Alien: Covenant (2017)

Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Logan, Dante Harper
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Jed Kurzel
Laufzeit: 122 Minuten
Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Carmen Ejogo, Jussie Smollett, Callie Hernandez, Guy Pearce
Genre: Horror, Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Das Raumschiff Covenant ist mit 2.000 schlafenden Menschen und über 1.000 menschlichen Embryonen unterwegs, um auf einem fremden Planeten eine Kolonie zu gründen. Durch einen Sonnensturm wird das Schiff beschädigt und die Mannschaft aus dem Tiefschlaf geweckt. Während sie die Schäden am Schiff untersuchen, entdecken sie einen fremden Planeten, der der Erde ähnelt und anscheinend bewohnbar ist. Als ein Teil der Crew auf dem Planeten landet und ihn erforscht, kommen zwei Männer in Kontakt mit einer seltsamen Spore. Ohne es zu wissen, wächst ein fremdartiges Lebenwesen in ihren Körpern heran, dass schon bald das Leben der gesamten Mannschaft bedroht.

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Im Vorfeld waren ja schon wieder die unterschiedlichsten Meinungen zu Ridley Scotts neuestem Alien-Film vertreten. Doch ich wollte mir, wie auch übrigens bei „Prometheus“, einfach unvoreingenommen eine eigene Meinung bilden. Und ich bin froh, dass ich mir das Filmvergnügen nicht selbst verdorben habe, indem ich die anderen Rezensionen genau durchgelesen sondern nur überflogen habe. Denn … ich finde, dass Ridley Scott wieder einmal einen visionären Film abgeliefert hat. Sicherlich muss man über die ein oder andere Logiksache hinwegsehen, das ist mir aber in diesem Fall wirklich egal, denn ich möchte mit solchen Filmen unterhalten werden. Und das hat mit „Alien: Covenant“ eindeutig hervorragend geklappt. Ein bisschen Kritik habe ich dennoch zu vermelden, aber eines nach dem anderen.

Zunächst einmal fand ich den Spannungsaufbau sehr gelungen und wirkungsvoll. Langsam wird der Zuschauer in eine bedrückende Atmosphäre eingelullt, der man sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr entziehen kann. Gerade die Infizierung auf dem fremden Planeten und die ersten Alien-Attacken sind grandios inszeniert und fast schon unerträglich in ihrer Spannung. Die Bilder von der „Geburt“ des ersten Aliens gehen mir in ähnlicher Weise nicht mehr aus dem Kopf wie seinerzeit eine ähnliche Szene in John Carpenters Kultfilm „Das Ding aus einer anderen Welt“. Oftmals habe ich irgendwann gemerkt, dass ich den Atem angehalten habe, so spannend waren die Angriffe der Aliens, obwohl sie mit dem Computer designt wurden. Die Attacken sahen in einigen Szenen ähnlich wie in „Starship Troopers“ aus vermittelten eine ähnliche, ausweglose Situation. und Die ersten beiden Drittel fand ich persönlich absolut atemberaubend in Szene gesetzt, enorm spannend und extremst kurzweilig. Leider verzetteln sich die Drehbuchautoren am Ende in einem ideenlosen Abklatsch des Originals, was mir nicht so gefallen hat. Da hätte ich mir dann doch eine etwas andere Wendung beziehungsweise ein innovativeres Ende gewünscht. Aber nun gut, der Mainstream möchte genau so etwas wahrscheinlich sehen und die Macher haben sich wahrscheinlich darauf eingelassen, um Erfolg an der Kinokasse zu haben. Das hat schon der mäßig erfolgreiche „Alien 3“ von David Fincher gezeigt, dass Innovation nicht immer gut beim Massenpublikum ankommt. Bei „Alien: Covenant“ wollte man deswegen wohl sichergehen und hat sich für diesen Weg entschieden, der dem Massenpublikum genau das gibt, was es will, und den „echten“ Filmfreund dann eher enttäuscht. Soweit zu meinem einzigen Kritikpunkt.

