Der Mann von der Insel Man (1929)

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Originaltitel: The Manxman
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Eliot Stannard
Kamera: John J. Cox
Musik: –
Laufzeit: 111 Minuten
Darsteller: Carl Brisson, Malcolm Keen, Anny Ondra, Randle Ayrton, Clare Greet, Kim Peacock, Nellie Richards
Genre: Stummfilm, Drama
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Pete, ein einfacher Fischer, und Philip, ein angesehener Anwalt, sind Freunde seit Kindertagen. Unglücklicherweise verlieben sich beide in dieselbe Frau. Als Pete um die Hand von Kate anhält, wird er von deren Vater aufgrund seiner Armut abgewiesen. Daraufhin verlässt Pete die Insel, um in der Ferne Geld zu verdienen, damit er endlich Kate heiraten kann. Als Kate und Philip von Petes Tod erfahren, gestehen sie sich ihre Liebe. Doch dann kehrt Pete überraschenderweise zurück und ist alles andere als tot …

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Hitchcocks letzter Stummfilm ist ein tragisches Liebesdrama, das mich von der Handlung her ein wenig an Michael Bays „Pearl Harbor“ erinnerte. Sehr ernst und mit einer für die damaligen Zeit enormen Dramatik erzählt Hitchcock von der Liebe und geheimen Sehnsüchten. Man spürt die teils aussichtslosen Situationen förmlich, in der sich die Protagonistin immer wieder findet, kann die innere Zerrissenheit nachvollziehen und leidet mit.

Inszenatorisch reiht sich „Der Mann von der Insel Man“ nahtlos in die perfekten Filme des damals dreißig Jahre alten Hitchcock ein, hebt sich aber dennoch absolut von den späteren Werken des Kultregisseurs ab. Dazu ist die Geschichte letztendlich doch zu seicht und ohne jegliche Spannungselemente. Es ist eine tragische Liebesgeschichte, die hier auf beeindruckende Weise präsentiert wird und der man sich schlecht entziehen kann, denn schließlich will man wissen, wie das Drama endet. Und es endet nicht so, wie man es erwartet hätte.

Carl Brisson und Anny Ondra spielen ihre Verzweiflung manchmal wirklich herzzerreissend, so dass man ihnen fast schon zu Hilfe eilen möchte 😉

Der große Wurf ist „Der Mann von der Insel Man“ sicherlich nicht, aber filmhistorisch gesehen auf jeden Fall interessant, zumal sich bei diesem Stummfilm auch abzeichnet, dass auf den Tonfilm hingearbeitet wird, denn man sieht hier gegen Ende des Films öfter Texttafeln als in anderen Stummfilmen.

Ein Film, den sich jeder Hitchcock Fan ansehen sollte, um mitreden zu können. Ein „Must See“ ist dieses eher deprimierende Liebesdrama nicht.

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Fazit: Hitchcocks letzter Stummfilm zeigt eine tragische, deprimierende Liebesgeschichte, die schauspielerisch und inszenatorisch zwar sehenswert, aber nicht von großer Bedeutung, ist.

© 2015 Wolfgang Brunner

Erpressung (1929)

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Originaltitel: Blackmail
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Afred Hitchcock, Benn W. Levy, Michael Powell
Kamera: Jack E. Cox
Musik: Hubert Bath
Laufzeit: 84 Minuten
Darsteller: Anny Ondra, Sara Allgood, Charles Paton, John Longden, Donald Calthrop, Cyril Ritchard, Hannah Jones, Harvey Braban
Genre: Krimi
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Alice ist eigentlich mit dem Polizisten Frank liiert. Nach einem Streit trifft sie sich eines Abends aber mit dem Maler Crew, der jedoch schon beim ersten Treffen zudringlich wird und versucht, Alice zu vergewaltigen. Alice verteidigt sich und ersticht Crew aus Notwehr mit einem herumliegenden Brotmesser. Frank findet am Tatort einen Handschuh von Alice und ahnt schon bald, dass sie die Täterin ist. Aus Liebe zu ihr verheimlicht er seinen Fund. Doch dann taucht ein Mann auf, der behauptet, den Mord beobachtet zu haben, und Alice und Frank nun mit seinem Wissen erpresst.

