Filmprojekt „Feed The Reapers“

Und wieder einmal will ein Herzensprojekt im Horrorgenre an den Start gehen. Deutsche Independentfilme sind oft schwer zu realisieren, obwohl schon des öfteren gezeigt wurde, wie stark solche Filme sein können. Mit „Feed The Reapers“ möchte Regisseur Gero Sammrey einen Genrefilm umsetzen, den wohl jeder, der auf die Horrorklassiker der 80er Jahre steht, gerne sehen würde. Das kann man auch schon klar und deutlich an dem wunderbaren und aussagekräftigen Filmplakat erkennen.

Ein verlassenes Gasthaus, ein ehrgeiziger, genialer Wissenschaftler und jede Menge handgemachte, blutige Effekte stehen im Mittelpunkt des geplanten 50 bis 60 Minuten langen Films. Kim und Denny suchen das Abenteuer und gelangen an ein verlassenes Gasthaus. Doch schon bald muss das Pärchen feststellen, dass etwas nach ihrem Leben trachtet. Doch das ist noch nicht alles, denn in einem Labor versucht ein Wissenschaftler ein bahnbrechendes Medikament für die Zukunft zu erschaffen, ein Geschenk für die Menschheit, für den Patienten jedoch die Hölle.

Kling unglaublich interessant, wie ich finde, und wenn man sich die Beschreibung des Crowdfunding-Projekts durchliest, kann man sich vorstellen, dass einen ein liebevoll inszenierter Herzblut-Horror mit einer tollen Atmosphäre erwartet. Ein paar namhafte SchauspielerInnen haben bereits zugesagt, an dem Projekt mitzuwirken, sollte das finanzielle Ziel erreicht werden: Susen Ermich zum Beispiel, die in Andreas Marschalls „Masks“  mitgewirkt hat. Außerdem wären da noch Barry D. Fallow, Annika Grobau und Moloch, den viele bereits unter anderem aus „Interimere“, „Dogma Dogma“ oder jüngst „Z-Office“ oder „Hi8: Ressurrectio“ kennen.
Das klingt alles sehr vielversprechend und sollte unterstützt werden. Gerade weil dieses Projekt von Menschen gemacht wird, die sich nicht viel um Mainstream und andere Vorgaben scheren, sondern mit dem Herzen dabei sind. Ein Film von Filmfreaks für Filmfreaks – kann es etwas besseres und ehrliches geben?
Regisseur Sammrey will wohl eine wilde Mischung aus 80er Jahre-Slasher und verrücktem Wissenschaftler á la „Re-Animator“ auf die Beine stellen, wie er sich auf der Projektbeschreibung ausdrückt.

Momentan wird noch eifrig geplant, das Drehbuch effektvoll und dramaturgisch umgeschrieben, designt und vorbereitet. Das Projekt läuft also in der Vorbereitungsphase bereits auf Hochtouren und wartet nur noch auf die finanzielle Unterstützung von Horrorfans. Und das kann und sollte man unbedingt auf folgender Seite tun —> FEED THE REAPERS CROWDFUNDING


Rechts: Regisseur Gero Sammrey Links: Autor Robert Gryczke
© Samrec.ordz / Katrin Steffer

Ich hoffe sehr, dass das Crowdfunding-Projekt gelingt und die Dreharbeiten endlich beginnen können. Ich bin sicher, dass auch „Feed The Reapers“ beweisen würde, dass der deutsche Independent-Horrofilm mehr denn je lebt. Also, mitmachen … Cast und Crew freuen sich darüber.

© 2017 Wolfgang Brunner

 

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Filmprojekt „Forest Of Fear“

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Da vereinen sich still und leise ein paar Menschen, deren Namen man schon seit einiger Zeit im Gedächtnis behalten hat, um eine Kombination aus Slasher-Film und Found-Footage-Horror auf die Beine zu stellen. 😉
„Forest Of Fear“ ist der Titel des Projekts, bei dem es um eine Gruppe geht, die sich in ein abgelegenes Waldgebiet gegibt,  um dort ein seltenes Tier zu filmen. Sie ahnen allerdings nicht, dass sie es  mit einer alten düsteren und vergessenen Legende zu tun haben. Schon bald beginnt ein brutaler und blutiger Kampf um Leben und Tod für die Menschen.