Nahezu begeistert war ich von der Entwicklung, die Ridley Scott den „menschlichen Robotern“ zugedacht hat. Es mutet fast wie eine leichte Symbiose oder wie eine Brücke zu seinem Meisterwerk „Blade Runner“ an, wenn er in „Alien: Covenant“ den Maschinenwesen unheimliche menschliche Züge verschafft. Ich denke, diese Annäherung beider Universen ist beabsichtigt, denn gerade die Anfangssequenz könnte durchaus bei „Blade Runner“ Anwendung finden. Auch darstellerisch kann man bei „Alien: Covenant“ nichts aussetzen, denn alle spielen durchwegs außerordentlich gut und nehmen ihre Rollen sichtlich ernst. Michael Fassbender, der angebliche Star des Films, wird aber aus meiner Sicht eindeutig von Danny McBride an die Wand gespielt, der seinen Protagonisten unglaublich authentisch und vor allem sehr emotional verkörpert. McBride hat mich während des ganzen Films am meisten begeistert und beeindruckt, da kam Fassbender nicht einmal annähernd mit. Ist aber einfach nur meine Meinung. Scoretechnisch hat Jed Kurzel eigene Töne mit markanten Klängen aus Jerry Goldsmiths Originalscore vermischt und für eine sehr passende und atmosphärische Musikuntermalung  gesorgt.
Alles in allem hat mir „Alien:Covenant“, genauso wie „Prometheus“, in seiner Fortführung und/oder Neuinterpretation des Alien-Universums absolut gut gefallen.

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Fazit: Ästhetisch, brutal und atmosphärisch. Trotz einiger Logikfehler ein würdiges, sehenswertes Teil im Alien-Universum-Puzzle.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Vorankündigung „UFO – Es ist hier“

UFO_Poster

Daniele Grieco („Die Präsenz“) hat einen neuen Film abgedreht, der Ende Oktober in die Kinos kommt und gleichzeitig auch auf DVD und BluRay erscheinen wird. Um was geht es in dem neuen Found Footage Film?

Während der Dreharbeiten zu einem Abschlussprojekt beobachten fünf Filmstudenten eine Feuerkugel, die meteorengleich auf die Erde stürzt. Sie machen sich natürlich sofort auf den Weg zur Absturzstelle, um mit ihren Kameras das Ereignis zu dokumentieren.
In einem abgelegenen Waldgebiet finden sie auch tatsächlich die Stelle, doch da es zum Filmen schon zu dunkel ist, beschließen sie, die Nacht im Wald zu verbringen. Am nächsten Morgen ist einer der Studenten verschwunden. Als sie sich auf die Suche nach dem Vermissten machen, entdecken sie eine Blutspur und wenig später die zerfetzten Überreste ihres Freundes.
Panik bricht aus und sie wollen zurück zu ihrem Wagen. Dabei verirren sie sich und geraten immer tiefer in die Wildnis, wo sie schon bald feststellen, dass sich dort etwas aufhält, das Jagd auf sie macht.
Es scheint, als wäre dieses Ding nicht von dieser Welt …

UFO_1_Die Entdeckung

UFO_3_Die erste Nacht

Hört sich richtig gut an, wie ich finde, und wenn man sich den Trailer ansieht, bekommt man so richtig Lust auf den Film. Ein wenig „Akte X“, ein wenig „Blair Witch Project“ und eine Prise „Cloverfield“ – so sieht der Trailer für mich aus und macht extrem neugierig.  Auch hier rechtfertigt sich der Found Footage Stil durch den  Plot, wie ich meine.
Die Bilder wirken sehr atmosphärisch, was mich vermuten lässt, dass wir es hier nicht nur mit kreischenden Flüchtigen zu tun bekommen, sondern auch mit stimmungsvollen Bildern.