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Ursprünglich nicht als Tonfilm vorgesehen, ist „Erpressung“ dann letztendlich aber der erste britische Tonfilm geworden. Alleine aus diesem Grund ist der Film auf jeden Fall sehenswert. Denn anfangs wird auch in der Tonfilm-Fassung in bester Stummfilm-Manier erzählt. Erst wenig später kommen dann die „sprechenden Bilder“.

Hitchcock zeigt hier zum ersten Mal (von „Der Mieter“ vielleicht einmal abgesehen), was er als Regisseur so drauf hat. Da wird gespielt und experimentiert, die Kamerafahrten machen einfach nur Spaß und das Ausprobieren mit dem Ton hat es ebenfalls in sich. Vor allem die Szene, in der eine keifende Kundin von dem geschehenen Mord erzählt und immer wieder das Wort „Knife“ (Messer) erwähnt, ist für mich genial. Während Hitchcock die Kamera auf die Mörderin richtet, die ein ähnliches Messer in der Hand hält, mit dem sie auch den Notwehr-Mord begangen hat, quasselt die Kundin unentwegt. Wir als Zuhörer verstehen  das Gerede teilweise gar nicht, nur das Wort „Knife“ wird laut in Szene gesetzt, bis es schier unerträglich wird. Wie Hitchcock hier die Nerven des Zusehers in gleicher Weise strapaziert wie die seiner Protagonistin ist einfach toll gemacht.

Sicherlich fehlt dem Kriminalfilm noch die gewisse Raffinesse, die Hitchcocks spätere Inszenierungen auszeichnetet, aber Wegbereiter zu diesem Ziel war „Erpressung“ allemal.
Man sucht vergebens nach einer Unsicherheit der Schauspieler, die, ebenfalls wie die gesamte Filmcrew, dem Novum „Tonfilm“ gegenüberstanden. Alles in allem ein gelungener Krimi mit unübersehbaren Hitchcock-Touch.

Ach ja, und der Cameo-Auftritt des in einer U-Bahn sitzenden Alfred Hitchcock , der von einem Jungen geärgert wird, ist höchst amüsant.

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Fazit: Im ersten britischen Tonfilm experimentiert Hitchcock nicht nur optisch sondern auch akkustisch. Sehenswerter Kriminalfilm mit unübersehbarem Hitchcock-Touch.

© 2015 Wolfgang Brunner

Die Frau des Farmers (1928)

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Originaltitel: The Farmer’s Wife
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Eliot Stannard
(nach einem Bühnenstück von  Eden Phillpotts)
Kamera: John J. Cox
Musik:—
Laufzeit: 129 Minuten
Darsteller: Jameson Thomas, Lilian Hall-Davis, Gordon Harker, Gibb McLaughlin, Maud Gill, Louie Pounds, Olga Slade, Ruth Maitland, Antonia Brough
Genre: Liebesfilm, Stummfilm
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Der verwitwete Farmer ist auf der Suche nach einer neuen Bäuerin. Zusammen mit seiner Dienstmagd schreibt er auf einen Zettel, welche Frauen in Frage kommen. Dann macht er sich daran, die Liste abzuarbeiten. Nicht im Leben hätte er daran gedacht, dass eine der Auserwählten seinen Heiratsantrag ablehnen könnte …

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Nach dem sehr schwerfälligen Beginn entwickelt sich dann doch eine ganz ansehnliche und streckenweise amüsante Liebesgeschichte. Sicherlich ist auch hier nicht viel von dem Hitchcock zu erkennen, den man von seinen späteren Filmen gewohnt ist, aber dennoch experimentiert der Regisseur. Die Liebeskomödie plätschert seicht dahin und hat auch einige Längen, wenn dann aber die Einstellungen (Überblendungen) kommen, bei denen die zur Auswahl stehenden Frauen abwechselnd auf dem Stuhl erscheinen, der gegenüber des verwitweten Farmers steht, dann denkt man sich (zumindest ich dachte das), dass sich das Warten gelohnt hat. Diese Szene ist schon wirklich hervorragend gemacht.