„Forest Of Fear“ wäre Joe Beers Regiedebüt und in Anbetracht von Cast und Crew, die, bis auf wenige Ausnahmen, schon bestätigt sind, verspricht das Projekt recht interessant zu werden. Da wäre zum einen schon einmal die Hauptrolle des Manuel, die von keinem geringeren als Daeg Faerch gespielt wird, der in Rob Zombies Remake des John Carpenter-Klassikers „Halloween“ den jungen Michael Myers spielte. Neben Will Smith war Faerch auch als in einem kurzen Auftritt als Punker in „Hancock“ zu sehen.
Kristina Kostiv, die zuletzt in dem fantastischen Horrorstreifen „German Angst“ zu sehen war und demnächst in der Neuinterpretation von „The Corpse Grinders“  unter der Regie von Timo Rose ihr Können zeigt, wird ebenfalls mit von der Partie sein wie Gioele Viola (aktueller Film Marcel Walz‘ „Blood Feast“).
Und als maskierter Bösewicht Valenton Wolf hat sich Andreas Rimkus angetragen. 🙂
Gastauftritte von Nick Príncipe, Mike Mendez und weiteren Gästen sind geplant und wenn alles gut geht, wird die Stimme einer legendären Horrorfilm-Ikone in einer Schwarzeinblendung am Anfang den Zuschauer vor dem Film warnen.
Mit dabei sind voraussichtlich noch Laura-Sofie Bakowsky, Chris Friedling und Ralph Steiger.

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Editor wird Kai E. Bogatzki sein, den man von „La Petite Mort 2 – Nasty Tapes“, „Blood Feast“ (2016) und Timo Roses „Reeperbahn“ und „Nature“ kennt.  Außerdem habe ich erst vor kurzem über sein erstes Langfilm-Projekt „Scars of Xavier“ berichtet.

Co-Autorin ist Annika Strauss, die man  als Buchautorin und Schauspielerin kennt.
Die Spezialeffekte übernimmtz Frank Schröter, der bereits an Filmen wie „Alien Vs Predator“, „Resident Evil“ oder auch „German Angst“ beteiligt war.
Produzent ist John Lepper, der u.a die Found-Footage Filme MOTH und BE MY CAT: A FILM FOR ANNE produziert hat.

Klingt alles ziemlich gut, würde ich sagen, oder?
Gedreht wird im Schwarzwald, wo ja bereits einige Legenden und Grimm’sche Märchen beheimatet sind. Nun gesellt sich also noch die Legende von Valentin Wolf dazu, der vor 20 Jahren von seiner Mutter in den Wäldern ausgesetzt wurde, wo er wie ein Tier aufwuchs. Valentin ist eine Missgeburt, halb Mensch halb Wolf, und wurde deshalb von seiner Mutter im Stich gelassen. Nun erzählt man sich, dass diese Missgestalt von Wanderern, Förstern und Jägern gesehen wurde.

Beer hat vor, einen atmosphärischen Film zu schaffen, der sich von  anderen Found Footage-Produktionen abhebt, in dem er neue Wege geht. Alleine die Kombination aus Found Footage und Slasher könnte tatsächlich ein sehenswertes Ergebnis hervorbringen, das neuen Wind in das Genre bringt. Auch soll Musik eingesetzt werden, was natürlich einer tollen Stimmung definitv zugute kommen würde. Ich bin wirklich sehr gespannt darauf, wie Beer den Zuschauern das Fürchten lehren will, zumal er nur gezielte, dafür aber realistische, brutale Effekte einsetzen will, die nicht übertrieben blutig, sondern eben auf einer autenthischen Ebene schockieren sollen. Aber eben nicht nur … und vielleicht gelingt ihm dadurch tatsächlich eine Mischung aus hartem Splatter-Slasher-Horror und einer gruseligen Atmosphäre, die vielen solcher Produktionen abhanden gekommen ist. Denn meist sieht man nur „langweilige“ Wackelkamerafahrten oder man wird von blutigen Splattereffekten überrollt. Eine Mischung aus beidem wäre tatsächlich etwas Neues.

