Hardcore (2015)

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Originaltitel: Hardcore Henry
Regie: Ilya Naishuller
Drehbuch: Ilya Naishuller
Kamera: Pavel „Pasha“ Kapinos, Vsevolod Kaptur,, Fedor Lyass
Musik: Darya „Dasha“ Charusha
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Sharlto Copley, Danila Kozlovsky, Haley Bennett, Tim Roth, Andrei Dementiev, Cyrus Arnold, Ilya Naishuller, Will Stewart, Darya „Dasha“ Charusha, Svetlana Ustinova
Genre: Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Russland
FSK: ab 18 Jahre

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Henry wacht eines Tages in  Moskau auf und muss feststellen, dass seine Frau von einem psychopatischen Kriminellen namens Akan entführt wurde.  Henry hat nur noch ein Ziel: nämlich seine Frau zu finden und den Entführer Akan zu töten.

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Gamer werden ihre wahre Freude an diesem Film haben. Aber nicht nur die, ich hatte auch großen Spaß, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Anders als bei dem deutschen „First Person Shooter“, der ja ebenfalls in diesem Stil gedreht wurde (allerdings ein Jahr vorher), ermüdete ich hier irgendwann einmal. Es war einfach zu viel des Guten, so dass ich ehrlich gesagt das Ende herbeisehnte. Insgesamt wirkt „Hardcore“ leider dennoch unbefriedigend auf mich, obwohl ich an einzelnen Szenen durchaus Gefallen gefunden habe.
Man muss Regisseur Ilya Naishuller durchaus innovative Ideen zugestehen. Es ist zweifellos eine enorme technische und inszenatorische Herausforderung gewesen „Hardcore“ zu drehen. Doch ich hätte mir einfach ein wenig mehr Handlung gewünscht. Hin und wieder wird man von der neuartigen Ästhetik überrascht, doch trotz atemloser Spannung setzt ab der Hälfte des Films ein Übersättigungseffekt ein, durch den man dem Film wahrscheinlich nicht mehr genügend Respekt zollen kann.

Sicherlich sind die blutigen, teils splatterartigen Gewalteinschübe sehenswert und lockern das sinnlose Geballere ein wenig auf, aber irgendwann dachte ich tatsächlich, ich schaue einem Freund dabei zu, wie er einen Ego-Shooter spielt. Da wurden die Möglichkeiten, die dieser neuartige und mutige Inszenierungsstil geboten hätte, einfach nicht genügend ausgereizt oder perfektioniert. Es fehlen Ansätze, um dem Ganzen eine echte Handlung und einen Plot zum Mitfiebern zu verschaffen. Naishuller geht aufs Ganze und überschwemmt den Zuschauer zu sehr mit seiner Idee, so dass dieser das meiste gar nicht mehr bewusst wahrnimmt beziehungsweise wahrnehmen kann. „Hardcore“ ist ein Actionfeuerwerk, das mit schnellen Schnitten und einer Aneinderreihung von rasanten Szenen den Zuschauer dennoch überstrapaziert.

Es hätte dem Film gut getan, wäre man auf die Charaktere der Protagonisten eingegangen und hätte sich nicht nur dem Actionanteil gewidmet. An manchen Stellen wirken die Dialoge gekünstelt und teilweise etwas hohl, auch das hätte man um Längen besser machen können. Insgesamt ist „Hardcore“ durchaus sehenswert, vor allem, wenn man den Film als inszenatorisches Experiment betrachtet, sich darauf auch einlassen kann und die lange Laufzeit erträgt. Wer verwackelte Found Footage-Filme nicht mag, wird hier feststellen, dass es noch schlimmer geht, denn die verwackelte Kamera geht einem bereits nach kurzer Zeit auf die Nerven. Man erkennt, dass hier großer Aufwand betrieben wurde, aber herausgekommen ist letztendlich ein „Filmchen“ für Hardcore-Ego Shooter-Fans und eine Youtube-Generation, die sich Videos „reinzieht“, ohne Sinn dahinter entdecken zu wollen.

Mein Fall war „Hardcore“ nicht wirklich, obwohl ich, wie schon erwähnt, einige Stellen genoß. Schauspielerisch sind bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls nur schwache Leistungen zu sehen, denn, wenn Menschen zu sehen sind, agieren sie wie computergenerierte Personen und wirken nicht wirklich menschlich. Potential wäre durchaus da gewesen, wurde aber leider nicht genutzt. Ein Film zum einmal ansehen, um mitreden zu können, mehr aber auch nicht.