Unterhaltungswert besitzt „The Farmer’s Wife“ auf jeden Fall. Manchmal muss man tatsächlich lächeln, wenn man die vergeblichen Mühen des Protagonisten (der übrigens ganz toll von Jameson Thomas gespielt wird) verfolgt, in denen der Witwer mit aller Macht die Liebe einer Frau gewinnen will. In diesem Film sieht man ganz eindeutig, dass Hitchcock auch eine komödiantische Ader hat, wie er auch in späteren Filmen noch (allerdings besser als hier) bewiesen hat.

Schauspielerisch fällt in diesem Film auf jeden Fall der schon genannte Jameson Thomas auf, der seinen Charme und die Verbitterung in seiner Suche nach einer neuen Frau sehr überzeugend darstellt. Die Frauen spielen zwar in unterschiedlicher Qualität, werden aber im Großen und Ganzen ihren Rollen gerecht. Die hin und wieder verstreuten Hitchcock’schen Einlagen lassen über manch eine Länge hinwegsehen, zumindest, wenn man erst einmal den etwas langweiligen Anfang hinter sich gebracht hat.

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Fazit: Ein Frühwerk von Alfred Hitchcock, das nicht sonderlich auffällt. Für Hitchcock-Komplettisten ohnehin ein Muss, kann man als Filminteressierter getrost auf diesen Stummfilm verzichten, es sei denn, man möchte einem recht amüsanten Kampf der Geschlechter beiwohnen.

© 2015  Wolfgang Brunner

Abwärts (1927)

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Originaltitel: Downhills
Alternativtitel: When Boys Leave Home
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch:  Eliot Stannard
Kamera: Claude McDonnell
Musik: –
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Ivor Novello, Ben Webster, Norman McKinnel, Robin Irvine, Jerrold Robertshaw, Sybil Rhoda, Annette Benson, Lilian Braithwaite, Isabel Jeans
Genre: Drama, Stummfilm
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Roddy wird zu Unrecht beschuldigt, eine Kellnerein geschwängert zu haben und wird von der Universität verwiesen. Durch eine Erbschaft erreicht sein Leben dennoch kurzzeitig einen Höhepunkt, bevor es dann steil bergab geht. Denn die Frau, die er heiratet, stellt sich als Heiratsschwindlerin heraus. Roddy landet ziemlich weit unten …

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Bei diesem Film handelt es sich um eine Auftragsarbeit, was zunächst auch meiner Meinung klar zu erkennen ist. Denn anfangs tut sich Hitchcock schwer, in die Handlung zu kommen. Doch je weiter der Film fortschreitet, desto klarer und strukturierter wird die Story und auch die Inszenierungsweise. Fast scheint es, als hätte Hitchcock erst während der Dreharbeiten Lust auf dieses Drama nach Theatersketchen von Constance Collier und Ivor Novello, der übrigens auch in der Verfilmung dann die Hauptrolle spielte und in Hitchcocks „Der Mieter“ hervorragend war, bekommen.

