Das Dorf der Verdammten (1995)

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Originaltitel: Village Of The Damned
Regie: John Carpenter
Drehbuch: David Himmelstein
Kamera: Gary B. Kibbe
Musik: John Carpenter, Dave Davies
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Christopher Reeve, Kirstie Alley, Linda Kozlowski, Michael Paré, Mark Hamill, Peter Jason, George Flower
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Aus heiterem Himmel und ohne irgendwelche Vorzeichen fallen alle Bewohner des kleinen, beschaulichen Örtchens Midwich in eine Ohnmacht, die sechs Stunden anhält. Nur wenige Tage nachdem die Menschen aus ihrem mysteriösen Koma wieder erwacht sind, stellt der Arzt Dr. Chaffee bei zehn Frauen fest, dass sie alle während jener sechs Stunden geschwängert wurden. Lange Zeit sind sich die Ehepaare nicht sicher, ob die Kinder von ihnen stammen oder ob eine fremde Macht hinter den Schwangerschaften steckt. Doch als die Kinder heranwachsen, besteht kein Zweifel mehr, dass sie nicht menschlichen Ursprungs sind …

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Horror-Ikone John Carpenter nahm sich dem Science Fiction Klassiker aus dem Jahr 1960 an und passte die Handlung der Zeit an. Herausgekommen ist ein ansehnlicher Thriller, der mich heute mehr überzeugte als seinerzeit bei Erscheinen. Wenn ich mich richtig erinnere, war Carpenters Remake damals nicht wirklich erfolgreich, was ich heute gar nicht mehr nachvollziehen kann, denn die Carpenter typische Inszenierung ist absolut vorhanden.

„Superman“ Christopher Reeve hat mich in seiner Rolle als Arzt überzeugt und alleine schon die Tatsache, dass er in Carpenters Film die letzte Rolle vor seinem schlimmen Reitunfall spielte, macht „Das Dorf der Verdammten“ für mich zu einem besonderen Film. Die heimlichen Stars des Films sind allerdings die Kinder, die ihre Partien erschreckend realitätsnah spielen und so manches Mal einen Gesichtsausdruck zur Schau stellen, der einem tatsächlich eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Das Wiedersehen mit „Luke Skywalker“ Mark Hamill hat für Filmfans sicherlich auch seinen Reiz.
Kameramann Kibbe fängt mit seinen Kamerafahrten gekonnt die beklemmende Atmosphäre des Ortes ein und verleiht dem Film einen Carpenter-Touch, wie wir ihn bereits von „Die Fürsten der Dunkelheit“, „Sie leben“ und „Die Mächte des Wahnsinns“ kennen. An manchen Stellen kommt es mir vor, als hätte Carpenter die Grundidee seines 1988er Films „Sie leben“ irgendwie weitergeführt. Die Kinder erinnerten mich allzu oft an die Aliens aus besagtem Science Fiction-Horror.

Musikalisch bekam John Carpenter dieses Mal Unterstützung von Dave Davies, dem Leadgitarristen und Mitbegründer der „Kinks“. Herausgekommen ist eine sehr stimmungsvolle und passende Untermalung des Horror-Remakes. Carpenter hält sich sehr eng an das Original aus dem Jahr 1960, verpasst der Handlung lediglich einen zeitgemäßen Neuanstrich und schafft, zumindest aus meiner Sicht allein schon durch die hervorragende Musik, dennoch eine weitaus stimmungsvollere Atmosphäre als der alte Schwarz-Weiss-Film.

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Fazit: Überzeugend, unheimlich und stimmungsvoll. Carpenters Remake des alten Filmklassikers überzeugt durch eine gute Inszenierung, hervorragende Musik und fähigen Schauspielern.

