The Bliss (2018)

Originaltitel: The Bliss
Regie: James Bell
Drehbuch: James Bell
Kamera: James Bell, Mae Bell
Musik: Kids Kill Kids (James Bell)
Laufzeit: 23 Minuten
Darsteller: James Bell, Mae Bell
Genre: Experimentalfilm, Undergroundfilm
Produktionsland: USA
FSK: keine deutsche Veröffentlichung

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James Bells Kurzfilm The Bliss hat keine Narration im klassischen Sinne. Er hat keine Story, der man auf konventionelle Art folgen kann. Am ehesten könnte man ihn als musikvideo-artigen Experimentalfilm bezeichnen. Der Regisseur schafft es auch mit geringen Mitteln eine glaubwürdige, audiovisuelle Traumwelt zu schaffen. Der Film beginnt mit schriller Zirkusmusik, die aufs Äußerste entfremdet ist und sich so durch den ganzen Film zieht. Alles ist entstellt. Von der Musik über die grellen Farben und psychedelischen Lichteffekte, bis zu den Charakteren. Die Camcorder-Qualität, die man heutzutage wohl am ehesten mit Snuff-Filmen assoziiert, ist da nur konsequent und folgerichtig. Die anachronistische Imperfektion ist der Kleber des Ganzen. Freunde von Practical Effects kommen vollkommen auf ihre Kosten, denn auf diese wird besonderes Augenmerk gelegt. Obwohl überaus realistische Effekte angewandt werden, lässt diese Welt jedoch keine emotionale Bindung zu. Ein explizit dargestellter Schwangerschaftsabbruch per Kleiderhaken oder ein Lampenschirm aus menschlichen Gesichtern, der selbst Ed Geins Augen zum Funkeln bringen würde, lassen einem zwar die Kinnlade herunterklappen, aber schaffen keine Empathie.

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Schaut man sich die Filmografie des Regisseurs an, verwundert diese Detailverliebtheit nicht. Der mittlerweile als Independent-Filmemacher etablierte Bell kommt ursprünglich aus dem Practical Effects-Bereich und hat bereits viele Low-to-No-Budget-Filme durch seine Beiträge veredelt. Bereits in mehreren eigenen Kurzfilmen konnte er seinen speziellen Stil unter Beweis stellen. The Bliss ist sicherlich nicht jedermanns Sache – zu unkonventionell, zu unbequem. Eine hoffnungslose Welt, die tonal an den B-Klassiker Street Trash erinnern lässt, jedoch komplett auf Humor verzichtet. Wer seine Freude an experimentellem, surrealem Undergroundkino hat, wird hier sicherlich funkelnde Augen bekommen, wie der vormals erwähnte Farmer aus Plainfield.

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Fazit: Mr Bell, es wird Zeit für einen Langfilm!

© René Wiesner 2018

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