Ein paar Szenen sind besonders zu ewähnen: Erst einmal die „verhängnisvolle“ Begegnung mit der Kellnerin. Hier wird mit einem fabelhaften Schattenspiel gearbeitet, das fast an einen Scherenschnitt erinnert. Ganz fantastisch gemacht. Dann gibt es eine Szene, in der Roddy nach Hause kommt und einen Treppenaufgang nach oben geht. In bester Hitchcock-Manier wird hier die Beleuchtung eingesetzt und lässt ein beeindruckendes Bild (bzw. eine beeindruckende Szene) entstehen. Wenn am Ende des Films Roddy in einer Dachkammer aufwacht, möchte man fast meinen, ein Olgemälde von Carl Spitzweg zu sehen. Das ist schon eine tolle Leistung, wie Hitchcock solche Bilder inszeniert und auf Film festhält.
Und auch nicht ohne sind die Szenen, in denen ein Tranvestit der einzige ist, der auf einer Party nett zu Roddy ist. Das wirkte auf mich, als wollte sich Hitchock für jene „Randgruppe“ einsetzen und den Tranvestit aus diesem Grund sehr sympathisch in Szene gesetzt.

Handlungstechnisch ist „Abwärts“ nicht der große Renner. Schuld und Vergebung, Freundschaft und Versprechen, die eingehalten werden … alles Zutaten, die man von Dramen solcher Art kennt. Faszinierend und kurzweilig ist der Stummfilm (Hitchcocks vierter) allemal, denn alleine schon die inszenatorischen Spielereien sind ein Ansehen wert.

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Fazit: Anfangs eher „lustlose“ Auftragsarbeit, die aber im Verlauf des Films immer mehr zu einem „Hitchcock“ wird, wenn man auf die inszenatorischen Feinheiten achtet. Drama und Komödie in einem, wobei der Drama-Anteil eindeutig überwiegt.

© 2015 Wolfgang Brunner

Lockere Sitten (1927)

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Originaltitel: Easy Virtue
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Eliot Stannard
Kamera: Claude McDonnell
Musik:—
Laufzeit: 79 Minuten
Darsteller: Isabel Jeans, Franklin Dyall, Eric Bransby Williams, Ian Hunter, Robin Irvine, Violet Farebrother, Frank Elliott, Dacia Deane, Dorothy Boyd
Genre: Drama, Stummfilm
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Larita Filton ist mit einem Alkoholiker verheiratet und verliebt sich in einen jungen Maler. Als dieser Selbstmord begeht, lässt sich Larita scheiden und flieht nach Frankreich, wo sie John Whitaker trifft und ihn bald darauf heiratet. Johns misstrauische Mutter forscht in Laritas Vergangenheit nach und erfährt über den Skandal, der damals zum Selbstmord des Malers geführt hat.

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„Lockere Sitten“ wirkt auf den ersten Blick gar nicht wie ein richtiger Hitchcock-Film, da man fast meint, keine experimentiellen Elemente darin zu finden, von ein paar Überblendungstechniken einmal abgesehen. Aber wenn man genauer hinsieht, erkennt man das Ausprobieren des Regisseurs, um auf ganz spezielle Weise dem Zuschauer etwas nahezubringen.
Das beste Beispiel in diesem Drama ist ein  Heiratsantrag, bei dem man weder Mann noch Frau sieht, sondern nur eine Telefonistin, die das Gespräch belauscht. Ihre Mimik ist grandios und man vermeint förmlich, die Worte der beiden Liebenden zu hören, obwohl es sich bei „Lockere Sitten“ um einen Stummfilm handelt. Dieses Experiment ist Hitchcock absolut gelungen und zeigt, wie beeinflussbar das Publikum sein kann. Es folgt dem Gespräch zweier turtelnder Liebender, obwohl diese nicht einmal zu sehen sind!

Dennoch ist „Lockere Sitten“ kein kleines Meisterwerk wie zum Beispiel „Der Mieter“. Das Thema Schuld und Sühne wird (wieder einmal) von Hitchcock zwar sehr intensiv und emotional verarbeitet, hebt sich aber nicht besonders von Stummfilmen aus jener Zeit ab, wenn man einmal von den oben erwähnten inszenatorischen „Experimenten“ absieht. Obwohl Hitchock mit vielen Schnitten arbeitet, fällt die Kameraarbeit bei diesem Film irgendwie gar nicht so richtig auf. Schauspielerisch kann man nicht meckern, da sind ein paar wirklich gute Aktionen dabei, ansonsten ist „Lockere Sitten“ eine eher unscheinbares Liebesdrama, das ohne Zweifel interessant und kurzweilig ist, aber eben kein Meisterwurf.