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Fazit: Vom Grundsatz her nette Idee, die aber auf die lange Laufzeit schon bald ermüdend wirkt und den Zuschauer überstrapaziert.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Clown (2014)

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Originaltitel: The Clown
Regie: Jon Watts
Drehbuch: Christopher D. Ford, Jon Watts
Kamera: Matthew Santo
Musik: Matt Veligdan
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Laura Allen, Andy Powers, Peter Stormare, Eli Roth, Elizabeth Whitmere, Christian Distefano, Chuck Shamata, Robert Reynolds, Lucas Kelly
Genre: Horror
Produktionsland: Kanada, Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Der Immobilienmakler Kent ersetzt spontan den gebuchten, ausgefallenen Clown für die Geburtstagsfeier seines zehnjährigen Sohnes. Auf dem Dachboden eines Hauses, das er verkaufen soll, findet er in einer Truhe ein altes Clown-Kostüm und rettet damit die Party. Doch nach dem gelungenen Nachmittag und Abend bekommt Kent das Kostüm nicht mehr ausgezogen. Was anfangs wie ein bitterer Scherz anmutet, entwickelt sich zu einem grausigen Alptraum, denn durch das Kostüm hat ein uralter Dämon von Kent Besitz genommen. Und schon bald hat der Dämon Hunger, und zwar nach Kindern …

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Und wieder fällt der Name Eli Roth, obwohl dieser selbst nur vier Filme abgedreht hat. „Clown“ wurde von Roth produziert und in einigen Szenen findet man sicherlich seine Handschrift, aber ansonsten ist „Clown“ das gut gelungene Langfilm-Debüt von Regisseur Jon Watts, der ohne Frage einen eigenständigen Stil an den Tag legt. Der Film funktioniert meiner Meinung nach deswegen so gut, weil er nicht ohne eine gelungene Portion Humor arbeitet, aber dennoch einen handfesten, teils erschreckenden Horrorthriller darstellt.
Die Ausgangssituation hat mich unweigerlich an die grandiose Serie „Geschichten aus der Gruft“ erinnert, weil sie tatsächlich anmutet, als hätte man sie in seiner Kindheit schon einmal in einem Comic gelesen.
Watts schraubt die Spannungsschraube konstant immer höher und was als manchmal „lächerlich“ wirkender Traum anmutet, entwickelt sich immer mehr zu einem clever konstruierten Alptraum.

Der Plot ähnelt (logischerweise) außer Stephen Kings „Es“, den Außenseiter-Dramen „Darkman“, „Die Fliege“ oder „District 9“, denn man fühlt mit dem Besessenen und empfindet an manchen Stellen sogar Mitleid. Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Grauen dann in vollem Maße entfesselt wird. Die comicartige Zeichnung des Protagonisten verwandelt sich plötzlich in einen gruseligen, spannenden Thriller. Aber „Clown“ ist nicht nur Horror und Thriller, sondern auch eine Art Drama, das mitreißt. Sicherlich liegt das Hauptaugenmerk auf einer spannenden und teils blutigen Story, aber zwischen den Bildern zeichnet sich eher ein Drama als ein Horroschocker ab. Das macht Watts Regiedebüt zu etwas besonderem, das sich von dem Einheitsbrei vieler Horrorfilme abhebt, die man bereits nach ein paar Tagen wieder vergessen hat. Hier wird die Geschichte anders angegangen und mehr Wert auf innovative Ideen gelegt.

Am Ende wird dann aber auch der splatter- und goreverwöhnte Zuschauer mit einigen gelungenen Szenen belohnt, die das Gesamtbild eines außergewöhnlichen Filmes noch zusätzlich abrunden. „Clown“ ist eine solide Mischung, die verschiedene Genre bedient, ohne dass man etwas davon wirklich merkt. Jon Watts hat gegenüber dem Clown-Kultfilm und -roman „Es“ irgendwie noch einen draufgesetzt, denn sein Clown wirkt am Ende noch bösartiger und erschreckender als Kings Schöpfung, der den ganzen Schrecken mit seinem etwas mürben Ende verdorben hat. Hier kriegt man selbst als Zuschauer Angst, wenn der Clown Hunger auf Kinder entwickelt und Jagd auf sie macht. Das ist schon wirklich gruselig.
Neben den überzeugenden Schauspielern punktet auf jeden Fall Maske und Make-Up in diesem Film, den man nicht so schnell vergisst. Neben der skurrilen Ausgangssituation und den verschiedenen emotionalen Stationen, die man mit dem von einem Dämon besessenen Protagonisten durchlebt, gefällt schlichtweg der gekonnte Mix aus Horror und Drama.

