Anon (2018)

Anon

Originaltitel: Anon
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Kamera: Amir Mokri
Musik: Christophe Beck
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Clive Owen, Amanda Seyfried, Colm Feore, Sonya Walger, Mark O’Brien, Joe Pingue, Iddo Goldberg
Genre: Science Fiction, Thriller
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
FSK: ab 12 Jahre

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In einer Welt, in der die Privatsphäre eines Menschen praktisch nicht mehr existiert, trifft Detektiv Sal Frieland auf eine Frau, die sich gegen diese Art von Gläsernheit schützen kann und sogar die Erinnerungen von Menschen manipulieren kann. Frieland will unbedingt ihre wahre Identität enträtseln …

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Schon nach den ersten Minuten merkt man, dass man einen neuen Film von Andrew Niccol sieht. Zu sehr erinnert das Set seiner dystopischen Zukunftsvision an den unglaublich guten „Gattaca“. Doch noch ein anderer Kultfilm fiel mir nach den ersten zehn Minuten immer wieder ein, als ich die betörend faszinierenden Bilder in Verbindung mit der sehr atmosphärischen Musik von Christophe Beck auf mich einwirken ließ: Ridley Scotts „Blade Runner“. Vielleicht lag es tatsächlich an den ruhigen Klavierklängen, die mich sehr oft an die elektrisierende Verfilmung von Phillip K. Dicks Kultroman denken ließen, es kann aber auch durchaus sein, dass die Kulissen und die ruhige Inszenierung daran schuld war, dass mir dieser Film immer wieder in den Sinn kam. „Anon“ kann zwar nicht mit „Blade Runner“ verglichen werden, aber die Atmosphäre kam den schon sehr nahe, zumal es sich auch hier um eine Mordermittlung in einer zukünftigen Welt handelte.

Andrew Niccol hat zudem noch eine faszinierende Mischung aus Film Noir und moderner Science Fiction-Mär geschaffen, in dem er nämlich eine High Tech-Welt mit „alten“ Kulissen miteinander verband. In der einen Sekunde sieht man modernste Computergrafiken und in der nächsten Oldtimer-Wagen, in denen kettenrauchende Ermittler sitzen. Gerade diese Gegensätze machen „Anon“ zu einem ganz besonderen Film, der nämlich zum einen wie eine Hommage an die alten Detektivfilme wirkt und zum anderen den technisch aktuellsten Stand der heutigen Zeit zeigt. Der Plot regt definitiv zum Nachdenken an, was die Entwicklung der Technik mit uns Menschen macht. Die Privatsphäre leidet schon jetzt in Zeiten der sozialen Netzwerke ungemein und wenn man genauer darüber nachdenkt, wird einem klar, dass Niccols Zukunftsvision fast schon zur Realität geworden ist. Der Film zeigt auf, wie es enden könnte, wenn Regierungen die Bürger immer mehr zu gläsernen Menschen machen.  „Anon“ ist beklemmend und beängstigend, bietet aber trotz seiner kritischen Momente auch gute, spannende und kurzweilige Unterhaltung. Er reiht sich aus meiner Sicht in beklemmende Zukunftsvisionen wie zum Beispiel „Her“ oder „I Origins“ ein und bleibt, zumindest bei mir, im Gedächtnis haften.

Schauspielerisch konnte Clive Owen absolut überzeugen, während Amanda Seyfried nicht immer glaubwürdig wirkte, was aber durchaus auch an ihrer Rolle liegen könnte. „Anon“ mag auf viele Zuseher lahm wirken, weil er sehr wenig Action bietet. Aber genau diese Art von Zukunftsvisionen ist es doch, die uns absolut glaubwürdig vor Augen hält, wie die Welt von Morgen aussehen könnte. Und „Anon“ ist nicht weit entfernt von diesem Szenario. Mit wirklich starken und stylischen Bildern nimmt uns der Regisseur absolut gefangen und lässt seine Vision noch eine Weile, nachdem der Film geendet hat, nachwirken. „Anon“ ist ein Film, der nicht für Blockbuster-Zuschauer gemacht ist, sondern sich an das ArtHouse-Publikum wendet. Niccols Film wirkt auf den ersten Blick steril und emotionslos, wenn man aber zwischen den Bildern genau hinsieht, entdeckt man jede Menge (verlorener) Gefühle. Zudem unterstreicht diese sterile Inszenierung die Ängste der Menschen, die fast keine Geheimnisse mehr für sich behalten können. Für mich war „Anon“ eine wirklich düstere Dystopie, die mich zum einen sehr gut unterhalten und zum anderen auch beschäftigt hat.
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Fazit: Stylische Zukunftsvision, in der Privatsphäre nicht mehr existiert. Glaubhafte Mischung aus SF-Thriller und Film Noir.

© 2018 Wolfgang Brunner

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