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Fazit: Für Hitchcock-Liebhaber durchaus interessant, aber im Grunde genommen relativ einfacher Stummfilm, der nichts Weltbewegendes zu erzählen hat.

© 2015 Wolfgang Brunner

Der Weltmeister (1927)

weltmeister

Originaltitel: The Ring
Deutscher Alternativtitel: Eines starken Mannes Liebe
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch:  Alfred Hitchcock (unter Mitarbeit von Alma Reville)
Kamera: John J. Cox
Musik: –
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Carl Brisson, Lilian Hall-Davis, Ian Hunter, Forrester Harvey, Harry Terry, Gordon Harker
Genre: Drama
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Eines Tages trifft der Jahrmarkts-Boxer Jack auf den australischen Meister im Schwergewicht Bob. Die beiden Männern freunden sich an und werden Sparringspartner. Jack heiratet seine Verlobte Nellie, muss aber eines Tages feststellen, dass sich Bob an sie heranmacht. Und so entbrennt nicht nur um Ring ein erbitterter Kampf zwischen den beiden Männern.

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„Der Weltmeister“ ist der sechste Stummfilm von Alfred Hitchock, wenn man die drei verschollenen Filme „Nummer 12“, „Sags immer deiner Frau“ und „Der Bergadler“ mitrechnet. Hier zeigt Hitchock wieder einmal, dass er so ziemlich alle Genre beherrscht und auch gerne dreht. „Der Weltmeister“ ist Sportfilm und Drama in einem ( könnte durchaus sein, dass Stallone hier seine Idee zu „Rocky“ fand 😉 ) und kann überzeugen.
Hier wird vor allem in, wenngleich nur wenigen, Szenen deutlich, wie experimentierfreudig Hitchcock in seiner Anfangszeit war. In diesem Film versucht er, Musik mit Bildern sichtbar zu machen. Was dabei herauskam, ist derart visionär, dass man es gar nicht glauben mag. Da verwischen die Tasten eines Klaviers zu in die Länge gezogenen Streifen und werden von anderen Bildern überblendet, dass man meint, man wäre in einem Film von Ken Russell gelandet. Das ist schon grandios und war für die damalige Zeit einfach Wahnsinn.

Die Story ist, wie schon bei „Irrgarten der Leidenschaft“, sehr emotional und aufwühlend. Das kommt trotz fehlender Worte sehr gut rüber und nimmt den Zuschauer mit. „Der Weltmeister“ ist aus meiner Sicht zwar ein klein wenig schlechter als „Der Mieter“, zeigt aber unübersehbar die Entwicklung des Regisseurs.
Die vielen Schnitte und verschiedenen Kamerablickwinkel zeigen bereits hier, was knapp zehn Jahre später die „wahren“ Hitchcock-Filme ausmacht. Für Fans ist „Der Weltmeister“ Pflichtprogramm.

Ursprünglich als Stummfilm gedreht, exisitiert in Deutschland eine stümperhaft synchronisierte Fassung, die zwar für den ein oder anderen den Film attraktiver macht, aber ehrlich gesagt schauderhaft ist. Die Betonung der Synchronsprecher ist gruseliger als „Psycho“ und macht die Stimmung eher zunichte, als dass sie hilfreich wäre. Ich habe beide Fassungen gesehen und kann nur zur reinen Stummfilmfassung mit „Sprechschildern“ raten.

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Fazit: Für die damalige Zeit stellenweise innovativ und voller guter inszenatorischer Ideen. „Der Weltmeister“ könnte ohne weiteres Vorreiter von Sportfilmen a lá „Rocky“ sein.

