Die Farbe des Horizonts (2018)

horizont

Originaltitel: Adrift
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: Aaron Kandell, Jordan Kandell, David Branson Smith
Kamera: Robert Richardson
Musik: Volker Bertelmann
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Shailene Woodley, Sam Claflin, Grace Palmer, Jeffrey Thomas, Elizabeth Hawthorne
Genre: Drama, Abenteuer
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Tami lernt auf Tahiti den attraktiven Segler und Weltenbummler Richard kennen. Die beiden verlieben sich bis über beide Ohren und beschließen, gemeinsam den Pazifik zu befahren. Doch mitten auf dem Meer werden sie von einem gewaltigen Unwetter heimgesucht. Als Tami erwacht, ist das Boot nur noch ein Wrack und Richard verschwunden …

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Es beginnt alles wie ein wunderbarer Traum, der sich erfüllt. Tami lernt die Liebe ihres Lebens kennen und beginnt das größte Abenteuer ihres Lebens. Shailene Woodley und Sam Claflin meistern ihre Rollen von der ersten Minute an hervorragend und man nimmt ihnen das Verliebtsein uneingeschränkt ab.  Es ist eine wahre Freude, den beiden zuzusehen, wie sie sich kennenlernen und beschließen, das Leben ab sofort gemeinsam zu meistern. Regisseur Baltasar Kormákur, der schon mit dem beeindruckenden „Everest“ absolut überzeugen konnte, zeigt auch hier sein Können, in dem er (einen übrigens absolut unkitschigen, sondern authentischen) Liebesfilm mit spannendem Überlebenshorror kombiniert. Durch wunderschöne Aufnahmen vergisst man anfangs, was einen aufgrund der Inhaltsangabe erwartet und genießt eine wunderbare, glückliche Zeit mit den beiden Protagonisten. „Die Farbe des Horizonts“ orientiert sich an einer wahren Begebenheit, die sich im Jahr 1983 ereignete und durch den autobiografischen Erfahrungsbericht mit dem Titel „Red Sky In Mourning: A True Story Of Love, Loss And Survival At Sea“ von der betroffenen Seglerin Tami Oldham Ashcraft schriftlich festgehalten wurde.

Dem Film wird oftmals vorgeworfen, er nehme sich keine Zeit für die Charakterentwicklung des Liebespaars, was ich absolut nicht bestätigen kann. Alles wirkt sehr echt und in Anbetracht eines eineinhalbstündigen Films hätte man es nicht besser inszenieren können. Woodley agiert in manchen Szenen wie einst Kate Winslet in James Camerons Bloickbuster „Titanic“ und bestätigt ihr schauspielerisches Talent, das sie in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ schon einmal bewiesen hat. Die junge Schauspielerin spielt sehr intensiv und glaubwürdig. Aber auch Sam Clalfin, den die meisten wahrscheinlich aus „Ein ganzes halbes Jahr“ kennen, passt sehr gut in den Film und verkörpert Richard überzeugend. Beide Schauspieler tragen neben den beeindruckenden Aufnahmen den gesamten Film und vermitteln eine außergewöhnliche Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Ich hätte dem Paar noch gut und gerne eine Stunde länger zusehen können,wie sie um ihr Überleben und ihre Liebe kämpfen.

Der Score von Volker Bertelmann ist absolut passend – mal wunderschön romantisch und ruhig, mal bombastisch und nervend. Seine Musik rundet das Survival-Drama nach tatsächlichen Ereignissen wunderbar ab und tut das ihrige zur Atmosphäre. „Die Farbe des Horizonts“ ist sehr ergreifend und emotional, ohne jemals wirklich ins Kitschige zu fallen. Die Geschichte wird flüssig erzählt und steuert konsequent auf das deprimierende Finale zu. Tamis Verhalten und ihre Reaktionen während und nach dem Unglück werden sehr gefühlvoll von Shailene Woodley dargestellt und man fühlt mit ihr, spürt ihre Angst und Verzweiflung, bemerkt aber auch den Mut und Durchhaltewillen, den sie an den Tag legt.
Ein sehr geschickter inszenatorischer Schachzug ist der Aufbau des Films, der immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselt, so dass die dramatische Seite des Plots eine weitaus emotionalere Seite bekommt, als hätte Baltasar Kormákur das Ganze geradlinig erzählt. Thematisch fühlte ich mich sehr oft an Robert Redfords Drama „All Is Lost“ erinnert, wobei „Die Farbe des Horizonts“ um Längen besser ist, sowohl was Dramaturgie, Inszenierung und auch Schauspielerleistung(en) betrifft.
Baltasar Kormákurs Film ist eine faszinierende Mischung aus Liebes-, Abenteuerfilm und Überlebens-Drama, an das man sich noch lange nach Sichtung erinnert.

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Fazit: Gekonnt inszeniertes Überlebensdrama mit wunderbaren Schauspielern.

© 2018 Wolfgang Brunner

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