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Fazit: Skurrile, innovative, äußerst spannende und unterhaltsame Mischung aus Horrorthriller und Drama. „Clown“ könnte zu einem Klassiker des Clown-Horrors werden.

© 2016 Wolfgang Brunner

Maggie (2015)

Maggie

Originaltitel: Maggie
Regie: Henry Hobson
Drehbuch: John Scott III
Kamera: Lukas Ettlin
Musik: David Wingo
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, Joely Richardson, Douglas M. Griffin, J.D. Evermore, Rachel Whitman, Jodie Moore, Bryce Romero
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Schweiz
FSK: ab 18 Jahre

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In den Vereinigten Staaten bricht eine Epidemie aus, die die Infizierten in fleischfressende Zombies mutieren lässt und innerhalb kürzester Zeit Millionen Menschenleben fordert. Wades Tochter Maggie ist ebenfalls von dem Virus infoziert und soll in eine Quarantänestation gebracht werden. Aber Wade kämpft mit allen Mitteln darum, seine Tochter bei sich zu Hause behalten zu können. Gemeinsam mit seiner neuen Frau wartet er nun darauf, dass seine Tochter zu einem Zombie wird, ohne zu wissen, was er im Falle einer Mutation unternehmen wird.

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„Maggie“ ist tatsächlich der etwas andere Zombiefilm. Bis auf wenige Ausnahmen läuft der Film wie ein ruhiger Bach an einem vorbei und baut dabei eine unglaublich intensive Atmosphäre auf. So ein bisschen erinnerte das Szenario an „The Returned“, wo die Zombies ebenfalls sehr menschlich dargestellt wurden. Zumindest bis sie vollständig verwandelt waren. Henry Hibson hat ein Händchen für wunderschöne Aufnahmen, die so manches Mal wie ein Gemälde wirken. „Maggie“ ist ein extrem ruhiger Film, der sich irgendwo zwischen „The Walking Dead“ und „The Road“ ansiedelt. Diese Mischung funktioniert absolut gut. David Wingos leiser Soundtrack untermalt die wunderschönen, melancholischen Bilder traumhaft und zeichnet sich zum Großteil für die elegische Stimmung mit verantwortlich.

Schauspielerisch ist dieser effektearme Film eine wahre Freude. Hier wird das Augenmerk auf schauspielerische Leistungen gelegt und die bekommt man auch zu sehen. Allen voran sei hier Arnold Schwarzenegger genannt, der in seiner Rolle als besorgter Vater wirklich berührt.  Man möchte es dem Actionhelden gar nicht so richtig zutrauen, wie emotional er Sorge und Verbissenheit ausdrücken kann. Schwarzeneggers Schauspiel ist wirklich sehr gefühlvoll und absolut überzeugend. Daneben kann aber auch Abigail Breslin in der Titelrolle bestehen, die ebenfalls sehr authentisch agiert. Joely Richardson als anfangs leicht verstörte und dann immer toughere Mutter konnte mich ebenfalls fesseln. Wie gesagt, aufgrund der fehlenden Special Effects ist „Maggie“ einfach ein Film für Schauspieler und das hat mir außerordentlich gut gefallen.

Sicherlich geht es um ein Virus, um Zombies und die Apokalypse. Aber genaugenommen könnte man das Zombievirus-Thema ausklammern und einfach einem Vater zusehen, wie er seine kranke Tochter nicht aufgibt und um ihr Leben kämpft. Das Zombievirus wäre in „Maggie“ austauschbar mit Krebs oder einer anderen tödlichen Krankheit, die das Ende unausweichlich macht. Lediglich die apokalyptische Atmosphäre rechtfertigt den Zombie-Hintergrund. „Maggie“ ist ein Drama, und zwar ein sehr gutes, das betroffen macht.

