Eden Lake (2008)

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Originaltitel: Eden Lake
Regie: James Watkins
Drehbuch: James Watkins
Kamera: Christopher Ross
Musik: David Julyan
Laufzeit: 87 Minuten (uncut)
Darsteller: Kelly Reilly, Michael Fassbender, Thomas Turgoose, Bronson Webb, Jsck O’Connell, Finn Atkins
Genre: Drama, Thriller, Horror
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
FSK: SPIO/JK (indiziert)

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Jenny und Steve verbringen ein paar friedliche Tage an einem See in der englischen Provinz. Doch schon bald treibt eine Gruppe Jugendlicher ihre provozierenden und gemeinen Späße mit ihnen. Eine erste Auseinandersetzung zwischen Steve und den Halbstarken ist unvermeidlich. Als die Einheimischen das Auto der Urlauber stehlen und bei einer erneuten Auseinandersetzung der Hund eines der Jugendlichen aus Versehen getötet wird, eskaliert die Situation. Ein blutiger Albtraum beginnt.

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„Freitag, der 13.“ trifft auf „Die Klasse von 1984“ – irgendwie so empfand ich „Eden Lake“.
Die Landschaft, in der sich das Drama abspielt, erinnerte von der Stimmung her an die Filmserie um Jason Voorhees. Und die Provokationen der Jugendlichen glichen denen aus Mark L. Lesters Revenge-Thriller aus dem Jahr 1982. „Eden Lake“ lullt den Zuseher erst einmal mit schönen Landschaftsaufnahmen, einem verliebten Ehepaar und ruhiger Musik ein, bevor es so richtig zur Sache geht. Man möchte an manchen Stellen in den Bildschirm schlüpfen, um Jenny und Steve zu helfen und den Jugendlichen ordentlich eine mitzugeben.
Immer wieder versucht Steve, die Beleidigungen der Kinder zu ignorieren und Frieden zu stiften. Aber die Provokationen hören nicht auf und als nach einem eher unfreiwilligen Kampf aus Versehen der Hund eines der Jugendlichen getötet wird, eskaliert die Situation.

James Watkins legt in seinem Regiedebüt weniger Wert auf blutige Gewaltorgien, sondern lässt den Zuschauer mit an der Hilflosigkeit der Protagonisten, und später am wilden Rachefeldzug, teilhaben. „Eden Lake“ ist ein harter Thriller, der einen Alptraum heraufbeschwört, wie er tatsächlich passieren könnte. Eine Verstrickung unglücklicher Zufälle führt von einem Schrecken zum anderen. Manchmal erinnerte mich der Plot auch an die fantastische Jack Ketchum-Verfilmung „Red“.
Watkins versucht, Hintergründe zu eruieren, warum Jugendliche sich so verhalten, gleitet aber in einen schonungslosen, brutalen Revenge-Thriller ab, der seine anfängliche Botschaft bald schon zerstört. Das macht aber nichts, denn der Zuschauer fühlt wie die Protagonisten und will nur noch eines: Rache! Man fiebert also mit und vergisst manchmal, dass es Kinder sind, an denen sich die Erwachsenen rächen wollen. Hin und wieder tun einem dann die Kinder plötzlich doch wieder leid und so ist man in einem Wechselbad aus Gefühlen gefangen, aus dem man nicht mehr entkommt. Denn ab einem gewissen Zeitpunkt ist Schluss mit lustig und Watkins dreht die Spannungsschraube abrupt höher. Geschickt schürt Watkins beim Zuschauer einen Hass auf Kinder (!!!), was im Grunde genommen kein Mensch möchte. Kinder sind liebens- und nicht hassenswert. Aber die Kinder in „Eden Lake“ schaffen es, nicht nur Jenny und Steve, sondern auch uns Zuschauer zu provozieren, bis wir zurückschlagen möchten.

