Wyrmwood – Road Of The Devil (2014)

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Originaltitel: Wyrmwood
Regie: Kiah Roache-Turner
Drehbuch: Kiah & Tristan Roache-Turner
Kamera: Tim Nagle
Musik: Michael Lira
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Jay Gallagher, Bianca Bradey, Leon Burchill, Keith Agius, Berryn Schwerdt, Luke McKenzie, Cain Thompson, Damian Dyke, Catherine Terracini
Genre: Horror, Action
Produktionsland: Australien
FSK: ab 18 Jahre (uncut)

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Von einer Sekunde auf die andere ist das ganze Land von einem Virus verseucht, der die Infizierten zu fleischfressenden Zombies macht. Barry macht sich auf den Weg, um seine Schwester Brooke zu finden. Doch er muss erfahren, dass ein sadistischer Wissenschaftler Brooke entführt hat, um sie für Experimente zu nutzen, die er an Zombies durchführt. Weder Brooke noch Barry haben eine Ahnung, dass Brooke eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Seuche innehat.

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„Wyrmwood“ wird als eine Mischung aus „Zombieland“ und „Mad Max“ angepriesen. Irgendwie stimmt das auch, dennoch konnte mich der australische Endzeit-Horror nicht hundertprozentig überzeugen. Es gab sicherlich die ein oder andere Szene, die mir gefallen hat. Vor allem fand ich die Idee, die hinter den Zombies steckte, sehr interessant und innovativ. Das war es dann aber auch schon. Nach einem gelungenen Einstieg entwickelte sich der Plot für mich immer mehr zu einem in die Länge gezogenen Kurzfilm. Besonders die Szenen mit dem verrückten Wissenschaftler, der Experimente an den hilflosen Zombies machte, gingen mir zusehends auf den Wecker. Machte dieses extrem Skurrile am Anfang sogar noch ein klein wenig Spaß, so entwickelte sich diese übertriebene Darstellungsweise gegen Ende hin zu einem störenden Faktor, der den Film zerstörte. Wenig wäre da auf jeden Fall besser gewesen.

Schauspielerisch bewegte sich „Wyrmwood“ auf einem ganz guten, erträglichen Mittelmaß. Es gab im Grunde genommen nichts auszusetzen, aber an manchen Stellen wirkte das Agieren etwas aufgesetzt und unglaubwürdig. Hauptdarsteller Jay Gallagher konnte mich da noch am ehesten überzeugen.  Leon Burchill konnte auch an manchen Stellen ganz witzig sein, aber meistens wirkte er dann doch irgendwie unecht.  Caine Thompson wirkte neben Gallagher allerdings am ausgeglichensten. Berryn Schwerdt in der Rolle des verrückten Wissenschaftlers erinnerte mich immer wieder an David Cronenberg ;). Schauspielerisch machte er seine Sache ganz akzeptabel, aber der Charakter war schlichtweg einfach nur nervtötend.

„Wyrmwood“ ist Funsplatter und Trashorgie, keine Frage. Die Effekte sind teilweise wirklich sehr gut gemacht und der Unterhaltungsfaktor ist definitiv auch gegeben. Es gibt einige innovative Ansätze, die das Zombiegenre neu definieren, aber dem Film fehlt manchmal eine gewisse Professionalität – auch, was den Plot angeht. Es wirkt alles sehr einfach und ohne jegliche Tiefe. Vieles ist übertrieben dargestellt und hätte durchaus besser inszeniert werden können. Man findet kein Meisterwerk vor, aber auch keine echte Independence-Perle. Für das eine ist der Film zu schlecht, für das andere zu gut.  Die Dialoge sind manchmal unerträglich peinlich. Auch die wenigen Witze, die sitzen, reissen da nichts mehr raus.

„Wyrmwood“ wird sich mit Sicherheit eine kleine Fangemeinde aufbauen, denn -wie oben erwähnt- ist so manche Idee erfrischend und innovativ.  Mein Fall war es leider nicht.

Ich habe die 3D-Version gesehen, bei der es sich wieder einmal um eine Mogelpackung handelt. Der Film wurde nicht dreidimensional gedreht und für eine BluRay-Veröffentlichung einfach nachträglich bearbeitet. Ärgerlich, wie ich finde, denn vielleicht hätte das Spektakel aus dreidimensionaler Sicht doch noch ein wenig besser gewirkt. Aber auch in dieser Hinsicht hat „Wyrmwood“ leider enttäuscht.