Warnung an alle, die Horror, Splatter, Action, Blut und Grusel erwarten. Von all dem findet man in „Maggie“ (Gott sei Dank) nichts. Wie in „The Road“ wird man in eine deprimierende Weltuntergangsstimmung geworfen, die einen betroffen und nachdenklich macht. Und traurig …

Warum allerdings auf dem Cover eine FSK 18-Freigabe klebt, ist ein Rätsel, denn es gibt keine einzige Szene, die solch eine Entscheidung rechtfertigt. Fast möchte man meinen, es sei ein kluger Schachzug des Verleihs, um die Splatterfans zu einem Kauf zu verleiten, damit der Verkauf angekurbelt wird. Denn wo „FSK 18“ und „Uncut“ draufsteht, ist schließlich auch beides drin. Allerdings frage ich mich, was genau man denn hätte cutten können/müssen bei „Maggie“. Dann könnte man auch ohne schlechtes Gewissen bei den „Minions“ einen „Uncut“-Kleber draufmachen, denn uncut ist der bestimmt auch. 😉

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Fazit: Ruhig, elegisch, melancholisch und traurig wird hier eine Familiengeschichte erzählt, die auf ein unausweichliches Ende zusteuert. Meiner Meinung nach einer der besten Filme von Arnold Schwarzenegger.

© 2015 Wolfgang Brunner

The Expendables 3 – A Man’s Job (2014)

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Originaltitel: The Expendables 3
Regie: Patrick Hughes
Drehbuch: Sylvester Stallone, Katrin Benedikt, Creighton Rothenberger
Kamera: Peter Menzies junior
Musik: Brian Tyler
Laufzeit: 132 Minuten (Director’s Cut)
Darsteller: Sylvester Stallone, Jason Statham, Antonio Banderas, Jet Li, Wesley Snipes, Dolph Lundgren, Kelsey Grammer, Randy Couture, Terry Crews, Kellan Lutz, Ronda Rousey, Glen Powell, Victor Ortiz, Robert Davi, Mel Gibson, Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger
Genre: Action
Produktionsland: Vereinigte StaatenPatrick Hughes
FSK: ab 18 Jahre (Director’s Cut)

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Das Expendables-Team trifft auf Conrad Stonebanks, der einst das Team mitbegründet hat, aber seit seinem Ausscheiden ein kaltblütiger Waffenhändler und Gegner der Expendables geworden ist. Sein Ziel ist es, die Gruppe zu zerschlagen. Barney, Anführer der Expendables, will das natürlich verhindern und bringt zusätzlich zu seinem alten Team eine Gruppe junger Kämpfer mit an Bord, um gegen Stonebanks anzutreten.

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Schon die ersten beiden Teile von „The Expendables“ waren sehr unterhaltsam und vor allem actionreich. Hinzu kam die Riege an „Alt“-Schauspielern, die Stallone um sich versammelt hat. Da legte man nicht besonders großen Wert auf die Handlung, sondern wollte einfach nur Action sehen. Und die bekam man in den ersten beiden Teilen genauso wie nun auch im dritten.
„The Expendables 3“ kann aber mit einem unerwartet unterhaltsamen Plot aufwarten, der den Film aus meiner Sicht zum besten der Serie macht, denn die Drehbuchautoren haben den „alten“ Schauspielern eine Riege „junger“ Akteure zur Seite gestellt. Und das macht den Film unglaublich rasant und interessant, obwohl es vielleicht auch nur ein Schachzug gewesen ist, um auch die neuere Generation ins Kino zu locken.

Verwunderlich ist allerdings die FSK 18-Freigabe, denn, bis auf eine Stelle, sieht man nicht einmal Blut fließen. Eine FSk 16-Freigabe wäre da durchaus angebracht und nachvollziehbar gewesen, eine Höherstufung auf FSK 18 hingegen ist eine Farce. Aber das sind wir ja von der FSK hinreichend gewohnt. Action und eine nicht gar so schlechte Handlung machen den dritten Teil der Erfolgsreihe zu einem absoluten Unterhaltungshit. All die Action-Stars aus den 80er-Jahren zu treffen, macht schon ungemein Spaß.

Neben Stallone ist wohl Statham der heimliche Star des Films. Wesley Snipes, der wohl ein Schauspieler genau zwischen den beiden Generationen ist, schafft einen guten Einstieg, verliert aber dann im Verlauf des Films immer mehr Sympathiepunkten, wobei ich nicht einmal genau sagen kann, woran es liegt. Antonio Banderas mag den ein oder anderen in seiner Rolle nerven, ich fand ihn witzig und auch sympathisch, zeigt sie doch, dass Banderas durchaus auch einmal andere Rollen spielen kann, als die, die man sonst von ihm kennt.

