Gone Girl – Das perfekte Opfer (2014)

cover

Originaltitel: Gone Girl
Regie: David Fincher
Drehbuch: Gillian Flynn (Romanvorlage und Drehbuch)
Kamera: Jeff Cronenweth
Musik: Trent Reznor, Atticus Ross
Laufzeit: 149 Minuten
Darsteller: Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Lisa Banes
Genre: Drama, Krimi, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

*

Ein warmer Sommermorgen in Missouri, USA: Nick und Amy Dunn wollten heute eigentlich ihren fünften Hochzeitstag feiern, doch Amy ist plötzlich wie von Erdboden verschluckt. Als sie nicht wieder auftaucht, und nachdem ein Medienaufruf gestartet wurde, gerät Nick selbst in das Visier der ermittelnden Polizisten Rhonda Boney und Jim Gilpin. Nick, der ein ehemaliger Journalist ist, inzwischen aber nur noch ein bisschen unterrichtet und dazu mit seiner Schwester Margo eine Bar betreibt, besteht auf seiner Unschuld, verstrickt sich jedoch immer mehr in ein Netz aus Lügen und Verrat. Nach und nach tauchen Indizien auf, die darauf hindeuten, dass Amy Angst vor ihrem Mann hatte. Doch auch die Weste der Verschwundenen ist nicht so rein wie angenommen. Durch den Fund ihres Tagebuchs kommen dunkle Dinge ans Licht, die niemand jemals von der vermeintlich perfekten Frau erwartet hätte. Darüber hinaus scheint niemand herausfinden zu können, ob Amy überhaupt noch am Leben ist …

*

Meine Güte, was für ein Film!

Starregisseur David Fincher – bekannt geworden durch Filme wie Sieben, The Game, Fight Club oder The Social Network – hat in meinen Augen mit diesem Film ein weiteres Meisterwerk geschaffen. Da ich spätestens seit ich das erste Mal Fight Club gesehen habe – und dieser inzwischen zu meinem ultimativen Lieblingsfilm geworden ist – auch ein großer Fan von Finchers Werken bin und seinen neusten Film Gone Girl im Kino leider irgendwie verpasst habe, konnte ich es kaum erwarten dass er auf DVD erscheint. Nun, vor kurzem war es soweit und die DVD war in meinem Briefkasten. Heute bin ich dazugekommen, ihn mir mit großen Erwartungen anzusehen. Und ich bin begeistert!

Der Film selbst basiert auf einer Romanvorlage von der bis dato noch relativ unbekannten Autorin Gillian Flynn, die übrigens auch das Drehbuch selbst schrieb. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, doch nach der Sichtung dieses Filmes werde ich das so schnell wie möglich nachholen müssen. Jener besagte Film braucht anfangs eine Weile – vielleicht 20 Minuten – um seine Geschichte aufzubauen und den Zuschauer mit allen nötigen Hintergrundinformationen zu versorgen. Doch dann geht es richtig los. Nur wenige Regisseure schaffen es meiner Meinung nach, so spannend zu inszenieren. Fincher war ja schon immer ein Meister der unerwarteten Wendungen, was er auch hier wieder bewiesen hat. Für mitdenkende Zuschauer ist zwar manches vorhersehbar, doch im Großen und Ganzen wird man doch von den Eskapaden der beiden Eheleute immer wieder auf’s Neue überrascht. Der Film selbst verwandelt sich mehrmals von einem Kriminalfilm in ein Beziehungsdrama bis hin zu einem Mordthriller. Das Ganze ergibt ein ziemlich fieses „Worst-Case-Szenario“ über die Schwierigkeiten einer Beziehung, wo es am Ende nicht mehr um Schuld geht, sondern darum, wer im Alltag der bessere Soziopath ist. Mit einer gehörigen Portion Zynismus vermittelt der Regisseur das Bild, dass man in einer Beziehung nie die ganze Wahrheit über seinen Lebensgefährten – dem man ja eigentlich alles anvertrauen können sollte – wissen wird und besser auch gar nicht wissen sollte. Er schafft eine Fallstudie über einen Mann, der sozusagen auf dem schmalen Grat zwischen Glück und Elend balanciert. Der schöne Schein muss unter allen Umständen nach außen hin aufrechterhalten werden, während dahinter die Hölle los ist. Beim Anschauen des Filmes fragte ich mich so, bei wievielen Ehen das wohl traurige Realität sein mag.

Natürlich ist der Film bestimmt nicht zu 100% realistisch, doch das muss er auch gar nicht. Die Schauspieler und besonders Ben Affleck, der hier ausnahmsweise mal eine gute Leistung abliefert, wirken sehr überzeugend und spielen ihre Rollen ganz hervorragend. Untermalt wird das ganze noch mit einem für David Fincher typischen, kräftigen Soundtrack. Und was für mich auf jeden Fall realistisch dargestellt worden ist – Fincher erlaubt sich hier einen kleinen Seitenhieb – ist die Darstellung des hysterischen Medienmobs, der Nick auseinandernehmen will, sobald er einmal im Fokus der Ermittlungen steht. Dieser „Sensationsjournalismus“ ist tragischerweise auch in der Realität weit verbreitet und leider gibt es Leute die so etwas noch unterstützen, da sie regelrecht sensationsgeil und möglicherweise auch voyeuristisch veranlangt sind. Der Journalist von heute kann ja praktisch alles schreiben was er will – er kann zwar dafür rechtlich belangt werden, doch gedruckt ist gedruckt und Papier ist geduldig, wie man so schön sagt.

