Unruhe (2020)

Originaltitel: Unruhe
Regie: Marcello Filippelli
Drehbuch: Marcello Filippelli
Kamera: Simon Menrath
Musik: Arkadius Sojka
Laufzeit: 10 Minuten
Darsteller: Peter Skoda, Xenia Kitzmann, Mia Filippelli
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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In einer Gesellschaft voller Druck und vermeintlich wichtigen Zielen wird das Wichtige im Leben immer mehr zurückgedrängt. Zeit und ständige Verfügbarkeit über Mobiltelefone werden zum wichtigsten Gut für viele Menschen! Doch was bleibt, wenn sich der Sturm dieses Leistungsdrucks gelegt hat und man erkennt, was wirklich zählt im Leben?

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Es gibt Filme, die einen sprachlos machen, die einem wahrscheinlich nie wieder aus dem Kopf gehen, weil sie unserer Gesellschaft einen Spiegel vors Gesicht halten und zeigen, wie wichtig bestimmte Dinge im Leben sind. „Unruhe“ von Marcello Filippelli ist so ein Film, und das auch noch, obwohl es sich hier sogar „nur“ um einen Kurzfilm handelt. Filippelli packt in seine Bilder so viele Emotionen hinein, das man fast platzt. Unterstrichen wird das Ganze von einem unglaublich intensiven, schönen, traurigen, melancholischen Score von Arkadius Skoja, der einem das Herz zerreißt. Diese Musikuntermalung ruft eine Atmosphäre hervor, die zwischen unerträglicher Sehnsucht und eindringlicher Melancholie schwankt und den Zuschauer unweigerlich in de Gefühlswelt des Protagonisten mitnimmt. Es ist so intensiv, was in diesen zehn Minuten passiert.

Schauspielerisch ist es eine wahre Wonne, diesen drei Personen zuzusehen. Peter Skoda, der bereits in Filippellis Kurzfilm „Das Unternehmen“ absolut überzeugen konnte, macht auch hier eine unglaublich gute und überzeugende Arbeit. Jede seiner Handlungen und auch seine Emotionen sind glaubwürdig. Ebenso Xenia Kitzmann als Ehefrau. Auch wenn sie nicht so oft im Bild erscheint, so spielt sie ihre Rolle optimal. In ihrer Zurückhaltung spiegelt sich ein Schmerz wider, der wehtut. Überhaupt ist das ganze Szenario angelegt wie ein (Alb)Traum, aus dem keiner der Protagonisten entkommt. Und die Tochter des Regisseurs, Mia Filippelli, verdient ein großes Lob für ihre erste Rolle, die sie souverän meistert. Auch wenn sie nicht oft zu sehen ist, so erinnert man sich dennoch an ihre Auftritte.
Doch was jetzt vielleicht wie eine deprimierende Fahrt in die Emotionen eines Vaters klingt, entwickelt sich auch zu einem hoffnungsvollen Aspekt, der mir noch im Nachhinein einen Schauer über den Rücken jagt. Ohne erhobenen Zeigefinger zeigt uns Regisseur Filippelli, auf was wir im Leben die Prioritäten legen sollten.

Zu guter Letzt muss ich nochmals auf den grandiosen Score von Arkadius Skoja kommen, der zusammen mit der einfühlsamen Regiearbeit und genialen Kameraführung, ein Gesamtbild erschafft, das ich in seiner Intensität wahrscheinlich wirklich nie wieder vergessen werde. Die Mischung aus Orchester und elektronischer Musik hat mich vollkommen mitgerissen und zusammen mit den Bildern und der Aussage des Films tief im Inneren bewegt. Der Kurzfilm hat mich sehr mitgenommen und am Ende habe ich Tränen vergossen. Man kann sich bei Marcello Filippelli nur bedanken für diesen Film, der einem die Augen öffnet und zum Nachdenken anregt. Für mich ist „Unruhe“ einer der besten Kurzfilme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Es sind perfekte zehn Minuten. Er fügt sich nahtlos in das bisherige beeindruckende Gesamtwerk des Regisseurs ein und zeigt wieder einmal, dass manchmal die besten Filme nicht von großen Studios kommen müssen.

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Fazit: Mitreißend, emotional, melancholisch und hoffnungsvoll. Einer der besten Kurzfilme des Jahres 2020.

©2020 Wolfgang Brunner

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