Interview mit der Komponistin Myra

Myra 01

Die auf den Philippinen geborene Künstlerin Myra lebt heute in Deutschland. Schon als Kind verliebte sie sich in den Klang der Musik. Mit ihrer Band „Meine Allee“ gewann sie einige Newcomer -Preise und Auszeichnungen. Gleichzeitig veröffentlichte sie im Jahr 2006 ihre erste Solo-LP „Still Here“. 2008 folgte ihr zweites Album „Keep Goin‘ On“. Im Januar 2014 wurde sie als „Bester RnB Künstler“ bei den „Urban Music Awards“ (Philippinen) und drei Mal bei den „VIMA Music Awards Asia“ (South East Asia) nominiert. Sie gewann schließlich den „Overall Female Act of Asia“ und die „Best Dance Song“-Auszeichnung mit ihrem Song „Sing For You (X-Core-Remix)“.

Myra Sängerin, Songwriterin und Musikproduzentin. Und sie komponiert Filmmusiken. Genau zu diesem Thema durften wir der Künstlerin ein paar Fragen stellen.

1. Deine Musiken zu Timo Roses Filmen „Reeperbahn“ und „Death Wish Zero“ sind sehr atmosphärisch und erinnern teilweise an John Carpenter. Ist Carpenter eines Deiner Vorbilder? Welche anderen Komponisten inspirieren Dich bei Deiner Arbeit?

Erstmal vielen Dank für diesen Vergleich. Wenn Leute meine Filmmusik hören und sich dann an John Carpenter erinnern, ist das eigentlich ein sehr großes Kompliment. Obwohl ich versuche, niemanden zu kopieren sondern all meinen Kompositionen meine eigene Note zu verpassen. Ich habe viele Carpenter-Filme gesehen, klar. Ich bewundere ihn, weil er zu vielen Filmen das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und dazu noch die Filmmusik komponiert hat. Nicht alle Regisseure können das und das finde ich schon sehr beeindruckend. Neben Carpenter liebe ich die Arbeit von Hans Zimmer oder Danny Elfman sehr. Als Komponistin liebe ich auch die klassischen Komponisten wie Rachmaninov, Beethoven usw.

2. Filmmusik, Solo-Alben, Songwiriting, Produzentin … Bist Du ein Workaholic oder hast Du einfach nur riesigen Spaß an diesen Dingen?

Haha, die Frage ist ja süß!

Nun ja, angefangen habe ich eigentlich mit dem Singen, was immer meine „Foundation“ bleiben wird, da es direkt von mir selbst kommt; also ich bin selbst das Instrument. Bei Filmmusiken usw. bediene ich mich ja anderen Instrumenten. Bin ich ein Workaholic? -JA!!! Ein absoluter Music-Nerd-Freak von ganzem Herzen. Ich habe natürlich auch riesigen Spaß daran, weil mir die Musik einfach unglaublich viele schöne Momente beschert hat. Sie hat mich mein ganzes Leben bis hierher begleitet und ist einfach ein Teil von meinem Leben.

3. Welche Musik hörst Du privat? Kann es zum Beispiel auch mal sein, dass Heavy Metal-Klänge in Deine Gehörgänge wummern?

Also, ich höre alles, was mir auf die Ohren kommt; ist natürlich sehr stimmungsabhängig, aber ich höre wirklich alles. Ich finde gute Musik kennt keine Genres und bleibt einfach gute Musik. Und ja, ich höre auch Metal. Das Album von Arch Enemy finde ich zum Beispiel echt Hammer!

4. Gibt es einen bekannten Film(klassiker), den Du gerne mit Deinen Kompositionen vertont sehen würdest?

Das ist eine geile Frage und dazu könnte ich massig Filme aufzählen. Auf der anderen Seite, finde ich aber auch, dass die Filme eben so funktionieren und erfolgreich sind, weil sie sind, wie sie sind. Ich möchte lieber meine eigenen „Klassiker“ schaffen, wenn ich dazu die Möglichkeit habe oder bekomme. Wenn ich einen bereits vertonten Film nochmals vertonen würde, würde ich immer verglichen werden und das möchte ich ja nicht. Die Leute sollen meine Musik und mich hören.

