Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016)

Originaltitel: Fantastic Beasts and Where to Find Them
Regie: David Yates
Drehbuch: J. K. Rowling
Kamera: Philippe Rousselot
Musik: James Newton Howard
Laufzeit: 133 Minuten
Darsteller: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Ezra Miller, Dan Fogler, Alison Sudol, Colin Farrell, Faith Wood-Blagrove, Samantha Morton, Ron Perlman, Jon Voight, Johnny Depp
Genre: Filmbiografie
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Der exzentrische und hochbegabte britische Zauberer Newt Scamander erforscht mit Hingabe die Vielfalt aller magischen Wesen und setzt sich für ihre Rettung und Erhaltung ein. Ein paar solcher Wesen trägt er in seinem Koffer mit sich herum, als er nach Amerika aufbricht, um dort ein neues Wesen zu ergattern. Durch einen unglücklichen Zufall gerät eines der Wesen durch den Menschen Jacob Kowalski frei und sorgt für Aufregung. Bei dem Versuch, das Wesen wieder einzufangen, begegnen Newt und Jacob der Magierin Tina Goldstein. Doch das Problem ist nicht nur, dass Newts magische Wesen auf freiem Fuß sind, sondern auch ein europäischer Zauberer, der nichts Gutes im Schilde führt …

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Niemand hätte damit gerechnet, dass es nach dem letzten Teil der Harry Potter-Reihe noch einmal einen Film gibt, der im gleichen Universum spielt. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch, als es hieß, dass „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ in die Kinos kommen sollte. Das titelgebende Büchlein, in dem lediglich magische Wesen beschrieben werden, bildete aber nur entfernt die Vorlage für den ersten von insgesamt fünf geplanten Teilen der neuen „Potter“-Reihe. Protagonist der Handlung ist der Zauberer Newt Scamander, den eingeschweißte Harry Potter-Fans selbstverständlich als Verfasser des obengenannten Buches kennen. Und genau jene Abenteuer, die Scamander während seiner Forschungen erlebt, bilden das Handlungsgerüst des Films.  Während anfangs noch ein Hauch von Rückkehr in die magische Welt von Harry Potter gelingt (Hogwarts, Dumbledore und einige andere Verweise auf die ursprünglichen Potters werden genannt), entwickelt sich „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ aber schon bald in eine andere, eigenständige Richtung, die aber dennoch absolut funktioniert.

Regisseur David Yates, der bereits bei den letzten drei Büchern (vier Filmen) der Harry Potter-Reihe und auch den beeindruckenden „Legend Of Tarzan“ Regie führte, zeigt auch hier ein sicheres Händchen in der Inszenierung für einen abendfüllenden, spannenden und sehr unterhaltsamen Kinofilm. In wunderbaren Bildern, die nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene verzaubern, erzählt er eine magische Geschichte, die einem in der Tat die reale Welt um einen herum für etwas mehr als zwei Stunden vergessen lässt. Man merkt dem Film an, dass er auf mehrere Teile angelegt ist, denn nichts in der Handlung wirkt überfrachtet und mit Gewalt in die Laufzeit hineingequetscht. Yater geht es relativ ruhig an und erzählt eine geradlinige Geschichte, die allerdings mit nicht viel Innovationen aufwarten kann. Doch dieser kleine Makel wird schnell aufgrund der rasanten Inszenierungsweise und den perfekten Effekten vergessen. „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ ist ein Film, in den man sich fallen lassen muss, um ihn genießen zu können. Allerdings finde ich persönlich die FSK-Freigabe ab 6 Jahren etwas grenzwertig, aber das ist ein anderes Thema und hat mit dem Film nichts zu tun.

Schauspielerisch liegt das ganze auf einem guten Niveau, das sich sehen lassen kann. Eddie Redmayne (2015 Oscargewinner für seine Rolle des Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit) hat zwar schon viele Filme auf seinem Karriereblatt zu verzeichnen, dürfte aber den meisten wohl in letzter Zeit nur durch seine Rolle in  „Jupiter Ascending“ in Erinnerung geblieben sein. Er wirkt in den ersten Momenten des Films etwas fehlbesetzt, aber das legt sich sehr schnell und schon bald erweist sich sein Schauspiel als wahrer Glücksgriff für den Film. Er verkörpert den jungen Zauberer „very british“ und verleiht ihm dadurch einen ganz besonderen Charakter, der im Gedächtnis haften bleibt. Katherine Waterston wirkt neben ihm ein wenig blass, obwohl auch sie ihre Rolle sehr gut und glaubwürdig im Griff hat. Sympathieträger des Films ist allerdings unumwunden Dan Fogler in der Rolle als Jacob Kowalski, der zum einen einen unglaublichen Charme versprüht und zum anderen die Gratwanderung zwischen gutem Slapstick und peinlichem Klamauk bravourös meistert und niemals in letzteren abgleitet. Es macht wirklich ungemein Spaß, ihm bei seiner sympathischen Tölpelhaftigkeit zuzusehen. Aber dass er schauspielern kann, hat Fogler bereits in „Scenic Route“ vortrefflich bewiesen.
Insgesamt lässt „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ auf eine gute Reihe von Kinofilmen hoffen, die nicht nur die Augen von Kindern sondern auch von Erwachsenen glänzen lässt. Für mich war dieser Film eine unerwartete, freudige Überraschung.

Hervorzuheben ist noch der wirklich fantastische Score von James Newton Howard, der die tollen Bilder passend untermalt und in ihrer Wirkung unterstreicht. Vor allem am Ende, wenn die Zauberer (ohne spoilern zu wollen) Schäden an der Stadt wieder beheben, kann einen schon mal eine wohlige Gänsehaut überkommen, so intensiv und emotional wirken und harmonieren da Musik und Bild miteinander.

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Fazit: Treffsicherer, märchenhafter Ausflug in die Welt von Harry Potter, der mit guten Schauspielern und einem überragenden Dan Fogler aufwartet.

© 2017 Wolfgang Brunner

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