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Fazit: Innovativer Zombiefilm, der leider die Gratwanderung zwischen hochwertigen Funsplatter und niveaulosem Trash nicht ganz schafft und daher in keiner Richtung punkten kann. Schade um die erfrischenden Ideen.

© 2016 Wolfgang Brunner

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Metallica – Through The Never (2013)

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Originaltitel: Metallica – Through The Never
Regie: Nimród Antal
Drehbuch: Nimród Antal, James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett, Robert Trujillo
Kamera: Gyula Pados
Musik: Metallica
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Dane DeHaan, Mackenzie Gray, Kyle Thomson, James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett, Robert Trujillo
Genre: Musikfilm
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Während eines Metallica-Konzerts wird der Roadie namensTrip, der für die Metal Band „Metallica“ arbeitet, vom Tourmanager in die Stadt geschickt, um eine für die Band enorm wichtige Tasche aus einem liegengebliebenen LKW zu holen. Während Metallica vor Zehntausenden begeisterter Fans ihre bekanntesten Songs spielen, wird Trip immer mehr in eine apokalyptische, teils surrealistische Welt geschleudert. Schon bald kann er Realität und Einbildung nicht mehr unterscheiden und beides scheint sich sogar zu vermischen.

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Metallica-Fans kommen um diesen Film sowieso nicht rum. 😉
Da wird nämlich ein Konzert der Superlative geboten, und wenn man die 3D-Fassung ansieht, erlebt man die vier Musiker hautnah bei ihrem Auftritt. Die Bühnenshow und die Ausstrahlung der Musiker, allen voran Sänger/Gitarrist James Hetfield und Schlagzeuger Lars Ulrich, sind umwerfend. Das Bühnenbild und die Auswahl der Songs könnte besser nicht sein. Die Band kommt absolut sympathisch rüber und reißt selbst Nicht-Fans mit ihrer Musik mit, sofern man dieser Art der Musik wenigstens ein klein wenig abgewinnen kann.

Einziges Manko dieses Konzertfilms ist die teils abstruse Nebenhandlung um den Roadie Trip. Sicherlich sind fantastische und atemberaubende Aufnahmen zu sehen, doch erschließt sich dem Zuschauer leider nicht der wirkliche Sinn. Da hätte man trotz aller Mystery-, Fantasy und postapokalyptischen Elemente mehr als nur eine an den Haaren herbeigezogene, pseudo-intellektuelle Story bauen können. Es ist ja auch nicht so, als wäre die Nebenhandlung nicht interessant – keineswegs. Aber man sucht, ob dies beabsichtigt ist oder nicht, wenigstens einen „kleinen“ Sinn in dem Ganzen und bleibt leicht verwirrt zurück. In der ein oder anderen Einstellungen wecken die gezeigten Bilder sogar kurzzeitig Assoziationen zu Alan Parkers grandioser Pink Floyd-„The Wall“-Verfilmung, aber der Plot schlittert leider sofort wieder in die Unsinnigkeit hinein. Man ist versucht, das Ganze als Drogentrip zu interpretieren, dem sich dann nachvollziehbarer Weise jeglicher Sinn entzieht. Das wäre für mich auch die einzig zufriedenstellende Lösung …

„Metallica – Through The Never“ ist nichtsdestotrotz ein Konzerterlebnis allererster Güte und eine selbstinszenierte Hommage an eine der einflussreichsten Metalbands der Rockgeschichte. Die zwar wirre Nebenhandlung lockert die Konzertabschnitte derart gut auf, dass keine Sekunde Langeweile  aufkommt. Der Musikfilm lohnt sich unbedingt und kann mit Sicherheit ein paar Mal angeschaut werden. Vielleicht kann man bei einem der nächsten Sichtungen sogar das ein oder andere Geheimnis der Nebenhandlung enträtseln. 😉

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Fazit: Bombastisch und atemberaubender Konzertfilm mit einer eher schwachen Fantasy-Nebenhandlung. Visuell und audiell absolut beeindruckend. Für Fans ein Muss, für alle anderen ebenfalls lohnenswert, sofern man dieser Art der Musik zugetan ist.