5. Wie bist Du eigentlich zur Filmmusik gekommen? Denn ursprünglich warst Du ja Sängerin und Songwriterin.

Über meinen langjährigen, guten Kumpel und Regisseur „Stefan Schwenk“ (TBC Filmproduktion). Ich habe ja damals schon Musik gemacht und war mit „Meine Allee“ unterwegs. Da kam Stefan auf mich zu und bat mich die Musik zu seinem Spielfilm „Sick Pigs“ zu machen. Ich verliebte mich in die Herausforderung, die das Projekt mit sich brachte und fand die Arbeit daran sehr schön und habe es gewagt, sozusagen. So kam es, dass mir diese Tür geöffnet wurde. Ich „bin“ noch immer Sängerin und Songwriterin, das hat sich trotz der Filmmusik nicht geändert, wie man in Timo Roses neuem Film „Death Wish Zero“ hören kann.

6. Wie gehst Du an die Musik für einen Film ran? Deine Musik kann auch ohne Filmbilder bestehen, dennoch untermalen sie das Gezeigte absolut perfekt. Komponierst du, während Du Dir die entsprechenden Filmszenen ansiehst?

Vielen Dank, für dieses Kompliment. Dankeschön!

Nun ja, normalerweise ist es besser auf die Szene zu arbeiten, da man die Atmosphäre der Szene aufnehmen kann und sich gefühlstechnisch hineinarbeitet. Ich schaue mir zum Beispiel eine Szene an (noch ohne Musik), achte auf Schauspiel, Bildmotiv, Stimmung, Farben, Dialoge/Monolog und allgemeine Atmosphäre usw. Dann versuche ich in mir selber herauszufinden, was die Szene in mir vor allem emotional auslöst. Wenn ich das herausgefunden habe, setze ich mich hin und versuche diese Gefühle zu „vertonen“. Es kam aber schon mal vor, dass Musik da war, ohne dass ich die Szene vorher gesehen habe. Wenn mir ein Regisseur vorab sehr viel über die Szene/den Film erzählen kann, kann ich mich auch so hineindenken. Aber das kommt nicht so häufig vor, wenn ich an einer Filmmusik arbeite. Aber so zum Beispiel entstand das Main Theme „Nature“ von Timo Roses Serie „Nature“, die jetzt ja schon überall auf DVD veröffentlicht wurde.

7. Warum sind viele Filmmusiken heutzutage so nichtssagend und ausdruckslos? Bei vielen Blockbuster-Soundtracks fehlt das Emotionale. Hast Du eine Erklärung, warum sich das so verhält?

Puh, das ist eine gute Frage und eine Frage, die sehr schwer zu beantworten ist. Ich denke einfach, jedes Medium (Musik, Tanz, Film etc.) entwickelt sich neu und weiter. Die Musikindustrie hat sich sehr verändert in den letzten Jahren. Alles hat seine Vor- und Nachteile, würde ich meinen. Also, ich meine, Veränderung bringt immer beides mit sich. Vielleicht mag auf der einen Seite Filmmusik ausdrucksloser erscheinen, dafür sind die Bilder gewaltiger oder sprechen eben mehr für sich selbst, dass sie eben wenig Musik bis gar keine brauchen. Ich denke, das ist auch abhängig von unglaublich vielen Faktoren, nicht zuletzt auch von den ganzen Departments, die bei einem Film mitwirken und den Film zu dem machen, was er am Ende ist: Regie, Drehbuch, Schauspieler, Produktion, Crew etc usw. Zu guter Letzt ist das „Emotionale“ immer eine sehr subjektive Sache. Was jemand anderes als „emotional“ empfindet, müssen wir nicht gleichermaßen empfinden. Es gibt bestimmt auch Menschen, die meine Musik hören und die nicht nachempfinden können, was ich bei dem Song gefühlt habe, als ich ihn geschrieben habe. Aber diese Menschen kann ich deswegen ja nicht verurteilen. Gefühle bleiben eben immer subjektiv.

