Blood Feast (2016)

bloodfeast

Originaltitel: Blood Feast
Regie: Marcel Walz
Drehbuch: Philip Lilienschwarz
Kamera: Roland Freitag
Musik: Klaus Pfreundner
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Robert Rusler, Caroline Williams, Sophie Monk, Sadie Katz, Roland Freitag, Wilfried Capet, Max Evans, Annika Strauss, Liliana Nova, Methisa Schaefer, Gioele Viola, Herschell Gordon Lewis
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

*

Fuad Ramses betreibt in Paris ein amerikanisches Restaurant, hat aber in einem Museum für ägyptische Kultur einen zweiten Job. Während einer seiner Nachtschichten fühlt er sich zu der Statue der Göttin Ishtar hingezogen, die in Visionen mit ihm zu sprechen beginnt. Fuad verfällt der Gottheit und möchte ihr seine Verehrung durch ein Festmahl beweisen, bei dem er ihr  Menschen als Opfergabe bereiten will. Fuad verfällt immer mehr dem Wahnsinn und einem Blutrausch. Er mordet, um das blutige Festmahl für Ishtar so schnell wie möglich abhalten zu können …

*

Herschell Gordon Lewis Originalfilm „Blood Feast“ aus dem Jahr 1963 gilt als erster Splatterfilm überhaupt und ist mittlerweile, trotz vieler (teils ungewollter) Schwächen ein Kultfilm. Nun hat sich der deutsche Regisseur Marcel Walz (unter anderem Raw“, „La Petit Morte 1 & 2“, „Seed 2“ und „#funnyFACE“, um nur ein paar seiner Filme zu nennen) und Drehbuchautor Philip Lilienschwarz („Absolutio – Erlösung im Blut“) einer Neuinterpretation angenommen.
Und, ich muss schon sagen, das Projekt ist vollends gelungen. Walz entwickelt sich mit jedem Film sichtlich weiter und hat mit dem Remake von „Blood Feast“ seinen bis dato eindeutig besten und handwerklich perfektesten Film abgeliefert. Da stimmt so ziemlich alles.

Was mir persönlich außerordentlich gut gefällt, ist die Tatsache, dass hier nicht nur eine blutige Gewalt- und Torture-Orgie im Vordergrund steht, sondern eine Geschichte erzählt wird, die im Gegensatz zum Original, bedeutend mehr Tiefe besitzt. Vor allem die immer wieder eingesetzten ruhigen Szenen, die übrigens absolut genial musikalisch von Klaus Pfreundner untermalt wurden, lassen eine sehr schöne Stimmung aufkommen, die mich so richtig in den Bann gezogen hat. Pfreundners Soundtrack trägt einen großen Teil zu dieser Atmosphäre bei.
„Blood Feast“ ist teilweise richtig atmosphärischer Horror geworden, der sämtliche Fehler des Originals mühelos kompensiert und eine faszinierende Neuinterpretation des Stoffes abgibt. Drehbuchautor Lilienschwarz hat die Grundstory des Originals zwar übernommen, ist aber zusätzlich einen konsequent eigenen Weg gegangen, der den Plot um Längen verbessert.
Nicht übertrieben, sondern nur immer dann, wenn es passt, werden blutige Goreszenen in die ansonsten relativ ruhige Inszenierung eingefügt, so dass im Endeffekt ein wirklich ansprechender Film dabei herausgekommen ist. Splatterfans werden dennoch ihre Freude an den Effekten von Megan und Ryan Nicholson (u.a. „Riddick – Chroniken eines Kriegers“, „Extraterrestrial“ , oder „Warcraft: The Beginning“) haben.
Kai E. Bogatzki, der bereits schon für den Schnitt vieler Filme von Marcel Walz und auch Timo Rose verantwortlich war und momentan an seinem ersten Langfilm „Scars Of Xavier“ arbeitet, hat wieder wunderbare Arbeit geleistet und einen hypnotischen Vorspann abgeliefert.

Bei der Auswahl der Schauspieler hat Walz ein gutes Händchen bewiesen. An erster Stelle steht eindeutig Robert Rusler, den vielleicht einige noch aus „L.I.S.A. – Der helle Wahnisnn, „Nightmare 2“, „Vamp“ und Stephen Kings „Manchmal kommen sie wieder“ kennen. Mittlerweile ist er älter geworden und in manchen Einstellungen sieht er sogar aus wie George Clooney ;), das aber nur am Rande.
Rusler hat sichtlich Spaß an seiner Darstellung des Psychopathen Ramses. Von Anfang an geht er in seiner Rolle auf und kann durch sein Charisma beeindrucken. Durch ihn wird „Blood Feast“ zu einem echten Erlebnis und ich habe ihm seine Schauspielerei in jeder Sekunde abgenommen. Top!
Aber auch Caroline Williams als seine Frau konnte mich absolut überzeugen, genauso wie Sophie Monk als Tochter. Kameramann Roland Freitag gibt einen überzeugenden Polizisten ab und Sadie Katz, wenngleich nicht oft zu sehen, spielt die Rolle der Göttin Ishtar mysteriös und sexy.
Das Wiedersehen mit Max Evans in der Rolle des Mathis hat mich total gefreut, denn auch hier kann er zeigen, was er kann, auch wenn es leider keine echte Hauptrolle war. Annika Strauss, die bereits in vielen Filmen von Marcel Walz, mitgespielt hat, verkörperte die Lilou souverän und überzeugend.
Auch die Nebendarsteller gefielen mir durchweg. Als besonderes „Schmankerl“ bekommt der Zuschauer sogar Herschell Gordon Lewis, den Regisseur des Originals, in einer kurzen Szene zu sehen.

Mit „Blood Feast“ hat Marcel Walz nicht nur eine enorm positive Entwicklung seines Handwerks bewiesen, sondern dem kultigen Originalfilm eine würdige Hommage bereitet. Walz‘ Film geht einen realistischeren und härteren Weg als das Original, macht die Handlungsweisen des Protagonisten auf gewisse Art und Weise nachvollziehbar und dadurch erschreckend authentisch.
Bleibt abzuwarten, ob und vor allem in welcher Schnittfassung „Blood Feast“ auch Deutschland erreicht. Wünschenswert wäre es.

