The Broken (2008)

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Originaltitel: The Broken
Regie: Sean Ellis
Drehbuch: Sean Ellis
Kamera: Angus Hudson
Musik: Guy Farley
Laufzeit: 93 Minuten
Darsteller: Lena Headey, Ulrich Thomsen, Melvil Poupaud, Michelle Duncan, Asier Newman, Richard Jenkins, Darren Elliot Holmes, Howard Ward
Genre: Thriller, Horror
Produktionsland: Großbritannien, Frankreich
FSK: ab 16 Jahren

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Gina traut ihren Augen nicht, als sie eines Tages sich selbst in einem Wagen vorbeifahren sieht. Sie verfolgt die Doppelgängerin und findet in deren Wohnung Bilder von sich und ihrem Vater. Von der Entdeckung völlig verstört, verursacht Gina auf der Heimfahrt einen Unfall, den sie nur knapp überlebt. Als sie im Krankenhaus aufwacht, erinnert sie sich nur noch bruchstückhaft an die Ereignisse. Doch immer mehr Fragmente setzen sich wie ein Puzzle zusammen und Gina sieht sich in einem schrecklichen Alptraum wieder, der anscheinend zur Realität geworden ist.

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Sean Ellis setzt mit „The Broken“ den Weg konsequent fort, den er 2006 mit „Cashback“ begann. Surreal, lynchesk und verstörend erzählt er die Geschichte einer Frau, die nicht mehr weiß, was Realität und Halluzination ist. Geschickt verwebt Ellis die Ebenen und lässt auch den Zuseher ratlos und irritiert zurück. Das ist mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack, aber wer sich auf derartige Filme einlassen kann, wird mit einem mitreißenden Thriller belohnt, der durch eine künstlerische Optik besticht.

Lena Headey kann vollends überzeugen, ebenso wie der fabelhafte Richard Jenkins, den ich in seiner Rolle als Nathaniel Fisher senior in der umwerfenden Serie „Six Feet Under“ überaus schätze. Immer wieder fühlt man sich an die Werke von David Lynch erinnert, obwohl Ellis bedeutend horrorlastiger zu Werke geht. Manche Stellen sind geradezu innovativ und unvergesslich, andere hingegen fordern nach mehr Ideenreichtum. „The Broken“ zählt für mich auf alle Fälle zu jenen Ausnahmefilmen wie zum Beispiel „Under The Skin“, die einen Weg abseits des Mainstream einschlagen und absolut zu begeistern vermögen.

„The Broken“ basiert sehr freizügig auf der Novelle „William Willson“ von Edgar Allan Poe. Am Anfang werden die letzten Zeilen der Geschichte eingeblendet („Du hast gesiegt, und ich unterliege. Dennoch, von nun an bist auch du tot – tot für die Welt, den Himmel und die Hoffnung! In mir lebtest du – und nun ich sterbe, sieh hier im Bilde, das dein eigenes ist, wie du dich selbst ermordet hast.“), die den Inhalt des Films besser nicht hätten ausdrücken können.
Sean Ellis ist wieder ein bemerkenswerter Film gelungen, der mutig einen eigenen Weg geht und nicht für das breite Publikum geschaffen ist. Kino zum Nachdenken und selbst Interpretieren!

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Fazit: Bedrückend, verstörend und visuell verblüffend, ist „The Broken“ ein außergewöhnlicher Film, der fasziniert und den Zuschauer zu eigenen Interpretationen motiviert. Auf jeden Fall ansehen!

© 2015 Wolfgang Brunner