© 2015 Wolfgang Brunner

Sie leben (1988)

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Originaltitel: They Live
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter (unter dem Pseudonym Frank Armitage)
Kamera: Gary B. Kibbe
Musik: John Carpenter, Alan Howarth
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Roddy Piper, Keith David, Meg Foster, Peter Jason, Norman Alden, Al Leong
Genre: Horror, Science Fiction, Thriller
Produktionsland: USA
FSK: ab 18 Jahren

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Als John Nada eine Sonnenbrille findet und sie aufsetzt, macht er eine unglaubliche Entdeckung. Egal, wohin er sieht, erblickt er seltsame Botschaften, die ihm „befehlen“, zu konsumieren und zu gehorchen. Einige der Menschen sehen anders aus, wenn John die Brille aufsetzt und bald entdeckt er, dass die Erde Opfer einer Alieninvasion geworden ist. Die Außerirdischen versuchen, die Menschen durch die versteckten Botschaften zu manipulieren, um dann die Herrschaft über den Planeten zu übernehmen. John Nada nimmt den Kampf auf …

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Kultregisseur John Carpenter hat mit „Sie leben“ einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere hingelegt. Zur damaligen Zeit wahrscheinlich unterschätzt, erzählt der Film eine Geschichte, wie sie heutzutage (wenn man die Aliens mal ausklammert) ohne weiteres wahr sein könnte. Sozialkritisch beleuchtet Carpenter die Menschen, die sich sehr leicht beeinflussen lassen und nur auf Konsum, Macht und Geld fixiert sind. Heute, 25 Jahre nach seinem Erscheinen, macht mich Carpenters verkanntes Werk nachdenklicher als seinerzeit.

Gut, man merkt dem Streifen sein Alter an, keine Frage. Die Masken der Aliens wirken teilweise lächerlich, obwohl sie dennoch auch irgendwie immer noch erschreckend und befremdlich aussehen. Aber die Stimmung, die Carpenter (vor allem am Anfang) schuf, ist einfach nur toll. Das liegt mit Sicherheit wieder an der gewohnten Musikuntermalung, die aus Carpenters eigener Feder in Zusammenarbeit mit Alan Howarth (wie schon bei Halloween, Die Klapperschlange, The Fog, Die Fürsten der Dunkelheit, Christine …) stammt, aber auch an den faszinierenden Kamerafahrten von Gary B. Kibbe, der seit 1987 den Carpenter-Stamm-Kameramann Dean Cundey abgelöst hat.

Einziges Manko an „Sie leben“ ist die fünfminütige „Klopperei“ zwischen den beiden Hauptdarstellern, wenn es darum geht, eine der geheimnisvollen Brillen aufzusetzen. Die wirkt auch noch heute auf mich unnötig in die Länge gezogen und übertrieben. Genau jene Prügelei ist es auch, die den Film damals auf den Index gebracht hat, wobei ich nicht verstehe, aus welchem Grund. In der Uncut-Fassung ist diese Szene also enthalten, in der gekürzten fehlt sie.

Ansonsten ist „Sie leben“ für mich ein typischer Carpenter-Film, wenn auch nicht einer seiner absolut besten.

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Fazit: In die Jahre gekommen, aber immer noch aussagekräftig. Carpenter kann es einfach und auch „Sie leben“ besitzt in meinen Augen, wie fast alle Filme des Regisseurs, eindeutig Kultcharakter.

© 2014 Wolfgang Brunner

The Fog – Nebel des Grauens (1980)

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Originaltitel: The Fog
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, Debra Hill
Kamera: Dean Cundey
Musik: John Carpenter
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Adrienne Barbeau, Jamie Lee Curtis, Janet Leigh, Hal Holbrook, Tom Atkins, John Houseman, Nancy Loomis
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Vor 100 Jahren, so erzählt eine Legende, haben die ersten Siedler der Küstenstadt Antonio Bay durch ein falsches Leuchtfeuer-Signal ein Schiff, auf dem sich Leprakranke befanden, gegen ein Riff gesteuert. Sie wollten dadurch verhindern, dass in ihrer Nähe eine Leprakolonie gegründet wurde. Jetzt, 100 Jahre später und pünktlich zur Hundertjahrfeier von Antonio Bay, kehren die Geister des Schiffsunglücks zurück und wollen Rache …

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Bei Kinostart ein Flop, mauserte sich Carpenters „The Fog“ danach anschließend immer mehr zu einem Kultfilm. Alleine schon die Musikuntermalung des Films ist der Hammer. Wie schon bei „Dark Star“, „Assault On Precinct 13“ (Das Ende) und „Halloween“ zeigt sich Regisseur Carpenter auch hier wieder selbst als Komponist. Diese Tradition führte er dann noch bei vielen Nachfolgefilmen fort.