Doch zurück zum Film: Wenn mehr von solchen Filmen neu erscheinen würde, könnte ich guten Gewissens wieder öfter in’s Kino gehen, ohne mich hinterher zu ärgern und enttäuscht zu sein. Aber ich bin gespannt und bemüht optimistisch, was das Kinojahr 2015 so alles hervorbringen wird 😉

*

Fazit: Wer David Fincher kennt und schätzt kommt nicht an diesem Film vorbei. Und für alle, bei denen das nicht der Fall ist: schaut ihn euch an und bildet euch selbst eine Meinung. Solche brillianten Filme sind selten! Unbedingte Guck-Empfehlung!

© 2015 Lucas Dämmig

Videodrome (1983)

1983_videodrome

Originaltitel: Videodrome
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Kamera: Mark Irwin
Musik: Howard Shore
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: James Woods, Deborah Harry, Jack Creley, Leslie Carlson
Genre: Science-Fiction
Produktionsland: Kanada, USA
FSK: ab 18 Jahren (indiziert)

*

Auf der Suche nach immer neueren und extremeren TV-Formaten stößt Max Wren, der Programmchef eines Kabelfernsehsenders, auf eine mysteriöse Sendung namens Videodrome, welche Folter und Mord beinhaltet. Wren ist begeistert, sieht eine neue Chance, Kunden zu gewinnen, und will mehr über Videodrome erfahren. Doch Videodrome übersteigt nicht nur seine Vorstellungskraft, sondern hat auch die Macht, die Realität auf groteske Art und Weise zu verändern ……

*

Welche Filme gibt es, in denen ein Film und dessen Betrachtung böse Wirkung haben? Der durchschnittliche Kinogänger würde jetzt wahrscheinlich The Ring oder Scary Movie nennen. Doch die Idee dazu ist keineswegs erst vor kurzem aufgetaucht. Schon in den frühen 80er Jahren hat sich der kanadische Kultregisseur David Cronenberg mit diesem Thema auseinandergesetzt. Und das auf ziemlich beeindruckende Weise.

Tag für Tag werden die meisten Menschen manipuliert. Oft, ohne das sie sich dessen überhaupt bewusst sind. Wodurch? Natürlich durch das Fernsehen. Sensationsgier und Voyeurismus treibt die Konsumgesellschaft von heute an, sich immer hirnlosere und extremere Sachen anzusehen und ernsthaft darüber zu diskutieren. Wer wie ich keinen Fernsehanschluss hat und den Fernseher nur dazu benutzt, um DVD’s zu sehen, ist noch in der Minderheit.  Viele mögen das zwar anders sehen, doch dies ist meine Sichtweise des Themas. Und genau das wird auch in Videodrome thematisiert.

Sex sells – und Gewalt bestimmt erst recht, denkt sich der Programmdirektor im Film und steht damit stellvertretend für Produzenten und Fernsehanstalten heute. Doch ganz so schlimm wie in Videodrome dargestellt ist es zum Glück nicht. Cronenberg stellt in seinem Film jedoch eine solche möglich Welt gekonnt dar und stellt die alte Frage über den Einfluss der Medien erneut. Besonders die Sehnsucht nach Gewalt wird in dem Film kritisch aufgegriffen. Videodrome tritt in die Fußstapfen von Cannibal Holocaust, einer der wohl berühmt-berüchtigtesten Filme dieser Art, der seine Gewaltdarstellungen in ein medienkritisches Gewand verpackte („Ich frage mich, wer die echten Kannibalen sind?“).  Auch ist er Vorreiter von Filmen wie Running Man oder A Hole In My Heart, die sich ebenfalls kritisch mit medialisierter Gewalt auseinandersetzen. Diese Darstellung war schon 1983 nicht allzu realitätsfern, doch heute ist sie realer als je zuvor. Duch das Internet sind solche Inhalte oft nur ein paar Klicks entfernt.