„The Expendables 3“ gehört zu einer weiteren Erfolgsserie von Sylvester Stallone, die allerdings trotz einem sehr hohen Unterhaltunsgwert die Qualitäten eines „Rocky“– oder „Rambo“-Zyklus nicht erreicht. Die Zusammenführung so vieler Stars war und ist allerdings ein absolut geschicktes Unterfangen, das schon allein dadurch den Filmen einen gewissen Kultcharakter verleiht.

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Fazit: Durchgängige Action mit einem guten Schuß Humor und einer Vielzahl an Actionstars aus den 80er Jahren machen „The Expendables 3“ zu einem unterhaltsamen Spannungs-Feuerwerk.

© 2015 Wolfgang Brunner

Sin City 2: A Dame To Kill For (2014)

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Originaltitel: Sin City: A Dame to Kill For
Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez
Drehbuch: Frank Miller, Robert Rodriguez, William Monahan
Kamera: Robert Rodriguez
Musik: Robert Rodriguez
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Jessica Alba, Josh Brolin, Eva Green, Joseph Gordon-Levitt, Mickey Rourke, Rosario Dawson, Bruce Willis, Stacey Keach, Julia Garner, Lady Gaga, Ray Liotta
Genre: Thriller, Aktion
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahren

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Vier Geschichten verbinden sich zu einer.
Dwight trifft seine Ex-Freundin Ava, die ihm einst das Herz brach und ihn nun um Hilfe bittet. Ihr Ehemann würde sie brutal schlagen und Dwight will ihr sofort helfen. In einem anderen Teil von Sin City erwacht Marv mitten auf der Straße und kann sich nur noch an die vorherige Nacht erinnern, wo er der schönen Stripperin Nancy beim Tanzen zusehen wollte. Nancy hegt Mordgedanken gegenüber dem mächtigen Senator Roark und gerät bald in Gefahr. Gleichzeitig tritt ein Kartenspieler auf den Plan, der ebenfalls mit dem Senator abrechnen will.

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Ich kann gar nicht verstehen, dass es Leute gibt, die diesen Film mittelmäßig finden. Okay, an der Handlung hätte man vielleicht noch etwas arbeiten können, aber auch die ist im Grunde genommen in Ordnung.
Aber das Wichtigste an diesem Film ist doch die Optik und die haut einen fast in jeder Einstellung um. Das ist unglaublich, wie stylisch Frank Miller und Robert Rodriguez diese Achterbahnfahrt aus visuellen Höhepunkten inszeniert haben. Da sprühen die Ideen nur so und lassen den Zuschauer vor Staunen den Atem anhalten.
Diese Ästhetik ist atemberaubend und beeindruckend.
Die Szene, in der Ava schwimmt, ist einfach nur genial. Da kann man sich gar nicht sattsehen an diesen künstlerischen Bildern, die sich einem unweigerlich ins Gedächtnis brennen.

Schauspielerisch haben mir am besten Jessica Alba und Josh Brolin gefallen. Vor allem erstere ging in ihrer Rolle absolut auf und es hat wirklich Spaß gemacht, ihr zuzusehen. Die „Splatter“-Szenen sind teilweise auch nicht zu verachten, ebenso wie die „Sex“-Szenen. Letztere sind allerdings meist sehr einfühlsam dargestellt und hatten für mich auch die meiste Zeit einen ästhetischen Charakter. Für mich war „A Dame To Kill For“ eine absolut gelungene Fortsetzung des ersten Sin City-Abenteuers. Visuell hat mich der zweite Teil aber, glaube ich zumindest, weitaus mehr beeindruckt als der erste.

Anfangs war ich ein wenig irritiert wegen der verschiedenen Geschichten. Aber das hat sich dann schnell gegeben und irgendwie war dann am Ende ja doch eine Verbindung ersichtlich.

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Fazit: „Sin City: A Dame To Kill For“ beschert den Zuschauern einen grandiosen Bilderrausch, der effektvoll in Szene gesetzt wurde. Handlungstechnisch hätte etwas mehr drin sein können, aber die Bildkompositionen lassen einen diesen kleine „Manko“ schnell vergessen.