Und es gibt einen neuen Teaser aus dem Jahr 2016, der ebenfalls neugierig auf das Projekt macht:

Ich freu mich jedenfalls auf diesen Film. Die Dreharbeiten werden in Kürze beginnen.

© 2016 Wolfgang Brunner

Filmprojekt „Scars Of Xavier“

Scars-of-Xavier

Kai E. Bogatzki ist ein talentierter Cutter, der aber auch schon selbst hinter der Kamera stand und auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Seine Kurzfilme zeichnen sich durch eine eigenwillige stylistische Art aus, die den Zuschauer sofort in ihren Bann zieht.

Und nun soll ein atmosphärischer, brutaler Thriller mit Drama- und Horrorelementen der erste abendfüllende Spielfilm des Regisseurs gedreht werden. Nachdem ein Produzent ausgefallen ist, soll die noch benötigte Summe von 4.000,- Euro nun per Crowdfunding finanziert werden.
Bogatzki schart eine nicht unansehnliche Crew um dieses Projekt, das meiner Meinung nach unter allen Umständen das Licht der Filmwelt erblicken muss.
Marc Engel spielt die Hauptrolle und kann bereits im Teaser und auf Fotos absolut überzeugen. Weiterhin hat sich der Regisseur Annika Strauß an Bord geholt, die Genrefreunden aus Filmen von Marcel Waltz oder Olaf Ittenbach bekannt sein dürfte. Zuletzt konnte man sie in dem wunderbaren Horrorfilm „German Angst“ bewundern.
Dieses Projekt ist ein absolutes Traumprojekt von Regisseur Kai E. Bogatzki. Was ich bisher gesehen habe, deutet auf einen extrem düsteren und schockierenden Film hin, der mit Sicherheit wie ein Faustschlag in den Magen wirken wird.
Die Dreharbeiten haben schon begonnen und der Film wird auf englisch mit nationalen und internationalen Darstellern aufgenommen.

Handlung:
Xavier, ein schüchterner Mittvierziger lebt und arbeitet in Prag. Er führt ein unauffälliges Leben am Rande der Gesellschaft. Doch nachts kommt sein wahres Ich zum Vorschein: Xavier ist ein brutaler Killer.
Eines Tages lernt er Karolina kennen, eine Bedienung, die sein Weltbild komplett auf den Kopf stellt. Die beiden kommen sich immer näher. Doch Xaviers Drang zu töten brodelt nach wie vor unter der Oberfläche.

Wie schon oben bemerkt: Der Trailer lässt bereits erahnen, was da auf den Zuschauer zukommen wird. Keine Zombie-Epidemie, sondern ein knallharter, realistischer und brutaler Thriller, der mich ein wenig an „Maniac“  erinnert. Aber Bogatzki wird definitiv seinen eigenen Weg gehen, das hat er mit seinen Kurzfilmen bewiesen.

Bleibt nur zu hoffen, dass das Crowdfunding-Projekt gelingt und die Dreharbeiten fortgesetzt werden können. Wünschenswert wäre es, denn „Scars Of Xavier“ würde definitiv beweisen, dass Deutschland nicht nur platte Komödien, sondern auch ernstzunehmende, harte Thriller zustande bringt.

Wer dem Projekt zu einem Erfolg verhelfen will, kann sich eine der angebotenen Prämien aussuchen, um den Film zu unterstützen oder einen beliebigen Betrag auswählen. Hier geht’s zum Crowdfunding.

Der Countdown läuft.