David Cronenberg hat mit Videodrome einen derart intensiven Film geschaffen, dass man blind sein muss, um an seiner Klasse als Regisseur zu zweifeln. Die beabsichtigten Effekte und Denkanstöße treffen genau in’s Schwarze. Jedoch geht es hier nicht pauschal darum, den Medien und insbesondere dem Medium Fernsehen die Schuld in die Schuhe zu schieben, sondern es wird die Symbiose von Medium und Mensch behandelt. Der Mensch ist oft von den Medien abhängig, was umgekehrt genauso gilt, denn wenn es keiner sehen wöllte, käme auch kein Sender auf die Idee, weiterhin zu senden. Und Videodrome setzt noch eins drauf: Hier geht es nicht nur um die Wechselwirkung zwischen Mensch und Medium, sondern Cronenbergs Werk wird hier in seiner unnachahmlichen Art und Weise zum sogenannten „Körperhorror“. Wie schon in Die Brut oder eXistenZ kommen hier groteske körperliche Veränderungen und Mutationen in’s Spiel. Funkioniert das? Auf jeden Fall! Der Horrorbeigeschmack nimmt dem Thema etwas von seiner Schärfe. Der Regisseur vermengt einmal mehr die reale und die virtuelle Welt und schafft daraus eine erschreckende Mischung. Diese trifft sicherlich nicht alle Geschmäcker. Dafür ist sie einfach zu sperrig und zu unberechenbar. Auch wird der Zuschauer oftmals ziemlich im Dunkeln gelassen und muss selbst deuten, was er sieht. Hören kann er jedenfalls den dazu passenden, albtraumhaften Score des Starkomponisten Howard Shore. Im Großen und Ganzen bekommt man hier einen interessanten Film geboten, der provokant, nachdenklich stimmend und seiner Zeit weit vorraus ist.

*

Fazit: Angesichts heutiger Errungenschaften wie dem Internet mag Videodrome mit seiner Röhrenfernseherwelt etwas retro wirken. Wer weiß, was Cronenberg heute drehen würde, würde er sich medienkritisch mit dem Internet auseinandersetzen? Das Thema ist trotzdem hochaktuell. Es geht hier im speziellen nicht um die Medien an sich, sondern um die ungefragte Bereitschaft vieler Menschen, einfach alles ohne Rückfragen zu konsumieren. Sicherlich wird das hier in einer sehr krassen Form dargestellt, doch wer weiß, was die Zukunft bringt. Ob nun Occulus Rift oder Android Wear – die Vernetzung von Mensch und medialer Technik schreitet heute immer schneller voran. Es bleibt abzuwarten ob das nun Segen oder Fluch ist. So grotesk wie in Cronenbergs Horrorvision wird es zwar wohl nicht und vielleicht hat der „Mensch 2.0“ ja wirklich Zukunft. Abschließend bleibt nur noch die Worte von Max Wren am Ende des Filmes zu wiederholen: „Lang lebe das neue Fleisch!“

© 2015 Lucas Dämmig

Der Tod weint rote Tränen (2013)

2198

Originaltitel: L’estrange couleur des larmes de ton corps / The Strange Colour Of Your Body’s Tears
Regie: Hélène Cattet, Bruno Forzani
Drehbuch: Hélène Cattet, Bruno Forzani
Kamera: Manuel Dacosse
Musik: Yves Bemelmans, Mathieu Cox
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Klaus Tange, Ursula Bedena, Joe Koener, Hans de Munter, Birgit Yew, Anna D’Annunzio, Jean-Michel Vovk
Genre: Horror, Kunstfilm
Produktionsland: Belgien, Frankreich, Luxemburg
FSK: ab 16 Jahren

*

Als Dan Kristensen von einer Geschäftsreise nach Brüssel heimkehrt, stellt er mit Erschrecken fest, dass seine Ehefrau verschwunden zu sein scheint, obwohl die Wohnungstür bei seiner Ankunft von innen verriegelt war. Hat sie ihn verlassen? Oder ist es zu einem Verbrechen gekommen? Im Haus kann ihm niemand weiterhelfen, bis er auf eine Nachbarin trifft, die ebenfalls ihren Ehepartner vermisst. Als am nächsten Tag ein gewisser Kommissar Vincentelli vor Dans Tür steht, geraten die Ereignisse auf immer erschreckendere Bahnen und bald befindet sich Dan auf einer albtraumhaften Reise, während sich die Grenze zwischen Realität und Einbildung langsam aufzulösen scheint…

*

Er ist endlich da! Seit Wochen habe ich auf diesen Film gewartet. Schon von dem vorherigen Film des Regieduos Amer war ich ziemlich begeistert und bin so mit großen Erwartungen an diesen Film herangegangen. Ich wurde nicht enttäuscht.

Wie schon sein Vorgänger ist dieser Film ein einziger visueller Rausch mit den markantesten Attributen seines Vorbild-Genres – des italienisches Gialli – gewürzt. Das Ergebnis ist ein Experimentalfilm mit Horrorflair der wie bei Amer hauptsächlich über Bilder und Töne funktioniert. Es ist zwar eine Handlung vorhanden, doch muss man die gezeigten Szenen genau verfolgen, um nicht den Faden zu verlieren. Denn Worte fallen in diesem Film kaum. Doch die mehr als beeindruckenden Bilder, die atmosphärische Soundkulisse und die tollen Schauspieler lassen diese auch nicht vermissen. Außerdem hat das Regieduo zusätzlich noch mit vielen Effekten gearbeitet, um mit dem Spiel von Licht und Schatten, kaleidoskopartigen Wirbeln, extremen Close-Ups, Splitscreens und noch vielem mehr den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Bei mir ist ihnen das definitiv gelungen.