*

Fazit: Marcel Walz‘ bisher bester Film. So lasse ich mir eine Neuinterpretation eines eher mäßig inszenierten Originals gefallen. Robert Rusler glänzt in der Hauptrolle und Klaus Pfreundner liefert dazu einen würdigen Klangteppich.

© 2016 Wolfgang Brunner

Advertisements

Interview mit dem Regisseur Kai E. Bogatzki

14203678_1382614105086734_2064200911_o© Sascha S. Goldbach (itWaits Art)

Kai E. Bogatzki wurde am 22.07.1986 in Augsburg geboren. Schon als Kind hat er erste „Filme“ im Kinderzimmer mit Jurassic Park Spielzeug gedreht.
2007 – 2009 studierte er Digital Film & 3D Animation am SAE Institute in Köln, wo auch ein paar Musikvideos und sein Kurzfilm „Unter der Oberfläche“ entstand.
Danach arbeitete er als Cutter für „Infomercials“ und „Werbe und Imagefilme“ in Essen. In dieser Zeit entstand sein Kurzfilm „Liebe“.
Seit Juni 2015 ist Bogatzki als Cutter und Filmemacher selbstständig. Er übernahm den Schnitt in vielen Filmen von u.a Marcel Walz und Timo Rose.

1. Bevor wir auf Deinen neuen Film „Scars Of Xavier“ zu sprechen kommen, muss ich eines wissen 😉 :
Wie kam es dazu, dass Du Cutter und Regisseur wurdest? Wen würdest Du als „Initialzünder“ bezeichnen?

Wie kam es dazu?… Hmm … Gute Frage … irgendwie war „Film“ schon immer ein wesentlicher Bestandteil von mir. Ich hatte, anders als viele damalige Klassenkameraden in der Grundschule, schon sehr früh meinen ersten eigenen Videorekorder, mit dem ich Filme (Batman, Der weiße Hai, Halloween etc.) vom TV Programm aufgenommen und mir immer und immer wieder angesehen habe. Mein Vater hat mich damals sehr oft geweckt, wenn abends Horrorfilme im TV liefen (Omen, The Fog). Er war es auch, der mir „Zombie – Dawn of the Dead“ gezeigt hat (für mich immer noch der beste Zombiefilm, den es gibt). Zudem habe ich auch schon immer VHS (später dann DVDs, BluRays) gesammelt, eigene Geschichten geschrieben, was sich dann irgendwann in das Schreiben von „Drehbüchern“ gewandelt hat. Irgendwann flatterte dann die erste Videokamera ins Haus und der Rest ist Geschichte, haha.

2. Dein erster Langfilm „Scars Of Xavier“ ist das Porträt eines brutalen Serienkillers. Wo und wie fand diese Idee ihren Ursprung?

Wie das so ist, hatte ich natürlich schon ewig mehrere Ideen für meinen ersten Langfilm. Oft ist es an der Finanzierung gescheitert.

Ich war und bin schon immer sehr interessiert an Serienkillern, bzw. Serienkillerthemen, egal ob fiktiv (Dexter, Hannibal, Sieben etc.) oder real (Jeffrey Dahmer, Ed Gein etc.). Deshalb war es schon irgendwie immer klar, dass ich früher oder später etwas mit einem Serienkiller drehen will.

Lange vor „Scars Of Xavier“ hatte ich die Idee für eine Webserie, die ich auch beinahe gemacht hätte (Casting etc. lief schon). Dabei sollte es auch um einen Serienkiller gehen, der, ähnlich wie in „Dexter“, sehr schwarzhumorig gewesen wäre. Die Idee habe ich dann aber irgendwann verworfen, weil ich keinen „lustigen“ Killer wollte. Irgendwann ist dann der Gedanke für einen düsteren, dreckigen und ernsten Killer geboren worden und so nach und nach kamen die Ideen wie der Film aussehen soll, wo er spielt und und und …


3. Was stand bei der Entwicklung der Geschichte für dich im Vordergrund – die brutale Vorgehensweise eines Killers oder die Auseinandersetzung mit einem unserer psychopathischen Kranken, der eventuell Opfer unserer heutigen Gesellschaft ist?


Wichtig war mir vor allem die Figur Xavier. Der Film dreht sich zu 90% um Xavier und somit war für mich klar, dass diese Figur sehr gut ausgearbeitet werden muss. Zudem war mir auch eine düstere und bedrückende Atmosphäre wichtig und die Wahl der Locations. Zuerst war ja angedacht, dass der Film in Deutschland spielt und auch auf deutsch hätte gedreht werden sollen. Allerdings habe ich mich dann irgendwann dazu entschieden, dass wir den Film auf englisch drehen MÜSSEN, einfach aus dem Grund, dass man damit definitiv mehr Leute erreicht (Festivals, Verkauf etc.) Dann stellte sich direkt die Frage, wenn wir auf englisch drehen, wo spielt der Film? Amerika könnte man hier nie im Leben faken, also mussten wir in Europa bleiben. Irgendwie fiel dann die Wahl auf Prag. Die Stadt bringt für uns Westeuropäer, finde ich, direkt eine „schmuddelige“ Atmosphäre rüber (dabei ist Prag so wunderschön). Aber ein Unwohlsein bringt das ganze Östliche für uns ja schon mit irgendwie (und nicht erst seit „Hostel“).

Somit sind wir dann für paar Tage nach Prag gefahren und haben dort viele Außenaufnahmen an original Schauplätzen, welche u.a. bereits für den ersten „Mission: Impossible“ hergehalten haben, was mir allerdings erst jetzt vor ein paar Tagen bewusst aufgefallen ist, nach dem ich mir den Film mal wieder angeguckt habe. Da ging mir doch ein breites Grinsen übers Gesicht, als ich gesehen habe, dass Tom Cruise und Jon Voight an denselben Locations zu sehen sind, wie unsere SchauspielerInnen dann auch bei „Scars Of Xavier“.