8. Was bedeutet für Dich eine gute Filmmusik?

Für mich muss gute Filmmusik drei wichtige Kriterien erfüllen: 1. Gute Filmmusik bedeutet für mich, wenn die Musik die Emotionen und die Atmosphäre eines Films verstärkt, so dass sie etwas bleibendes beim Zuschauer hinterlässt. 2. Wenn der Zuschauer sich die Musik ohne den Film anhört und er sich an den Film erinnert oder auch etwas persönliches damit in Verbindung bringt. 3. Wenn er nur die Musik hört und sich seine eigenen Bilder im Kopf machen kann, basierend auf seinen eigenen Gefühlen und Gedanken.

9. Du bist auch für die Musik zum Film „Montrak“ von Stefan Schwenk beauftragt worden. Gibt es denn schon weitere Projekte, die Du bald in Angriff nimmst?

Ja, das ist richtig. Ich werde einen Teil der Filmmusik zu „Montrak – Meister der Vampire“ komponieren. Über weitere Projekte kann ich leider im Moment noch nicht sprechen.

10. Du leidest an der seltenen Autoimmunkrankheit Lupus. Du hast einen wunderbaren Kurzfilm mit dem Titel „Butterfly Tattoos“ gedreht, gespielt und produziert (und auch die Musik dazu komponiert), um mehr Aufmerksamkeit auf diese unheilbare Krankheit zu lenken. Ist Musik eine Art Heilmittel für Dich?

Ja, das stimmt. Ich bin an der unheilbaren Autoimmunerkrankung „Lupus“ erkrankt. Vielen Dank, dass du dir den Kurzfilm angeschaut hast. Und an dieser Stelle nochmal einen sehr großen Dank an die „Lupus Stiftung Deutschland„, die mich seit Jahren begleitet, sich sorgt und mich unterstützt.

Ich denke schon, dass Musik eine Art Heilmittel ist. Musik war eben immer für mich da, ganz egal ob ich traurig war, fröhlich, viele Schmerzen hatte oder wochenlang im Krankenhaus lag. Es ist irgendwie so, dass ich eben diese ganzen Eindrücke und Gefühle in mir selbst wahrnehme und Musik das Einzige Medium ist, diese auf den Punkt genau wiederzugeben. Manchmal habe ich eben das Gefühl, dass ich nur durch die Musik meine Gefühle das sagen lassen kann, was sie eben sagen möchten.

11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

– Freiheit

– Liebe

– Gesundheit

– Musik

– Freunde

Ich bedanke mich ganz herzlich für das nette Interview, wünsche Dir viel Erfolg mit Deiner Musik und vor allem alles erdenklich Gute hinsichtlich Deiner Lupus-Erkrankung.

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© 2015 Myra / Wolfgang Brunner

Death Wish Zero (2015)

death wish zero

Originaltitel: Death Wish Zero
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose
Kamera: Timo Rose, Andre Koock, Ewa Niziuk
Musik: Myra
Laufzeit: 72 Minuten
Darsteller: Max Evans, Thomas Binder, Rebekka Mueller, Jessy Moravec, Andre Koock, Freddy Chiniti, Maya Trojanowski, Marc Engel, Pierre Wolf, Michael Müller
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: ? (es ist wohl von einer der folgenden Einstufungen auszugehen: SPIO/JK keine Jugendfreigabe oder FSK 18)

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Heath Chandon ist Auftragskiller, einer der besten. Eines Abends sucht eine junge Frau Hilfe bei ihm und klopft an seiner Wohnung. Heath verliebt sich in das Mädchen und zweifelt an seinem Job. Er entschließt sich, das Killen aufzugeben und will sich bei seiner Auftraggeberin freikaufen. Die ist allerdings alles andere als begeistert und versucht Heath zum Weitermachen zu zwingen. Als dieser aber nicht nachgibt, setzt seine Chefin die übrigen Auftragskiller, die für sie arbeiten, auf Heath an. Eine erbitterte Jagd beginnt …