Das ist wieder so ein Film, den man nicht einfach so nebenbei schauen kann. Und ihn bei der ersten Sichtung gleich verstehen zu wollen, ist wohl auch Utopie. Die Bilder strömen förmlich auf einen ein und es ist einem am Ende nicht so ganz klar, was man eigentlich gesehen hat. Deshalb ist esb meiner Meinung nach wichtig, den Film erstmal auf sich wirken zu lassen und nicht gleich auf die Replay-Taste zu drücken. Es ist natürlich leicht für Kritiker, so einen Film als „style-over-substance“ zu bezeichnen. Doch in Zeiten, wo das Horror-Genre fast nur noch aus streng wirtschaftlich kalkulierten Spin-Offs, Remakes und berechenbaren Handlungen besteht, wirkt so ein Film richtig erfrischend. Natürlich handelt es sich hier nicht um einen konventionellen Horrorfilm, doch bei einigen Stellen kommt man doch in’s Gruseln.

Leider wird der Film jedoch auch von ein paar Längen geplagt. Die vielen verschachtelten Geschichten innerhalb der Geschichte sind etwas ermüdend. Die Filme der beiden Franzosen erinnern mich bist jetzt ein wenig an den argentinischen Regisseur Gaspar Noé. Und obwohl mit Der Tod weint rote Tränen eindeutig ein Hommage an ein bestimmtes Genre vorliegt, wird hier nichts per Strichliste abgearbeitet, sondern dem aufgeschlossenen Publikum etwas Eigenständiges vorgesetzt. Die Regisseure präsentieren ihr Werk als verworrenes, doch atmosphärisch brilliantes, Puzzlespiel. Doch gerade seine Verworrenheit kommt dem Film zugute. Es wäre doch zu schade gewesen, diese tolle Antmosphäre, die sich im Laufe des Filmes aufbaut, am Ende einer banalen Auflösung zu opfern.

*

Fazit: Ist es heutzutage eigentlich noch möglich, das Publikum zu überraschen, das gerade im Bereich des Thrillers schon alles Erdenkliche gesehen haben dürfte? Mit diesem Film scheint die Antwort „Ja“ zu lauten. Beide Regisseure legen ihren Fokus hier zwar eher auf die Inszenierung als auf die Story, doch das macht den Film erst zu einem unvergesslichen Erlebnis. Ich werde ihn mir bestimmt noch öfters ansehen.

© 2015 Lucas Dämmig

Der Spiegel (1975)

Originaltitel: Зеркало
Regie: Andrei Tarkowski
Drehbuch: Alexander Mischarin, Andrei Tarkowski
Kamera: Georgi Rerberg
Musik: Eduard Artemjew
Laufzeit: 108 Minuten
Darsteller: Margarita Terechowa, Nikolai Grinko, Oleg Jankowski, Filipp Jankowski, Ignat Danilzew
Genre: Drama, Kunstfilm
Produktionsland: Sowjetunion
FSK: ab 12 Jahren

*

Alexei hat sich von seiner Frau Natalja getrennt und fragt den gemeinsamen Sohn Ignat, bei wem er leben möchte. Natalja sieht in Alexeis Kindheitserinnerungen aus den 30er Jahren genauso aus wie seine Mutter Maria. Alexei philosophiert in einem Gemisch aus geträumter und realer Erinnerung über sein Leben, geprägt von historischen Ereignissen …

*

Keine Zeit haben. Wem kommt das nicht bekannt vor? In unser schnellebigen Zeit beklagen sich tagtäglich sicher mehr als genug Menschen darüber, keine Zeit zu haben. Eine ganz eigene Interpretation von Zeit präsentiert Tarkowski uns hier in seinem Werk Der Spiegel. Bevor man sich den Film jedoch zu Gemüte führt, ist es wichtig zu wissen, dass es in demselben keinerlei chronologische Erzählweise gibt, und man streckenweise auch den roten Faden, der sich durch so ziemlich jeden Film zieht, vermisst. Je nachdem, wie man den Film interpretiert, hat der Zuschauer am Ende garantiert noch einige offene Fragen. Dieser Film gilt zurecht als Tarkowskis unzugänglichstes Werk. Doch gerade das macht ihn für mich interessant. Ich liebe Filme, bei denen man nachdenken muss, und die einem eine relativ frei interpretierbare Handlung bieten.