 

Der Film wird von der Daredo GmbH vertrieben und von Kinowelt Television GmbH präsentiert. Grieco konnte für seinen zweiten Spielfilm Laura Berlin („Rubinrot“, Prinz Pi „1,40m“), Olga von Luckwald („Abschussfahrt“, „Doktorspiele“) und Dennis Mojen („Nirgendwo“, „Wann endlich küsst du mich?“) gewinnen. Außerdem sehen sich für die Creature Creation Philipp Rathgeber (u.a. mit dabei bei Olaf Ittenbachs „No Reason“ oder Kai E. Bogatzkis „Scars Of Xavier“) und für die Spezialeffekte Lisa und Robert Schmermer (Effekte bei zahlreichen Serien vieler Fernsehsender) verantwortlich. Ich bin ziemlich sicher, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann. Auf jeden Fall konnte mich der Trailer, wie schon erwähnt, schon mal absolut überzeugen.

UFO_5_Das Gelege

UFO_9_Es sieht uns

Noch zwei Monate dauert es, bis Griecos neuer Film im Kino zu sehen und auf BluRay und DVD zu erwerben ist. Ich freu mich riesig darauf und werde natürlich zeitnah über „UFO“ berichten und meine ehrliche Meinung kundtun.

Eine Facebookseite zum Film gibt es natürlich auch und die Macher freuen sich logischerweise über jedes Like. 🙂

Ich wünsche dem deutschen Found Footage-Film auf jeden Fall einen guten Start und viel Erfolg.

© 2016 Wolfgang Brunner

Der Tag, an dem die Erde stillstand (2008)

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Originaltitel: The Day, The Earth Stood Still
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: David Scarpa
Kamera: David Tattersall
Musik: Tyler Bates
Laufzeit: 103 Minuten
Darsteller: Keanu Reeves, Jennifer Connelly, Jaden Smith, John Cleese, Kathy Bates, Jon Hamm, James Hong, Roger Cross
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Kanada
FSK: ab 12 Jahre

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Der Außerirdische Klaatu kommt in friedlicher Absicht auf die Erde, um die Menschen zu warnen. Sie sollten sich um Frieden bemühen und kriegerische Auseinandersetzungen verhindern, damit der Planet Erde erhalten bleibt. Doch die Menschheit hört nicht auf Klaatus Warnungen …

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Effektetechnisch kommt das Remake des Klassikers von Robert Wise natürlich besser daher als das Original. Aber obwohl sich auch die Besetzungsliste gut liest, fehlt es der Neuinterpretation irgendwie an Gefühl. Ich kann es nicht einmal genau erklären, aber ich habe Scott Derricksons Film eine zweite Chance gegeben und ihn nach knapp fünf Jahren noch einmal angesehen. Das Ergebnis war das gleiche: Der Film hat mir gefallen, mich aber letztendlich nicht befriedigt.

Keanu Reeves macht seine Sache gewohnt gut. Besser agiert Jennifer Connelly, die mir hier ausnehmend gut gefallen hat. Die kleinen Auftritte von John Cleese und Kathy Bates sind eigentlich nicht der Rede wert und hätten von jeder anderen Schauspielerin und jedem anderen Schauspieler genauso gut dargestellt werden können.
Im Gegensatz zum Original kam die Botschaft des Films auch nicht so gut rüber wie es sein sollte. Derrickson legte mehr Wert auf Specialeffects und gab dem Ganzen einen Touch Katastrophenfilm, der allerdings nicht wirklich funktionierte. Erfrischend fand ich, dass in der Neuverfilmung statt Raumschiffen sogenannte Sphären eingesetzt wurden, mystische Kugelwelten, in denen sich die Außerirdischen aufhielten. Das gab dem Film einen wirklich guten Science Fiction-Touch, der eine tolle Wirkung hatte. Das war es dann aber leider auch schon.
Unschlüssig zwischen Öko-Thriller mit „Message“ und Science Fiction-Apocalypse kann sich Derrickson nicht entschließen, was er eigentlich will. Ich bin sicher, hätte man dem Film eine Laufzeit von 3 Stunden gegönnt, wäre ein weitaus besseres Szenario entstanden.

