The Corpse Grinders (2018)

Originaltitel: The Corpse Grinders
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose
nach dem Originaldrehbuch von Arch Hall sr. und Joseph Cranston
Kamera: Costel Argesanu
Musik: Timo Rose
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Max Evans, Yazmeen Baker, Enya Maria Tames, Ted V. Mikels, Kristina Kostiv, Marc Engel, Donna Hamblin, Nils Henftling, Anthony Straeger, Thomas Binder, Shawn C. Phillips
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Deutschland, USA
FSK: ungeprüft

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Landau bekommt das Unternehmen „Lotus Cat Food“ überschrieben. Aber er hat Schwierigkeiten, das Geschäft am Leben zu erhalten, da die Umsätze weitaus schlechter als erwartet sind. Landau bekommt finanzielle Schwierigkeiten und kann die Mitarbeiter nicht länger bezahlen. Und so beginnt er, seine Mitarbeiter zu töten und auf andere Weise in seine Firma zu involvieren. Als einer der Vermissten, Frank, von der Polizei gesucht wird, entwickelt sich Landaus außergewöhnlicher „Einsatz“ für „Lotus Cat Food“ zu einer stetig ansteigenden Gefahr.

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Timo Rose, der mich mit seinen letzten Filmen „Reeperbahn“ und vor allem „Death Wish Zero“ sehr beeindruckt hat, liefert mit seinem neuen Film, einer Neuinterpretation von Ted V. Mikels KLassiker „Die Leichenmühle“, einen äußerst unangenehmen Film ab. Unangenehm wegen seiner direkten Zurschaustellung menschlicher Abgründe und den daraus resultierenden Folgen.  Roses Remake von „The Corpse Grinders“ ist in jeder Hinsicht dreckig und vulgär, aber auch tiefsinnig, wenn man genauer darüber nachdenkt. Es gab lange Zeit einen Film, der mich über Monate beschäftigt hat und dessen Bilder ich nicht mehr aus dem Kopf bekam, nämlich Marian Doras intensives, blutiges Drama „Cannibal“ über den Kannibalen von Rothenburg. Timo Rose tritt mit „The Corpse Grinders“ aus meiner Sicht in die Fußstapfen Doras und verursacht mit seinem blutigen, äußerst brutalen Horror-Thriller ein ähnlich unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Das liegt zum Teil mit Sicherheit an den teilweise wirklich derben Szenen, die man hier zu sehen bekommt, ist aber auch auf die beeindruckende Schauspielerleistung von Max Evans zurückzuführen. Evans‘ Mimik jagt einem oftmals Angst ein und man denkt unweigerlich daran, wie es wäre, wenn man ihm in diesem (Wut-)Zustand in einer dunklen Gasse gegenüberstehen würde.
Der Charakter des Landau ist aus meiner Sicht so geschickt in Szene gesetzt, dass man nie genau weiß, ob man es mit einem sympathischen, normalen Mann zu tun hat oder mit einem extrem gefährlichen, unkontrollierbaren Psychopathen. Max Evans verkörpert beides und das macht „The Corpse Grinders“ zu einer schauspielerischen und inszenatorischen Bombe, die jederzeit losgehen kann und dies auch tut.

Aber „The Corpse Grinder“ schockiert nicht nur, sondern zeigt auch auf, zu was Menschen fähig sind, wenn sie (finanziell oder auch anderweitig) keinen Ausweg mehr sehen. Anders als im Original von Ted V. Mikels konzentriert sich Timo Rose viel mehr um den Protagonisten Landau, versucht seine Psyche zu ergründen, was ihm durch das tolle Schauspiel von Max Evans, wie oben schon erwähnt, auch gelingt. Man wird Zeuge eines psychischen Verfalls und einer Fehlschaltung menschlichen Denkens, begleitet die grenzenlose Ausuferung einer Obsession und nimmt teil, wie ein kaputter Mann seine eigenen Abgründe auslotet und die Kontrolle über sich selbst verliert. Roses Film stellt für mich im Grunde genommen eine Mischung aus brutalem Splatter und psychologischer Lebensgeschichte eines verzweifelten (wütenden und kaltblütigen) Mannes dar, der aber durchaus auch zu Gefühlen imstande ist. Und weil eben auch „gute“ Emotionen mit ins Spiel kommen, funktioniert der Film und schockt.
Erwähnen möchte ich unbedingt auch noch den genialen Score, den Timo Rose zum größten Teil selbst komponiert hat. Dadurch kommt eine sehr bedrückende Stimmung auf, die sich durch den kompletten Film zieht. Sehr einfallsreich fand ich auch, wie der Regisseur des Originalfilms Ted V. Mikels in die Handlung eingebunden wurde, das hatte einen sehr charmanten Flair. 😉

„The Corpse Grinders“ bewegt sich zwar auf einem gewissen Low-Budget-Film-Niveau, aber gerade diese, ich nenne sie jetzt einfach mal „Unperfektheit im Look“, macht den Film wiederum auf gewisse Art und Weise perfekt und unterstreicht sogar den oben erwähnten dreckigen Stil. „The Corpse Grinders“ würde in einer Hollywood-Blockbuster-Perfektion bei weitem nicht jene Beklemmungen beim Zuschauer auslösen, wie er das in der jetzigen Fassung tut. Bei einer bestimmten Szene werden die FSK und andere Altersfreigabeprüfstellen ihre helle Freude haben und händeringend zur Schere greifen, nicht wissend, was diese Sequenz eigentlich über den Protagonisten aussagt. Man sollte nämlich bei Timo Roses Film auch zwischen den Bildern lesen (auch wenn einige jetzt sagen werden, dass es bei Roses Filmen nichts zwischen den gezeigten Bildern zu interpretieren gäbe). Bei mir haben die Bilder jedenfalls ein Gedankenkarussell ausgelöst, das mich irgendwie nicht mehr loslässt. Man muss sich auf „The Corpse Grinders“ einlassen können. Hier werden die Menschen nicht, wie im Original, von Katzen getötet, sondern von Landau persönlich. Timo Roses Neuinterpretation der Geschichte ist eine moderne, brutale, schockierende, düstere und beängstigende Version.
Ich musste mir „The Corpse Grinders“ tatsächlich zwei Mal ansehen. Beim ersten Mal hat er mich nämlich „nur“ geschockt, beim zweiten Mal dann in seiner schonungslosen Konsequenz, mit der Mikels Originalfilm fortgeführt beziehungsweise zu Ende gedacht wurde, beeindruckt.

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Fazit: Brutale, dreckige, schonungslose, schockierende und düstere Neuinterpretation eines Klassikers.

© 2018 Wolfgang Brunner

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