Der Spiegel folgt jedoch keiner dramatischen Handlung sondern besteht eher aus einer Reihe von Gedanken, die auf Film gebannt wurden. Wichtige Momente der Weltgeschichte vermischen sich mit autobiografischen  Erinnerungen und Träumen. Auffällig ist, dass Nebenfiguren sich immer wieder in kurzen Auftritten über die Hast um sie herum beklagen. Doch der Protagonist Alexei fragt ahnungslos nach der Uhrzeit, es scheint als hätte Zeit für ihn keine Bedeutung. Es ist ein bisschen wie in einer Parabel von Kafka. Eine mögliche Aussageabsicht der Szene könnte sein, das man im Leben immer nur Dingen hinterher läuft, von einer Sache zur anderen hastet, rastlos nach einem Weg sucht und somit keine Zeit für spätere Erinnerungen und/oder Träume hat. Vielleicht ist es eine Aufforderung, sich die Zeit zu nehmen und sich mal umzusehen. Im Verlauf dieser Rezension werde ich darauf zurückkommen.

Nach der ersten und zweiten Sichtung des Filmes wurde zumindest ich etwas ratlos zurückgelassen. Bei mir entstand ein Eindruck der Willkür, mit dem die Szenen aneinander gereiht sind. Doch nach der dritten Betrachtung konnte ich eine Art System erkennen. Zunächst gibt es die filmische Gegenwart (in Farbe), die sich um die Hauptfigur Alexei dreht. Dann die Rückblenden, hauptsächlich bestehend aus Alexeis Kindheitserinnerungen (in Sepia). Desweiteren gibt es traumartige Sequenzen und schließlich immer wieder eingeflochtene dokumentarische „Wochenschau“-Rückblenden (in Schwarz-Weiß) aus verschiedenen Ländern. Dadurch entsteht eine Art träumerischer Rhytmus, den Tarkowski vor allem dadurch erreicht, dass die Szenen der filmischen Gegenwart mit den gleichen Bildern oft in die Traumsequenzen hinübergleiten und somit erlebte und geträumte Wirklichkeit schwer auseinanderzuhalten ist.  „Alle sind unsterblich, alles ist unsterblich… das Zukünftige geschieht schon jetzt.“ Mit dieser aus dem Off rezitierten Strophe aus einem Gedicht von Tarkowskis Vater Arseni (der ein großer russischer Dichter war) wird das Ganze kommentiert. Auch davon, dass „alles schonmal dagewesen ist“ wird gesprochen. Jedoch trägt dies nichts zum besseren Verständnis des Filmes bei, sondern verwirrt meiner Meinung nach nur. Die zitierten Strophen sind nichts weiter als eine Form der Kunst – ein Merkmal der Erhabenheit über die Zeit. Kunst kann Jahrtausende überdauern. Wir Menschen nicht.

Als ob das noch nicht kompliziert genug wäre, hat Tarkowski auch noch Alexeis Frau und die junge Version seiner Mutter sowie Alexeis Sohn in der Gegenwart und den jungen Alexei der Erinnerung mit den gleichen Schauspieler besetzt. „Das einzige, was deine Mutter braucht, ist, dass du wieder zum Kind wirst, das sie auf Händen tragen kann“, sagt Natalja zu Alexei. Freud hätte seine helle Freude daran gehabt. Doch das ist ganz im Sinne des Erfinders, wie man so schön sagt. Die Gegenwart und die Erinnerung laufen ineinander, genauso wie die kollektive Geschichte die persönliche von Tarkowski wiederspiegelt (wir erinnern uns, der Film enthält autobiografische Elemente). Zusätzlich inszenierte Tarkowski als zentrales Motiv immer wieder die Natur mit ihren Elementen als das über die Zeit erhabene, wonach Alexei zu suchen scheint, aber auch als „dunklen Wald“, der womöglich die Unsicherheit des Lebens darstellen soll.

Am Anfang des Filmes sagt ein geheilter Stotterer: „Ich kann sprechen.“ Ist das vielleicht ein Symbol dafür, in den Spiegel zu blicken, zu reflektieren aber auch den „dunklen Wald“, also das Leben/Sterben, selbst zu erkunden? Der Spiegel könnte somit ein Film sein, der am Ende eines Lebens – oder in seiner Mitte – an einem vorbeizieht. In der kritischen Zone der Lebensmitte zum Beispiel (auch Midlife-Crisis genannt) versuchen viele, eine neue Wegfindung durchzuführen. Aber gleichzeitig muss man auch durch den „dunklen Wald“ – durch seelische Krisen und dergleichen gehen. “Mittwegs auf unseres Lebens Reise fand in finsteren Waldes Nacht ich mich verschlagen, weil mir die Spur vom geraden Wege schwand” sinnierte einst ein sehr berühmter Dichter. Jedoch bleibt die Deutung des Filmes wohl jedem selbst überlassen. Für mich ist Der Spiegel ein faszinierendes Bilderrätsel. Tolle Kamerafahrten, lange Einstellungen, die Verwendung akustischer Effekte und sehr gute Schauspieler – all das was ich von Tarkowski schon gewohnt war, hat er hier zur Perfektion gebracht.  Sicher bleibt einem der Film trotz der Erklärungsversuche ein bisschen verschlossen und schwer zugänglich, fast wie ein Labyrinth. Der Zuschauer verliert sich leicht darin und macht das, was ein Zuschauer hauptsächlich tun sollte – zuschauen.

