The Butchers – Meat & Greet (2014)

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Originaltitel: Death Factory
Regie: Steven Judd
Drehbuch: David McClellan, Stephen Durham
Kamera: Clint Childers
Musik: VA
Laufzeit: 80 Minuten
Darsteller: Semi Anthony, Damien Puckler, Randall Bosley, Cameron Bowen, Braxton Davis, Mara Hall, Jacob Hobbs, Tonya Kay, Christy Keller, Charito Mertz, Milly Sanders
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Auf dem Weg zum Grand Canyon bleibt eine Gruppe Touristen auf halber Strecke mit ihrem Reisebus liegen. Sie entscheiden sich, in einem nahegelegenen Museum nach Hilfe zu suchen. Das Museum behandelt die weltweit bekannten Serienmörder John Wayne Gacy, Jack the Ripper, Jeffrey Dahmer, Zodiac, Ed Gein und Albert Fish. Durch ein satanisches Ritual  erwachen die  gefürchteten Killer zum Leben und machen Jagd auf die Touristen …

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Die Handlung von „The Butchers“ hatte mich angesprochen und der Film beginnt auch ganz erfolgversprechend. Sicherlich merkt man, dass es sich um eine Low Budget-Produktion handelt, aber hat mit der Qualität eines Filmes nicht unbedingt immer etwas zu tun. Die Schauspieler machen ihre Sache anfangs noch ganz gut und, wie bereit erwähnt, macht der Anfang Lust auf eine Slasher-Orgie, zumal wir es hier mit nicht nur einem,  sondern sogar mehreren Serienkillern zu tun haben. Man fragt sich unweigerlich, warum nicht schon früher jemand auf diese sehr ungewöhnliche und vielversprechende Idee gekommen ist, mehrere weltweit bekannte Serienmörder in einem einzigen Film auftreten zu lassen.

Leider vergeigt Regisseur Steven Judd diese an sich brillante Ausgangsssituation gehörig. Und das liegt mit Sicherheit nicht am Amateur-Touch, den der Film immer mehr erhält, je länger er läuft. Denn trotz dieses „Mankos“, das aus meiner Sicht wie gesagt nicht unbedingt eines sein muss, hätte man bedeutend mehr aus diesem Plot herausschlagen können. Und man hätte es weitaus innovativer inszenieren können. Stattdessen verlagert sich die Geschichte in einen stumpfsinnigen Slasher-Film, wie er schon unzählige Male gezeigt wurde, nur eben bedeutend schlechter.

„The Butchers“  hätte unglaublich viel Potential in sich gehabt. Sicherlich ist der Film unterhaltsam (ich will damit sagen, dass es durchaus auch noch viel, viel schlechtere Horrorfilme gibt) und man sieht sich das Ganze auch bis zum Schluss an, ohne sich zu langweilen. Aber man hat einfach etwas anderes, „Größeres“ erwartet. Wünschenswert wäre gewesen, wenn mehr auf die einzelnen Serienkiller und ihre Vergangenheit eingegangen wäre. Das vermittelt zum Beispiel der Vorspann sehr gut, weswegen am Anfang die Erwartungshaltung auch noch relativ hoch liegt. Aber dann werden die berühmten Mörder in ihrem Charakter und in ihrer Darstellungsweise einfach austauschbar dargestellt. Keiner von ihnen stellt im Grunde genommen, die Berühmtheit dar, die er darstellen sollte. Sie werden allesamt zu stinknormalen Killern, die ein Blutbad anrichten. Ein paar Gore-Szenen sind durchaus sehenswert, geben dem Film aber trotzdem dadurch keinen Punkt mehr. Die Schauspieler agieren ab der Hälfte auch nicht mehr besonders motiviert und liefern genau genommen eine schlechte Leistung ab.
Wer’s nicht glaubt, soll sich selber überzeugen. Grundsätzlich wird hier eine wirklich gute Ausgangssituation mit schlechten Schauspielern und noch schlechterer Regie uninspiriert in Szene gesetzt.