© 2016 Wolfgang Brunner

Caedes – Die Lichtung des Todes (2015)

caedes

Originaltitel: Caedes – Die Lichtung des Todes
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Slavko Spionjak
Kamera: Nic Mussell
Musik: Trevor Coleman
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Bernhard Bozian, Leena Bader, Burak Akkoyun, Ewald Der, Jakob Graf, Max Meyr, Tomi Babc, Florian Simbeck, Tobias Licht, Manoush, Nikolai Will, Roland Leonhart
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahre

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Dan macht mit drei Freunden Campingurlaub auf einer Waldlichtung. Nach einer durchzechten Nacht mit den anderen Campern verwandelt sich der Trip von einer Sekunde auf die andere in einen Alptraum: Eine Frau wird von einem unheimlichen Zombie zerfleischt. Verwirrt versuchen die Menschen in den Wald zu fliehen … aber kein Entkommen ist möglich! Und dann entdecken sie eine grausame Wahrheit …

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Slavko Spionjak, der 2011 sein Debüt mit der hintergründigen Science Fiction-Komödie „Mein großer linker Zeh“ gab, liefert mit „Caedes“ einen handwerklich sauberen und enorm unterhaltsamen Nachfolgefilm ab, der mich auf ganzer Linie begeistert. Schon in den ersten Minuten merkt man, dass da ein Könner am Werk ist, der einen Blick für schöne Aufnahmen hat. Professionell inszeniert Spionjak einen erfrischenden Beitrag im weiten Feld des deutschen B-Movie, der allerdings alles andere als billig wirkt.

Die Darsteller spielen absolut sympathisch und autenthisch, dass es eine wahre Freude ist. Durchzogen von hammermäßigen „Handmade“-Splattereffekten und grandiosen Gags ist „Caedes“ eine perfekte Mischung aus hartem Horror und genialer Komödie, wie man sie leider nur allzu selten findet. Gerade aus deutschen Landen lassen Komödien stark zu wünschen übrig, weil sie immer wieder in platten (und unlustige, fast schon peinlichen) Slapstick abrutschen. „Caedes“ schafft diese Gratwanderung grandios und katapultiert sich damit auf Platz Eins meiner persönlichen Splatter-Horror-Komödien aus Deutschland. Selten habe ich so herzhaft gelacht und geschmunzelt und gleichzeitig über perfekt inszenierte, blutige Gore-Szenen gestaunt.
Unbedingt erwähnt werden muss auch der rasante und punktgenaue Schnitt dieser Produktion, der von Slavica Spionjak übernommen wurde, und dem Film ein irres Tempo verleiht. Daumen hoch!

Wie bei Horrorfilmen nun mal üblich, ist die Handlung nicht unbedingt der Mega-Knaller, aber auch hier hat Spionjak ein wahres Wunder vollbracht und lässt den Zuseher das Handlungsmanko durch seinen Regiestil, die hervorragende Darsteller-Crew und die schwarzhumorige Situationskomik einfach vergessen. Besser geht’s fast nicht.
Und die Crew traut sich beizeiten voll in die Trash-Kiste zu greifen, dass es eine wahre Freude ist. 🙂

Neben den gutgelaunten Schauspielern, allen voran Bernhard Bozian, Lena Baader, Burak Akkoyun und Jakob Graf, möchte ich einen Mann nicht unerwähnt lassen, der zwar (leider) „nur“ eine Nebenrolle spielt, die dafür aber dermaßen überzeugend rüberbringt, das einem die Szene im Gedächtnis bleibt und mich persönlich immer wieder zum Schmunzel bringt, wenn ich daran zurückdenke. Die Rede ist von Nikolai Will, der als „Folteropfer“ zum Plaudern gezwungen wird und dies einfach superb meistert. Zu Recht wurde er vom Portal „Horrorfilmdarsteller“ zum Horrorfilmdarsteller 2015 gekürt.