Stimmungsvoll, unheimlich und actionreich inszenierte Carpenter einen Horrorfilm, der auch nach wiederholtem Ansehen immer wieder Spaß macht. Neben der zu damaligen Zeit eingeschworenen Carpenter-Schauspielerriege (Jamie Lee Curtis, Nancy Loomis, Tom Atkins) ist auch  die Mutter von Scream-Queen Jamie Lee Curtis, „Psycho“-Star Janet Leigh, zu sehen. Die Special-Effects wurden beim damaligen Saturn Award ausgezeichnet. Und auch wenn sie heute antiquiert wirken, so zeigen sie dennoch Wirkung.

Wie schon in „Assault“ wechselt Carpenter auch bei „The Fog“ zwischen spannenden Szenen und ruhigen Momenten, was dem Film eine wirklich tolle Atmosphäre verleiht, die durch die oben bereits erwähnte Musik noch unterstützt wird. Auch bei diesem Film sieht man, mit welcher Freude Carpenter an seine Inszenierungen heranging und welche Vorbilder ihn beeinflussten.

Auch wenn die Handlung nicht immer hundertprozentig logisch wirkt, ein Erlebnis bleibt der Film auch nach so vielen Jahren immer noch. Carpenter eben! 🙂

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Fazit: Stimmungsvoll und effektvoll in Szene gesetzter Horrorfilm, der durch eine perfekte Inszenierung, tolle Schauspieler und eine atmosphärische Musik immer wieder begeistern kann.

© 2014 Wolfgang Brunner

Die Mächte des Wahnsinns (1994)

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Originaltitel: In The Mouth Of Madness
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Michael De Luca
Kamera: Gary B. Kibbe
Musik: John Carpenter & Jim Lang
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Sam Neill, Julie Carmen, Jürgen Prochnow, David Warner, John Glover, Charlton Heston
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Romans „Die Mächte des Wahnsinns“ ist der Horror-Schriftsteller Shutter Cane plötzlich nicht mehr auffindbar. Da Cane sehr bekannt ist und jede Menge Fans auf sein neuestes Werk gespannt sind, stößt sein Verschwinden auf großes öffentliches Interesse. Sein Verleger und die Lektorin beauftragen den Privatdetektiv John Trent, den Autor zu suchen. Als sich Trent immer mehr in die Bücher des Schriftstellers vertieft, um auf etwaige Spuren zu stoßen, verstrickt er sich immer mehr in einem Alptraum, der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sprengt.

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Der mittlere Film von John Carpenters „Apokalyptischer Trilogie“ (Das Ding aus einer anderen Welt, Die Mächte des Wahnsinns, Die Fürsten der Dunkelheit) ist eine Hommage an den fantastischen und visionären Schriftsteller H.P. Lovecraft.  Virtous zieht uns Carpenter in den Bann dieser unglaublichen Geschichte, die voller verspielter Anspielungen auf das Lovecraft’sche Universum steckt.
Wer Lovecraft nicht kennt, wird dennoch Spaß an der Geschichte haben, die die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie gekonnt sprengt.

Sam Neill spielt seine Rolle wirklich gut und wie er aufgrund der Vorkomnisse vollkommen verrückt wird, nimmt man ihm ohne weiteres ab. Die Bilder, die uns Carpenter präsentiert, haben starke Ähnlichkeit mit denen, die wir in „Die Fürsten der Dunkelheit“ zu sehen bekommen. Der Regisseur hat also, was die Optik betrifft, in den letzten beiden Filmen seiner Trilogie (die handlungstechnisch übrigens absolut gar nichts miteinander zu tun haben) den gleichen Weg eingeschlagen.