© 2015 Wolfgang Brunner

Der Mieter (1927)

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Originaltitel: The Lodger
Alternativtitel: The Lodger – A Story Of The London Fog / The Case Of Jonathan Drew
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch:  Eliot Stannard
Kamera: Baron Ventimiglia
Musik: –
Laufzeit: 70 Minuten
Darsteller: Marie Ault, Arthur Chesney, June Tripp, Malcolm Keen, Ivor Novello
Genre: Thriller
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 12 Jahren

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Bereits sieben Frauen wurden in London ermordet aufgefunden. Oft wurde ein seltsamer Mann beobachtet, der die untere Hälfte seines Gesichts mit einem Schal versteckt. Eines Tages erscheint bei Daisys Eltern ein Mann, auf den genau diese Beschreibung passt, und der darum bittet, ein Zimmer mieten zu dürfen.
Obwohl Daisys Eltern weiterhin den Verdacht hegen, dass der Unbekannte der Mörder sein könnte, freundet sich ihre Tochter mit ihm an. Und dann geschieht ein weiterer Mord …

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Hitchcocks „Der Mieter“ ist ein wahnsinnig ausdrucksstarker Stummfilm, der eine bedrohliche Atmosphäre sondergleichen schafft. Da erkennt man schon in fast jeder Einstellung den Meisterregisseur, der er eines Tages sein würde. Die Kameraeinstellungen, die fast schon visionäre Bildersprache, ist außergewöhnlich und zeigt, dass Hitchcock seiner Zeit voraus war. Auch wenn sich Hitchcock einige Ideen anderer Stummfilme zunutze macht, schafft er jedoch auch mit diesem, einem seiner ersten Filme, einen eigenen Stil, der wegweisend für seine Zukunft ist.

Das Spiel mit Hell und Dunkel wird hier geschickt angewendet und lässt den Zuschauer nicht mehr aus einem hypnotischen Sog los. Auch wenn der Film fast 90 Jahre auf dem Buckel hat, konnte er mich noch immer absolut begeistern. Es ist schon erstaunlich, wie einen in der heutigen Zeit noch ein Stummfilm derart in seinen Bann ziehen kann. Hitchocks „Der Mieter“ tut das.
Die Bildkompositionen sind unglaublich intensiv und auch hier werden Kameraeinstellungen benutzt, die damals nicht an der Tagesordnung waren. Hitchcock ging von Anfang an seinen eigenen Weg.
Es ist unübersehbar, dass hier die Geschichte von Jack The Ripper zugrunde liegt. Aber der Plot führt den Zuseher an der Nase herum, kann mit überraschenden Wendungen aufwarten, mit denen man nicht rechnet. Das macht Spaß und kommt zu der hervorragenden Inszenierung noch hinzu.

„Der Mieter“ ist für mich der erste „echte“ Hitchcock. Er ist jene Art von Film, die den Weltruhm des Regisseurs eingeleitet haben, denn bereits hier sieht man seine Experimentierfreudigkeit, die zur damaligen Zeit kein anderer Regisseur zeigte. Der Spannungsbogen ist in diesem Film sehr geradlinig gezogen und führt zu einem dramatischen Finale, wie es besser nicht sein könnte.
In diesem Stummfilm-Kleinod ist alles drin, was ein Film braucht: Spannung, Atmosphäre, ein wenig Grusel, Mord und jede Menge Gefühle. Hitchocks Thriller vom Anfang seiner Karriere zeigt das große Potential, das in dem damals 28-Jährigen steckte.

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Fazit: Mit unglaublicher Atmosphäre und einem stetig steigenden Spannungsbogen zeigt Alfred Hitchcock in einem seiner frühen Filme einen Kriminalfall, der den Zuschauer, obwohl es „nur“ ein Stummfilm ist, vollkommen in seinen Bann zieht.

