Der Schrecken der Medusa (1977)

medusa

Originaltitel: The Medusa Touch
Regie: Jack Gold
Drehbuch: John Briley
nach einem Roman von Peter Van Greenaway
Kamera:  Arthur Ibbetson
Musik: Michael J. Lewis
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Richard Burton, Lino Ventura, Lee Remick, Harry Andrews, Alan Badel, Jeremy Brett, Derek Jacobi, Gordon Jackson, Narie-Christine Barrault
Genre: Thriller, Mystery
Produktionsland: Großbritannien, Frankreich
FSK: ab 12 Jahre

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Der Schriftsteller John Morlar bring seit seiner Kindheit Unheil und Tod über Menschen, die ihn physisch und psychisch verletzen.Als der telekinetisch veranlagte Morlar  überfallen wird und nur knapp dem Tod entkommt, ermittelt Kommissar Brunel. Während er den Täter sucht, gerät Brunel immer mehr in einen mysteriösen Sog aus Horror und Katastrophen. Offensichtlich gehen diese Ereignisse vom klinisch toten Morlar aus,der in seinem Krankenbett dahinvegetiert und nur noch starke Gehirnaktivitäten zeigt.

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Es ist schon eine Zeit her, dass ich diesen Film gesehen habe. Ich hatte „Die Schrecken der Medusa“ als sehr guten Mystery-Thriller in Erinnerung und war daher absolut erstaunt, wie gut er mir heute noch gefiel. Ich muss zugeben, dass er mich sogar noch mehr begeistert hat wie anno dazumal. Die Atmosphäre dieses Films ist unglaublich intensiv. Hinzu kommt eine meisterliche Darstellung von Lino Ventura. Richard Burton, der sich damals bereits auf das Ende seiner erfolgreichen Karriere zubewegte, konnte mich lange nicht so überzeugen wie Ventura. Zu diesem Gespann gesellt sich dann noch Lee Remick, die in ihrer Rolle als Psychiaterin absolut überzeugen kann. „Die Schrecken der Medusa“ ist ein Film für genau diese Schauspieler, der davon lebt, wie diese Akteure in ihren Rollen aufgehen.

Die Mischung aus Kriminal-, Mystery-, Horror- und Katastrophenfilm ist derart gelungen, dass man sie nicht mehr so schnell vergisst. In dieser Art und Kombination dürfte „Der Schrecken der Medusa“ auch einmalig in der Filmbranche sein. Kongenial von der Musik Michael J. Lewis’ untermalt, versinkt der Zuschauer, sofern er sich auf das Szenario einlassen kann, in einem hypnotischen Strudel, der ihn bis zum Ende nicht mehr loslässt. Man fühlt sich bei einigen Szenen immer wieder mal an Richard Donners „Das Omen“ erinnert, aber Jack Golds Mysterythriller geht letztendlich dann doch einen vollkommen anderen Weg. Vor allem das kompromisslose Finale hat es in sich. Typisch für solcherart Filme wird hier ein Anti-Happy-End serviert, das man nicht mehr so schnell vergisst. Gold inszeniert dieses Szenario oscarreif und verbindet Effekte, beklemmende Einstellungen und den bereits erwähnten, mehr als passenden Score zu einem apokalyptischen Weltuntergang, der Gänsehaut beschert.

Mehrere Jahrzehnte sind seit der Veröffentlichung von „Die Schrecken der Medusa“ vergangen, der Film wurde zum wiederholten Mal im Fernsehen gezeigt und dennoch hat sich das Warten auf diese bearbeitete Version gelohnt. Der Film ist nach wie vor ein exzellent gespieltes und inszeniertes Weltuntergangsdrama, das als Kriminalfall beginnt und über telekinetischen Horror und Psychoterror zur Apokalypse führt. Dass der Thriller in die Jahre gekommen ist, sieht man unter anderem an der Kleidung der Darsteller, den Autos und den abgerundeten, altmodischen Fernsehgeräten. Doch genau dies versprüht in der heutigen Zeit einen unwiderstehlichen Charme. „Der Schrecken der Medusa“ ist beeindruckend, düster und mitreißend. Was will man mehr von einem Film?
Für mich ein Beweis, dass man früher auch schon gute, wenn sogar nicht manchmal bessere Filme als heutzutage, drehte.

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Fazit: Beeindruckender und äußerst atmosphärischer Genremix.

©2020 Wolfgang Brunner

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