Es ist sehr hilfreich bei diesem Film, wenn man zumindest einige der Geschichten von Lovecraft gelesen hat, um das „Denken“ dieses Schriftstellers zu verstehen. Es ist unübersehbar, dass Carpenter selbst ein Fan H.P. Lovecrafts ist, auch wenn er das Drehbuch, wie sonst bei vielen seiner Filme, nicht geschrieben hat.
Wie die Macht eines Schriftstellers über seine LeserInnen dargestellt wird, ist grandios. Prochnow spiet den wahnsinnigen Autor überzeugend und man spürt förmlich die Besessenheit.
Und wenn man dann am Ende die Kreaturen sieht, wie man sie sich als Lovecraft-Leser tatsächlich immer vorgestellt hat, dann macht das schon ungemein Spaß.
Die Mächte des Wahnsinns“ ist nicht unbedingt Carpenters Meisterwerk, aber ein außergewöhnlicher Film ist es allemal, weil er eine Thematik behandelt, die  im Grunde genommen nicht verfilmbar ist. Carpenter hat es meiner Meinung nach aber dennoch überzeugend und einigermaßen logisch rübergebracht.

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Fazit: Stilsicher und überzeugend inszenierte Hommage an H.P. Lovecraft. Für Lovecraft- und John Carpenter-Fans daher ein Muss. Wer einen „einfachen“ Horrorfilm erwartet, wird mit den vielen Anspielungen überfordert sein und den wahren Gehalt dieses Films nicht erfassen.

© 2014 Wolfgang Brunner

Christine (1983)

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Originaltitel: John Carpenter’s Christine
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Bill Phillips
Kamera: Donald M. Morgan
Musik: John Carpenter, Alan Howarth
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Keith Gordon, John Stockwell, Alexandra Paul, Roberts Blossom
Genre: Horror, Literatur
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Der Schüler Arnie Cunningham verliebt sich in „Christine“. Das ist nicht die lokale Schönheit, wie man vielleicht denken mag, sondern ein Auto. Und zwar ein 1958er Plymouth Fury, der seine besten Tage schon hinter sich hat. Mit der Arbeit an dem fast schrottreifen Fahrzeug versucht Arnie seinen Status als Außenseiter in der Schule auszugleichen. Arnie wird besessen davon, das Auto wieder flott zu machen und in seinen Urzustand zu bringen. Doch dabei verändert sich nicht nur der Wagen, sondern auch er selbst. Zunächst scheint alles nur positive Auswirkungen zu haben, denn Arnie lässt sich nicht mehr alles gefallen. Sein neues Selbstbewusstsein trägt aber auch negative Züge, weil er nicht mehr so verständnisvoll wie früher ist. Darunter leidet sein Freund Dennis und auch seine Freundin Leigh. Als ein paar Rowdys unter Führung Buddy Reppertons den Fehler begehen, sich an „Christine“ zu vergreifen, hat das grausame Folgen …

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Es gibt Autos. Es gibt schöne Autos. Und es gibt „Christine“, der blechgewordene Traum von sicher so manchem Autoliebhaber. Es tut schon fast weh, „Christines“ Ende zu kennen und zu sehen. Nachdem ich vor ein paar Tagen das gleichnamige Buch meines Lieblingsschriftstellers Stephen King zuende gelesen hatte, wollte ich auch unbedingt die Verfilmung sehen. Es ist schon schwer, aus einem guten Buch von Stephen King auch einen guten Film zu machen. Zuviel spielt sich bei King in den Köpfen seiner Figuren ab und zuviel Spannung entsteht aus den komplizierten Verhaltensweisen, die King von ihnen entwirft. Alle paar Jahre nur gelingt es, eines seiner Werke so zu verfilmen, dass es dem Buch gerecht wird. Doch da der Streifen von der Horror-Legende Carpenter ist, war ich ziemlich gespannt und zuversichtlich. Ich wurde nur teilweise enttäuscht. Natürlich ist es nicht möglich, in 110 Minuten Spieldauer jeden einzelnen Charakterzug der beteiligten Personen aus rund 650 Seiten unterzubringen. So empfehle ich, vorher das Buch zu lesen und dann erst den Film anzusehen. Dadurch versteht man ihn besser.

Carpenter gelingt es ohne Blutvergießen eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Natürlich merkt man dem Film an, das er in den 80er Jahren gedreht wurde, aber ich bezweifle, dass heutzutage bei einer Neuverfilmung sehr viel Besseres herauskommen würde. Der Film hat zwar (wie das Buch auch) ein paar kleine Unstimmigkeiten, aber diese darf man getrost der künstlerischen Freiheit zuschreiben. Beeindruckt haben mich noch die schauspielerischen Leistungen, besonders die des jungen Arnie Cunningham, gespielt von Keith Gordon. Man konnte sehr gut sehen, wie er durch „Christine“ immer mehr besessen wurde und sich veränderte.

