Zwischen den Linien (2014)

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Originaltitel: Zwischen den Linien
Internationaler Titel: Between The Lines
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak
Kamera: Nic Mussel
Musik: Trevor Coleman
Laufzeit: 43 Minuten
Darsteller: Tobias Licht, Burak Akkoyun
Genre: Drama, Mystery, Krieg
Produktionsland: Deutschland
FSK: —

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Zwei Soldaten wachen in einem Raum auf. Einer von ihnen ist Christ, der andere Mohammedaner. Beide sind an Händen und Füßen angekettet und gehen gemeinsam der Frage nach, wie sie in diesen Raum gekommen sind …

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Slavko Spionjaks preisgekrönter Kurzfilm fängt an wie „Saw“ und endet wie eine Folge der Mystery-Serie „Twin Peaks“. Und dazwischen liegt ein ambitioniertes Stück voller Kritik an der Menschheit und Kriegsbewältigung a la „Birdy“.
Spionjak ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das durchaus die doppelte Länge haben könnte, so gewaltig ist die Sogkraft, die hinter der Geschichte steckt. Was der Regisseur in eine Dreiviertelstunde verpackt hat, ist enorm. Tobias Licht und Burak Akkoyun liefern eine grandiose Zweimann-Show ab, die sich auf beeindruckende Weise ins Gedächtnis brennt.
„Zwischen den Linien“ lässt sich schwer in Worte fassen. Und, wie oben bereits erwähnt, komme ich nicht umhin, immer wieder Vergleiche mit „Twin Peaks“ zu ziehen. Denn genau diese Art von Mystery-Touch hat Spionjak in seine Parabel über Krieg und unterschiedliche Religionen und Weltanschauungen geschickt eingebaut.

Es ist eine wahre Freude, den beiden Protagonisten zuzusehen, wie sie sich gegenseitig beleidigen, die Lebensart des anderen schlecht machen und dabei ganz aus den Augen verlieren, dass sie letztendlich beide an das Gleiche glauben. Darstellerisch hat mich Burak Akkoyun sogar noch ein klein wenig mehr begeistert als Tobias Licht, aber im Grunde genommen leisten beide hervorragende Arbeit. Nic Mussels Kameraführung und seine oftmals künstlerisch wirkenden Einstellungen machen den Kurzfilm zu einem visuellen Augenschmaus, der durch die hervorragende Musik Trevor Colemans noch zusätzlich unterstrichen wird.

Die Emotionen, die dieser Kurzfilm hervorruft, gehen über Wut, Ungerechtigkeit, Hilflosigkeit, Angst bis hin zu Hoffnung. Wie aus einer fanatischen Rivalität zweier Kriegsgegner fast schon Freundschaft wird, ist unglaublich intensiv und vor allem glaubhaft dargestellt. Ich bin so begeistert von „Zwischen den Linien“, dass ich ihn sofort wieder ansehen könnte. 😉
Das Trio Slavko, Slavica Spionjak und Rita Fichtl-Spionjak hat einen wirklich beeindruckenden Film erschaffen, der handwerklich perfekt ist und zu Recht internationale Preise eingeheimst hat. Wer mit solchen Ambitionen und handwerklichem Können Filme macht, verdient eindeutig mehr Aufmerksamkeit.

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Fazit: Beeindruckendes Kriegs-Antikriegs-Mystery-Drama, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. Großes Kino mit kleinem Geld gemacht. Mehr davon!

© 2015 Wolfgang Brunner

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Caedes – Die Lichtung des Todes (2015)

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Originaltitel: Caedes – Die Lichtung des Todes
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Slavko Spionjak
Kamera: Nic Mussell
Musik: Trevor Coleman
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Bernhard Bozian, Leena Bader, Burak Akkoyun, Ewald Der, Jakob Graf, Max Meyr, Tomi Babc, Florian Simbeck, Tobias Licht, Manoush, Nikolai Will, Roland Leonhart
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahre

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Dan macht mit drei Freunden Campingurlaub auf einer Waldlichtung. Nach einer durchzechten Nacht mit den anderen Campern verwandelt sich der Trip von einer Sekunde auf die andere in einen Alptraum: Eine Frau wird von einem unheimlichen Zombie zerfleischt. Verwirrt versuchen die Menschen in den Wald zu fliehen … aber kein Entkommen ist möglich! Und dann entdecken sie eine grausame Wahrheit …