 © 2015 Wolfgang Brunner

Vampire (1998)

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Originaltitel: Vampires
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Don Jacoby
Kamera: Gary B. Kibbe
Musik: John Carpenter
Laufzeit: 108 Minuten
Darsteller: James Woods, Daniel Baldwin, Sheryl Lee, Maximilian Schell, Tim Guinee, Thomas Ian Griffith, Gregory Sierra, Cary-Hiroyuki Tagawa
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahren (indiziert)

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Jack Crow ist professioneller Vampirjäger und mit seinem Team immer auf der Suche nach Vampirnestern. Als er eines Tages in einem Haus auf einen „Meister“ stößt, wird ihm sehr bald bewusst, dass jener Meister derjenige ist, der Jacks Eltern vor Jahren getötet hat. Als er seinen persönlichen Rachefeldzug gegen den Meistervampir beginnt, stößt er gleichzeitig auf eine großangelegte Verschwörung, die anscheinend weltweit den Weg für die im Untergrund lebenden Vampire bereiten will, um die Menschheit zu unterjochen.

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Nach den rasanten Eröffnungssequenzen weiß man sofort, dass man einen Film von John Carpenter sehen wird. Unverwechselbar durch die von ihm selbst komponierte Musik fällt man sofort wieder in eine „Carpenter“-Stimmung, die fast alle seine Filme, außer den Auftragsarbeiten „Starman“ und „Jagd auf einen Unsichtbaren“ verströmen. Man merkt dem Film sicherlich sein Alter an, aber dennoch ist unübersehbar, dass Carpenter sein Regiehandwerk perfekt beherrscht. Manch eingestreuter Witz würde heute gestrichen oder zumindest umgeschrieben werden, aber daran merkt man einfach, dass sich der Humor in den letzten Jahren verändert hat.

Der schräge Genremix aus Splatterhorror und Western funktioniert erstaunlicherweise absolut gut und macht richtiggehend Spaß. Auch hier kann man sehen, wie gut Carpenter Filmemachen beherrscht und diese Richtungsvermischung meistert.

Der Mittelteil von „Vampire“ schwächelt leider ein wenig, ist aber dennoch weit davon entfernt, Langeweile zu verbreiten. Obwohl ich Maximilian Schell gerne sehen, hat er mich in „Vampire“ irgendwie gestört. Ich kann nicht näher erklären, woran es liegt, aber manchmal kam es mir vor, als wäre er von seiner Rolle nicht wirklich angetan beziehungsweise überzeugt gewesen. Da es aber lediglich eine Nebenrolle ist, stört es nicht weiter. Auch das Ende erscheint mir etwas überzogen, hatte aber damals bestimmt eine entsprechende Wirkung, die heute nicht mehr erreicht wird.

Was mich allerdings absolut begeistert hat, und das auch noch nach so vielen Jahren, ist die Ankunft in der vampirverseuchten Stadt Santiago, wo auch das dramatische Finale stattfindet. Die Stimmung, die Carpenter da mit seinen Bildern in Verbindung mit der leicht „westernlastigen“ Musik erschafft, ist unglaublich. Diese Szenen lassen einem Carpenter-Fan wie mir das Herz höher schlagen. Da kommt eine Atmosphäre auf, wie ich sie an seinen Filmen mag.
Das Wiedersehen mit Sheryl „Laura Palmer“ Lee war grandios. Sie hat meiner Meinung nach sogar ein wenig besser gespielt als James Woods, aber das ist wohl immer Geschmackssache. Woods war mir an manchen Stellen einfach zu cool. 😉 Am allerbesten hat mir aber Daniel Baldwin gefallen, der leider im Haufen der anderen schauspielernden Baldwin-Brüder irgendwie untergeht. Er hat mich am meisten überzeugt und spielte seine Rolle mal sympathisch und mal fies. Und beides durchwegs glaubhaft.

Da der Titel noch immer indiziert ist, gibt es auch eine stark gekürzte FSK 16-Fassung, von der jeder Filmfan die Finger lassen sollte. Der Film ist durch die FSK-Schere mehr verstümmelt worden als die „zensierten“, verletzten und blutveschmierten Menschen und Vampire von den Special-Effects-Leuten.

Noch kurz ein paar Worte zur aktuellen Blu Ray-Veröffentlichung:
Nun ist der Film endlich uncut in einem limitierten Mediabook als Blu Ray auf den Markt gekommen. Das Bild ist teilweise hervorragend restauriert, an wenigen Stellen merkt man einfach, dass der Film schon etwas älter ist. Fans sollten auf jeden Fall zugreifen, denn so klar und deutlich hat man Carpenters Vampirjäger noch nicht gesehen.