Trotzdem war es natürlich auch wichtig, dass, wenn man einen Film über einen Serienkiller dreht, man natürlich auch sein blutiges Handwerk zeigen muss, denn das wollen die Leute ja auch sehen. Somit haben wir eine Reihe von coolen, mehr oder weniger blutigen/brutalen Kills im Film, welche oftmals noch mal eine Schippe zu den vorherhigen drauflegen werden. Für die Effekte konnten wir Philipp Rathgeber gewinnen, der einen wirklich großartigen Job gemacht hat. Seine Effekte sind der absolute Knaller. Ganz besonders von einem war ich hellauf begeistert, weil er das so krass hinbekommen hat. Was verrate ich an der Stelle natürlich nicht  🙂


4. Welche Bedeutung hat dieser Film für dich persönlich?

Für mich (und ich denke, da spreche ich für alle Beteiligten) ist der Film ein absolutes Herzensprojekt geworden. Das Team war immer mit 200% jeden Tag, egal wie lang der Drehtag vorher war, dabei und hat wirklich ALLES gegeben, um den Film umzusetzen. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an mein großartiges Team, ohne das ich den Film niemals hätte umsetzen können. Ganz davon abgesehen ist „Scars of Xavier“ mein erster eigener Spielfilm, was, denke ich für jeden, der einen Film dreht, automatisch was ganz besonderes ist. Der Film begleitet mich jetzt schon, mal mehr, mal weniger, seit über 1 ½ Jahren und es werden noch locker ein bis zwei Jahre dazukommen. Deshalb hat das ganze Projekt einen verdammt hohen Stellenwert für mich und ich werde mein bestes geben, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Zudem auch noch ein ganz großer Dank an Sascha S. Goldbach, der als Hauptproduzent tätig ist und mir vollstes Vertrauen in meine kreative Arbeit schenkt, und an die Co-Produzenten Walther Olligschläger und Jörg Lindner, die ebenfalls dazu beigetragen haben, dass ich den Film machen kann. Und ein Dank auch noch an meinen guten Freund Daniele Rizzo (mit dem ich bereits mehrfach zusammengearbeitet habe und der auch einen kleinen Cameo-Auftritt in „Scars of Xavier“ haben wird), der ebenfalls einen ganz großen Beitrag für mich und meinen Film geleistet hat!! Zudem habe ich auch noch selber einiges an Geld in den Film gesteckt (somit also auch noch Mitproduzent), deshalb hoffe ich umso mehr, dass sich die ganze Mühe, Liebe und natürlich der Geldeinsatz lohnen und auszahlen werden.


5. Wie konntest Du Marc Engel für die Hauptrolle gewinnen und wie empfandest du die Zusammenarbeit mit ihm?


Das war ganz einfach. Ich hab ihn während oder nach dem Schnitt für REEPERBAHN irgendwann mal angeschrieben, weil mir seine „Fresse“ zugesagt hat und ich ihn direkt als Serienkiller in meinem Film sah, ohne dass es bisher ein Gerüst für die Story etc. gab.

Die Zusammenarbeit mit Marc, und damit breche ich ENDLICH auch einmal öffentlich eine Lanze für ihn, war der absolute Hammer! Ich habe noch nie jemandem erlebt, der sich so extrem für eine Rolle vorbereitet hat und bereit war, alles für diese Rolle zu opfern. Dieser verrückte Kerl hat für „Scars Of Xavier“, nachdem klar war, dass Xavier ein eher dürrer Typ ist, 10kg innerhalb kürzester Zeit abgenommen.

Zudem stehe ich seit der ersten Anfrage an Marc täglich mit ihm in Kontakt, wir schicken uns Ideen und Voicemails hin und her (auch jetzt gerade, während ich das Interview beantworte) und er hat auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass der Film so ist, wie er letztendlich geworden ist. Wir haben uns ständig die Bälle hin und her geschoben, Ideen ausgetauscht und und und … Ich habe ihn direkt von Anfang an sehr stark in den kreativen Prozess involviert und als er dann irgendwann die erste Fassung vom Drehbuch bekommen hat, musste er während des Lesens öfters unterbrechen und mir eine Voicemail schicken, wie geil doch das Buch ist und dass er gerada eine Mega-Gänsehaut hat  🙂

Im Gegensatz zu ein/zwei Darstellern meiner früheren Kurzfilme, zählt Marc definitiv zu den Leuten, mit denen ich immer wieder arbeiten möchte 🙂

Zudem hat Marc auf jegliche Gage verzichtet, weil er „Scars Of Xavier“ vom ersten Moment an eingeatmet und gelebt hat. Somit hat den Film sogar noch mitproduziert.


6. Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten zu „Scars Of Xavier“?

Ich glaube, mit die größte Herausforderung war die Ausstattung des Filmes. Es war klar, dass Xavier eine Wohnung braucht. Woher also eine Wohnung nehmen, die man auch noch nach den eigenen Wünschen gestalten kann? Passenderweise stand eine kleine Zweizimmer-Wohnung in meinem Haus, sogar auf derselben Etage, auf der sich meine Wohnung befindet, frei. Ich habe meine Vermieter gefragt, ob ich die Wohnung für ein paar Wochen als Drehkulisse nutzen darf, und habe dann auch direkt eine Zusage bekommen.

Somit ging es dann ans Einrichten. Ich habe Möbel bei eBay-Kleinanzeigen gekauft, vom Sperrmüll mitgenommen und Tapeten gekauft, die ich dann ein paar Tage vor Drehbeginn mit meiner Freundin angebracht habe. Dann habe ich viele weitere kleine Details wie tschechische Kennzeichen, Arbeitskleidung mit tschechischer Aufschrift, Bierlabels etc. eingekauft, um die Illusion in den Szenen, die wir in Deutschland gedreht haben aufrecht zu erhalten, wir wären in Prag.

