Mary Shelley (2017)

10.Mary-Shelley-Movie-Poster

Originaltitel: Mary Shelley
Regie: Haifaa Al-Mansour
Drehbuch: Haifaa Al-Mansour, Emma Jensen, Connor McPherson
Kamera: David Ungaro
Musik: Amelia Warner
Laufzeit: 120 Minuten
Darsteller: Elle Fanning, Maisie Williams, Joanne Froggatt, Douglas Boothe, Stephen Dillane, Tom Sturridge, Bel Powley, Ben Hardy
Genre: Filmbiografie
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

*

Mary, die selbst Geschichten schreibt, verliebt sich in den Dichter Percy Bysshe Shelley. Eines Tages eröffnet sie ihren Freunden im Haus von Lord Byron ihre Idee eines Romans um eine von den Toten wiederauferstandene Kreatur. Doch die Gesellschaft hat zu jener Zeit keinen Sinn für eine Frau, die sich als Schriftstellerin verdingt.

*

Ich war sehr gespannt auf diese Filmbiografie, zumal mich seinerzeit Ken Russells ausgefallener Historientrip „Gothic“, der zumindest jene „berühmte“ Nacht in Lord Byrons Haus behandelt, total begeistert hat. Umso mehr interessierte mich, wie dieses Mal unter der Regie einer Frau an diese Lebensgeschichte herangegangen wird. „Mary Shelley“ ist anders als Ken Russells Film, wirkt aber gleichzeitig auch irgendwie wie eine Erweiterung seiner Gedankengänge. Es ist schwer zu erklären, wenn man den Film (oder beide Filme) nicht gesehen hat. Regisseurin Haifaa Al-Mansour widmet sich in ihrem Film ebenfalls „nur“ einem Ausschnitt in Shelleys Leben, was aber durchaus legitim ist, da es sich schließlich um jene Zeitspanne handelt, in der die ersten Ideen zu „Frankenstein“ in den Gedanken der jungen Autorin entstanden sind, bis hin zur Niederschrift des weltweit bekannten Romans.

Die junge Elle Fanning, die vielen in den Hauptrollen der Kinoerfolge „Super 8“ oder jüngst „The Neon Demon“ bekannt sein dürfte, meistert die Hauptrolle mit Bravour. Es macht riesigen Spaß, ihr bei der Verkörperung von Mary Shelley zuzusehen. Aber auch alle anderen Darsteller sind sehr treffend ausgewählt und machen ihre Arbeit exzellent. Regisseurin Haifaa Al-Mansour zeichnet ein sehr emotionales, melancholisches Bild der jungen Schriftstellerin, die sich seinerzeit sehr rebellisch benahm und daher gegen gängige Konventionen verstieß. Der Film ist sehr künstlerisch und schwelgt teilweise in wunderbaren Bildern, die den Zuschauer in ihren Bann ziehen. Man hätte vielleicht sogar mehr aus der Geschichte machen, man hätte aber auch bedeutend weniger herausholen können. Daher empfinde ich „Mary Shelley“ als absolut empfehlenswerte Filmbiografie, die sich absolut sehen lassen kann. Mit persönlich hat vor allem der immer wieder sehr ruhige Inszenierungsstil gefallen, der ein wenig an einen ArtHouse-Film erinnerte.

Mit viel Atmosphäre (neblige Landschaften und Friedhöfe) und einer sehr opulenten Ausstattung kann „Mary Shelley“ auf ganzer Linie überzeugen, wenn man sich darauf einlassen kann, dass es in erster Linie um den Menschen und nicht um die Erschaffung des berühmten Romans geht. Tom Sturridge in der Rolle des Lord Byron hat mich richtiggehend begeistert. Seine Launen, Wutausbrüche und das exzentrische Verhalten habe ich ihm in jeder Sekunde abgenommen. Das ist echte Schauspielkunst, die der junge Mann da abgeliefert hat.
„Mary Shelley kam mir oftmals vor, als hätten Jane Campion und Peter Greenaway gemeinsam einen Film erschaffen. Manche Aufnahmen besitzen eine unglaubliche Ästhetik,  die man nicht so schnell vergisst. Haifaa Al-Mansour hat die damalige Situation bezüglich Frauenrecht und -gleichberechtigung in eine filmische Biografie verpackt und dem Film damit eine noch heute aktuelle Bedeutung gegeben. „Mary Shelley“ zeigt, dass die junge Frau und Schriftstellerin eine Art Wegbereiterin für den Kampf um Gleichberechtigung der Frauen war. Die zentrale Aussage des Film ist, dass man (vor allem als Frau) für so manche  Ideale kämpfen muss.

*

Fazit: Wunderschön fotografierter und inszenierter Lebensabschnitt einer mutigen Frau.

© 2019 Wolfgang Brunner

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s