*

Fazit: Ein eigenwilliges und visionäres Experiment. Anders wüsste ich den Film nicht zu beschreiben. Nichts für zwischendurch, aber für mich war es eine neue Erfahrung 🙂

© 2015 Lucas Dämmig

Virtual Nightmare – Open Your Eyes (1997)

virtunig

Originaltitel: Abre los ojos
Deutscher Titel : Virtual Nightmare – Open Your Eyes / Öffne die Augen
Regie: Alejandro Amenábar
Drehbuch: Mateo Gil, Alejandro Amenábar
Kamera: Hans Burmann
Musik: Alejandro Amenábar, Mariano Marín
Laufzeit: 114 Minuten
Darsteller: Eduardo Noriega, Penélope Cruz, Fele Martínez, Najwa Nimri, Gérard Barray, Tristán Ulloa, Chete Lera
Genre: Thriller
Produktionsland: Spanien, Frankreich, Italien
FSK: ab 16 Jahren

*

Cesar hat alles, was als Ideal angesehen wird: Er ist reich, charmant und attraktiv. Doch in einer Nacht ändert sich sein Leben von Grund auf: Nach einem Treffen mit der schönen Sofia hat er eine fatale Begegnung mit seiner Ex-Freundin Nuria. Ihr Streit endet tödlich – bei einem Unfall kommt Nuria ums Leben und Cesar wird entstellt. Erst im Gefängnis einer geschlossenen Psychiatrie wacht er wieder auf – als angeblicher Mörder! Cesar kann sich an nichts erinnern. Warum trägt er eine Maske? Warum lebt Nuria plötzlich wieder? Hat er wirklich einen Mord begangen? Zusammen mit einem Psychologen sucht Cesar in seiner paranoide Psyche nach einer Antwort. Doch der Albtraum hat gerade erst begonnen…

*

„Virtual Nightmare“ ist ein Film gewordenes Verwirrspiel um Fiktion und Realität. Was ist Traum und was ist Wirklichkeit? Wenn man das nicht mehr unterscheiden kann, ist das ziemlich problematisch. Dem jungen Hauptprotagonisten namens Cesar in diesem Film  passiert genau das. Der Film ist so etwas wie eine moderne Mischung aus „Die Schöne und das Biest“ und „12 Monkeys“. Ich fand den Film sehr spannend. Da mir die Geschichte aber irgendwie bekannt vorkam, habe ich etwas recherchiert und herausgefunden, dass 2001 ein Hollywood-Remake des Films namens „Vanilla Sky“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle gedreht wurde. Mir gefällt das Original aber deutlich besser, weil es atmosphärisch dichter ist.

Das liegt meiner Meinung nach an dem äußerst komplexen Drehbuch, wo der Zuschauer sich ständig unsicher ist und fast nie genau weiß, was Traum und was Realität ist. Dieser Effekt wird durch die ständig wechselnden Raum- und Zeitebenen noch verstärkt. Wenn man gerade glaubt, etwas verstanden zu haben, wird diese Gewißheit im nächsten Moment wieder zerstört. Was mir gut gefallen hat ist die Drehkulisse. Da der Film größtenteils in Madrid gedreht wurde, kann man die tolle Architektur bewundern. Doch noch mehr habe ich den Film bewundert. Warum?

Nun, der Film beginnt fast wie eine Liebesgeschichte. Das einzige Merkmal, dass etwas nicht stimmen könnte, ist eine Szene gleich zu Anfang des Filmes. Cesar wacht zweimal auf – einmal im Traum und einmal in der Wirklichkeit. „Öffne deine Augen“ erklingt es. Er steht auf, zieht sich an, tritt durch die Tür. Da er reich ist und außerdem ein Frauenheld, scheinen ihm alle Wege offenzustehen. Der Unfall ist dann der Wendepunkt des Filmes. Er scheint alles zu verändern. Seine Ex-Freundin ist tot, er selbst überlebt mit entstelltem Gesicht, das aussieht wie Frankenstein. Die Ärzte machen ihm wenig Hoffnung, wieder so auszusehen wie vor dem Unfall. In völliger Verzweiflung betrinkt er sich und damit beginnt ein Horrortrip. Der Regisseur steigert die Vermischung von Realität und Wahn bis zum äußersten. „Virtual Nightmare“ durchstreift dabei mehrere Genres und lässt bis zum Schluss alle Fragen von Schein und Sein, Wirklichkeit und Einbildung offen. Dem Betrachter scheinen sich mehrere Lösungen zu bieten.

Der Schluss des Filmes löst schließlich die Geschichte auf. Am Ende vermutet man schon immer mehr die naheliegende Lösung, doch die letzte Szene ist keineswegs eindeutig. Geht da gerade ein Alptraum zu Ende? Oder geht der Alptraum weiter, aber der Film endet? Der Regisseur wollte damit wahrscheinlich bezwecken, dass der Zuschauer die Geschichte im Kopf selbst weiterspinnt. Er entlässt uns unsicher und mit der Hoffnung, alles könne nur ein Alptraum im Traum gewesen sein.