Die andere große Herausforderung war dann tatsächlich das Bewältigen des Crowdfundings, durch das wir unser fehlendes Restbudget wieder reinholen wollten. Knapp auf der Zielgeraden haben wir es dann auch noch geschafft.

Das war, glaube ich, das nervenaufreibendste des ganzen Filmes! Ich hoffe, ich kann bei zukünftigen Projekten auf Crowdfundings verzichten.

Vielen Dank noch mal an ALLE, die das Crowdfunding unterstützt und dafür gesorgt haben, dass es erfolgreich endete.


7. Was war die lustigste Begebenheit, die passierte?

Wir hatten eigentlich sehr viele lustige Momente am Set, angefangen damit, dass Marc sich fast jeden Tag eine neue Verletzung zugezogen hat und am Ende des ersten Drehblocks ein wahres Wrack war, bis hin, dass es fast jeden Drehtag ein „Lied des Tages“ gab, das das gesamte Team geträllert hat. Von „Radio Ga Ga“ von Queen bis hin zu irgendwas von den Backstreet Boys (übriogens toll gesungen von Marc und José) war, glaube ich, alles mal vertreten.

Eine Sache wird mir aber glaube ich für immer hinterherhängen. Und zwar befanden wir uns gerade mit zwei Autos auf dem Rückweg aus Prag. Nach über zwei Stunden Fahrt (wir waren bereits kurz vor Dresden) klingelte plötzlich mein Handy. Der Vermieter, bei dem wir ein Apartment in Prag angemietet hatten, rief mich an und sagte, wir hätten einen Rucksack bei ihm vergessen. Es stellte sich heraus, dass ich die Filmkamera in Prag vergessen hatte und dummerweise hatten wir am nächsten Tag breits den nächsten Dreh. Ich also auf den nächsten Rastplatz um die anderen (Marc, Sascha und meinen Kameramann Lucas) zu informieren. Die drei sind dann weiter nach Hause gefahren und meine Freundin Vanessa und ich sind nochmal zurück nach Prag, um die Kamera zu holen. Anstelle von geplant 22 Uhr waren wir beide dann erst um 3:30 Uhr endlich zu Hause. Gegen 8 uhr morgens klingelte dann für mich schon wieder der Wecker für den nächsten Drehtag.

8. Ich nenne ein Stichwort und Du gibst mir eine Antwort:

Kultfilm:
Halloween – Die Nacht des Grauens

Bester Filmschnitt aller Zeiten:
Puuuhh … schwer zu beantworten. Wüsste ich jetzt ehrlich gesagt nicht.

Steven Spielberg:
Fand ich mal cool

Mainstream:
Hätte ich nix dagegen, irgendwann da zu landen  🙂

9. Liebäugelst du bereits mit einer Fortsetzung von „Scars Of Xavier“ oder hast du schon andere Pläne, die du uns verraten kannst?

Eine Fortsetzung zu „Scars of Xavier“ wird es nicht geben (zumindest ist nix geplant).

Irgendwann in der Planung von „Scars of Xavier“ habe ich das Projekt zugunsten eines anderen Filmes (der dann mein erster Spielfilm, auch in Zusammenarbeit von Sascha und mir, geworden wäre) nach hinten geschoben. Allerdings hat es dann terminlich bei einem der Hauptdarsteller nicht gepasst, weswegen ich wieder geswitcht habe und den Film hinter „Scars Of Xavier“ gestellt habe. Ich denke also, den werde ich als nächstes realisieren. Oder aber vielleicht doch was ganz anderes, mal sehen. Ideen für zukünftige Filme sind auf jeden Fall mehr als genug vorhanden.


10. Was macht Kai E. Bogatzki privat? Welche Musik hörst Du, welche Filme siehst Du und welche Bücher liest Du?

Ich bin eigentlich ein sehr ruhiger Zeitgenosse. Ich verbringe viel meiner Freizeit mit meiner Freundin, gehe ins Kino oder gucke Filme zu Hause, genieße das Wetter (wenn es denn mal gut ist) und treffe mich mit Freunden.

Ich höre sehr gerne Metal(core), aber auch sehr oft Filmsoundtracks oder Musik anderer Genres. Bin da mittlerweile sehr offen für, wie ich finde, einfach gute Musik.

Ich gucke sehr Filme verschiedener Genres (bis auf Liebesfilme), bevorzuge aber natürlich das Thriller/Horrorgenre („Halloween“, „SAW“, „Sieben“ sind meine Lieblinge, um nur ein paar zu nennen) und bin ein unsterblicher BATMAN Fan.


11. Nenne die fünf für Dich wichtigsten Dinge im Leben?

Meine Freundin

Meine Eltern / Freunde

Kreativität

Essen

Freiheit / Immer irgendwo Kind bleiben


Film-Besprechungen bedankt sich bei Dir für die Antworten und hofft (und wartet) sehnsüchtig auf neue Filme von Dir.

Ich habe zu danken  🙂

© 2016 Wolfgang Brunner / Kai. E. Bogatzki

Filmprojekt „Forest Of Fear“

image

Da vereinen sich still und leise ein paar Menschen, deren Namen man schon seit einiger Zeit im Gedächtnis behalten hat, um eine Kombination aus Slasher-Film und Found-Footage-Horror auf die Beine zu stellen. 😉
„Forest Of Fear“ ist der Titel des Projekts, bei dem es um eine Gruppe geht, die sich in ein abgelegenes Waldgebiet gegibt,  um dort ein seltenes Tier zu filmen. Sie ahnen allerdings nicht, dass sie es  mit einer alten düsteren und vergessenen Legende zu tun haben. Schon bald beginnt ein brutaler und blutiger Kampf um Leben und Tod für die Menschen.