© 2015 Wolfgang Brunner

Irrgarten der Leidenschaft (1925)

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Originaltitel: The Pleasure Garden
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Eliot Stannard
Kamera: Gaetano di Ventimiglia
Musik:—
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Virginia Valli, Carmelita Geraghty, Miles Mander, John Stuart, Georg H. Schnell, Karl Falkenberg
Genre: Drama, Stummfilm
Produktionsland: Großbritannien, Deutschland
FSK: ab 12 Jahren

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Jill Cheyne möchte unbedingt Revuetänzerin werden. Sie lernt Patsy Brand kennen und freundet sich mit ihr an. Als sie immer mehr zum Star wird, verändert sich auch ihr Charakter und sie lässt ihren Verlobten Hugh links liegen, als sich der reiche Fürst Iwan für sie interessiert. Patsy und ihr Ehemann reisen an den Comer See in Oberitalien und treffen dort Hugh, der sich sofort nach Jill erkundigt. Als er von ihrer Romanze mit dem Fürsten hört, bricht für ihn eine Welt zusammen.

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Hitchcocks erster vollendeter Film hat mich durchaus überzeugt. Schon hier kann man sehen, wie Hitchcock mit Licht und Schatten spielt und sich an Kameraeinstellungen wagt, die damals nicht der Norm entsprachen. Die Inszenierung ist sehr ansprechend und für einen Stummfilm, dem man in der heutigen Zeit leider nicht mehr allzuviel abgewinnen kann, äußerst kurzweilig und unterhaltsam.
Das liegt mit Sicherheit zum einen an der Inszenierung Hitchcocks, bei der man damals schon erahnen konnte, dass sich hinter diesem Regisseur ein Ausnahmetalent verbarg. Zum anderen taten aber die Darsteller ihr übriges dazu, um das Drama recht ansehnlich wirken zu lassen. Virginia Valli und Carmelita Geraghty in den Hauptrollen haben mich überzeugt und es war eine echte Freude, ihrem Agieren zuzusehen (das selbstverständlich mit der heutigen Schauspielerei absolut nicht zu vergleichen ist). Am meisten hat mich allerdings Miles Mander beeindruckt. Wie er den alkoholkranken, agressiven Ehemann gespielt hat, war schon ziemlich gut. Aber auch George H. Schnell versprühte sichtlich seinen Charme. Sein Gesicht kennt man aus unzähligen Filmen, die bekanntesten sind wohl Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“, „Der Mustergatte“ und zuletzt eine Nebenrolle in „Die Feuerzangenbowle“ (die beiden letzten mit Heinz Rühmann).

Alfred Hitchcocks relativ harmloser Einstieg ins Filmgeschäft zeigt bereits Anzeichen seiner Genialität. Vor allem das Spiel mit den Schatten respektive die Ausleuchtung seiner Sets zeigt schon einen visionären Charakter, der sich im Laufe seiner Karriere immer mehr stabilisierte. Das Liebesdrama in „Irrgarten der Leidenschaft“ ist teilweise sehr emotional gedreht und besaß zur damaligen Zeit mit Sicherheit eine ziemlich gute Aussagekraft. Das oftmals sehr natürliche Agieren der Darsteller hebt Hitchcocks Film eindeutig von anderen Stummfilmproduktionen ab, wo sehr viel mehr Wert auf „gekünstelte“ Mimik gelegt wurde. Das machte mir „Irrgarten der Leidenschaft“ sehr sympathisch.

Für Hitchcock-Fans unbedingt empfehlenswert, denn man kann schon ganz klar die unnachahmliche Hand des Meisters erkennen.

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Fazit: Das erste vollendete Werk von Hitchcock, das bereits damals schon durch einen außergewöhnlichen und visionären Inszenierungsstil überzeugen konnte. Für Fans ein absolutes Muss, da er den Anfangspunkt einer unglaublichen Karriere darstellt, für alle anderen ein (langweiliger) Stummfilm wie jeder andere.