© 2015 Wolfgang Brunner

These Final Hours (2013)

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Originaltitel: These Final Hours
Regie: Zak Hilditch
Drehbuch: Zack Hilditch
Kamera: Bonnie Elliott
Musik: Cornel Wilczek
Laufzeit: 87 Minuten
Darsteller: Nathan Phillips, Angourie Rice, Jessica De Gouw, Daniel Henshall, David Field, Sarah Snook
Genre: Thriller, Science Fiction
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahren

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In nur 12 Stunden trifft ein Meteorit auf die Erde und löscht alles Leben aus. James hat Angst vor diesem letzten Moment und macht sich auf den Weg zu einer Party, um den finalen Augenblick unter Drogen und alkoholisiert nicht bei vollem Bewusstsein miterleben zu müssen. Doch dann trifft er auf das junge Mädchen Rose, die verzweifelt ihren Vater sucht. James beschließt, ihr zu helfen und lernt in den letzten Stunden seines Lebens, was es bedeutet, zu leben …

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Zack Hilditchs Endzeit-Drama hätte aus meiner Sicht mehr Aufmerksamkeit verdient. Meisterhaft erzählt der australische Regisseur eine bedrückende Geschichte um die letzten Stunden der Menschheit. Und er vermittelt eindrucksvoll, dass man jede Minute seines Lebens auskosten sollte, auch wenn das Ende unmittelbar bevorsteht. Das ist einerseits deprimierend und traurig, andererseits aber in fantastischen Bildern hoffnungsvoll dargestellt.

Nicht immer geradlinig, sondern auch mit eingeschobenen Rückblicken in die Vergangenheit wird trotz der ganzen Dramatik des Weltuntergangs genaugenommen eine Liebesgeschichte erzählt. Die Flucht eines verzweifelten Mannes, der Angst vor dem Tod hat und die letzten Minuten seines Lebens unter Alkohol und Drogen verbringen möchte, ändert sich im Laufe des Films zu einer Selbstfindung, die mit der Erkenntnis des Lebenssinns endet. Ganz so philosophisch, wie es sich jetzt vielleicht anhört, ist „The Final Hours“ zwar nicht, aber letztendlich bleibt ein Eindruck in diesem Sinne beim geneigten Zuschauer hängen.

Einziger Wermutstropfen dieses apokalyptischen Weltuntergangsszenarios ist die Tonabmischung in den Szenen, die sich bei einer Party abspielen. Sobald die Musik einsetzt, wackeln einem die Ohren, so laut sind diese Passagen ausgesteuert, und man greift im heimischen Wohnzimmer unweigerlich nach der Fernbedienung, was zur Folge hat, dass man die anschließenden Dialoge der Protagonisten nicht mehr versteht. Dreht man den Ton aber wieder lauter, fegt ein erneuter Lärmsturm über einen hinweg, wenn die Partymusik wieder in den Vordergrund rückt. Das nervt … 😉

Wenn man den aktuellen Berichten Glauben schenken kann, hat Zack Hilditch einen Vertrag unterzeichnet, um das Remake dieses Films für das amerikanische Fernsehen selbst zu inszenieren.

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Fazit: Unterhaltsamer Weltuntergangs-Katastrophen-Film aus Australien mit einigen fast schon philosphischen Aussagen.

© 2015 Wolfgang Brunner

28 Weeks Later (2007)

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Originaltitel: 28 Weeks Later
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Rowan Joffe, Juan Carlos Fresnadillo, Jesús Olmo, Enrique López Lavigne
Kamera: Enrique Chediak
Musik: John Murphy
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Imogen Poots, Mackintosh Muggleton, Jeremy Renner, Robert Carlyle, Rose Byrne, Idris Elba, Catherine McCormack, Harold Perrineau jr.
Genre: Horror
Produktionsland: Großbritannien, Spanien
FSK: ab 18 Jahren

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Nachdem das Virus anscheinend besiegt wurde, wird in den Städten mit dem Wiederaufbau begonnen.
Jede verdächtige Person wird allerdings sofort eliminiert. Don, seine Frau Alice und deren Kinder finden in einer sogenannten Sicherheitszone wieder zusammen. Doch einer von ihnen trägt, ohne es zu wissen, das tödliche Virus in sich …

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„28 Weeks Later“ schlägt seinen Vorgänger „28 Days Later“ aus meiner Sicht um Längen. Das geht schon mit der ungemein spannenden und nervenaufreibenden Anfangssequenz los, in der das (brutale) Grauen wie aus heiterem Himmel über die Protagonisten (und den Zuschauer) hereinbricht. Aber auch die weitere Entwicklung der Geschichte hat es in sich und mich förmlich mitgerissen.