„Forest Of Fear“ wäre Joe Beers Regiedebüt und in Anbetracht von Cast und Crew, die, bis auf wenige Ausnahmen, schon bestätigt sind, verspricht das Projekt recht interessant zu werden. Da wäre zum einen schon einmal die Hauptrolle des Manuel, die von keinem geringeren als Daeg Faerch gespielt wird, der in Rob Zombies Remake des John Carpenter-Klassikers „Halloween“ den jungen Michael Myers spielte. Neben Will Smith war Faerch auch als in einem kurzen Auftritt als Punker in „Hancock“ zu sehen.
Kristina Kostiv, die zuletzt in dem fantastischen Horrorstreifen „German Angst“ zu sehen war und demnächst in der Neuinterpretation von „The Corpse Grinders“  unter der Regie von Timo Rose ihr Können zeigt, wird ebenfalls mit von der Partie sein wie Gioele Viola (aktueller Film Marcel Walz‘ „Blood Feast“).
Und als maskierter Bösewicht Valenton Wolf hat sich Andreas Rimkus angetragen. 🙂
Gastauftritte von Nick Príncipe, Mike Mendez und weiteren Gästen sind geplant und wenn alles gut geht, wird die Stimme einer legendären Horrorfilm-Ikone in einer Schwarzeinblendung am Anfang den Zuschauer vor dem Film warnen.
Mit dabei sind voraussichtlich noch Laura-Sofie Bakowsky, Chris Friedling und Ralph Steiger.

image (1)

Editor wird Kai E. Bogatzki sein, den man von „La Petite Mort 2 – Nasty Tapes“, „Blood Feast“ (2016) und Timo Roses „Reeperbahn“ und „Nature“ kennt.  Außerdem habe ich erst vor kurzem über sein erstes Langfilm-Projekt „Scars of Xavier“ berichtet.

Co-Autorin ist Annika Strauss, die man  als Buchautorin und Schauspielerin kennt.
Die Spezialeffekte übernimmtz Frank Schröter, der bereits an Filmen wie „Alien Vs Predator“, „Resident Evil“ oder auch „German Angst“ beteiligt war.
Produzent ist John Lepper, der u.a die Found-Footage Filme MOTH und BE MY CAT: A FILM FOR ANNE produziert hat.

Klingt alles ziemlich gut, würde ich sagen, oder?
Gedreht wird im Schwarzwald, wo ja bereits einige Legenden und Grimm’sche Märchen beheimatet sind. Nun gesellt sich also noch die Legende von Valentin Wolf dazu, der vor 20 Jahren von seiner Mutter in den Wäldern ausgesetzt wurde, wo er wie ein Tier aufwuchs. Valentin ist eine Missgeburt, halb Mensch halb Wolf, und wurde deshalb von seiner Mutter im Stich gelassen. Nun erzählt man sich, dass diese Missgestalt von Wanderern, Förstern und Jägern gesehen wurde.

Beer hat vor, einen atmosphärischen Film zu schaffen, der sich von  anderen Found Footage-Produktionen abhebt, in dem er neue Wege geht. Alleine die Kombination aus Found Footage und Slasher könnte tatsächlich ein sehenswertes Ergebnis hervorbringen, das neuen Wind in das Genre bringt. Auch soll Musik eingesetzt werden, was natürlich einer tollen Stimmung definitv zugute kommen würde. Ich bin wirklich sehr gespannt darauf, wie Beer den Zuschauern das Fürchten lehren will, zumal er nur gezielte, dafür aber realistische, brutale Effekte einsetzen will, die nicht übertrieben blutig, sondern eben auf einer autenthischen Ebene schockieren sollen. Aber eben nicht nur … und vielleicht gelingt ihm dadurch tatsächlich eine Mischung aus hartem Splatter-Slasher-Horror und einer gruseligen Atmosphäre, die vielen solcher Produktionen abhanden gekommen ist. Denn meist sieht man nur „langweilige“ Wackelkamerafahrten oder man wird von blutigen Splattereffekten überrollt. Eine Mischung aus beidem wäre tatsächlich etwas Neues.

Und es gibt einen neuen Teaser aus dem Jahr 2016, der ebenfalls neugierig auf das Projekt macht:

Ich freu mich jedenfalls auf diesen Film. Die Dreharbeiten werden in Kürze beginnen.

© 2016 Wolfgang Brunner

Filmprojekt „Scars Of Xavier“

Scars-of-Xavier

Kai E. Bogatzki ist ein talentierter Cutter, der aber auch schon selbst hinter der Kamera stand und auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Seine Kurzfilme zeichnen sich durch eine eigenwillige stylistische Art aus, die den Zuschauer sofort in ihren Bann zieht.

Und nun soll ein atmosphärischer, brutaler Thriller mit Drama- und Horrorelementen der erste abendfüllende Spielfilm des Regisseurs gedreht werden. Nachdem ein Produzent ausgefallen ist, soll die noch benötigte Summe von 4.000,- Euro nun per Crowdfunding finanziert werden.
Bogatzki schart eine nicht unansehnliche Crew um dieses Projekt, das meiner Meinung nach unter allen Umständen das Licht der Filmwelt erblicken muss.
Marc Engel spielt die Hauptrolle und kann bereits im Teaser und auf Fotos absolut überzeugen. Weiterhin hat sich der Regisseur Annika Strauß an Bord geholt, die Genrefreunden aus Filmen von Marcel Waltz oder Olaf Ittenbach bekannt sein dürfte. Zuletzt konnte man sie in dem wunderbaren Horrorfilm „German Angst“ bewundern.
Dieses Projekt ist ein absolutes Traumprojekt von Regisseur Kai E. Bogatzki. Was ich bisher gesehen habe, deutet auf einen extrem düsteren und schockierenden Film hin, der mit Sicherheit wie ein Faustschlag in den Magen wirken wird.
Die Dreharbeiten haben schon begonnen und der Film wird auf englisch mit nationalen und internationalen Darstellern aufgenommen.

Handlung:
Xavier, ein schüchterner Mittvierziger lebt und arbeitet in Prag. Er führt ein unauffälliges Leben am Rande der Gesellschaft. Doch nachts kommt sein wahres Ich zum Vorschein: Xavier ist ein brutaler Killer.
Eines Tages lernt er Karolina kennen, eine Bedienung, die sein Weltbild komplett auf den Kopf stellt. Die beiden kommen sich immer näher. Doch Xaviers Drang zu töten brodelt nach wie vor unter der Oberfläche.