Das Schöne an dem Film ist, dass sich Watkins wirklich Zeit lässt, um die anfangs ruhige Inszenierung schleichend immer schneller vorwärts zu treiben. Man gerät unweigerlich in einen Sog, der einen nicht mehr loslässt und bis zum bitteren Ende in Atem hält.
Schauspielerisch glänzen Kelly Reilly und Michael Fassbender gleichermaßen, obwohl Reilly letztendlich dann doch irgendwie mehr leistet. Gerade durch die anfangs teils berührenden Momente, in denen beide ihre Liebe zueinander zeigen, wird der brachiale Gewaltsturm, der über die beiden sozusagen aus heiterem Himmel hereinbricht, schier unerträglich für den Zuschauer. „Eden Lake“  bietet eine Menge: Drama, Liebe, Thriller, Horror, Splatter … und ist meiner Meinung nach schwer in ein Genre einzuordnen. Im Prinzip ist es ein Drama, das jedem von uns genauso passieren könnte. Und das ist das Erschreckende an diesem Film. So hart und unerbittlich die Bilder sind, die uns Watkins da präsentiert, so hart könnte die Realität für uns aussehen, wenn wir in eine solche Lage kommen würden.

„Eden Lake“ ist, wie die Kinder im Film, provokativ und führt uns vor Augen, wie schrecklich die Wirklichkeit sein kann (und manchmal schon ist). Der Film kommt mir vor wie eine Warnung – eine Warnung vor uns selbst und der Entwicklung der Menschheit. Das ist wahrer Horror …

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Fazit: Schockierend, verstörend, brutal und deprimierend. Ein Thriller-Drama, das es in sich hat und nachhaltig im Magen liegt.

© 2015 Wolfgang Brunner

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Storm Warning (2007)

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Originaltitel: Storm Warning
Regie: Jamie Blanks
Drehbuch: Everett De Roche
Kamera: Karl von Moller
Musik: Jamie Blanks
Laufzeit: 86 Minuten (Unrated)
Darsteller: Nadia Farés, Robert Taylor, David Lyons, Mathew Wilkinson, John Brumpton
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Australien
FSK: ungeprüft

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Rob und seine Frau Pia wollen angeln und sind in der Nähe der Insel French Island unterwegs. Als ein Sturm aufkommt, bemerken sie, dass sie sich verfahren haben. Sie steuern die Insel an und suchen Unterschlupf in einem anscheinend verlassenen Haus. Doch schon bald kehrt die Familie (ein Vater und seine beiden Söhne) zurück und machen sich einen Spaß daraus, das Ehepaar gefangenzunehmen und zu foltern. Rob und Pia beschließen, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, ihre Peiniger zu besiegen. Ein blutiger Alptraum beginnt …

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„Storm Warning“ beginnt wie „Die Reise nach Agatis“ von Marian Dora wie ein harmloser Urlaubsfilm. Gerade diese ruhige Einführungsphase, übrigens ähnlich wie in „Wolf Creek“,  lullt den Zuseher ein und vermittelt, dass alles, was gleich kommen mag, gar nicht so schlimm werden kann. Mit diesem psychologischen Trick nimmt „Urban Legend“-Regisseur Jamie Blanks den Zuschauer auf eine faszinierende Reise, die einen fesselt. Wenn dann der Terror losgeht, ist man bereits so in den Stricken der Spannung verheddert, dass man gar nicht mehr abschalten kann, egal welche schrecklichen Dinge einem erwarten. Natürlich wieder einmal nur in der unzensierten Fassung, die der erwachsene Bürger in Deutschland nicht bekommt.

Der Horror und Terror bricht über den Zuseher herein, wie der Sturm über die Protagonisten. Man ist überrascht, welche Wendungen ein Abenteuer durchleben kann und wie aus einer anfangs unspektakulären Situation ein derartiger Alptraum entstehen kann. Blanks schockt mit blutigen, derben Szenen genauso wie mit psychologischen Horrormomenten. „Storm Warning“ mutet wie eine Mischung aus „Muttertag“ (das Original aus dem Jahr 1980), „Texas Chainsaw Massacre“ (das Original aus dem Jahr 1974) und „Wolf Creek“ an. Man kann sich dem Grauen nicht mehr entziehen, wenn es soweit ist. Entgegen vieler Kritiken finde ich die beiden Hauptdarsteller Nadia Farés und Robert Taylor absolut passend in ihren Rollen und auch ihr Schauspiel hat mich überzeugt.  Mir jagt es jetzt noch einen Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, wie alles beginnt, immer mehr zu eskalieren. An manchen Stellen erinnerte mich der Plot und die sadistischen Ungerechtigkeiten an Michael Hanekes Meisterwerk „Funny Games“, bei dem ich auch heute noch einen Stoß in den Magen bekomme.