Juan Carlos Fresnadillo, der bis dahin nur Werbeclips, Kurzfilme und den Langfilm „Intacto“ inszenierte, legt ein unglaubliches Tempo vor, das sich durch den ganzen Film zieht. Fast perfekt wirken da die locker eingestreuten ruhigen und stimmungsvollen Szenen, die dem Zuschauer Atem holen lassen. Fresndaillo hat dem Originalfilm auch inszenatorisch einiges voraus. Man mag es kaum glauben, aber aus meiner Sicht ist einfach tatsächlich so. Aber auch die Schauspieler haben mir hier eindeutig mehr zugesagt.
Finster, düster und brutal zeigt der Regisseur eine apokalyptische Welt, vor der man Angst bekommt. Das Überleben steht an erster Stelle und jeder ist sich selbst der Nächste – besser kann man solch ein Szenario fast gar nicht darstellen, wie es Fresnadillo getan hat. Durch die oft mit Handkamera gedrehten Szenen wirkt „28 Weeks Later“ unheimlich beklemmend und realistisch. Hinzu kommen die schnellen Schnitte, die einem so manches Mal die Zeit vergessen lassen, so sehr fiebert man mit den Protagonisten mit.

Die Fortsetzung zu Danny Boyles Weltuntergangsszenario ist innovativ und reißerisch, aber dennoch mit einer manchmal ruhigen Atmosphäre. Genau diese Mischung ist es, die mich in den Bann gezogen und begeistert hat.

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Fazit: Besser als der Vorgänger. Brutaler, düsterer und vor allem noch beklemmender. Da wird beim Zuschauer eineinhalb Stunden Adrenalin produziert. 😉

© 2015  Wolfgang Brunner

28 Days Later (2002)

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Originaltitel: 28 Days Later
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Alex Garland
Kamera: Anthony Dod Mantle
Musik: John Murphy
Laufzeit: 113 Minuten
Darsteller: Cillian Murphy. Naomie Harris, Megan Burns, Brendan Gleeson, Christopher Eccleston, Noah Huntley, Christopher Dunne, Emma Hitching
Genre: Horror
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 18 Jahren

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Jim wacht in einem Krankenhaus auf und hat keine Ahunng, was mit ihm geschehen ist. Als er das menschenleere Hospital verlässt, muss er feststellen, dass er sich in einer völlig ausgestorbenen Stadt befindet. Niemand ist zu sehen, bis Jim in einer Kirche dann doch auf Menschen stößt. Doch die sind bösartig und greifen Jim an. Als Jim vor den Bestien flieht, wird er von einer kleinen Gruppe Menschen unterstützt, die ihn retten und bei sich aufnehmen. Jim erfährt, dass die Menschheit von einem grauenhaften Virus heimgesucht wurde und nur noch wenige Nichtinfizierte existieren.

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Wenn man sich den Anfang von „28 Days Later“ ansieht, fühlt man sich sofort an den Beginn von „The Walking Dead“ erinnert. Die Aufwachszene im Krankenhaus gleicht schon sehr der ersten Folge der Erfolgs-Zombie-Serie. 😉
Danny Boyles Endzeitfilm nimmt einen durch die teils unscharfen und körnigen  Bilder sofort gefangen, verleihen sie dem Ganzen doch fast optimale Authenzität. Das verlassene London ist hypnotisch eingefangen und wirkt beängstigend und bedrohlich. Die ganze erste Hälfte des Films verströmte auf mich eine sehr dichte Atmosphäre, in der der Schrecken der Seuche hautnah zu spüren ist. Kurzzeitig entwickelt sich das Ganze sogar zu einer Art Roadmovie. Diese Stellen sind es auch, die mich am meisten begeistert haben. Das lag mit Sicherheit zum einen daran, dass sich die Protagonisten vorwärts bewegten, zum anderen aber auch am Auftritt des grandiosen Brendan Gleeson, der mir ausnehmend gut in seiner Rolle als Vater gefallen hat.