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Wo soll ich beginnen? Das erste, das mir nach dem Abspann von „Dead Wish Zero“ durch den Kopf gegangen ist, war: „Was ist das denn für ein verdammt verfi$$t geiler Film?“ Ich kann es gar nicht anders ausdrücken, denn Timo Roses 25te (!!!) Regiearbeit hat mich echt umgehauen – von Anfang bis Ende.
Schon der Einstieg (wieder einmal grandios von Kai E. Bogatzki geschnitten) macht absolut Lust auf das Action-Drama, das sich völlig anders entwickelt hat, als ich ursprünglich dachte. Rose hält trotz der Spannung und Action immer einen melancholischen Unterton, der sich (bis auf das blutige Finale) durch den ganzen Plot zieht. Das ist einfach unglaublich stimmig und nachvollziehbar. Keine Sekunde kommt Langeweile auf, man will wissen, wie es weitergeht, obwohl man es sich eigentlich schon denkt. Und die Morde sind in stylischen, kultverdächtigen Bildern inszeniert.

Max Evans ist neben Jessy Moravec und Marc Engel einfach der Hammer! Evans ist noch besser als in „Nature“, zeigt Emotionen und weckt Gefühle im Zuschauer, die mitreissen. An Evans gibt es absolut nichts auszusetzen, die Rolle ist ihm buchstäblich auf den Leib geschrieben und seine Darstellung ist dermaßen glaubwürdig, dass es einem fast schon Angst macht. 😉 Jessy Moravec meistert ihre Rolle ebenfalls top wie auch Marc Engel als wütender Endgegner. Die Kampfszenen wirkten auf mich sehr überzeugend und echt. Das Finale kommt sehr blutig daher, wirkt aber niemals übertrieben. Handgemachte und computergenerierte Effekte gehen eine überzeugende Symbiose ein, die wirklich Spaß macht. Hin und wieder schimmert dann in diesen Szenen ein leichter Hauch von Amateurfilm durch, der das Ganze aber wohlwollend auflockert und in keinster Weise stört. Timo Roses Regiestil ist sicher und eigenständig. Und vor allem absolut professionell. Die Sets, der Schnitt und wie Rose seine Hauptdarsteller leitet, das alles wirkt nahezu perfekt. Bogatzkis Schnitt fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Ich achte sehr auf solche Dinge in Filmen, aber was dieser Mann teilweise „fabriziert“ ist echt der Knaller.

Nun zum nächsten, absoluten Pluspunkt dieser Produktion. Aus meiner Sicht ein Highlight der Extraklasse, das den ganzen Flair des Films noch zusätzlich unterstreicht und dadurch das geniale Gesamtergebnis zustande bringt. Myras Soundtrack hat mich derart begeistert und in eine Zeit entführt, in der die gute alte Filmmusik noch zur Unterstützung von Stimmungen in einem Film waren. Myra ist sowas wie die weibliche John Carpenter 😉
Ihre Piano- und Synthesizerkompositionen sind unglaublich atmosphärisch und lassen Timo Roses Film tatsächlich wie einen Film von John Carpenter erscheinen. Myras Musik ist aber nicht nur eine wahnsinnnig gute Filmuntermalung, sondern könnte auch hervorragend alleine existieren. So gesellt sich also ein weiterer Pluspunkt in meine (begeisterte) Aufzählung.