„Storm Warning“ ist ein astreiner, brutaler und verstörender Thriller, der einen in Atem hält. Spannungsmäßig wird die Schraube konstant nach oben gedreht, so dass wirklich in keiner Sekunde Langeweile aufkommt. Gegen Ende des Films wird der Zuschauer dann mit perfekt gemachten Splatter- und Goreszenen belohnt, die es in sich haben. Doch der wahre Horror steckt hier nicht in den blutrünstigen Bildern, die man zu sehen bekommt, sonder schlicht und einfach im Handlungsablauf.
Hinzu kommt, das Regisseur Blanks seinen Backwood-Slasher und Rachefeldzug teilweise in sehr stimmungsvollen Bildern inszeniert hat und uns so den Schrecken dadurch noch näher bringt. Denn nicht alles an „Storm Warning“ ist ohne Hoffnung …

In der Unrated-Fassung ein absolutes Highlight im Backwood-Slasher-Genre. Schauspieler, Musik und Inszenierung passen hervorragend zueinander und die Atmosphäre kann sich ebenfalls sehen lassen. Sicherlich bietet der Film nichts Neues, aber alleine die spannungsaufbauende Inszenierung lässt viele Genrevergleiche vergessen. Für mich bleiben die Bilder von „Storm Warning“ unvergesslich.

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Fazit: Extrem spannend und brutaler Backwood-Slasher, der es in der Unrated-Fassung in sich hat. Was leise beginnt, endet in einem blutigen, schockierenden Alptraum.

© 2016 Wolfgang Brunner

Vampire (1998)

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Originaltitel: Vampires
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Don Jacoby
Kamera: Gary B. Kibbe
Musik: John Carpenter
Laufzeit: 108 Minuten
Darsteller: James Woods, Daniel Baldwin, Sheryl Lee, Maximilian Schell, Tim Guinee, Thomas Ian Griffith, Gregory Sierra, Cary-Hiroyuki Tagawa
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahren (indiziert)

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Jack Crow ist professioneller Vampirjäger und mit seinem Team immer auf der Suche nach Vampirnestern. Als er eines Tages in einem Haus auf einen „Meister“ stößt, wird ihm sehr bald bewusst, dass jener Meister derjenige ist, der Jacks Eltern vor Jahren getötet hat. Als er seinen persönlichen Rachefeldzug gegen den Meistervampir beginnt, stößt er gleichzeitig auf eine großangelegte Verschwörung, die anscheinend weltweit den Weg für die im Untergrund lebenden Vampire bereiten will, um die Menschheit zu unterjochen.

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Nach den rasanten Eröffnungssequenzen weiß man sofort, dass man einen Film von John Carpenter sehen wird. Unverwechselbar durch die von ihm selbst komponierte Musik fällt man sofort wieder in eine „Carpenter“-Stimmung, die fast alle seine Filme, außer den Auftragsarbeiten „Starman“ und „Jagd auf einen Unsichtbaren“ verströmen. Man merkt dem Film sicherlich sein Alter an, aber dennoch ist unübersehbar, dass Carpenter sein Regiehandwerk perfekt beherrscht. Manch eingestreuter Witz würde heute gestrichen oder zumindest umgeschrieben werden, aber daran merkt man einfach, dass sich der Humor in den letzten Jahren verändert hat.

Der schräge Genremix aus Splatterhorror und Western funktioniert erstaunlicherweise absolut gut und macht richtiggehend Spaß. Auch hier kann man sehen, wie gut Carpenter Filmemachen beherrscht und diese Richtungsvermischung meistert.

Der Mittelteil von „Vampire“ schwächelt leider ein wenig, ist aber dennoch weit davon entfernt, Langeweile zu verbreiten. Obwohl ich Maximilian Schell gerne sehen, hat er mich in „Vampire“ irgendwie gestört. Ich kann nicht näher erklären, woran es liegt, aber manchmal kam es mir vor, als wäre er von seiner Rolle nicht wirklich angetan beziehungsweise überzeugt gewesen. Da es aber lediglich eine Nebenrolle ist, stört es nicht weiter. Auch das Ende erscheint mir etwas überzogen, hatte aber damals bestimmt eine entsprechende Wirkung, die heute nicht mehr erreicht wird.