Boyles Infizierte sind schnell und furchteinflössend. Die blutigen Angriffe wurden effektiv in Szene gesetzt und erschrecken. Die Handlung nimmt in der zweiten Hälfte des Films eine Wendung ein und hat mir im ersten Moment bei weitem nicht so gut gefallen, wie die erste Hälfte. Doch Alex Garlands Drehbuch (bzw. Idee) ist es zu verdanken, dass die Geschichte im angeblich sicheren Soldatenlager nicht im Einheitsbrei versinkt, sondern Hand und Fuß hat. Auch wenn ich Szenarien dieser Art eigentlich gar nicht mag (Evakuierungscamps, die von Soldaten geleitet werden – wie z.B. in Romeros „Day Of The Dead“ oder „Doomsday“) wirkt es in „28 Days Later“ stimmig.

Danny Boyles Inszenierung ist rasant, obwohl der Film auch einige gelungene ruhige Stellen besitzt. Die Auswirkungen einer Epidemie dieser Art wird sehr glaubhaft dargestellt und könnte ohne weiteres möglich sein. Düster entwirft Boyle eine Endzeitwelt, in der es ums nackte Überleben geht.

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Fazit: Düster und schonungslos zeigt der Film einen Kampf ums Überleben, bei dem der Mensch gegen seine eigene Spezies kämpft. Schauspielerisch und inszenatorisch absolut gelungen.

© 2015 Wolfgang Brunner

72 Stunden (2008)

72 stunden

Originaltitel: Tres Dias
Alternativtitel: Before The Fall
Regie: F. Javier Gutiérrez
Drehbuch:  F. Javier Gutiérrez, Juan Velarde (Original Story)
Kamera: Miguel Ángel Mora
Musik:Antonio Meliveo
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Víctor Clavijo , Eduard Fernández, Juan Galván, Mariana Cordero , Daniel Casadella, Elvira DeArmiñán
Genre: Thriller
Produktionsland: Spanien
FSK: ab 18 Jahren

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Ein Meteorit rast auf die Erde zu und droht, die gesamte Menschheit auszulöschen. Ale und seine Mutter beschützen die Kinder seines Bruders. Und während für die Menschheit die letzten drei Tage anbrechen, droht Ale und seiner Familie eine andere Gefahr, die aus seiner Vergangenheit kommt und nicht nur sein eigenes Leben bedroht.

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„72 Stunden“ ist ein recht ansehnlicher Endzeit-Thriller, der die Genre Katastrophenfilm und Psychothriller geschickt miteinander vermischt. Die Geschichte beginnt wie ein typischer Weltuntergangsfilm und zeigt bereits hier beachtliche Stärken des Regisseurs. Im Verlauf des Films wird aber immer mehr eine Grenze überschritten, die vom Katastrophenszenario in eine nicht uninteressante Mischung aus dramatischem Familiendrama und perfidem Psychothriller führt.

Der von Antonio Banderas produzierte Film sondert sich schon in den ersten Minuten von typischen Mainstream-Produktionen ab und macht neugierig. Oft wird eine härtere Gangart eingelegt, was der Dramatik des Thrillers enorm zu gute kommt. Und die Geschichte um das Familiengeheimnis ist sehr geschickt in Szene gesetzt, da gibt es nichts zu meckern. Genausowenig wie in Sachen Schauspielerei. Die Akteure machen ihre Sache gut und vermögen zu überzeugen.

Das Hauptproblem des Films ist allerdings, dass er zwei Genres bedient und sich nicht so recht entscheiden kann, welches nun das Hauptgenre sein soll. Obwohl gerade dieser Richtungsmix im ersten Moment unglaublich interessant wirkt, verliert sich der Katastrophenanteil plötzlich komplett in einem psychologischen Überlebenskampf, der plötzlich vollkommen unlogisch wirkt, da die Welt ja in 72 Stunden sowieso untergehen wird. Das stört an manchen Stellen, wirkt sich aber auf die Spannung überraschender- und erfreulicherweise nicht aus.