Nun kommen wir zu den liebevollen Details, die über den ganzen Film verstreut sind. Mal in einem Mono- oder Dialog und mal in einer Einstellung. Überall verbergen sich Anspielungen auf Kultfilme und solche, die es einmal werden wollten (sollten). Es dauerte nicht lange und ich habe in jeder Szene nach einer versteckten Hommage gesucht. Die Horror- und Actionfilme der 70er und 80er sind unübersehbar vertreten, in einer Einstellung fühlte ich mich sogar an Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ erinnert 😉 und und und … Tarantino und die alten Charles Bronson-Filme und … es ist wirklich Wahnsinn, was Timo Rose zusammen mit seinem Cutter Kai E. Bogatzki (es werden sehr eigenwillige Stilmittel eingesetzt, die mir aber total gut gefallen haben) an Anspielungen für Filmfans eingebaut hat, und das obwohl „Death Wish Zero“ eine vollkommen eigenständige Handlung hat und niemals kopiert wirkt. Daumen hoch!

Ich könnte immer noch weiter schwärmen, aber ich glaube, ich schau mir den Film einfach nochmal an. 😉

*

Fazit: Handwerklich und schauspielerisch professionelles Thriller-Drama mit einem wunderbaren Soundtrack und einem blutigen Finale. Filmfans werden ihre wahre Freude daran haben, sich während der Hommage an 70er und 80er Jahre Filme auf die Suche nach den versteckten Anspielungen zu machen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Abschließend noch einen Riesendank an den Regisseur Timo Rose, der „Film-Besprechungen“ die Workprint-Fassung zur Begutachtung zur Verfügung gestellt hat.

Interview mit dem Regisseur Timo Rose

 

Timo Rose
© Timo Rose

Timo Rose, Jahrgang 1977, ist ein deutscher Regisseur und Produzent. Er führte Regie bei Filmen wie „Beast“, „Game Over“ (der elf Auszeichnungen in den USA, Kanada und Österreich, unter anderem Best Movie, Beste Regie und Bester Weiblicher Schauspieler erhalten hat), „Reeperbahn“ oder „Death Wish Zero“ und inszenierte die Found Footage-TV Serie „Nature“ mit Max Evans.
Von seinen Fans wird er „Deutscher Godfather Of Gore“ genannt und ist im Ausland erfolgreicher als hier in seiner Heimat Deutschland.
Film-Besprechungen freut sich, dem sympathischen Regisseur ein paar Fragen zu stellen.

1. „Nature“ ist Deine erste Serie. Was liegt Dir mehr: Spielfilm oder Serie?

Das ist eine gute Frage. Im Endeffekt nimmt sich beides nichts, bis auf den Aufbau des Hauptcharakters (siehe NATURE). Da hat man, wenn man eine Serie dreht, natürlich viel mehr Spielraum als bei einen 90-Minüter, in dem man dem Publikum lediglich ein komprimiertes Bild seiner Visionen vermitteln kann. Bei „Nature“ konnten wir uns Zeit lassen, den Charakter zu entwickeln, und uns auch in verschiedenen Situationen seiner Veränderung detailliert annehmen. Das hat großen Spaß gemacht, gerade wenn man mit begnadeten Schauspielern wie Max Evans (Blood Feast Remake, Reeperbahn – Der Film) arbeitet.

2. Mit Sicherheit wurde diese Frage schon oft gestellt, aber interessieren tut sie mich trotzdem. Welche Regisseure inspirieren Dich?

Ohne arrogant klingen zu wollen: Heutzutage keiner mehr. Als Kind hat man alle verehrt: von Sam Raimi bis hin zu John Woo, Carpenter, Scorsese , de Palma. Aber im Laufe der Zeit haben sich deren Arbeiten verändert. Die „Kunstform“ Film wurde zu Fliessbandarbeit und die Genialität blieb auf der Strecke, was natürlich auch an dem Einfluss der großen Studios liegt, welche viele Regisseure im Vorfeld schon extrem einschränken. Heute lasse ich mich lieber von meinem Umfeld beeinflussen, meinen Freunden , oder Menschen die ich in der Bahn sitzen sehe. Jedes Gesicht erzählt auf eine ganz merkwürdige Art und Weise eine eigene Geschichte. Und das finde ich viel interessanter als alles andere.