Was mich allerdings absolut begeistert hat, und das auch noch nach so vielen Jahren, ist die Ankunft in der vampirverseuchten Stadt Santiago, wo auch das dramatische Finale stattfindet. Die Stimmung, die Carpenter da mit seinen Bildern in Verbindung mit der leicht „westernlastigen“ Musik erschafft, ist unglaublich. Diese Szenen lassen einem Carpenter-Fan wie mir das Herz höher schlagen. Da kommt eine Atmosphäre auf, wie ich sie an seinen Filmen mag.
Das Wiedersehen mit Sheryl „Laura Palmer“ Lee war grandios. Sie hat meiner Meinung nach sogar ein wenig besser gespielt als James Woods, aber das ist wohl immer Geschmackssache. Woods war mir an manchen Stellen einfach zu cool. 😉 Am allerbesten hat mir aber Daniel Baldwin gefallen, der leider im Haufen der anderen schauspielernden Baldwin-Brüder irgendwie untergeht. Er hat mich am meisten überzeugt und spielte seine Rolle mal sympathisch und mal fies. Und beides durchwegs glaubhaft.

Da der Titel noch immer indiziert ist, gibt es auch eine stark gekürzte FSK 16-Fassung, von der jeder Filmfan die Finger lassen sollte. Der Film ist durch die FSK-Schere mehr verstümmelt worden als die „zensierten“, verletzten und blutveschmierten Menschen und Vampire von den Special-Effects-Leuten.

Noch kurz ein paar Worte zur aktuellen Blu Ray-Veröffentlichung:
Nun ist der Film endlich uncut in einem limitierten Mediabook als Blu Ray auf den Markt gekommen. Das Bild ist teilweise hervorragend restauriert, an wenigen Stellen merkt man einfach, dass der Film schon etwas älter ist. Fans sollten auf jeden Fall zugreifen, denn so klar und deutlich hat man Carpenters Vampirjäger noch nicht gesehen.

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Fazit: Für Carpenter Fans sowieso ein Muss. Für Horror- und Splatterfreunde auf jeden Fall lohnenswert. Und nicht zu vergessen, der gewagte, aber geglückte, Genre-Mix aus Horror und Western in Verbindung mit einer wunderbaren Filmmusik.

© 2015 Wolfgang Brunner

Die Klasse von 1984 (1982)

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Originaltitel: Class Of 1984
Regie: Mark L. Lester
Drehbuch: Mark L. Lester, John C. W. Saxton, Tom Holland
Kamera: Albert J. Dunk
Musik:Lalo Schifrin
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Perry King, Merrie Lynn Ross, Timothy Van Patten, Roddy McDowall, Stefan Arngrim, Michael J. Fox, Lisa Langlois, Al Waxman, Keith Knight
Genre: Thriller
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 18 Jahren (Indiziert)

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Andrew Norris ist der neue Musiklehrer an einer amerikanischen Highschool. Schon bald muss er feststellen, dass dort raue Sitten herrschen und die Schüler mit Messern und Waffen zum Unterricht kommen. Norris will sich den Jugendlichen, allen voran dem 16-jährigen Stegman und seiner Gang, nicht beugen und versucht, sie in ihre Schranken zu verweisen. Was auf dem Schulgelände beginnt, weitet sich zu einem brutalen Machtkampf zwischen den Jugendlichen und dem Lehrer aus, der bis in die Privatsphäre des Musiklehrers eindringt.

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Mark L. Lesters radikaler Highschool-Thriller war, ist und bleibt für mich Kult!
Ich bin auch der Meinung, dass dieser Film seinerzeit verkannt wurde, denn Regisseur Mark Lester hat hier nicht einfach nur einen plumpen, brutalen Thriller auf Zelluloid gebannt, sondern auch einen sozialkritischen Hintergrund berücksichtigt. Da gehen die Meinungen mit Sicherheit auseinander, aber ich empfand „Die Klasse von 1984“ zum einen gar nicht einmal so unglaubwürdig und abwegig und zum anderen sind in dem Film auch sehr viele kleine „Menschlichkeiten“ verborgen.
Perry King für die Rolle als Lehrer zu verpflichten, empfinde ich als Glücksgriff, denn seine Art macht die Handlung richtig glaubhaft und man kann sich durchaus in die Gedanken des bedrohten Erwachsenen hineinversetzen. Aber auch Timothy Van Patten in der Rolle des punkigen, bösen und hinterlistigen Teenagers Peter Stegman hätte besser fast nicht gewählt werden können. Van Patten hat sich in den letzten Jahrzehnten übrigens zu einem ziemlich erfolgreichen Regisseur gemausert (er inszenierte einige Folgen der Serien „Die Sopranos“, „Sex And The City“, „Rom“, „Boardwalk Empire“ und nicht zuletzt „Game Of Thrones“).
Michael J. Fox ist in Lesters Rache-Drama in seiner zweiten Rolle zu sehen und kann ebenfalls durchaus überzeugen.