© 2015 Wolfgang Brunner

Hitchcock (2012)

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Originaltitel: Hitchcock
Regie: Sacha Gervasi
Drehbuch: John J. McLaughlin
Kamera: Jeff Cronenweth
Musik: Danny Elfman
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Toni Colette, Danny Huston, Jessica Biel, James D’Arcy
Genre: Filmbiografie
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

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Alfred Hitchcock ist auf der Suche nach einem Stoff für seinen neuen Film. Als er den Horror-Roman „Psycho“ von Robert Bloch liest, will er diesen Film unbedingt drehen, obwohl er keinerlei Unterstützung von den Filmstudios bekommt, die der Meinung sind, „Psycho“ sei kein geeigneter Plot für einen Hitchcock-Film. Doch der Regisseur sieht das anders und setzt alles daran, diesen Film zu machen. Dabei riskiert er sogar seine Ehe …

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Um den Lebensabschnitt einer Filmlegende auf die Leinwand zu bannen, bedarf es schon eines gewissen Mutes – sowohl des Regisseurs wie auch der Schauspieler. Ich war wirklich angenehm überrascht, wie Regisseur Gervasi an die Sache herangegangen ist.
Das Geheimnis dieser Inszenierung liegt wahrscheinlich an der charmanten und humorvollen Darstellung der Geschehnisse. Nicht dass „Hitchcock“ auch seine dramatischen Momente hätte (die übrigens von den Schauspielern hervorragend gemeistert wurden), aber vorrangig wird die Entstehung eines der bedeutendsten Filme des amerikanischen Kinos mit einem Augenzwinkern serviert. Und das macht ungemein Spaß.

Anthony Hopkins sieht leider irgendwie nicht wirklich wie Hitchcock aus, aber der exzellente Schauspieler bügelt dieses kleine Manko mit seiner überzeugenden Art gekonnt aus, so dass man bereits nach kurzer Zeit vergisst, dass der Film-Hitchcock eigentlich wie Anthony Hopkins aussieht. 😉
Helen Mirren liefert ebenfalls ein sehenswertes Spiel ab, das mich in manchen Szenen geradezu begeistert hat. Das Zusammenspiel zwischen Hopkins und Mirren ist einfach nur herrlich.
Nun aber zu einem Punkt, der mich an „Hitchcock“ wirklich absolut begeistert hat. Die Darstellerwahl bezüglich der Rollen der Janet Leigh und des Anthony Perkins sind so hervorragend gelungen, da blieb mir echt die Sprache weg. Scarlett Johansson als Janet Leigh fand ich schon wirklich gut, aber James D’Arcy als Perkins war der Knaller. In einigen Szenen mochte man fast meinen, den echten jungen Perkins zu sehen, so gut traf D’Arcy sowohl Aussehen wie auch Agieren des Altstars.

Die Detailverliebtheit, mit der Gervasi ans Werk ging, war ebenfalls nur bewundernswert. In vielen Einstellungen bemerkt der aufmerksame Zuschauer Kleinigkeiten, die den Film authentisch machen. Die Sets wurden sehr genau nachgebaut und teilweise hatte man den Eindruck, bei den echten Dreharbeiten mit dabei zu sein.

Und dass, wie oben schon erwähnt, die ganze Inszenierung mit einem schelmischen Augenzwinkern gezeigt wird, das wohl auch dem Humor des echten Hitchcock auf gewisse Art und Weise gerecht wird, macht den Film umso sympathischer.

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Fazit: Mit einem Augenzwinkern wird die Entstehung des Filmklasikers „Psycho“ gezeigt, bei der ein wunderbares Schauspiel-Ensemble großes Können zeigt und die Musikuntermalung von Danny Elfman das ihrige dazu beisteuert, dass mit „Hitchcock“ ein unterhaltsames Stück Kino entstanden ist.

© 2015 Wolfgang Brunner