3. Gibt es Mainstreamproduktionen und Popkorn-Kino, das Timo Rose gefällt?

Als Movie-Junkie muss ich da ganz klar sagen: JA ! Ich versuche generell wirklich ALLES zu gucken. Vieles, wie jüngst „St. Andreas“ finde ich storytechnisch extrem schlecht, die Effekte sind aber unglaublich gut. Als Kaiju-Fan haben ich natürlich den neuen „Godzilla“ gefeiert, ebenso „Jurassic World“. Den neuen „Mad Max“ hingegen fand ich eher langweilig, weil sich der ganze Film ab der 20. Minute lediglich wiederholt. Das ist kein „Mad Max“ mehr, wie man ihn kennt. Hätte man den Film nur „Fury Road“ genannt, und es ginge nur um „Charlize“ , dann hätte der Film besser funktioniert. So wurden meine Erwartungen leider zerstört.

4. Welches Deiner Projekte siehst Du auch in weiter Zukunft noch nicht fertiggestellt? Ich meine, gibt es einen Traum von Dir, der sich, aus welchen Gründen auch immer, leider nicht verwirklichen lässt?

Momentan gibt es da nichts. Alles was ich machen wollte, habe ich gemacht und auch mein Zombie-Film „Memoires“ , der ja schon 2013/2014 gedreht werden sollte, ist noch nicht im Mülleimer verschwunden. Ich habe mir selber Prioritäten gesetzt und diese auch versucht umzusetzen. Deshalb hab ich 2014 z.B. „Reeperbahn“ gedreht, mein erstes Drama. Ich habe viel Horrorzeug gedreht, Trash, Musikvideos usw, und ich fühle mich nicht bereit, einen neuen Horrorfilm zu drehen, einfach weil mir die Ideen fehlten. Ich fühle mich auf eine gewisse Art und Weise ausgebrannt. Und ich wollte mich nicht wiederholen oder selber zitieren oder andere kopieren. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich knapp 4 Jahre nichts eigenes gedreht habe. Auch wollte ich mich neu orientieren, und wenn ich wieder was machen wollte, dann „richtig“, frisch und einfach „anders“.
Derzeit plane ich wieder einen neuen Film für Frühjahr 2016. Mal schauen was das wird. 😉

5. Siehst Du Dich heute eigentlich noch als „Underground“-Filmer wie zu Deinen Anfängen?

Ich denke nein. Die Zeiten sind lange vorbei. Ich habe im Alter von 15/ 16 schon meine ersten Versuche auf VHS kopiert und „undergroundmäßig“ unter die Leute gebracht. Aber sind wir mal ehrlich: Ich habe die Deutsche Underground-Szene damals mitgeformt und -gebildet. Es gab nur eine Handvoll Leute, die so etwas gemacht haben. Heute versucht jeder mit ner DSLR-Kamera das zu tun, was wir damals begonnen haben.
Seit Jahren stehen meine Filme in Videotheken und in Kaufhäusern. Und einige bekommt man in mehr als 15 Länder der Welt, japanisch synchronisiert, französisch untertitelt und so weiter. Ich glaube nicht, dass man dazu „Underground“ sagen kann.
Ich habe als Kind quasi angefangen, „Filme“ zu machen (wenn man das so sagen kann, haha) und heute habe ich eine enorm große und tolle Fanbase weltweit, habe mit Leuten aus Hollywood Drehbücher geschrieben oder mit einigen gearbeitet usw. Ist das „Underground“? . Ich glaube nicht.

6. Was steht in naher Zukunft außer einer neuen Staffel von „Nature“ ( 😉 ) noch auf dem Plan?

Ob wir eine zweite Staffel von NATURE drehen, steht leider noch nicht fest. Wir warten erstmal ab und gucken, wie sich alles entwickelt und ob NATURE erfolgreich verkauft wird.
Ansonsten steht jetzt die Weltpremiere von meinem 25. Film „DEATH WISH ZERO“ an, und im Frühjahr folgt das Release von meinem Film „REEPERBAHN“.
Danach wird auch wieder die Kamera angeschmissen, für ein Projekt welches ich zusammen mit dem besten CUTTER der Welt machen möchte (Kai Bogatzki). Aber dazu kann ich noch nicht viel sagen.