Slavko Spionjak und sein Kernteam, nämlich seine Frau Rita und seine Schwester Slavica, haben einen bemerkenswerten, erfrischenden und rundum gelungenen Beitrag in Sachen „Crowdfunding“-Horrorfilm gedreht. Die amüsanten Bayern, die auf der Lichtung des Todes um ihr Leben kämpfen, sind der Hammer. Und gerade die bayrische Mundart, die aber auch Nichtbayern verstehen, legen einen einmaligen Flair über das Splatterstück.
Mehr davon, bitte!
„Caedes“ ist für mich die perfekte Horror-Splatter-Komödie. Da fragt man sich, wieso Produktionsfirmen nicht solche Filme produzieren, sondern um 10-fach teurere, nichtssagende Pseudo-Komödien, die oft einfach nur peinlich sind.

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Fazit: Unglaublich witzige Splatter-Komödie, die sich wohltuend von deutschen Slapstick-Produktionen abhebt. Durch die bayrische Mundart der Darsteller ist „Caedes“ ein innovatives filmisches Feuerwerk, das sowohl durch rabenschwarze Situationskomik als auch durch harte, perfekte „Handmade“ Splatterszenen überzeugen kann und unglaublich gut unterhält. Uneingeschränkte Empfehlung für Fans des Independent-Films und Genre-Freunde.

© 2015 Wolfgang Brunner

German Angst (2015)

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Originaltitel: German Angst
Regie: Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski, Andreas Marshall
Drehbuch: Jörg Buttgereit, Andreas Marshall, Goran Mimica
Kamera: Sven Jakob
Musik: Fabio Amuri und Paolo Marzocchi (Musica Pesante)
Laufzeit: 111 Minuten
Darsteller: Milton Welsh, Annika Strauss, David Masterson,Matthan Harris, David Brückner, Denis Lyons,Daniel Faust
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahren (uncut)

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Drei Geschichten über Liebe, Sex und Tod.
Final Girl: Ein junges Mädchen lebt mit ihrem Meerschweinchen scheinbar alleine in einer Wohnung in einem verlassenen Plattenbau in Berlin. Doch sie hält etwas im Schlafzimmer versteckt …
Make A Wish: Als ein gehörloses Liebespaar von Neonazies bedroht wird, verteidigt es sich mit Hilfe eines mysteriösen Talismans, der die Identitäten der Beteiligten vertauschen kann.
Alraune: Auf der Suche nach dem vollkommenen Sexerlebnis findet Starfotograf Eden schließlich die Erfüllung in einem Sexclub, dessen Mitglieder durch den Saft einer Alraune ekstatische Orgasmen erleben. Doch alles hat seinen Preis …

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 Eines vorweg: „German Angst“ ist einfach nur der Hammer! 😉

Die Kombination von drei Regisseuren (die ich übrigens einzeln jeden auf seine Weise schätze) könnte besser nicht sein. Obwohl jeder Film eigenständig ist, zieht sich ein roter Faden im Gehirn (und vor allem im Magen) des Zusehers durch das gesamte Projekt. Psychologischer Horror, der an die Nieren geht, der schockiert, unterhält und nachdenklich macht. „German Angst“ ist ein Ausnahmefilm, der für mich aus der Landschaft deutscher (und auch internationaler) Horrorfilme nicht mehr wegzudenken ist.
Die Geschichten sind typisch Buttgereit, Kosalowski und Marshall. Und dennoch haben sich die drei so manches Mal in ihren Geschichten selbst übertrumpft. Wo fange ich nur an? 🙂

Buttgereits „The Final Girl“ ist schon gleich zu Anfang ein atemberaubendes HD-Erlebnis, wenn die Kamera hautnah über Tier- und Menschenkörper gleitet und beeindruckende Bilder zeigt. Doch auch die Handlung hat es wahrlich in sich. Der wahre Schrecken dieser Episode liegt nicht in den blutigen Bildern und schockierenden Handlungsweisen der Protagonistin, sondern in der erschreckenden Erkenntnis, die sich dem Zuschauer offenbart, dass solch eine Geschichte wohl näher an der Wahrheit ist, wie manch einer glaubt. Das ist Horror pur, der elektrisiert. Buttgereit schlägt dem Zuschauer schon gleich zu Beginn des Horror-Tryptikons eine cineastische Faust in die Magengrube.