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Fazit: Alles in allem kann man mit „John Carpenter’s Christine“ recht zufrieden sein. Ich war es jedenfalls, vielleicht auch weil mir das Buch (wie fast alle Bücher von King) sehr gut gefallen hat. Wenn ich eines zuende gelesen habe, denke ich immer: das war jetzt sein Bestes, das kann er nicht übertreffen. Und ich werde bei jedem Buch, das ich noch nicht kenne, immer wieder auf’s neue überrascht. Das ist bei den Verfilmungen leider nicht ganz so, aber wie gesagt, es ist nicht einfach, einen King zu verfilmen. Am Ende ist es jedoch auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.

© 2014 Lucas Dämmig

Doomsday – Tag der Rache (2008)

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Originaltitel: Doomsday

Lauflänge: 109 Minuten

Regie: Neal Marshall

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„The Reaper“, ein tödliches Virus sucht die Menschheit heim und Hunderttausende fallen der geheimnisvollen Krankheit zum Opfer. Um eine Pandemie zu verhindern, beschließt die britische Regierung, ganz Schottland vom Rest des Landes abzutrennen, um Gesunde von Infizierten zu trennen und die tödliche Kranheit einzudämmen.
30 Jahre später denkt kein Mensch mehr an „The Reaper“ und jeder hat sich an die Sperrzone gewöhnt. Doch dann taucht der Erreger plötzlich außerhalb von Schottand auf und bedroht erneut die ganze Menschheit.
Nur Dr. Kane, der aber damals in die Sperrzone verbannt wurde, weiß das Gegenmittel, um die Krankheit aufzuhalten. Eden Sinclair, eine Frau, die vor 30 Jahren durch „The Reaper“ ihre Mutter verloren hat, nimmt den Auftrag an, in der von Infizierten bewohnten Zone nach Dr. Kane zu suchen.

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Es ist schon eine Zeit her, dass ich „Doomsday“ gesehen habe. Damals handelte es sich um die ca. zehn Minuten gekürzte deutsche FSK 18-Fassung und ich muss ehrlich gesetehen, dass der Film damals keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat.  Umso erstaunter war ich nun, als ich die ungekürzte Version sah.

Marshall bedient sich zwar, zumindest in der Ausgangssituation, ungehemmt an John Carpenters „Die Klapperschlange“ und mixt mitunter dann Passagen in seinen Endzeitfilm, die an Mad Max 2 erinnern, aber dennoch weiß „Doomsday“ zu faszinieren.
Anstelle von Snake Plissken wird eine Frau namens Eden Sinclair in einen abgeriegelten Ort voller Anarchie eingeschleust, doch die Grundstimmung ähnelt weitgehend dem Carpenter-Klassiker.
Schauspielerisch kann der Film mit akzeptablen Leistungen aufwarten, wobei ich Craig Conway als Sol Kane besonders hervorheben möchte. Seine Darstellung des völlig abgedrehten, irren Anführers war beeindruckend.

Die in der deutschen Fassung geschnittenen Szenen mögen brutal sein, aber sie sind der Handlung und der Atmosphäre des Filmes dienlich, weshalb ich auch vermute, dass mir der Film in der geschniittenen Fassung nur bedingt gefallen hat.
In der ungekürzten Fassung macht „Doomsday“ auf jeden Fall Spaß und als Bob Hoskins-Fan genoss ich die Auftritte des britischen Schauspielers, der übrigens seit 2011 leider an Parkinson erkrankt ist und sich daher aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hat.

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Fazit: Akzeptabler Endzeitfilm im Stil von „Die Klapperschlange“ und „Mad Max 2“, der dennoch eigenständige Ideen vorweisen kann und daher für Actionfans absolut sehenswert ist. Der Gore-Anteil ist in der ungekürzten Fassung gut über den Film verteilt und für den Handlungsverlauf stimmig.