Wie schon oben bemerkt: Der Trailer lässt bereits erahnen, was da auf den Zuschauer zukommen wird. Keine Zombie-Epidemie, sondern ein knallharter, realistischer und brutaler Thriller, der mich ein wenig an „Maniac“  erinnert. Aber Bogatzki wird definitiv seinen eigenen Weg gehen, das hat er mit seinen Kurzfilmen bewiesen.

Bleibt nur zu hoffen, dass das Crowdfunding-Projekt gelingt und die Dreharbeiten fortgesetzt werden können. Wünschenswert wäre es, denn „Scars Of Xavier“ würde definitiv beweisen, dass Deutschland nicht nur platte Komödien, sondern auch ernstzunehmende, harte Thriller zustande bringt.

Wer dem Projekt zu einem Erfolg verhelfen will, kann sich eine der angebotenen Prämien aussuchen, um den Film zu unterstützen oder einen beliebigen Betrag auswählen. Hier geht’s zum Crowdfunding.

Der Countdown läuft.

© 2016 Wolfgang Brunner

Death Wish Zero (2015)

death wish zero

Originaltitel: Death Wish Zero
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose
Kamera: Timo Rose, Andre Koock, Ewa Niziuk
Musik: Myra
Laufzeit: 72 Minuten
Darsteller: Max Evans, Thomas Binder, Rebekka Mueller, Jessy Moravec, Andre Koock, Freddy Chiniti, Maya Trojanowski, Marc Engel, Pierre Wolf, Michael Müller
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: ? (es ist wohl von einer der folgenden Einstufungen auszugehen: SPIO/JK keine Jugendfreigabe oder FSK 18)

*

Heath Chandon ist Auftragskiller, einer der besten. Eines Abends sucht eine junge Frau Hilfe bei ihm und klopft an seiner Wohnung. Heath verliebt sich in das Mädchen und zweifelt an seinem Job. Er entschließt sich, das Killen aufzugeben und will sich bei seiner Auftraggeberin freikaufen. Die ist allerdings alles andere als begeistert und versucht Heath zum Weitermachen zu zwingen. Als dieser aber nicht nachgibt, setzt seine Chefin die übrigen Auftragskiller, die für sie arbeiten, auf Heath an. Eine erbitterte Jagd beginnt …

*

Wo soll ich beginnen? Das erste, das mir nach dem Abspann von „Dead Wish Zero“ durch den Kopf gegangen ist, war: „Was ist das denn für ein verdammt verfi$$t geiler Film?“ Ich kann es gar nicht anders ausdrücken, denn Timo Roses 25te (!!!) Regiearbeit hat mich echt umgehauen – von Anfang bis Ende.
Schon der Einstieg (wieder einmal grandios von Kai E. Bogatzki geschnitten) macht absolut Lust auf das Action-Drama, das sich völlig anders entwickelt hat, als ich ursprünglich dachte. Rose hält trotz der Spannung und Action immer einen melancholischen Unterton, der sich (bis auf das blutige Finale) durch den ganzen Plot zieht. Das ist einfach unglaublich stimmig und nachvollziehbar. Keine Sekunde kommt Langeweile auf, man will wissen, wie es weitergeht, obwohl man es sich eigentlich schon denkt. Und die Morde sind in stylischen, kultverdächtigen Bildern inszeniert.

Max Evans ist neben Jessy Moravec und Marc Engel einfach der Hammer! Evans ist noch besser als in „Nature“, zeigt Emotionen und weckt Gefühle im Zuschauer, die mitreissen. An Evans gibt es absolut nichts auszusetzen, die Rolle ist ihm buchstäblich auf den Leib geschrieben und seine Darstellung ist dermaßen glaubwürdig, dass es einem fast schon Angst macht. 😉 Jessy Moravec meistert ihre Rolle ebenfalls top wie auch Marc Engel als wütender Endgegner. Die Kampfszenen wirkten auf mich sehr überzeugend und echt. Das Finale kommt sehr blutig daher, wirkt aber niemals übertrieben. Handgemachte und computergenerierte Effekte gehen eine überzeugende Symbiose ein, die wirklich Spaß macht. Hin und wieder schimmert dann in diesen Szenen ein leichter Hauch von Amateurfilm durch, der das Ganze aber wohlwollend auflockert und in keinster Weise stört. Timo Roses Regiestil ist sicher und eigenständig. Und vor allem absolut professionell. Die Sets, der Schnitt und wie Rose seine Hauptdarsteller leitet, das alles wirkt nahezu perfekt. Bogatzkis Schnitt fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Ich achte sehr auf solche Dinge in Filmen, aber was dieser Mann teilweise „fabriziert“ ist echt der Knaller.

Nun zum nächsten, absoluten Pluspunkt dieser Produktion. Aus meiner Sicht ein Highlight der Extraklasse, das den ganzen Flair des Films noch zusätzlich unterstreicht und dadurch das geniale Gesamtergebnis zustande bringt. Myras Soundtrack hat mich derart begeistert und in eine Zeit entführt, in der die gute alte Filmmusik noch zur Unterstützung von Stimmungen in einem Film waren. Myra ist sowas wie die weibliche John Carpenter 😉
Ihre Piano- und Synthesizerkompositionen sind unglaublich atmosphärisch und lassen Timo Roses Film tatsächlich wie einen Film von John Carpenter erscheinen. Myras Musik ist aber nicht nur eine wahnsinnnig gute Filmuntermalung, sondern könnte auch hervorragend alleine existieren. So gesellt sich also ein weiterer Pluspunkt in meine (begeisterte) Aufzählung.

