabe geht. Dennoch nimmt Samantha an und denkt, sie verbringt eine mehr als angenehme Nacht in einem fremden Haus bei außerordentlich guter Bezahlung. Doch irgendwann bemerkt sie, dass etwas in dem Haus nicht stimmt. Samantha wurde anscheinend in eine dämonische Falle gelockt …

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Obwohl mich Ti Wests „Cabin Fever 2“ nicht gerade vom Hocker gerissen hat (wie auch seine Mitarbeit bei „V/H/S – Eine mörderische Sammlung“ und „The ABCs Of Death“), war ich auf seinen Nachfolfgefilm „The House Of The Devil“ neugierig. Kurioserweise wurde ich einerseits ein wenig enttäuscht, andererseits hat West absolut hervorragend die Stimmung der „alten“ Horrorfilme aus den 80er-Jahren eingefangen. Das hat teilweise schon richtig Spaß gemacht, Samantha (die übrigens sehr gut von Jocelin Donahue dargestellt wurde) dabei zuzusehen, wie sie sich in dem fremden, alten Landhaus umsieht.
Auch die Musik hat da hervorragend gepasst und ein paar Schockmomente gab es auch. Die ersten beiden Drittel des Films haben mir ganz gut gefallen, obwohl nicht wirklich viel passiert ist. Aber es war einfach eine angenehme Stimmung, die sich da ausgebreitet hat.

Ich denke, dass Ti West der Film dann wohl selbst zu ruhig wurde und im letzten Drittel ging es dann zur Sache. Das war allerdings auch der Teil, der mir nicht mehr so besonders gefallen hat. Da kamen plötzlich Satanskult-Elemente zum Einsatz, von denen ich sowieso bei keinem Film besonders begeistert bin, und die die bis dahin aufgebaute Atmosphäre irgendwie kaputt machten. Das ist wohl Geschmackssache und die meisten Zuseher haben wohl gedacht: Endlich kommt Blut und Splatter ins Spiel. Ich hätte mir gewünscht, dass Ti West den ruhigeren Weg weiter eingeschlagen hätte. Aber, wie gesagt, das ist Geschmackssache.

Die Gore-Effekte halten sich in Grenzen, doch wenn sie einmal zu sehen sind, sind sie schon wirklich gut und effektvoll eingesetzt. Im Gesamten gesehen, wirkt „The House Of The Devil“ tatsächlich wie ein Film aus den 80er Jahren. Und, soweit ich das richtig mitbekommen habe, sollte der Film auch so eine Art Hommage an diese Zeit sein. Aus dieser Sicht ist Ti West auf jeden Fall ein toller Streifen geglückt und wäre das Satanisten-Kult-Schlachtfest am Ende nicht, könnte man „The House Of The Devil“ tatsächlich als kleine Perle im Stil der 80er gelten lassen. So aber wurde durch das Ende der komplette Film irgendwie fast schon wieder unbedeutend, weil nicht mehr außergewöhnlich.

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Fazit: Hommage an die Horrofilme der 80er Jahre. Ti West hat diese Stimmung sehr gut rübergebracht und, hätte er den ruhigen, stimmungsvolleren Weg weiter eingeschlagen und nicht am Ende ein Satanisten-Schlachtfest eingebaut, wäre ihm sogar eine kleine Perle im Look der 80er gelungen.

© 2015 Wolfgang Brunner