*

Fazit: Ein richtig guter Film meiner Meinung nach! Sehr gute Schauspieler, eine tolle audiovisuelle Leistung und eine spannende Story. Was will man mehr?

© 2015 Lucas Dämmig

Montana Sacra – Der heilige Berg (1973)

montana-sacra-der-heilige-berg-1973

Originaltitel: The Holy Mountain
Regie: Alejandro Jodorowsky
Drehbuch: Alejandro Jodorowsky
Kamera: Rafael Corkidi
Musik: Don Cherry, Ronald Fangipane, Alejandro Jodorowsky
Laufzeit: 114 Minuten
Darsteller: Alejandro Jodorowsky, Horácio Salinas, Juan Ferrara, Adriana Page, Burt Kleiner u.v.m
Genre: Kunstfilm, Experimentalfilm
Produktionsland: Mexiko/USA
FSK: ab 18 Jahren

*

Als ein Dieb einen hohen Turm erklimmt, trifft er dort in einem riesigen Regenbogenzimmer auf einem Alchemisten. Dieser ist im Begriff eine Gruppe von Leuten um sich zu versammeln, um sich auf die Reise zum „heiligen Berg“ zu machen. Dieser Berg soll das Geheimnis der Unsterblichkeit bergen. Begleitet werden sie von einer siebenköpfigen Gruppe. Jeder von ihnen muss sein Ego aufgeben, um das Geheimnis des Berges ergründen zu können …

*

Wow! Was war das denn? Ist das Kunst oder kann das weg? Auf der Suche nach dem Extremen bin ich auf diesen Film gestoßen. Also ich habe ja schon einige verstörende und/oder surreale Filme gesehen aber sowas noch nie.  Die Story ist eigentlich schnell erzählt – und doch wieder nicht! Doch bevor ich über die Story berichten gilt es vorher einiges wissenswertes über den Regisseur zu erfahren der dieses „Kunstwerk“ auf die Beine gestellt hat.

Alejandro Jodorowsky ist für mich einer der schrägsten Regisseure aller Zeiten. Sein künstlerisches Schaffen zu beschreiben ist nicht einfach, denn es gibt kaum etwas, das dieser Mann nicht gemacht hat. Er ist Schriftsteller, Dichter, Musiker, arbeitete an mehreren Comics, inszenierte Theaterstücke und ist Regisseur von Filmen gewesen, bei denen man sich kaum vorstellen kann, dass es Leute gab, die diese finanziell unterstützten. Es sind Filme, die sich nicht nur weit abseits vom Mainstream bewegen, sondern Jodorowsky erschuf mit seinen Arbeiten fast so etwas wie ein neues Genre. Da seine Filme meist im höchsten Maße surrealistisch sind, kann man oft nur schwer verstehen, was Jodorowsky einem wirklich erzählen möchte. Seine Hauptcharaktere sind meist Außenseiter und die Welt, in der sie leben, gleicht einem verrückten Labyrinth.

Auch die Enstehungsgeschichte des Filmes ist ziemlich spektakulär. So soll Alejandro Jodorowsky mehrere Tage vor Drehstart ohne Schlaf unter der Aufsicht eines Zen-Meisters verbracht haben und das Drehbuch unter dem Einfluss von LSD geschrieben haben. Außerdem soll er mehrere Wochen lang mit der Crew des Filmes in einer Art Kommune gelebt haben, wo die Schauspieler ebenfalls unter Einfluss von Drogen spirituelle Erfahrungen machen sollten. Doch genug der Vorabinformationen, jetzt will ich versuchen, den Film zu beschreiben.

Es fällt mir nicht leicht, den Film irgendeinem bekannten Schema zuzuordnen. Dazu ist er viel zu ungewöhnlich. Wenn man sich den Trailer ansieht, ahnt man schon, warum dieser Film eigentlich außerhalb jeder Kritik steht. Ihn als eine „traumartige Reise“ oder einen „Trip“ zu bezeichnen ist noch nett gemeint. „Der heilige Berg“ ist unkonventionell und ohne Zweifel mutig. Einige Dinge, die dieser Film zeigt, könnte man heute so nicht mehr drehen. Auch wie der Film mit einigen anderen Dingen umgeht, wäre heutzutage undenkbar. Obwohl „Der heilige Berg“ immer wieder Elemente enthält, die man als zynische Satire und Gesellschaftskritik auffassen kann, wird bis zum Schluß nie wirklich klar, was der Regisseur uns eigentlich sagen will, ob er nun ein Thema behandelt oder mehrere.