Handwerklich, effektetechnisch, musikmäßig und schauspielerisch ist eigentlich nichts auszusetzen. Aber dennoch fehlt den Protagonisten eine Tiefe, die ich mir gewünscht hätte. Und die Friedensbotschaft bzw. -warnung der Außerirdischen hätte weitaus intensiver und dramatischer gestaltet werden können. So wirkt sie lediglich als Auslöser / Mittel zum Zweck für ein Katastrophenszenario apokalpytischen Ausmaßes. „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ aus dem Jahre 2008 ist kein Meisterwerk, aber durchaus sehenswert.
Doch das Schlimmste kam am Schluß: Kaum ist das letzte Filmbild erloschen, das auf den Zuschauer noch einwirkt oder zumindest einwirken sollte, ertönt ein völlig unpassender Hiphop-Song aus den Lautsprechern. Das geht ja mal gar nicht, liebe Leute. Nachdem wir einer dramatischen, effekteüberladenen Weltrettung beigewohnt haben, singt Thomas D. von der Band „Die Fantastischen Vier“: „Es hatte keiner geglaubt, dass sich das einer hier traut und ganz alleine durchschaut, was ihr auf Steinen gebaut …“ Das Finale des Films verliert dadurch sämtliche Dramatik. Dieses Abspannlied ist nur in der deutschen Version enthalten. Unglaublich. Und man fragt sich, wer sich diesen Mist ausgedacht hat.

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Fazit: Unentschlossener Mix aus Science Fiction und Katastrophenfilm, der die Botschaft der Originalverfilmung leider nicht in der intensiven Art rüberbringt, wie es sein sollte. Der Film ist durchaus sehenswert, aber kein Meisterwerk, und bleibt nicht lange im Gedächtnis haften.

© 2015 Wolfgang Brunner

Extraterrestrial (2014)

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Originaltitel: Extraterrestrial
Regie: Colin Minihan / The Vicious Brothers
Drehbuch: The Vicious Brothers
Kamera: Samy Inayeh
Musik: Blitz//Berlin
Laufzeit: 106 Minuten
Darsteller: Brittany Allen, Freddie Stroma, Melanie Papalia, Jesse Moss, Anja Savcic, Gil Bellows, Michael Ironside, Sean Rogerson, Emily Perkins
Genre: Science Fiction, Horror, Mystery
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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April möchte mit ihren Freunden ein Wochenende im Ferienhaus ihrer Eltern verbringen. Doch schon in der ersten Nacht beobachten sie, wie ein Flugobjekt im Wald abstürzt. Als sie die Stelle untersuchen, entdecken sie, dass es sich dabei um ein UFO handelt. Die Freunde flüchten in das Haus zurück, wo sie aber bereits wenig später von den überlebenden Aliens angegriffen werden.

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Was wie ein einfacher Backwood-Slasher beginnt, entwickelt sich zu einem spannenden, aber manchmal nicht ganz ernst zu nehmenden Alien-Invasion-Schocker im Stil von „Akte X“. Vom Regisseurduo namens Vicious Brothers (hinter diesem Pseudonym verbergen sich Colin Minihan und Stuart Ortiz) selbst als Hommage an die Verschwörungstheorie-Serie bezeichnet, kann „Extraterrestrial“ diese Erwartungshaltung voll und ganz erfüllen. In der Tat fühlt man sich oft an „Akte X“ erinnert und genießt dieses Stimmung als Fan vollkommen.

Die beiden Regisseure hatten bereits die ersten beiden Teile von „Grave Encounters“ inszeniert, die zwar nicht unbedingt Meilensteine des Genres waren, aber dennoch einen wohltuenden Gruselfaktor besaßen. Mit „Extraterrestrial“ begeben sie sich allerdings in völlig andere Gefilde und sie tun das meiner Meinung nach sehr gut. Gerade weil die Geschichte mit einem leichten Augenzwinkern erzählt wird, macht sie unheimlich Spaß. Hinzu kommen die wirklich guten Jung-Schauspieler, die mir durch die Bank allesamt gefallen haben.

