Erpressung (1929)

erpressung

Originaltitel: Blackmail
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Afred Hitchcock, Benn W. Levy, Michael Powell
Kamera: Jack E. Cox
Musik: Hubert Bath
Laufzeit: 84 Minuten
Darsteller: Anny Ondra, Sara Allgood, Charles Paton, John Longden, Donald Calthrop, Cyril Ritchard, Hannah Jones, Harvey Braban
Genre: Krimi
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Alice ist eigentlich mit dem Polizisten Frank liiert. Nach einem Streit trifft sie sich eines Abends aber mit dem Maler Crew, der jedoch schon beim ersten Treffen zudringlich wird und versucht, Alice zu vergewaltigen. Alice verteidigt sich und ersticht Crew aus Notwehr mit einem herumliegenden Brotmesser. Frank findet am Tatort einen Handschuh von Alice und ahnt schon bald, dass sie die Täterin ist. Aus Liebe zu ihr verheimlicht er seinen Fund. Doch dann taucht ein Mann auf, der behauptet, den Mord beobachtet zu haben, und Alice und Frank nun mit seinem Wissen erpresst.

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Ursprünglich nicht als Tonfilm vorgesehen, ist „Erpressung“ dann letztendlich aber der erste britische Tonfilm geworden. Alleine aus diesem Grund ist der Film auf jeden Fall sehenswert. Denn anfangs wird auch in der Tonfilm-Fassung in bester Stummfilm-Manier erzählt. Erst wenig später kommen dann die „sprechenden Bilder“.

Hitchcock zeigt hier zum ersten Mal (von „Der Mieter“ vielleicht einmal abgesehen), was er als Regisseur so drauf hat. Da wird gespielt und experimentiert, die Kamerafahrten machen einfach nur Spaß und das Ausprobieren mit dem Ton hat es ebenfalls in sich. Vor allem die Szene, in der eine keifende Kundin von dem geschehenen Mord erzählt und immer wieder das Wort „Knife“ (Messer) erwähnt, ist für mich genial. Während Hitchcock die Kamera auf die Mörderin richtet, die ein ähnliches Messer in der Hand hält, mit dem sie auch den Notwehr-Mord begangen hat, quasselt die Kundin unentwegt. Wir als Zuhörer verstehen  das Gerede teilweise gar nicht, nur das Wort „Knife“ wird laut in Szene gesetzt, bis es schier unerträglich wird. Wie Hitchcock hier die Nerven des Zusehers in gleicher Weise strapaziert wie die seiner Protagonistin ist einfach toll gemacht.

Sicherlich fehlt dem Kriminalfilm noch die gewisse Raffinesse, die Hitchcocks spätere Inszenierungen auszeichnetet, aber Wegbereiter zu diesem Ziel war „Erpressung“ allemal.
Man sucht vergebens nach einer Unsicherheit der Schauspieler, die, ebenfalls wie die gesamte Filmcrew, dem Novum „Tonfilm“ gegenüberstanden. Alles in allem ein gelungener Krimi mit unübersehbaren Hitchcock-Touch.

Ach ja, und der Cameo-Auftritt des in einer U-Bahn sitzenden Alfred Hitchcock , der von einem Jungen geärgert wird, ist höchst amüsant.

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Fazit: Im ersten britischen Tonfilm experimentiert Hitchcock nicht nur optisch sondern auch akkustisch. Sehenswerter Kriminalfilm mit unübersehbarem Hitchcock-Touch.

© 2015 Wolfgang Brunner

The Man Who Wasn’t There (2001)

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Originaltitel: The Man Who Wasn’t There
Deutscher Alternativtitel: Der unauffällige Mr. Crane
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Ethan und Joel Coen
Musik: Carter Burwell
Laufzeit: 116 Minuten
Darsteller: Billy Bob Thornton, Frances McDormand, James Gandolfini
Genre: Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

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Der schweigsame Friseur Ed Crane wohnt Ende der 1940er Jahre zusammen mit seiner Frau Doris in einer nordkalifornischen Kleinstadt. Ed arbeitet im Friseursalon seines Schwagers während seine Ehe nur noch auf dem Papier existiert. Es ist kein Wunder, dass er nicht glücklich ist. Zufällig macht er die Bekanntschaft des seltsamen Geschäftsmannes Tolliver, der mit chemischer Trockenreinigung reich werden will. Dafür benötigt er noch 10.000 Dollar Startkapital. Ed sieht seine Chance gekommen. Er erpresst die Summe anonym vom Chef seiner Frau Doris, Big Dave. Dieser hat eine Affäre mit Doris und will unter keinen Umständen, dass diese publik wird. Allerdings geht ziemlich bald alles schief, was nur schief gehen kann …

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„The Man Who Wasn’t There“ ist ein Spielfilm der Coen-Brüder und ein Hommage an den Film noir. Er erfüllt viele Charaktereigenschaften dieses Filmgenres. Dem Protagonisten gelingt es nicht, sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Die zeitliche Ansiedlung und die stilistischen Mittel – besonders, dass der Film als Schwarz-Weiß-Film konzipiert wurde – tragen viel zu seiner Glaubwürdigkeit bei. Der Titel des Filmes stammt aus dem Gedicht „Antigonish“ von William Hughes Mearns. Der Mann, der nicht da war … irgendwie finde ich den Filmtitel genial. Wie ein Geist schleicht die Hauptfigur durch den Film, ist von ihrem tristen Leben gelangweilt und von anderen Menschen genervt. Trotzdem schafft sie es, ihre Umwelt nachhaltig zu beeinflussen. Die Stimme aus dem Off erzählt den dazu gehörenden Kontext. Am Ende erfährt man, dass Ed selbst die Stimme aus dem Off ist und gerade seine Geschichte niederschreibt.

Ich weiß nicht, irgendwie bin ich mit diesem Film nicht so richtig warm geworden. Jedoch fand ich ihn jetzt auch nicht richtig schlecht. Nur so mittelmäßig. Die Story ist skurill, aber nicht schlecht, die Schauspieler sind hochkarätig und im Hintergrund hört man Begleitmusik von Beethoven. Aber ich finde den Film zu trocken. Und zu langweilig. Naja. Er fängt auch noch an, philosophisch zu werden, was so gar nicht zu ihm passt. Für diesen Film sollte man Ruhe und Zeit mitbringen, falls man vorhat, ihn sich zu Gemüte zu führen.

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Fazit: Sicherlich nicht der beste Film der Coens. Pluspunkte gibt es für die Besetzung und die Filmmusik. Das Ende berührt einen doch schon irgendwie, auch dafür gibt es noch einen Punkt. Für einen ruhigen Filmabend oder vielleicht auch als Einschlafhilfe unbedenklich zu empfehlen.

© 2014 Lucas Dämmig