Alleingang (2012)

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Originaltitel: Alleingang
Regie: Hartmut Schoen
Drehbuch: Hartmut Schoen
Kamera: Eeva Fleig
Musik: Matthias Frey
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Alexander Held,  Armin Rohde, Maria Schrader, Matthias Koeberlin, Oliver Wnuk, Christina Große, Peter Kremer
Genre: Krimi, Thriller, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahren

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Dem Sträfling Mattock gelingt die Flucht. Durch eine Geiselnahme kann er die Bereitstellung eines Zuges verlangen, mit dem er seine Flucht fortsetzen will. Außerdem verlangt er das Erscheinen des Polizisten-Duos Zuckmaier und Schübel. Ersterer hatte Mattock hinter Gitter gebracht. Zuckmaier muss sich nun nicht nur dem gefährlichen Verbrecher Mattock stellen, sondern auch seinem ehemaligen Kollegen Schübel, wegen dem ihn seine Exfrau Sonja vor zwei Jahren verlassen hat. Mattock entlässt seine Geiseln nur aus seiner Gewalt, wenn Zuckmaier und Schübel sich im Austausch zu ihm in den Zug begeben.

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„Alleingang“ ist eine spannende und gelungene Mischung aus Krimi, Thriller und Drama. Hartmut Schoen kann Geschichten erzählen und, in diesem Fall mit Hilfe der Schweizer Kamerafrau Eeva Fleg, in tolle Bilder einfangen. Ich kann gar nicht verstehen, dass viele Zuseher den Film zwar gut, aber streckenweise langatmig fanden. Denn gerade die leisen Zwischentöne waren es, die mich während der vielen Actionsequenzen so richtig begeistert haben. Da wurde nicht nur wild um sich geschossen, sondern es wurde auch geredet.

Ich wüsste nicht, wen der beiden Hauptdarsteller ich mehr loben sollte. Armin Rohde konnte mich vollends in seiner aggressiven Verbrecherrolle überzeugen. Das hat ungemein Spaß gemacht, seinem Spiel zuzusehen. Hier konnte Rohde auch zeigen, wie wandelbar er ist.
Aber Alexander Held war für mich dann doch irgendwie der wahre Hauptakteur. Mit seiner ruhigen und sehr natürlichen, sympathischen Art hat mich der Münchner vollkommen in seinen Bann gezogen. Sein Agieren wurde noch durch seinen wunderbaren Münchner Dialekt in der angenehmen Stimme unterstützt.

Schoenes Thriller-Drama ist insgesamt fabelhaft besetzt, wenn man einmal von der wirklich nervigen Rolle für Oliver Wnuk absieht, die den Charme des Films leider, wenn auch nur minimal, leicht kaputtgemacht hat. Aber Rohde und Held haben letztendlich zusammen mit Maria Schrader das Niveau des Films aufrecht gehalten, sodass man über diesen kleinen Negativpunkt getrost hinwegsehen kann. „Alleingang“ ist einer jener Ausnahmefilme aus Deutschland, die sich sogar vom angeblich von den Zuschauern geforderten Mainstream fortbewegen und einen eigenen Weg gehen. Hinzu kommt das brillante und beeindruckende Schauspiel von Armin Rohde und Alexander Held, die in ihren Rollen aufgehen und fast schon ein Kammerspiel für zwei Personen aufführen. Man wünscht sich, es gäbe mehr solcher Thriller-Dramen, die einen von der ersten Sekunde bis zum unkonventionellen Ende mitreissen.

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Fazit: Armin Rohde und Alexander Held legen eine schauspielerische Glanzleistung ab. Vom gewöhnlichen Krimi abweichend, inszenierte Hartmut Schoen einen mal spannenden, mal ernsten Thriller, der letztendlich dann doch den Gesamteindruck hinterlässt, man habe ein Drama gesehen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Der Frosch mit der Maske (1959)

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Originaltitel: Frøen med masken / Der Frosch mit der Maske
Regie: Harald Reinl
Drehbuch: Trygve Larsen, J. Joachim Bartsch
Kamera: Ernst W. Kalinke
Musik: Willy Mattes
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Joachim Fuchsberger, Eva Anthes, Siegfried Lowitz, Jochen Brockmann, Karl Lange, Dieter Eppler, Eva Pflug, Eddi Arend
Genre: Krimi, Literatur
Produktionsland: Dänemark, Deutschland
FSK: ab 12 Jahren

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Seit vielen Jahren haben die Einwohner Londons Angst vor dem „Frosch mit der Maske“, dem Anführer einer Verbrecherbande. Einbrüche und sogar Morde gehen auf das Konto der Gangster. Inspektor Elk und der Neffe des Scotland Yard-Chefs wollen auf getrennten Wegen dem mysteriösen „Frosch“ das Handwerk legen.

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Oftmals wurde dieser ersten deutschen Edgar Wallace-Verfilmung der Nachkriegszeit das Prädikat „Kultfilm“ verliehen, mich konnte „Der Frosch mit der Maske“ allerdings nicht so ganz überzeugen. Das lag aber nicht einmal an der Inszenierung, die fast schon hitchcockmäßig mit viel Licht und Schatten aufwarten kann, sondern eher an den vielen Hauptpersonen, die sich durch den Film schlugen. Als Zuschauer konnte man sich weder auf Joachim „Blacky“ Fuchsberger noch auf Siegfried Lowitz richtig konzentrieren. Das fand ich irgendwie schade.

Handlungstechnisch ist der Krimi relativ einfach gestrickt und kann im Grunde genommen nur durch seine oftmals hervorragenden und stimmungsvollen Schwarzweiß-Bilder punkten. Die Drehorte sind absolut gut gewählt und besitzen einen unheimlichen, oft aber auch geradezu heimeligen Aspekt, der dem Film absolute Pluspunkte beschert.