Wenig verstreut werden Found Footage-Wackelkameras eingesetzt, die aber in diesem Fall hervorragend in die Handlung passen und absolut nicht stören. Gegen Ende hin zeigt „Extraterrestrial“ sogar wirklich verstörende Bilder im Inneren des Raumschiffs, die sich eigentlich vom Mainstream entfernen und schon künstlerische Qualitäten zeigen.

„Unheimliche Begegnung der dritten Art“ mit bösen Aliens und eine wirklich liebevolle und atmosphärisch gelungene Hommage an die Kultserie „Akte X“ machen diesen Alienterror für mich zu einem wirklich sehenswerten Science Fiction-Horror-Slasher. Und ein paar wirklich gute Splatter-Effekte sind auch noch dabei … 😉

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Fazit: „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und „Akte X“ lassen grüssen. Gelungene Hommage an „Akte X“, die mit einem leichten Augenzwinkern eine spannende Alien-Entführungs- und Verschwörungstheoriegeschichte erzählt.

© 2015 Wolfgang Brunner

Slither – Voll auf den Schleim gegangen (2006)

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Originaltitel: Slither
Regie: James Gunn
Drehbuch: James Gunn
Kamera: Gregory Middleton
Musik: Tyler Bates
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Nathan Fillion, Elizabeth Banks, Michael Rooker, Gregg Henry, Tania Saulnier, Brenda James, Don Thompson
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

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Ein Meteorit schlägt nahe der Kleinstadt Wheelsy ein. Nur wenig später gerät der reiche Mr. Grant in Kontakt mit einem schleimigen Ei, das er im Wald findet. Ein Organismus dringt in den Körper des Mannes ein und nimmt wie ein Parasit Besitz von ihm. Schon bald darauf verschwinden Menschen und Tiere in der Kleinstadt, von denen lediglich Blut und Fleischfetzen übrigbleiben. Der Sheriff der Stadt findet heraus, dass es sich bei dem Parasiten um einen außerirdischen Organismus handelt, der alles Leben verschlingt.

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James Gunn begann seine Karriere im Filmbusiness bei der US-amerikanischen Independent-Filmproduktionsfirma Troma Entertainment, die mit so schrägen und trashigen (Kult-)Filmen wie „Tromeo & Julia“ oder der „Toxic Avenger“-Reihe bekannt wurde.
Obwohl Gunn auch Drehbücher für große Hollywood-Produktionen wie dem Remake von „Dawn Of The Dead“ oder „Scooby Doo 1 & 2“ verfasst hat, wurde er den Troma-Einfluss irgendwie nicht mehr los. Das merkt man sowohl an seinem Regiedebüt „Slither“, wie auch an dem herrlich absurden „Super“ und nicht zuletzt Marvels „Guardians Of The Galaxy“.

„Slither“ ist eine herrlich schräge und trashige Gratwanderung zwischen Science Fiction-Horror, Splatter und Komödie. Die Mutation des vom außerirdischen Parasiten besessenen Mr. Grant erinnerte mich so manches mal an Jeff Goldblum in David Cronenbergs grandioser Neuverfilmung von „Die Fliege“. Aber auch „The Blob“, „Shivers“ oder „Die Körperfresser kommen“ lassen grüssen! Es macht ungemein Spaß, diese Veralberung des Genres mitzuverfolgen, die mit einem ganz eigenen Humor und teils derben Splattereffekten (die übrigens sehr gut gemacht sind) aufwarten kann. Gunns eingenwilliger Humor lässt sich hier schon ganz eindeutig erkennen, der in „Super“ eine Steigerung erfährt und schließlich in „Guardians Of The Galaxy“ seinen Höhepunkt erreicht.