© Wolfgang Brunner

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Der Science-Fiction-Actionthriller spielt im Jahr 2008. Das Reaper-Virus ist ausgebrochen und brachte schnell tausenden Menschen den Tod. Ohne Gegenmittel ist die Regierung machtlos, also entscheidet sie sich kurzum das betroffene Gebiet durch eine Mauer zu isolieren und unter Quarantäne zu stellen.
25 Jahre später bricht das das Virus erneut aus, diesmal in London. Eden Sinclair, die taffe Tochter einer damals vom Virus betroffenen Mutter wird mit einem Elite-Team in die Sperrzone geschickt um Dr. Kane, der ein Gegenmittel kennen soll, oder andere Überlebende zu finden. Doch Kane und sein Sohn sind nach all den Jahren übergeschnappt und wollen dies mit allen Mitteln verhindern.

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Nach mehreren ‚Endzeit‘-Filmen die mir gut gefallen haben, wie z.b ‚2012‘, ‚The day after Tomorrow‘ oder ‚The Road‘ war ich offen für einen weiteren Film der diese Stimmung verkörpern sollte.
Leider bin ich von dem Film sehr enttäuscht. Der Anfang hat mir noch sehr gut gefallen, er war düster und spannend gestaltet. Von der Vergangenheit der Protagonistin, über die Verrieglung des Sperrgebiets, bis hin zum Eindringen des Elite-Teams in die Quarantäne-Zone waren interessant und gut gestaltet. Als das Team im ehemaligen Krankenhaus von Dr. Kane ankommt, entdecken sie eine Überlebende und man denkt, es wäre etwas besonderes, bis auf einmal hunderte ‚Punker‘ die Ortschaft stürmen und auf brutale Weise die Soldaten angreifen. Auch Kane, den sie bald später finden, lebt im mittelalterlichen Stil und besitzt eine ‚Arena‘ in der eine Art von Gladiatoren-Kämpfen stattfindet. All seine Leute sind mit Äxten und Speeren bestückt, sie reiten auf Pferden mit Rüstungen und Schilde und jagen die ‚Eindringlinge‘.
Der Rückschritt in die Mittelalter-Zeit wirkt sehr unrealistisch und unpassend. Die von dem Virus bedrohte Welt außerhalb der Zone spielt schon nach einigen Minuten kaum noch eine Rolle, genauso wie die ‚Suche‘ nach einem Gegengift. Vielmehr spitzt sich die Handlung auf einen zeitaufwendigen Rivalenkampf zwischen dem Elite-Trupp und den Überlebenden zu. Kurz vor dem finalen Kampf, findet der Trupp einen hochmodernen Sportwagen, tonnenweise Sprit, Handys und anderes (man hinterfragt erneut die mittelalterliche Lebensweise). Bei einem Autobahn-Showdown zwischen dem Anführer der ‚Punker‘ und Sinclair der Protagonistin, siegt diese und trifft ein paar Meter weiter den Helikopter ihrer Rettung an. Bei der Frage nach dem Gegenmittel, tut sie diese mit dem Blut der scheinbar imunen Überlebenden ab. Die Tochter von Dr. Kane hatte sich freiwillig der Gruppe angeschlossen und dient praktischer Weise nun als Gegenmittel.
Die Protagonistin Sinclair bleibt aus unersichtlichen Gründen im Sperrgebiet, um den Platz als Anführerin der Punk-Gruppe einzunehmen. Der Zuschauer bleibt mit vielen offenen Fragen zurück, wie z.b ob das Blut in ein Gegenmittel umgewandelt werden kann, wie viele Infizierte es in London bereits gibt und was mit den Überlebenden aus dem Sperrgebiet passiert, denen durch den Virus scheinbar keine Gefahr droht.

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Fazit: Der Film besitzt in meinen Augen keinen klaren Handlungsfaden. Der zu Beginn aufgegriffene Faden, wird im Haupteil fast vollkommen fallen gelassen und erst in den letzten paar Minuten wieder aufgegriffen, um dem Film einen halbwegs sinnvolles Ende zu bescheren. Zu loben sind die schauspielerischen Leistungen und diverse Special Effects, dennoch werde ich mir diesen Film wohl nicht erneut ansehen.

© Jasmin Hegmann