Der Spannungsbogen, in dem sich der Hass zwischen Teenager und Lehrer immer mehr aufbaut, ist grandios von Mark L. Lester gemeistert und begeistert mich nach mehrmaligen Ansehen auch nach über 30 Jahren noch immer. Warum der Film in der ungekürzten Fassung noch immer auf dem Index steht, ist für mich ein Rätsel (und wird es wohl auch bleiben). Die gezeigte Brutalität hält sich meines Erachtens sehr in Grenzen und zeigt lediglich, was handlungstechnisch auch nötig ist. Hier wird einfach nur stimmig dargestellt, wie es zu einer Situation kommen kann, in der Gewalt mit Gewalt bekämpft wird.

Der Titelsong von Alice Cooper („We Are The Future“) ist ein Ohrwurm, den ich noch heute immer wieder mal in meinen Gedanken höre. „Die Klasse von 1984“ ist ein Film aus meiner Jugend, der in meinen Augen ein zeitloser Klassiker im Thriller-Genre darstellt.

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Fazit: Kultfilm aus den 80er Jahren mit beeindruckenden Darstellern, einem tollen Soundtrack und auf gewisse Art und Weise auch einer „Message“. Immer wieder sehenswert!

© 2015 Wolfgang Brunner

Die Horde (2009)

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Originaltitel: La Horde
Regie: Yannick Dahan, Benjamin Rocher
Drehbuch: Arnaud Bordas, Yannick Dahan, Stéphane Moïssakis, Benjamin Rocher
Kamera: Julien Meurice
Musik: Christopher Lennertz
Laufzeit: ca. 102 Minuten (ncut)
Darsteller: Claude Perron, Jean-Pierre Martins, Eriq Ebouaney, Aurélien Recoing
Genre: Horror, Action
Produktionsland: Frankreich
FSK: Ungeprüft (Indiziert)

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Eine Gruppe von Polizisten will sich an Gangstern rächen, die einen ihrer Kollegen umgebracht haben. Sie finden die Verbrecher in einem Hochhaus und beginnen mit ihrem Racheakt, als sie jäh unterbrochen werden. Horden wilder Zombies stürmen das Gebäude und die beiden verfeindeten Gruppen sehen sich gezwungen, sich miteinander zu verbünden, um am Leben zu bleiben.

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Der französische Zombie-Thriller war für mich eine Art Mischung aus The Raid und Rec. Was am Anfang wie ein Cop-Thriller beginnt, endet in einem Splatter-Feuerwerk, das manches Mal an die alten Filme von Peter Jackson erinnerte.
Die Horde ist spannend und unterhaltsam, kann aber nicht immer überzeugen. Die Darsteller sind nicht schlecht, aber ihre Charakterzeichnung ist nur in den ersten Sequenzen des Films glaubhaft und wird während des weiteren Handlungsverlaufs leider nicht konsequent verfolgt beziehungsweise ausgearbeitet.

René, der von Yves Pignot verkörpert wurde, nervte mich desöfteren. Pignot spielt den alten Draufgänger zwar wirklich gut und überzeugend, aber die John-Wayne-Sprüche, die cool und lustig gemeint waren, haben mich eher gestört und mir die Spannung genommen.

