The No Budget Passion Of The Christ (2019)

Passionchrist

Originaltitel: The No Budget Passion Of The Christ
Regie: Klaus Thiel-Klenner
Drehbuch: Klaus Thiel-Klenner
Kamera:  José Hidalgo
Musik: –
Laufzeit: 7 Minuten
Darsteller: Klaus Thiel-Klenner
Genre: Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.a.

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Die Geschichte der Kreuzigung einmal anders: aktuell, kritisch und dem Zeitgeist der Filmbranche angepasst …

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„The No Budget Passion Of The Christ“ ist eine gnadenlose, aber auch äußerst stimmige Abrechnung mit dem religiösen Glauben und den dazugehörigen Lehren. Thiel-Klenner, der mir bereits in gelungenen Independent-Filmen wie etwa „Z-Office“ oder „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ aufgefallen ist, hat mit diesem Kurzfilm einen äußerst intelligenten (und natürlich auch witzigen) Kurzfilm gedreht, der trotz alles Humors zum Nachdenken anregt. In erster Linie geht es um die von der Kirche und deren meisten Gläubigen praktizierende Homophobie, die Thiel-Klenner mit Witz, aber auch Eindringlichkeit kritisiert („Logisch ist das nicht. Und fair ist das auch nicht. Erst erschaffen und dann verbieten“). Er weist auf die schon lange nicht mehr zeitgemäßen Auslegungen der Heiligen Schrift hin und geht mit direkten Worten gegenüber den „Verantwortlichen“ zu Gericht. Es bleibt einem tatsächlich auch schon mal das Lachen in der Kehle stecken, wenn Thiel-Klenner gegen die Kirche „wettert“. Aber genau dieser harte Weg ist gut so, denn anders wird die Problematik und Sinnlosigkeit dieses Verhaltens nicht verstanden.

Aber es geht nicht nur um religiöse Aspekte, die Thiel-Klenner in seinem Kurzfilm behandelt. Er widmet sich auch den in den letzten Jahren aufgekommenen Hype um bombastische Spezialeffekte in Blockbustern, die so ziemlich jeden Film eines engagierten Filmemachers aus dem Rennen werfen. Der immer wiederkehrende Satz „das könne man nachher noch digital bearbeiten“ zeigt auf, wie wenig der Großteil der heutigen Filme noch mit wirklicher Schauspielkunst zu tun haben. Auch das macht nachdenklich und fordert geradezu heraus, sich nicht länger nur mit Millionen teuren Blockbustern zu beschäftigen, sondern sich auch einmal unabhängigen Low-Budget-Filmen (wie auch zum Beispiel „The No Budget Passion Of The Christ“ einer ist) zuzuwenden. Genau genommen ist dieser Kurzfilm eine Art Hilferuf, aber gleichzeitig auch eine Ode an echtes Schauspiel und Filmemachen. Je öfter ich mir diesen Kurzfilm ansehe, desto begeisterter bin ich zum einen von seiner Inszenierung und zum anderen von seiner Aussage. Und diese Statements in Form eines amüsanten Kurzfilms darzustellen ist genial.

Klaus Thiel-Klenner hat einen eigenen und besonderen Humor, mit dem man sich vertraut machen muss, um den Film auch richtig zu begreifen. Deshalb sollte man sich „The No Budget Passion Of The Christ“ auch nicht nur einmal ansehen und darüber urteilen, sondern sich das Vergnügen mehrmals gönnen, um auch alle Details zu bemerken. Der sympathische Schauspieler übernimmt Regie, Hauptrolle, Drehbuch und Produktion selbst, was wiederum zeigt, wie schwierig es heutzutage ist, etwas auf die Beine zu stellen, das sich nicht innerhalb eines großen Budgets bewegt. „Echte“ Filme, in denen Schauspieler, Skripte und Regisseure noch eine große Rolle spielen, gibt es leider nicht mehr sehr oft. Wie bereits oben erwähnt, beginnt man über die Filmbranche nachzudenken, wenn man Thiel-Klenners Kurzfilm ansieht. Interessant ist vor allem, dass vieles gar nicht so direkt ausgesprochen wird, der geneigte Zuseher aber dennoch sofort weiß, was damit gemeint ist.
Man sollte unbedingt den Film auch bis zu Ende sehen, denn Thiel-Klenner serviert nach dem Abspann noch einen wirklich hervorragenden Gag, der wiederum vielen Blockbuster-Regisseuren in den Mund gelegt werden könnte, die nicht des Films sondern des Profits wegen tätig wurden.

Auch hinter der Kamera trifft man einen alten Bekannten, wenn man sich mit dem unabhängigen deutschen Film beschäftigt: José Hidalgo, der auch für den Schnitt verantwortlich ist und zusammen mit Klaus Thiel-Klenner schon mehrmals zusammengearbeitet hat. Auch hier erweist sich das Gespann als äußerst teamfähig. „The No Budget Passion Of The Christ“ wird leider viele mit seinen Botschaften nicht erreichen, weil er nicht Mainstream tauglich genug ist. Schade, denn genau solche Zuseher hätte dieses ehrgeizige Projekt verdient, um ihnen die Augen für eine neue Art von Filmen zu öffnen: dem unabhängigen Autorenkino, bei dem Schauspiel mehr als Budget zählt.
Wer den Film noch nicht kennt und sich selbst ein Bild von „The No Budget Passion Of The Christ“ machen will:

Fazit: Kirche und Filmbranche haben nichts zu lachen, der Zuschauer schon. 🙂 Und dennoch bleibt einem manchmal das Lachen im Hals stecken, weil alles, was Klaus Thiel-Klenner sagt, leider der Wahrheit entspricht. Unbedingt (mehrmals) ansehen.

© 2020 Wolfgang Brunner

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