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Fazit: Eine wirklich gute Idee wird schlecht umgesetzt und geht im Sumpf unbedeutender Horrorfilmchen gnadenlos unter.

© 2016 Wolfgang Brunner

Der Mieter (1927)

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Originaltitel: The Lodger
Alternativtitel: The Lodger – A Story Of The London Fog / The Case Of Jonathan Drew
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch:  Eliot Stannard
Kamera: Baron Ventimiglia
Musik: –
Laufzeit: 70 Minuten
Darsteller: Marie Ault, Arthur Chesney, June Tripp, Malcolm Keen, Ivor Novello
Genre: Thriller
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Bereits sieben Frauen wurden in London ermordet aufgefunden. Oft wurde ein seltsamer Mann beobachtet, der die untere Hälfte seines Gesichts mit einem Schal versteckt. Eines Tages erscheint bei Daisys Eltern ein Mann, auf den genau diese Beschreibung passt, und der darum bittet, ein Zimmer mieten zu dürfen.
Obwohl Daisys Eltern weiterhin den Verdacht hegen, dass der Unbekannte der Mörder sein könnte, freundet sich ihre Tochter mit ihm an. Und dann geschieht ein weiterer Mord …

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Hitchcocks „Der Mieter“ ist ein wahnsinnig ausdrucksstarker Stummfilm, der eine bedrohliche Atmosphäre sondergleichen schafft. Da erkennt man schon in fast jeder Einstellung den Meisterregisseur, der er eines Tages sein würde. Die Kameraeinstellungen, die fast schon visionäre Bildersprache, ist außergewöhnlich und zeigt, dass Hitchcock seiner Zeit voraus war. Auch wenn sich Hitchcock einige Ideen anderer Stummfilme zunutze macht, schafft er jedoch auch mit diesem, einem seiner ersten Filme, einen eigenen Stil, der wegweisend für seine Zukunft ist.

Das Spiel mit Hell und Dunkel wird hier geschickt angewendet und lässt den Zuschauer nicht mehr aus einem hypnotischen Sog los. Auch wenn der Film fast 90 Jahre auf dem Buckel hat, konnte er mich noch immer absolut begeistern. Es ist schon erstaunlich, wie einen in der heutigen Zeit noch ein Stummfilm derart in seinen Bann ziehen kann. Hitchocks „Der Mieter“ tut das.
Die Bildkompositionen sind unglaublich intensiv und auch hier werden Kameraeinstellungen benutzt, die damals nicht an der Tagesordnung waren. Hitchcock ging von Anfang an seinen eigenen Weg.
Es ist unübersehbar, dass hier die Geschichte von Jack The Ripper zugrunde liegt. Aber der Plot führt den Zuseher an der Nase herum, kann mit überraschenden Wendungen aufwarten, mit denen man nicht rechnet. Das macht Spaß und kommt zu der hervorragenden Inszenierung noch hinzu.

„Der Mieter“ ist für mich der erste „echte“ Hitchcock. Er ist jene Art von Film, die den Weltruhm des Regisseurs eingeleitet haben, denn bereits hier sieht man seine Experimentierfreudigkeit, die zur damaligen Zeit kein anderer Regisseur zeigte. Der Spannungsbogen ist in diesem Film sehr geradlinig gezogen und führt zu einem dramatischen Finale, wie es besser nicht sein könnte.
In diesem Stummfilm-Kleinod ist alles drin, was ein Film braucht: Spannung, Atmosphäre, ein wenig Grusel, Mord und jede Menge Gefühle. Hitchocks Thriller vom Anfang seiner Karriere zeigt das große Potential, das in dem damals 28-Jährigen steckte.

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Fazit: Mit unglaublicher Atmosphäre und einem stetig steigenden Spannungsbogen zeigt Alfred Hitchcock in einem seiner frühen Filme einen Kriminalfall, der den Zuschauer, obwohl es „nur“ ein Stummfilm ist, vollkommen in seinen Bann zieht.

© 2015 Wolfgang Brunner