Auf jeden Fall präsentiert Jodorowsky mit diesem Film ein äußerst skurilles und kontroverses Szenario und lässt dabei teils radikale Anspielungen auf Kirche, Sexualität und Gewalt erkennen. Es ist schon ein gehöriger Spagat zwischen Genialität und dem puren Wahnsinn  den ich mir da angesehen habe und der mich mit völlig gemischten Gefühlen zurückgelassen hat. Mehrmals war ich kurz davor auszuschalten. Aber das Ende fand ich gut! 🙂

*

Fazit: Das ist so einer der Filme, bei denen es unglaublich stark auf den eigenen Geschmack ankommt. Ich könnte es durchaus verstehen, wenn manch einer die DVD nach spätestens 10 Minuten stoppt. Ich glaube, man sollte bei diesem Film nicht unbedingt nach logischen Erklärungen oder dem eigentlichen Sinn der Abläufe suchen, sondern vielmehr die gewaltige Bildsprache des Szenarios auf sich wirken lassen. Denn bildgewaltig ist der Film allemal, das muss man ihm lassen. Ich bin mir trotzdem nicht sicher, ob ich den Film jemals wieder ansehen werde oder ob ich ihn guten Gewissens weiter empfehlen kann. Ist das Kunst oder kann das weg? Ich weiß es nicht.

© 2015 Lucas Dämmig

Und Nietzsche weinte (2007)

UndNietzscheweinte-Cover-182642

Originaltitel: When Nietzsche Wept
Regie: Pinchas Perry
Drehbuch: Irvin D. Yalom (Novelle), Pinchas Perry
Kamera: Georgi Nikolov
Musik: Sharon Farber
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Armand Assante, Ben Cross, Katheryn Winnick, Michal Yannai, Jamie Elman
Genre: Drama
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

*

Der angesehene Wiener Arzt Dr. Josef Breuer wird während eines Aufenthalts in Venedig von der jungen Russin Lou Salomé darum gebeten, den Philosophen Friedrich Nietzsche zu behandeln, der seit der Trennung von Lou in Depressionen versinkt und sich mit Selbstmordabsichten trägt. Breuer willigt ein und versucht Nietzsche mit einer von ihm entwickelten Redekur zu heilen, ohne dass dieser etwas davon merkt. In den therapeutischen Gesprächen mit Nietzsche wird Breuer aber mehr und mehr selbst zum Patienten. Der Psychologe gibt zu, dass er von seiner ehemaligen Patientin Bertha besessen ist und davon fantasiert, seine Frau Mathilda deshalb zu verlassen. Breuer sucht Rat bei seinem jungen Freund und Kollegen Sigmund Freud …

*

Der Film „Und Nietzsche weinte“ beruht auf dem gleichnamigen Roman von Irvin D. Yalom aus dem Jahr 1994. Der Autor gehört zu den einflussreichsten Psychoanalytikern in den USA. So mag sich Yalom vielleicht gedacht haben, was wohl naheliegender wäre als über seinen Beruf einen Roman zu verfassen und darin längst verstorbene Kollegen auftreten zu lassen. Wie es wirklich dazu kam, dass der Roman geschrieben wurde, weiß ich nicht, aber jedenfalls ist das Thema der Psychoanalyse rund um Breuer und Freud sowie Nietzsches Theorien für mich sehr interessant und deshalb war ich ziemlich gespannt, als ich den Film entdeckte. Das zugrundeliegende Buch habe ich noch nicht gelesen, jedoch werde ich es höchstwahrscheinlich bald lesen.

Was lässt sich nun über diesen Film sagen, da ich ihn so unvoreingenommen beurteilen kann? Nun, ich hatte mir ein wenig mehr erhofft. Es sei verraten, dass der Film reale Fakten mit Fiktion vermischt und so keinen Anspruch auf völlige historische Korrektheit erheben kann. Die Handlung selbst spielt im Jahre 1882 in Wien. Dementsprechend ist die Kulisse recht eindrucksvoll. Was man von den Figuren und der Handlung nicht eben behaupten kann. Da „Und Nietzsche weinte“ ein Independet-Film ist, will ich nicht ganz so hart sein, doch bei dem Versuch, die komplexe Psyche des großen Denkers in Bildern und Dialogen einzufangen, scheitert Regisseur und Drehbuchautor Pinchas Perry fast durchgehend. Nietzsche und Breuer mögen zwar Exzentriker gewesen sein, doch eine glaubhafte Umsetzung dessen gelingt hier nicht. Stattdessen wirken die Figuren stark überzeichnet. Die vielen zusammengeschnittenen Traumszenen, die einige psychische Zustände und Gefühlslagen der Protagonisten verdeutlichen sollen, wirken viel zu oberflächlich. Tiefgreifende Dialoge sucht man hier vergeblich. Dafür wird viel aus Nietzsches Werken zitiert. Ich bezweifle aber, ob die Schauspieler wirklich den Sinn des zitierten verstanden haben oder einfach nur Stumpf ihren Text aufgesagt haben. Ich tippe auf letzteres.
*
Fazit: Eine Literaturverfilmung, die kein Mensch braucht, mit einem Wort: Enttäuschend. Bestenfalls ein B-Movie. Er lebt von überzogenen Figuren, schlecht harmonierenden Schauspielern und unfreiwilliger Komik. Nietzsche hätte sich die Haare gerauft. Ich hoffe das Buch ist besser

 © 2015 Lucas Dämmig