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Fazit: Für Carpenter Fans sowieso ein Muss. Für Horror- und Splatterfreunde auf jeden Fall lohnenswert. Und nicht zu vergessen, der gewagte, aber geglückte, Genre-Mix aus Horror und Western in Verbindung mit einer wunderbaren Filmmusik.

© 2015 Wolfgang Brunner

Die Klasse von 1984 (1982)

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Originaltitel: Class Of 1984
Regie: Mark L. Lester
Drehbuch: Mark L. Lester, John C. W. Saxton, Tom Holland
Kamera: Albert J. Dunk
Musik:Lalo Schifrin
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Perry King, Merrie Lynn Ross, Timothy Van Patten, Roddy McDowall, Stefan Arngrim, Michael J. Fox, Lisa Langlois, Al Waxman, Keith Knight
Genre: Thriller
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 18 Jahren (Indiziert)

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Andrew Norris ist der neue Musiklehrer an einer amerikanischen Highschool. Schon bald muss er feststellen, dass dort raue Sitten herrschen und die Schüler mit Messern und Waffen zum Unterricht kommen. Norris will sich den Jugendlichen, allen voran dem 16-jährigen Stegman und seiner Gang, nicht beugen und versucht, sie in ihre Schranken zu verweisen. Was auf dem Schulgelände beginnt, weitet sich zu einem brutalen Machtkampf zwischen den Jugendlichen und dem Lehrer aus, der bis in die Privatsphäre des Musiklehrers eindringt.

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Mark L. Lesters radikaler Highschool-Thriller war, ist und bleibt für mich Kult!
Ich bin auch der Meinung, dass dieser Film seinerzeit verkannt wurde, denn Regisseur Mark Lester hat hier nicht einfach nur einen plumpen, brutalen Thriller auf Zelluloid gebannt, sondern auch einen sozialkritischen Hintergrund berücksichtigt. Da gehen die Meinungen mit Sicherheit auseinander, aber ich empfand „Die Klasse von 1984“ zum einen gar nicht einmal so unglaubwürdig und abwegig und zum anderen sind in dem Film auch sehr viele kleine „Menschlichkeiten“ verborgen.
Perry King für die Rolle als Lehrer zu verpflichten, empfinde ich als Glücksgriff, denn seine Art macht die Handlung richtig glaubhaft und man kann sich durchaus in die Gedanken des bedrohten Erwachsenen hineinversetzen. Aber auch Timothy Van Patten in der Rolle des punkigen, bösen und hinterlistigen Teenagers Peter Stegman hätte besser fast nicht gewählt werden können. Van Patten hat sich in den letzten Jahrzehnten übrigens zu einem ziemlich erfolgreichen Regisseur gemausert (er inszenierte einige Folgen der Serien „Die Sopranos“, „Sex And The City“, „Rom“, „Boardwalk Empire“ und nicht zuletzt „Game Of Thrones“).
Michael J. Fox ist in Lesters Rache-Drama in seiner zweiten Rolle zu sehen und kann ebenfalls durchaus überzeugen.

Der Spannungsbogen, in dem sich der Hass zwischen Teenager und Lehrer immer mehr aufbaut, ist grandios von Mark L. Lester gemeistert und begeistert mich nach mehrmaligen Ansehen auch nach über 30 Jahren noch immer. Warum der Film in der ungekürzten Fassung noch immer auf dem Index steht, ist für mich ein Rätsel (und wird es wohl auch bleiben). Die gezeigte Brutalität hält sich meines Erachtens sehr in Grenzen und zeigt lediglich, was handlungstechnisch auch nötig ist. Hier wird einfach nur stimmig dargestellt, wie es zu einer Situation kommen kann, in der Gewalt mit Gewalt bekämpft wird.

Der Titelsong von Alice Cooper („We Are The Future“) ist ein Ohrwurm, den ich noch heute immer wieder mal in meinen Gedanken höre. „Die Klasse von 1984“ ist ein Film aus meiner Jugend, der in meinen Augen ein zeitloser Klassiker im Thriller-Genre darstellt.

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Fazit: Kultfilm aus den 80er Jahren mit beeindruckenden Darstellern, einem tollen Soundtrack und auf gewisse Art und Weise auch einer „Message“. Immer wieder sehenswert!

© 2015 Wolfgang Brunner