Kurz vor dem Ende schwenkt Gutiérrez dann aber doch noch einmal auf das Weltuntergangs-Szenario und rundet zumindest am Schluss das Ganze damit ein wenig ab.  Mich hat das Ende des Films dann doch wieder einigermaßen zufriedengestellt. 😉
Ein bisschen mehr Katastrophe und etwas weniger Psychothriller wären aus meiner Sicht besser gewesen.

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Fazit: Raffinierter Genremix aus Katastrophen-Weltuntergangs-Film und spannendem Psychothriller, der hervorragend unterhält, aber letztendlich an der unausgewogenen Mischung ein klein wenig scheitert. Sehenswert ist der außergewöhnliche Thriller aber auf jeden Fall.

© 2015  Wolfgang Brunner

The Rover (2014)

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Originaltitel: The Rover
Regie: David Michôd
Drehbuch: David Michôd
Kamera: Natasha Braier
Musik: Antony Partos
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Guy Pearce, Robert Pattinson, Scoot McNairy, David Field, Anthony Hayes, Gillian Jones, Susan Prior
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahren

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Das weltweite Wirtschaftssystem ist zusammengebrochen. Gesetze und Gesellschaft, so wie wir sie kennen, verschwinden und jeder denkt nur noch ans eigene Überleben. In dieser Zeit stiehlt eine kriminelle Gang den letzten Besitz des ehemaligen Farmers Eric: sein Auto, einen Rover.
Zusammen mit dem leicht zurückgebliebenen Rey, ein Bruder eines der Diebe, beginnt Eric die Verbrecher zu jagen. Denn er will seinen Rover wieder zurückhaben, egal zu welchem Preis.

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Ich muss gestehen, dass mich der Film voll erwischt hat. Ich hatte mir sicherlich einen enorm guten Endzeit-Thriller vorgestellt, aber was ich dann zu sehen bekam, riss mich, ehrlich gesagt, nahezu vom Hocker.
Das beginnt schon bei dem wahnsinnig guten Schauspielerleistungen, die Guy Pearce und Robert Pattinson da hinlegen. Da bleibt einem schon alleine beim Agieren der beiden der Atem stehen, so intensiv und realitätsnah schauspielern sie. Guy Pearce habe ich selten so gut und emotional (und dennoch kaltblütig) erlebt. Es ist eine wahre Freude, ihm bei der Jagd nach seinem geliebten Rover zuzusehen. Und Pattinson, der mich schon in David Cronenbergs „Cosmopolis“ begeistert hat, legt hier noch einen drauf, auch wenn man das irgendwie erst einen Tag später realisiert. 😉

David Michôd hat eindeutig das Zeug, zu einem Kultregisseur zu werden. Seine eigenwillige Inszenierung, die meist außergewöhnlich ruhig und minimalistisch daherkommt, wird von überraschenden und schockierenden Einwürfen unterbrochen, die wie ein brutaler Schlag in die Magengrube wirken. Da bleibt einem bei einzelnen Szenen schlicht die Luft weg und ein Gedankenblitz in der Art wie „Was war das denn jetzt?“ durchzuckt einen.
Ein Hauch David Lynch, eine Prise Quention Tarantino und ein Großteil eigener Kreativität zeichnen diesen außergewöhnlichen Film aus.

„The Rover“ plätschert die meiste Zeit dahin, als handle es sich um eine enorm ruhige Geschichte, und dennoch brennt sich der Plot durch seine fast schon visionäre Machart ins Gedächtnis ein wie selten ein Film. Ein Vergleich mit „The Road“ drängt sich auf und trifft die Atmosphäre noch am ehesten, aber auch diese Parallele hinkt irgendwie, denn „The Rover“ ist viel zu eigenständig, um mit einem anderen Film verglichen werden zu können. Pearce und Pattinson legen zusammen mit Regisseur Michôd ein Meisterwerk vor, das man meiner Meinung nach gesehen haben muss.

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Fazit: Minimalistisch und auf unheimliche Weise eindrucksvoll wird in „The Rover“ ein Rachefeldzug erzählt, der ohne Spezialeffekte auskommt, dafür aber mit fast schon oskarreifen Schauspielerleistungen aufwarten kann. Für Freunde des außergewöhnlichen Films ohne Zweifel ein Muss.

© 2015 Wolfgang Brunner