Michal Kosakowskis Beitrag findet ebenfalls eher in der Realität statt, wenngleich hier schon fantastische Elemente vorzufinden sind. Brisant aktuell widmet sich Kosakowski dem Thema „Ausländerfeindlichkeit“ und „Neonazismus“ und bringt einen, ebenfalls wie Buttgereit, zum Nachdenken. Der Plot geht auf und zeigt, dass nicht in jedem das steckt, was wir meinen, in ihm zu sehen. „Make A Wish“ schockiert gleichermaßen wie die Einstiegsepisode und hält Menschen, die nicht international denken, einen Spiegel vor. Verstörend wirkt das Ganze, wenn der Täter zum Opfer und umgekehrt wird. Schonungslos zeigt Kosakowski, wie „Ausländerfeindlichkeit“ wirklich funktioniert, wenn Rollen getauscht werden und aus Übermacht Ohnmacht wird.

Der letzte Beitrag mit dem Titel „Alraune“ stammt von Andreas Marshall und drängt etwas mehr ins Reich der Fantasie als die beiden vorangegangenen Episoden. „Alraune“ zeigt, welche Macht sexuelle Gelüste (und Erfüllungen) über einen Menschen haben können. Fast schon auf Lovecraft’schen Pfaden wandelt diese Geschichte und entführt den Zuschauer durch hypnotische Farbspielereien in eine Traumwelt, der man sich schwer entziehen kann. Ähnlich wie der Protagonist verfällt man den Verführungskünsten von Kira (beeindruckend dargestellt von Kristina Kostiv) und wartet gespannt, wie diese erotisch sinnliche und unheimlich schaurige Obszession endet.

Durchgehend künstlerisch, vorwiegend nachdenklich und extremst schockierend stellt „German Angst“ ein Meisterwerk des deutschen Genrefilms dar. Was hier auf die Beine gestellt wurde, verdient Respekt. Denn mit relativ geringem finanziellen Aufwand entstand ein Film, der professionell und keineswegs amateurhaft wirkt, wie man vielleicht durch die „Crowdfunding“-Enstehungsgeschichte vermuten könnte.
Anders als die internationalen „Mitbewerber“ „V/H/S“ oder „The ABC’s Of Death“ kümmern sich die drei deutschen Horrormeister nicht um gängige Mainstream-Klischees, sondern gehen konsequent ihren eigenen Weg. Und das tun sie so hervorragend, dass einem noch Tage danach beim Gedanken an die verstörenden Bilder der Atem stockt.
Ein wichtiger Punkt darf nicht vergessen werden: Die ruhige, fast schon melancholische Musikuntermalung von Fabio Amuri und Paolo Marzocchi (Musica Pesante) macht die gezeigten Gräuel weitaus schockierender, als hätte man sich für einen genretypischeren Soundtrack mit schrillen Geigendissonanzen entschieden.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich das Trio für eine Fortsetzung wieder zusammenfindet, denn besser kann Horror fast nicht sein. Man sollte sich vielleicht überlegen, ob man sich nicht den in gleichen Bahnen denkenden deutschen Regisseur Robert Sigl noch mit an Bord holt.

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Fazit: Verstörend, schockierend und psychologisch brutaler als in den gezeigten Bildern entführen uns drei Regisseure in einen Strudel aus realer und Lovecraft’scher Gewalt, der es in sich hat. „German Angst“ ist ein Muss für den Genrefreund und eine Empfehlung für all jene Kinogänger, die innovative Horrorfilme aus Deutschland bereits abgeschrieben haben. „German Angst“ zeigt nämlich beeindruckend das Gegenteil.

© 2015 Wolfgang Brunner