Insgesamt funktioniert Die Horde aber als Splatter-Zombie-Film weitgehend gut. Die Endszene, in der sich Aurélien Recoing in der Rolle des Jimenez gegen unzählige Untote verteidigen muss, hat für mich schon Kultcharakter und hat in seinen Einstellungen fast schon etwas von George A. Romero-Filmen. Aber genau jene Szene wurde in der deutschen FSK 18-Fassung ziemlich gekürzt und verliert daher jede Dramatik.
In der ungekürzten Fassung funktioniert diese Szene allerdings wirklich hervorragend, auch wenn so einige CGI-Effekte eingesetzt werden, die aber definitiv ihre Wirkung tun.
Handlungstechnisch hat Die Horde nicht wirklich viel zu bieten, aber die Drehbuchautoren haben sich zumindest Mühe gegeben, eine etwas außergewöhnliche Idee zu konstruieren. Dennoch wirkt der Film oft ideenlos, was aber nicht weiter stört, weil die Gangart, die eingeschlagen wird, sehr rasant  und daher weitgehend frei von langweiligen Szenen ist.

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Fazit: Die Horde ist ein Horrorfilm, der auf der Schiene der harten Frankreich-Filme schwimmt und der auch akzeptabel in Szene gesetzt wurde. Insgesamt schwankt der Film bei mir zwischen „enttäuschend“ und „ganz gut, weil unterhaltsam und die Zombies sehr unheimlich und gefährlich wirken.“ Ansehen würde ich mir den Film nur in der ungeschnittenen Fassung, weil in der deutschen FSK 18-Version sechs Minuten fehlen, die den Großteil des Gewaltanteils einnehmen und dem Film daher defintiv die beabsichtigte Wirkung nehmen.

© 2014 Wolfgang Brunner

Hobo With A Shotgun (2011)

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Originaltitel: Hobo With A Shotgun
Regie: Jason Eisener
Drehbuch: John Davies
Kamera: Karim Hussain
Musik: Adam Burke, Darius Holbert, Frank Siracusa
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Rutger Hauer, Brian Downey, Gregory Smith, Molly  Dunsworth
Genre: Action
Produktionsland: Kanada
FSK: SPIO/JK – Strafrechtlich unbedenklich (seit Mai 2014 beschlagnahmt)

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Als Hobo in Hope Town ankommt, findet er nur Dreck, Gewalt und Ungerechtigkeit vor. Die Drakes, eine arrogante Familie, hat die Stadt vollkommen unter Kontrolle und peinigt fast alle Bewohner.
Es dauert nicht lange und Hobo beginnt mit einer Shotgun aufzuräumen: Zuhälter, pädophile Weihnactsmänner und natürlich die Drakes müssen sich von nun an in Acht nehmen.

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Hobo ist Kult! Alleine schon der im Retro-Look der 70er Jahre gestaltete Anfang macht ungemein Spaß.
Basierend auf einem gefakten Trailer für die beiden Grindhouse-Filme Planet Terror und Death Proof von Quentin Tarantino  hat Eisener einen Film geschaffen, der sozialkritisch, lustig, blutig und absolut unterhaltend ist.
Eisener selbst hat diesen gefakten Trailer zu einem von Robert Rodriguez ausgeschriebenen Wettbewerb eingereicht und gewonnen. Ähnlich wie bei dem Trailer zu dem damals noch nicht existierenden Film Machete, war der Trailer zu Hobo With A Shotgun dermaßen erfolgreich, dass Eisener gestattet wurde, einen echten Film zu drehen.

Dass die ungekürzte Fassung unserer FSK Magenschmerzen bereitet, ist nur teilweise nachvollziehbar. Der Film ist nicht ernstzunehmen und das erkennt man problemlos in jeder Einstellung. Sicherlich ist da die ein oder andere Szene, die unter die Gürtellinie geht, aber dennoch nimmt man dem Regisseur diese „Grenzüberschreitungen“ nicht übel.

Die Kombination aus Schauspielkunst (Rutger Hauer macht seine Sache klasse) und derben Splattereffekten, vermischt mit einer 70er Jahre Farbgebung machen Hobo With A Shotgun für mich eindeutig zu einem Kultfilm, den ich mir mit Sicherheit noch ein paar Mal ansehen werde.
Eine Szene hat mich sogar fast zu Tränen gerührt. Nämlich die, als Hobo in einem Krankenhaus vor einer Kinderstation steht und in einem Monolog mit den Babys über deren Zukunft spricht. Das war einfach nur genial gemacht.

Wer sich für den gefakten Trailer interessiert, kann ihn sich hier ansehen.