Nun kommen wir zu den liebevollen Details, die über den ganzen Film verstreut sind. Mal in einem Mono- oder Dialog und mal in einer Einstellung. Überall verbergen sich Anspielungen auf Kultfilme und solche, die es einmal werden wollten (sollten). Es dauerte nicht lange und ich habe in jeder Szene nach einer versteckten Hommage gesucht. Die Horror- und Actionfilme der 70er und 80er sind unübersehbar vertreten, in einer Einstellung fühlte ich mich sogar an Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ erinnert 😉 und und und … Tarantino und die alten Charles Bronson-Filme und … es ist wirklich Wahnsinn, was Timo Rose zusammen mit seinem Cutter Kai E. Bogatzki (es werden sehr eigenwillige Stilmittel eingesetzt, die mir aber total gut gefallen haben) an Anspielungen für Filmfans eingebaut hat, und das obwohl „Death Wish Zero“ eine vollkommen eigenständige Handlung hat und niemals kopiert wirkt. Daumen hoch!

Ich könnte immer noch weiter schwärmen, aber ich glaube, ich schau mir den Film einfach nochmal an. 😉

*

Fazit: Handwerklich und schauspielerisch professionelles Thriller-Drama mit einem wunderbaren Soundtrack und einem blutigen Finale. Filmfans werden ihre wahre Freude daran haben, sich während der Hommage an 70er und 80er Jahre Filme auf die Suche nach den versteckten Anspielungen zu machen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Abschließend noch einen Riesendank an den Regisseur Timo Rose, der „Film-Besprechungen“ die Workprint-Fassung zur Begutachtung zur Verfügung gestellt hat.

Nature – Season 1 (2015)

nature

Originaltitel: Nature – Season 1
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose
Kamera: Max Evans, Andre Koock, Timo Rose, Maximilian Schmidt, Ned Weisman
Musik: Myra
Laufzeit: 8 x 20 Minuten
Darsteller: Max Evans, Andre Koock, Thomas Binder, Kai E. Bogatzki, Franziska Karbstein, Nina Fischer, Tara Cardinal, Marcel Ceniti, Damien Colletti, Rob Ho, Mike Mendez, Jennifer Lim, Ari Lehman, Ryan Nicholson
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahre

*

Steve Chandon glaubt fest daran, dass er in den Wäldern eine Kreatur findet, die von vielen als Bigfoot bezeichnet wird. Er ist besessen davon, dieses Wesen zu finden und macht sich mit Kameras und Survival-Ausrüstung auf den Weg, um die Existenz dieser Kreatur zu beweisen. Dabei hält er über seinen Blog Kontakt mit der Außenwelt und berichtet über jede seiner Entdeckungen.

*

Wer Tim Roses Filme kennt, denkt jetzt bestimmt, dass er mit seiner Mini-Serie „Nature“ ein Found Footage Splatter-Werk vorlegt. Aber weit gefehlt! Rose schlägt hier einen völlig anderen Weg als bei seinen meisten Filmen ein und das tut „Nature“ außerordentlich gut.
Es ist die ruhige Inszenierung, die einen von der ersten Folge an in seinen Bann zieht. Wunderschöne Naturaufnahmen und fast schon elegische Einstellungen wechseln sich mit Found Footage-Bildern ab, die sich aber vom Wackelfaktor erfreulicherweise in Grenzen halten und wirklich nicht nerven. Bevor ich aber zu Story und Schauspieler Max Evans komme, muss ich etwas über den Vorspann der Serie loswerden:
Kai E. Bogatzki, der sich auch für einige Vorspanne von Regisseur Marcel Walz verantwortlich zeigt, hat hier eine hammermäßige Arbeit geleistet. Das ist einfach phänomenal, wie Schriften, Bilder und Musikuntermalung da schnitttechnisch zu einem Vorspann zusammengeführt wurden, der mich an die geniale Eingangssequenz von „Six Feet Under“ erinnert. Hier kann ich meine Begeisterung echt schwer im Zaum halten, so gut finde ich diese Komposition aus Schnitt, Bild, Schrift und Musik. Bogatzki beherrscht Filmschnitt. Das ist auch in allen Folgen zu sehen und zu bewundern.
Und die Musik von Myra ist ebenfalls genial, allen voran aber das Titelthema, das packt und an das Main Theme der obengenannten Serie „Six Feet Under“ und das „Akte X“-Intro erinnert.  Großartige Arbeit.

„Nature“ lebt zum einen von den wirklich wunderschönen Naturaufnahmen und zum anderen von der überzeugenden und realistischen Darstellung des Steve Chandon, dem Schauspieler Max Evans einen glaubhaften Charakter verleiht. Als geschickten Schachzug empfinde ich, dass die Bigfoot-Thematik in einen Found Footage Film eingebaut wurde. Anfangs dümpelt die Story ruhig dahin, was für einige bestimmt äußerst langweilig wirkt. Ich empfand aber diese „Eingewöhnungs“-Folgen als sehr stimmig und realistisch. Man lernt den Protagonisten und sein Vorhaben kennen, begleitet ihn bei der Suche nach der Kreatur und wartet, ebenfalls wie er, dass etwas passiert. Ich fand das sehr angenehm und auf gewisse Art und Weise spannender als Actionszenen.
Max Evans überzeugt auf ganzer Linie, wenn er sich im Verlauf der Serie immer mehr von einem besessenen, aber netten Mann, in ein unsympathisches „Ar§§§loch“ verwandelt. Niemals wirkt seine Darstellung überspitzt, sondern eher wie eine Einmann-Show, die Evans in jeder Folge fest im Griff hat.