7. Bei welcher großen Hollywood-Produktion hättest Du gerne die Regie übernommen und warum?

Das ist eine gute Frage. Und, um ehrlich zu sein, kann ich dir da keine Antwort geben.

8. Wieso bekommen wir von Timo Rose eigentlich immer nur Horror oder brutale Thriller zu sehen? Wieso nicht einmal eine Liebesgeschichte?

Das stimmt ja so nun auch nicht, haha. „REEPERBAHN“ z.B. ist ein reines Drama mit leichten Thriller-Elementen. Und 2004 habe ich eine Komödie gedreht.
Ich denke einfach das z.B. das Horrorgenre, wenn man es richtig betrachtet, ein Becken diverser verschiedenen Emotionen ist. Gewalt kannst du nicht in eine reine Komödie packen, Humor in einen Horrorfilm allerdings schon. Zum anderen ist Gewalt und Brutalität schon immer ein Teil der Gesellschaft gewesen, und ich möchte meine Augen nicht davor verschließen. Ich möchte vermitteln. Und natürlich mag ich es, Leute zu schockieren. Was nichts zu bedeuten hat, denn ich mag es auch, Leute zum Lachen zu bringen. In erster Linie möchte ich lediglich meine Vision vermitteln, vollkommen egal ob mit oder ohne Brutalität. Die Geschichte ist das Hauptaugenmerk und die Charaktere (ja ok, war bei mir nicht immer so – lacht- ) . Wenn das Drehbuch gut ist, würde ich auch eine Liebesgeschichte drehen. Aber dazu muss wirklich ein gutes Buch auf dem Tisch liegen. Aber wie wir alle wissen, produziert Deutschland so etwas fast jeden Tag. Da gibt es nichts mehr, was man noch entdecken könnte. Jeder Charakter wiederholt sich, jedes Paar gab es schon einmal, und fast jeder Witz hat seine immer wiederkehrende Pointe.

9. Weinst Du den 80er Jahre-Horrorfilmen nach oder „befriedigen“ Dich auch neue Produktionen?

Wieso „nachweinen“? Es gibt sie ja Gott sei Dank immer noch, und wenn ich Bock auf einen 70er oder 80er Horrorfilm haben, dann gucke ich einen auf VHS, DVD oder Bluray. 🙂
Von den Horrorfilmen heute erwarte ich gar nichts mehr und lasse mich eher überraschen, als etwas Gutes zu erwarten. Und ja, natürlich find’ ich einige neue Produktion auch gut oder sehr gut. Alles ist ein Wellengang und auch gute Horrorfilme werden dabei an den Strand gespült … Ich warte einfach ab. 🙂

10. Was fällt Dir spontan ein zu

Tanz der Teufel?
Klassiker des Horrorfilms, der einige Filmemacher bis heute inspiriert.

Wes Craven?
Nightmare, ganz klar. Freddy und Horace Pinker. Leider vor kurzem verstorben…RIP

Stephen King?
Autor, der auch unter Pseudonym Bücher released hat, von denen bis heute einige nicht wissen dass sie von ihm sind.

Christopher Lee?
Legende ! Dracula ! Toller Schauspieler gewesen. Man vermisst ihn auf der ganzen Welt.

11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge, die im Leben für Dich zählen.

Da muss jetzt auch ehrlich sein, oder? Okay, dann aber 6 : Gesundheit, Filme, Fast Food, Sex , Godzilla & meine Freunde.

Ganz großen Dank für die Beantwortung der Fragen. Film-Besprechungen wünscht Dir, dass Dein Erfolg anhält und Du hoffentlich auch bald die geplante zweite und dritte Staffel von „Nature“ verfilmst.

Vielen lieben Dank für das tolle Interview. 🙂

Gruß an meine Fans und Freunde.

Wir wünschen Dir alles Gute für Deine berufliche und private Zukunft.


© 2015 Timo Rose / Wolfgang Brunner