James Gunn ist für mich einer jener Ausnahmeregisseure, deren Werdegang ich mit Sicherheit weiterverfolgen werde, denn eines ist für mich sicher: Egal, welche Projekte Gunn in Zukunft noch in Angriff nehmen wird, den Filmen wird bestimmt ein besonderer Stempel aufgedrückt werden, der sie, auch wenn sie sich in Mainstream-Gefilden befinden werden, von anderen Produktionen abheben wird.

Ach ja, den deutschen (wieder einmal bescheuerten) Untertitel hätte man sich getrost sparen können, denn „Slither“ ist auf einem bedeutend höheren Niveau als uns dieser deutsche Quatschzusatztitel weismachen möchte.

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Fazit: „Slither“ schafft tatsächlich die überzeugende Gratwanderung zwischen Science Fiction, Horror, Splatter und Komödie. Das gelingt nicht vielen Filmen in dieser Art und spricht eindeutig für das cineastische Fingerspitzengefühl des Regisseurs.

© 2015 Wolfgang Brunner

Sie leben (1988)

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Originaltitel: They Live
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter (unter dem Pseudonym Frank Armitage)
Kamera: Gary B. Kibbe
Musik: John Carpenter, Alan Howarth
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Roddy Piper, Keith David, Meg Foster, Peter Jason, Norman Alden, Al Leong
Genre: Horror, Science Fiction, Thriller
Produktionsland: USA
FSK: ab 18 Jahren

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Als John Nada eine Sonnenbrille findet und sie aufsetzt, macht er eine unglaubliche Entdeckung. Egal, wohin er sieht, erblickt er seltsame Botschaften, die ihm „befehlen“, zu konsumieren und zu gehorchen. Einige der Menschen sehen anders aus, wenn John die Brille aufsetzt und bald entdeckt er, dass die Erde Opfer einer Alieninvasion geworden ist. Die Außerirdischen versuchen, die Menschen durch die versteckten Botschaften zu manipulieren, um dann die Herrschaft über den Planeten zu übernehmen. John Nada nimmt den Kampf auf …

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Kultregisseur John Carpenter hat mit „Sie leben“ einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere hingelegt. Zur damaligen Zeit wahrscheinlich unterschätzt, erzählt der Film eine Geschichte, wie sie heutzutage (wenn man die Aliens mal ausklammert) ohne weiteres wahr sein könnte. Sozialkritisch beleuchtet Carpenter die Menschen, die sich sehr leicht beeinflussen lassen und nur auf Konsum, Macht und Geld fixiert sind. Heute, 25 Jahre nach seinem Erscheinen, macht mich Carpenters verkanntes Werk nachdenklicher als seinerzeit.

Gut, man merkt dem Streifen sein Alter an, keine Frage. Die Masken der Aliens wirken teilweise lächerlich, obwohl sie dennoch auch irgendwie immer noch erschreckend und befremdlich aussehen. Aber die Stimmung, die Carpenter (vor allem am Anfang) schuf, ist einfach nur toll. Das liegt mit Sicherheit wieder an der gewohnten Musikuntermalung, die aus Carpenters eigener Feder in Zusammenarbeit mit Alan Howarth (wie schon bei Halloween, Die Klapperschlange, The Fog, Die Fürsten der Dunkelheit, Christine …) stammt, aber auch an den faszinierenden Kamerafahrten von Gary B. Kibbe, der seit 1987 den Carpenter-Stamm-Kameramann Dean Cundey abgelöst hat.

Einziges Manko an „Sie leben“ ist die fünfminütige „Klopperei“ zwischen den beiden Hauptdarstellern, wenn es darum geht, eine der geheimnisvollen Brillen aufzusetzen. Die wirkt auch noch heute auf mich unnötig in die Länge gezogen und übertrieben. Genau jene Prügelei ist es auch, die den Film damals auf den Index gebracht hat, wobei ich nicht verstehe, aus welchem Grund. In der Uncut-Fassung ist diese Szene also enthalten, in der gekürzten fehlt sie.