Der Spannungsbogen wird souverän von Timo Rose Folge für Folge aufgebaut und findet in den letzten beiden Episoden eine wirklich unerwartete Wendung, die enorm Spaß macht.
Timo Rose und sein Team bringen in den Found Footage-Bereich frischen Wind: Zum einen, weil sie die erste Serie in diesem Stil überhaupt auf die Beine gestellt haben und zum anderen, weil sie dieses Stilmittel nicht bis zum Erbrechen ausreizen, sondern auch unwackelige Stativaufnahmen verwenden. Diese Mischung macht „Nature“ zu etwas Besonderem und Erfrischendem in diesem Bereich.
Während der ganzen Season merkt man, dass Regisseur, Cutter, Schauspieler und das weitere Team unglaublichen Spaß an dieser Produktion hatten und perfekt miteinander harmonierten.
Man merkt, dass Season 1 aufhört, als könnte es das Ende sein, aber es könnte durchaus auch weitergehen. Ein Schritt, denn die Macher wahrscheinlich deswegen in dieser Art machten, um erst einmal zu sehen, wie die Serie beim Publikum ankommt. Ich für meinen Teil möchte eine zweite und dritte Staffel (wie von den Machern geplant) jetzt sofort!!! 😉

Wer die erste Staffel haben möchte, findet sie zum Beispiel auf Amazon —> KLICK MICH!

DSCN2443_2

*

Fazit: Realistisch und optisch wunderbar inszenierte Jagd auf den legendären Bigfoot. Charakterstudie und Found Footage-Mystery-Horror in einem, kann „Nature“ vor allem durch seine vorwiegend ruhige, aber nicht minder spannende, Inszenierung überzeugen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Liebe (2014)

Liebe2

Originaltitel: Liebe
Regie: Kai E. Bogatzki
Drehbuch: Kai E. Bogatzki
Kamera: Lucas Blank
Musik: René Bidmon
Laufzeit: 15 Minuten
Darsteller: Isabelle Aring, Nikolai Will
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland
Freigabe: —

*

Nach einem Unfall findet das Glück des Ehepaars Christian und Sylvia ein abruptes Ende: Sylvia sitzt querschnittsgelähmt im Rollstuhl und Christian versucht mit allen Mitteln, seiner großen Liebe das Leben zu verschönern. Aber die Aufgabe zehrt an seinen Nerven und er beginnt zu trinken. Immer öfter kommt es zu Streitereien, bis eine dieser Auseinandersetzungen eskaliert. Aber Christian gibt nicht auf, die Liebe zu Sylvia aufrechtzuerhalten.

*

„In guten wie in schlechten Zeiten“, heißt es bei der Eheschließung. Dieser Thematik nimmt sich Regisseur Bogatzki in seinem Kurzfilm „Liebe“ an und zeigt, an welche Grenzen ein Paar stößt, wenn das Glück von einer Sekunde auf die andere zerstört und die Beziehung auf die Probe gestellt wird. Auf sehr hohem Niveau schildert Bogatzki das Leben der beiden und zeigt, dass er das Regiehandwerk vorzüglich beherrscht. Lucas Blanks Kameraarbeit ist ebenfalls beachtlich, wenn er Mann und Frau durch die Wohnung und bei ihrem Alltag begleitet. René Bidmons Score ist der Hammer und untermalt das elegisch-melancholische Drama hervorragend. Das Zusammenspiel von Regisseur, Kameramann, Filmmusik-Komponist und den beiden Darstellern könnte besser nicht sein. Und obwohl im Film sehr viele (geniale) Schnitte sind, wirkt er immer ruhig und niemals hektisch.
Manchmal ähnelt das Szenario Michael Hanekes gleichnamigem Film aus dem Jahr 2012 („Liebe“), aber Bogatzki geht einen eigenen Weg, der an die Grenze des subtilen Horrors gelangt, sie aber im Grunde genommen eigentlich gar nicht überschreitet. Oder doch? Es ist eine Gratwanderung, die Bogatzki da begeht. Und er meistert sie grandios, wickelt den Zuschauer in ein Psychonetz ein, aus dem es kein Entkommen mehr gibt. Obwohl der Film nur eine Viertelstunde dauert, beinhaltet er eine beeindruckende und tiefgreifende Geschichte.

Nikolai Will verleiht seiner Rolle einen unglaublich dichten und authentischen Charakter. Liebevoller Ehemann, naiv verspielt kindlicher Pfleger oder streitlustiger Alkoholiker. Egal, was dieser Mann darstellt, er macht es einfach gut. Und wenn es, wie in diesem Fall, fast schon eine Art Kammerspiel ist, in der nur zwei Charaktere eine tragende Rolle spielen, dann blüht Will auf. Aber auch Isabelle Aring gibt eine gute Figur ab, obwohl sie nur selten zu sehen ist. Wahrscheinlich aber beeindruckt gerade die Bewegungslosigkeit und das Nichtagieren, das manches Mal an eine Puppe erinnert, unterbewusst den Zuschauer. Bogatzkis Reise in einen menschlichen Abgrund fesselt und verstört zu gleichen Teilen. Durch die grandiose Schauspielerleistung Nikolai Wills und den unglaublich gefühlvollen Soundtrack René Bidmons wird man von der ersten Minute an in eine eigenwillige Stimmung gerissen, die aus melancholischer Nostalgie und erschreckender Alptraum-Realität besteht. Man wird Voyeur und leidet sowohl mit dem Mann als auch der Frau.
Man möchte gerne wissen, was Bogatzki uns mit seiner traurigen Geschichte erzählen will und wird plötzlich aus seiner eigenen Lethargie, die der der Protagonisten gleicht, mit einem schockierenden Aha-Erlebnis herausgerissen. Im letzten Drittel wird „Liebe“ zu einem Schocker, der einen wirklich trifft und sprachlos macht. Und dennoch vermittelt dieses Ende erstaunlicherweise etwas melancholisch Verzweifeltes, das irgendwie eine unglaublich große Liebe darstellt. Wenn der Film zu Ende ist, bleibt Nachdenklichkeit und Traurigkeit zurück. Und die Erinnerung an einen unglaublich gut inszenierten Kurzfilm mit einem hervorragenden Hauptdarsteller und einer grandiosen Musik.

*

Fazit: Intensiv, melancholisch, traurig und am Ende schockierend. Grandiose Schauspielerleistung von Nikolai Will, hammermäßige Musik von René Bidmon und erstklassige Regiearbeit. Den Namen Kai E. Bogatzki sollte man sich merken. Ich tue es auf jeden Fall. 🙂

© 2015 Wolfgang Brunner