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Fazit: Hobo With A Shotgun ist ein Rachethriller, der nicht nur durch seine Optik, sondern auch durch das Schauspiel der Darsteller, allen voran Rutger Hauer in der Titelrolle und Molly Dunsworth als Abby, besticht. Für mich zählt der Grindhouse-Streifen eindeutig in die Kategorie „Kultfilm“.

© 2014 Wolfgang Brunner

Inside – Was sie will ist in Dir (2007)

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Originaltitel: À l’intérieur
Regie: Alexandre Bustillo, Julien Maury
Drehbuch: Alexandre Bustillo
Kamera: Laurent Barês
Musik: François Eudes
Laufzeit: 83 Minuten
Darsteller: Béatrice Dalle, Alysson Paradis, Nathalie Roussel, François-Régis Marchasson
Produktionsland: Frankreich
FSK: ungeprüft; indiziert und beschlagnahmt

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4 Monate nach dem Autounfall, bei dem die schwangere Sarah ihren Ehemann Matthieu verloren hat, steht sie kurz vor der Entbindung ihres Kindes. Entgegen dem Rat ihrer Mutter sucht die junge Frau die Einsamkeit ihrer Wohnung auf, um mit sich und ihrem Schmerz allein zu sein, als sich eine unbekannte Frau dem Haus nähert und Einlass verlangt. Verängstigt ruft Sarah die Polizei, die aber nicht viel tun kann – ihre Hände sind durch die brutalen Ausschreitungen in den Banlieues gebunden.

Kurz nachdem die Polizisten verschwunden sind, taucht die unheimliche Frau erneut auf und verschafft sich Zugang ins Haus. Ihre brutale Gewalt lässt keinen Zweifel über ihre Intentionen: sie trachtet nach dem, was in Sarahs Bauch gewachsen ist …

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„Inside“ ist ein französischer Slasher und zählt meiner Meinung nach zu den besten mir bisher bekannten dieses Genres. Ich habe ihn mir zusammen mit Jasmin angesehen. Schon das Intro des Filmes mit aufwendigen GFX-Effekten und anschaulichen Bildern konnte uns überzeugen. Es war klar, dass wir es hier nicht mit leichter Kost zu tun bekommen würden. Die ersten ungefähr 20 Minuten des Films plätschern hinter einem Farbfilter vor sich hin, der die depremierte Stimmung der Protagonistin zum Ausdruck bringen soll (was auch hier ganz gut gelingt), bevor der Film dann Fahrt aufnimmt. Stell dir vor, eine dir unbekannte Frau steht Abends vor deiner Tür und verlangt Einlass. Und nicht nur das, sie kennt sogar deinen Namen und deine Lebensgeschichte. Wem würde da nicht das Herz in die Hose rutschen? Genau das passiert hier im Film und ich muss sagen, die Schauspieler bringen das ganz plausibel rüber. Die Protagonistin lehnt es natürlich ab, die unbekannte Frau herein zu lassen und ruft die Polizei, die aber keine Spur finden kann. Was dann folgt ist richtig schöner Horror, in dem mit Gore-Szenen nicht gespart wird. Die unbekannte Frau gelangt doch in das Haus während die Protagonistin schläft und steht plötzlich in ihrem Schlafzimmer. Und so nimmt das Drama seinen Lauf, es fließt reichlich Blut und es gibt auch mehrere (zum Teil unbeteiligte) Leichen. Der Soundtrack dazu schlägt alle Rekorde, besonders in den Schockmomenten ist ein wahres Crescendo zu hören. Leider gibt es ein paar Logiklöcher und Unwahrscheinlichkeiten, die dem Film die Bestnote verpatzen. Jedoch hält das Ende noch eine überraschende Erklärung bereit.

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Fazit: Das französische Horrorkino hat in den letzten Jahren die zweifelhafte Berühmtheit erlangt, besonders blutig und brutal zu sein. Einigen Menschen in Deutschland ist das zu hart, weshalb immer wieder eben solche Filme indiziert und/oder sogar beschlagnahmt werden. Wem das nichts ausmacht, wird von diesesm Film nicht enttäuscht werden. Er bietet ein meist solides Kino und gute Schockszenen. Insgesamt hat uns der Film recht gut gefallen.

© 2014 Lucas Dämmig