Unabstreitbar ist, dass mit dieser Produktion der deutsche (Kriminal)Film einen unerwarteten Aufschwung bekam und den Grundstock für unzählige Edgar Wallace-Verfilmungen legte. Die düstere und gruselige Atmosphäre hat Regisseur Reinl fantastisch eingefangen und es wird auch nicht mit atmosphärischen Einlagen wie Stürmen, einsam gelegenen Häusern oder anderen nebelverhangenen Schauplätzen gespart. Diese Szenen sind es auch, die „Der Frosch mit der Maske“ zumindest zu einer „Art Kultfilm“ machen. Personenbezogen hat man sich aus meiner Sicht allerdings bei diesem Krimi leider verzettelt.

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Fazit: Der Beginn eines deutschen Filmwunders. Stimmungsvolle Adaption eines der bekanntesten Romane aus der Feder von Edgar Wallace, verliert die Handlung durch die Vielzahl der „Hauptpersonen“ seinen Reiz. Dennoch eindeutig schon auf dem Weg zum „Kult“.

© 2015 Wolfgang Brunner

Zero Killed (2012)

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Originaltitel: Zero Killed
Regie: Michal Kosakowski
Drehbuch: Michal Kosakowski
Kamera: Michal Kosakowski
Musik: Paolo Marzocchi
Laufzeit: ca. 78 Minuten
Darsteller: Uli Aigner, Aylin Ayaz, Teresa Behr, Dietmar Beinhauer, Dorothée Berghaus, Max Boehme, Barbara Braun, David Bruckner, Michele Cavaliere
Genre: Dokumentation, Horror
Produktionsland: Deutschland, Österreich
FSK: ab 16 Jahren

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Regisseur Kosakowski fragte Frauen und Männer verschiedener Berufe und Länder, ob sie manches Mal Mordfantasien hätten? Zu den Antworten wurden Kurzfilme gedreht, bei denen die Interviewten entweder die Rolle des Täters oder des Opfers aus ihren eigenen Fantasien übernehmen mussten.

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Michal Kosakowskis „Zero Killed“ fand seinen Ursprung in dem fantastischen Kunstprojekt „Fortynine“, bei dem 49 Kurzfilme über das Thema „Mordgedanken“ auf Monitoren abgespielt wurden, die in einem vollkommen verspiegelten Raum untergebracht waren. Wer sich ein Bild über diese beeindruckende Videoinstallation machen möchte, sollte sich folgendes Video ansehen:

Zehn Jahre später entstand dann die Idee, dieses Projekt in einem Kinofilm zu verewigen und Künstler und Regisseur Michal Kosakowski traf die gleichen Personen noch einmal, die damals ihre Fantasien geäußert und in den Kurzfilmen mitgespielt hatten, um sie erneut zu befragen.

Herausgekommen ist ein unterhaltsames, erschreckendes, brutales und ehrliches Bild unserer Gesellschaft, in der Gewalt immer mehr zur Normalität wird. Die Befragten wurden ursprünglich nur danach gefragt, ob sie Mordfantasien hätten, doch während der Gespräche machten sich die Themen selbständig und es wurde auch über Todesstrafe, häusliche Gewalt oder Selbstmord geredet. Das Ergebnis ist ein schockierender und nachdenklich machender Beitrag über unsere Gesellschaft und das Thema Gewalt. Die inszenierten Kurzfilme, die zwischen den Interviews eingefügt wurden, sind manchmal so realistisch, dass man unsicher wird, ob es sich gar um Snuff Movies handelt. Die Szene zum Beispiel, in der ein Selbstmord inszeniert wird, geht dermaßen unter die Haut, dass man sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Aus über 70 Stunden Filmmaterial hat Kosakowski und Claudia Engl einen beeindruckenden Film geschaffen, der erst beim zweiten Ansehen seine bedrückende Wirkung zeigt. Sicherlich ist man als Zuschauer nicht immer einer Meinung mit den Worten der Interviewten, aber alleine schon die Offenheit, mit der die Menschen ihre Meinung kundtun, verlangt Respekt. Die Vielfalt der gezeigten Eindrücke und der gesprochenen Worte hallt noch lange im Gedächtnis des Zusehers nach. Kosakowski hat einen zeitgenössischen Film über Gewalt und Tod gedreht, der auch noch nach Jahren seine Aktualität, Brisanz und Beklemmung nicht verlieren wird.

Durch die teils sehr blutigen Kurzfilme vermischt sich „Zero Killed“ in einer, fast möchte man sagen noch nie dagewesenen, Mischung aus „Dokumentarfilm“ und „Splatter-Horror“. Aber gerade diese Mischung ist es, die einem auf den Magen schlägt. Denn, obwohl inszeniert, könnten sich derartige Ereignisse in der Realität abspielen. Kosakowskis Film hinterlässt einen unangenehmen Beigeschmack, weil er der Gegenwart leider oftmals sehr nahe kommt. „Zero Killed“ ist ein mutiger Film, der noch mehr Beachtung verdient hätte, als er sie bekommen hat.

Infos über den Regisseur, die ursprüngliche Videoinstallation und den Film gibt es auf der dazugehörigen Internetpräsenz.

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Fazit: Beklemmender Film über die Entwicklung von Gewalt in unserer Zeit. Aus Interviews und inszenierten Kurzfilmen entstand eine Dokumentation mit Horroreinlagen aus dem realen Leben. Sehr interessant und nachdenklich stimmend.

© 2015 Wolfgang Brunner