Ansonsten ist „Sie leben“ für mich ein typischer Carpenter-Film, wenn auch nicht einer seiner absolut besten.

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Fazit: In die Jahre gekommen, aber immer noch aussagekräftig. Carpenter kann es einfach und auch „Sie leben“ besitzt in meinen Augen, wie fast alle Filme des Regisseurs, eindeutig Kultcharakter.

© 2014 Wolfgang Brunner

The Signal (2014)

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Originaltitel: The Signal
Regie: William Eubank
Drehbuch: William Eubank, Cyrlyle Eubank, David Frigerio
Kamera: David Lanzenberg
Musik: Nima Fakhrara
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Laurence Fishburne, Brenton Thwaites, Olivia Cooke, Lin Shaye, Beau Knapp, Robert Longstreet
Genre: Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Nic, Jonah, und Haley fahren zu ihrem neuen Studienort, als sie ein Signal von einem geheimnisvollen Hacker namens Nomad erhalten, der sie damit zu einem einsamen, völlig abgelegenen Haus lockt. Als Nic und Haley das Haus betreten, geraten sie in eine Falle und werden gefangen genommen. Als sie erwachen, finden sie sich in einem unterirdischen Versuchslabor wieder und werden von Männern in Schutzanzügen befragt. Immer mehr kristallisiert sich eine schreckliche Wahrheit aus den mysteriösen Umständen heraus und die drei Studenten müssen feststellen, dass sie Versuchskaninchen für ein geheimes Experiment geworden sind …

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„The Signal“ ist einerseits visueller Augenschmaus (besonders gegen Ende), andererseits aber irgendwie unausgegorene Mischung aus exentrischem Experimentalfilm und abgenudeltem Mainstream.  Der Film lässt sich schwer beschreiben, deswegen sollte man ihn sich auf jeden Fall ansehen, denn sehenswert ist er allemal.
Die Handlung wirkt oftmals aber leider wirr und undurchdacht. Es wurden Handlungsstränge eingeschlagen, die dann plötzlich unbeachtet links liegen gelassen werden. Die Entwicklung der Geschichte ist allerdings immer wieder sehr unvorhersehbar, was mir wiederum sehr gut gefallen hat.

Darstellerisch kann man nicht meckern, da stimmt alles soweit. Und auch inszenatorisch gelang Eubank, der bereits mit seinem Debüt „Love“ für Furore sorgte, ein durchweg gelungener Film, der im Grunde genommen nichts zu wünschen übrig lässt. Außer eben einer vielleicht doch geradlinigeren Handlung, die mehr Sinn ergeben hätte.
Die Entwicklung der Protagonisten in eine Art Superhelden hat mir gar nicht gefallen, da hätte Eubank meiner Meinung nach etwas zurückhaltender herangehen sollen, dann hätte „The Signal“ eine weitaus realistischere Grundlage bekommen und wäre aus meiner Sicht auf jeden Fall spannender, erschreckender und beklemmender geworden.
Die Entwicklung der ganzen Handlung hat mir, wie schon erwähnt,  allerdings wirklich gut gefallen und die visuelle Umsetzung gegen Ende des Films hat ohne Zweifel seine Reize. Dennoch wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Ich bin sicher, dass es sich für Filmfreunde lohnt, den weiteren Weg des Regisseurs zu verfolgen. Das Gespür für gute Inszenierungen hat er auf jeden Fall.

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Fazit: Visuell absolut sehenswerter Science Fiction Film mit vielen unvorhersehbaren Wendungen. Leider verzettelt sich die Story und wirkt dadurch unausgegoren und stellenweise schwach. Hätte Eubanks einen weniger mainstreamlastigen Weg eingeschlagen, hätte er einen weitaus besseren Film zustande gebracht.

© 2014 Wolfgang Brunner