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Slavko Spionjak, der 2011 sein Debüt mit der hintergründigen Science Fiction-Komödie „Mein großer linker Zeh“ gab, liefert mit „Caedes“ einen handwerklich sauberen und enorm unterhaltsamen Nachfolgefilm ab, der mich auf ganzer Linie begeistert. Schon in den ersten Minuten merkt man, dass da ein Könner am Werk ist, der einen Blick für schöne Aufnahmen hat. Professionell inszeniert Spionjak einen erfrischenden Beitrag im weiten Feld des deutschen B-Movie, der allerdings alles andere als billig wirkt.

Die Darsteller spielen absolut sympathisch und autenthisch, dass es eine wahre Freude ist. Durchzogen von hammermäßigen „Handmade“-Splattereffekten und grandiosen Gags ist „Caedes“ eine perfekte Mischung aus hartem Horror und genialer Komödie, wie man sie leider nur allzu selten findet. Gerade aus deutschen Landen lassen Komödien stark zu wünschen übrig, weil sie immer wieder in platten (und unlustige, fast schon peinlichen) Slapstick abrutschen. „Caedes“ schafft diese Gratwanderung grandios und katapultiert sich damit auf Platz Eins meiner persönlichen Splatter-Horror-Komödien aus Deutschland. Selten habe ich so herzhaft gelacht und geschmunzelt und gleichzeitig über perfekt inszenierte, blutige Gore-Szenen gestaunt.
Unbedingt erwähnt werden muss auch der rasante und punktgenaue Schnitt dieser Produktion, der von Slavica Spionjak übernommen wurde, und dem Film ein irres Tempo verleiht. Daumen hoch!

Wie bei Horrorfilmen nun mal üblich, ist die Handlung nicht unbedingt der Mega-Knaller, aber auch hier hat Spionjak ein wahres Wunder vollbracht und lässt den Zuseher das Handlungsmanko durch seinen Regiestil, die hervorragende Darsteller-Crew und die schwarzhumorige Situationskomik einfach vergessen. Besser geht’s fast nicht.
Und die Crew traut sich beizeiten voll in die Trash-Kiste zu greifen, dass es eine wahre Freude ist. 🙂

Neben den gutgelaunten Schauspielern, allen voran Bernhard Bozian, Lena Baader, Burak Akkoyun und Jakob Graf, möchte ich einen Mann nicht unerwähnt lassen, der zwar (leider) „nur“ eine Nebenrolle spielt, die dafür aber dermaßen überzeugend rüberbringt, das einem die Szene im Gedächtnis bleibt und mich persönlich immer wieder zum Schmunzel bringt, wenn ich daran zurückdenke. Die Rede ist von Nikolai Will, der als „Folteropfer“ zum Plaudern gezwungen wird und dies einfach superb meistert. Zu Recht wurde er vom Portal „Horrorfilmdarsteller“ zum Horrorfilmdarsteller 2015 gekürt.

Slavko Spionjak und sein Kernteam, nämlich seine Frau Rita und seine Schwester Slavica, haben einen bemerkenswerten, erfrischenden und rundum gelungenen Beitrag in Sachen „Crowdfunding“-Horrorfilm gedreht. Die amüsanten Bayern, die auf der Lichtung des Todes um ihr Leben kämpfen, sind der Hammer. Und gerade die bayrische Mundart, die aber auch Nichtbayern verstehen, legen einen einmaligen Flair über das Splatterstück.
Mehr davon, bitte!
„Caedes“ ist für mich die perfekte Horror-Splatter-Komödie. Da fragt man sich, wieso Produktionsfirmen nicht solche Filme produzieren, sondern um 10-fach teurere, nichtssagende Pseudo-Komödien, die oft einfach nur peinlich sind.

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Fazit: Unglaublich witzige Splatter-Komödie, die sich wohltuend von deutschen Slapstick-Produktionen abhebt. Durch die bayrische Mundart der Darsteller ist „Caedes“ ein innovatives filmisches Feuerwerk, das sowohl durch rabenschwarze Situationskomik als auch durch harte, perfekte „Handmade“ Splatterszenen überzeugen kann und unglaublich gut unterhält. Uneingeschränkte Empfehlung für Fans des Independent-Films und Genre-Freunde.

© 2015 Wolfgang Brunner